• Die Buchstabensammlerin

    Die Berliner Morgenpost hat ein Audio-Interview mit Barbara Dechant vom Berliner Buchstabenmuseum am Alexanderplatz geführt, dessen Ausstellungsdesign gerade grundlegend überarbeitet wurde. Das Interview ist nun mit unterlegten Schwarz-Weiß-Fotografien als YouTube-Video verfügbar.
    Wer das Buchstabenmuseum noch nicht kennt: Eine gute Gelegenheit zum Besuch bieten die regelmäßig stattfindenden Vorträge. Der nächste findet am 28.1.2012 statt und behandelt das Corporate Design der AEG.



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    Kommentare 34 Kommentare
    1. Avatar von Martin Z. Schröder
      Martin Z. Schröder -
      Wozu man alte und meistens häßliche Fassadenbeschriftungen in einer Sammlung ausstellt, begreife ich nicht. Worin besteht der Gewinn?
    1. Avatar von Ralf Herrmann
      Ralf Herrmann -
      Erst hingehen, dann urteilen.
    1. Avatar von Martin Z. Schröder
      Martin Z. Schröder -
      Ich vermute nach Ansicht etlicher Fotos hier und da, mich würde in der Sammlung von Hausbeschriftungen ohne Häuser der inszenierte Charme eines Schrottplatzes erwarten. Ich bevorzuge echte Schrottplätze. Den Sinn der meisten Sammlungen kann man in einem Satz erklären, aber die Überreste von Gebrauchsgrafik? Eine Bildersammlung mit den Häusern würde ich auch für sinnvoll halten, aber Gebrauchsgrafik am Bau ohne Bau? Rudimente? Why?
    1. Avatar von Ralf Herrmann
      Ralf Herrmann -
      Martin, Du lebst von einer Druckkunst mit physischen Lettern, die heute auch nicht mehr gebraucht wird. Aber genau deshalb hat sie doch heute wieder umso mehr Charme.
      Die Buchstaben im Buchstabenmuseum sind nicht weniger als Zeitgeschichte! Sie erzählen von verschiedensten Fertigungstechniken, Geschmäckern usw. Und natürlich haben auch die konkreten Ausstellungsstücke spannende Geschichten zu erzählen – von ihrer Herstellung, ihrem Anbringungsort und gegebenenfalls ihrem Ende. Sofern vorhanden, sollen diese Geschichten (inkl. Fotos) natürlich ausführlich dargestellt werden.
    1. Avatar von Kathrinvdm
      Kathrinvdm -
      Ich finde den Ansatz sehr spannend. Lieber heute als morgen würde ich mir die Ausstellung anschauen – der Besuch ist nun fest auf meiner Berlin-Merkliste eingetragen.
    1. Avatar von Martin Z. Schröder
      Martin Z. Schröder -
      Meine Werkstatt ist eine Privatwirtschaft und erwirtschaftet Steuern, ihre Existenzberechtigung erhält sie durch die Auftraggeber. Das Buchstabenmuseum beansprucht Steuermittel und gesellschaftliche Zuwendung und muß sich deshalb rechtfertigen. Die Eckdaten von Technik sind keine spannenden Geschichten, jedenfalls in meinen Augen. Aber unter "gemeinnützig" verstehen wir vieles, was Unterhaltungswert hat und für Unbeteiligte als überflüssig angesehen wird. Ich will mich gar nicht gegen das Museum aufplustern, ich möchte nur meine Skepsis zum Ausdruck bringen und sehen, ob es Gedanken gibt, die ich nicht berücksichtigt habe bei meiner Einschätzung, das Sammeln vor dem Müll bewahrter Buchstaben zum Anschauen für uninteressant zu halten. Die Inszenierung der Coburger Hochschule kann natürlich schön sein, aber ein Exponat sollte auch ohne Inszenierung sinnvoll sein.
    1. Avatar von Pachulke
      Pachulke -
      Na ja, bei enger Beurteilung ist das Sammeln von Müll ja der museale Gedanke schlechthin. Wenn man das in Frage stellt — wo will man da anfangen, wo aufhören? Das Buchstabenmuseum ist halt ein Fachmuseum, das versucht, einen ganz bestimmten Ausschnitt Kulturgeschichte zu conservieren. Das Museo delle Ghise sammelt halt Kanaldeckel. Es gibt sogar Museen, die alte bemalte Leinwände sammeln. Die Nützlichkeitsunterscheidung kann da doch nur subjektiv sein.
    1. Avatar von bertel
      bertel -
      Zitat Zitat von Martin Z. Schröder Beitrag anzeigen
      … das Sammeln vor dem Müll bewahrter …
      Das trifft auf jedes Museum zu. Auch Bilder von Rembrandt oder urzeitliche Pfahlbauten im Bodensee oder Fettecken gehören dazu. Lieber weg damit, weil es Steuergelder kostet? Ich weiß ja nicht …
    1. Avatar von Microboy
      Microboy -
      Ich besitze selbst einige alte Leuchtbuchstaben (hauptsächlich Os) und erfreue mich tagtäglich an Ihnen. Insofern kann ich die Kritik an der Idee des Museums nicht nachvollziehen. Fassadenbeschriftungen haben auch ohne Fassade einen ganz eigenen Charme – sei es das verwitterte Material, eine besonders schöne Buchstabenform oder schlicht die schiere Größe.
    1. Avatar von Martin Z. Schröder
      Martin Z. Schröder -
      Kunstwerke, die auf dem freien Markt Preise von Millionenbeträgen kosten, würde ich nicht als Müll bezeichnen, das kann doch kein ernstgemeinter Gedanke sein. Wie ist es eigentlich um den Marktwert der Buchstaben bestellt?

      Daß alte Buchstaben dekorativ sind, würde ich nicht bestreiten. Also Fachmuseum und dekorative Sammlung. Womöglich sind das zwei gute Gründe für die Sammlung, auch wenn ich selbst keinen Gewinn darin sehe, die Objekte zu bewahren.
    1. Avatar von Ralf Herrmann
      Ralf Herrmann -
      Ich sagte ja: geh doch mal hin und schau es Dir an. Du wirst sehen, dass da sehr wohl »Kunstwerke« von immensem finanziellen und kulturhistorischen Wert dabei sind. Und der Wert steigt ja bekanntlich nur mit dem Alter. Ob eine Zeichnung mal hunderttausende Euro Wert ist, entscheidet sich ja auch nicht unbedingt in dem Moment, wo sie entsteht oder von einem Sammler konserviert wird.
      Du solltest Dich nicht davon leiten lassen, dass da oben in dem Bild nur ein paar »Deko-Buchstaben« zu sehen sind.
    1. Avatar von bertel
      bertel -
      Zitat Zitat von Martin Z. Schröder Beitrag anzeigen
      Kunstwerke, die auf dem freien Markt Preise von Millionenbeträgen kosten, würde ich nicht als Müll bezeichnen …
      Die Preise werden heute erzielt, nicht zu Zeiten, als sie entstanden. Es gibt genügend in Armut gestorbene Künstler, deren Werke heute – aus welchen Gründen auch immer – millionenschwer sind, damals aber einen kaum höheren Stellenwert als "Müll" hatten.
    1. Avatar von bertel
      bertel -
      Ein aktueller Fall: Zwei 22 Jahre Pommes.
    1. Avatar von pürsti
      pürsti -
      Die Preise werden heute erzielt, nicht zu Zeiten, als sie entstanden.
      Naja, werden schon auch Zeitgenossen antändig (?) vergütet. Z. B.:
      http://www.sueddeutsche.de/kultur/be...sten-1.1176089
      Und der Hype um die „Neue Leipziger Schule“ ist ja auch noch nicht verflogen.

      Ist aber ja ohnehin so ein Ding, Werte auschließlich an ihrer monetären Taxierung zu messen.
    1. Avatar von Martin Z. Schröder
      Martin Z. Schröder -
      Den Wert von Kunst kann man am Preis messen, andere Maße hat man nicht, oder? Das eigene Gefallen ist ja kein Maßstab, der für andere als einen selbst gilt. Auch die öffentlichen Museen müssen sich auf dem Markt bewegen. Und Kunst ist auch Spekulationsobjekt.

      Diese Buchstaben sind nun aber keine Kunst, sondern Dekor und Werbung. Der Wert entsteht auf einem anderen Markt. Der Vergleich mit den Kanaldeckeln erscheint mir treffender als der mit Kunst. Und Kanaldeckel zu sammeln, würde ich auch nicht für eine öffentliche Aufgabe halten. Mir fehlt bei dieser Sammlung die Einsicht in das Motiv. Daß sie dekorativ ist, erscheint mir nicht ausreichend für staatliche Unterstützung. Und die Sammlung wird ja auch erst durch staatliche Unterstützung, also die Arbeit der Hochschule, dekorativ. Aber warum genügt von diesen Glasschriften nicht ein Foto? Die Wirkung in Originalgröße in der Sammlung ist ja ohnehin eine andere als die des ursprünglichen Zustandes an einer Fassade. Findet da eine Umwidmung statt? Also werden aus Reklameschildern Kunstgegenstände? Wie geschieht so etwas? Ich glaube, wir archivieren ohnehin zu viel. Bald wird das Mobiltelefon vom Vorjahr einen Platz im Museum beanspruchen. Vermutlich tut es das schon.
    1. Avatar von Pachulke
      Pachulke -
      Hier überlagern sich zwei Fragestellungen, die meines Erachtens getrennt gehören: Die Frage nach der Sammelwürdigkeit von bestimmten Gegenständen und die Frage nach der öffentlichen Förderung. Für sammelwürdig halte ich die Buchstaben, aber natürlich sollte sich so eine Sache dann selbst tragen. Staatliche Förderung jeglicher Kultur halte ich für unangemessen, solange es auch nur einen Pfennig Staatsschulden gibt. Kultur kann man sich leisten, wenn man schuldenfrei ist, aber nicht von geborgtem Geld.
    1. Avatar von Ralf Herrmann
      Ralf Herrmann -
      Das ist kein staatliches Museum und es werden keine Steuergelder verbraten. Es ist ein Verein, der von Spenden lebt.

      Dass es Leute geben mag, die so etwas als »Müll« bezeichnen, erwartet man ja, aber in diesem Kreise hier? Ich bin etwa sprachlos …
    1. Avatar von Martin Z. Schröder
      Martin Z. Schröder -
      Gemeinnützige Vereine sind steuerlich begünstigt. Und wenn eine Hochschule die Ausstattung übernimmt, wird sie nicht dieselben Preise nehmen wie eine Agentur. Von Verbraten spreche ich nicht, aber ich meine, unter diesen Bedingungen ist es legitim, Fragen zu stellen.

      Mit den Leuten meinst Du mich, Ralf? Wenn ich es recht verstanden habe, wurde einiges aus dem Museumsbestand vor dem Müll gerettet. Mir wäre neu, daß sich Typografen ausführlicher mit Neonschriften befaßt hätten. Von geglückter Typografie wird man bei diesen Objekten nur selten sprechen können. Bei den Berliner TT-Bahnen habe ich als Schüler mal arbeiten müssen, das Schild war damals schon häßlich, und aufgesammelt gewinnt es sicherlich auch nicht viel. Warum soll man das nicht wegwerfen?
    1. Avatar von Microboy
      Microboy -
      Zitat Zitat von Pachulke Beitrag anzeigen
      Staatliche Förderung jeglicher Kultur halte ich für unangemessen, solange es auch nur einen Pfennig Staatsschulden gibt. Kultur kann man sich leisten, wenn man schuldenfrei ist, aber nicht von geborgtem Geld.
      Puh! Das ist eine sehr gewagte These - welche Kulturform kommt denn heute noch ohne staatlichen Unterstützung aus?
    1. Avatar von bertel
      bertel -
      Zitat Zitat von Martin Z. Schröder Beitrag anzeigen
      … wurde einiges aus dem Museumsbestand vor dem Müll gerettet.
      Das wird auf deine "Hardware" sicher auch zutreffen. So wie auf jede andere Unternehmung auch, die sich mit älteren als aktuellen Dingen beschäftigt.

      Zitat Zitat von Martin Z. Schröder Beitrag anzeigen
      … das Schild war damals schon häßlich, und aufgesammelt gewinnt es sicherlich auch nicht viel. Warum soll man das nicht wegwerfen?
      Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wenn ich durch deinen Laden schlumpfte, fände ich Dinge, ich ebenfalls unbedingt dem Müll übereignete.
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