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Janson von Nicolas Kis

Daten zur Schrift

Nicolas Kis

Foundry: D. Stempel

erschienen: 1919

Vertrieb: Kommerziell

Art: serif

Formprinzip: Antiqua humanistisch

Schriftbewertung

Stimmen: 1

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1919 kam D. Stempel mit der Übernahme der Leipziger Schriftgießerei Drugulin in den Besitz von Stempeln, Matern und Abschlägen einer bei Drugulin »Holländische Antiqua« genannten Schrift, die Jan Tschichold später in seinem Meisterbuch der Schrift als »schönste alte deutsche Antiqua-Schrift« bezeichnete.

Sie wurde von Stempel als Janson Antiqua in Umlauf gebracht und entwickelte sich zu einer der beliebtesten Fließtextschriften des 20. Jahrhunderts. Doch der Bezug zum Schriftschneider Anton Janson stellte sich in der Folge als eine Fehleinschätzung heraus. Der eigentliche Schöpfer war der Ungar Nicolas Kis. An der Aufklärung dieser Verwechslung wirkten unter anderen Harry Carter, George Buday und György Haimann mit.

Nicolas Kis ging 1680 nach Amsterdam, um calvinistische Theologie zu studieren und um im Auftrage eines Bischofs eine ungarische Bibel bei Daniel Elzevier zu drucken. Da das dafür versprochene Geld jedoch nicht eintraf, entschloss er sich, das Werk selbstständig anzugehen. Dazu fing er bei der Gießerei Voskens eine Lehre als Schriftschneider an und zeigte sich dabei wohl äußerst talentiert. Nach der Lehre machte er sich 1683 selbstständig und begann nun auch mit dem Druck der ungarischen Bibel unter Benutzung seiner eigenen Schriften. Die Qualität seiner Drucke brachte ihm alsbald Aufträge aus verschiedensten europäischen Ländern ein.

Nach über neun Jahren Arbeit in Holland verließ er das Land 1689 und brach wieder in Richtung Ungarn auf. Bei einem geplanten Zwischenstopp in Leipzig traf er statt des zuvor verstorbenen Anton Janson nur noch auf dessen Nachfolger Johann Carl Edling. Ein anvisierter Verkauf von Schriftmaterial an Edling scheiterte, die Matern verblieben jedoch dennoch erst einmal in Leipzig. Versuche durch Kis und später durch seine Witwe, die Matern nach Ungarn bringen zu lassen, scheiterten.

1720 tauchten die Schriften dann als »Holländische Schrifften« im Verzeichnis der Ehrhardtschen Gießerei auf. Die Gießerei von Wolfgang Dietrich Ehrhardt hatte von den Erben Edlings die Jansonschen Matrizen erworben. Von der Ehrhardtschen Gießerei gingen die Stempel und Matern in der Folge in den Besitz von Wilhelm Drugulin, von wo aus sie dann schließlich 1919 von D. Stempel übernommen wurden.

Ein neuer Neuschnitt auf Grundlage der Matrizen bei Stempel erfolgte dann 1937 durch Chauncey H. Griffith.

Weite Verbreitung fand jedoch vor allem die Linotype-Überarbeitung aus den 1950er-Jahren durch Hermann Zapf. Sie kam in Matrizenform für den Zeilenguss in den Größen 6, 8, 9, 10 Punkt heraus (normal und kursiv), ergänzt durch zwei Auszeichnungsgrößen von 24 und 48 Punkt für den Handsatz. Dazu Hermann Zapf:

Zitat

»Die einzelnen Grade dieser Schrift, die zum Teil aus dem 17.Jahrhundert stammen, wurden von verschiedenen Stempelschneidern von Hand geschnitten. Dadurch erklärt sich die unterschiedliche Qualität der einzelnen Grade zueinander. Durch Ergänzungen und Nachschnitte in den folgenden Jahrhunderten kamen fremde Einflüsse dazu, so daß heute kein Grad mehr alle ursprünglichen Figuren aufweist, ja durch schlechte Nachschnitte auch mangelhafte Figuren in die einzelnen Alphabete gekommen sind. Da nun die Figuren in allen Graden unterschiedlich sind, war es notwendig, die für die Janson-Antiqua typischen Figuren aus den einzelnen Graden auszuwählen, um ein Standard-Alphabet für den Setzmaschinen-Nachschnitt zu erhalten. Trotzdem war es für mich unmöglich, alle handschriftlichen Eigenarten in die Setzmaschinenschrift zu übertragen, ohne manirierte und affektierte Formen zu bekommen.«

 

Statistik/Quellen

Aufrufe: 2105

Angelegt: von Ralf Herrmann

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