Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband startet mit leserlich.info eine Plattform mit Designempfehlungen als praxisnahe Arbeitshilfe für Designer, Mediengestalter und interessierte Laien an. Unter der Federführung von Professor Florian Adler haben Kommunikationsdesigner, Gremienvertreter und Augenpatienten zusammengearbeitet.
Hintergrund
Sich visuell zu orientieren, Zeichen erkennen und lesen zu können, ist mehr denn je Voraussetzung dafür, sich in der Welt zurechtzufinden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Kommunikationsdesign hilft dabei, den Zugang zu Menschen, Wissen und Welt zu öffnen.
Freie Zugänglichkeit zu Information und Kommunikation ist daher auch eine zentrale Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 in Kraft getreten ist. In Deutschland leben rund 1,2 Millionen sehbehinderte Menschen, die selbst mit Sehhilfen über weniger als 30 % ihrer Sehkraft verfügen. Angesichts des demografischen Wandels wird diese Zahl in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Aber auch »Normalsichtige« profitieren bei ungünstigen Sichtverhältnissen, geringer Beleuchtung, Stress oder Leseschwächen von gut lesbarer Gestaltung. Durch inklusives Kommunikationsdesign werden Informationen für möglichst viele Menschen – unabhängig von ihrer Sehfähigkeit – lesbar und verständlich gestaltet. Es ist gleichermaßen zugänglich und attraktiv.

Die Grundlage von leserlich.info bildete die Recherche relevanter Quellen zu Leserlichkeit und Lesbarkeit. Als Kriterien zählten die Eindeutigkeit von Empfehlungen, die Angabe von Nenngrößen und Maßen, Aussagen zur Barrierefreiheit und die Reliabilität der Quellen, womit die Verlässlichkeit und wissenschaftliche Fundierung gemeint ist. 16 Einflussgrößen wurden nach zeichenbezogenen, textbezogenen, kontrast- und farbbezogenen, bildbezogenen und materialbezogenen Faktoren sortiert, analysiert und in mehreren Stufen evaluiert.
Die DIN 1450 erwies sich dabei in den meisten Fällen als die umfassendste Quelle, die über die hier zitierten Angaben hinaus noch weitere Kriterien der Leserlichkeit definiert und daher zur vertiefenden Lektüre empfohlen wird. Neben den Primärquellen liefert auch die typografische Fachliteraturzahlreiche Hinweise. In der Lesbarkeitsforschung klaffen jedoch nach wie vor große Lücken, da entweder Wissenschaftler ohne typografische Kenntnisse forschen oder Gestalter ihre Erkenntnisse nicht nach wissenschaftlichen Kriterien erlangen. So fußen auch die hier gesammelten Empfehlungen auf einem aktuellen Wissensstand, der weiterhin erforscht und bearbeitet werden muss.

http://leserlich.info
Im druckgrafischen Museum Pavillon-Presse wird im April die sogenannte Buchstaben-Bibliothek eröffnet – eine neue und einzigartige Fachbibliothek zu Schrift, Typografie und Druckkunst. Die Einweihung erfolgt im Rahmen eines Walbaum-Wochenendes (29. bis 30. April), zu der alle Interessenten herzlich eingeladen sind. 

Einige Hintergrund-Informationen über die Sammlung:
Mit der Buchstaben-Bibliothek entsteht ein neuer europäischer Forschungsstandort speziell zum Thema Schrift und Typografie. Die Bibliothek startet bereits mit mehreren tausend Fachtiteln und führt dabei verschiedene Sammlungen zusammen. 
Die Schriftmuster-Sammlung Schmidt. Der ehemalige Bremer Berufsschullehrer hat über Jahrzehnte hunderte, teils äußerst seltene und wertvolle Schriftmuster-Bücher aus aller Welt zusammengetragen. Mit freundlicher finanzieller Unterstützung des Landes Thüringen konnte die einmalige Sammlung durch die Pavillon-Presse übernommen werden.  Typografie-Sammlung Rutherford. Jay Rutherford war bis zum letzten Semester Professor an der Bauhaus-Universität Weimar und lehrte schwerpunktmäßig im Bereich Typografie. Seine ebenfalls über Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung von Büchern zu Schrift und Typografie finden nun als Dauerleihgabe ein neues Zuhause in der Pavillon-Presse. Die Sammlung umfasst vor allem deutsche und englische Typografie-Fachbücher – aktuelle und wertvolle antiquarische.  Die bisherige Hausbibliothek. Die seit dem Bestehen des Museums zusammengetragene Sammlung umfasst hunderte Fachbücher und -periodika verschiedenster Schwerpunkte:  Künstlerbücher, grafischen Verfahren, Drucktechnik, Papier und Verarbeitung, Maschinenbücher, Verlagswesen und ähnliches.  Die Sammlung Herrmann. Titel der privaten Sammlung des Museumsleiters werden auf Anfrage im Museum bzw. zur Digitalisierung bereitgestellt. In dieser Sammlung finden sich weitere Schriftmuster, Typografie-Fachbücher sowie Periodika wie etwa der komplette Bestand der Zeitgemäßen Schrift.  Neben der regulären Nutzung als Präsenzbibliothek wird auch die Aufarbeitung und Digitalisierung der teils seltenen Titel einen großen Stellenwert haben. Dafür steht auch ein spezieller Großformat-Buchscanner zur Verfügung, mit dem auch die größten und schwersten Schriftmusterbücher schonend und vollflächig gescannt werden können. 

Zur Eröffnung der Buchstaben-Bibliothek lädt unser Museum zu einem weiteren Walbaum-Wochenende ein. Am Samstag (29. April) finden folgende Vorträge statt:
Ralf Hermann: Faszination Schriftmuster – Schätze der neuen typografischen Bibliothek in Weimar Kirsten Solveig Schneider: Forschen. Sammeln. Bewahren. Prof. (emer.) Jay Rutherford: Post-digital Prof. Dr. Petra Eisele und Prof. Dr. Isabel Naegele: Futura. Die Schrift. Am Sonntag drucken die Teilnehmer des Walbaum-Wochenendes  in den Werkstätten unter fachkundiger Anleitung Schriftmuster-Plakate mit Holzletter-Schriften der Pavillon-Presse. 


Ausführliche Informationen zum Walbaum-Wochenende gibt es auf der zugehörigen Website, wo auch bereits die Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 35 Personen begrenzt. Eine rechtzeitige Registrierung wird daher empfohlen. 
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Weitere Informationen über die Buchstaben-Bibliothek und ihre Nutzung gibt es auf der Website der Pavillon-Presse. 
Source of the Originals lautet der Slogan der heute zum Monotype gehörenden Marke Linotype voller Stolz. Helvetica, Frutiger, Optima, Palatino, Syntax, Sabon, Avenir – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Einige der meistbenutzten und einflussreichsten Schriftentwicklungen des 20. Jahrhunderts sind in der Linotype-Bibliothek versammelt. Doch die Geschichte des Markennamens Linotype reicht noch viel weiter zurück: zur Erfindung einer Setzmaschine, die weltweit Geschichte schrieb und sogar verfilmt wurde …

Gutenbergs Schriftsatz mit beweglichen Lettern revolutionierte die Vervielfältigung des geschriebenen Wortes und machte es für die Massen zugänglich und bezahlbar. Das damit neu entstehende Handwerk des Schriftsetzens blieb über Jahrhunderte ein eben solches: reine Handarbeit. Innovationen fanden in anderen Bereichen der Drucksachenproduktion statt. Die ehemals hölzerne Presse wurde durch Eisen ersetzt und die dampfgetriebene Schnellpresse des aus Eisleben stammenden Druckers und Erfinders Friedrich Koenig sorgte Anfang des 19. Jahrhunderts für eine Verzehnfachung der Druckkapazität. Die Rotationspressen brachen schließlich alle Rekorde. Dem wachsenden Hunger der Bevölkerung nach immer mehr und immer aktuelleren Informationen stand nun also vor allem der Handsatz im Weg. Der Hamburger unpartheyische Correspondent musste Ende des 18. Jahrhunderts sechs- bis zehnmal parallel gesetzt werden, damit auf mehreren Pressen gleichzeitig die Auflage von 25.000 Stück erreicht werden konnte. 
So verlangte also insbesondere die Zeitungsproduktion nach einer Beschleunigung des Schriftsatzes. Ideen dazu gab es schon – etwa die Verwendung von Logotypen. Häufig benutzte Buchstabenkombinationen wurden dabei gleich zusammen auf einen Kegel gegossen, sodass der Setzer nun zwei Buchstaben auf einmal greifen konnte, wodurch sich die Satzgeschwindigkeit theoretisch fast verdoppeln lassen müsste. Doch die Setzkästen verfügten nun teilweise über bis zu 1.000 verschiedene Fächer und die Mühe, sich in dieser Fülle von Zeichen noch zurechtzufinden, machte die Hoffnung auf die zu erzielenden Geschwindigkeitsvorteile schnell wieder zunichte. 
Ein anderer Ansatz war der Typotheter des schwedischen Ingenieurs Albert Lagermann. Das Gerät erlaubte dem Setzer erstmals, beide Hände zu benutzen und die so schneller ergriffenen Lettern mussten lediglich in einen Trichter geworfen werden, wo sie ausgerichtet und ausgeschlossen wurden. Durchsetzen konnte sich aber auch diese Entwicklung nicht. Die einzige Lösung, die Satzarbeit signifikant zu beschleunigen, lag in der vollständigen Mechanisierung der Arbeit des Setzers. 
Unzählige Tüftler rangen im gesamten Verlauf des 19. Jahrhunderts um die besten Ideen, dies zu realisieren. Hunderte Patente wurden angemeldet und Prototypen mit großem finanziellen Aufwand entwickelt – stets mit dem Versprechen, nun sei es endlich geglückt. Die Erfinder versuchten in der Regel, den menschliches Handsatz direkt nachzuahmen und also die Buchstaben aus einem Fach freizugeben und durch ein maschinelles Gestänge zu führen und zu sammeln. Man sprach daher von Typensetzmaschinen. Als größter Feind erwies sich dabei die Letter selbst. Denn das weiche Blei in unterschiedlich breiten Kegeln zeigte sich in der Praxis wenig tauglich für eine derartige Verwendung. So kam es, dass selbst jene Maschinen, die es zu einer gewissen Serienreife gebracht hatten, in der Praxis von so vielen Personen bedient und gewartet werden mussten, dass die auf dem Papier versprochenen Geschwindigkeitssteigerungen nicht erreicht wurden und die teuren Maschinen den Handsatz nicht wie erhofft überflügeln konnten. Dazu bedurfte es erst eines Erfinders, der einen Schritt zurücktrat und das Problem aus einem neuen Winkel betrachtete …
 
Ottmar Mergenthaler und die Linotype-Setzmaschine
Als Sohn eines Schullehrers kam Ottmar Mergenthaler 1854 in Hachtel in Baden-Württemberg zu Welt. 1868 begann er eine Uhrmacherlehre und wanderte anschließend nach Amerika aus, wo sein Vetter in Washington eine Werkstatt führte, die Messinstrumente, elektrische Geräte und Uhren fertigte. In Washington blühte auch der Modellbau, da das dort angesiedelte Patentamt zu jeder Patentanmeldung auch ein Modell der Erfindung verlangte. So kam Mergenthaler mit allerlei interessanten Gerätschaften in Kontakt – unter anderem mit neuen Ansätzen für Setzmaschinen, die Mergenthaler jedoch nicht überzeugen konnten. 
So gründete er schließlich eine eigene Werkstatt und widmete seine freie Zeit nun ganz der Erfindung einer Setzmaschine, die alle anderen überragen sollte. Dabei war er darauf bedacht, die Fehler seiner Mitstreiter nicht zu wiederholen; er wollte das Problem auf eine neue Art und Weise lösen. Der Erfolg kam freilich nicht über Nacht – Mergenthaler näherte sich schrittweise einer Lösung. Seine erste Maschine arbeitete mit zeilenweise erzeugten Papiermatern, die von Einzelbuchstabenstempeln abgedrückt wurden. Seine zweite Maschine (siehe mittlere Abbildung) konnte zum ersten Mal Schriftzeilen direkt gießen. Statt der Stempel kamen nun bereits Einzelmatrizen zum Einsatz, von denen zeilenweise ein Abguss erzeugt wurde. 

Damit war der neue Weg zur Setzmaschine gefunden. Statt die Bleisatzbuchstaben selbst durch die Maschine zu führen, benutzte Mergenthaler nun Matrizen, in die das Buchstabenbild eingeprägt wurde. Diese ließen sich einfach zusammenführen, um von ihnen eine komplette Schriftzeile – »A Line of Type« – abzugießen. So entstand der Name Linotype. 
Doch die Maschine sollte nicht nur funktionieren – sie musste auch wirtschaftlich sein, also möglichst viele Arbeitsschritte (vom Satz bis zum Ausschluss der fertigen Zeile) ohne zusätzliche Arbeitskräfte erledigen. Auch der nötige Vorrat an teuren Matrizen konnte den Erfolg des Projekts gefährden. So tüftelte Mergenthaler weiter und fand in den frei umlaufenden Messingmatrizen eine Lösung, die die Erfindung perfekt und erfolgreich machen sollte. Die Matrizen wurde mit Zähnen ausgestattet, die wie eine Zeichenkodierung funktionierten. So konnte jede Matrize nach dem Abguss von der Maschine selbstständig zurück ins richtige Fach des Schriftmagazins transportiert werden – es mussten also nicht mehr Unmengen von Matrizen in der Maschine vorgehalten werden. Die erste Maschine dieser Art wurde 1886 bei der New York Tribune in Betrieb genommen und hörte auf den Namen Blower-Linotype (dritte Abbildung oben).

Obwohl die Maschine schlagartig zum Erfolg wurde, optimierte Mergenthaler das Konzept weiter. Mit der 1890 vorgestellten Simplex-Linotype war dann schließlich das »Konzept Linotype« vollendet, wie es nun über Jahrzehnte den Markt bestimmen sollte. 

Die Linotype-Setzmaschinen breiteten sich über den gesamten Erdball aus. Mitte des 20. Jahrhunderts verzeichnete man einen Absatz von 70.000 amerikanischen Maschinen, 15.000 aus England und 13.000 aus Deutschland – zusammen also fast 100.000 Stück. Die Bleisatzmaschinen der Linotype wurden bis 1976 gefertigt.

Ebenbürtig in Funktion und Erfolg war der Linotype lediglich die Monotype-Setzmaschine, die ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika entstand und im Gegensatz zur Linotype-Maschine keine Zeilen, sondern Einzelbuchstaben goss. Satz (siehe Foto unten) und Guss erfolgten bei der Monotype von Anfang an über getrennte Maschinen. Der Textsatz wurde dazu mithilfe von Lochstreifen kodiert und konnte so beliebig oft und an einem anderen Ort gegossen werden. 

Ab den 1950er-Jahren trat der Fotosatz auf den Plan und machte dem Maschinensatz mit Bleisatzlettern den Rang streitig. Während im Akzidenzsatz die diatype von Berthold Erfolge feierte, schuf das Linofilm-System für Fließtexte einen adäquaten Nachfolger der Linotype-Bleisatzmaschinen. Die Texteingabe erfolgte über eine elektronische Schreibmaschine auf Lochstreifen; ein separater Fotoautomat belichtete anschließend selbstständig. Es mussten lediglich Fotomaterial und Lochstreifen eingelegt werden. 

Lochbandgestützter Druck in den 1960er-Jahren ~ Rechts: »Linotype Europa«
 

Linofilm. Links: Eingabe und Belichtung. Rechts: Montage im Composer 
 
Dann folgten die erfolgreichen Linotron-, Linotronic und CRTronic-Reihen und die physische Zeichenvorlage verschwand nun endgültig aus dem Druck. Im Licht- bzw. Lasersatz ab Ende der 1960er-Jahre wurden die Buchstabenbilder nur noch als ein digitales Raster gespeichert. Es war auch das letzte Aufbäumen der proprietären Satzsysteme. Das System Linotype 505 C mit integriertem Computer kostete in den 1970er-Jahren 500.000 DM. Ein einzelner Fotosatzschnitt für die Linofilm VIP schlug mit 1.600 DM zu Buche.
Ende der 1980er-Jahre trat die Linotype AG selbstbewusst als »Weltmarktführer für Satztechnik« auf und erwirtschaftete mit fast 2.500 Beschäftigten einen Umsatz von 685 Millionen DM. Doch die Branche stand erneut vor einem Umbruch: dem Übergang zum Desktop Publishing mit Standard-PCs. Die teuren proprietären Komplettsysteme waren schlagartig nicht mehr gefragt. Die Linotype AG fusionierte mit Hell in Kiel zur Linotype-Hell AG, die ihrerseits kurze Zeit später von der Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen wurde. Der Schriftenbereich zog als Linotype GmbH nach Bad Homburg. Der bislang letzte Schritt in der langen Geschichte der Marke Linotype war die Übername der Linotype GmbH durch Monotype Imaging Inc. im Jahre 2006. Damit waren die über ein Jahrhundert konkurrierenden Unternehmen, die beide nach ihrer erfolgreichen Setzmaschine benannt sind, nun schließlich unter einem Dach vereint. Die Übernahme durch Monotype Imaging Inc. bezog sich jedoch nur auf den Bereich Schrifttechnologie. Die sonstigen Produkte im Bereich des Drucks verblieben bei der Heidelberger Druckmaschinen AG.  
 
Die Schriften
Die Druckergebnisse einer Setzmaschine sind natürlich immer nur so gut wie die Schriften, die für diese Maschine erhältlich sind. Die führenden Setzmaschinen-Anbieter Linotype und Monotype prägten so zwar indirekt, aber doch maßgeblich die Typografie des 20. Jahrhunderts. In Bezug auf die in Deutschland gefertigten Linotype-Maschinen entstand bereits sehr früh eine enge Zusammenarbeit mit dem Schriftanbieter D. Stempel AG in Frankfurt am Main. Stempel erhielt im Jahr 1900 das Recht zur Fertigung der Linotype-Matrizen und die Produktion hielt bis in die 1980er-Jahre an. 

Mit Stempel kommen durch Eigenentwicklung sowie Beteiligungen und Übernahmen anderer Schriftanbieter (W. Drugulin, Haas’schen Schriftgiesserei, Gebr. Klingspor, Benjamin Krebs Nachfolger, Deberny & Peignot, C. E. Weber) viele namhafte Schriften des 20. Jahrhunderts auf die Linotype-Blei- und später -Fotosatzmaschinen. Baskerville und Stempel Garamond wurden ab den 1920er-Jahren zu klassischen Buchsatzschriften der Linotype-Maschine. Die Excelsior dagegen prägte ab den 1930er-Jahren das Bild des Zeitungsdrucks. Ab den 1950er-Jahren entstanden aus der äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit mit Hermann Zapf Klassiker wie Palatino, Melior, Virtuosa und Optima. Ab 1961 wurde die Neue Haas-Grotesk als Helvetica von Stempel vertrieben und avancierte zu einer der bekanntesten Grotesk-Schriften der Welt. 

Probeabzug mit Korrektur-Anmerkungen von Hermann Zapf
 
Die letzten Linotype-Matrizen wurden bei Stempel 1983 produziert. Zwei Jahre später löste die Linotype AG (zu dieser Zeit Mehrheitseigner) die D. Stempel AG auf; die Schriftträgerproduktion wurde nach Eschborn verlagert. 
 
Linotype heute
Der deutsche Standort der Marke Linotype änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder: Berlin (Mergenthaler Setzmaschinen-Fabrik GmbH), Frankfurt am Main (im Hause von D. Stempel) und Eschborn (Mergenthaler Linotype GmbH) waren dabei die wichtigsten Stationen. Heute findet man Linotype in Bad Homburg. Wer Ersatzteile für seine Linotype-Systeme sucht, sollte sich jedoch nicht an diese Stelle wenden, denn bei der Linotype GmbH dreht sich heute alles um Schrift und Software. Die Schriftbibliothek wurde fortlaufend ausgebaut und die Klassiker, die man früher oft unter Zeitdruck an die mehrfach wechselnden Satzsysteme angepasst hatte, wurden und werden noch einmal grundlegend für den Digitalsatz überarbeitet. So entstanden unter anderem die Frutiger Next, Sabon Next, Univers Next, Palatino Nova und Optima Nova. Außerdem wurden immer mehr lateinischen Schriften auch arabische Versionen zur Seite gestellt – bislang zum Beispiel Frutiger Arabic, Neue Helvetica Arabic und Univers Arabic.
Ein Erfolg war auch die Entwicklung des Schriftverwaltungsprogramms Linotype FontExplorer, der – ursprünglich als kostenlose Version – schnell zum beliebtesten professionellen Fontmanager unter Mac OS X avancierte. 
 
eText-Schriften
Die Flut neuer Geräte zur Darstellung von Text stellt die Schriftanbieter vor völlig neue Herausforderungen. Jedes Gerät, jedes Betriebssystem und im Zweifel sogar jede Anwendung kann die Schrift anders darstellen – bezogen sowohl auf die physische Technik der Bildpunkte als auch auf die softwareseitige Implementierung der Kantenglättung. Ein gemeinsamer Nenner für das Erreichen einer optimalen Leserlichkeit unter so unterschiedlichen Bedingungen liegt dabei vor allem in der Kontrolle des Kontrastes zwischen Buchstabenform und Hintergrund. Schon beim Wechsel vom Blei- zum Digitalsatz verloren viele Schriften an Strichstärke. Der physische Druck der Bleilettern erzeugte einen mehr oder weniger starken Quetschrand, der bei der Digitalisierung der Buchstabenvorlagen oft nicht berücksichtigt wurde. Bei der Darstellung auf mobilen Lesegeräten in kleinen Schriftgraden kann es zu einem ähnlichen Effekt kommen. Die optimale Lösung liegt in der Neuzeichnung der Buchstabenformen speziell für diese Ausgabegeräte. Diesen Weg verfolgt das Unternehmen Monotype mit einer neuen Schriftserie, die auf den Namen eText hört und bereits auf verschiedenen Lesegeräten wie dem Kindle von Amazon oder dem Nook von Barnes & Noble zum Einsatz kommt. 
Doch wie unterscheiden sich eText-Schriften nun genau von den herkömmlichen Druckschriften? Genau wie bei den Bleisatzschriften mit unterschiedlichen Entwürfen für unterschiedliche Größen sind die eText-Schriften speziell auf Lesegrade getrimmt und besitzen daher spürbar größere x-Höhen. Das lässt die Schrift auf einem elektronischen Lesegerät größer erscheinen und schafft bei der geringen Anzahl von Pixeln mehr Raum für die zur Buchstabenerkennung wichtigen Informationen zwischen Grundlinie und x-Höhe. Haarlinien fallen in den eText-Fonts zudem deutlich kräftiger aus, damit sie auf den Lesegeräten nicht zu grau erscheinen oder ganz wegbrechen. 

normale (Hintergrund) und eText-Baskerville (Vordergrund) im Vergleich
 
Neben den Designmerkmalen verfügen die eText-Schriften aber auch über eine spezielle Bildschirmoptimierung, die Buchstabendetails an den Pixelgrenzen ausrichtet und so eine klarere und kontrastreichere Darstellung ermöglicht (Abbildung rechts, untere Zeile). Dies stellt für viele Leser noch einmal eine Optimierung gegenüber der vollautomatischen Subpixel-Kantenglättung dar, wie man sie etwa von Apple-Geräten kennt. Letztere gibt zwar Abstände und Buchstabenform so exakt wie möglich wieder, jedoch auf Kosten von Klarheit und Kontrast. 

normale (oben) und eText-Version der Palatino
 
Mit der bloßen Digitalisierung des Schriftsatzes ist also das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht. Auch über 100 Jahre nach Erfindung der Linotype- und Monotype-Setzmaschinen wird weiter um die bestmögliche Textdarstellung gerungen. Die nun unter einem Dach vereinten Marken Linotype und Monotype leisten dazu mit ihrer Erfahrung im Bereich der gestalterischen und technischen Schriftentwicklung auch im digitalen Zeitalter ihren wertvollen Beitrag.
Am 8. Dezember 2016 übergab der Rat für Rechtschreibung seinen dritten Bericht an die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Darin enthalten sind zwei Vorschläge zu Regelveränderungen der offiziellen deutschen Rechtschreibung zur Bestätigung durch die staatlichen Stellen. Ein Vorschlag widmet sich Adjektiv-Substantiv-Fügungen, ein anderer ist eine kleine Sensation: die Aufnahme des Eszett-Großbuchstabens in das Regelwerk der amtlichen deutschen Rechtschreibung. 
 
Im Jahr 2005 musste Dr. Kerstin Güthert vom Rechtschreibrat auf eine diesbezügliche Anfrage von Thomas Landsgesell noch antworten, dass man den Bedarf und Nutzen des Zeichens sehr wohl sieht, aber den Buchstaben selbst nicht »erfinden« könne. Dazu bedürfe es »einer Initiative der Schreibgemeinschaft«. Und so kam es. Seit dem Briefwechsel sind über 10 Jahre vergangen und es hat sich einiges getan. Die Aufnahme des großen Eszett in den Unicode hat die technischen Möglichkeiten geschaffen, um das Zeichen in der digitalen Kommunikation einsetzen zu können. In der Folge sind mehr als tausend Schriftfamilien mit großem Eszett auf der normierten Unicode-Position veröffentlicht worden und auch die Tastatureingabe wurde durch die T2-Norm geregelt.  Immer häufiger wurde das Zeichen nun im Satz mit Großbuchstaben verwendet, obgleich das offizielle Regelwerk diese Schreibung noch nicht enthielt. Doch dem steht nun eine entscheidende Änderung bevor.

Beispiel-Anwendung. Großes Eszett auf einem Diogenes-Kinderbuch
 
Der Rechtschreibrat empfiehlt die Änderung des amtlichen Regelwerks dergestalt, dass das große Eszett in die Buchstabenliste  der deutschen Buchstaben aufgenommen wird. 
Der bisherige Klammertext »Ausnahme ß« entfällt. Zur Schreibung in Großbuchstaben soll es zukünftig heißen: 
Der Rechtschreibrat begründet diese Vorschläge ausführlich mit den bekannten Argumenten für das große Eszett, etwa mit Hinblick auf die Eindeutigkeit von Eigennamen. Außerdem beruft man sich auf die Beobachtung der häufigen Beibehaltung des Eszett im Versalsatz – in der »ein Bedürfnis nach Bewahrung des Schriftbildes in der Schreibung zum Ausdruck gebracht wird«. Weiter heißt es:
In den bereits vorab durchgeführten Anhörungen im deutschsprachigen Raum wurde dem Vorschlag bereits ohne Einwände zugestimmt. Das Goethe-Institut begrüßt den Vorschlag zum Beispiel ausdrücklich und schließt sich »vollumfänglich« an. Die Schweiz und Liechtenstein enthielten sich, da sie das Eszett bekanntlich generell nicht verwenden. 

Gegenüberstellung der aktuellen und vorgeschlagenen Fassung
 
Vorbehaltlich der Bestätigung durch die Kultusministerkonferenz wäre damit die seit über hundert Jahren immer wieder angeprangerte Lücke im deutschen Alphabet endgültig geschlossen. 

Duden von 1919
Als Typekit 2009 an den Start ging, war es ein reiner Webfont-Dienst. Abonnenten konnten (und können bis heute) durch eine regelmäßige Zahlung Zugriff auf eine Schriftbibliothek erhalten und sämtliche Fonts in beliebige Internetpräsenzen einbinden. Nach der Übernahme durch Adobe entstand auch eine An- bzw. Einbindung in das Creative-Cloud-System und einige der Typekit-Schriften ließen sich nun auch kostenlos als Desktop-Fonts in beliebigen Anwendungen einsetzen. Die Auswahl dieser Schriften war jedoch beschränkt. Denn ähnlich wie bei Musik-Streaming-Diensten zahlt der Nutzer ja nur einen Pauschalpreis für das Typekit- oder Creative-Cloud-Abo. Somit erhält der Schriftgestalter bzw. die Foundry meist nur den Bruchteil dessen, was bei einer regulären Lizenzierung von Einzelfonts über andere Kanäle fällig wäre. Aus diesem Grund haben sich die Schrifthersteller auch nicht gerade darum gerissen, ihre kompletten Schriftbibliotheken über Typekit verfügbar zu machen. Doch mit dem Typekit Marketplace wurde nun eine entsprechende Lösung geschaffen.
Parallel zu den bisherigen Bibliotheks-Abos können Schriftanbieter ihren Schriften nun über den so genannten Marketplace auch zu einmalig zu zahlenden Festpreisen anbieten und umfangreiche Nutzungsmöglichkeiten sind bereits inbegriffen. 
 

 
Den Preis für die Lizenzierung bestimmt die Foundry, wobei es von Adobe vorgegebene Standardpreise gibt, von denen nicht abgewichen werden kann. Ebenso ausgeschlossen sind Rabatte jeder Art. Nach der Lizenzierung der Fonts erfolgt eine automatische Synchronisierung mit der Creative Cloud, sodass die Schriften sofort auf den Geräten des Benutzers zur Verfügung stehen. 
 

Schriftanbieter, die im Typekit Marketplace Schriften anbieten
 
Adobe steht mit seinen, den Markt dominierenden Design-Anwendungen buchstäblich zwischen Schriftanbietern und Schriftnutzern. An dieser Schnittstelle eine einfache Form der Schriftlizenzierung zu schaffen macht also durchaus Sinn. Und es entsteht mit dem Marketplace ein neuer Vertriebskanal für Fonts, der nicht von Monotype kontrolliert wird. Für viele Schriftanbieter sicher eine willkommene Entwicklung. 
Die vierte Ausgabe des Typografiemagazins Schrägstrich ist ab sofort als kostenloses eBook verfügbar. Die Studenten des Studiengangs Buch- und Medienproduktion der HTWK Leipzig haben ein Jahr lang an der neuen Ausgabe getüftelt und gewerkelt und sind nun stolz, Ihnen das Magazin zum Thema »Typo 24/7« präsentieren zu dürfen. In den verschiedensten Rubriken schreiben ausgewählte Autoren aus ganz Deutschland über die Themen Typografie, Design und Gestaltung. Gestalterisch aufbereitet ist das interaktive Magazin mit digitalen Spielereien wie Bildergalerien, Videos und animierten Zwischenseiten.
 

 
Inhaltsverzeichnis:
Typografische Spurensuche Schrift im öffentlichen Raum – eine Sammlung. Eva Kubinyi Schilder malen als Profession. Henry van der Horst Typografie und Technik Was Tiresias mit Großdruckbüchern zu tun hat. Gabi Schulze Professionelle Typografie in E-Books und anderen digitalen Medien. Tobias Köngeter Rezeption und Determination typografischer Elemente bei digitalen Displays. Frank Barth Typografie und Theorie Horror-Typografie. Pascal Renger Das Weinetikett – Kür und Pflicht. Peter Reichard Schriften und Schriftgestalter Schönheit nach Abzug. Andreas Uebele Typografie im Alltag. Matti Vandersee Typografie ist Kunst? Ungefragte Schrift. Nicholas Ganz Galerie Sammelwahn. Typejockeys  

 
Hier kann das Magazin geladen werden. Die Betrachtung des iBooks erfordert ein aktuelles Apple-Gerät (Mac/iPad/iPhone). 
Monotype hat die neueste Version seines Fontmanagers FontExplorer X Pro vorgestellt. Neben einer Vielzahl verbesserter Funktionen erlaubt FontExplorer X Pro jetzt das Sortieren der Schriften nach neuen Stilkategorien, was die Übersichtlichkeit und das Suchen passender Fonts erleichtert. Ebenfalls neu: Test-Tools für Fonts, einschließlich einer aktualisierten Version der Web-Vorschau, welche die Möglichkeit bietet, sich bestehende Websites mit einer lokal geladenen Schrift anzusehen.

Einige neue Funktionen des FontExplorer X Pro 6 im Überblick:
Erweiterte Font-Klassifizierung durch Subklassen wie Editorial, Graffiti, Display, Brush, ungekünstelte Schreibschrift, Lettering und viele mehr. Plug-Ins für die Font-Aktivierung in den Profiprogrammen Adobe Photoshop CC 2015.5 und Illustrator CC 2015.5, sowie QuarkXPress 2016. Automatisches Ablegen von Font-Dateien ins Mac-OS-Benutzerverzeichnis unter Berücksichtigung der aktuellen Sicherheitseinstellungen (kein manuelles Hin-und Herschieben von Font-Software-Dateien). Erweiterte Sprachunterstützung mit der Anzeige von Lokalisierungsinformationen (wenn eingetragen) für 25 Sprachräume. Erstmals User-Interface für Japanisch. Erweiterte Format-Unterstützung für 19 neue Dokumenttypen, Analysieren der Dateien von Microsoft Office, LibreOffice, OpenOffice, Sketch, Scribus, und anderen Programmen. Verbesserte Schriften-Kachelübersicht, die mehr Font-Optionen zeigt und deren Farb- und Schriftgestaltung die Beurteilung von Schriften beschleunigt.
Käufer, die den FontExplorer X Pro 5 nach dem 15. Mai 2016 erworben haben erhalten ein kostenloses Update. Bestandskunden zahlen 45 € für das Update auf FontExplorer X Pro 6. Neueinsteiger erwerben die FontExplorer X Pro 6 Lizenz für 89 €. Weitere Informationen zu den Update-Preisen sowie den Download einer Test-Version gibt es unter  http://www.fontexplorerx.com
Auf der ATypI-Konferenz in Warschau wurde die neueste Version der OpenType-Spezifikationen bekanntgegeben. Die Aktualisierung bringt eine signifikante Erweiterung mit sich: »Variable Fonts«. Nach dem Motto »aller guten Dinge sind drei« ist dies nach den Alleingängen von Apple (TrueType GX) und Adobe (Multiple Master) in den 1990er-Jahren nun der dritte Anlauf für Schriften, die den Zugriff auf stufenlos wählbare, gestalterische Zwischenschritte aus einer Fontdatei heraus erlauben. 
Dieses Mal sind jedoch alle führenden Software-Anbieter direkt in die Entwicklung involviert: Microsoft, Apple, Google und Adobe haben sich gemeinsam auf die Details geeinigt und sie als Teil der OpenType-Spezifikationen festgeschrieben. 

Nun müssen die neuen Spezifikationen natürlich noch in die Anwendungsprogramme implementiert und entsprechende Schriften geschaffen werden. Abwärtskompatibel sind die Schriften nur bedingt. Bei TrueType-basierten Fonts kann immerhin auf einen Grundschnitt ohne jegliche Interpolation zurückgriffen werden. Bei den PostScript-basierten OpenType-Schriften hat sich Adobe dazu entschieden, die alten Zöpfe gänzlich abzuschneiden. Das neue Format CFF 2 (Compact File Format) ist nicht abwärtskompatibel und diese Fonts laufen also ausschließlich mit Anwendungen, die die neuen OpenType-Spezifikationen vollständig unterstützen. 
Ein typisches Anwendungsfeld der neuen OpenType-Fonts wird wohl das elektronische Publizieren sein. Die möglichen Designvariationen innerhalb der Fontdateien erlauben eine Echtzeitanpassung an die konkrete Darstellungsumgebung. So kann sich etwa die Breite der Schrift dynamisch mit der Spaltenbreite ändern. Großen Wert wurde auch auf die Dateigrößen (und damit Ladezeiten beim Abruf von Inhalten aus dem Internet) gelegt. Die Kombination verschiedener Schnitte in einem Font kann redundante Informationen vermeiden. 
 
Weitere Informationen:
OpenType-Spezifikationen Artikel von John Hudson Adobe-/Typekit-Ankündigung
Schrift zwischen Tradition und Funktionalität: Die Abschaffung von Kurrent und gebrochener Schrift bildeten im 20. Jahrhundert bereits einen Bruch in der Kulturentwicklung der Leselernschriften im deutschsprachigen Raum. Und auch die technologischen Umwälzungen der Gegenwart stellen Umfang und Rolle der Lehre der Handschrift in der Schule auf eine weitere Probe. Das Walbaum-Wochenende vom 8. bis 9. Oktober in der Weimarer Pavillon-Presse widmet sich diesen Entwicklungen, bietet informative Fachvorträge und lädt zur Diskussion um die gegenwärtigen Entwicklungen ein.
 
Programm am Samstag, 8. Oktober:
10 Uhr. Ralf Herrmann. Begrüßung und Führung durch die Ausstellung »Leselernschriften – Hand- und Druckschriften aus über 100 Jahren Schulausbildung«

Diese Ausstellung zeigt anhand von Lehrmaterialien und Anwendungsbeispielen die wechselvolle Entwicklung der Leselernschriften im deutschsprachigen Raum vom 19. Jahrhundert bis heute. Von altdeutschen Hand- und Druckschriften spannt sich dabei der Bogen bis zu den lateinischen Hand- und Schulbuchdruckschriften der Gegenwart. 11 Uhr. Florian Hardwig:
»Non-Latin? Zickzack? Deutsche Schrift? Kleine Geschichte der Kurrent«

Einst die übliche Schreibschrift im deutschsprachigen Raum – heute für die meisten kaum noch zu entziffern: Florian Hardwig beleuchtet die Geschichte und Formmerkmale der Kurrentschrift und ihren Einsatz in Schule, Gebrauchsgrafik und politischer Propaganda. 14 Uhr. Friedrich Althausen: 
Neue Schriften für Fibel, Tafelwerk und Weltatlas

Der Schriftgestalter Friedrich Althausen stellt mehrere Schriftentwürfe für einen Schulbuchverlag vor, die in allen Medienformen und in allen denkbaren Unterrichtssituationen bestehen müssen. 15.30 Uhr. Tobias-David Albert: 
»Die Kursive – das zeitlose Modell der formalen Handschrift«

Thesen und Hypothesen zur Genese einer formalen Handschrift und deren Beziehung zur Ontogenese. Ein kurzweiliger und streitbarer Ausflug zu den Wurzeln von Schreiben und Schrift und deren nachhaltige Wirkung auf einen zeitgemäßen Umgang mit dieser Technik.
Programm am Sonntag, 9. Oktober:
10 Uhr. Optionaler Kalligrafie-Workshop: Große Buchstaben mit experimentellen Schreibgeräten

Ähnlich chinesischen Straßen-Kalligrafen, die mit Schwämmen an einem langen Stab im Stehen schreiben, werden Schreibgeräte mit verschiedenartigen Schreibspitzen angeboten. Dazu gibt es eine kurze Einleitung des Kalligrafen Tobias-David Albert, für einen sich selbst erschließenden experimentellen Umgang mit diesen Schreibschwämmen. Dauer: nach Bedarf. Es wird eine zusätzliche Materialpauschale von 10 Euro fällig.  



 
Anmeldung/Kosten
Die Teilnahmegebühr für den Samstag beträgt 99,- Euro (bzw. 45,- für Studenten). Für den optionalen Kalligrafie-Workshop am Sonntag wird eine zusätzliche Materialpauschale von 10 Euro berechnet. 
Jetzt anmelden.
 
In ihren fünf Jahren als international tätige Lettering-Künstlerin hat es die aus Buenos Aires stammende und heute in Berlin lebende Martina Flor bereits zu einem beachtlichen Ruf gebracht. Neben der Fertigung ihren Auftragsarbeiten vermittelt sie ihre Kenntnisse auch in Workshops und nun einem eigenen Buch, das im Verlag Hermann Schmidt Mainz erschienen ist. 


In »Lust auf Lettering« gibt Martina Flor Einblick in ihre Arbeitsweise und vermittelt Fachwissen rund um Schrift, Kalligrafie und Lettering.  Das Buch gliedert sich folgendermaßen:
Visuelles Storytelling – Lettering in Abgrenzung zu Kalligrafie und Typedesign Das typografische Auge – Von der Bedeutung des Beobachtens Basics – Von der DNA der Buchstaben Werkzeuge in ihre Anwendung – Von Feder, Pinsel und anderen Tools Spielwiese für Lettering Designer – Von der unendlichen Vielzahl gestalterischer Stile Komposition und Dekoration – Von Struktur, Hierarchie und Verzierung Schriften skizzieren – Von der ersten Skizze zum komplexen Entwurf Analog zu digital – Von Ankern und Vektoren Der letzte Schliff – Von Farben und Texturen Work in Progress – Auf dem Weg zum Lettering-Profi  
Wie man sieht, gibt das Buch einen Gesamtüberblick über die Arbeit eines Lettering-Designers: Von Werkzeugen, Schriftstilen und Arbeitsweisen während des Entwurfs bis hin zur Reinzeichnung/Vektorisierung und der Arbeit mit Kunden wird alles besprochen. Die vielen Illustrationen machen das Buch dabei kurzweilig und weisen auf leicht verständliche Weise auf  die wichtigsten »Dos and Don’ts« hin.



Es liegt aber in der Natur der Sache, dass ein Buch über kunsthandwerkliche Techniken Kurse und die notwendige Übungspraxis nicht ersetzen können. So ist Lust auf Lettering also weniger ein Lehrbuch, als vielmehr ein kurzweiliger Überblick über die Arbeit eines Lettering-Künstlers.  
Das Buch zeigt sich in der üblicher, hochwertigen Schmidt-Qualität. Die 168 Seiten als Hardcover sind detailverliebt gestaltet und passend zum Thema über weite Strecken in Lettering-Stil gestaltet, das heißt, Texte sind oft nicht gesetzt, sondern geschrieben und die Seiten wie abfotografierte Blätter auf einem Schreibtisch dargestellt. 


Daten zum Buch:
Hardcover, 168 Seiten erschienen: 30. Mai 2016 Autor: Martina Flor Gestaltung/Satz: Martina Flor, Pia Friese Schriften: Alegreya Sans, Alegreya Serif, Quire Sans Verlag Hermann Schmidt Mainz ISBN: 9783874398848 bei Amazon aufrufen (Partnerlink)  
Googles Webservice und Downloadportal für kostenlose Schriften startete 2010 mit nur 14 Familien. Seitdem wächst das Schriftenportal ständig und liefert mittlerweile Fonts aus über 800 Familien über 15 Milliarden Mal am Tag aus. 
Auf Basis von Googles eigenen Designstandards (»Material Design«) erfolgte nun eine umfassende Aktualisierung, die unter der neuen Adresse fonts.google.com erreichbar ist. 

Das alte (links) und neue Portal (rechts) im Vergleich
 
Der neue Auftritt überzeugt in Design und Benutzerfreundlichkeit. Das reduzierte und besser an jegliche Bildschirmgrößen angepasste Design stellt die Schriftdarstellung stärker in den Fokus und über die Regler und durch die direkte Bearbeitung der Schriftmustertexte lässt sich das meiste gleich  auf der Übersichtsseite bequem erledigen. Die vielen Reiter und Popups der alten Seite entfallen. Zu jeder Familie gibt es natürlich weiterhin eine Detailseite mit Informationen, Schriftmustern und der Darstellung von beliebten Schriftpaarungen, die man direkt übernehmen kann. 

 
Nachdem alle großen Verkaufsplattformen für Fonts nach und nach von Monotype aufgekauft wurden, wurde es für Schriftgestalter und kleinere Foundrys zunehmend schwerer, ein größeres Publikum abseits von Monotypes Kanälen und deren Vertragsbedingungen zu erreichen. Doch nun entstehen als Reaktion immer mehr alternative Plattformen aus den Reihen der Foundrys selbst. Das kürzlich gestartete Fontstand, hinter dem maßgeblich der holländische Anbieter Typotheque steckt, ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Mit dem Type Network ist gerade eine weitere Plattform nach ähnlichem Prinzip gestartet. 

Hinter dem Angebot stehen vor allem die Betreiber von Font Bureau und dem zugehörigen Webfont-Dienst Webtype. Statt als einzelne Foundry mit eigenem Webshop aufzutreten, hat Font Bureau sein Angebot in eine Plattform überführt, die als Informations- und Vertriebsportal für verschiedenste Schriftgestalter und Foundrys fungiert. Die Marke Font Bureau tritt dabei in den Hintergrund und selbst der Vertrieb vieler Font-Bureau-Fonts erfolgt nun nicht mehr unter dem Label der Foundry, sondern im Namen der einzelnen Designer bzw. ihrer (teilweise neu gegründeten) Label. 

Die Plattform startet mit 174 Schriftfamilien von 9 Schriftanbietern, doch das Angebot wird sicherlich wachsen. Lizenzen werden im Webshop für Desktop, Web (als Webservice oder für den eigenen Server), Apps und ePub ausgestellt. 
http://www.typenetwork.com
Jason Santa Maria ist ein in New York arbeitender Grafik- und Webdesigner. Er arbeitet derzeit für Vox Media, ist aber auch bekannt für die Gründung von Projekten wie Typedia oder A Book Apart. Letzteres ist ein Verlag, der sich speziell an Webdesigner richtet. Dort erschien auch sein Buch »On Web Typography«, dass nun in deutscher Lizenzausgabe vom dpunkt.verlag herausgegeben wurde. 
  Der Hauptteil des Buches erklärt auf circa 130 Seiten die Grundlagen der Webtypografie und gliedert sich in folgende Bereiche: Wie wir lesen Wie Schrift funktioniert Schriften bewerten Schriften auswählen und kombinieren Typografische Systeme Komposition     Das Buch zeigt die wesentlicher Felder auf, die es bei der Erstellung typografisch hochwertiger Webpräsenzen zu bedenken gibt und liefert passende Tipps, Links und Faustregeln aus der Erfahrung des Autors. Mehr darf man jedoch dabei nicht erwarten. Das Buch geht kaum in die Breite oder Tiefe und fungiert auch nicht als Nachschlagewerk. So ist das Buch also vor allem für (angehende) Webdesigner geeignet, denen Grundlagenwissen zur Typografie noch gänzlich fehlt und die sich erst einmal einen Überblick verschaffen möchten. Bei einem Preis von nur knapp 20 Euro geht die überblickshafte Behandlung des Themas in Ordnung. Eventuell reicht auch das Lesen des E-Books. Hier kann man auch direkt die im Buch zahlreich vorkommenden Links direkt ansteuern. Einige Leseproben gibt es auf der zugehörigen Webseite des Verlages.   
Eine elegante Display-Schrift von Friedrich Althausen mit 200 Ligaturen
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