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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Gerade hat Nick Shinn seine Parity veröffentlicht – eine Schrift, die von Grund auf als Unicase-Schrift, also als Kombination von Groß- und Kleinbuchstabenformen mit gleicher Buchstabenhöhe, gestaltet wurde.
 
Doch wie soll man Schriften dieser Art eigentlich im Deutschen bezeichnen? Dies fragte sich auch Jürgen Siebert von FontShop Deutschland. Die FontBook App ist mehrsprachig angelegt, aber eine Übersetzung für Unicase innerhalb dieser Anwendung fehlte bislang. Siebert fragte daher auf Twitter nach einer Übersetzung. Einen etablierten Begriff scheint es nicht zu geben, aber schnell wurden von verschiedenen Seiten neue Kunstwörter als Vorschlag unterbreitet; zum Beispiel Miscuskel/Mixuskel, Mononuskel/Monuskel oder Binuskel.


 
Den bislang überzeugendsten Vorschlag lieferte schließlich Florian Hardwig:
HEIM bzw. heim -> monokameral
Heim -> bikameral
HҼУM -> unikameral


 
Im Gegensatz zu den anderen Vorschlägen wird hier kein völlig neues Wort erfunden, da der sprachliche Bezug auf die zwei »Kammern« der lateinischen Schrift so bereits in anderen Sprachen im Einsatz ist. So findet sich bicameral/bicamérale zum Beispiel im Englischen und im Französischen.
Wir möchten diesen Vorschlag zur Etablierung von unikameral als deutsche Übersetzung für Unicase gern unterstützen und einen entsprechenden Artikel im Wiki von Typografie.info anlegen. Zuvor möchten wir jedoch der Community von Typografie.info noch einmal die Chance geben, über diesen Vorschlag zu diskutieren.

(Alle gezeigten Schriftmuster: Parity von Nick Shinn)
Als Feedback zur 2. Ausgabe des Typografie.info TypoJournals hörten wir immer wieder: »Das ist ja eigentlich schon kein Magazin mehr, das ist ja wie ein Fachbuch!« Und in der Tat: Das TypoJournal steht für seine hochwertigen Inhalte und dieses Feedback war für uns Genugtuung und Ansporn zugleich, diesen Anspruch auch bei der 3. Ausgabe konsequent weiterzuverfolgen. Nach anderthalb Jahren erscheint nun die neue Ausgabe des TypoJournals zum Thema »Wandel«.

Schrift, Sprache und Design sind einem fortwährenden Wandel unterworfen. Doch wie lange und aus welchen Gründen müssen Traditionen gepflegt werden? Müssen gebrochene Schriften nach 100 Jahre alten Satzregeln gesetzt werden? Sind Anglizismen ein Zeichen für den Verfall der deutschen Sprache? Welche Rolle spielen Handschrift, Bleisatz und Buchdruck noch in der digitalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts? Sollte man die deutsche Rechtschreibung einfach so von heute auf morgen ändern und kann man einfach einen neuen Buchstaben wie das große Eszett einführen und durchsetzen?
Dies sind keine einfachen Fragen und im dritten TypoJournal setzen wir uns daher ausführlich mit diesen und weiteren spannenden Themen rund um den Wandel in Schrift, Sprache und Design auseinander. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Die Artikel der Ausgabe
Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht? Prof. Dr. Rudi Keller Schriftmuster im Wandel. Henning Krause Bleisatz und Buchdruck im 21. Jahrhundert. Martin Z. Schröder Der Antiqua-Fraktur-Streit im 21. Jahrhundert. Ralf Herrmann Eine Kursive für die Fraktur. Joshua Krämer Die Berliner Verkehrsbetriebe im Wandel der Zeit. Lars Krüger Das Eszett, eine scharfe Type. Nadine Roßa Das Eszett kommt endlich groß heraus. Ralf Herrmann Corporate Design im Umbruch. Kathrin van der Merwe Papiernormen: Raumnot und Weltformat. Thomas Maier Das typografische Manifest. Emanuelle Typographique Sie haben Ihr Ziel erreicht. Das Ende des Kartenlesens. Ralf Herrmann Fingerübungen bei marke.6 in Weimar. Severin Wucher Umfang: 112 Seiten, durchgehend farbig
Format: A4
Preis: 9,90 Euro (inkl. 7% MwSt. und zzgl. Versandkosten)

Online bestellen im Shop von fonts.info: http://de.fonts.info
 
Stimmen zum Magazin
»Das TypoJournal ist das zur Zeit beste deutsche Typografie-Magazin.« (Fontblog) »Hintergründige Lektüre, in wissenschaftlicher Genauigkeit dargestellt, aber mit einem Schuss Eleganz und optischem Pfiff, sodass das Lesen zum Vergnügen wird.« (Christian Gutschi, Graphischen Revue) »Das Magazin hat einen sehr hohen Anspruch und in der Tat ist es eher Fachpublikation/-buch als Magazin. Für Typografie-, Sprachliebhaber und Designstudenten ein absolutes Muss.« Design Made in Germany »Leider habe ich das TypoJournal 1 verpasst und demnach nicht in meinem Regal stehen! Das ist äußerst bedauerlich, da – meiner Meinung nach – das Typojournal mit Abstand das beste – mir bekannte – deutschsprachige Typo- und/oder Grafikdesign-Magazin auf dem Markt ist.« L. Krüger, Berlin

17. Dezember 2011, 14 Uhr
Vortrag mit Nadine Roßa und Ralf Herrmann
im Buchstabenmuseum Berlin


Eszett, scharfes S, Buckel-S, Rucksack-S, Dreierles-S – ein ganz besonderer Buchstabe, der nicht nur viele Namen trägt, sondern auch so manche Besonderheit aufweist. Seine gestalterische und funktionale Herkunft ist bis heute nicht restlos geklärt und die Tatsache, dass er in der Orthografie von Deutschland und Österreich benutzt wird, aber bislang keinen offiziellen Großbuchstaben besitzt, macht ihn einzigartig innerhalb der gesamten lateinischen Schrift. Dabei kommt das Eszett selbst im Deutschen nur selten vor – nach der Rechtschreibreform sogar noch weniger. Doch es behauptet sich weiter hartnäckig und kämpft nun sogar wieder verstärkt um eine eigene Versalform.



Nadine Roßa und Ralf Herrmann, der in der Stadt Pößneck geboren wurde, schlagen sich mit den Irrungen und Wirrungen um diesen Buchstaben schon ihr ganzes Leben herum. Nadine Roßa trägt diesen Buchstaben heute sogar mit Stolz und widmete ihre Diplomarbeit an der HTW Berlin dem Eszett. Aus dieser Arbeit und ihrem Leben mit dem Eszett im Namen wird sie in diesem Vortrag berichten.
 

 
Ralf Herrmann führt anschließend in die derzeitige Debatte um Sinn oder Unsinn eines Versal-Eszett ein. Wie konnte es dazu kommen, dass lediglich ein Buchstabe der lateinischen Schrift nicht über eine Versalform verfügt? Und wie ist dieser Umstand im Jahr 2011 zu bewerten? Ist dies eine geschichtlich bedingte Eigenheit oder ein Grund zu handeln? Welche Gründe sprechen heute für oder gegen die Etablierung eines großen Eszett?

Termin: 17. Dezember 2011, 14:00 Uhr
Dauer: ca. 40 Minuten
Eintritt: 2,50 Euro
Schaudepot, Karl-Liebknecht-Straße 13, 10178 Berlin (Berlin Carré, Alexanderplatz)

Facebook-Veranstaltungsseite: http://www.facebook.com/events/329321430427287/
Was ist hier noch eine »Tintenfalle«, was eine Punze? Ein extremes Spiel mit Lesbarkeit und Innenräumen zeigt die neue Schrift Sutturah des Spanisches Schriftgestalters Octavio Pardo.



Ein komplettes PDF-Schriftmuster kann hier heruntergeladen werden. Die Schrift ist soeben bei Rosette Type erschienen und derzeit zu einem Einführungspreis mit 25 % Rabatt erhältlich: http://www.rosettatype.com/Sutturah
Wie Monotype Imaging in einer Pressemitteilung bekannt gab, wird man den Schriftwiederverkäufer MyFonts.com von Bitstream übernehmen. »Wird Monotype Imaging sich jetzt Monopoly Imaging nennen?« fragte heute morgen Erik Spiekermann schon scherzhaft auf Twitter. Denn mit den Schriftenkatalogen unter den Marken Monotype, ITC, Linotype und nun auch MyFonts dominiert man den Markt kommerzieller Schriften wie kein anderes Unternehmen. Lediglich FontShop bleibt einer der letzten »großen« weltweit tätigen, unabhängigen Schriftanbieter.
Mit dem eigenen Webshop unter fonts.com hatte Monotype das Online-Geschäft eher verschlafen, während MyFonts mit seinem rasch wachsenden und leicht bedienbaren Shop nicht mehr nur klassische Design-Agenturen bediente, sondern das Lizenzieren von Schriften auch für private Nutzer attraktiv machte. Genau zu diesem Zweck ging MyFonts.com im Jahr 2000 an den Start und wurde rasch immer beliebter. Heute bezeichnet man sich stolz als »weltgrößte Schriftenkollektion« und bieten cira 89.000 Schriftfamilien von über 900 einzelnen Schriftanbietern an.

Die Pressemitteilung:
http://www.businesswire.com/news/home/20111110006831/en/Monotype-Imaging-Acquire-Font-Business-Bitstream
Sie sind die Klassiker der System- und Webschriften: Die von Matthew Carter vor 15 Jahren speziell für optimale Leserlichkeit am Bildschirm entworfenen Schriften werden tagtäglich von Millionen von Menschen auf Internetseiten gelesen. Und wie das prominente Beispiel von Ikea zeigt, werden die Schriften aber lange nicht mehr nur am Bildschirm verwendet. Doch für den Einsatz als Druckschrift fehlten der Verdana und Georgia bislang die Ausdrucksmöglichkeiten, da sie lediglich als die klassische Windows-Fontfamilie mit 4 Schnitten verfügbar waren.
 

 
An den Pro-Versionen hat Matthew Carter nun gemeinsam mit David Berlow (Font Bureau), Steve Matteson und Tom Rickner (Monotype Imaging) gearbeitet. Dabei wurden die Schriftfamilien um weitere Strichstärken erweitert: Light, Semibold und Black ergänzen die bisherigen Regular- und Bold-Schnitte, und beide Schriften verfügen nun über insgesamt fünf Strichstärken, jeweils auch in Kursivvarianten. Neu hinzugekommen sind die für alle Strichstärken passenden Condensed-Schnitte.
Georgia Pro und Verdana Pro enthalten Kursive, Kapitälchen, Standardligaturen sowie Mediäval- und Versalziffern.
Nicht nur bei den Strichstärken, sondern auch bei der Zeichenausstattung hat das Designteam massiv Hand angelegt. Als OpenType-Features ansprechbar enthalten Georgia Pro und Verdana Pro echte Kapitälchen und verschiedene Ziffernsets. Letztere bieten Mediäval- und Versalziffern sowohl proportional als auch für den Tabellensatz zugerichtet. Neu hinzugekommen sind Standardligaturen in beiden Schriften.
 

 
Neben der typografischen Ausstattung wird auch der Sprachausbau massiv erweitert. Beide Schriften decken nun den kompletten pan-europäischen Sprachraum ab. Sie verfügen also neben den Zeichen für den osteuropäischen Sprachraum auch über griechische und kyrillische Zeichen.
 


 
Die Schriften kann man sich hierzulande über Linotype lizenzieren lassen. Neben den Druckschriften sind alle Fonts der Georgia und Verdana Pro auch als Webfonts verfügbar: einerseits über den Webfont-Dienst von Monotype/Linotype und andererseits über Webtype, den Webfontdienst von Font Bureau. Letztere haben unter georgiaverdana.com eigens eine Schriftmuster-Seite eingerichtet, auf der die Fonts direkt als Webfont betrachtet werden können.
Normalerweise mag ich keine kurzen Rückblicke auf Design-Konferenzen, wie sie üblicherweise in Magazinen und Weblogs erscheinen. Die eigentlichen Inhalte der Vorträge sind oft viel zu vielschichtig, als dass man sie in einige wenige Sätze fassen könnte. Wer nicht dabei war, erfährt also nur, welche Themen er alles verpasst hat und kann aus dem Rückblick wenig sinnvolles schöpfen. Doch die Schusterfisch-Konferenz in Weimar erscheint mir dennoch eine besondere Erwähnung wert.
 
Denn die von Jay Rutherford, Gaby Kosa, Andrea Dreyer und Ines Escherich organisierte Konferenz an der Bauhaus-Universität Weimar war alles andere als eine klassische Design-Konferenz. Unter dem Motto »Schrift in Bildung und Vermittlung« wagte man den Spagat, zwei völlig unterschiedliche Lager auf einer Konferenz zusammenzuführen: die Typografie und die Grundschul-Pädagogik. Und ich möchte sagen: das Experiment ist voll und ganz geglückt.
 

 
Der Veranstaltungsort war von historischer Relevanz und passend gewählt. Im Van-de-Velde-Gebäude der Bauhaus-Universität Weimar wurden 1919 die alten Lehrstrukturen aufgebrochen und die Studenten zu fakultätsübergreifendem Arbeiten ermutigt. Das Konzept und die Ergebnisse dieser neuen Arbeitsweise wurden legendär und machten weltweit Schule.
 

 
Mit der Pädagogik und der Typografie trafen nun hier zwei Disziplinen aufeinander, die zwar vieles miteinander gemein haben, aber doch selten in einen tatsächlichen Dialog treten. Und ich hatte Zweifel, ob man überhaupt in der Lage sein würde, eine gemeinsame Sprache zu sprechen und zu einem Dialog zu finden. Doch diese Zweifel wurden rasch zerstreut. Alle Vorträge und Diskussionen waren durch die Bank weg hoch interessant, konstruktiv und tiefgründig.
 
Beide Lager erklärten ihren Zugang und ihre Ideen zum Thema (Hand-)Schrift, deren Design und Vermittlung in der Schule. Schriftgestalter Friedrich Althausen berichtete über die Anforderungen an modernes Type Design; Jörg Petri schätze die medienphilosophische Rolle der Schrift ein; Ann Bessemans aus Belgien erklärte die neurowissenschaftliche Bedeutung des Erwerbs der Schreibfähigkeit, Indra Kupferschmid fasste die Forschungen von Gerrit Noordzij zur Handschrift zusammen; Florian Hardwig präsentierte seine Sammlung internationaler Schulschriften und Sebastian Böhmer von der Klassik-Stiftung Weimar führte in den gesellschaftspolitischen Schriften-Kampf zwischen Fraktur und Antiqua ein und erklärte, wie Verleger in der Vergangenheit durch die Wahl ihrer Schriften ihr Publikum bestimmen und konditionieren konnten.
 

 
Die weiteren Vorträge wurden dann aus Sicht der Pädagogik gehalten. Gundel Mattenklott betonte neben der reinen Funktionalität auch den ästhetischen Wert der Handschrift; Eva Maria Kohl und Michael Ritter führten in die Didaktik des Schrifterwerbs von Kindern ein und Thomas Heyl präsentierte interessante und nicht selten überraschende Forschungsergebnisse zu der Frage, ob Kinder beim Lernen des Lesens eine eigene Typografie benötigen.
 

 
Die meisten Themen führten zu intensiven Diskussionen. Welche Schriften sollen in Schulbüchern verwendet werden? Müssen die Doppelseiten eines Buches für Leseanfänger tatsächlich so überladen und durcheinander aussehen, wie es derzeit der Fall ist? Über mögliche Verbesserungsmöglichkeiten war man sich schnell einig, doch stehen denen nicht selten die zuständigen Gremien, Ministerien und die ökonomischen Zwänge der Schulbuchverlage im Weg. Ebenfalls heftig diskutiert wurde auch über die Rolle der Handschrift im 21. Jahrhundert selbst. Müssen Kinder im digitalen Zeitalter noch Blockschrift und Schreibschrift gleichermaßen beherrschen und in welcher Reihenfolge sollte man sie gegebenenfalls lehren? Welche der vielen Modelle der Schreibschrift sind die besten?
Natürlich wurde auch die neue Grundschrift heftig diskutiert. Die in den Medien gestreuten Schlagzeilen von der »Abschaffung der Schreibschrift« konnten rasch widerlegt werden. Doch ist diese »Kompromiss-Schrift« zwischen Block- und Schreibschrift tatsächlich der Weisheit letzter Schluss? Viele ähnliche Ansätze existieren in anderen Ländern bereits – allen voran Hans Eduard Meiers ABC-Schrift, die von vielen Seiten Lob erfahren hat.
 


Das Experiment, Design und Pädagogik in dieser Konferenz zusammenzubringen, ist geglückt. Natürlich konnte diese Konferenz nur ein erster Austausch sein. Es bleibt zu hoffen, dass diese Konferenz eine Fortsetzung findet oder zumindest die neu geknüpften Kontakte der Teilnehmer sich in der Zukunft in weiteren Kooperationen und schließlich auch positiv in der Praxis niederschlagen werden.
Der Schriftzug »Zierfische« mit seinen Ornamenten gehörte in Berlin über viele Jahre zum Frankfurter Tor, wie die zwei markanten Türme. Er war bereits ein Wahrzeichen an dieser Kreuzung. Das HO-Fachgeschäft wurde 1957 als modernste Zoofachhandlung in der Hauptstadt eröffnet. Handaufgezogene Papageien, Sittiche, Kaninchen und Reptilien erfreuten 52 Jahre lang Tierliebhaber aus Nah und Fern. 2009 musste das Geschäft am Frankfurter Tor 2 leider schließen.
Entworfen und gezeichnet wurde der Schriftzug »Zierfische« von Manfred Gensicke (*1934). Als gelernter Schrift- und Reklamemaler arbeitete er zwischen 1960 und 1995 in Berlin und ist für viele Beschilderungen im öffentlichen Raum verantwortlich. Der Zierfische-Schriftzug beruht auf seiner persönlichen Handschrift und wurde Anfang der 1980er Jahre neu gezeichnet und angefertigt.
Im Zuge der Sanierung der Karl-Marx-Allee wurde nicht nur die komplette Fassade des Gebäudes sandgestrahlt, sondern auch der Schriftzug mit den Fischen und Gräsern nachgebaut. Über 35 Meter gelbe Glasröhren wurden allein bei dem Schriftzuge »Zierfische« verarbeitet.



Mit einer Spendenaktion konnte das Berliner Buchstabenmuseum den Schriftzug im Jahr 2009 übernehmen und somit vor dem Verfall oder der Entsorgung retten. Dabei wäre die Übernahme um ein Haar gescheitert, da sich kurz vor der Demontage Diebe daran versuchten, die Leuchtreklame ihrerseits abzumontieren. Passanten beklagten nach der offiziellen Demontage sofort, dass dieses Wahrzeichens nun nicht mehr am gewohnten Platz sichtbar war. Nach der Rettung und Zwischenlagerung der Zierfische war es deshalb das Ziel des Buchstabenmuseums, diesen außergewöhnlichen Schriftzug mit seiner Geschichte der Öffentlichkeit zu präsentieren. Anfang 2011 konnte der Schriftzug dann schließlich in neuem Glanz im Rahmen einer Ausstellung in der Karl-Marx-Allee für zwei Monate präsentiert werden.



Manfred Gensicke mit Barbara Dechant und Anja Schulze vom Buchstabenmuseum bei der Vernissage:





Doch nicht nur der Schriftzug wurde gerettet. Der charakteristische Schildermaler-Schreibstil von Manfred Gensicke wurde mit dessen Unterstützung vom Designer Dirk Heider als komplette Schrift namens Gensicke ZF ausgebaut.



Eine besondere Herausforderung stellten die Buchstabenverbindungen statt. Durch unzählige Ligaturen, die sich per OpenType automatisch aktivieren lassen, spiegelt sich der lockere, handschriftliche Charakter auch in der Umsetzung als Font sehr gut wieder. Die Gensicke ZF kann man sich über Veer lizenzieren lassen. Der Lizenzgebühr beträgt 26 Euro. Außerdem ist die Schrift auf CD im Schaudepot des Buchstabenmuseums in Berlin erhältlich.



Zugehörige Links:
 
Schrift bei Veer lizenzieren lassen das Buchstabenmuseum in Berlin

 
Typografie.info-Mitglied Manfred Siemoneit bietet ein Drei-Tage-Seminar auf DVDs an. Der Autor ist gelernter Schriftsetzer, Dozent und hat verschiedene Fachbücher für Typografie und Drucktechnik verfasst. Wir haben uns das Werk angeschaut.
 
Typografie nicht in einem trockenen Fachbuch studieren, sondern bequem als Video vom Sessel aus – das klingt natürlich verlockend. Der DVD-Kurs von Manfred Siemoneit kommt auf zwei DVDs daher und hat eine Gesamtlaufzeit von circa vier Stunden.
Der Kurs richtet sich an Anfänger und vermittelt typografisches Grundwissen sozusagen im Schnelldurchlauf: Papiere und deren Formate, Falzungen, Schriftklassifikation, Satzspiegel, Satzarten, Empfehlungen zur Mikro- und Makrotypografie, Bilder, Farben, Linien, Tabellensatz, Corporate Design und vieles weitere mehr. Die vollständige Übersicht der einzelnen Kapitel kann hier eingesehen werden.

Der mit iDVD erstellte Kurs ist ordentlich produziert. Der Autor hält mit klarer und gut verständlicher Stimme seine Plädoyers für gute Typografie in bester Schriftsetzer-Tradition. Auch das begleitende Bildmaterial scheint mit sehr viel Mühe und Liebe zum Detail aufbereitet zu sein.


 
Von der Machart ist der Kurs jedoch im wahrsten Sinne des Wortes eine Vorlesung. Der Autor spricht einen vorbereiteten Text und dazu passend werden statische Folien eingeblendet. Dies finde ich etwas schade, da doch gerade das Medium Video hier mehr Möglichkeiten bietet. Der Vorteil von typischen Video-Workshops ist ja gerade, dass man dem Präsentierenden direkt bei der Arbeit über die Schulter schauen und so Abläufe lernen kann, die in Textform nur schwer zu beschreiben wären. Die hier vorliegenden DVDs funktionieren aber exakt wie ein typografisches Fachbuch mit einem fortlaufenden Text und begleitendem Bildmaterial.
 
Die Zielgruppe beschreibt der Autor folgendermaßen: Mitarbeiter in Unternehmen, die für den Print- und Screenbereich gestalten, Studenten der Fachbereiche Kommunikationsdesign, Mediengestaltung und verwandter Studiengänge, Verlagshersteller, Redakteure, speziell im Bereich Technische Dokumentation, Ausbilder und Auszubildende in Medienunternehmen und Agenturen sowie alle Interessierten, die entweder in die Typographie quer einsteigen oder ihr Wissen über Typographie ergänzen wollen.
 
Ich würde vor allem die Quereinsteiger herausstellen wollen, die aus privaten Interesse oder beruflicher Notwendigkeit mit der Gestaltung von Drucksachen in Berührung kommen. Als Kurs für junge, angehende Designstudenten kann ich mir dieses DVD-Seminar nur schwer vorstellen. Der Autor hat im Jahr 1960 seinen Abschluss gemacht und so prallen in diesem Fall naturgemäß unterschiedliche Welten bzw. Generationen aufeinander. Auch wenn typografische Grundprinzipien natürlich universell gelten, so ist Tempo, Aufbereitung und auch der teilweise noch tief im Bleisatz verwurzelte Inhalt des Kurses nicht unbedingt auf die Sehgewohnheiten und Gestaltungsstile jüngerer, angehender Designer zugeschnitten.



Der DVD-Kurs »Typographisches Gestalten« kann für 39,80 Euro (inkl. Versandkosten) per E-Mail von dieser Seite aus bestellt werden.
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