Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Wie jeder Fachbereich kennt auch die Typografie unzählige Begriffe, die man getrost als Fachchinesisch bezeichnen kann. Für den Typo-Profi gehören etwa Wendungen wie Hurenkind, Schusterjunge und Zwiebelfisch zum Standardrepertoire und deren Bedeutung kann man praktisch im Schlaf aufsagen.
Doch wie sieht es eigentlich mit den allgegenwärtigen und scheinbar einfachen Begriffen wie Font, Schriftart und Zeichensatz aus? Hier wird umgangsprachlich schnell zu viel über einen Kamm geschert und manchem sind die bestehenden Unterschiede zwischen den Wendungen kaum bekannt. Dieser Artikel bringt deshalb die Unterschiede noch einmal auf den Punkt.

Wie übersetzt man eigentlich Font?
Einen nicht unwesentlichen Anteil am derzeitigen Begriffswirrwarr tragen die Hersteller der Betriebssysteme. Sowohl Apple als auch Microsoft sahen sich genötigt, Font ins Deutsche zu übersetzen. In der Systemsteuerung von Windows finden sich daher die Schriftarten und die Nutzer des Mac OS befüllten über Jahre den Ordner Zeichensätze. Sind also Schriftart und Zeichensatz Übersetzungen für Font?
Um es vorweg zu nehmen: Nein! Aber der Reihe nach:

Schrift und Schriftart
Schrift (lat. scriptura, scriptum: »Geschriebenes«; Englisch writing) ist die Form des graphischen Ausdrucks von Sprache (Metzler Lexikon Sprache).
Eine Schriftart ist eine zusammengehörige Menge von Schriftzeichen, mit gemeinsamer Struktur und Gestaltbasis. Schriftart bezeichnet also das konkrete visuelle Abbild einer Schrift, beziehungsweise eines Schriftentwurfes, so wie er auf einem Beschreibstoff abgebildet ist. Das englische Wort für Schriftart ist demzufolge auch nicht font, sondern typeface (des Buchstabens Abbild).

Zeichensatz und Zeichenkodierung
Das Wort Zeichensatz (Englisch: character set) scheint so einfach, dass man verleitet ist, es einfach wörtlich zu nehmen. Doch Vorsicht! Es ist in Wahrheit nicht einfach ein beliebiger Satz von Zeichen, sondern eine abstrakte Sammlung grafischer Zeichen, die zu einem bestimmten System geordnet werden. Im Gegensatz zur Schriftart werden in einem Zeichensatz allerdings keine konkreten Abbilder (»Glyphen«) von Zeichen gesammelt, sondern lediglich dessen allgemeine Bedeutungsrepräsentation – etwa der Buchstabe A. Ein Zeichensatz kann also zum Beispiel aus den Buchstaben des deutschen Alphabets bestehen oder den Buchstaben des internationalen phonetischen Alphabets. Der derzeit umfassendste Zeichensatz ist der Unicode, in dem langfristig alle Zeichen aller bekannten Schriftkulturen gesammelt werden sollen.
Computer arbeiten intern bekanntlich lediglich mit Zahlen. Um einem Computer einen Zeichensatz beibringen zu können, benötigt dieser deshalb für jedes Zeichen einen eigenen Kode. Die Zuweisung von Zeichen zu Kode erfolgt in den so genannten Zeichenkodierungen (Englisch: character encodings). Ein Betriebssystem und die unterschiedlichen Programme können in der Regel gleichzeitig mit einer Vielzahl von Zeichenkodierungen umgehen und die als Zahlenkolonnen gespeicherten Texte jederzeit wieder in die korrekten Zeichen zurückwandeln. (Wenn das nicht gelingt, gibts den bekannten »Sonderzeichen-Salat« …)

Font
Und was ist nun also ein Font? Das Wort Font ist schon wesentlich älter als die Computertechnik. Es leitet sich wahrscheinlich vom französischen fonte (der Guss) ab. Im Bleisatz wurde so ein zusammengehöriger Satz Bleilettern einer Schriftgröße bezeichnet, wie er üblicherweise in einem Setzkasten abgelegt war. Im Englischen wurde das Wort als fount bzw. font weiterbenutzt. Im Gegensatz zur Schriftart bezeichnet Font also nicht das Abbild einer Schrift, sondern das Material, mit dem die Schriftart gedruckt werden konnte. Seit dem Einsatz der Rechentechnik werden Schriften nicht mehr in Blei, sondern in eine Datei »gegossen«. Dennoch ist diese Datei aber nach wie vor der Träger des Schriftbildes, nur dass er nun digital ist. Die Bezeichnung Font lag also nahe. Eine sinnvolle Übersetzung für Font wäre demnach etwa »digitaler Schriftträger«, oder kurz »digitale Schrift«.

Zusammengefasst
Eine Schriftart ist eine Sammlung von grafischen Zeichen mit zusammengehörigem Formprinzip. Die Umsetzung dieser Schriftart in eine druckbare Form, wie sie von Schriftanbietern lizenziert und vom Anwender eingesetzt wird, nennt man Font. (Linotype verkauft Fonts der Optima, die die von Hermann Zapf entwickelte Schriftart am Rechner nutzbar machen.) Ein Zeichensatz ist eine allgemeine Zusammenstellung von Zeichen nach einem bestimmten Ordnungsprinzip. Die Verwendung eines Zeichensatzes am Computer erfolgt über eine Zeichenkodierung. Beispiel: Um einen Text im Unicode zu kodieren, steht neben anderen etwa die Zeichenkodierung UTF-8 zur Verfügung.
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