Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Geliebt und gehasst, gehasst und geliebt – wohl keine andere europäische Nation hat ein ähnlich gespaltenes Verhältnis zu ihrer Hauptstadt wie die französische. Im Februar 2015 begab sich die Slanted-Redaktion auf eine einwöchige Reise nach Paris, um einen Blick auf zeitgenössisches Designschaffen und die geliebte und gehasste Hauptstadt Frankreichs zu werfen.
 


 
Das Slanted Team traf 18 Designstudios und fand einen virtuosen Umgang mit den offen liegenden Wunden und Widersprüchen einer sich rapide verändernden Gesellschaft vor sowie den Einsatz von Geist und Humor als subversives Handwerkszeug. Entstanden sind umfangreiche Studio-Portraits, die ein lebendiges, brandaktuelles Bild der Szene zeichnen.
 

 
Die entstandenen Video-Interviews wurden mit lokalem Videomaterial aus der Shutterstock-Kollektion unterstützt und sind dank Augmented Reality direkt in das Magazin eingebunden. Mit der kostenlosen Junaio App (erhältlich über den App Store und Google Play) können Slanted-Leser so die in den Text eingebetteten Video-Interviews direkt über ihr Smartphone aufrufen. 
 

 
Komplementiert wird die Thematik durch Arbeiten aus Illustration, Fotografie und Kunst im Spannungsfeld des zeitgenössischen Kulturschaffens.
 








 
Das Booklet »Contemporary Typefaces« präsentiert vierzehn der aus Slanted-Sicht wichtigsten und interessantesten Font-Neuerscheinungen der letzten Zeit: Amster (Francisco Gálvez / PampaType), Beausite (Yassin Baggar / Fatype), Berlingske (Jonas Heksher / Playtype), Christel (Sascha Timplan / Stereotypes), Duwal Pro (Dennis Dünnwald / VolcanoType), Gemeli Micro (Jean-Baptiste Levée / Production Type), Kraaken FY (Fontyou graphic and type team / Fontyou), Mislab (Xavier Dupré / Typofonderie), Patron (Timo Gaessner / Milieu Grotesque), Plaak (Damien Gautier / Éditions deux-cent-cinq), Superb (Paco González / Resistenza), Taz Wide & Extended (Luc(as) de Groot / LucasFonts), UIB (Damiá Rotger Miró / Ductil), Woodkit (Ondrej Job / Typotheque)
 



 
Slanted Magazin #25 – Paris
 
Herausgeber, Design und Redaktion: Slanted Publishers
Veröffentlichung: Mai 2015
Format: 16 × 24 cm
Umfang: 288 Seiten
Sprache: Englisch, Deutsch
Preis DE: 18 Euro
 
Mehr unter: slanted.de/shop/slanted-25-paris
SkyFonts, Fontslice, Typekit, Fontyou … In den letzten Jahren versuchen sich vermehrt Anbieter darin, neue Lizenzierungsmöglichkeiten für Schriften auszuloten. Mit Fontstand wurde im Rahmen der TYPO Berlin ein weiterer Dienst gestartet. Doch was steckt dahinter? Typografie.info hat sich das neue Angebot einmal näher angeschaut. 
 
Das Prinzip von Fontstand ist schnell erklärt: Es handelt sich um einen Dienst, der derzeit nur Desktop-Fonts unterstützt. Diese können für eine Stunde kostenlos auf dem eigenen Rechner (in jeder beliebigen Anwendung) getestet werden. Danach mietet man den Font monatsweise für 10% des regulären Preises. Hält man die Miete aufrecht, ist der Font nach 12 Monaten abbezahlt und die Mietlizenz wird in eine herkömmliche Desktop-Lizenz umgewandelt. 
 

 
Der Dienst löst auf recht clevere Weise ein typisches Problem, das professionelle Schriftanwender nur zu gut kennen: wie kann man Fonts testen, ohne sie erst komplett bezahlen zu müssen oder sicher sein zu können, dass der Kunde dem Einsatz später überhaupt zustimmt. Die großen Anbieter wie Monotype und Adobe setzen diesem Problem Mietmodelle entgegen. Man kann komplette Bibliotheken für eine vergleichsweise kleinen Betrag mieten und die Fonts dann beliebig testen und nutzen. 
 
Der Haken ist jedoch, dass man sich bei diesen Modellen an den Anbieter bindet und dauerhaft den Mietpreis zahlen muss. Bei Fontstand ist dies nicht der Fall. Man kommt in den Genuss von Testversionen und günstigen Mietpreisen, aber behält sich alle Freiheiten einer Desktop-Lizenz, wenn die Fonts abbezahlt sind. 
 

 
Zu Beginn ist der Dienst lediglich für Mac OS X verfügbar. Eine Windows-Version ist jedoch in Planung. Wie bei anderen Webdiensten für Schriften benötigt Fontstand ein dauerhaft lokal laufendes Programm, das die Aktivierung der Schriften regelt. Im Gegensatz zu anderen Diensten wie Typekit oder Fontyou erfolgt die Verwaltung jedoch nicht über den Browser. Die Fontstand-Anwendung bringt den Shop direkt in der App mit. Hier können die Fonts nach Schriftstil, Schriftanbieter und Suchbegriffen durchforstet werden. Eigene Mustertexte oder Glyphentabellen gibt es aktuell leider nicht, aber die Fonts lassen sich ja mit einem Klick aktivieren und dann in beliebigen lokalen Anwendungen begutachten.  
 

 
Fazit: Fontstand überzeugt auf Anhieb. Es bietet klare Vorteile gegenüber klassischen Webshops für Schriften, ohne die Nachteile von Dauermietlösungen mit sich zu bringen. Interessant ist auch zu sehen, wer hinter Fontstand steckt und welche Foundries ihre Schriften über Fontstand anbieten. Entwickelt wurde das Konzept von Peter Biľak (Typotheque) und Andrej Krátky und die beteiligten Schriftanbieter bilden eine feine Auswahl von »Indie Labels«: Type Together, Storm Type, House Industries, Typofonderie, Commercial Type, Bold Monday  und so weiter. So wirkt das Angebot wie eine Antwort der inhabergeführten Foundrys auf die Angebote der großen Anbieter wie Monotype und Adobe, die in ihren Angeboten vor allem auf Masse setzen. Fontstand setzt dem hochwertige Schriften zu fairen Konditionen entgegen. Ein Angebot, das für die betreffenden Foundries und die Schriftnutzer gleichermaßen von Vorteil sein wird. 
 
Weitere Infos und Download der App unter: https://fontstand.com
2011 wirbelte Schriftgestalter und Software-Entwickler Georg Seifert den Markt der Fonteditoren kräftig durcheinander. Sein neuer, ausschließlich für Mac OS entwickelter Fonteditor Glyphs setzte neue Maßstäbe in Sachen Einfachheit und Bedienfreundlichkeit. Das Programm nimmt dem Schriftgestalter viele komplexe, technische Einstellungen und Arbeitsschritte ab und erledigt diese selbstständig im Hintergrund. Dennoch handelt es sich bei Glyphs nicht bloß um ein Einsteigerprogramm. Auch umfangreiche Schriftentwicklungen in komplexen Schriftsystemen sind umsetzbar und das Programm ist durch Plugins leicht erweiterbar. 
 

 
Nach vier Jahren wurde nun die Version 2.0 des Programms veröffentlicht und bringt eine umfassende Erweiterung des Funktionsumfanges mit sich. Eine Auswahl der Neuerungen:
Mehrfarbigen Schriften. Die derzeit sehr beliebten, mehrfarbigen Schriften lassen sich mit Glyphs 2.0 besonders einfach erstellen und als Ebenenfont oder in Apples und Microsofts Farbfont-Technologien ausgeben.  Webfonts. Webfonts können direkt in den Formaten EOT, WOFF und WOFF2 ausgegeben werden. TTF Autohinting. Glyphs besitzt nun eingebautes TrueType-Autohinting und eine leicht bedienbare Funktion für manuelles TrueType-Hinting.  Multiple Master. Die Interpolation von Schriften ist nun über drei Achsen möglich und für schwierige Fälle kann die Interpolation für einzelne Buchstaben separat gesteuert werden.  Intelligente Komponenten. Wiederkehrende Buchstabenteile können nicht nur als statische Komponenten angelegt werden, sondern passen sich durch Interpolation dem jeweiligen Einsatz an.
Neben freistehenden Komponenten können sogar offene Umriss-Segmente (Stamm-Enden, Serifen etc.) als Komponenten in beliebige Buchstaben integriert werden.   

 
Einen Überblick über die Neuerungen bietet auch dieses Video:
 
Glyphs gibt es in der Vollversion für 249,90 Euro und einer abgespeckten Mini-Version für 44,99 Euro. Upgrades von Version 1 sind zum halben Preis erhältlich. Eine 30 Tage nutzbare Testversion beider Programme steht auf der Glyphs-Website zum Download bereit: https://www.glyphsapp.com/buy
 
Gewinnspiel (beendet)
Mit freundlicher Unterstützung des Entwicklers verlost Typografie.info eine vollwertige Lizenz für Glyphs Mini. Zur Teilnahme genügt es, bis Sonntag (26. April 2015) einen öffentlichen Link auf diese Artikelseite bei Facebook oder Twitter einzustellen und uns zur Bestätigungen einen Screenshot davon an gewinnspiel@typografie.info zu senden. Das Los entscheidet. Typografie.info wünscht viel Glück!
Das Pariser Designkollektiv Fontyou existiert seit circa zwei Jahren und fördert eine gemeinschaftliche Entwicklung von Schriften, von denen in der Kürze der Zeit bereits eine beeindruckende Zahl erschienen ist. Nun wendet man sich aber auch mit einem anderen Projekt an die Schriftanwender und startet eine Webplattform für die Verwaltung von Schriften – also einen Cloud-Fontmanager. 
 

 
Wie bei ähnlichen Webdiensten, die ins lokale System eingreifen, muss auch hier ein Software geladen werden, die im Hintergrund auf dem Rechner läuft und die Verbindung zum Dienstanbieter hält. Ansonsten läuft die Verwaltung komplett im Browser ab. Man lädt zunächst seine komplette Schriftbibliothek in das System hoch. Anschließend kann man dann über die Weboberfläche Schriften aktivieren und deaktivieren oder in Listen zusammenfassen. Die Verwaltung ist an den jeweiligen Benutzer gebunden und somit unabhängig vom gerade benutzten Rechner. Solange das Plugin im Hintergrund läuft, kann man von jedem Rechner aus auf seine Schriftbibliothek zugreifen. Der Dienst ist dabei komplett kostenlos. Kommerzielle Zusatzleistungen in der Zukunft sind jedoch wahrscheinlich. 
 

 
Ein Vorteil des System ist sicherlich die Unabhängigkeit vom einem bestimmten Rechner. Die Verwaltung über ein Websystem bietet zudem jede Menge sinnvoller Ausbaumöglichkeiten. Eine Funktion für kostenlose Testversionen kommerzieller Schriften ist bereits in Arbeit. Öffentliche Listen, gemeinsame Klassifikationen, Bewertungen, Diskussionen usw. – vieles ist denkbar, wenn ein Fontmanager nicht mehr nur lokal läuft, sondern Teil eines Online-Systems mit tausenden Anwendern ist. Und auch die kostenlose Nutzung dürfte für viele Anwender ein nicht unwesentliche Kriterium sein. 
 

 
Ein spürbarer Nachteil mag die Verarbeitungsgeschwindigkeit sein. Lokale Schriften lassen sich mit klassischen Fontmanagern über die Festplatte rasend schnell verarbeiten. Doch über das Websystem müssen sie zunächst manuell hochgeladen, und dann zur Verwaltung wieder als Webfont in den Browser geladen werden. Und auch die Aktivierung erfolgt dann schließlich wieder über den Umweg vom Webserver zum lokalen Plugin. Momentan gibt es im Websystem auch keinerlei Detailinformationen oder Glyphentabellen zu den Schriften. Dies könnte in der Zukunft jedoch noch folgen. So ist das System momentan gleichsam fortschrittlich und rudimentär. 
Meine Anfragen zu Privatsphäre-Details wurden leider nur ausweichend beantwortet. Die Website zur Verwaltung der Schriften ist erwartungsgemäß verschlüsselt. Auf wessen Servern in welchem Land die eigene Fontbibliothek dann aber gespeichert wird und wer eventuell darauf Zugriff hat, wird wohl auch eine entscheidende Frage bestimmter Nutzer sein. 
 
Wer das System schon einmal ausprobieren möchte, kann sich unter fontyou.com registrieren. 
»Einführung in die Typografie: Hintergründe, Grundlagen, Literaturempfehlungen«. Mit diesem Untertitel ist im Hermann Schmidt Verlag Mainz das Buch »read + play« von Ulysses Voelker erschienen. Es handelt sich dabei um eine überarbeitete und erweiterte Fassung des gleichnamigen Werkes, das zuvor über das Designlabor Gutenberg der FH Mainz erschienen war.
 
Am Konzept hat sich auch mit der Neuauflage nichts Wesentliches geändert. Das Buch möchte ein »Navigationssystem« sein, das dem Leser hilft, sich die Welt der Typografie zu erschließen. In knappen, profunden Texten führt Ulysses Voelker in Funktion und Wirkung, Geschichte und Stile der Typografie ein und ergänzt jeden Einzelaspekt mit kommentierten und hierarchisierten Buchtipps. Anhand dieser Kurzeinführungen kann der Leser dann entscheiden, zu welchem Aspekt er sein Wissen in den weiterführenden Quellen vertiefen möchte.
 

Neue (links) und alte Ausgabe (rechts) nebeneinander
 



 
Bei der ersten Ausgabe hatte ich die etwas experimentelle Gestaltung kritisiert und dieser Punkt wurde in der Schmidt-Ausgabe spürbar verbessert. Zur weiterhin eingesetzten Letter Gothic gesellt sich nun die lesefreundlichere Avenir und auf die zwei Leserichtungen mit gedrehten Seiten wurde in der Neuausgabe verzichtet.
 
Daten zum Buch:
Autor: Ulysses Voelker Umfang: 168 Seiten Art: broschiert Verlag Hermann Schmidt Mainz Preis: 19,95 Euro ISBN: 978-3874398688 Bei Amazon bestellen
Nach 14-jährigem erfolgreichen Bestand und Wachstum bekommt die meistbesuchte deutsche Typografie-Website nun einen englischen Ableger unter der Adresse Typography.Guru. Die neue Site baut direkt auf die Erfahrungen mit dem Betrieb der Online-Community Typografie.info auf. Wie letzteres kombiniert das neue Angebot ein Forum mit verschiedenen Sektionen, die Inhalte rum um das Feld der Typografie sammeln. Die auf der hiesigen Seite vorhandenen Rubriken Font-Wiki und Typo-Wiki wurden nicht übernommen, da es im englischen Raum bereits zahlreiche Webseiten mit entsprechenden Inhalten gibt. Dafür entsteht auf Typography.Guru zum Beispiel ein umfangreiches Verzeichnis, das unter anderem Museum, Werkstätten, Bibliotheken und Ausbildungsstätten aus dem Fachbereich darstellt. 
 

 
Außerdem gibt es Rubriken für Videos, Zitate, Listen, Veranstaltungen, Interviews und natürlich für Fachartikel. In fast allen Bereichen können registrierte Mitglieder direkt mitwirken und Inhalte einreichen, kommentieren und gegebenenfalls auch rezensieren. 
 

 
Alle Mitglieder und Gäste von Typografie.info sind herzlich eingeladen, sich auch auf Typography.Guru umzuschauen und gegebenenfalls auch zu registrieren. http://typography.guru
 
Und bevor Bedenken aufkommen: Es gibt keine Absichten, Typografie.info durch das neue, internationale Angebot zu ersetzen oder zukünftig stiefmütterlich zu behandeln. Die Pflege von Typografie.info wird unverändert fortgeführt. 
Die folgende Übersicht zeigt die Schriften, die 2014 erschienen sind und sich beim US-amerikanischen Schriftanbieter MyFonts am besten verkauft haben. Die Auswahl erfolgte also nicht durch eine Jury, sondern allein durch die Einkäufe der MyFonts-Kunden. Wie in den letzten Jahren sind es – bezogen auf die Anzahl der Personen – eher »kleine« Foundrys, die die MyFonts-Käufer mit günstigen Gesamtpaketen und dem schnellen reagieren auf Trends – etwa der aktuell beliebten Letterpress-Optik – überzeugten. 
 
 
Brandon Printed

 
 
Glober

 
 
Quickpen

 
 
Campton

 
 
Adorn

 
 
Selfie

 
 
Microbrew

 
 
Showcase

 
 
Choplin

 
 
Nexa Rust

 
 
The Carpenter

 
 
Texta

 
 
True North

 
 
Brix Sans

 
 
Eveleth

Die US-amerikanische Schriftgießerei MacKellar, Smiths & Jordan geht zurück auf die schottischen Einwanderer Archibald Binny und James Robertson, die Ende des 18. Jahrhunderts in Philadelphia eine Schriftgießerei einrichteten, die im Laufe des 19. Jahrhunderts eine der bedeutendsten des Landes werden sollte – nicht nur gestalterisch. Mit ihrem Pica-System setzen sie auch den Maßstab für die Schriftmetrik im englischsprachigen Raum. 
 
Die Gießerei bezeichnete sich später stolz als »first (permanent) type foundry in the United States«. Kleinere Gießereien hatte es freilich auch schon zuvor gegeben. Christopher Saur betrieb zum Beispiel im Stadtteil Germantown von Philadelphia seit den 1730er-Jahren eine Gießerei für »German Type« – gebrochene Schriften für den Satz deutscher Texte. Das Material ging später in den Besitz von Binny und Robertson über, die 1796 ihr Geschäft als Binny & Ronaldson eröffneten. 
 

 
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Gießerei von Lawrence Johnson übernommen. Dieser holte Thomas MacKellar und die Brüder John und Richard Smith als Partner dazu. Nach Johnsons Tod trat der Buchhalter Peter A. Jordan in die Firma ein, wodurch die bis Ende des 19. Jahrhunderts bestehende Firmierung als MacKellar, Smiths & Jordan entstand. Ende des 19. Jahrhunderts ging die Gießerei mit vielen anderen in American Type Founders auf. 
 
Zum hundertjährigen Bestehen gab man 1896 noch eimal eine Festschrift heraus, die die Historie des Unternehmens beleuchtete und auch fotografische Einblicke in die Arbeit der Gießerei bot. Nachfolgend eine Auswahl der in diesem Buch enthaltenen Bilder. 
 
Metal-mixing Department

 
Making the Matrix



 
Making Type-Moulds

 
Fire-proof Vault for storing Matrices and Moulds

 
Hand Type-casting Department

 
Automatic Type-casting Department

 
Electrotyping



 
The Foundry Stock Room

 
Financial and Commercial Departments

 
Sales and Shipping


 
Bookkeeping and Correspondence Department


 
Printing Department






 
(Quelle: One hundred years: MacKellar, Smiths and Jordan foundry, 1796-1896. Scan der Villanova University, Creative Commons, BY-SA 3.0)
Vor 100 Jahren im Bleisatz waren Schriftproduktion und Vertrieb noch so teuer, dass sich die Bestseller unter den Schriften meist nur bei den großen, finanzstarken Schriftgießereien fanden. Mit der Digitalisierung der Schrift und offenen, weltweit zugänglichen Vertriebsplattformen wie MyFonts können heute aber auch schriftgestalterische »Einzelkämpfer« in kurzer Zeit Bekanntheit erlangen. Vor einigen Jahren war etwa der Niederländer Jos Buivenga einer der ersten der neuen »MyFonts-Stars«. Ein Schriftgestalter, der aktuell mit fast jeder neuen Schrift in die Bestseller-Listen einsteigt, ist der Berliner Hannes von Döhren mit seinem Label HvD Fonts. In einem beim »Hermann Schmidt Verlag« erschienenen Buch stellt er nun sein Schriftschaffen der letzten sechs Jahre vor.




Den größten Teil des 272 Seiten starken und komplett englischen Festeinband-Buches machen die Vorstellungen bzw. Präsentationen von 31 Schriftentwürfen aus. Die Aufmachung entspricht den üblichen Schriftmustern, wie man sie heute meist digital auf Webseiten und in PDFs vorfindet: ein kurzer (werblicher) Beschreibungstext, Alphabet-Übersichten sowie fiktive Textdarstellungen mit Einzelwörtern und Blindtextabsätzen.




Angereichert wird das Buch von einem Fachtext von Jan Middendorp, der über Hannes von Döhren und die neuen Möglichkeiten des Schriftvertriebes schreibt. Außerdem gibt es zwei Interviews: eines mit Hannes von Döhren und eines mit Freund und Mitarbeiter Livius Dietzel. Am Ende des Buches gibt es eine Bildersammlung mit HVD-Fonts in realen Anwendungen.
 


Käufer des Buches erhalten auch einen persönlichen Code und können sich fünf HvD-Einzelfonts im Wert von 99 Dollar auf der Website von Fontspring herunterladen.

Fazit: Das Werk ist vor allem ein Schriftmusterbuch, das sämtliche HvD-Fonts in gedruckter Form zeigt – früher hätte man von einer so genannten Hauptprobe gesprochen. Jedoch waren solche Schriftmuster in der Regel kostenlos, denn sie waren vor allem Werbematerial, das zum Schriftenkauf animieren sollte. Mit einem Kaufpreis von 39,80 Euro ist das hier vorliegende Schriftmusterbuch in diesem Sinne vergleichsweise teuer und bietet abgesehen von der Druckform der Schriftmuster inhaltlich leider kaum einen Mehrwert – man denke etwa an mögliche Hintergrundinformationen zu den Schriftentwürfen, Skizzen und Anekdoten aus dem Gestaltungsprozess oder schriftgestalterische Einordnungen und Analysen, aus denen der Leser des Buches etwas lernen könnte. Schade! Für knapp 40 Euro sind mir rein werbliche Schriftmuster zu wenig. So kann ich leider keine allgemeine Kaufempfehlung aussprechen und das Buch nur eingefleischten Schriftmustersammlern und Von-Döhren-Fans empfehlen.
 
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Zwiebelfisch, Schusterjunge, Punze und so weiter – Fachchinesisch ist für Außenstehende nicht immer verständlich. Aber immer wieder verlassen Fachbegriffe auch ihren ursprünglich Anwendungsbereich und schwappen in die Allgemeinsprache über. Hier eine Zusammenstellung von solchen Begriffen aus dem Bereich der Schrift- und Druckkunst. 
 
Abklatsch
Als Abklatsch wurde in der Druckerei ein einfacher Probeabzug bezeichnet, der nicht über die Presse gefertigt wurde. Stattdessen wurde das Papier auf die Hochdruckvorlage gelegt und mit einer Bürste abgeklopft, so dass sich die Farbe auf dem Papier niederschlug. Das klopfende Geräusch dabei prägte den Begriff. Entsprechend dieser Fachbedeutung leitete sich der allgemeinsprachliche Begriff ab, der für eine »bloße Kopie« bzw. »minderwertige Kopie« einer Sache steht. 
 
Duktus
Der Begriff Duktus (lateinisch für »Führung«) stand ursprünglich für eine charakteristische Art der Strichführung einer Handschrift und wird auch weiterhin so verwendet. Allgemeinsprachlich wird der Begriff heute weiter gefasst und für alles Charakteristische künstlerischen Schaffens verwendet. So kann zum Beispiel auch von einem sprachlichen Duktus eines Autors gesprochen werden. 
 
Klischee
Der Fachbegriff Klischee geht auf das französische Cliché zurück ist die Bezeichnung für die Nachbildung eines Originals in irgendeinem Produkt (Holz, Kupfer, Messing, Zink usw.), die geeignet ist, in der Buchdruckpresse als Druckstock benutzt zu werden. So wurden zum Beispiel von Holzschnitt-Bildern und anderen Illustrationen Klischees angefertigt, die dann wie einzelne Bleisatzlettern in einer Hochdruckvorlage eingesetzt werden konnten. Ausgehend von dieser Erstellung immer gleicher Kopien einer Vorlage steht Klischee heute allgemeinsprachlich und meist eher abwertend für eingefahrene Vorstellungen.   
 

Buchdruckklischees. (Quelle: Wikipedia Commons. Nutzer: Polygraph, CC BY-SA)
 
Marginalie
Marginalien sind handschriftliche oder gedruckten Bemerkungen neben dem Textblock in einem Buch. Der Begriff leitet sich von lateinisch margo (erhöhte Einfassung/Rand) ab. Der Begriff kann heute im doppelte Sinne für »Randbemerkungen« verwendet werden: bezogen auf die Positionierung in der Drucksache oder die geringere Relevanz einer Information. 
 

Handschriftliche und gedruckte Marginalien in einem Buch aus dem 16. Jahrhundert
 
Stereotyp
Die Stereotypie war ein Verfahren, bei dem von fertigt gesetzten Vorlagen mit beweglichen Lettern ein Abdruck (»Mater«) genommen wurde, der dann selbst zur Druckvorlage weiterverarbeitet werden konnte. Dieses Verfahren ermöglichte den Einsatz der Druckvorlage (gegebenenfalls auch mit mehreren Kopien) im schnelleren Rotationsdruck und wurde insbesondere im Zeitungssatz verwendet. Der Begriff kommt vom französischen stéréotype (»festes Abbild«). In der Allgemeinsprache wurde der Begriff wie Klischee zu einem Inbegriff für eingefahrene Vorstellungen, die bei Stereotyp vor allem für Vereinfachungen und Vorurteile stehen.  
 

Erstellung einer so genannten Mater bei der Stereotypie (Quelle: Wikipedia Commons. Roger/Renate Rössung, CC BY-SA) 
 
Presse 
Ein so allgegenwärtiger Begriff, dass man über seine Herkunft kaum nachdenkt. Periodika kommen aus der (Drucker-)Presse und so wurde der Name der zur Herstellung benutzten Maschine selbst zu einem Synonym für das gefertigte Erzeugnis und die Unternehmen, die diese Erzeugnisse herausgeben. 
 
Makulatur
Fehlerhafte Druckbögen wurden in der Druckerei Makulatur genannt (von mittellateinisch maculatura: »beflecktes Stück«). In der Allgemeinsprache lassen sich mit diesem Begriff nun generell fehlerhafte oder wertlos gewordene Dinge bezeichnen – insbesondere solche, die aus Papier sind. Aus Altpapier gefertigte Produkte können ebenfalls mit Makulatur bezeichnet werden – etwa die Untertapete beim Tapezieren oder die unbedruckten Abdeckbögen in der Außenwerbung. 
 
Setzkasten
Die Bleibuchstaben – das zum Setzen von Texten nötige Material – lagen im Bleisatz einst in Holzkästen. Entsprechend nannte man sie Setzkästen. Mit dem Ende des Bleisatzes wurden die Kästen zunehmend ausrangiert und kamen zweckentfremdet gern zur Aufbewahrung von kleinen Objekten zum Einsatz. Der ursprüngliche Begriff blieb erhalten und jeglichen Kästen (bis hin zu kleineren Schränken) mit vielen Fächern werden nun als Setzkasten bezeichnet – selbst wenn sie keine Materialien zum Setzen von Text enthalten. 
 

Setzkasten in einer Druckerei (links) und Setzkästen nach allgemeinsprachlichem Verständnis
 
Rubrik
Der Begriff Rubrik kommt von der roten (lateinisch: rubrum) Farbe, die in religiösen Büchern zur Auszeichnung von Anweisungen für die Liturgie verwendet wurde und auch für Überschriften und andere Gliederungselemente zum Einsatz kam (→ Rubrizierung). Aus dieser Anwendung leitete sich die allgemeine Bedeutung ab, Rubrik als Gliederungsbegriff zu verwenden. Dies kann von den Abschnitten (»Rubriken«) einer Zeitung bis hin zu kompletten Abteilungen (zum Beispiel in einer Buchhandlung) reichen. 
 

Typischer Einsatz roter Farbe in einem Messbuch (Quelle: Wikipedia Commons. Nutzer: MK777, CC BY-SA)
Es hat sich seit den 1990er-Jahren leider nicht geändert: Die Betriebssystemhersteller setzen für ihre eigene Software vor allem auf TrueType-basierte Fonts. PostScript-basierte Fonts spielen (im Gegensatz zur Designbranche) bei Betriebssystemherstellern eher eine Nebenrolle und werden weniger gut getestet. Apple hatte zuletzt 2011 mit diesem Problem zu kämpfen, als in OS X 10.6.7 PostScript-basierte Fonts in Programmen und PDFs versagten. Mit der neuesten Aktualisierung von Mac OS X machen PostScript-Fonts schon wieder Probleme. 
 
Wie die Techniker von FSI FontShop International herausfanden, verarbeitet Yosemite PostScript-basierte OpenType-Schriften falsch, wenn diese einen von 1000 abweichenden UPM-Wert haben. Dieser Wert bestimmt die Feinheit des Rasters, auf dem die Ankerpunkte der Buchstabenumrisse liegen. Schriften im Format PostScript Type 1, wie es sie seit den 1980er-Jahren gibt, hatten stets einen UPM-Wert von 1000. Mit der Einführung des OpenType-Formates fiel die Beschränkung auf 1000 Einheiten und immer mehr Designer wählten nun größere Werte, um die Details des Schriftentwurfes besser kontrollieren zu können. Dennoch gibt es immer wieder Software, die entgegen der Angaben in den OpenType-Spezifikationen von 1000 Einheiten für PostScript-basierte OpenType-Fonts ausgeht und die Skalierung der Schriften dann falsch berechnet. So geschieht es aktuell in OS X 10.10 (Yosemite). Beim Druck oder PDF-Export aus Programmen wie TextEdit, Pages etc. (also allen Programmen, die Apples Grafikbibliotheken zur Generierung des Drucks benutzen) werden die betreffenden Schriften völlig falsch dargestellt.
 

oben: Gesetzter Text in TextEdit; unten: exportiertes PDF
 
Wer überprüfen möchte, ob die eigenen Schriften betroffen sind, muss dazu lediglich die Fonts in der Schnellvorschau (»QuickLook«) betrachten. Auch dort zeigt sich das Problem. In Programmen wie Illustrator oder InDesign tritt das Problem jedoch nicht auf. Wir werden diesen Artikel aktualisieren sobald es neue Informationen oder eine Software-Aktualisierung von Apple gibt. 
 
Update: Das Problem wurde offenbar mit dem Update 10.10.2 behoben. 
Erik Spiekermann ist der wohl bekannteste deutschsprachige Typograf. Nach einem schaffensreichen Arbeitsleben zieht er sich nun gerade Schritt für Schritt aus dem Alltagsgeschäft zurück. Die von ihm maßgeblich mitbegründete gelb-schwarze Schriftenwelt der FontFont-Bibliothek und des FontShop-Versandhandels trat er kürzlich zur Überraschung vieler an Monotype ab. Dafür kehrt Erik nun wieder zu seinem Wurzeln als Drucker zurück und ist häufig in seiner neuen Hochdruck-Werkstatt p98a zu finden. Es ist ein passender Zeitpunkt, um auf sein Lebenswerk zurückzublicken. Sein Weggefährte Johannes Erler hat dazu in Zusammenarbeit mit dem Verlag »Gestalten« die Biografie »Hallo, ich bin Erik« erarbeitet. Doch kann sie uns noch viel Neues verraten, dass wir nicht ohnehin schon über den omnipräsenten »Typomanen« Spiekermann wissen? Ich finde, durchaus!



Das Buch ist keine klassische Biografie in Gestalt eines durchgängigen Fließtextes, sondern eher fragmentarisch angelegt. In voneinander unabhängigen Texten und Interviews berichten Erler und viele Weggefährten über Abschnitte von Spiekermanns beruflichem und privatem Leben sowie den konkreten Projekten und zahlreichen Unternehmungen. Dies macht das Werk erfreulich abwechslungsreich und kurzweilig. Die Anektdoten von Kollegen und die reiche Bebilderung aus Privatfotos und unzähligen Arbeitsproben tragen ihr Übriges dazu bei.
 


Gesetzt ist das 320-seitige, in Deutschland gedruckte Hardcover-Buch in einem extra angefertigten, halbfetten Schnitt der Akzidenz-Grotesk, den Käufer des Buches mit einem persönlichen Code auch herunterladen können. Das großzügige Format und die Gestaltung sind der Aufmachung als Portfolio-Präsentation angepasst. Die Texte sind aber dementsprechend oft recht klein gesetzt. Die beißend-orange Leuchtfarbe kommt zum Glück nur ab und zu als Hintergrund und für kurze Textabschnitte zur Anwendung.
 




Lediglich Spiekermanns Schriftentwürfe sind in einem gesonderten Teil am Ende des Buches zusammengefasst. Ansonsten zieht sich die umfassende Werkschau (verteilt auf die sieben Abschnitte »der Designer«, »der Schriftgestalter«, »der Unternehmer«, »der Netzwerker«, »der Autor«, »der Techniker« und »der Mensch«) nahezu über das gesamte Buch. Die Verbindung dieser Bereiche in einer Person ist es wohl auch, die Spiekermanns Wirken so besonders und erfolgreich macht. Und so feiert dieses Buch nicht nur das Lebenswerk Spiekermanns, sondern letztlich auch ganz allgemein die Rolle erfolgreichen Kommunikationsdesigns – als ein Werkzeug der Verständigung, das, ob es den Menschen bewusst ist oder nicht, nahezu alle Teile unseres Lebens berührt. »Es ging mir immer und bis heute darum, Kommunikation möglichst präzise zu gestalten. Ich möchte verständlich sein, weil ich finde, dass es unendlich viel zu entdecken und zu verstehen gibt. Das wollte ich mein ganzes Leben lang«. (Erik Spiekermann)
 
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Mit seiner neuesten Desktop-Betriebssystem-Version OS 10.10 (Yosemite) rückt Apple deren Aussehen näher an das Mobilbetriebssystem iOS heran. Im Zuge dessen weicht auch die lange Zeit für die grafische Benutzeroberfläche benutze Lucida Grande – eine Version der Lucida Sans – der Helvetica. Dies mag nicht jedem gefallen. Insbesondere auf Monitoren ohne Retina-Auflösung macht die Lucida mit ihren offeneren Formen und der großzügigen Zurichtung eine bessere Figur als die Helvetica. Die folgende GIF-Animation zeigt den Unterschied.  
 

 
Das Ergebnis steht im Gegensatz zu Apples eigener Aussage über die »großartige neue Schrift«, die nun »besser lesbar« sein solle. 
 

 
Und natürlich habe manche Designer auch schlicht generell eine Abneigung gegenüber der seit Jahrzehnten übermäßig stark eingesetzten Helvetica. 
 

 
Findige Entwickler haben daher bereits Lösungen gefunden, wie man die Helvetica in OS 10.10 wieder los werden kann, ohne selbst tief ins System eingreifen zu müssen. Dieses auf GitHub zur Verfügung gestellte Skript ersetzt die Helvetica wieder durch die etablierte Lucida Grande. Starten Sie die im Download-Paket enthaltene App einfach mit einem Rechtsklick oder mit »CTRL + Klick → Öffnen« und bestätigen Sie die Ersetzung. Nach einem Neustart bzw. einer Neuanmeldung wird systemweit wieder die Lucida Grande verwendet. Bei Bedarf ist auch eine Deinstallationsmöglichkeit im Skript enthalten. 
 
Wer weder die Lucida, noch die Helvetica mag, kann sich auch das Download-Paket des Berliner Schriftechnikers Jens Kutílek anschauen. Darin befinden sind speziell präparierte Schnitte der Fira Sans, die dem System vorgaukeln, eine Helvetica zu sein. Es reicht, die Schriften in den Font-Ordner der Benutzer-Library zu legen und sich neu anzumelden. Wer nicht zufrieden ist, kann die Fonts einfach wieder löschen um damit zur Helvetica zurückzukehren. 
 

Mac OS 10.10 mit Fira Sans als UI-Schrift
 
Wer schon dabei ist, Neuerungen von OS 10.10 zurückzunehmen, dem gefallen eventuell auch folgende Tipps. Die unnötigen Transparenz-Effekt wird man über folgende Einstellung wieder los:
Systemsteuerung → Bedienungshilfen → Anzeige → Transparenz reduzieren.
 

 
Safari 8 schneidet URLs im Adressfeld nun direkt nach der Top-Level-Domain ab. Wer zur besseren Orientierung die komplette URL der aktuellen Seite sehen möchte, findet die zugehörige Auswahlmöglichkeit in den Safari-Einstellungen unter »Erweitert«.  
 

Eine elegante Display-Schrift von Friedrich Althausen mit 200 Ligaturen
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