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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie

Erik Spiekermann ist der wohl bekannteste deutschsprachige Typograf. Nach einem schaffensreichen Arbeitsleben zieht er sich nun gerade Schritt für Schritt aus dem Alltagsgeschäft zurück. Die von ihm maßgeblich mitbegründete gelb-schwarze Schriftenwelt der FontFont-Bibliothek und des FontShop-Versandhandels trat er kürzlich zur Überraschung vieler an Monotype ab. Dafür kehrt Erik nun wieder zu seinem Wurzeln als Drucker zurück und ist häufig in seiner neuen Hochdruck-Werkstatt p98a zu finden. Es ist ein passender Zeitpunkt, um auf sein Lebenswerk zurückzublicken. Sein Weggefährte Johannes Erler hat dazu in Zusammenarbeit mit dem Verlag »Gestalten« die Biografie »Hallo, ich bin Erik« erarbeitet. Doch kann sie uns noch viel Neues verraten, dass wir nicht ohnehin schon über den omnipräsenten »Typomanen« Spiekermann wissen? Ich finde, durchaus!



Das Buch ist keine klassische Biografie in Gestalt eines durchgängigen Fließtextes, sondern eher fragmentarisch angelegt. In voneinander unabhängigen Texten und Interviews berichten Erler und viele Weggefährten über Abschnitte von Spiekermanns beruflichem und privatem Leben sowie den konkreten Projekten und zahlreichen Unternehmungen. Dies macht das Werk erfreulich abwechslungsreich und kurzweilig. Die Anektdoten von Kollegen und die reiche Bebilderung aus Privatfotos und unzähligen Arbeitsproben tragen ihr Übriges dazu bei.
 


Gesetzt ist das 320-seitige, in Deutschland gedruckte Hardcover-Buch in einem extra angefertigten, halbfetten Schnitt der Akzidenz-Grotesk, den Käufer des Buches mit einem persönlichen Code auch herunterladen können. Das großzügige Format und die Gestaltung sind der Aufmachung als Portfolio-Präsentation angepasst. Die Texte sind aber dementsprechend oft recht klein gesetzt. Die beißend-orange Leuchtfarbe kommt zum Glück nur ab und zu als Hintergrund und für kurze Textabschnitte zur Anwendung.
 




Lediglich Spiekermanns Schriftentwürfe sind in einem gesonderten Teil am Ende des Buches zusammengefasst. Ansonsten zieht sich die umfassende Werkschau (verteilt auf die sieben Abschnitte »der Designer«, »der Schriftgestalter«, »der Unternehmer«, »der Netzwerker«, »der Autor«, »der Techniker« und »der Mensch«) nahezu über das gesamte Buch. Die Verbindung dieser Bereiche in einer Person ist es wohl auch, die Spiekermanns Wirken so besonders und erfolgreich macht. Und so feiert dieses Buch nicht nur das Lebenswerk Spiekermanns, sondern letztlich auch ganz allgemein die Rolle erfolgreichen Kommunikationsdesigns – als ein Werkzeug der Verständigung, das, ob es den Menschen bewusst ist oder nicht, nahezu alle Teile unseres Lebens berührt. »Es ging mir immer und bis heute darum, Kommunikation möglichst präzise zu gestalten. Ich möchte verständlich sein, weil ich finde, dass es unendlich viel zu entdecken und zu verstehen gibt. Das wollte ich mein ganzes Leben lang«. (Erik Spiekermann)
 
Buch bei Amazon aufrufen Über 70 weitere Typografie-Bücher werden in unserem Wiki vorgestellt
Mit seiner neuesten Desktop-Betriebssystem-Version OS 10.10 (Yosemite) rückt Apple deren Aussehen näher an das Mobilbetriebssystem iOS heran. Im Zuge dessen weicht auch die lange Zeit für die grafische Benutzeroberfläche benutze Lucida Grande – eine Version der Lucida Sans – der Helvetica. Dies mag nicht jedem gefallen. Insbesondere auf Monitoren ohne Retina-Auflösung macht die Lucida mit ihren offeneren Formen und der großzügigen Zurichtung eine bessere Figur als die Helvetica. Die folgende GIF-Animation zeigt den Unterschied.  
 

 
Das Ergebnis steht im Gegensatz zu Apples eigener Aussage über die »großartige neue Schrift«, die nun »besser lesbar« sein solle. 
 

 
Und natürlich habe manche Designer auch schlicht generell eine Abneigung gegenüber der seit Jahrzehnten übermäßig stark eingesetzten Helvetica. 
 

 
Findige Entwickler haben daher bereits Lösungen gefunden, wie man die Helvetica in OS 10.10 wieder los werden kann, ohne selbst tief ins System eingreifen zu müssen. Dieses auf GitHub zur Verfügung gestellte Skript ersetzt die Helvetica wieder durch die etablierte Lucida Grande. Starten Sie die im Download-Paket enthaltene App einfach mit einem Rechtsklick oder mit »CTRL + Klick → Öffnen« und bestätigen Sie die Ersetzung. Nach einem Neustart bzw. einer Neuanmeldung wird systemweit wieder die Lucida Grande verwendet. Bei Bedarf ist auch eine Deinstallationsmöglichkeit im Skript enthalten. 
 
Wer weder die Lucida, noch die Helvetica mag, kann sich auch das Download-Paket des Berliner Schriftechnikers Jens Kutílek anschauen. Darin befinden sind speziell präparierte Schnitte der Fira Sans, die dem System vorgaukeln, eine Helvetica zu sein. Es reicht, die Schriften in den Font-Ordner der Benutzer-Library zu legen und sich neu anzumelden. Wer nicht zufrieden ist, kann die Fonts einfach wieder löschen um damit zur Helvetica zurückzukehren. 
 

Mac OS 10.10 mit Fira Sans als UI-Schrift
 
Wer schon dabei ist, Neuerungen von OS 10.10 zurückzunehmen, dem gefallen eventuell auch folgende Tipps. Die unnötigen Transparenz-Effekt wird man über folgende Einstellung wieder los:
Systemsteuerung → Bedienungshilfen → Anzeige → Transparenz reduzieren.
 

 
Safari 8 schneidet URLs im Adressfeld nun direkt nach der Top-Level-Domain ab. Wer zur besseren Orientierung die komplette URL der aktuellen Seite sehen möchte, findet die zugehörige Auswahlmöglichkeit in den Safari-Einstellungen unter »Erweitert«.  
 

An den Emoji scheiden sich die Geister. Für die einen sind sie längst ein selbstverständlicher Teil der digitalen Kommunikation (z.B. in Online-Diensten wie WhatsApp, Twitter, Facebook etc.), andere wähnen durch sie das nahe Ende des herkömmlichen Schriftgebrauchs. Doch wie auch immer man zu diesem Thema steht: Emoji werden täglich millionenfach benutzt. Da sie aus Japan stammen, sind die Bedeutungen mancher Zeichen hierzulande jedoch nicht immer intuitiv verständlich. Hier eine Auswahl oft missverstandener Emoji.
 

Kopfschmerzen? Liegestütze?
Diese Emoji steht für eine Verbeugung bzw. im übertragenen Sinne für eine Respektbekundung. 
 
 

Oh Schreck!?
Diese Person reißt nicht erschreckt die Hände über den Kopf, sondern bildet ein O, um zu sagen »Alles okay«.
 
 

Turnübungen?
Diese Geste bildet das Gegenstück zum zuvor gezeigten Okay-Emoji und steht für »nicht okay«. 
 
 

High-Five? 
Dieses Emoji steht nicht für zwei Personen, die freudig die Hände zusammenschlagen, sondern symbolisiert vor allem eine Geste der Dankbarkeit oder Entschuldigung – gegebenenfalls auch ein Gebet. 
 
 

Trauer? Weinen?
Der dargestellte Tropfen steht für den kalten Schweiß auf der Stirn und drückt somit Angst oder Sorgen aus. Für Traurigkeit gibt es ein eigenes Symbol mit einer Träne unter dem Auge. 
 
 

Sternschnuppe?
Dieses Symbol symbolisiert Benommenheit (»Sterne sehen«). 
 
 

Pass auf!? Hör zu?!
Dieses Symbol wird oft als Einleitung von weiblichen Gesprächspartnern benutzt, steht aber eigentlich für ein »Wie kann ich Ihnen behilflich sein?« (z.B. an einem Informationsschalter oder einer Hotel-Rezeption).
 
 

Gebirge? Ein seltsames M?
Für Europäer ein kaum verständliches Symbol. Es markiert den Beginn bzw. Wechsel eines Gesangsteils, zum Beispiel beim Karaoke. 
 
 

Keks mit undefinierbarem Viereck?
Dies ist ein japanischer Reis-Cracker mit einem essbaren Algenblatt. 
 
 

Litfaßsäule?
Ein altes, aber hierzulande kaum gebräuchliches Barbier-Symbol.
 
 
Typografie.info bietet für die von Apple erwählten Emoji im Unicode – die auch andere Unternehmen wie Microsoft, Twitter und Facebook übernommen haben – eine komplette Übersicht mit deutschen Beschreibungen: 
Liste »Personen« aufrufen Liste »Natur« aufrufen Liste »Objekte« aufrufen Liste »Orte« aufrufen Liste »Symbole« aufrufen  
(Abbildung 3D-Emoji von Good Custom Goods)
2010 entwarf der Schriftgestalter Friedrich Althausen ein Logo für eine Architektin. Die eleganten Versalbuchstaben hatten jedoch auch das Potenzial, um zu einer kompletten Display-Schrift ausgebaut zu werden. Entsprechend dem anvisierten Einsatz bekam die 2014 erschienene Schrift den Namen »Überschrift«. Sie besitzt eine komplette westeuropäische Versal-Belegung und zahlreiche Alternativbuchstaben. Eine Besonderheit bilden die 200 Versal-Ligaturen, mit denen sich auf Wunsch besonders markante Wortbilder erstellen lassen.

Dieses Logo war die Basis für die Entwicklung der Überschrift
 








 
Schriftmuster-PDF laden Lizenzierung über FDI Type Foundry oder MyFonts
Die Leipziger Schriftgießerei J.G. Schelter & Giesecke wurde am 24. Juni 1819 von Johann Andreas Gottfried Schelter und Christian Friedrich Giesecke gegründet. Beide hatten neben ihrer Lehrzeit auch als Gehilfen bei den bekannten lokalen Offizinen Breitkopf & Härtel bzw. Tauchnitz Erfahrungen gesammelt. Die technische Ausstattung war zunächst noch bescheiden. In der Leipziger Barfußmühle wurde mit einfachsten manuellen Mitteln Schrift gegossen. Auch mit dieser Technik konnte es ein erfahrener Gießer jedoch auf fünf- bis sechstausend Lettern am Tag bringen. 
 

Barfußmühle
 
1831 war das Unternehmen mit drei Gießöfen, acht Gehilfen und drei Lehrlingen schon so sehr gewachsen, dass die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und man bezog ein Grundstück im Naundörfchen westlich des Leipziger Stadtkerns. Von Schelter wurden eine ganze Reihe neuer Buch- und Titelschriften geschnitten, aber man kaufte auch Materialen anderer Gießereien hinzu, etwa Frakturschriften von Walbaum. 1836 wurde im Journal für Buchdruckerkunst eine schon sehr umfangreiche 123-seitige Probe mit unzähligen Antiqua- und Frakturschriften sowie vielen nichtlateinischen Schriften besprochen. 
 

Betriebsstätte Naundörfchen
 
Schelter zog sich nach dem Tod seines einzigen Sohnes 1839 aus dem Unternehmen zurück und Giesecke führte das Unternehmen allein weiter. Er widmete sich nun auch vermehrt der Modernisierung der Gießtechnik. 1842 wurde der Schriftguss mit einer Gießpumpe beschleunigt. 1846 folgte die erste Gießmaschine, die von Brockhaus nach amerikanischen Vorbild gebaut worden war. Die Fertigungsleistung des Gießers stieg damit auf zehn- bis zwölftausend Lettern pro Tag an. 
 

Gießpumpe (links) und Gießmaschine (rechts)
 
Giesecke verstarb 1851 während einer Cholera-Epidemie und hinterließ ein florierendes Geschäft, das nun von seinen Söhnen Carl Ferdinand Wilhelm und Bernhard Rudolph übernommen wurde. Sie erweiterten auch die angebotene Produktpalette. Es wurde eine Messinglinienfabrik angegliedert und man begann mit der Fertigung von Buchdruckutensilien. In den 1870er-Jahren betrieb das Unternehmen 70 Gießmaschinen, Gießöfen und Klischiermaschinen und beschäftige 200 Personen. Abermals suchte man neue Betriebsräume und errichtete schließlich ein großes Fabrikgebäude in der Leipziger Brüderstraße 26/28. Die Fertigung von Maschinen nahm nun einen immer größeren Stellenwert ein und neben der Herstellung von Maschinen für die Druck wurden sogar Fahrstuhlanlagen gebaut. 
 

Fabrikgelände in der Brüderstraße 26/28. 
 
Auch im 20. Jahrhundert blieb das Unternehmen erfolgreich und wurde 1930 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen jedoch enteignet und ging schließlich im volkseigenen Betrieb Typoart auf. 
Die folgenden Abbildungen zeigen den Geschäftsbetrieb von Schelter & Giesecke gegen Ende des 19. Jahrhunderts und wurden zu Ehren des 75-jährigen Bestehens des Unternehmens angefertigt. 
 

Gießersaal, südlicher Teil
 

Abteilung für Handgießmaschinen
 

 

Abteilung für Schrift-Vollendmaschinen
 

 

 

Lagerräume für Schriftgießerei-Erzeugnisse
 

 

Hausdruckerei
 

 

Quelle für Texte und Bilder: »75 Jahre des Hauses J.G. Schelter & Giesecke in Leipzig« (1894) aus der Bibliothek der Pavillon-Presse Weimar
One to rule them all. Monotype zementiert nach den großen Übernahmen der letzten Jahre (Linotype, MyFonts) nun endgültig seine weltbeherrschende Stellung und übernimmt den letzten verbliebenen, »großen« Konkurrenten FontShop. Enthalten in der Übernahme sind sowohl die Foundry FSI FontShop International (mit Schriften wie FF Meta, FF DIN etc.), als auch das Vertriebshaus FontShop, das Schriften verschiedener Hersteller vertreibt. 
Damit sind nun alle große Schriftenshop in einer Hand: fonts.com, linotype.com, myfonts.com, fontshop.com – egal wo man bestellt, Monotype hat die Fäden in der Hand. Wie immer bei solchen Übernahmen beteuern die Presse-Mitteilungen, dass für die Kunden (zunächst) alles beim alten bleibt. Die FontShop-Marken und Aktivitäten (z.B. die TYPO-Konferenzen) sollen bestehen bleiben und ausgebaut werden. Doch wann haben sich solche Quasi-Monopole jemals als gut für den Kunden herausgestellt? Für mich ein trauriger Tag. Wie ist die Einschätzung der Community?
 
Zugehörige Links:
Monotype acquires FontShop International FontShop schließt sich Monotype (Fontblog.de) PAGE: Community-Stimmen I PAGE: Community-Stimmen II PAGE: Community-Stimmen III
Vier Jahre nach der letzten Hauptversion erscheint mit der Version 7.0 nun eine weitere große Erweiterung des Schriftzeichen-Standards Unicode, die 2834 neue Zeichen mitbringt und den Gesamtumfang der kodierten Zeichen damit auf 113.021 Zeichen erhöht. Einige der neuen Bildzeichen in Unicode 7.0 sorgen in der Berichterstattung für Erheiterung. Zu diesen Zeichen zählen zum Beispiel:
»Stinkefinger« U+1F595
REVERSED HAND WITH MIDDLE FINGER EXTENDED »Vulkanier-Gruß« U+1F596
RAISED HAND WITH PART BETWEEN MIDDLE AND RING FINGERS »Schwebender Geschäftsmann« U+1F574
MAN IN BUSINESS SUITE LEVITATING Die Auswahl solcher Zeichen wirkt auf Außenstehende nicht selten verwunderlich oder gar willkürlich. Doch hinter der Aufnahme neuer Zeichen stehen langwierige Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse unter der Mitwirkung von Wissenschaftlern und nationalen und internationalen Normungsinstituten. 
Der schwebende Geschäftsmann hat es übrigens lediglich aus Kompatibilitätsgründen in den Unicode geschafft. Die weit verbreiteten Piktogramm-Fonts Webdings und Wingdings wurden in den Unicode aufgenommen und damit auch der im Webdings-Font enthaltene, »schwebende Geschäftsmann«, der laut Aussagen der Zeichnerin Jen Sorenson eine Art Ausrufezeichen angelehnt an Plattencover der Band The Specials darstellen soll. 
 

 
Neben weiteren Bildzeichen und neuen Währungszeichen für Rubel und den Aserbaidschan-Manat wurden auch 23 neue Zeichensysteme aufgenommen: Altnordarabische Schrift, Altpermische Schrift, Bassa-Schrift, Duployé-Kurzschrift, Elbasan-Schrift, Grantha-Schrift, Kaukasisch-Albanische Schrift, Khojki-Schrift, Khudabadi-Schrift, Linearschrift A, Mahajani-Schrift, Manichäische Schrift, Mende-Schrift, Modi-Schrift, Mro-Schrift, Nabatäische Schrift, Pahawh Hmong, Palmyrenische Schrift, Pau Cin Hau, Psalter Pahlavi, Siddham, Tirhuta und Warang Citi. 
 
Mit 23 neuen Schriftsystemen ist dies die größte Anzahl neuer Systeme, die in einer Unicode-Version hinzugefügt wurden. Unicode 1.0 startete 1991 mit 24 Schriftsystemen. Die Erfassung aller Schriftzeichen der Welt wird also weiterhin konsequent vorangetrieben, auch wenn in der Berichterstattung der Fokus oft auf Piktogrammen bzw. Emoji liegt. 
 

Die Linear-Schrift A der minoischen Kultur Kretas ist nun auch im Unicode vertreten
 
Noch fehlen entsprechende Fonts, die die neuen Zeichen aus Unicode 7.0 anzeigen können. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass zumindest die neuen Symbole und Währungszeichen mit den nächsten größeren Betriebssystem-Aktualisierungen in Systemfonts aufgenommen werden. 
Ende April 2014 fand in Weimar ein Typografie-Wochenende statt, das gemeinschaftlich von der Bauhaus-Universität Weimar und dem Druckgrafischen Museum Pavillion-Presse veranstaltet wurde.
 
Laufweite 5,5 km
Am Samstag (26. April 2014) fanden sich rund sechzig Typografie-Interessierte im Rahmen der Tagung »Laufweite 5,5 km – Ein typografischer Spaziergang« in Weimar ein. Federführend bei Konzeption, Organisation und Durchführung waren Studierende des Fachbereichs Visuelle Kommunikation unter der Leitung von Dipl.-Designer Konstantin Wolf. Die Planung der Veranstaltung wurde vom Lehrstuhl Typografie der Fakultät Gestaltung durch Prof. Jay Rutherford und Gaby Kosa betreut. Namensgeber war einerseits die typografische Laufweite und andererseits die Laufweite im Sinne der Distanz zwischen den einzelnen Veranstaltungsräumen. Die Vorträge fanden bewusst an verschiedenen Standorten, wie dem Van-de-Velde-Bau der Bauhaus-Universität Weimar, dem Deutschen Bienenmuseum, der Eckermann Buchhandlung und der Galerie ACC statt, um abwechslungsreiche Wege zwischen den Programmpunkten zu gestalten, welche die Teilnehmer gemeinsam spazierend zurücklegten.
 


Tagungseröffnung über den Dächern Weimars
 


Die Sprecher (hier Roland Stieger) hielten keine einstündigen Vorträge, sondern kurze, so genannte Impulsvorträge, die die Basis für anschließende Diskussionen bildeten.
 

Speed Reading – Jan Filek, Autor des Buches Read/ability
 




Friedrich Forssman verschafft sich Überblick
 

Die Publikumsdiskussionen (hier Jan Middendorp) waren Teil des Programms
 
Das Konzept ging voll und ganz auf. Durch diese offene Struktur wurde der ungezwungene fachliche und persönliche Austausch gefördert und die Grundlage für eine kommunikative Athmosphäre gelegt. Dies ermöglichte es den Teilnehmern unabhängig von Alter, Status oder Erfahrung miteinander inspirierende und sinnstiftende Gespräche zu führen. Die Tagungsteilnehmer beschäftigten sich mit aktuellen Fragestellungen aus den Bereichen Typografie, Buchgestaltung und Grafikdesign. Zu den Referenten zählten Fachleute wie zum Beispiel der Designer und Verleger Lars Müller (Zürich), der Typograf und Buchgestalter Paulus M. Dreibholz (London) und die Professorin für Designgeschichte und -theorie Petra Eisele (Mainz). Für mehr Informationen zu den Gästen, den diskutierten Inhalten sowie dem Format der Veranstaltung besuchen Sie: www.laufweite.info.
 
Walbaums Schriftklassizismus
Am Sonntag (27. April 2014) schloss sich dann die Eröffnung der von Ralf Herrmann kuratierten Ausstellung »Walbaums Schriftklassizismus« in der Weimarer Pavillon-Presse an. Sie beleuchtete die Geschichte der Walbaum-Antiqua und verwandter klassizistischer Schriften unter besonderer Berücksichtigung des Antiqua-Fraktur-Streites im deutschen Sprachraum zur Zeit der Klassik. Ein PDF-Artikel als Nachlese zur Ausstellung kann hier heruntergeladen werden. 
 


 
 
(Laufweite Fotos: Hyojung Julia Seo)
Im April und Mai 2014 fand im Druckgrafischen Museum Pavillon-Presse in Weimar eine Ausstellung zu Justus Erich Walbaum und seiner berühmten Schrift Walbaum-Antiqua statt. Als eine Art Nachlese veröffentlicht Typografie.info nun ein 20-seitiges PDF, das die Inhalte der Ausstellung auszugsweise in einem kostenlos herunterladbaren Artikel zusammenfasst. Der Artikel befasst sich sowohl mit Walbaum und seiner bekanntesten Schrift, als auch mit dem Stil der klassizistischen Schriften und den Versuchen, sie im um 1800 im deutschsprachigen Raum zu etablieren. 
 
Zum PDF in unserem Download-Bereich. 
Der Film »Sign Painters« von Faythe Levine und Sam Macon beleuchtet die gut 150-jährige Geschichte der Schildermalerei in den USA. Die mehr als einstündige Dokumentation portraitiert einige der noch aktiven Schildermaler-Werkstätten und lässt deren Schildermaler ihre persönlichen Geschichten und die ihrer Zunft erzählen. Natürlich wird auch die Verdrängung der Schildermalerei durch Folienplotts thematisiert. 
Der Film kann für knapp 10 Euro online erworben und heruntergeladen werden. 
 
 






In unserem Artikel Die Top 10 der missverstandenen Typografie-Fachbegriffe haben wir uns bereits mit einigen typischen Verständnisproblemen unseres Fachbereiches auseinandergesetzt. Einige Leser haben weitere Begriffe vorgeschlagen, die ihrer Meinung nach häufig falsch verstanden bzw. benutzt werden. Viele der Vorschläge drehten sich dabei um Buchstabenabstände. Die betreffenden Bezeichnungen entstammen meist dem Bleisatz und die genaue Definition in der computergestützten Typografie ist nicht immer ganz klar. Erschwerend kommt hinzu, dass zunehmend die englischen Entsprechungen Anwendung finden und sich dann auch bei der Zuordnung der deutschen und englischen Begriffe Fehler einschleichen. In diesem Artikel werden diese Begriffe deshalb zusätzlich zu unseren einzelnen Wiki-Artikeln noch einmal im Zusammenhang erklärt. 
 
Zurichtung oder Spationierung — englisch: Spacing
Zurichtung kann als allgemeiner Begriff verwendet werden, der die Anpassung und Optimierung von Buchstabenabständen beschreibt. Der Begriff kann dabei sowohl die Voreinstellungen des Schriftgestalters bezeichnen, als auch die Anpassungen der Buchstabenabstände durch den Schriftanwender.
 
Schriftgestalter versehen ihre Schriften gemäß des anvisierten Einsatzes bereits mit einer möglichst passenden Zurichtung – also bestimmten Abständen vor und nach dem eigentlichen Buchstabenbild. Man spricht daher von der Vor- und Nachbreite eines Buchstabens. Bei digitalen Schriften können diese Abstände auch negativ sein. Der Buchstabe ragt dann aus seinem unsichtbaren Begrenzungsrahmen — dem virtuellen Schriftkegel — heraus und überlappt die Kegel benachbarter Buchstaben. 
 

 
Der Begriff der Spationierung entstammt der Technik des Bleisatzes. Dort wurden und werden schmale Streifen (so genannte »Spatien«) zwischen die Buchstaben geschoben und der Text somit »spationiert«. Der Begriff der Spationierung hat sich auch bei der digitalen Typografie erhalten. Er beschreibt hier nun – etwas anders als im Bleisatz – jegliche Feinjustierung der Buchstabenabstände und kann somit synonym zum Begriff der Zurichtung verwendet werden. Beispiel: »Die Zurichtung/die Spationierung der Überschrift muss noch verbessert werden.«
 

Verbesserte Zurichtung (zweite Zeile)
 
Laufweite und Sperrung — englisch: Tracking/Letter-Spacing
Einerseits ist Laufweite ein Parameter bei der elektronischen Textverarbeitung. Standardmäßig folgt jeder virtuelle Buchstabenkegel ohne Abstand dem nächsten. Ändert man nun die Laufweite, wird jedem Buchstaben ein positiver oder negativer Abstand hinzugefügt, ohne das Buchstabenbild zu ändern. Die optimale Laufweite hängt von der Anwendung ab. Je kleiner der Text bzw. je weiter er vom Betrachter weg ist, umso größer sollte die Laufweite sein. Umso größer bzw. näher der Text erscheint, umso stärker kann die Laufweite verringert werden. 
 

 
Andererseits wird der Begriff Laufweite heute auch für die Beschreibung des generellen horizontalen Platzbedarfes einer Schrift gebraucht. Beispiel: »Die Times New Roman läuft schmaler als die Palatino«.
 

 
Wird die Laufweite bestimmter Textstellen gleichmäßig und deutlich sichtbar erhöht, spricht man von gesperrtem Text oder von Sperrsatz. Die Sperrung kann aus stilistischen Gründen erfolgen oder dient der Auszeichnung von Textstellen. Im Satz mit gebrochenen Schriften war die Sperrung die am meisten eingesetzte Auszeichnungsart. 
 

 
Unterschneidung — englisch: Kerning
Die Standard-Vor- und Nachbreite eines Buchstabens ergeben nicht für jedes Buchstabenpaar ein optimales Ergebnis. Greift man dann gezielt in den Abstand zwischen zwei Buchstaben ein, wird dies Unterschneidung genannt. Die meisten digitalen Schriften besitzen bereits von Hause aus entsprechende Unterschneidungspaare, die lediglich aktiviert werden müssen. In InDesign erfolgt dies über die Einstellung »Kerning: metrisch«. In den gängigen Textverarbeitungs- und Layoutprogrammen kann der Anwender die Unterschneidung einzelner Buchstabenpaare aber auch selbst anpassen.
 

Ohne Unterschneidung (links) und mit aktivierten Kerning-Werten der Schrift (rechts)
 
Der Begriff der Unterschneidung rührt noch vom physischen Beschnitt der einzelnen Bleilettern her, der die Buchstabenbilder im Druck näher zusammenrücken ließ. In der digitalen Typografie können die Unterschneidungswerte jedoch beliebige positive und negative Werte annehmen.
 
Die Differenzierung zwischen Laufweite und Unterschneidung mag manchmal schwierig erscheinen, da beide Einstellungen Buchstabenabstände vergrößern oder verkleinern. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass sich die Unterschneidung immer nur auf konkrete Abstände zwischen zwei Buchstaben bezieht, während die Laufweite eine gleichmäßige Anpassung der Buchstabenabstände von Worten, Wortgruppen oder ganze Absätzen bezeichnet. In InDesign sind Änderungen der Unterschneidungswerte folgerichtig auch nur möglich, wenn die Einfügemarke zwischen zwei Buchstaben steht. Markiert man dagegen mindestens einen Buchstaben, lassen sich nur noch die Werte für die Laufweite anpassen. 
 
Durchschuss – englisch: interlinear space
Schließen die Buchstabenkegel einer Zeile im Bleisatz direkt an die Kegel der vorangegangen Zeile an, spricht man von kompressem Satz. Sollen die Abstände zwischen den Zeilen vergrößert werden, erfolgt dies durch Einfügen von Durchschuss. Der Begriff bezeichnet also die Höhe des so gebildeten Zwischenraums (bzw. im Bleisatz auch das dafür vorgesehene Material). 
 

 
Zeilenabstand — englisch: leading, line-height
Die Höhe der Buchstabenkegel zuzüglich des optionalen Durchschusses ergibt den Zeilenabstand, der im Digitalsatz von Grundlinie zu Grundlinie aufeinander folgender Zeilen gemessen wird. Schriftgröße und Zeilenabstand sind maßgebliche Parameter des Schriftsatzes und werden oft gemeinsam angegeben. Die Schreibung »10/13« würde bedeuten, dass die Schriftgröße 10 Punkt beträgt und der Zeilenabstand 13 Punkt. Die Zeilen sind also mit 3 Punkt durchschossen. 
 
Soweit die Erklärungen der Fachbegriffe zu Abständen. Weitere Begriffserklärungen finden sich in unserem Typo-Wiki. 
Nach der Iwan Reschniev entstand mit der Tyskland 45 ein weiterer Font direkt aus Diskussionen im Forum von Typografie.info. Im Januar diesen Jahres fragte Community-Mitglied Martin im Forum, ob es nicht praktisch wäre, wenn man eine Deutschland-Karte einfach als Font einsetzen könnte. Nach einer Diskussion der Vor- und Nachteile sowie der technischen Details machte sich schließlich Schriftgestalter Peter Wiegel ausgestattet mit Kartenmaterial von Martin ans Werk und erstellte den entsprechenden Font.
 
Und so funktioniert es: 
Die Bundesländer werden einfach über ihre zweistelligen ISO-Codes (z.B. TH für Thüringen) eingegeben und können anschließend wahlweise mit Farben versehen werden. Weist man der Zeichenfolge nun das OpenType-Feature »Standardligaturen« zu, werden die Codes durch die Bundesländer-Grafiken ersetzt und übereinander gelegt. 
 

 
Zusätzlich hat man die Wahl zwischen 10 verschiedenen Hinterlegungen (Fläche, Schatten, Konturen, Rechteck, Oval …). 
 

 
Die 45 im Schriftnahmen verweist darauf, dass die Schrift nicht nur für aktuellen Bundesländer eingesetzt werden kann, sondern auch alle Einteilungen bis zurück zum Jahr 1945 abdeckt. 
 

 
Typografie.info-Mitglieder können den Font gratis in unserem Download-Bereich herunterladen. 
Vor 5 Jahren stellte der Ebner Verlag seiner etablierten PAGE eine Schwester-Zeitschrift zur Seite, die sich speziell dem Design und der Entwicklung bei den neuen interaktiven Medien verschrieben hatte. Nun wird dieses »WEAVE« genannte Magazin wieder eingestellt und fusioniert mit der PAGE, die fortan mit mehr Seiten und entsprechend neuen Rubriken erscheint. Im Zuge dieser Zusammenlegung hat sich die PAGE ein Redesign verpasst, das insbesondere die Typografie betrifft. 
 
Statt der technisch-nüchternen PTL Notes und PTL Magpage kommen fortan gleich drei recht unterschiedliche Schriften zum Einsatz: die Ingeborg und die FF Mark für Überschriften, Zitate, Bildunterschriften etc. sowie die FF Quadraat als neue Fließtextschrift. Das Layout wurde nicht grundlegend verändert, erscheint aber nun deutlich luftiger und betont die Typografie als Träger der visuellen Identität des Magazins. Für mich ein gelungener evolutionärer Schritt. 
 

Inhaltsverzeichnis der alten (links) und neuen PAGE (rechts)
 








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