Rechtschreibrat macht Weg für großes Eszett in amtlicher Rechtschreibung frei


Ralf Herrmann

Am 8. Dezember 2016 übergab der Rat für Rechtschreibung seinen dritten Bericht an die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Darin enthalten sind zwei Vorschläge zu Regelveränderungen der offiziellen deutschen Rechtschreibung zur Bestätigung durch die staatlichen Stellen. Ein Vorschlag widmet sich Adjektiv-Substantiv-Fügungen, ein anderer ist eine kleine Sensation: die Aufnahme des Eszett-Großbuchstabens in das Regelwerk der amtlichen deutschen Rechtschreibung. 

 

Im Jahr 2005 musste Dr. Kerstin Güthert vom Rechtschreibrat auf eine diesbezügliche Anfrage von Thomas Landsgesell noch antworten, dass man den Bedarf und Nutzen des Zeichens sehr wohl sieht, aber den Buchstaben selbst nicht »erfinden« könne. Dazu bedürfe es »einer Initiative der Schreibgemeinschaft«. Und so kam es. Seit dem Briefwechsel sind über 10 Jahre vergangen und es hat sich einiges getan. Die Aufnahme des großen Eszett in den Unicode hat die technischen Möglichkeiten geschaffen, um das Zeichen in der digitalen Kommunikation einsetzen zu können. In der Folge sind mehr als tausend Schriftfamilien mit großem Eszett auf der normierten Unicode-Position veröffentlicht worden und auch die Tastatureingabe wurde durch die T2-Norm geregelt.  Immer häufiger wurde das Zeichen nun im Satz mit Großbuchstaben verwendet, obgleich das offizielle Regelwerk diese Schreibung noch nicht enthielt. Doch dem steht nun eine entscheidende Änderung bevor.

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Beispiel-Anwendung. Großes Eszett auf einem Diogenes-Kinderbuch

 

Der Rechtschreibrat empfiehlt die Änderung des amtlichen Regelwerks dergestalt, dass das große Eszett in die Buchstabenliste  der deutschen Buchstaben aufgenommen wird. 

Zitat

 Jeder Buchstabe existiert als Kleinbuchstabe und als Großbuchstabe:

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z ä ö ü ß

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Ä Ö Ü ẞ

Der bisherige Klammertext »Ausnahme ß« entfällt. Zur Schreibung in Großbuchstaben soll es zukünftig heißen: 

Zitat

Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS. Daneben ist auch die Verwendung des Großbuchstabens ẞ  möglich. Beispiel: Straße – STRASSE – STRAẞE .

Der Rechtschreibrat begründet diese Vorschläge ausführlich mit den bekannten Argumenten für das große Eszett, etwa mit Hinblick auf die Eindeutigkeit von Eigennamen. Außerdem beruft man sich auf die Beobachtung der häufigen Beibehaltung des Eszett im Versalsatz – in der »ein Bedürfnis nach Bewahrung des Schriftbildes in der Schreibung zum Ausdruck gebracht wird«. Weiter heißt es:

Zitat

Mit dem Vorschlag, bei Schreibung mit Großbuchstaben den Großbuchstaben <ẞ> neben der Ersatzschreibung <SS> zuzulassen, soll eine mit dem Schriftbild besser zu vereinbarende Lösung angeboten werden, als es die zurzeit praktizierte Behelfslösung darstellt, die den Kleinbuchstaben <ß> inmitten von Großbuchstaben setzt.

In den bereits vorab durchgeführten Anhörungen im deutschsprachigen Raum wurde dem Vorschlag bereits ohne Einwände zugestimmt. Das Goethe-Institut begrüßt den Vorschlag zum Beispiel ausdrücklich und schließt sich »vollumfänglich« an. Die Schweiz und Liechtenstein enthielten sich, da sie das Eszett bekanntlich generell nicht verwenden. 

regelvergleich.gif
Gegenüberstellung der aktuellen und vorgeschlagenen Fassung

 

Vorbehaltlich der Bestätigung durch die Kultusministerkonferenz wäre damit die seit über hundert Jahren immer wieder angeprangerte Lücke im deutschen Alphabet endgültig geschlossen. 

DUDEN1919.jpg
Duden von 1919

bearbeitet von Ralf Herrmann



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Rückmeldungen von Benutzern




R::bert

Geschrieben

vor 13 Minuten schrieb K.-H.Redecker:

Gibt es wirklich nur ein für und kein gegen?

Doch! Aber eben nüchtern und argumentativ widerlegt – ganz ohne postfaktisches Auf-den-Boden-Gestampfe : 

 

 

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Ralf Herrmann

Geschrieben

vor 23 Minuten schrieb K.-H.Redecker:

Damit habe ich gerechnet.  Nur weiter so. Auf solch einer Basis möchte ich nicht weiter diskutieren.

Die Basis, wo nach tatsächlich schlüssigen Argumenten der These (»Unnötigkeit«) gefragt wird? Sowas aber auch! Wie konnten wir nur!
 

Zitat

Über ein Jahr habe ich mich jetzt mit diesm Thema beschäftigt und keinen (!) getroffen der ein Versal-ß für nötig erachtet.

 Argumentum ad populum

 

Zitat

Oder möchte jemand in die Geschichte eingehen?

Ach, noch mehr unbelegte Unterstellungen, die mit der Fragestellung nichts zu tun haben. Natürlich. 

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K.-H.Redecker

Geschrieben

Da ist aber jemand beleidigt, bitte einen anderen Ton! Da habe ich ja mitten ins Herz getroffen.

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bertel

Geschrieben

vor einer Stunde schrieb K.-H.Redecker:

Über ein Jahr habe ich mich jetzt mit diesm Thema beschäftigt und keinen (!) getroffen der ein Versal-ß für nötig erachtet.

Andere beschäftigen sich seit wesentlich längerer Zeit mit dem Thema und kommen zu einem ganz anderem Ergebnis als deinem. Der Duden beispielsweise hat sich vor 98 Jahren bereits damit beschäftigt und kam zu dem Ergebnis, dass zwei Buchstaben als Versal-Schreibweise für einen einzeln gemeinen nur ein Notbehelf seien.

 

Ich denke einfach, dass ein Jahr der Beschäftigung mit dem Thema zwar einen oberflächlichen Eindruck und ein erstes Stimmungsbild verschafft, die Erkenntnis sich aber erst nach ausreichend langer Beschäftigung einstellt. Noch ist nichts verloren …

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Ich würde sogar so weit gehen, das die schlichte Beschäftigung mit etwas noch lange nicht zu irgendwelchen Erkenntnissen führt ;-) Wenn ich bei meiner Beschäftigung nämlich immer nur im eigenen Saft gare und vergesse ab und an mal über den Tellerrand zu schauen …

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K.-H.Redecker

Geschrieben

Da bin ich fast gleicher Meinung.  Nur das die Ligatur zwei zusammengezogene Buchstaben beinhaltet und  so zu einem Zeichen wurde. Warum also ein neues Schriftzeichen entwickeln, das die Deutsche Sprache nicht vorgesehen hat. Bei der bei uns üblichen Schreibweise gibt es kein Wort, das mit einem großen ß beginnt. Wie ich schon anfangs geschrieben habe , halte ich aus verschiedenen Günden, eine Zeile aus Versalien schon für bedenklich. Es gibt in der heutigen Zeit andere und evtl. sogar bessere Möglichkeiten der Auszeichnung. Denn das ist doch der Kern der Sache.

Wenn ich nun die Ligatur  wieder in zwei Buchstaben aufspalte, erhalte ich ein S und ein Z. Diese beiden Buchstaben sind in unserer Schrift vorhanden und können sofort als Versalien an Stelle des ß verwendet werden.  S S halte ich auch nicht für angebracht.

Etwas anderes läßt sich warscheinlich in der Bevölkerung schlecht durchsetzen. Leider dürfen wir jedoch über unser Kulturgut nicht abstimmen!

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Norbert P

Geschrieben

Ich meckere ja selten über Rechtschreibfehler (sie sind mitunter ja auch eher Sympathie erzeugend), aber wenn man schon so hoch auf dem Kulturgutross sitzt, sollte so ein Post doch bitte besser aussehen ... und inhaltlich: Das Ligatur-Argument ist keines. Wäre es eines, müsste man umgehend das kleine ß abschaffen und vv statt w schreiben. Könnte die deutsche Sprache etwas vorsehen (wäre sie also ein Subjekt statt eines Objekts), wäre sie dann auf ä, ö und ü vorbereitet gewesen? Denn das sind auch so ganz unlateinische Buchstaben ...

Nebenbei: Das große ß wird niemandem aufgezwungen. Warum sollte man also den Verzicht oktroieren? 

 

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Kathrinvdm

Geschrieben

vor 2 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

Da ist aber jemand beleidigt, bitte einen anderen Ton! Da habe ich ja mitten ins Herz getroffen.

Wie man in den Wald hinein ruft … 

 

Es ist eine famose Sache, in einer Diskussion durch gute Argumente zu überzeugen, oder – wenn man keine hat – dies auch ruhig mal zuzugeben. Da bricht niemandem ein Zacken aus der Krone. Dir nicht und uns anderen auch nicht.

 

Aber eine Anmerkung sei erlaubt:

Nur, dass Du noch niemanden getroffen hast, der ein Versal-Eszett für notwendig erachtet hätte, heißt nicht zwingend, dass dies auch der Weisheit letzter Schluss wäre. Es könnte genauso gut bedeuten, dass Du Dich einfach noch nicht mit jemand ausreichend Kenntnisreichem unterhalten hast, der Dir die Vorteile dieses Versalbuchstabens schlüssig hätte darlegen können. Oder es könnte bedeuten, dass Du bisher noch gar nicht bereit warst, Dich mit dem Nutzen dieses Zeichens auseinanderzusetzen. Oder es könnte bedeuten, dass Dir an einem ergebnisoffenen Diskurs gar nichts liegt und Du einfach nur dieses Forum aufmischen möchtest. 

 

Man kann das Versal-Eszett aus verschiedenen Gründen – zum Beispiel ästhetischen – ablehnen und jedem Menschen steht es selbstverständlich frei, seine Gründe zu haben und diese vorzutragen. Je nach Stichhaltigkeit der Argumente wird sich daraus eine fruchtbare Diskussion entwickeln oder auch nicht. Je sachlicher und fundierter die vorgetragenen Argumente sind, desto spannender und tiefgründiger wird die Diskussion jedoch ausfallen. Bestehen die Beiträge lediglich aus Strohmannargumenten, geschmäcklerischen Einwürfen, dem Wunsch, auf alle Fälle recht zu behalten, oder Versuchen, die Mitdiskutanten zu diffamieren, dann kann man sich die Unterhaltung besser gleich sparen – und lieber einen Kaffee trinken gehen. Das ist besser für die Nerven. :-D

 

Wir haben das Thema Versal-Eszett hier im Forum für jeden nachlesbar schon so intensiv in allen Aspekten beleuchtet und das Für und Wider auf sehr hohem fachlichen Niveau abgeklopft, dass diese Aussage: 

Zitat

Über ein Jahr habe ich mich jetzt mit diesm Thema beschäftigt und keinen (!) getroffen der ein Versal-ß für nötig erachtet.

mich dazu bringt, Dir ganz freundlich zu raten, Dir erstmal die Threads in diesem Forum zum Thema Versal-Eszett (und der Entstehung des Eszetts/Versal-Eszetts) durchzulesen. Du darfst die Diskussion natürlich sehr gerne mit konstruktiven Beiträgen bereichern, Du darfst selbstverständlich auch eine andere Meinung haben als alle anderen und diese eloquent vertreten, aber bitte sieh davon ab, die Diskussion durch oben beschriebene Verhaltensweisen zu beschädigen. Wenn man gerade keine sachlichen Argumente beizutragen hat, dann darf man auch sehr gerne mal stiller Mitleser sein. :-D

 

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R::bert

Geschrieben

vor einer Stunde schrieb K.-H.Redecker:

Wenn ich nun die Ligatur  wieder in zwei Buchstaben aufspalte, erhalte ich ein S und ein Z. Diese beiden Buchstaben sind in unserer Schrift vorhanden und können sofort als Versalien an Stelle des ß verwendet werden.

Achso! Du bist also generell gegen das ß – egal ob groß oder klein und möchtest es durch ein sz/SZ ersetzt sehen?

Ist jetzt die Frage was »unserem Kulturgut« mehr schadet: eine gänzlich neue Buchstaben-Kombination für einen eingetragen Kleinbuchstaben (ß) oder eine formal adäquate Großbuchstaben-Entsprechung, welche schon vor vielen Jahrzehnten von unseren Sprachwissenschaftlern angeregt wurde (ẞ). Wenn Du mich fragst, befinden wir uns gerade auf dem besten Weg »unser Kulturgut« im Sinne unserer »Väter« zu bereichern. Da müssten die Sprachpfleger eigentlich an die Decke hüpfen vor Entzückung.

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R::bert

Geschrieben

vor 4 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

Über ein Jahr habe ich mich jetzt mit diesm Thema beschäftigt und keinen (!) getroffen der ein Versal-ß für nötig erachtet.

Kommt auch immer etwas darauf an in welchen Kreisen man sich bewegt.

 

Hier sind schonmal über 2.000 Leute, welche offenbar zumindest mit dem ẞ sympathisieren:

 

https://m.facebook.com/versaleszett

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Christian Z.

Geschrieben

vor 8 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

Schon jetzt können einige "Schreiber" nicht zwischen Straße und Strasse oder Maße und Masse unterscheiden.

Nehmen wir einfach mal an, dass die Werbung weiterhin gerne SCHREIEN wird. Falls sich das große Eszett durchsetzt, könnten beispielsweise FUẞBALL-PRODUKTE beworben werden und die o.g. "Schreiber" haben einen Grund weniger Fussball zu schreiben, weil sie zuviel FUSSBALL-WERBUNG wahrnehmen.

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Ralf Herrmann

Geschrieben

vor 19 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

Da ist aber jemand beleidigt, bitte einen anderen Ton! Da habe ich ja mitten ins Herz getroffen.

Und weiter geht es mit falschen und vor allem unnötigen Spekulationen. Ich bin nicht beleidigt. Warum auch? Schlechte Argumente gegen ein großes Eszett höre ich seit über 10 Jahren. Und ich erwarte auch keine Einheitsmeinung wie ebenfalls fälschlicherweise in den Raum gestellt wurde. Reine Meinungsäußerungen müssen respektiert werden, da sie per Definition subjektiv und damit nicht widerlegbar sind. Es wurde aber keine Meinung (»ich finde«) geäußert, sondern eine generelle Behauptung über das große Eszett aufgestellt (»es ist unnötig«). Dies und die konkreten Argumente sind prüfbar. Und nichts anderes wurde gemacht. Das ist der Punkt, wo nun eine Fachdiskussion starten könnte, wenn du dich denn endlich mal darauf einlassen würdest, statt nur mit unsachlichen Spekulationen über die Gegenseite abzulenken. 

Ich habe auf alle deine Argumente geantwortet. Und ich habe an einfachen Beispielen den tatsächlichen (kurioserweise von dir gar nicht thematisierten) funktionalen Nutzen eines großen Eszett aufgezeigt. Entweder antwortest du jetzt auf beides oder jeder weitere Kommentar ist Zeitverschwendung. Wir sind ein Fachforum, kein Stammtisch. 

Wenn meine Antworten/Argumente nicht stimmen, zeige auf, warum sie nicht stimmen! Wenn sie nicht widerlegbar sind, sind sie womöglich aber schlicht korrekt bzw. schlüssig. Dann wäre es an dir, die Argumente und was aus ihnen folgt einzusehen und die eigenen, weniger schlüssigen Argumente aufzugeben. Wozu diskutiert man sonst? 

 

vor 17 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

Warum also ein neues Schriftzeichen entwickeln, das die Deutsche Sprache nicht vorgesehen hat.

Das habe ich dargelegt und es wurde bislang ignoriert. Und nach vermeintlich einjähriger Beschäftigung mit dem Thema sollte die Antwort auch bekannt sein. Das ß entstand zu einer Zeit als man hierzulande gebrochene Schriften benutzte und somit (praktisch) nie Versalsatz produzierte. Nun setzen wir Antiqua und müssen das Antiqua-ß im regelmäßig vorkommenden Versal- und Kapitälchensatz irgendwie darstellen. Um Eigennamen und heutige lautliche Funktion bestmöglich beizubehalten, bietet sich das große Eszett an. So funktioniert die gesamte lateinische Schrift. Ist also eigentlich nicht schwer zu verstehen. 

Im Übrigen ist die Formulierung, dass eine »Sprache« etwas »vorsehen« könnte ziemlich kurios. Schrift und Sprache sind weder denkend, noch unveränderliche Reißbrettentwürfe. Sie ändern sich seit Jahrtausenden fortlaufend im Sinne und Zuge ihrer Verwendung. Jedes neue Schriftzeichen war vorher nicht »vorgesehen«. Das liegt in der Natur der Sache und kann somit nicht gegen das Zeichen sprechen, denn es würde auch gegen jedes andere existierende Zeichen sprechen. 

 

Zitat

Bei der bei uns üblichen Schreibweise gibt es kein Wort, das mit einem großen ß beginnt.

Wie gesagt: Non-sequitur-Argument. 
Der Bedarf nach Großbuchstaben entsteht im Versalsatz logischerweise an jeder Stelle im Wort. Ansonsten versuche doch gern mal den Isländern zu erklären, warum ihr niemals am Wortanfang vorkommendes Ð unnötig ist und lieber irgendwie anders darzustellen ist. Ich bin gespannt, wie es läuft!

 

Zitat

Wie ich schon anfangs geschrieben habe , halte ich aus verschiedenen Günden, eine Zeile aus Versalien schon für bedenklich.

Wie gesagt: Non-sequitur-Argument. Diese Argumentation würde nur dann schlüssig sein, wenn du als Lösung der ß-Problematik vorschlagen würdest, dass Deutschland und Österreich ab sofort vollständig auf jeglichen Versalsatz verzichten. Das würde ich dann als absurd und realitätsfern bezeichnen. Wenn diese Lösung nicht gemeint war, ist das ganze Argument zu verwerfen, da nicht schlüssig. Versalsatz existiert und somit der Bedarf nach einer Darstellung des ß im Versalsatz. Ein Hinweis auf die vermeintlich schlechte Lesbarkeit von Versalsatz ändert diese Fakten nicht und ist somit irrelevant. 

 

Zitat

Wenn ich nun die Ligatur  wieder in zwei Buchstaben aufspalte, erhalte ich ein S und ein Z.

Nein. Unser heute verwendetes Antiqua-ß wurde Anfang des 20. Jahrhundert als ein neues Zeichen eingeführt. Es gibt da nichts aufzuspalten. Es ist ein Zeichen, das sich allenfalls gestalterisch an verschiedene(!) Ligaturformen (meist ſs oder seltener ſz) anlehnt. Die verkürzte und absolute Aussage, das ß wäre nichts als eine sz-Ligatur ist historisch einfach nicht richtig. (Und selbst wenn, wäre es eine historische Debatte, die mit dem funktionalen Nutzen eines heutigen großen Eszett wiederum wenig zu tun hätte.) 

 

Zitat

SZ. Diese beiden Buchstaben sind in unserer Schrift vorhanden und können sofort als Versalien an Stelle des ß verwendet werden.

Und was wäre damit erreicht? Es ist immer noch exakt der gleiche »Notbehelf«, der um 1900 praktiziert und angeprangert wurde. Der Vorschlag ist identisch zu: »Schreiben wir Bäcker, aber BAECKER – denn das ä ist historisch eine Verschmelzung von kleinem a und kleinem e und im Versalsatz nehmen wir die aufgespaltene Variante«. 

Warum soll es empfehlenswert sein, keine 1:1-Entsprechung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben zu haben? Diese Diskrepanz zwischen gemischtem Satz und Versalsatz bringt keine Vorteile, aber natürlich jede Menge Nachteile: Erkennung der lautlichen Funktion, Eindeutigkeit von Eigennamen, elektronische Datenverarbeitung …

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vor 15 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

Wenn ich nun die Ligatur  wieder in zwei Buchstaben aufspalte, erhalte ich ein S und ein Z. Diese beiden Buchstaben sind in unserer Schrift vorhanden und können sofort als Versalien an Stelle des ß verwendet werden.  S S halte ich auch nicht für angebracht.

Das würde einige Probleme lösen wie MASSE und MASZE, wäre aber auch nicht eindeutig rückabwickelbar, wie Dir Frank Lißt bestätigen könnte, täte er noch leben und komponieren ...

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Norbert P

Geschrieben

... zu schweigen von den Massenßenen in Sandalenfilmen.

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catfonts

Geschrieben

Am 16.3.2017 um 15:14 schrieb K.-H.Redecker:

und keinen (!) getroffen der ein Versal-ß für nötig erachtet.

Na, dann hast du ja endlich welche getroffen :-)

 

Am 16.3.2017 um 12:10 schrieb K.-H.Redecker:

Benötigen wir diesen zusätzlichen Buchstaben? Ein klares: Nein

OK, aber dann könnten wir auch sagen, wir sollten endlich dem F-Laut grundsätzlich  dem F und den W-Laut dann dem einfachen V zuteilen, dann könnten wir auch auf das "Doppel-V" also W verzichten, denn selbst wenn man mich dan Viegel schriebe, würde man mich richtig aussprechen.

 

Auch bräuchte man das Q nicht - das noch dazu immer mit dem u kommt, das eigentlich ein Überbleibsel aus der Zeit, in der man für die gleichen Laute v oder u die Glyphen u und v stellungsabhängig verwendete, und wir eigentlich hätten Qv schreiben müssen - das hätte man dann auch gleich, wie unsere nordischen Nachbarn durch Kv ersetzen können. Ob Qualität oder Kvalitaet ist letztlich egal. ( nur bei Quinoa würde uns wohl was fehlen :-))

 

Ebenso nutzlos ist genau genommen auch das Z, Da hätte man auch zum Ts greifen können, dann ist man halt Tsuhause.

 

Und Ä/ä Ö/ö und Ü/ü wär auch problemlos weiter als Ae/ae, Oe/oe (hier gibts sogar fertige Ligaturen) und Ue/ue schreibbar.

 

Und wofür brauchen wir ein X? Ks ginge doch auch, oder?  Aber dann hätten wir das x ja vielleicht für ch frei?

 

So fiel zu den virklix notvendigen Buxstaben? (bitte jetßt keine Kvalitaetskontrolle hier durxfueren :-)

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catfonts

Geschrieben

Ach ja, wenn ich das c schon vom ch befreie, und statt ck auch kk schreibe, könnte man das ohnehin unterbeschäftigte c ja auch gleich für den sch-Laut verwenden, damit spare ich dann auch gleich 2 Buchstaben ein, und bei den vielen sch, sicher Papier und Druckfarbe im Millionenwert.

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catfonts

Geschrieben

Одер вир вехзелн глеих дас Шрифтзистем :mrgreen:

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catfonts

Geschrieben

Auch wenn ich hier jetzt ein wenig Selbstgespräche führe, fällt mir doch noch etwas ein:

 

In Ralfs Video ist ja von den obligatorischen Ligaturen in Fraktur die Rede, die ja, besonders wenn gesperrt wurde nicht aufgelöst, sondern wie einzelne Buchstaben behandelt wurden.

 

Hätten da nicht eigentlich auch die 2 anderen dieser Klasse die Chance gehabt, den Übergang zum echten Buchstaben bei der Gestaltung eines Vertreters in Antiquaschrift zu erleben, also zum "cha" und zum "tze":

cha_tze.JPG.87e1723db2102675838ad8d703855c8c.JPG

Und wenn wir die dann gleicherweise als emanzipierte Buchstaben einordnen, hätten wir hier das gleiche Problem mit einem Cha und Tze?

 

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K.-H.Redecker

Geschrieben

Zunächst möchte ich allen danken, die versucht haben mir ein Versal-ß näher zu bringen. Viele dieser Ausführungen kann ich jedoch nicht teilen, scheinbar habe ich eine total andere Sichtweise zu diesem Thema. In Gedanken sehe ich schon eine  Zeile Großbuchstaben aus der Englischen Schreibschrift und dem "neuen" ß. Danke nein. An dieser Stelle steige ich lieber aus dieser Diskusion aus und erfreue mich an wichtigeren Dingen.

PS: Der DUDEN hat nicht immer Recht  ( nur meine Meinung, keine Behauptung die ich belegen muß)

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Martin Z. Schröder

Geschrieben

 

vor einer Stunde schrieb K.-H.Redecker:

scheinbar habe ich eine total andere Sichtweise zu diesem Thema

Mehr offensichtlich als anscheinend, mitnichten »scheinbar«.

 

vor einer Stunde schrieb K.-H.Redecker:

In Gedanken sehe ich schon eine  Zeile Großbuchstaben aus der Englischen Schreibschrift und dem "neuen" ß.

Dieser Gedankengang ist von unschlagbarer Eleganz. Es endlich mal mit größtem Scharfsinn den Versaleszett-Verfechtern vor Augen führen, wie ungünstig sich der Buchstabe im Versalsatz der Anglaise macht.

 

Wenn man sich schon gegen das Nachdenken und Argumentieren verschließt, sollte man nicht auf eine derart unterirdische Weise versuchen, ausgerechnet Typografen solche Ausmaße von Unbedarftheit zu unterstellen. Das ist kindisch. Der Ausstieg aus der Diskussion aber ein weiser Entschluß.

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catfonts

Geschrieben

vor 53 Minuten schrieb K.-H.Redecker:

Der DUDEN hat nicht immer Recht 

Nun ja, das scheint auch eines der wenigen Argumente sein, dem man zustimmen kann, aber das behauptet ja nicht einmal DUDEN selsbst, denn bei einer lebenden Sprache kann es einfach keine unumstößliche Wahrheiten gibt und innerhalb der Variationen der Sprache über einen doch recht großen Raum jetzt ein normiertes Standarddeutsch zu finden, ist letztlich immer nur ein mehr oder weniger fehlerträchtiger Versuch. Sprache ist nun mal nicht immer total logisch.

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Stötzner

Geschrieben

vor 4 Stunden schrieb K.-H.Redecker:

… Großbuchstaben aus der Englischen Schreibschrift und dem "neuen" ß.

Engländer mögen sowas.

Schmeckt auch besser als Rote Beete :-P

 

 

RIMG01231.jpg

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catfonts

Geschrieben

:biglove:

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Norbert P

Geschrieben

Sehr schön ... wann dürfen wir mit der Zierschrift "Rauke" rechnen?

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Stötzner

Geschrieben

vor einer Stunde schrieb Norbert P:

... wann dürfen wir mit der Zierschrift "Rauke" rechnen?

Diese Frage habe ich befürchtet.

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