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Beliebteste Inhalte seit 18.09.2017 aus allen Bereichen

  1. 9 Punkte
    Vor einiger Zeit hatte ich im Forum gefragt, wie man mit Kindern möglichst einfach mit Lettern drucken kann. Die Diskussion wanderte damals sehr streitbar in eine völlig andere Richtung ab, deshalb erlaube ich mir heute die Ergebniss in einem neuen Thema vorzustellen. Altes Thema mit thematischer Entgleisung Meine Aufgabe: Kinder sollen das Prinzip "Drucken mit beweglichen Lettern" verstehen. Hintergrund war die Geschichte Luthers, der Bibelüberstzung und des Druckes durch Gutenberg. Das Problem: Ich konnte keine Holzlettern mehr auftreiben und somit keine machbar DIY-Druckerei basteln. Anregungen hatte ich aus dem Forum reichlich bekommen, vielen Dank dafür. Blei wollte ich die Kindern aber nicht anfassen lassen und die Schriften waren mir für Kinderhände zu klein. Die Lösung: Die Druckwerkstatt des Gutenberg-Museums in Mainz verleiht eine mobile Druckwerkstatt, die ganz genau das kann, was ich gesucht hatte. Kosten 100 Euro für ein Wochenende plus 50 Euro Kaution. Sehr nette Menschen geben dort eine Einführung. Es gab einen Setzkasten mit etwa 5 cm großen Holzbuchstaben und ich durfte mir 4 fertige Druckmotive aussuchen. Von Lappen, Reinigungsbenzin, Farbe, Spachtel bis zu den Farbrollen ist alles in einer Kiste dabei. Die Handpresse hat ein ordentliches Gewicht und lässt sich nur mit zwei Leuten ins Auto heben. Das Ergebnis: Den Kindern im Workshop (Gruppe mit 14 Kids) hat es sehr viel Spaß gemacht. Wir haben zunächst Fehldrucke zugelassen, damit das mit dem richtigen Setzen auch verstanden wird. Die Kids waren total begeistert von der Intensität der Farben auf dem Blech und der Rolle. Wir durften die Farben übereinander rollen (streng mit gelb beginnend) und konnten so kunterbunte Drucke erzeugen. Auch das Mischen der farben konnte so verstanden werden. Den Betreuern und mir hat das aber noch mehr Spaß gemacht und wir haben in der Mittagspause für alle 70 Kinder dieses Tages ein einfaches Plakat mit dem Tagesmotto produziert. Danke für Eure Anregungen. Ein Punkt war leider nicht zu finden im Setzkasten. Den habe ich dann nachgemalt. Aber: (ganz ehrlich) ich hatte TYPOGRAFIE.DE statt .INFO gesetzt, peinlich, dehalb zeige ich das Ergebnis nicht. Ein buntes Abbild vom Herrn Gensfleisch.
  2. 9 Punkte
    Unser Forum zur Identifizierung von Schriften hat mittlerweile über 30.000 Beiträge. Eines fällt dabei immer wieder auf: Bei einem beträchtlichen Anteil der Anfragen wird nach dem Namen einer Schriftart gesucht, obwohl im konkreten Fall gar keine sogenannten Satzschriften (»Fonts«) zum Einsatz kamen. Dieser Artikel erklärt, warum dies so ist und auf welche typischen Anwendungsbereiche dies zutrifft. Heute sind wir es gewohnt, am Computer gesetzte Schrift nicht nur in klassischen »Drucksachen« zu verwenden, sondern sie auch in beliebiger Art und Weise reproduzieren zu können. Logos, Stempel, T-Shirts, Werbebanner, Leuchtbuchstaben und so weiter. Alles ist möglich – Dateivorlage genügt. Doch gemessen am Einsatz von Satzschriften seit Gutenbergs Erfindung im 15. Jahrhundert sind die aktuellen Möglichkeiten eine recht neue Entwicklung. Über 500 Jahre wurden Satzschriften (aus Blei oder Holz) vorrangig im Hochdruck-Verfahren verwendet. Die Schriften wurden in der konkreten Anwendungsgröße (z.B. 10 Punkt) gefertigt, die Informationen aus den Einzellettern gesetzt, und dann mit Farbe bestrichen, um letztere mittels Druck auf ein Trägermaterial wie Papier zu bringen. Auf diese Weise produzierte man Zeitungen, die Innenseiten von Büchern, Flugblätter, Briefbögen, Visitenkarten, Poster und ähnliche Drucksachen. Für viele andere Buchstabenanwendungen war diese Technik jedoch ungeeignet. So fertigte man zum Beispiel für eine einen Meter hohe Bahnhofsbeschriftungen natürlich keine einen Meter hohen Blei-oder Holzschriften an, um sie dann gegen ein Schild oder gar die Wand des Banhofsgebäudes zur pressen. Schauen wir uns in der folgenden Übersicht einige typische Anwendungen an, wo Buchstaben oft nicht mit Satzschriften entstanden sind. Schildermaler-Arbeiten Beschriftungen über Geschäften oder auf dem Schaufensterglas, politische Spruchbänder; Bahnhofsschilder; Werbetafeln und großformatige Anzeigen an Hauswänden – diese und weitere Anwendungen waren über lange Zeit die Arbeit des Schildermalers. Der Schildermaler war im Zeichnen von Schriften unterschiedlichster Stile geübt. Seine Mustervorlagen von Alphabeten waren eher Anregung. Mit den Blei- und Holzschriften in den Druckereien hatte der Schildermaler nichts am Hut. Seine Werkzeuge waren Stifte und Pinsel und jedes Schild war in der Regel ein Unikat – oft mit Buchstabenformen und -ausgestaltungen speziell für diese eine Anwendung. Schildermaler-Ausbildung In die Kategorie der Schildermaler-Arbeiten zählen aber nicht nur die typischen werbliche Arbeiten wie etwa bei Geschäften. Auch Straßenschilder, die Beschriftungen von Bussen und Zügen usw. können hier mit genannt werden. Gegebenenfalls kamen für sich ständig wiederholende Buchstaben in identischen Größen dann Schablonen oder technische Maßzeichnungen zum Einsatz. Diese waren dann aber meist nur zum internen Einsatz bestimmt und nicht mit Satzschriften identisch, die es in Blei oder Holz als Druckschriften gab. Auch bekamen die Buchstabenvorlagen oft keine Produktnamen, wie es bei frei verkäuflichen Satzschriften üblich war. Die Benennung einer Schrift ist daher nicht immer möglich und auf heute am Computer einsetzbare Fonts kann man also allenfalls hoffen, wenn die Schildermaler-Arbeiten so interessant waren, dass man sie später als Font nachempfunden hat. Die Anfertigung von Straßenbahnbeschilderungen in den 1940er-Jahren. Auch hier waren die Schildermaler noch beteiligt. ältere Logos (hier zum Beispiel Coca-Cola) sind praktisch immer gezeichnet, nicht aus Schriften gesetzt Logos und Zeitungsköpfe Die Namen von Unternehmen und Markenprodukten aus Schriften zu setzen – oder die Gestaltung zumindest darauf aufzubauen – ist heute gängige Praxis. Früher waren Logos in aller Regel Einzelentwürfe von Grafikern. Gleiches gilt für die wiederkehrenden Kopfbereiche auf der Titelseite von Zeitungen und Magazinen. Sie wurden nicht wieder und wieder aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt, sondern einmalig als geschlossenes Bild bzw. Wortmarke passend für die Größe der Drucksache angefertigt. Der heute allgemeinsprachliche Begriff Logo hat hier sogar seinen Ursprung. Der Einzelbuchstabe ist in der Druckerei eine Type. Wurden jedoch Silben oder ganze Wörter (griechisch: logos) als Type gefertigt, nannte man dies Logotypen. Markennamen waren ein typisches Anwendungsfeld dieser Logotypen und so nahm dieser Begriff (speziell in der Kurzform »Logo«) die allgemeinsprachliche Bedeutung von (jeglichen textlichen oder bildlichen) Markenzeichen an. Buch-Umschläge Während die Fließtexte auf den Innenseiten von Büchern seit Johannes Gutenberg praktisch immer mit Satzschriften entstehen, war dies für die meist aufwändiger gestalteten Buchumschläge nicht unbedingt der Fall. Diese wurden seit der Durchsetzung von Verlagsbuchumschlägen regelmäßig von Grafikern bzw. Illustratoren als eigenständiger Entwurf angefertigt. Die Buchstaben wurde passend zum Thema, dem Format und anderen Gestaltungselementen gezeichnet – nicht aus einem Font gesetzt. Bei Titelblättern und Zwischentiteln war dieser Aufwand seltener, ist aber ebenso zu finden. Produktbeschriftungen und technische Bauteile Das Ziffernblatt einer alten Uhr; Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen; die Beschriftung älterer Industrie- und Haushaltsgeräte (Röhrenradio, Staubsauger, Kaffeemaschine) und so weiter. Satzschriften eigneten sich kaum, diese Dinge herzustellen, denn man konnte die Bleilettern schwerlich auf Holzblenden, Gläser oder Bleche pressen, schon gar nicht bei gebogenen Oberflächen. Auch das Layout verbot es in der Regel, die physischen Kegel der Buchstaben entsprechend des gewünschten Ergebnisses anzuordnen. Selbst wenn die Buchstaben auf diesen Produkten also satzschriftartig aussehen und vielleicht sogar von Satzschriften der jeweiligen Zeit inspiriert waren – die Ausführung erfolgte in der Regel technisch bedingt nicht mit einer Satzschrift. Steinmetzarbeiten Wie der Schildermaler war auch der Steinmetz früher regelmäßig für die manuelle Anfertigung von Buchstabenformen zuständig. Die in Stein gemeißelte Inschriften auf Grabsteinen, an Wänden oder über Gebäudeeingängen waren zumindest bis zur Durchsetzung des Computers echte Handarbeit ohne vorgefertigte Fonts. Handschriftliches Die Beispiele aus obigen Kategorien fallen meist unter den Begriff Lettering. Daneben gibt es natürlich noch die schlicht und einfach handgeschrieben Wörter, Sätze und Texte. Umso länger der Text, umso deutlicher wird die Unterscheidung zwischen Font und Handschrift. Bei einem Logo oder einem kurzen Unternehmensslogan ist es aber gegebenenfalls nicht so einfach zu erkennen, ob diese handgeschrieben oder mit Fonts gesetzt wurden. Doch die Details verraten es meist. Für Fonts sprechen sich identisch wiederholende Buchstaben, Verbindungen auf der gleiche Höhe, Anschlüsse die ins Leere laufen usw. Unterscheiden sich identische Buchstaben jedoch in Schreibart und Größe stets, tanzt die Grundlinie oder spielen die Buchstaben in verschiedenen Zeilen miteinander, schwankt die Schriftgröße oder stellen sich alle Verbindungen wechselvoll und perfekt passend für das jeweilige Buchstabenpaar dar, handelt es sich womöglich um Handschrift und die Suche nach einer passenden Schrift wird ergebnislos bleiben. Aufwändige OpenType-Schrift mit unzähligen Alternativzeichen? Nein! Das Alter der Drucksache lässt nur Handschrift als Ursprung zu.
  3. 4 Punkte
    Das sind keine Lesarten/Varianten eines Wortes, sondern einfach zwei verschiedene Wörter, die nur gleich geschrieben werden und sonst absolut nichts miteinander zu tun haben. Da gibt es eine ganze Menge von, für Beispiele im Deutschen siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Homograph. Das eine Wort bedeutet übersetzt „böse” und war „schon immer” Teil der lateinischen Sprache, das andere „Apfel(-baum)” und wurde irgendwann in vorchristlicher Zeit (für Quellenverweise sei auf den obgenannten Walde-Hofmann verwiesen) aus dem Griechischen entlehnt. Letzteres Wort diente (ohne Einfluss von ersterem) zur Bezeichnung der Pflanzenart; ein Latein-Muttersprachler hätte die Wörter genauso wenig/oft verwechselt, wie ein Deutscher die Montage (von Möbeln) mit den Montagen (am Wochenanfang) verwechseln würde. Die Information, dass es im Latein ein weiteres Wort gibt, welches zufällig gleich wie der Gattungsname geschrieben wird, finde ich in einen botanischen Flyer genauso fehlplaziert, wie die Tatsache, dass es im Deutschen ein weiteres Wort gibt, dass Montage geschrieben wird in einer Montageanleitung oder einem Kalender. (Das im Walde-Hofmann ebenfalls erwähnte dritte Wort mit der Bedeutung „senkrecht stehender Balken, Mast“ ist im übrigen auch ein vollkommen anderes Wort und hat weder etwas mit dem Apfel noch mit dem Bösen zu tun). Und was die Häufigkeit angeht, ist es wohl in so ziemlich jeder Sprache so, dass in botanischen Texten die jeweilige Übersetzung/Form des Wortes „Apfel“ wesentlich häufiger auftritt, als die des Wortes „Böse“, während das in den meisten Texten eher anders herum ist Da macht das Latein also auch keine Ausnahme…
  4. 4 Punkte
    Caleigh Script. https://www.kreativfont.com/caleigh
  5. 4 Punkte
    Also wenn du schon so direkt fragst … Dem Kunden einen kompetenten Kalligrafen empfehlen, der mit diesem zusammen seine Vorstellungen abklopft und daraus ableitend ein stilistisch passendes und funktionales Logo entwirft und zeichnet/schreibt. Es ist kein Makel, sondern im Gegenteil Zeichen von Professionalität, seine Grenzen zu kennen und, wo es notwendig ist, Experten hinzuzuziehen. Die meisten von uns machen das regelmäßig.
  6. 3 Punkte
    … der Klassiker wäre natürlich Myriad Das wäre dann auch entsprechend unaufdringlich. PS: Hat eigentlich irgendjemand diese famose Liste bereits erwähnt?
  7. 3 Punkte
    Der Kollege würde dazu raten, erst einmal die Fakten zusammenzutragen: Welche Software wird bisher verwendet, hat die Software eine InDesign-Schnittstelle (es gibt ja auch proprietäre Lösungen …), idealerweise xml-basiert, über welches CMS wird die Datenbank gefüllt, welche Datenbankstruktur liegt dahinter, gibt es dynamische Templates oder müssen die selbst erstellt werden etc. Das alles ist ein weites Feld, für das eine Menge Fachwissen benötigt wird, das der Kollege leider auch nicht hat. Er hat sich vielmehr bei einem solchen Projekt ebenfalls helfen lassen und das ganze Setup durch "mainblau" aufsetzen lassen, basierend auf vjoon K4. Der Kollege war faktisch nur noch Anwender und hat mit InDesign und InCopy gearbeitet.
  8. 3 Punkte
    Ist doch offensichtlich. Alle verfügbaren Fs wurden für die nächste Zeile benötigt (die wegen des dramatischen Effekts erst auf der nächsten Slide zu sehen ist):
  9. 3 Punkte
    Ich passe die Laufweite auch zeilenweise an (ID bis –5 und +15 maximal). Ich schaue aber, dass das optisch zusammenpasst, also nicht eine Zeile mit –5 auf eine Zeile mit +15 folgt, das fiele dann zu sehr auf.
  10. 3 Punkte
    Danke für den Bericht! Wir machen es bei Kinderkursen ganz genauso. Kleine Abzugspresse, Magnetfixierung, mittelgroße Holzbuchstaben + ggf. Klischees. So können die Kinder alles selbst machen.
  11. 3 Punkte
    Ich würde aus inhaltlichen Gründen den ersten Satz ganz streichen: Erstens heißt mălus nicht das Böse, sondern der Böse oder einfach nur böse (kleingeschrieben, weil Adjektiv). Zweitens hat dieses Wort mit mālus, dem Apfel nichts zu tun, es handelt sich um zwei verschiedene Wörter: Ersteres ist ein urindogermanisches Wort, welches zum lateinischen Erbwortschatz gehört, zweiteres aus dem Griechischen entlehnt (weitere Herkunft schwer klärbar). (Vgl. etwa Walde/Hofmann: Lateinisches Etymologisches Wörterbuch, Bd. 2, S. 18 ff.) Beide Wörter werden sogar unterschiedlich ausgesprochen: Der Apfel wird im Lateinischen mit langem a, der Böse mit kurzem a gesprochen (oben durch die Diakrikia markiert). Das Vorgehen im Text wäre ähnlich, wie wenn ich in einem Artikel über Wochentage schreiben würde: „Montage ist das Zusammenfügen von Teilen. Schließlich wird an Montagen wieder gearbeitet, also auch Dinge zusammengefügt.“ Abgesehen davon hat die zufällige Gleichheit mit dem biblischen und somit hebräisch verschriftlichten Sündenfall wiederum nichts zu tun, wo die beiden Begriffe für das Böse und den Apfel auch lautlich nicht verwandt sind. Somit wäre auch die Frage überflüssig, ob und wie man das Wort hervorheben sollte…
  12. 3 Punkte
  13. 3 Punkte
    ... und g und i oben verbinden – so wird es weniger Schrift, mehr Logo.
  14. 3 Punkte
    Ich würde die Anschlüsse u-r und i-e noch überarbeiten, da sind weiße Blitzer zu sehen. Die Abstände r-g und i-e sind für meine Begriffe optisch zu groß, ob nach der Überarbeitung dann F-u stimmig ist, muss man sehen …
  15. 2 Punkte
    Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks hat die Welt unumkehrbar verändert. Das Gedankengut der Reformatoren hätte ohne ihn und den Druck mit beweglichen Lettern keine so rasche Verbreitung finden können. Was hat ihn angetrieben, waren es künstlerische Interessen oder ging es ihm eher ums Geschäft? Welche technischen Detailprobleme musste er lösen? Die deutsch-französische Dokumentation zeichnet den langwierigen, von Versuchen und Rückschlägen geprägten Entstehungsprozess einer epochemachenden Erfindung nach. Die 86-minütige Doku kann noch bis 13. November 2017 auf der Arte-Website angeschaut werden.
  16. 2 Punkte
    Hallo Schnecko. Ein paar kurze Anmerkungen zu deiner Arbeit: Eine wissenschaftliche Arbeit ist kein Buch für eine breite Leserschaft, sondern zur Vorlage für den/die Dozenten. Die Gestaltung hat hier nicht die Aufgabe den Leser zu animieren, das Buch zu kaufen und zu lesen. ich hatte vor einiger Zeit mit einem Dozenten aus dem wissenschaftlichen Bereich ein Gespräch über schriftliche Arbeiten, die ihm von seinen Studenten vorgelegt wurden. Er betonte dabei, dass er es negativ findet, wenn die Arbeiten zu „schön gestaltet“ seien, da sie seiner Meinung nach vom Inhalt ablenken. Was zählt ist der Inhalt. Es wäre m. E. sinnvoll ein klares neutrales Erscheinungsbild zu erstellen und nicht zwingend den Eindruck eines schönes Buches vorzgeben. Schriftunterschiede zwischen Titel und Fließtext entweder mit klarer Unterscheidung, auch für einen Laien. Oder eben aus nur einer Schriftfamilie. Ob es nun die Arno oder die Minion ist, spielt nicht die Rolle. Die Cronos ist im Grunde genommen eine Antiqua ohne Serifen. Du könntest dann auch, wenn du es harmonisch willst, alles aus einer Antiqua setzen. Oder eben eine klar sich abgrenzende Grotsk, wenn du es nicht harmonisch willst. Ich möchte aber aus der Sicht des Typografen betonen, es ist sehr erfreulich, dass du dir über die typografische Gestaltung viele Gedanken machst.
  17. 2 Punkte
    Dass weder die Arno Pro noch die Cronos ein Versal-Eszett haben, ist Dir bewusst? Ich frage deshalb, weil ich sehe, dass Du im Literaturverzeichnis Kapitälchen für die Autorennamen verwendest. (Wenn man keine Autoren mit scharfem ß hat, ist das freilich kein Problem.)
  18. 2 Punkte
    Ich mag die Cronos ja nicht so, aber die Mischung harmoniert extrem gut wie ich finde. Bei mir erscheint auch immer noch nur eine Seite in der Dropbox … vielleicht solltest Du die PNGs einfach mal in einer PDF zusammenfassen.
  19. 2 Punkte
    Ich sehe da nur ein PNG eines Titelblatts, main.png. Mir ist da der »schiefe« Bindestrich der Cronos schon sehr ins Auge gefallen. Er verstärkt den Eindruck des informellen, verspielten Charakters der Schrift m.E. stark. Wäre es meine Diss., hätte ich schon Sorge, dass da bei einem Gutachter unbewusst die Frage im Hinterkopf kommt, ob das denn wirklich eine so richtig seriöse und ernst gemeinte wissenschaftliche Arbeit ist. Warum ohne Not solch ein Risiko eingehen? Deine Dissertation (darum geht es doch, oder?) ist der wichtigste Versuch deines Lebens, deine Karriere zu starten. Da solltest du konservativ sein. Zeit zum typographischen Experimentieren hast du dann bei den hunderten Papers, die du im Laufe deiner Karriere hoffentlich schreiben wirst. Im Übrigen sollte man damit vorsichtig sein, aus anderssprachigen Vorlagen die wahrscheinliche Wirkung einer Schrift in deutschen Texten abzuleiten. Deine beiden Beispiele der Cronos sind englischsprachige Arbeiten. Dort gibt es weniger Versalien, weniger Bindestriche, weniger lange Wörter, ganz andere Buchstabenpaarungen als im Deutschen. Übrigens: https://de.wiktionary.org/wiki/gefeilt
  20. 2 Punkte
    Ich gestalte Audiovideo-Shows und habe früher Diavorträge zusammengestellt. Im Job präsentiere ich häufig Powerpoint-Vorträge. Bei allen drei Präsentationsformen setze ich sehr, sehr, sehr wenig Text ein. Entscheidend sind eher die Fotos, Abbildungen und das persönliche Auftreten und die individuelle Rede. Ich habe eine typografische Vorbildung und behaupte deswegen oder trotzdem, dass Dir typografische Bücher in diesem speziellen Fall nicht wirklich helfen werden. Nicht falsch verstehen: Weiterbildung schadet nicht. Ich glaube eher, dass Du bereits auf dem richtigen Weg bist, in dem Du erkannt hast, dass viel Mist gezeigt wird, der (Dir) nicht gefällt. Meine Erfahrung ist: - sehr wenig Text einsetzen, - Font: schnörkellosen , thematisch passenden auswählen (und nie an dem Font rumfummeln), - Schriftgröße: so große verwenden, dass sie bis in die letzte Reihe im Auditorium lesbar ist (ausprobieren/Erfahrung), - Text wirkt in 99% der Fälle besser ohne Effekte und ohne Animation. Ich habe mir das m.objects-Buch für die Praxis gegönnt. https://www.fotoforum.de/shop/buch/produkt/das-mobjects-buch-fuer-die-praxis Dort widmen sich ganze vier Seiten der Titelgestaltung. Hierbei geht es jedoch fast ausschließlich um die Handhabung und kaum um die Gestaltung. Deswegen zumindest musst Du es nicht kaufen. Das Thema ist eine Marktlücke.
  21. 2 Punkte
    Hallo und herzlich willkommen Keine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit genauen Angaben, aber ein guter Einstieg und Sensibilisierung für Typografie ist der Klassiker:
  22. 2 Punkte
    P22 veröffentlicht eine bislang unveröffentlichte Arbeit vom Chemnitzer Kalligraphen Heinz Schumann, der für seine Schrift Stentor bekannt ist, als digitale Schrift mit über 500 Glyphen: Schumann Pro. Diese Schrift war ein Projekt des Schülers von Albert Kapr und Herbert Thannhäuser während seiner Zeit an der Uni Leipzig. Bis 10. November 2017 gibt’s die Schrift mit einem Einführungsrabatt von 33 %.
  23. 2 Punkte
  24. 2 Punkte
    Fehlen da nicht die ü-Punkte? Denn dann tackert man damit den Rasen fest.
  25. 2 Punkte
    Das Leid der Typo-Freunde wird mainstream-tauglich.
  26. 2 Punkte
    OK, passiert Aber jetzt noch ne Hilfe zur Selbsthilfe: Wenn Text auf einer Website direkt als Text verwendet wird - also dass man den Text irgebndwo mit der Maus markieren kann, wie in einem Textprogramm, gibt es ein praktisches Browser-Add-On, gensu genommen sogar mehrere. Eines davon ist WhatFont, welches ich hier in Firefox verwende: Geht man hier bei aktivem Add-On mit der Maus über den Text, wird direkt der Schriftname angezeigt, klickt man, bekommt man ein komplettes Info-Fenster. Ein anderes Add-On dieser Art ist Fount, da wird erst nach Klick auf den Test das Info-Fenster oben rechts eingeblendet:
  27. 2 Punkte
    Die hier verwendetn Schriften hatte ich doch schon bei der Frage zum "any" Logo genannt,nämlich das auf den Seiten die Raleway und die Open Sans verwendet wird. Hier bei Pixel Perfect Design ist es die Raleway, nur um die nächste Frage zu verhindern, auf der dann folgenden nächsten Seite, Urban Portfolio Theme, ist es Open Sans Ach ja, beide vom Eichhörnchen - äh Font-Hörnchen
  28. 2 Punkte
    Das hängt von der Gestaltung der Ziffer ab, eine absolute Aussage kann man hier nicht treffen. Im Fall der "The Mix" würde ich eher zu Mediäval-Tabellenziffern greifen – die haben die Anmutung der Mediävalziffen, sind aber für den Tabelleneinsatz gestaltet, beispielsweise an der 1 gut zu erkennen:
  29. 2 Punkte
    Na ja. Die bessere I/l- und d/b-Unterscheidung ist gut (ich hoffe, das erstreckt sich auf alle gespiegelten und gedrehten Formen, vor allem d/b/q/p), aber die »komplexeren« a- und g-Formen sind eindeutiger und für Leseanfänger einfacher von anderen Zeichen zu differenzieren als die »einfacheren«. Ich beobachte jetzt seit Jahren allerlei ABC- und Leselernlieder, -spiele und -übungen mit etlichen und immer wieder neuen Kindern. Bei den einfachen Formen wird a regelmäßig mit o verwechselt und g mit 6. Werden hingegen die komplexen Formen verwendet, habe ich noch nie einen Fehler erlebt. Kinder, auch im Vorschulalter, kennen die komplexen Formen schon; sie sind allgegenwärtig. Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, warum »Experten« immer noch auf den einfachen Formen bestehen.
  30. 2 Punkte
    Hmmmm ... bedeutendes Mitglied des Politbüros oder eine dicke Vene?
  31. 2 Punkte
  32. 2 Punkte
    Ernsthaft? Da sitzt du an einem 300-Seiten-Buch ja mehrere Jahre … Bei einer Schrift mit gutem Kerning und ausreichend vielen Unterschneidungspaaren käme mir ein händisches Eingreifen nie in den Sinn.
  33. 2 Punkte
    Toller Vergleich! Hier ein paar Fotos, die ich auf die Schnelle gefunden habe … Der Kirchturm links ist 3,7 km vom Schild entfernt: Da sieht man auch schön, wie sehr das Wetter die Sichtbarkeit beeinflussen kann. Und diese Kreuzung (Melrose & Vine) ist 5,5 km vom Schild entfernt:
  34. 2 Punkte
    Als Vergleich: Der Schriftzug "HOLLYWOOD" ist ca. 14 m hoch und aus 1 km prima zu erkennen. Bei 3–4 km bräuchtest du dann ca. 40 m … . Naja, vielleicht geht’s auch mit 25 oder 30 m. Sportlich.
  35. 2 Punkte
    Da die Laufweite in unterschiedlichen Schriftgrößen proportional unterschiedlich zum Schriftgrad sein sollte, muß sie für jede Arbeit eigens eingestellt werden. Sehr kleine Schriften sollten deutlich weiter laufen als große. Größere und sehr große, also auf Titeln und Plakaten, sind ohnehin auszugleichen, nicht nur die Versalien, sondern alle. Handfeste und nachprüfbare oder gar beweisbare Kriterien sind dafür kaum zu finden, weil Schrift selbst ja auch nichts konstruiertes oder konstruierbares ist. Es handelt sich um Erfahrungswerte, und die Erfahrung muß man sich an guten Arbeiten aneignen. Was gute Arbeiten sind, muß man sich sagen und zeigen lassen, dazu ist die Fachliteratur ja da, und an den gezeigten Beispielen, die oben erwähnt sind, schule man seinen Blick. Man sollte auch immer viel lesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, bei welchen Texten die Typografie sich unsichtbar macht und das Lesen zum Spaziergang werden läßt, und an welchen Texten man sich Kopfweh holt, weil Schrift zu eng oder zu weit läuft, Zeilen zu lang sind, Durchschüsse zu eng oder zu weit, Wortzwischenräume zu weit oder unregelmäßig (zu eng sind sie fast nie) usw. oder die Schrift selbst wenig geeignet ist.
  36. 2 Punkte
    Vielen lieben Dank für deine Hilfe. Du bist der Hammer!
  37. 2 Punkte
    ywft bewirbt gerade eine neue »Gardner Sans«. Die hat auf den ersten Blick eine vertraute Gill-Anmutung und bringt auch einen »Mammoth«-Schnitt mit. Ich habe mir Foundry und Schrift aber noch nicht näher angesehen. https://www.youworkforthem.com/font/T8341/gardner-sans/
  38. 2 Punkte
    Yep. Der Slogan (handmade! Love! Da tut sich ein weites Assoziationsfeld auf, ähem) bringt einen ja auch schon zwangsläufig aufs englische Pflaster, also dürfte »Förgie« à la Duchess of York die richtige Aussprache sein.
  39. 2 Punkte
    Dazu kommt, dass der Slogan bestenfalls holprig und missverständlich, schlimmstenfalls offensichtliches Denglisch ist, dass bei kompetenten Englischsprechern höchstens Stirnrunzeln hervorrufen wird. Ich würde es wohl »Förgie« aussprechen, Englisch halt. Meine erste Assoziation war ein Portmanteau aus Fergie und furry. Und die Furgie kippt nach links.
  40. 2 Punkte
    Hhmm … ein nicht gerade selbsterklärender (Eigen)name? (Furgie – wie spricht man das eigentlich aus? (Fu̱·rie) ) noch mal zusätzlich durch die Script verunklärt, und der Zusatz »Handmade for your Love« durch die klassizistische Antiqua am weitesten von »handmade« weggerückt, wie nur eben mit einer Antiqua möglich. Auch die Brutalo-Vertikalligatur zwischen Hand und made ist da nicht gerade förderlich. Umgekehrt (Antiqua für den Namen, Script für den Zusatz) wird vielleicht ein Schuh draus. Zur Vorlage: Das Initial F sieht eher amputiert aus, da würde ich eher eine Schleife oder eine Art Anstrich beim F suchen bevor es in den Stamm geht. Die Verbindung zwischen g und i ist auch nicht sonderlich geglückt und passt auch nicht zu den anderen Abstrichen. Wenn schon, dann wenigstens formal gleich behandeln.
  41. 2 Punkte
    Mir sticht das sofort ins Auge, ich empfinde diesen Abstand immer noch als zu eng.
  42. 2 Punkte
    Die Obsession sieht gut aus. Eine klare Verbesserung. Mir gefällt nur das "e" am Ende nicht besonders. Die Punze ist mir persönlich ein Tick zu klein. Und das "i" steht mir ein bisschen zu nah am "g" und das "e" zu weit vom "i" entfernt. Schnelle Visualisierung: "Furgi c" vs. "Furgie" Vielleicht gibt es auch ein alternatives End-"e"?
  43. 2 Punkte
    Vielleicht „your“ noch ein bißchen nach rechts rücken, damit das L ein bißchen mehr Luft hat?
  44. 2 Punkte
    Du meinst jene? Das ist die "ReporterTwo" bei MyFonts herunterladen
  45. 2 Punkte
    Delphian. https://www.fonts.com/de/font/monotype/delphian
  46. 2 Punkte
    Generell gehts hier in dem Thread ja nicht um Schriften, die aktuell als digitale Schriftsätze verfügbar sind sondern die Schwitters benutzt haben könnte, also in den 20er und 30er Jahren existiert haben. Im Grunde müssten die Schriften die hier besprochen werden in irgendeiner Hauptprobe zu finden sein. Generell könnte man die Schriftart die bei »ARP« zum Einsatz kam als »schmalfette Grotesk« bezeichnen bei denen viele Schriftenhersteller wohl was ähnliches im Programm hatten. Und da vermutlich die finale Schriftauswahl in der Druckerei vom Setzer und nicht mehr vom Gestalter selbst getroffen wurde und die Auswahl nur aus dem Bestand der Druckerei kommen konnte und man das zu 100% auch nicht rückverfolgen kann würde ich die Schrift auch nicht als was anderes bezeichnen. Da muss man für heutige Begriffe leider wage bleiben – vor 90 Jahren war die Bezeichnung schon sehr konkret und was anderes stand vermutlich auch nicht auf dem Setzkasten. hier ein paar Bildchen aus dem Netz – alle ähnlich, alle in etwa zeitgleich: Akzidenz-Grotesk – schmal halbfett (Steinschrift eng) Akzidenz-Grotesk – schmal fett (Buecher-Grotesk halbfett) Schmale fette Steinschrift von Schelter und Giesecke: Natalia von Schelter und Giesecke: und hier mal ein Beispiel wie unterschiedlich Ziffern des gleichen Schriftsatzes bei unterschiedlichen Schriftschnitten und Schriftgraden aussehen können: sollte man eine aktuelle Satzschrift in dem Look suchen würde ich eine Akzidenz Grotesk (bzw. Craft Gothic Condensed) https://www.fontspring.com/fonts/fontsite/craft-gothic/craft-gothic-condensed oder die Schmalfette CP nehmen: https://www.myfonts.com/fonts/counterpoint/schmalfette-cp/ gibt aber vermutlich noch viel mehr ...
  47. 2 Punkte
    In dem Zusammenhang eine kleine Schnapsidee: warum keine sch-Ligatur?
  48. 2 Punkte
    In über 15 Jahren Foren-Betrieb zeigen sich so einige typische Muster in Online-Diskussionen. Eines davon soll in diesem Artikel besprochen: Es geht um das Berufen auf die eigene Meinung. Insbesondere wenn Diskussionsteilnehmer sich in die Ecke gedrängt fühlen, betonen sie häufig, dass sie ja schließlich nur ihre Meinung sagen würden. Dies soll meist zweierlei suggerieren: … dass am bloßen Äußern der Meinung nichts verkehrt sein könne (»schließlich haben wir ja Meinungsfreiheit«). … dass man die gemachten Aussagen somit auch prinzipiell respektieren müsse. So gehört sich das bei Meinungen ja schließlich! Und wer rhetorisch besonders clever ist, der macht auch gleich einen Vorwurf daraus und spielt den Ball gekonnt in die andere Ecke zurück: »Sie lassen also keine abweichenden Meinungen zu, wie?« Aber was hat es damit nun eigentlich auf sich? Wann muss man andere Meinungen (bzw. Ansichten, Haltungen) respektieren und wann nicht? Können Meinungen falsch bzw. richtig sein? Schauen wir uns das einmal etwas genauer an. Dem Wesen nach sind Meinungen subjektiv. Dies definiert den Begriff. Bleiben wir beispielhaft in unserem Fachbereich und bei einem Streitthema der letzten Jahre: Meinungen zum großen Eszett könnten zum Beispiel so geäußert werden … Das große Eszett finde ich prima! Das große Eszett finde ich doof! Ich verstehe die Forderung des großen Eszett in funktionaler Hinsicht, aber die Gestaltungen des Zeichens überzeugen mich einfach nicht. Diese Beispiele sind reine, also »echte« Meinungsäußerungen und es sind diese Meinungen, die in der Tat zunächst ohne Wenn und Aber respektiert werden sollten. Doch warum eigentlich? Der Grund ist, dass es objektiv nichts zu prüfen gibt. Die Aussagen enthalten keine Tatsachenbehauptungen, die man bestätigen oder widerlegen könnte. Und sie enthalten auch keine Argumentationen, die man auf ihre Gültigkeit und Schlüssigkeit hin überprüfen könnte. Der Träger der Meinung spricht schlicht und einfach über sich selbst. Man kann sich dieser Meinung dann anschließen oder nicht, aber das war aus auch schon. Mehr ist kaum möglich. Aus gleichem Grund sind reine Meinungsäußerungen aber auch nicht besonders hilfreich. Das sprichwörtliche »Meinungen an den Kopf werfen« bringt nichts. »Ich bin dafür!« »Ich bin dagegen!« Und nun? In einer Debatte tauschen wir daher selten einfach nur die Meinungen aus. Wir müssen tiefer graben und prüfen, was dahinter steckt. Oder ganz formell ausgedrückt: Ist eine Meinung oder These eine mögliche oder im Idealfall gar die einzig mögliche Folgerung in einer Argumentation? Wenn ja, hat sie Überzeugungskraft und darauf kommt es an. Wir müssen also immer Argumentieren um zu überzeugen und in einer Debatte treten in der Regel unterschiedliche Argumentationen gegeneinander an – auf dass die Beteiligten und das Publikum sie im Detail überprüfen können. Wichtig dabei: Sobald die Argumentation beginnt, verlassen wir den schützenden Hafen der Subjektivität und treten auf das eher gnadenlose Parkett der Logik, wo unsere Aussagen einer objektiven Prüfung unterzogen und jederzeit zu Fall gebracht werden können. Argumente bestehen formell aus einer oder mehrerer Prämissen und einer Schlussfolgerung. Klassisches Beispiel: Prämisse 1: Alle Menschen sind sterblich. Prämisse 2: Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung: Sokrates ist sterblich. Eine Logik, die einfach, einleuchtend unbestreitbar ist. Doch das menschliche Denken läuft leider nicht immer in diesen geordneten Bahnen der Logik. Wir können zum Beispiel gleichzeitig sich widersprechende Argumente im Kopf halten und beide als richtig ansehen. Wir formen unsere Meinungen voreilig, instinktiv, von charakterlichen Eigenschaften, Vorurteilen und Ideologien getrieben. Und nicht selten zäumen wir das Pferd von hinten auf, indem wir nicht mit dem rationalen Schluss enden, sondern vielmehr mit einem behaupteten Schluss beginnen und erst in der Folge Prämissen als Stützen des Schlusses suchen. Ein Prozess, der in der Psychologie und Philosophie als Rationalisieren bekannt ist. Und genau deshalb sind ordentliche Debatten so wichtig! Debatten zwingen die Teilnehmer, mit offenen Karten zu spielen. Gibt es Gründe oder werden nur Dinge behauptet? Kann die eigene Position schlüssig untermauert werden? Diese Fragen seien übrigens insbesondere an die Nutzer der Social-Media-Dienste gerichtet. Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie dort zu jedem aktuellen Thema oder Betrag massenhaft reine Meinungsäußerungen und Behauptungen abgesetzt werden, obwohl ihr Nutzen so gering ist. Dabei ist es doch nicht so schwer: Fügen Sie Ihrer kurzen Meinungsäußerung oder Behauptung zumindest noch ein », weil …« an und schon kann eine Argumentation daraus werden, die man tatsächlich bedenken und diskutieren kann. Im Zweifel heißt es einfach nachfragen! Ein großes Eszett ist doof? (Meinungsäußerung) In Ordnung, warum ist es doof? Braucht niemand? (Behauptung) Okay, warum braucht es niemand? Solange die Argumentationen ausbleiben, können solche Aussagen keine Überzeugungskraft haben und letztlich ignoriert werden. Gelingt es uns in Online-Debatten, den anderen Teilnehmern vollständige Argumente abzuringen, können und sollten wir zweierlei prüfen: Sind die Prämissen wahr? Ist das Argument gültig? Dies prüft, ob die Prämissen den Schluss stützen. Oder anderes gesagt: Wenn man die Prämissen für wahr hält, dann ist es deshalb vernünftig, auch den Schluss für wahr zu halten. Stützen die Prämissen den Schluss jedoch nicht, handelt es sich um einen Trug- bzw. Fehlschluss. Nur wenn beides gegebenen ist, sprechen wir von einem schlüssigen und somit überzeugendem Argument. Falsche Tatsachenbehauptungen als Prämissen sind zum Beispiel ein Fehler, den jeder sofort versteht. Ist auch nur eine Prämisse unwahr, ist die Argumentation gescheitert. (Der Schluss ist übrigens nicht automatisch falsch, aber das Argument stützt ihn nicht mehr erfolgreich.) Die Klärung der Prämissen nimmt nicht selten einen großen Teil der Debatte ein. Denn hier müssen sich alle Teilnehmer letztlich auf Bausteine einigen, die, später zusammengesetzt, womöglich die eigene Position widerlegen. In diesem Wissen werden die Prämissen oft gezielt und gegebenenfalls absichtlich irreführend mit Behauptungen gespickt, die dann zwangsläufig zum gewünschten Schluss führen sollen. Doch so einfach geht es natürlich nicht! Die Logik lässt sich nicht austricksen! Der Wahrheitsgehalt der einzelnen Behauptungen muss dann auf Nachfrage dennoch einzeln aufgezeigt werden und so entstehen nicht selten lange Argumentationskaskaden. Doch nur wenn der Wahrheitsgehalt der Prämissen letztlich überzeugend dargelegt oder gar bewiesen wird, kann auch die Argumentation erfolgreich sein. Neben dem Ringen um die Prämissen liegt auch in der Formung des Schlusses ein weites Feld für Probleme. Debatten wimmeln nicht selten von Fehlschlüssen. Ein Beispiel: Es gibt kein Wort, das mit einem ß beginnt. Also ist das große ß überflüssig. Man sollte ohnehin nicht so viel Versalsatz verwenden! Also ist das große ß überflüssig. Das ß ist ja eigentlich nur eine Kleinbuchstabenligatur! Also braucht man davon keinen Großbuchstaben! Argumente wie diese hört man immer wieder. Doch sie beinhalten objektiv eine Fehlschluss. Genauer gesagt der Fehlschluss Non sequitur: Selbst wenn die Prämissen wahr sind, folgt der Schluss nicht aus ihnen. »Es gibt kein Wort, das mit einem ß beginnt.« Korrekt, aber es gibt dennoch GROẞBUCHSTABENSATZ und somit Bedarf nach der Darstellung des ß in diesem Einsatz. Der Schluss (Versal-ß ist überflüssig) ergibt sich also nicht aus der Prämisse. »Man sollte ohnehin nicht so viel Versalsatz verwenden!« Möglicherweise! Aber auch in seltenem Versalsatz muss das ß irgendwie dargestellt werden. Der Schluss ergibt sich also nicht aus der Prämisse. Das ß ist ja eigentlich nur eine Kleinbuchstabenligatur! Historisch gesehen, wahrscheinlich! Aber die Forderung nach großen Eszett ergibt sich aus der Funktion des Zeichens, nicht seiner Herkunft. Der Schluss ergibt sich also nicht aus der Prämisse. Und dies war nur ein Beispiel eines typischen Logikfehlers. Die Liste ist lang: Strohmann-Argument, zirkuläres Argument, Verweis auf (falsche) Autoritäten oder Mehrheitsmeinungen, Korrelation als Kausalität annehmen und so weiter und so fort. Wessen Argumentationen solche Fehlschlüsse enthalten, kann nicht (logisch) überzeugen. Und Meinungen, die auf nicht schlüssigen Argumenten beruhen, müssen nun nach der Prüfung auch nicht mehr unbedingt respektiert werden, da der Versuch der Begründung (bislang) nicht erfolgreich war. Das Berufen auf die Meinung und die persönlichen Ansichten nützt nun nichts mehr. Und mehr noch: Auch der Träger der Meinung müsste ehrlicher- und vernünftigerweise seinen bisherigen Schluss aufgeben, wenn andere in der Argumentation unwahre Prämissen oder Fehlschlüssen aufzeigen können. Aber oft hören wir stattdessen eher das Fazit, dass in dieser Frage die Meinungen bzw. Ansichten dann wohl auseinandergehen. Eine clevere Ausrede! Entweder gewinnt man das Spiel oder erklärt es im Nachhinein für unentschieden oder gar unentscheidbar. So kann man es sich natürlich leicht machen. Es ist aber auch schlicht intellektuell unehrlich. Fazit: Meinungen sind immer dann zu respektieren, wenn tatsächlich nichts als rein subjektive Aussagen getätigt werden. Dies sind die typischen Sätze, die mit »ich finde …« beginnen oder beginnen könnten. Doch der Wert solcher Meinungsäußerungen ist gering. Wer beginnt, für seine Meinungen und Thesen zu argumentieren, muss damit leben, dass die Argumente geprüft und jegliche Fehler gnadenlos aufgezeigt werden. Wer gute Gründe (also schlüssige Argumente) hat, muss diese Prüfung nicht fürchten und kann seine Position einfach, logisch und sachlich darlegen: »Schaut her! A ist wahr. B ist wahr. Also folgt C. Korrekt?« Wer immer nur Dinge behauptet und Behauptungen auf Nachfrage nur mit weiteren Behauptungen oder Fehlschlüssen stützen will; wer sich in Polemik, Anekdoten und persönlichen Angriffen verliert, hat vermutlich keine guten Gründe und kann sich dann auch nicht mehr hinter dem Begriff Meinung verstecken. Es ist lohnend, sich in der Unterscheidung von subjektiven (»ich finde …«) und objektiven (»es ist«) Aussagen zu üben und sich mit den typischen logischen Fehlschlüssen vertraut zu machen. Nicht nur, um diese Probleme in Debatten bei anderen zu erkennen, sondern vor allem auch, um die eigenen Positionen von vornherein logisch und rational aufzubauen. Das macht kurzfristig deutlich mehr Arbeit. Dies kann aber vernachlässigt werden, wenn man dieser Arbeit die Mühe gegenüberstellt, die regelmäßig aufgebracht wird, um einmal angenommene, nicht schlüssige Positionen endlos zu verteidigen – nur, um sich nicht die Blöße geben zu müssen, Denkfehler gemacht zu haben.
  49. 1 Punkt
    Einfach mal eine Probeseite mit deinem passenden Text ausdrucken. Dann siehst du schon, wie das wirkt. Die Minion hat eine relativ große Mittelhöhe, darum wirkt sie schnell größer. Darum wird sie u.a. auch gern für Bücher mit viel Text, meist sogar in nur 9 pt eingesetzt – und ist dabei noch erstaunlich gut zu lesen. Aber für dich sollten weniger "macht man so" oder "rechnet sich so" eine Rolle spielen. Probier was aus, druck es aus (gern auch mehrere Varianten) und guck es dir einen Tag später nochmal an. Dann merkst du meist schon, wo's hakt. Und kannst nachjustieren.
  50. 1 Punkt
    Geht es um Leuchten aus Genieß oder leuchtet man bei der Veranstaltung, während man genießt?
Zeitzone: Berlin/GMT+02:00

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