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Beliebteste Inhalte seit 21.09.2017 in Artikel

  1. 9 Punkte
    Unser Forum zur Identifizierung von Schriften hat mittlerweile über 30.000 Beiträge. Eines fällt dabei immer wieder auf: Bei einem beträchtlichen Anteil der Anfragen wird nach dem Namen einer Schriftart gesucht, obwohl im konkreten Fall gar keine sogenannten Satzschriften (»Fonts«) zum Einsatz kamen. Dieser Artikel erklärt, warum dies so ist und auf welche typischen Anwendungsbereiche dies zutrifft. Heute sind wir es gewohnt, am Computer gesetzte Schrift nicht nur in klassischen »Drucksachen« zu verwenden, sondern sie auch in beliebiger Art und Weise reproduzieren zu können. Logos, Stempel, T-Shirts, Werbebanner, Leuchtbuchstaben und so weiter. Alles ist möglich – Dateivorlage genügt. Doch gemessen am Einsatz von Satzschriften seit Gutenbergs Erfindung im 15. Jahrhundert sind die aktuellen Möglichkeiten eine recht neue Entwicklung. Über 500 Jahre wurden Satzschriften (aus Blei oder Holz) vorrangig im Hochdruck-Verfahren verwendet. Die Schriften wurden in der konkreten Anwendungsgröße (z.B. 10 Punkt) gefertigt, die Informationen aus den Einzellettern gesetzt, und dann mit Farbe bestrichen, um letztere mittels Druck auf ein Trägermaterial wie Papier zu bringen. Auf diese Weise produzierte man Zeitungen, die Innenseiten von Büchern, Flugblätter, Briefbögen, Visitenkarten, Poster und ähnliche Drucksachen. Für viele andere Buchstabenanwendungen war diese Technik jedoch ungeeignet. So fertigte man zum Beispiel für eine einen Meter hohe Bahnhofsbeschriftungen natürlich keine einen Meter hohen Blei-oder Holzschriften an, um sie dann gegen ein Schild oder gar die Wand des Banhofsgebäudes zur pressen. Schauen wir uns in der folgenden Übersicht einige typische Anwendungen an, wo Buchstaben oft nicht mit Satzschriften entstanden sind. Schildermaler-Arbeiten Beschriftungen über Geschäften oder auf dem Schaufensterglas, politische Spruchbänder; Bahnhofsschilder; Werbetafeln und großformatige Anzeigen an Hauswänden – diese und weitere Anwendungen waren über lange Zeit die Arbeit des Schildermalers. Der Schildermaler war im Zeichnen von Schriften unterschiedlichster Stile geübt. Seine Mustervorlagen von Alphabeten waren eher Anregung. Mit den Blei- und Holzschriften in den Druckereien hatte der Schildermaler nichts am Hut. Seine Werkzeuge waren Stifte und Pinsel und jedes Schild war in der Regel ein Unikat – oft mit Buchstabenformen und -ausgestaltungen speziell für diese eine Anwendung. Schildermaler-Ausbildung In die Kategorie der Schildermaler-Arbeiten zählen aber nicht nur die typischen werbliche Arbeiten wie etwa bei Geschäften. Auch Straßenschilder, die Beschriftungen von Bussen und Zügen usw. können hier mit genannt werden. Gegebenenfalls kamen für sich ständig wiederholende Buchstaben in identischen Größen dann Schablonen oder technische Maßzeichnungen zum Einsatz. Diese waren dann aber meist nur zum internen Einsatz bestimmt und nicht mit Satzschriften identisch, die es in Blei oder Holz als Druckschriften gab. Auch bekamen die Buchstabenvorlagen oft keine Produktnamen, wie es bei frei verkäuflichen Satzschriften üblich war. Die Benennung einer Schrift ist daher nicht immer möglich und auf heute am Computer einsetzbare Fonts kann man also allenfalls hoffen, wenn die Schildermaler-Arbeiten so interessant waren, dass man sie später als Font nachempfunden hat. Die Anfertigung von Straßenbahnbeschilderungen in den 1940er-Jahren. Auch hier waren die Schildermaler noch beteiligt. ältere Logos (hier zum Beispiel Coca-Cola) sind praktisch immer gezeichnet, nicht aus Schriften gesetzt Logos und Zeitungsköpfe Die Namen von Unternehmen und Markenprodukten aus Schriften zu setzen – oder die Gestaltung zumindest darauf aufzubauen – ist heute gängige Praxis. Früher waren Logos in aller Regel Einzelentwürfe von Grafikern. Gleiches gilt für die wiederkehrenden Kopfbereiche auf der Titelseite von Zeitungen und Magazinen. Sie wurden nicht wieder und wieder aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt, sondern einmalig als geschlossenes Bild bzw. Wortmarke passend für die Größe der Drucksache angefertigt. Der heute allgemeinsprachliche Begriff Logo hat hier sogar seinen Ursprung. Der Einzelbuchstabe ist in der Druckerei eine Type. Wurden jedoch Silben oder ganze Wörter (griechisch: logos) als Type gefertigt, nannte man dies Logotypen. Markennamen waren ein typisches Anwendungsfeld dieser Logotypen und so nahm dieser Begriff (speziell in der Kurzform »Logo«) die allgemeinsprachliche Bedeutung von (jeglichen textlichen oder bildlichen) Markenzeichen an. Buch-Umschläge Während die Fließtexte auf den Innenseiten von Büchern seit Johannes Gutenberg praktisch immer mit Satzschriften entstehen, war dies für die meist aufwändiger gestalteten Buchumschläge nicht unbedingt der Fall. Diese wurden seit der Durchsetzung von Verlagsbuchumschlägen regelmäßig von Grafikern bzw. Illustratoren als eigenständiger Entwurf angefertigt. Die Buchstaben wurde passend zum Thema, dem Format und anderen Gestaltungselementen gezeichnet – nicht aus einem Font gesetzt. Bei Titelblättern und Zwischentiteln war dieser Aufwand seltener, ist aber ebenso zu finden. Produktbeschriftungen und technische Bauteile Das Ziffernblatt einer alten Uhr; Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen; die Beschriftung älterer Industrie- und Haushaltsgeräte (Röhrenradio, Staubsauger, Kaffeemaschine) und so weiter. Satzschriften eigneten sich kaum, diese Dinge herzustellen, denn man konnte die Bleilettern schwerlich auf Holzblenden, Gläser oder Bleche pressen, schon gar nicht bei gebogenen Oberflächen. Auch das Layout verbot es in der Regel, die physischen Kegel der Buchstaben entsprechend des gewünschten Ergebnisses anzuordnen. Selbst wenn die Buchstaben auf diesen Produkten also satzschriftartig aussehen und vielleicht sogar von Satzschriften der jeweiligen Zeit inspiriert waren – die Ausführung erfolgte in der Regel technisch bedingt nicht mit einer Satzschrift. Steinmetzarbeiten Wie der Schildermaler war auch der Steinmetz früher regelmäßig für die manuelle Anfertigung von Buchstabenformen zuständig. Die in Stein gemeißelte Inschriften auf Grabsteinen, an Wänden oder über Gebäudeeingängen waren zumindest bis zur Durchsetzung des Computers echte Handarbeit ohne vorgefertigte Fonts. Handschriftliches Die Beispiele aus obigen Kategorien fallen meist unter den Begriff Lettering. Daneben gibt es natürlich noch die schlicht und einfach handgeschrieben Wörter, Sätze und Texte. Umso länger der Text, umso deutlicher wird die Unterscheidung zwischen Font und Handschrift. Bei einem Logo oder einem kurzen Unternehmensslogan ist es aber gegebenenfalls nicht so einfach zu erkennen, ob diese handgeschrieben oder mit Fonts gesetzt wurden. Doch die Details verraten es meist. Für Fonts sprechen sich identisch wiederholende Buchstaben, Verbindungen auf der gleiche Höhe, Anschlüsse die ins Leere laufen usw. Unterscheiden sich identische Buchstaben jedoch in Schreibart und Größe stets, tanzt die Grundlinie oder spielen die Buchstaben in verschiedenen Zeilen miteinander, schwankt die Schriftgröße oder stellen sich alle Verbindungen wechselvoll und perfekt passend für das jeweilige Buchstabenpaar dar, handelt es sich womöglich um Handschrift und die Suche nach einer passenden Schrift wird ergebnislos bleiben. Aufwändige OpenType-Schrift mit unzähligen Alternativzeichen? Nein! Das Alter der Drucksache lässt nur Handschrift als Ursprung zu.
  2. 2 Punkte
    Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks hat die Welt unumkehrbar verändert. Das Gedankengut der Reformatoren hätte ohne ihn und den Druck mit beweglichen Lettern keine so rasche Verbreitung finden können. Was hat ihn angetrieben, waren es künstlerische Interessen oder ging es ihm eher ums Geschäft? Welche technischen Detailprobleme musste er lösen? Die deutsch-französische Dokumentation zeichnet den langwierigen, von Versuchen und Rückschlägen geprägten Entstehungsprozess einer epochemachenden Erfindung nach. Die 86-minütige Doku kann noch bis 13. November 2017 auf der Arte-Website angeschaut werden.
  3. 2 Punkte
    In über 15 Jahren Foren-Betrieb zeigen sich so einige typische Muster in Online-Diskussionen. Eines davon soll in diesem Artikel besprochen: Es geht um das Berufen auf die eigene Meinung. Insbesondere wenn Diskussionsteilnehmer sich in die Ecke gedrängt fühlen, betonen sie häufig, dass sie ja schließlich nur ihre Meinung sagen würden. Dies soll meist zweierlei suggerieren: … dass am bloßen Äußern der Meinung nichts verkehrt sein könne (»schließlich haben wir ja Meinungsfreiheit«). … dass man die gemachten Aussagen somit auch prinzipiell respektieren müsse. So gehört sich das bei Meinungen ja schließlich! Und wer rhetorisch besonders clever ist, der macht auch gleich einen Vorwurf daraus und spielt den Ball gekonnt in die andere Ecke zurück: »Sie lassen also keine abweichenden Meinungen zu, wie?« Aber was hat es damit nun eigentlich auf sich? Wann muss man andere Meinungen (bzw. Ansichten, Haltungen) respektieren und wann nicht? Können Meinungen falsch bzw. richtig sein? Schauen wir uns das einmal etwas genauer an. Dem Wesen nach sind Meinungen subjektiv. Dies definiert den Begriff. Bleiben wir beispielhaft in unserem Fachbereich und bei einem Streitthema der letzten Jahre: Meinungen zum großen Eszett könnten zum Beispiel so geäußert werden … Das große Eszett finde ich prima! Das große Eszett finde ich doof! Ich verstehe die Forderung des großen Eszett in funktionaler Hinsicht, aber die Gestaltungen des Zeichens überzeugen mich einfach nicht. Diese Beispiele sind reine, also »echte« Meinungsäußerungen und es sind diese Meinungen, die in der Tat zunächst ohne Wenn und Aber respektiert werden sollten. Doch warum eigentlich? Der Grund ist, dass es objektiv nichts zu prüfen gibt. Die Aussagen enthalten keine Tatsachenbehauptungen, die man bestätigen oder widerlegen könnte. Und sie enthalten auch keine Argumentationen, die man auf ihre Gültigkeit und Schlüssigkeit hin überprüfen könnte. Der Träger der Meinung spricht schlicht und einfach über sich selbst. Man kann sich dieser Meinung dann anschließen oder nicht, aber das war aus auch schon. Mehr ist kaum möglich. Aus gleichem Grund sind reine Meinungsäußerungen aber auch nicht besonders hilfreich. Das sprichwörtliche »Meinungen an den Kopf werfen« bringt nichts. »Ich bin dafür!« »Ich bin dagegen!« Und nun? In einer Debatte tauschen wir daher selten einfach nur die Meinungen aus. Wir müssen tiefer graben und prüfen, was dahinter steckt. Oder ganz formell ausgedrückt: Ist eine Meinung oder These eine mögliche oder im Idealfall gar die einzig mögliche Folgerung in einer Argumentation? Wenn ja, hat sie Überzeugungskraft und darauf kommt es an. Wir müssen also immer Argumentieren um zu überzeugen und in einer Debatte treten in der Regel unterschiedliche Argumentationen gegeneinander an – auf dass die Beteiligten und das Publikum sie im Detail überprüfen können. Wichtig dabei: Sobald die Argumentation beginnt, verlassen wir den schützenden Hafen der Subjektivität und treten auf das eher gnadenlose Parkett der Logik, wo unsere Aussagen einer objektiven Prüfung unterzogen und jederzeit zu Fall gebracht werden können. Argumente bestehen formell aus einer oder mehrerer Prämissen und einer Schlussfolgerung. Klassisches Beispiel: Prämisse 1: Alle Menschen sind sterblich. Prämisse 2: Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung: Sokrates ist sterblich. Eine Logik, die einfach, einleuchtend unbestreitbar ist. Doch das menschliche Denken läuft leider nicht immer in diesen geordneten Bahnen der Logik. Wir können zum Beispiel gleichzeitig sich widersprechende Argumente im Kopf halten und beide als richtig ansehen. Wir formen unsere Meinungen voreilig, instinktiv, von charakterlichen Eigenschaften, Vorurteilen und Ideologien getrieben. Und nicht selten zäumen wir das Pferd von hinten auf, indem wir nicht mit dem rationalen Schluss enden, sondern vielmehr mit einem behaupteten Schluss beginnen und erst in der Folge Prämissen als Stützen des Schlusses suchen. Ein Prozess, der in der Psychologie und Philosophie als Rationalisieren bekannt ist. Und genau deshalb sind ordentliche Debatten so wichtig! Debatten zwingen die Teilnehmer, mit offenen Karten zu spielen. Gibt es Gründe oder werden nur Dinge behauptet? Kann die eigene Position schlüssig untermauert werden? Diese Fragen seien übrigens insbesondere an die Nutzer der Social-Media-Dienste gerichtet. Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie dort zu jedem aktuellen Thema oder Betrag massenhaft reine Meinungsäußerungen und Behauptungen abgesetzt werden, obwohl ihr Nutzen so gering ist. Dabei ist es doch nicht so schwer: Fügen Sie Ihrer kurzen Meinungsäußerung oder Behauptung zumindest noch ein », weil …« an und schon kann eine Argumentation daraus werden, die man tatsächlich bedenken und diskutieren kann. Im Zweifel heißt es einfach nachfragen! Ein großes Eszett ist doof? (Meinungsäußerung) In Ordnung, warum ist es doof? Braucht niemand? (Behauptung) Okay, warum braucht es niemand? Solange die Argumentationen ausbleiben, können solche Aussagen keine Überzeugungskraft haben und letztlich ignoriert werden. Gelingt es uns in Online-Debatten, den anderen Teilnehmern vollständige Argumente abzuringen, können und sollten wir zweierlei prüfen: Sind die Prämissen wahr? Ist das Argument gültig? Dies prüft, ob die Prämissen den Schluss stützen. Oder anderes gesagt: Wenn man die Prämissen für wahr hält, dann ist es deshalb vernünftig, auch den Schluss für wahr zu halten. Stützen die Prämissen den Schluss jedoch nicht, handelt es sich um einen Trug- bzw. Fehlschluss. Nur wenn beides gegebenen ist, sprechen wir von einem schlüssigen und somit überzeugendem Argument. Falsche Tatsachenbehauptungen als Prämissen sind zum Beispiel ein Fehler, den jeder sofort versteht. Ist auch nur eine Prämisse unwahr, ist die Argumentation gescheitert. (Der Schluss ist übrigens nicht automatisch falsch, aber das Argument stützt ihn nicht mehr erfolgreich.) Die Klärung der Prämissen nimmt nicht selten einen großen Teil der Debatte ein. Denn hier müssen sich alle Teilnehmer letztlich auf Bausteine einigen, die, später zusammengesetzt, womöglich die eigene Position widerlegen. In diesem Wissen werden die Prämissen oft gezielt und gegebenenfalls absichtlich irreführend mit Behauptungen gespickt, die dann zwangsläufig zum gewünschten Schluss führen sollen. Doch so einfach geht es natürlich nicht! Die Logik lässt sich nicht austricksen! Der Wahrheitsgehalt der einzelnen Behauptungen muss dann auf Nachfrage dennoch einzeln aufgezeigt werden und so entstehen nicht selten lange Argumentationskaskaden. Doch nur wenn der Wahrheitsgehalt der Prämissen letztlich überzeugend dargelegt oder gar bewiesen wird, kann auch die Argumentation erfolgreich sein. Neben dem Ringen um die Prämissen liegt auch in der Formung des Schlusses ein weites Feld für Probleme. Debatten wimmeln nicht selten von Fehlschlüssen. Ein Beispiel: Es gibt kein Wort, das mit einem ß beginnt. Also ist das große ß überflüssig. Man sollte ohnehin nicht so viel Versalsatz verwenden! Also ist das große ß überflüssig. Das ß ist ja eigentlich nur eine Kleinbuchstabenligatur! Also braucht man davon keinen Großbuchstaben! Argumente wie diese hört man immer wieder. Doch sie beinhalten objektiv eine Fehlschluss. Genauer gesagt der Fehlschluss Non sequitur: Selbst wenn die Prämissen wahr sind, folgt der Schluss nicht aus ihnen. »Es gibt kein Wort, das mit einem ß beginnt.« Korrekt, aber es gibt dennoch GROẞBUCHSTABENSATZ und somit Bedarf nach der Darstellung des ß in diesem Einsatz. Der Schluss (Versal-ß ist überflüssig) ergibt sich also nicht aus der Prämisse. »Man sollte ohnehin nicht so viel Versalsatz verwenden!« Möglicherweise! Aber auch in seltenem Versalsatz muss das ß irgendwie dargestellt werden. Der Schluss ergibt sich also nicht aus der Prämisse. Das ß ist ja eigentlich nur eine Kleinbuchstabenligatur! Historisch gesehen, wahrscheinlich! Aber die Forderung nach großen Eszett ergibt sich aus der Funktion des Zeichens, nicht seiner Herkunft. Der Schluss ergibt sich also nicht aus der Prämisse. Und dies war nur ein Beispiel eines typischen Logikfehlers. Die Liste ist lang: Strohmann-Argument, zirkuläres Argument, Verweis auf (falsche) Autoritäten oder Mehrheitsmeinungen, Korrelation als Kausalität annehmen und so weiter und so fort. Wessen Argumentationen solche Fehlschlüsse enthalten, kann nicht (logisch) überzeugen. Und Meinungen, die auf nicht schlüssigen Argumenten beruhen, müssen nun nach der Prüfung auch nicht mehr unbedingt respektiert werden, da der Versuch der Begründung (bislang) nicht erfolgreich war. Das Berufen auf die Meinung und die persönlichen Ansichten nützt nun nichts mehr. Und mehr noch: Auch der Träger der Meinung müsste ehrlicher- und vernünftigerweise seinen bisherigen Schluss aufgeben, wenn andere in der Argumentation unwahre Prämissen oder Fehlschlüssen aufzeigen können. Aber oft hören wir stattdessen eher das Fazit, dass in dieser Frage die Meinungen bzw. Ansichten dann wohl auseinandergehen. Eine clevere Ausrede! Entweder gewinnt man das Spiel oder erklärt es im Nachhinein für unentschieden oder gar unentscheidbar. So kann man es sich natürlich leicht machen. Es ist aber auch schlicht intellektuell unehrlich. Fazit: Meinungen sind immer dann zu respektieren, wenn tatsächlich nichts als rein subjektive Aussagen getätigt werden. Dies sind die typischen Sätze, die mit »ich finde …« beginnen oder beginnen könnten. Doch der Wert solcher Meinungsäußerungen ist gering. Wer beginnt, für seine Meinungen und Thesen zu argumentieren, muss damit leben, dass die Argumente geprüft und jegliche Fehler gnadenlos aufgezeigt werden. Wer gute Gründe (also schlüssige Argumente) hat, muss diese Prüfung nicht fürchten und kann seine Position einfach, logisch und sachlich darlegen: »Schaut her! A ist wahr. B ist wahr. Also folgt C. Korrekt?« Wer immer nur Dinge behauptet und Behauptungen auf Nachfrage nur mit weiteren Behauptungen oder Fehlschlüssen stützen will; wer sich in Polemik, Anekdoten und persönlichen Angriffen verliert, hat vermutlich keine guten Gründe und kann sich dann auch nicht mehr hinter dem Begriff Meinung verstecken. Es ist lohnend, sich in der Unterscheidung von subjektiven (»ich finde …«) und objektiven (»es ist«) Aussagen zu üben und sich mit den typischen logischen Fehlschlüssen vertraut zu machen. Nicht nur, um diese Probleme in Debatten bei anderen zu erkennen, sondern vor allem auch, um die eigenen Positionen von vornherein logisch und rational aufzubauen. Das macht kurzfristig deutlich mehr Arbeit. Dies kann aber vernachlässigt werden, wenn man dieser Arbeit die Mühe gegenüberstellt, die regelmäßig aufgebracht wird, um einmal angenommene, nicht schlüssige Positionen endlos zu verteidigen – nur, um sich nicht die Blöße geben zu müssen, Denkfehler gemacht zu haben.
  4. 1 Punkt
    Adobe hat am 18. Oktober seine Creative-Cloud-Anwendungen aktualisiert. Hier ein Blick auf die Neuerungen im Bereich Typografie und Textverarbeitungen in den Design-Anwendungen InDesign, Photoshop und Illustrator. Adobe Indesign Für Rechtschreibprüfung und Silbentrennung wird nun standardmäßig ein Duden-Wörterbuch verwendet. Die lange überfällige Funktion von Endnoten ist nun endlich verfügbar. Das Schriftmenü wurde um einen Filter für Schriftkategorien erweitert. Die Übersetzungen der Kategorien in der deutschen Version könnten jedoch noch verbessert werden. Daneben gibt es einen Ähnlichkeitsfilter, der mal brauchbare, mal weniger brauchbare oder gar keine Ergebnisse liefert. Farbige Schriften (z.B. SVG-Fonts) werden nun unterstützt. Adobe Illustrator Stylistic Sets (hier »Formatsätze«) genannt, sind nun direkt im OpenType-Menü als Button hinterlegt und statt generischer Namen (Satz 1, Satz 2 …) werden nun – sofern vorhanden – auch die von Schriftgestalter hinterlegten, beschreibenden Namen angezeigt. Farbige Schriften, wie schon zuvor in Photoshop eingeführt, sind nun auch in Illustrator verfügbar. Die Variable-Fonts-Technologie hält ebenfalls Einzug in Illustrator. Für OpenType-Schriften mit mehreren Designachsen kann der Anwender sich beliebige Zwischenschritte generieren. Photoshop Auch Photoshop unterstützt nun Variable Fonts. Das folgende Video zeigt die neue Funktion in Anwendung.
  5. 1 Punkt
    Wie der Rat für Rechtschreibung in seiner Pressemitteilung vom 29. Juni 2017 bekannt gab, wurden die 2016 vorgeschlagenen Anpassungen des Regelwerkes »von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens bestätigt und [sind] damit wirksam geworden.« Teil dieser Änderungen ist die Aufnahme des großen Eszett in die amtliche Rechtschreibung. Das aktualisierte Regelwerk (»Regeln 2017«) kann ab sofort auf der Website des Rechtschreibrates heruntergeladen werden. Hier die Änderungen zum Eszett im Überblick: Ab sofort existiert jeder Buchstaben als Kleinbuchstabe und Großbuchstabe. Die bisherige Ausnahme in Form des ß ohne passenden Großbuchstaben ist entfallen. Für die Wiedergabe des ß im Versalsatz ist neben SS ab sofort auch ẞ erlaubt. Die bisher übliche Schreibweise bleibt also erhalten. Das große Eszett kommt lediglich als Variante hinzu und kann mit allen Fonts verwendet werden, die bereits über eine Belegung auf Unicode-Position 1E9E verfügen.
Zeitzone: Berlin/GMT+02:00

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