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Beliebteste Inhalte seit 01.03.2017 in Artikel

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    Am 8. Dezember 2016 übergab der Rat für Rechtschreibung seinen dritten Bericht an die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Darin enthalten sind zwei Vorschläge zu Regelveränderungen der offiziellen deutschen Rechtschreibung zur Bestätigung durch die staatlichen Stellen. Ein Vorschlag widmet sich Adjektiv-Substantiv-Fügungen, ein anderer ist eine kleine Sensation: die Aufnahme des Eszett-Großbuchstabens in das Regelwerk der amtlichen deutschen Rechtschreibung. Im Jahr 2005 musste Dr. Kerstin Güthert vom Rechtschreibrat auf eine diesbezügliche Anfrage von Thomas Landsgesell noch antworten, dass man den Bedarf und Nutzen des Zeichens sehr wohl sieht, aber den Buchstaben selbst nicht »erfinden« könne. Dazu bedürfe es »einer Initiative der Schreibgemeinschaft«. Und so kam es. Seit dem Briefwechsel sind über 10 Jahre vergangen und es hat sich einiges getan. Die Aufnahme des großen Eszett in den Unicode hat die technischen Möglichkeiten geschaffen, um das Zeichen in der digitalen Kommunikation einsetzen zu können. In der Folge sind mehr als tausend Schriftfamilien mit großem Eszett auf der normierten Unicode-Position veröffentlicht worden und auch die Tastatureingabe wurde durch die T2-Norm geregelt. Immer häufiger wurde das Zeichen nun im Satz mit Großbuchstaben verwendet, obgleich das offizielle Regelwerk diese Schreibung noch nicht enthielt. Doch dem steht nun eine entscheidende Änderung bevor. Beispiel-Anwendung. Großes Eszett auf einem Diogenes-Kinderbuch Der Rechtschreibrat empfiehlt die Änderung des amtlichen Regelwerks dergestalt, dass das große Eszett in die Buchstabenliste der deutschen Buchstaben aufgenommen wird. Der bisherige Klammertext »Ausnahme ß« entfällt. Zur Schreibung in Großbuchstaben soll es zukünftig heißen: Der Rechtschreibrat begründet diese Vorschläge ausführlich mit den bekannten Argumenten für das große Eszett, etwa mit Hinblick auf die Eindeutigkeit von Eigennamen. Außerdem beruft man sich auf die Beobachtung der häufigen Beibehaltung des Eszett im Versalsatz – in der »ein Bedürfnis nach Bewahrung des Schriftbildes in der Schreibung zum Ausdruck gebracht wird«. Weiter heißt es: In den bereits vorab durchgeführten Anhörungen im deutschsprachigen Raum wurde dem Vorschlag bereits ohne Einwände zugestimmt. Das Goethe-Institut begrüßt den Vorschlag zum Beispiel ausdrücklich und schließt sich »vollumfänglich« an. Die Schweiz und Liechtenstein enthielten sich, da sie das Eszett bekanntlich generell nicht verwenden. Gegenüberstellung der aktuellen und vorgeschlagenen Fassung Vorbehaltlich der Bestätigung durch die Kultusministerkonferenz wäre damit die seit über hundert Jahren immer wieder angeprangerte Lücke im deutschen Alphabet endgültig geschlossen. Duden von 1919
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    Auf der ATypI-Konferenz in Warschau wurde die neueste Version der OpenType-Spezifikationen bekanntgegeben. Die Aktualisierung bringt eine signifikante Erweiterung mit sich: »Variable Fonts«. Nach dem Motto »aller guten Dinge sind drei« ist dies nach den Alleingängen von Apple (TrueType GX) und Adobe (Multiple Master) in den 1990er-Jahren nun der dritte Anlauf für Schriften, die den Zugriff auf stufenlos wählbare, gestalterische Zwischenschritte aus einer Fontdatei heraus erlauben. Dieses Mal sind jedoch alle führenden Software-Anbieter direkt in die Entwicklung involviert: Microsoft, Apple, Google und Adobe haben sich gemeinsam auf die Details geeinigt und sie als Teil der OpenType-Spezifikationen festgeschrieben. Nun müssen die neuen Spezifikationen natürlich noch in die Anwendungsprogramme implementiert und entsprechende Schriften geschaffen werden. Abwärtskompatibel sind die Schriften nur bedingt. Bei TrueType-basierten Fonts kann immerhin auf einen Grundschnitt ohne jegliche Interpolation zurückgriffen werden. Bei den PostScript-basierten OpenType-Schriften hat sich Adobe dazu entschieden, die alten Zöpfe gänzlich abzuschneiden. Das neue Format CFF 2 (Compact File Format) ist nicht abwärtskompatibel und diese Fonts laufen also ausschließlich mit Anwendungen, die die neuen OpenType-Spezifikationen vollständig unterstützen. Ein typisches Anwendungsfeld der neuen OpenType-Fonts wird wohl das elektronische Publizieren sein. Die möglichen Designvariationen innerhalb der Fontdateien erlauben eine Echtzeitanpassung an die konkrete Darstellungsumgebung. So kann sich etwa die Breite der Schrift dynamisch mit der Spaltenbreite ändern. Großen Wert wurde auch auf die Dateigrößen (und damit Ladezeiten beim Abruf von Inhalten aus dem Internet) gelegt. Die Kombination verschiedener Schnitte in einem Font kann redundante Informationen vermeiden. Weitere Informationen: OpenType-Spezifikationen Artikel von John Hudson Adobe-/Typekit-Ankündigung
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    Gerrit Ansmann hat in den letzten Jahren an der Unifraktur Maguntia gearbeitet – einer kostenlos verfügbaren gebrochenen Schrift mit umfangreichem Zeichenausbau und zahlreichen Smartfont-Merkmalen. In diesem Interview verrät er uns mehr über dieses Projekt. Was fasziniert dich als Physiker an Typografie und Schriftgestaltung? Welche Motivation steckte hinter dem Ausbau der Unifraktur Maguntia? Ich interessierte mich schon vor meinem Studium für Computergrafik, und dadurch, dass sie für wissenschaftliche Illustrationen nützlich wurde und Bézier-Kurven, Splines u. Ä. Gegenstand meiner Nebenfach-Vorlesungen in Numerik waren, verstärkte sich dies. Außerdem mag ich, im Vergleich zu anderen Künsten, die mathematische Natur der Schriftgestaltung. Aber mein Anlass, sich mit der Gestaltung von Frakturschriften zu beschäftigen, war ein ganz anderer: Als Physiker konnte ich mich naturgemäß für Rollenspiele begeistern, in meinem Fall Cthulhu. Dieses spielt hauptsächlich in den Zwanzigerjahren des vorherigen Jahrhunderts und ist sehr recherchelastig. Wer, wie ich, Abenteuer für dieses Spiel entwirft, muss daher häufig fiktive Zeitungsauschnitte u. Ä. erschaffen, die aus dieser Zeit stammen oder noch älter sind. Um den historischen Schriftsatz authentisch nachahmen zu können, arbeitete ich mich daher in die historischen Regeln des Fraktursatzes ein und lernte, das lange s und Ligaturen einzusetzen. In der Praxis hieß dies dummerweise häufig, dass ich irgendwelche Sonderzeichen per Hand einfügen musste, da die wenigsten Frakturschriften OpenType oder Unicode unterstützten. Die Maguntia war eine der wenigen Ausnahmen, basierte aber wie so viele Frakturschriften auf einer durchwachsenen Digitalisierung. Zum Beispiel hatte man in Wörtern wie Luftfahrt f- und t-Balken auf drei verschiedenen Höhen und J und I waren durch Skalieren ineinander überführbar. Da die Schrift frei war, fing ich daher irgendwann an, die schwerwiegendsten Probleme anzugehen, wobei mir neue Probleme auffielen, die ich wiederum behob, nur um irgendwann alles über den Haufen zu werfen und alle Buchstaben von Grundauf neu zu digitalisieren, und so weiter. Anfangs war mein Ansporn hierbei, eines Tages eine kleine Anleitung für historischen Fraktursatz zu schreiben, die dem Leser nicht abverlangt, irgendwelche sonstwo platzierten Sonderzeichen zu nutzen, sondern die Hauptarbeit OpenType u. Ä. zu überlassen. Bald gesellte sich allerdings eine andere Motivation hinzu, und zwar, dass die meisten Schöpfer von Frakturschriften eher auf Masse statt auf Klasse zu setzen schienen und ich mir wünschte, dass es zumindest eine Frakturschrift gibt, mit der man alles tun konnte, was man sinnvoll mit Fraktur anstellen können wollte. Auf welchen historischen Vorlagen basiert die Schrift? Und wie eng lehnt sich die Unifraktur Maguntia an diese an bzw. was wurde neu interpretiert oder neu hinzugefügt? Die Hauptvorlage ist Carl Albert Fahrenwaldts Mainzer Fraktur von 1901, aus welcher die meisten Buchstaben und Ligaturen des deutschen Alphabets stammen, mit Ausnahme von J, Ä, Ö und Ü, die damals im Fraktursatz erst langsam in Gebrauch gerieten. Die verbleibenden Zeichen der Vorlage übernahm ich nur teilweise, da viele meines Erachtens nicht gut zum Rest der Schrift passten, vor allem die Ziffern und einige Satzzeichen. Diese Zeichen waren eher im Antiqua-Stil gehalten, was aber aus mir unerfindlichen Gründen damals üblich war – weswegen ich auch später Antiqua-Ziffern als Alternative ergänzte. Alle anderen Glyphen habe ich neugestaltet, wobei ich sofern sinnvoll möglich die existierenden Glyphen als Grundlage verwendet habe und mich von der ursprünglichen Maguntia und anderen Schriften hab inspirieren lassen. Dies betrifft unter anderem die modernen Formen, die Ziffern, Akzente und diverse Sonderzeichen. Lesbarkeit vs. Tradition: Ist die Schrift eher für traditionellen Fraktursatz gedacht? Wie geht sie mit dessen heutigen Lesbarkeitsproblemen um? Zum einen dienen viele Glyphen ausschließlich der Reproduktion historischer Texte, was ja auch eines der Paradigmata meiner Arbeit war: Jeder Frakturtext soll mit der Maguntia abgebildet werden können. Zum anderen habe ich von zehn Buchstaben, die ungeübten Lesern besonders Probleme bereiten, moderne Varianten gestaltet, sowie ein rundes s ohne Schwung, das am Anfang oder im Innern eines Wortes genutzt werden kann, also dort, wo historisch ein langes s stand. Bei der Gestaltung dieser modernen Varianten habe ich aber den Gestaltungsprinzipien der ursprünglichen Schrift Priorität eingeräumt und deshalb habe ich beispielsweise kein modernes T implementiert (da ich keine zufriedenstellende Lösung fand) und das moderne N ist noch weit von einem Antiqua-N entfernt. Die modernen Varianten sind also ein – hoffentlich guter – Kompromiss zwischen Lesbarkeit und einheitlichen Formen. Beispielsatz, der die traditionellen und modernisierten Zeichenformen zeigt. Traditionalisten möchten die Satzregeln und Zeichenformen in ihrem letztgültigen Stand beibehalten sehen, während andere argumentieren würden, dass modernisierte Formen und Satzregeln die gebrochenen Schrift eher am Leben halten können. Wie stehst du zu diesem Thema? Ich denke nicht, dass man eine Schrift nutzen oder erschaffen sollte, nur um einen Stil am Leben zu erhalten. Stattdessen sollte man eine Schrift nutzen, wenn sie sich für eine Anwendung eignet, und eine Schrift erschaffen, wenn einem die Erschaffung selbst Freude bereitet oder man denkt, dass jemand diese Schrift nutzen möchte – in welchem Fall der Stil durch dieses Bedürfnis am Leben erhalten wird. Ansonsten denke ich, dass sowohl historischer als auch moderner Fraktursatz ihre Existenzberechtigung haben, zum Beispiel: Wenn die Schrift nur »traditionell« oder (vor allem außerhalb des deutschen Sprachraums) »deutsch« kommunizieren soll und Lesbarkeit entscheidend ist, bietet es sich an, Modernisierungen zu nutzen. Soll die Schrift hingegen »historisch« oder »sehr alt« kommunizieren und es ist zu erwarten, dass die Leserschaft den Text mit angemessenem Aufwand entziffert bekommt, bietet es sich an, das lange s, historische Buchstabenformen usw. zu nutzen. Nichtsdestotrotz habe ich kein Verständnis für unsinnig absurde Kombinationen oder gescheiterte Versuche historisch zu sein, die mit einer Minute Internet-Recherche vermieden werden können. Der wohl verbreiteste derartige Fehler ist die pauschale Ersetzung des runden s durch das lange. Ein anderes Beispiel ist das neue Warsteiner-Logo, dessen t am ehesten wie ein Fraktur-k aussieht, wenn überhaupt, aber weder wie ein Fraktur-t noch wie ein Antiqua-t. Gebrochene Schriften sind heute im deutschsprachigen Raum nur noch selten im Einsatz und wenn doch, nicht selten mit ausdrücklich gewünschter oder ungewollt entstehender Assoziationen zum Nationalsozialismus. Lässt sich die gebrochene Schrift überhaupt noch davon lösen und welche Einsätze stellst du dir für deine Schrift vor? Meiner Erfahrung nach hat die Fraktur in Deutschland durchaus ihre Nischen, in denen sie nicht automatisch mit den Nazis assoziiert wird, zum Beispiel in den Kontexten Tradition, Geschichte oder Festlichkeiten. Außerhalb des deutschen Sprachraums kann die Situation ähnlich sein, gerade wo irgendwann einmal Fraktur üblich war, z. B. habe ich eine beachtliche Menge Fraktur in Prag gesehen. Zumindest in Teilen des Rests der Welt wird Fraktur erst einmal mit Deutschland assoziiert (was leider häufig selbst für eine Nazi-Assoziation reicht), aber auch hier kommt es auf Kontext und Ort an. Außerhalb dieser Nischen besteht gibt es m. E. weder Chancen noch die Notwendigkeit, eine gewisse Nazi-Assoziation zu überwinden. Wer will schon z. B. seine politischen Standpunkte als »historisch« oder »alt« vermarkten? Ironischerweise und hoffentlich zum Missfallen der Nazis stellt die Maguntia eine große Zahl »internationaler« Sonderzeichen bereit, die es ermöglichen, Namen aus anderen Sprachen in Fraktur zu schreiben, zum Beispiel für einen deutschen Brauchtumsverein – ich hätte meine helle Freude daran, wenn die Maguntia genutzt würde, um etwa den Namen einer türkischstämmigen Karnevalsprinzessin zu schreiben. Außerdem dienen viele Glyphen und Features dazu, den historischen Schriftsatz anderer Sprachen zu reproduzieren, z. B. Lettisch, Tschechisch, Slowakisch und Sorbisch. So oder so habe ich keinen speziellen Einsatzzweck im Blick, sondern hoffe, dass die Maguntia es Anwendern ermöglicht, alles zu gestalten, was sie wollen, sei es die Speisekarte eines österreichischen Restaurants in Portugal, ein Faksimile eines historischen Texts, die polnische Ausgabe von Asterix und die Goten oder sogar eine Karikatur. Kannst du uns etwas mehr zu den interessantesten Smartfont-Merkmalen der Schrift verraten? Das wohl intelligenteste Feature ist die Lang-s-Heuristik, welche anhand der angrenzenden Zeichen festzustellen versucht, ob ein s im Fraktursatz lang oder rund sein sollte und das entsprechende Zeichen verwendet. Die Heuristik ist zwar nicht perfekt, aber der geneigte Anwender kann sie dennoch vorarbeiten lassen und gegebenenfalls mit einem Bindehemmer nachkorrigieren. Es gibt zwar Schriften mit besseren Lang-s-Automatismen, für die ein ganzes Wörterbuch implementiert wurde, aber leider sind diese nicht frei verwendbar und funktionieren auch nicht überall. Für das runde r, eine alte Nebenform des r, gibt es einen ähnlichen Automatismus. Außerdem haben wir Ligaturen gemäß der historischen Unterscheidung zwischen Zwangsligaturen und typografischen in zwei verschiedenen Features implementiert. Dies ermöglicht es den Sperrsatz, in dem nur eine dieser Ligaturen aufgelöst wurde, einfach zu implementieren. Schließlich gibt es vor allen für den modernen Fraktursatz ein Feature, das dem runden s den Schwung nimmt, wenn es nicht am Wortende steht, da er dort m. E. nicht passt. Die meisten anderen Features sind nicht wirklich intelligent, sondern einfache Ersetzungen, zum Beispiel die bereits erwähnten modernen Varianten, historische Varianten und vier verschiedene Arten von Ziffern: Fraktur- und Antiqua- sowie Tabellen- und Proportionalziffern. In welchen Anwendungen funktioniert die Schrift? Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein und wo liegen die Grenzen? Das Beste ist natürlich ein Programm mit voller OpenType-Unterstützung und Feature-Auswahl, mit dem man die Schrift einfach den eigenen Bedürfnissen anpassen können sollte. Für Nutzer OpenType-fähiger Programme, die keine Features auswählen können oder möchten, stellen wir vorkonfektionierte Varianten der Schrift zur Verfügung, die ausgewählten Feature-Kombinationen entsprechen und versuchen, den historischen Schriftsatz einer gewissen Zeit zu emulieren bzw. heutigen Lesern mit modernen Formen unter die Arme zu greifen. Sofern möglich, sind diese Features festverdrahtet, sodass sie auch ganz ohne OpenType funktionieren. Falls alle Stricke reißen, sind die Glyphen immer noch über das Private-Use-Area des Unicode ansteuerbar. Ein anderes Problem stellen leider kleine Auflösungen dar, bei denen es sich bemerkbar macht, dass die Hinting-Technik einfach nicht für Fraktur gemacht ist. Ich habe zwar hoffentlich einiges verbessert, indem ich Linienbreiten und -positionen angeglichen habe und viele Stämme per Hand markiert habe, aber für manuelles Hinting auf der Bitmap-Ebene fehlt mir dann doch die Muße.
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    Fachchinesisch kann schnell problematisch werden, wenn man es im Dialog mit fachfremden Personen benutzt. Wenn der Schriftenprofi von Auszeichnung und Hurenkind spricht, kann er schnell missverstanden werden. Doch auch branchenintern lädt so mancher Fachbegriff zu Verwechslungen ein. Hier unsere Top 10 der typischen Problemkinder, aufgeteilt in drei Bereiche: klassische Missverständnisse, Doppeldeutigkeiten und schlechte Rückübersetzungen aus dem Englischen. Missverständnis 1: Display-Schriften = Schriften für Monitore Druckschriften sind für den Druck gemacht und Display-Schriften für die Anzeige auf Displays. Oder doch nicht? Nein! Die Bezeichnung Display-Schriften bezieht sich nicht auf das Anzeigegerät, sondern kommt vom englischen to display, was so etwas wie »zur Schau stellen« bedeutet. Man kann also ruhig auch alternativ von Schauschriften sprechen. Schriften dieser Kategorie sind im Gegensatz zu Leseschriften vor allem zum Einsatz in größeren Schriftgraden – zum Beispiel für Überschriften – gedacht. Missverständnis 2: Typograf = Schriftgestalter Garamond, Zapf, Frutiger … einige der bedeutendsten Typografen! Oder doch nicht? Ein Typograf ist ein Spezialist auf dem Gebiet der Anwendung von Schriften. Umgangssprachlich wird die Bezeichnung Typograf oft fälschlicherweise als Synonym für Schriftgestalter verwendet. Allerdings gestaltet nur der Schriftgestalter (englisch »Type Designer«) Schriftarten; der Typograf benutzt vorgefertigte Schriften für seine grafischen Gestaltungen. Das nennt man Typografie und der Ausübende ist dementsprechend der Typograf. Missverständnis 3: Die Typo = die Schrift Schaut man auf die Webseite unserer Kollegen von mediengestalter.info finden sich dort hunderte Fragen nach dem Motto »welche Typo verwendet ein bestimmtes Unternehmen« oder »welche Typo wäre für eine bestimmte Anwendung zu empfehlen«. Gemeint ist aber immer der Begriff »Schriftart« oder kurz »Schrift«. Typografie als Anwendung von Schriften ist kein Synonym für Schrift selbst. Doppeldeutigkeit 1: Lettering Begriffe können je nach Kontext unterschiedliche Bedeutung annehmen. Sie können zum Beispiel mal allgemein und mal spezifisch gemeint sein. Mit dem generischen Maskulinum ist dieses Prinzip (zumindest bislang noch) fest in unserer Sprache verwurzelt. Diese Doppelfunktion findet sich auch bei Fachbegriffen und führt dann immer wieder zu Problemen, wenn nicht alle Beteiligten die gleiche Bedeutung meinen. So bezeichnet etwa der Begriff Lettering fachsprachlich eine spezifische Art, Textinformationen zu entwerfen. Beim Lettering werden Buchstaben oder Wörter einzeln für die konkreten Anwendung gezeichnet, gemalt, gesprüht, graviert, in Holz geschnitten, in Stein gehauen etc. Das Lettering grenzt sich dadurch insbesondere von der Kalligrafie (→ dem Schreiben von Schrift) und dem typografischen Satz (→ der Anwendung von vorgefertigten Satzschriften) ab. Dies ist die spezifische Bedeutung von Lettering. Lettering kann aber auch eine allgemeine Bedeutung haben, die dann für jegliche Art von Beschriftung steht, völlig unabhängig von der Herstellungsweise. Lettering steht dann schlicht für die Anwendung von Buchstaben (Englisch: letters). Beide Bedeutungen haben sich im jeweiligen Kontext etabliert und sind damit völlig korrekt. Doppeldeutigkeit 2: Fraktur Auch der Begriff Fraktur kann eine allgemeine und eine spezifische Bedeutung annehmen. Fraktur kommt vom lateinischen fractura, was bekanntlich Bruch bedeutet. Somit lassen sich theoretisch alle gebrochenen Schriften als Frakturschriften bezeichnen. Fachsprachlich findet sich diese Bedeutung jedoch eher selten und würde dann eher zu Verwirrungen führen. Denn in diesem spezifischen Kontext meint Fraktur meist eine ganz spezielle Form gebrochener Schriften, die sich von von anderen Stilen gebrochener Schriften (wie z.B. Gotisch, Rundgotisch und Schwabacher) unterscheidet. Doppeldeutigkeit 3: Antiqua Auch der Begriff Antiqua muss mit zwei Bedeutungsräumen leben. Seine Definition hängt vom Kontext und davon ab, welche Begriffe man ihm gegenüberstellt. Spricht man von Antiqua und Fraktur, meint Antiqua das (ungebrochene) Buchstabenskelett lateinischer Schriften. Die konkrete stilistische Ausprägung — zum Beispiel im Sinne von Serif, Sans Serif oder Slab Serif — spielt dann keine Rolle. Spricht man jedoch exklusiv von lateinischen Schriften, dann bezeichnet Antiqua — meist im Gegensatz zu Groteskschriften — die über mehrere Jahrhunderte typischste Form der lateinischen Schrift, nämlich die Serifenschriften im Stile der Renaissance-Antiqua oder klassizistischen Antiqua. So ist eine Frutiger mal eine Antiqua — nämlich eine so genannte Linear-Antiqua — und mal ist sie keine Antiqua, weil sie keine Serifen besitzt. Der Kontext entscheidet. Doppeldeutigkeit 4: Buchdruck »Sie bieten Buchdruck an? Prima! Ich würde gerne 2500 Bücher drucken lassen. Im Offset!« Dann kann der Buchdrucker jedoch leider nicht helfen. Der Begriff Buchdruck leitet sich freilich vom Bücherdrucken ab, bezeichnet aber als Fachbegriff die über Jahrhunderte übliche Art des Bücherdruckens, nämlich über den Hochdruck. Zu diesem Verfahren zählt neben Holzschnitt und Linolschnitt der Bleisatz — nicht jedoch die heute übliche Form des Bücherdruckens im Offset-Druck. Falsche Freunde 1: Font Weight = Schriftgewicht Der im Englischen typische Fachbegriff Weight wird oft aus Unkenntnis einfach wortwörtlich übersetzt und so wird dann vom »Schriftgewicht« gesprochen. Der Begriff drückt jedoch die unterschiedlichen Strichstärken der Schnitte einer Schriftfamilie aus und dies ist deshalb auch der bessere Begriff. Weight = Strichstärke! Falsche Freunde 2: Lizenzfrei = kostenfrei benutzbar Der Begriff lizenzfrei findet vor allem bei Fotos Anwendung, wird aber immer häufiger auch für Fonts benutzt. Wenn jemand »lizenzfreie Schriften« sucht, meint er wahrscheinlich schlicht kostenlose Schriften. Doch dies drückt der Begriff lizenzfrei nicht aus. Er leitet sich vom englischen Royalty-Free ab. Damit ist eine spezielle Form der kommerziellen Lizenzierung gemeint, bei der mit einer einzigen, pauschalen Zahlung umfangreiche Nutzungsrechte eingeräumt werden, die nicht mehr separat nach konkreten Medien, Auflagen, Verbreitungen etc. vergütet werden müssen. »Kostenlose Schriften« sollten dagegen genauso genannt werden: kostenlos. Denn Schriften ohne Lizenzen gibt es praktisch nicht. Selbst die wachsende Zahl kostenlos verfügbar Open-Source-Schriften sind kein Allgemeingut, sondern geschützte Werke, die der Anbieter unter den Bedingungen der jeweiligen Open-Source-Lizenz zur Nutzung zur Verfügung stellt. Falsche Freunde 3: Gothic = gotisch Viele, meist amerikanische Schriften tragen den Zusatz Gothic im Namen (Franklin Gothic, Trade Gothic, Handel Gothic, …). Mit dem Schriftstil der Gotik haben sie jedoch wenig gemein und sind somit auch keine »gotischen Schriften«. Es handelt sich vielmehr schlicht um serifenlose Schriften.
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    Source of the Originals lautet der Slogan der heute zum Monotype gehörenden Marke Linotype voller Stolz. Helvetica, Frutiger, Optima, Palatino, Syntax, Sabon, Avenir – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Einige der meistbenutzten und einflussreichsten Schriftentwicklungen des 20. Jahrhunderts sind in der Linotype-Bibliothek versammelt. Doch die Geschichte des Markennamens Linotype reicht noch viel weiter zurück: zur Erfindung einer Setzmaschine, die weltweit Geschichte schrieb und sogar verfilmt wurde … Gutenbergs Schriftsatz mit beweglichen Lettern revolutionierte die Vervielfältigung des geschriebenen Wortes und machte es für die Massen zugänglich und bezahlbar. Das damit neu entstehende Handwerk des Schriftsetzens blieb über Jahrhunderte ein eben solches: reine Handarbeit. Innovationen fanden in anderen Bereichen der Drucksachenproduktion statt. Die ehemals hölzerne Presse wurde durch Eisen ersetzt und die dampfgetriebene Schnellpresse des aus Eisleben stammenden Druckers und Erfinders Friedrich Koenig sorgte Anfang des 19. Jahrhunderts für eine Verzehnfachung der Druckkapazität. Die Rotationspressen brachen schließlich alle Rekorde. Dem wachsenden Hunger der Bevölkerung nach immer mehr und immer aktuelleren Informationen stand nun also vor allem der Handsatz im Weg. Der Hamburger unpartheyische Correspondent musste Ende des 18. Jahrhunderts sechs- bis zehnmal parallel gesetzt werden, damit auf mehreren Pressen gleichzeitig die Auflage von 25.000 Stück erreicht werden konnte. So verlangte also insbesondere die Zeitungsproduktion nach einer Beschleunigung des Schriftsatzes. Ideen dazu gab es schon – etwa die Verwendung von Logotypen. Häufig benutzte Buchstabenkombinationen wurden dabei gleich zusammen auf einen Kegel gegossen, sodass der Setzer nun zwei Buchstaben auf einmal greifen konnte, wodurch sich die Satzgeschwindigkeit theoretisch fast verdoppeln lassen müsste. Doch die Setzkästen verfügten nun teilweise über bis zu 1.000 verschiedene Fächer und die Mühe, sich in dieser Fülle von Zeichen noch zurechtzufinden, machte die Hoffnung auf die zu erzielenden Geschwindigkeitsvorteile schnell wieder zunichte. Ein anderer Ansatz war der Typotheter des schwedischen Ingenieurs Albert Lagermann. Das Gerät erlaubte dem Setzer erstmals, beide Hände zu benutzen und die so schneller ergriffenen Lettern mussten lediglich in einen Trichter geworfen werden, wo sie ausgerichtet und ausgeschlossen wurden. Durchsetzen konnte sich aber auch diese Entwicklung nicht. Die einzige Lösung, die Satzarbeit signifikant zu beschleunigen, lag in der vollständigen Mechanisierung der Arbeit des Setzers. Unzählige Tüftler rangen im gesamten Verlauf des 19. Jahrhunderts um die besten Ideen, dies zu realisieren. Hunderte Patente wurden angemeldet und Prototypen mit großem finanziellen Aufwand entwickelt – stets mit dem Versprechen, nun sei es endlich geglückt. Die Erfinder versuchten in der Regel, den menschliches Handsatz direkt nachzuahmen und also die Buchstaben aus einem Fach freizugeben und durch ein maschinelles Gestänge zu führen und zu sammeln. Man sprach daher von Typensetzmaschinen. Als größter Feind erwies sich dabei die Letter selbst. Denn das weiche Blei in unterschiedlich breiten Kegeln zeigte sich in der Praxis wenig tauglich für eine derartige Verwendung. So kam es, dass selbst jene Maschinen, die es zu einer gewissen Serienreife gebracht hatten, in der Praxis von so vielen Personen bedient und gewartet werden mussten, dass die auf dem Papier versprochenen Geschwindigkeitssteigerungen nicht erreicht wurden und die teuren Maschinen den Handsatz nicht wie erhofft überflügeln konnten. Dazu bedurfte es erst eines Erfinders, der einen Schritt zurücktrat und das Problem aus einem neuen Winkel betrachtete … Ottmar Mergenthaler und die Linotype-Setzmaschine Als Sohn eines Schullehrers kam Ottmar Mergenthaler 1854 in Hachtel in Baden-Württemberg zu Welt. 1868 begann er eine Uhrmacherlehre und wanderte anschließend nach Amerika aus, wo sein Vetter in Washington eine Werkstatt führte, die Messinstrumente, elektrische Geräte und Uhren fertigte. In Washington blühte auch der Modellbau, da das dort angesiedelte Patentamt zu jeder Patentanmeldung auch ein Modell der Erfindung verlangte. So kam Mergenthaler mit allerlei interessanten Gerätschaften in Kontakt – unter anderem mit neuen Ansätzen für Setzmaschinen, die Mergenthaler jedoch nicht überzeugen konnten. So gründete er schließlich eine eigene Werkstatt und widmete seine freie Zeit nun ganz der Erfindung einer Setzmaschine, die alle anderen überragen sollte. Dabei war er darauf bedacht, die Fehler seiner Mitstreiter nicht zu wiederholen; er wollte das Problem auf eine neue Art und Weise lösen. Der Erfolg kam freilich nicht über Nacht – Mergenthaler näherte sich schrittweise einer Lösung. Seine erste Maschine arbeitete mit zeilenweise erzeugten Papiermatern, die von Einzelbuchstabenstempeln abgedrückt wurden. Seine zweite Maschine (siehe mittlere Abbildung) konnte zum ersten Mal Schriftzeilen direkt gießen. Statt der Stempel kamen nun bereits Einzelmatrizen zum Einsatz, von denen zeilenweise ein Abguss erzeugt wurde. Damit war der neue Weg zur Setzmaschine gefunden. Statt die Bleisatzbuchstaben selbst durch die Maschine zu führen, benutzte Mergenthaler nun Matrizen, in die das Buchstabenbild eingeprägt wurde. Diese ließen sich einfach zusammenführen, um von ihnen eine komplette Schriftzeile – »A Line of Type« – abzugießen. So entstand der Name Linotype. Doch die Maschine sollte nicht nur funktionieren – sie musste auch wirtschaftlich sein, also möglichst viele Arbeitsschritte (vom Satz bis zum Ausschluss der fertigen Zeile) ohne zusätzliche Arbeitskräfte erledigen. Auch der nötige Vorrat an teuren Matrizen konnte den Erfolg des Projekts gefährden. So tüftelte Mergenthaler weiter und fand in den frei umlaufenden Messingmatrizen eine Lösung, die die Erfindung perfekt und erfolgreich machen sollte. Die Matrizen wurde mit Zähnen ausgestattet, die wie eine Zeichenkodierung funktionierten. So konnte jede Matrize nach dem Abguss von der Maschine selbstständig zurück ins richtige Fach des Schriftmagazins transportiert werden – es mussten also nicht mehr Unmengen von Matrizen in der Maschine vorgehalten werden. Die erste Maschine dieser Art wurde 1886 bei der New York Tribune in Betrieb genommen und hörte auf den Namen Blower-Linotype (dritte Abbildung oben). Obwohl die Maschine schlagartig zum Erfolg wurde, optimierte Mergenthaler das Konzept weiter. Mit der 1890 vorgestellten Simplex-Linotype war dann schließlich das »Konzept Linotype« vollendet, wie es nun über Jahrzehnte den Markt bestimmen sollte. Die Linotype-Setzmaschinen breiteten sich über den gesamten Erdball aus. Mitte des 20. Jahrhunderts verzeichnete man einen Absatz von 70.000 amerikanischen Maschinen, 15.000 aus England und 13.000 aus Deutschland – zusammen also fast 100.000 Stück. Die Bleisatzmaschinen der Linotype wurden bis 1976 gefertigt. Ebenbürtig in Funktion und Erfolg war der Linotype lediglich die Monotype-Setzmaschine, die ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika entstand und im Gegensatz zur Linotype-Maschine keine Zeilen, sondern Einzelbuchstaben goss. Satz (siehe Foto unten) und Guss erfolgten bei der Monotype von Anfang an über getrennte Maschinen. Der Textsatz wurde dazu mithilfe von Lochstreifen kodiert und konnte so beliebig oft und an einem anderen Ort gegossen werden. Ab den 1950er-Jahren trat der Fotosatz auf den Plan und machte dem Maschinensatz mit Bleisatzlettern den Rang streitig. Während im Akzidenzsatz die diatype von Berthold Erfolge feierte, schuf das Linofilm-System für Fließtexte einen adäquaten Nachfolger der Linotype-Bleisatzmaschinen. Die Texteingabe erfolgte über eine elektronische Schreibmaschine auf Lochstreifen; ein separater Fotoautomat belichtete anschließend selbstständig. Es mussten lediglich Fotomaterial und Lochstreifen eingelegt werden. Lochbandgestützter Druck in den 1960er-Jahren ~ Rechts: »Linotype Europa« Linofilm. Links: Eingabe und Belichtung. Rechts: Montage im Composer Dann folgten die erfolgreichen Linotron-, Linotronic und CRTronic-Reihen und die physische Zeichenvorlage verschwand nun endgültig aus dem Druck. Im Licht- bzw. Lasersatz ab Ende der 1960er-Jahre wurden die Buchstabenbilder nur noch als ein digitales Raster gespeichert. Es war auch das letzte Aufbäumen der proprietären Satzsysteme. Das System Linotype 505 C mit integriertem Computer kostete in den 1970er-Jahren 500.000 DM. Ein einzelner Fotosatzschnitt für die Linofilm VIP schlug mit 1.600 DM zu Buche. Ende der 1980er-Jahre trat die Linotype AG selbstbewusst als »Weltmarktführer für Satztechnik« auf und erwirtschaftete mit fast 2.500 Beschäftigten einen Umsatz von 685 Millionen DM. Doch die Branche stand erneut vor einem Umbruch: dem Übergang zum Desktop Publishing mit Standard-PCs. Die teuren proprietären Komplettsysteme waren schlagartig nicht mehr gefragt. Die Linotype AG fusionierte mit Hell in Kiel zur Linotype-Hell AG, die ihrerseits kurze Zeit später von der Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen wurde. Der Schriftenbereich zog als Linotype GmbH nach Bad Homburg. Der bislang letzte Schritt in der langen Geschichte der Marke Linotype war die Übername der Linotype GmbH durch Monotype Imaging Inc. im Jahre 2006. Damit waren die über ein Jahrhundert konkurrierenden Unternehmen, die beide nach ihrer erfolgreichen Setzmaschine benannt sind, nun schließlich unter einem Dach vereint. Die Übernahme durch Monotype Imaging Inc. bezog sich jedoch nur auf den Bereich Schrifttechnologie. Die sonstigen Produkte im Bereich des Drucks verblieben bei der Heidelberger Druckmaschinen AG. Die Schriften Die Druckergebnisse einer Setzmaschine sind natürlich immer nur so gut wie die Schriften, die für diese Maschine erhältlich sind. Die führenden Setzmaschinen-Anbieter Linotype und Monotype prägten so zwar indirekt, aber doch maßgeblich die Typografie des 20. Jahrhunderts. In Bezug auf die in Deutschland gefertigten Linotype-Maschinen entstand bereits sehr früh eine enge Zusammenarbeit mit dem Schriftanbieter D. Stempel AG in Frankfurt am Main. Stempel erhielt im Jahr 1900 das Recht zur Fertigung der Linotype-Matrizen und die Produktion hielt bis in die 1980er-Jahre an. Mit Stempel kommen durch Eigenentwicklung sowie Beteiligungen und Übernahmen anderer Schriftanbieter (W. Drugulin, Haas’schen Schriftgiesserei, Gebr. Klingspor, Benjamin Krebs Nachfolger, Deberny & Peignot, C. E. Weber) viele namhafte Schriften des 20. Jahrhunderts auf die Linotype-Blei- und später -Fotosatzmaschinen. Baskerville und Stempel Garamond wurden ab den 1920er-Jahren zu klassischen Buchsatzschriften der Linotype-Maschine. Die Excelsior dagegen prägte ab den 1930er-Jahren das Bild des Zeitungsdrucks. Ab den 1950er-Jahren entstanden aus der äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit mit Hermann Zapf Klassiker wie Palatino, Melior, Virtuosa und Optima. Ab 1961 wurde die Neue Haas-Grotesk als Helvetica von Stempel vertrieben und avancierte zu einer der bekanntesten Grotesk-Schriften der Welt. Probeabzug mit Korrektur-Anmerkungen von Hermann Zapf Die letzten Linotype-Matrizen wurden bei Stempel 1983 produziert. Zwei Jahre später löste die Linotype AG (zu dieser Zeit Mehrheitseigner) die D. Stempel AG auf; die Schriftträgerproduktion wurde nach Eschborn verlagert. Linotype heute Der deutsche Standort der Marke Linotype änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder: Berlin (Mergenthaler Setzmaschinen-Fabrik GmbH), Frankfurt am Main (im Hause von D. Stempel) und Eschborn (Mergenthaler Linotype GmbH) waren dabei die wichtigsten Stationen. Heute findet man Linotype in Bad Homburg. Wer Ersatzteile für seine Linotype-Systeme sucht, sollte sich jedoch nicht an diese Stelle wenden, denn bei der Linotype GmbH dreht sich heute alles um Schrift und Software. Die Schriftbibliothek wurde fortlaufend ausgebaut und die Klassiker, die man früher oft unter Zeitdruck an die mehrfach wechselnden Satzsysteme angepasst hatte, wurden und werden noch einmal grundlegend für den Digitalsatz überarbeitet. So entstanden unter anderem die Frutiger Next, Sabon Next, Univers Next, Palatino Nova und Optima Nova. Außerdem wurden immer mehr lateinischen Schriften auch arabische Versionen zur Seite gestellt – bislang zum Beispiel Frutiger Arabic, Neue Helvetica Arabic und Univers Arabic. Ein Erfolg war auch die Entwicklung des Schriftverwaltungsprogramms Linotype FontExplorer, der – ursprünglich als kostenlose Version – schnell zum beliebtesten professionellen Fontmanager unter Mac OS X avancierte. eText-Schriften Die Flut neuer Geräte zur Darstellung von Text stellt die Schriftanbieter vor völlig neue Herausforderungen. Jedes Gerät, jedes Betriebssystem und im Zweifel sogar jede Anwendung kann die Schrift anders darstellen – bezogen sowohl auf die physische Technik der Bildpunkte als auch auf die softwareseitige Implementierung der Kantenglättung. Ein gemeinsamer Nenner für das Erreichen einer optimalen Leserlichkeit unter so unterschiedlichen Bedingungen liegt dabei vor allem in der Kontrolle des Kontrastes zwischen Buchstabenform und Hintergrund. Schon beim Wechsel vom Blei- zum Digitalsatz verloren viele Schriften an Strichstärke. Der physische Druck der Bleilettern erzeugte einen mehr oder weniger starken Quetschrand, der bei der Digitalisierung der Buchstabenvorlagen oft nicht berücksichtigt wurde. Bei der Darstellung auf mobilen Lesegeräten in kleinen Schriftgraden kann es zu einem ähnlichen Effekt kommen. Die optimale Lösung liegt in der Neuzeichnung der Buchstabenformen speziell für diese Ausgabegeräte. Diesen Weg verfolgt das Unternehmen Monotype mit einer neuen Schriftserie, die auf den Namen eText hört und bereits auf verschiedenen Lesegeräten wie dem Kindle von Amazon oder dem Nook von Barnes & Noble zum Einsatz kommt. Doch wie unterscheiden sich eText-Schriften nun genau von den herkömmlichen Druckschriften? Genau wie bei den Bleisatzschriften mit unterschiedlichen Entwürfen für unterschiedliche Größen sind die eText-Schriften speziell auf Lesegrade getrimmt und besitzen daher spürbar größere x-Höhen. Das lässt die Schrift auf einem elektronischen Lesegerät größer erscheinen und schafft bei der geringen Anzahl von Pixeln mehr Raum für die zur Buchstabenerkennung wichtigen Informationen zwischen Grundlinie und x-Höhe. Haarlinien fallen in den eText-Fonts zudem deutlich kräftiger aus, damit sie auf den Lesegeräten nicht zu grau erscheinen oder ganz wegbrechen. normale (Hintergrund) und eText-Baskerville (Vordergrund) im Vergleich Neben den Designmerkmalen verfügen die eText-Schriften aber auch über eine spezielle Bildschirmoptimierung, die Buchstabendetails an den Pixelgrenzen ausrichtet und so eine klarere und kontrastreichere Darstellung ermöglicht (Abbildung rechts, untere Zeile). Dies stellt für viele Leser noch einmal eine Optimierung gegenüber der vollautomatischen Subpixel-Kantenglättung dar, wie man sie etwa von Apple-Geräten kennt. Letztere gibt zwar Abstände und Buchstabenform so exakt wie möglich wieder, jedoch auf Kosten von Klarheit und Kontrast. normale (oben) und eText-Version der Palatino Mit der bloßen Digitalisierung des Schriftsatzes ist also das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht. Auch über 100 Jahre nach Erfindung der Linotype- und Monotype-Setzmaschinen wird weiter um die bestmögliche Textdarstellung gerungen. Die nun unter einem Dach vereinten Marken Linotype und Monotype leisten dazu mit ihrer Erfahrung im Bereich der gestalterischen und technischen Schriftentwicklung auch im digitalen Zeitalter ihren wertvollen Beitrag.
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    Die »Lettergieterij Amsterdam« geht auf eine Mitte des 19. Jahrhunderts von Nicolaas Tetterode gegründete Schriftgießerei in Rotterdam zurück. Später wurde die Gießerei nach Amsterdam verlegt und als Lettergieterij Amsterdam vorheen N. Tetterode weiterbetrieben. Eine Hauptprobe aus dem Jahr 1916 gibt mit den folgenden Bildern einen Eindruck von der Arbeit der Gießerei. Verwaltung Fabrik am Standort Da Costakade 158–164 Ausstellungssaal mit Druckereimaschinen Großer Gießereisaal Rollengießerei Fertigungsraum für Kupferlinien und andere Ziermaterialien Eine Bestellung von 20.000 Kilogramm Buchstabenmaterial verlässt die Fabrik Die Filiale in Rotterdam Die Hausdruckerei Zimmereiwerkstatt Abteilung für Galvano-Technik und Stereotypen Gießereisaal Schriftenmagazin Besuch der Königin und des Prinzen
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    Zunächst muss man wissen, dass das OpenType-Format gar nicht so neu ist, wie uns die meisten Marketing-Aussagen zu diesem Thema glauben machen wollen. Das OpenType-Format basiert direkt auf den TrueType-Spezifikationen. Oder um es noch genauer zu sagen: es basiert auf dem SFNT-Format (»Spline Font«), das Apple ursprünglich für QuickDraw entwickelte. Man kann sich OpenType als eine Art TrueType 1.5 vorstellen. Es benutzt die gleiche innere Struktur wie ein TrueType-Font, kann aber über einige zusätzliche Funktionen verfügen, die in optionalen Tabellen im Font gespeichert sind. Und dies bringt uns auch zu unserem ersten OpenType-Mythos … OpenType brachte Plattform-Kompatibilität zwischen Windows und Mac Falsch! Bis einschließlich Mac OS 9 mussten Fonts in den Formaten TrueType und PostScript Type 1 in jeweils separaten Versionen für PC und Mac ausgeliefert und angewendet werden. Dies lag vor allem darin begründet, dass eine Mac-Datei aus zwei Teilen bestehen kann: einem Datenteil mit den eigentlichen Inhalten (etwa den Bildinformationen einer Bilddatei) und einem Resource-Teil, der zusätzliche Meta-Daten enthalten kann, wie etwa ein zugehöriges Icon der Datei. Die Fontinformationen lagen bei älteren Mac-Fonts jedoch im Resource-Teil, den Windows nicht kennt und daher verwirft. Somit war ein Austausch von Fonts zwischen PC und Mac ausgeschlossen. Mit Mac OS X führte Apple auch eine Unterstützung für Font-Informationen im Datenteil ein, so dass zum Beispiel Windows-TrueType-Fonts direkt am Mac nutzbar wurden. Die Plattform-Kompatibilität wurde also durch diesen Schritt von Apple eingeleitet, nicht durch die Einführung eines neuen Formates. Da aber OpenType direkt auf der Struktur eines (Windows-)TrueType-Fonts aufsetzt, ist auch das OpenType-Format von Hause aus Plattform-kompatibel. OpenType-Fonts sind besser ausgebaut Nur teilweise wahr! Das alte Format PostScript Type 1 verfügte üblicherweise lediglich über eine 8-Bit-Belegung wie etwa »Mac Roman«. So ließen sich also maximal 256 Zeichen ansprechen. Dies machte das Setzen von mehrsprachigen Texten oft sehr schwierig, da verschiedene sprachabhängige Schriftschnitte der gleichen Schrift (zum Beispiel Helvetica CE/Greek/CYR) verwendet werden mussten und solche Dokumente dann nur richtig dargestellt werden konnten, wenn alle diese Schnitte bei der Anzeige des Dokuments verfügbar waren. OpenType hat diesem Problem mit seiner Unicode-Unterstützung behoben, aber auch dies war nichts, dass speziell für OpenType erfunden wurde. Auch die altbekannten TrueType-Fonts benutzen Unicode und können über einen großen Zeichenvorrat verfügen. Das neue an OpenType ist lediglich die Art, wie man auf den erweiterten Zeichenvorrat einer Schrift zugreifen kann. Statt jedes Zeichen lediglich über seinen Unicode-Wert anzusprechen, können Zeichen in einem OpenType-Font auch über OpenType-Features benutzt werden. Ein Beispiel wäre das Ligatur-Feature, das es ermöglicht, jedes Vorkommen von f und i automatisch durch die entsprechende fi-Ligatur zu ersetzen. Aber lange nicht jeder OpenType-Font enthält alle möglichen Zeichen und Features. Man kann theoretisch einen TrueType-Font in einen OpenType-Font verwandeln, indem man nichts weiter hinzufügt, als eine fi-Ligatur. Man sieht also, es bringt wenig, eine klare Grenze zwischen TrueType und OpenType ziehen zu wollen. Oft taucht die Frage auf, wie man TrueType-Fonts ins OpenType-Format konvertieren könne. Aber dies wäre ein völlig sinnfreies Unterfangen, da durch diese Konvertierung nichts erreicht werden würde, solange nicht der Schriftanbieter selbst den Zeichenumfang erweitert und entsprechende OpenType-Features hinterlegt. OpenType ist verlässlicher, kompatibler und besser unterstützt als TrueType Falsch! Anwender scheinen häufig zu glauben, dass man das OpenType-Format generell dem TrueType-Format vorziehen sollte. Dies liegt wohl an dem immer noch schlechten Ruf, den sich das TrueType-Format Anfang der 1990er Jahre eingefangen hat. Aber dies ist ein eigener Mythos. Zu dieser Zeit wurde »professionelle« DTP-Fonts fast ausschließlich im PostScript-Format ausgeliefert und minderwertige TrueType-Fonts kursierten unter privaten Anwendern und machten gern mal Probleme beim Herstellen von Druckvorlagen. Aber dies ist lange her! Heute gibt es keinen Grund mehr, TrueType zu meiden und das OpenType-Format ist auch keineswegs besser unterstützt als TrueType. Da die OpenType-Spezifikationen eine Erweiterungen des TrueType-Formates sind, bietet jede Anwendung, die OpenType unterstützt auch automatisch eine Unterstützung für TrueType. OpenType-Fonts werden unter Windows schlechter dargestellt Jein! Dieser Mythos ist durch die aktuellen Diskussionen rund um Webfonts wieder brandaktuell geworden. Was hier allerdings gemeint ist, bezieht sich weniger auf das verwendete Font-Format, sondern auf die benutzte Umriss-Technologie. OpenType-Fonts können entweder TrueType-Umrisse (quadratische Bézierkurven) oder PostScript-Umrisse (kubische Bézierkurven) verwenden. Und die verwendete Art wirkt sich unter Windows leider (noch) deutlich auf die Darstellungsqualität aus, auch wenn hier Besserung in Sicht ist. Wenn es also um die Art der Umriss-Beschreibung geht, macht es wenig Sinn, allein von »OpenType« zu reden. Wie oben bereits gezeigt wurde, ist ein TrueType-basierte OpenType-Fonts nichts anderes als ein TrueType-Font mit zusätzlichen OpenType-Merkmalen. Ein PostScript-basierter OpenType-Font ist ganz ähnlich aufgebaut. Es wird hier lediglich der Teil, der die TrueType-Umrisse beschreibt (glyph table), durch eine Beschreibung von PostScript-Umrissen ausgetauscht (CFF table). Deshalb werden PostScript-basierte OpenType-Fonts auch oft mit dem Kürzel CFF (Compact File Format) beschrieben. Wenn es also auf die Umrissbeschreibung ankommt, sollte man nicht von OpenType allein sprechen, sondern von TrueType- oder PostScript-basierten OpenType-Fonts. Die empfohlenen Kurzformen lauten OpenType TT und OpenType PS. TrueType-Fonts haben den Suffix TTF, OpenType-Fonts nutzen OTF. Korrekt? Falsch! Unglücklicherweise gibt der Suffix einer Fontdatei keine hundertprozentige Auskunft darüber, welches Fontformat tatsächlich vorliegt. OTF wird hauptsächlich für PostScript-basierte OpenType-Fonts benutzt, jedoch erlauben die OpenType-Spezifikationen ausdrücklich, dass auch TrueType-basierte OpenType-Fonts diese Endung verwenden können. TTF wiederum wird von herkömmlichen TrueType-Fonts und TrueType-basierten OpenType-Fonts gleichermaßen verwendet. Und dies ist auch sinnvoll, da wir ja bereits gelernt haben, dass diese beiden Fontarten sich sehr ähnlich sind. Durch das Beibehalten der TTF-Endung können TrueType-basierte OpenType-Fonts auch in Anwendungen verwendet werden, die keine OpenType-Features unterstützen. Die Fonts verhalten sich dann ganz einfach wie herkömmliche TrueType-Schriften ohne OpenType-Merkmale. Aber das Format kann man doch am Icon ablesen, oder? Falsch! Schaut man in den Font-Ordner von Windows XP oder Vista finden sich dort Fonts, die ein OpenType-Icon besitzen und andere mit einem TrueType-Icon. Leider lässt sich aber auch daraus nicht mit Sicherheit schließen, welches Fontformat genau vorliegt. PostScript-basierte OpenType-Fonts tragen ein OpenType-Icon, aber bei den TrueType-basierten Fonts ist es etwas komplizierter: Microsoft hat sich dafür entschieden, die optische Kennzeichnung als OpenType-Font von der Existenz einer digitalen Signatur abhängig zu machen. Dies bedeutet, TrueType-basierte OpenType-Fonts tragen nur ein OpenType-Icon, wenn sie über eine solche Signatur verfügen. Anderenfalls werden sie genauso darstellt wie herkömmliche TrueType-Fonts. Aber OTF heißt doch OpenType, oder nicht? Nun, … OTF ist zwar die Abkürzung für OpenType, aber ich rate generell von der Benutzung dieser Abkürzung ab, wenn allgemein von OpenType die Rede sein soll. OTF ist, wie zuvor erklärt, meist (aber nicht notwendigerweise) der Suffix einer PostScript-basierten OpenType-Schrift. Spricht man also von OTF ist nicht klar, ob man damit OpenType-Fonts im allgemeinen oder nur jene, mit PostScript-Umrissen meint. Man sollte daher besser von »OT Fonts« sprechen. Und wenn es auf die Umrissbeschreibung ankommt: OpenType TT oder OpenType PS.
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    DIN oder nicht DIN, das ist hier die Frage. Die Deutschen sind weltweit bekannt für ihren Ordnungssinn, der natürlich auch vor Beschilderungen nicht halt macht. In der Bundesrepublik ist die Gestaltung von Verkehrsschildern in den »Richtlinien für die wegweisende Beschilderung außerhalb von Autobahnen (RWB)« und in den »Richtlinien für die wegweisende Beschilderung auf Autobahnen (RWBA)« klar geregelt. Das war natürlich nicht immer so … Doch heute sind die Richtlinien zur Gestaltung von Verkehrsschildern unmissverständlich. Und dies schließt natürlich auch den Einsatz der Schrift ein. Für die Schriftart ist die »Serifenlose Linear-Antiqua; Verkehrsschrift« nach DIN 1451«, Teil 2 und ergänzend die zugehörige Spationieren (Abstandsgestaltung) nach Verkehrsblatt 1982, Seite 284 anzuwenden. Die Schriftzeichen werden in gemischter Schrift aufgebaut. Im Regelfall wird die Mittelschrift verwendet. Nichtsdestotrotz geht manchmal etwas schief. Hier einige Fundstücke … Bis nach Baumberg in Nordrhein-Westfalen sind die Richtlinien für deutsche Verkehrsschilder offenbar noch nicht vorgedrungen. (Foto U. Hannemann) Die Avant Garde als Schrift für deutsche Verkehrsschilder ist schon ein gewagter Zug … Da sie nur leider wie die meisten geometrischen Grotesken sehr breit läuft, kann man sie ja immer noch in der Variante Avant Garde Gequetscht verwenden. Alle Buchstaben auf diesem Schild sind in DIN 1451 – und doch: irgendetwas stimmt da nicht. Wechselverkehrszeichen sind teuer, aber äußerst praktisch. Doch oh Schreck – bei der Montage stellt sich dann überraschend heraus, dass Buchstaben auch Unterlängen haben können – sowas aber auch! Und auch hier wurden die Schildermacher beim Aufkleben der Buchstaben eiskalt von der Existenz einer Unterlänge erwischt. Aber was soll man machen, wenn der Platz auf dem Schild nach unten hin soooo beschränkt ist. »Die Schriftzeichen werden in gemischter Schrift aufgebaut« – oder eben auch nicht. Ein Schildtyp, eine Stadt – und viele Möglichkeiten. Besonders herausragend ist die neueste Version auf der rechten Seite. Es reicht nicht, nur die falsche Schrift (Helvetica) zu benutzen – man kann sie ruhig auch noch besonders schlecht setzen. Übertriebene Quetschungen durch übertriebene Buchstabenabstände »auszugleichen« scheint übrigens landesweit äußerst beliebt zu sein. Deicheroda – Willkommen in der Zukunft! Computer-Fonts sind etwas für Anfänger. Viel authentischer werden Richtungswegweiser, wenn jeder Buchstabe einzeln ausgeschnitten wird. Eine krude Interpretation der DIN-Spezifikationen und ein verkehrt herum montierter Buchstabe. Katharinenberg – bekannt für typografische Finesse. Fast schon ein Kleinod: Wieder und wieder geflickt und übermalt, lässt sich die ursprüngliche Schrift schon kaum mehr erkennen. Ab 1.10. wird weitergetrunken … In Lampenricht ist man stolz auf seine kreativen Minuskel-a-Entwürfe. (Foto: T. Poschenrieder) Wer weitere Bilder für diesen Artikel zur Verfügung stellen möchte, kann sich gern bei uns melden! (Alle hier gezeigten, aktuellen Fotos sind urheberrechtlich geschützt und wurde von den Fotografen ausschließlich für die Nutzung in diesem Artikel freigegeben.)
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