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  1. Ralf Herrmann

    Rechtschreibrat macht Weg für großes Eszett in amtlicher Rechtschreibung frei

    Am 8. Dezember 2016 übergab der Rat für Rechtschreibung seinen dritten Bericht an die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Darin enthalten sind zwei Vorschläge zu Regelveränderungen der offiziellen deutschen Rechtschreibung zur Bestätigung durch die staatlichen Stellen. Ein Vorschlag widmet sich Adjektiv-Substantiv-Fügungen, ein anderer ist eine kleine Sensation: die Aufnahme des Eszett-Großbuchstabens in das Regelwerk der amtlichen deutschen Rechtschreibung. Im Jahr 2005 musste Dr. Kerstin Güthert vom Rechtschreibrat auf eine diesbezügliche Anfrage von Thomas Landsgesell noch antworten, dass man den Bedarf und Nutzen des Zeichens sehr wohl sieht, aber den Buchstaben selbst nicht »erfinden« könne. Dazu bedürfe es »einer Initiative der Schreibgemeinschaft«. Und so kam es. Seit dem Briefwechsel sind über 10 Jahre vergangen und es hat sich einiges getan. Die Aufnahme des großen Eszett in den Unicode hat die technischen Möglichkeiten geschaffen, um das Zeichen in der digitalen Kommunikation einsetzen zu können. In der Folge sind mehr als tausend Schriftfamilien mit großem Eszett auf der normierten Unicode-Position veröffentlicht worden und auch die Tastatureingabe wurde durch die T2-Norm geregelt. Immer häufiger wurde das Zeichen nun im Satz mit Großbuchstaben verwendet, obgleich das offizielle Regelwerk diese Schreibung noch nicht enthielt. Doch dem steht nun eine entscheidende Änderung bevor. Beispiel-Anwendung. Großes Eszett auf einem Diogenes-Kinderbuch Der Rechtschreibrat empfiehlt die Änderung des amtlichen Regelwerks dergestalt, dass das große Eszett in die Buchstabenliste der deutschen Buchstaben aufgenommen wird. Der bisherige Klammertext »Ausnahme ß« entfällt. Zur Schreibung in Großbuchstaben soll es zukünftig heißen: Der Rechtschreibrat begründet diese Vorschläge ausführlich mit den bekannten Argumenten für das große Eszett, etwa mit Hinblick auf die Eindeutigkeit von Eigennamen. Außerdem beruft man sich auf die Beobachtung der häufigen Beibehaltung des Eszett im Versalsatz – in der »ein Bedürfnis nach Bewahrung des Schriftbildes in der Schreibung zum Ausdruck gebracht wird«. Weiter heißt es: In den bereits vorab durchgeführten Anhörungen im deutschsprachigen Raum wurde dem Vorschlag bereits ohne Einwände zugestimmt. Das Goethe-Institut begrüßt den Vorschlag zum Beispiel ausdrücklich und schließt sich »vollumfänglich« an. Die Schweiz und Liechtenstein enthielten sich, da sie das Eszett bekanntlich generell nicht verwenden. Gegenüberstellung der aktuellen und vorgeschlagenen Fassung Vorbehaltlich der Bestätigung durch die Kultusministerkonferenz wäre damit die seit über hundert Jahren immer wieder angeprangerte Lücke im deutschen Alphabet endgültig geschlossen. Duden von 1919
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  3. Und hier geht es ja auch eher darum, dass wir uns zum einen mal bei Ralf bedanken für das, war er mit Typografie.info für uns alle geschaffen hat. Zum anderen ermöglichen wir mit unseren Spenden, dass die Seite auch zukünftig weiter betrieben werden kann. Wenn ich an all die Wünsche denke, die wir über die Jahre so an Ralf herangetragen haben … Das kostet alles Geld, welches er bisher (mit etwas Unterstützung der Förderer) alleine aufgebracht hat. Bestimmt auch mit ein paar kleinen Werbeeinnahmen, aber auch das macht er so dezent, dass die Werbung hier sogar als typografische Bereicherung empfunden wird. Das ist bemerkenswert! Ich pushe das Ganze mal ein bisschen! Alle, die heute (23.12.2016) noch für Typografie.info spenden*, bekommen von mir als Belohnung – wenn sie denn möchten – entweder eines meiner Cook&LookBooks der 3. Edition (Kochbüchlein im Format DIN A5; einige von Euch haben diese Ausgabe bereits) oder wahlweise einen 2017er Taschenkalender in DIN A5, den ich in diesem Jahr für die SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden gestaltet habe. Liebe Spender! Schickt mir nach erfolgter Spende einfach eine PN mit Eurer Adresse und teilt mir mit, ob Ihr Kalender oder Kochbüchlein haben möchtet und dann bekommt Ihr demnächst Post von mir. *So lange der Vorrat reicht, der Rechtsweg ist vollkommen ausgeschlossen und eine Barauszahlung der Belohnung auch. Isso.
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  4. Das merken wir schon. Wir merken aber auch, dass Catfonts sehr viele Beiträge verfasst, im Eilzugstempo Schriften erstellt, diese mitunter kostenlos zur Verfügung stellt, den meisten die bei ihren Schriften oder Reinzeichnungen nach Hilfe rufen Unterstützung anbietet usw. …
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  5. Liuscorne

    Zeitschrift »Gebrauchsgraphik«

    Den Hinweis hab ich gerade in den Pressemeldungen meiner Heimat-Uni gesehen: Alle Jahrgänge der 1924 gegründeten Zeitschrift "Gebrauchsgraphik" sind nun online verfügbar: http://design.illustrierte-presse.de/ Auf der Partnerseite gibt's noch andere illustrierte Magazine der Zwischenkriegszeit zum Durchblättern: http://magazine.illustrierte-presse.de/
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  6. Marion Kümmel

    (Wo) gehört hier das Komma hin?

    Die Kurzform: Nach vorreformierter Rechtschreibung war nur b richtig. Nach aktueller Rechtschreibung sind alle Varianten möglich, auch: d) Eine Marke zu kennen, heißt, sie zu erkennen. Die Langform: Eine Marke zu kennen (Subjekt) | heißt (Prädikat) | sie zu erkennen (Prädikativ, Gleichsetzungsnominativ). Sind Subjekt und Prädikativ einfache Infinitive (ohne zu), steht kein Komma: Von S. lernen heißt siegen lernen. Die Regeln für den Infinitiv mit zu entscheiden daher, ob/wo hier Kommas stehen müssen. a) Der erste erweiterte Infinitiv mit zu ist durch Komma abgetrennt. Nach aktueller Regelung ist dieses Komma optional, nach vorreformierter Rechtschreibung durfte hier kein Komma stehen, weil der erweiterte Infinitiv mit zu dem Satz als Subjekt vorangestellt ist. b) Dieses Komma vor dem erweiterten Infinitiv mit zu musste nach vorreformierter Rechtschreibung stehen, nach aktueller Regelung ist es optional. c) Beide erweiterten Infinitive mit zu können nach aktueller Rechtschreibung ohne Komma stehen. d) Beide erweiterten Infinitive können nach aktueller Rechtschreibung mit Komma stehen. Fazit: Ich würde zwischen b und c wählen. Variante b knüpft am engsten an die Tradition an, c ist die einfachste Variante.
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  7. Ralf Herrmann

    Typografische Fundstücke

    Ich hab ’ne Weile gebraucht bis es gezündet hat.
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  8. Sicher, nur ist das für das akute Problem irrelevant. Es ist einfach ein Unding, quasi-gesetzliche Normen nicht einfach und offen zugänglich zu machen. Mit einem transparenten Rechtsstaat einer freiheitlichen Gesellschaft ist das eigentlich unvereinbar.
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  9. Nach knapp 15 Jahren Wachstum ist Typografie.info vor einer Weile an die Grenzen des alten Hosting-Paketes gestoßen und die Site wurde Anfang Mai auf einen eigenen Server übertragen. Seit dem läuft es wieder rund und schnell. Allerdings summieren sich die laufenden Betriebskosten für Domain, Hard- und Software nun auf ganze 1500 Euro pro Jahr. Die Typografie.info-Förderer verdienen großen und besonderen Dank, da sie in den letzen Jahren wesentlich zur Finanzierung der Seite beigetragen haben. Für den neuen Server reicht diese Unterstützung aber dennoch bei weitem nicht mehr aus. Daher rufe ich nun zum Jahresende hiermit noch einmal direkt alle Mitglieder zur Unterstützung der Finanzierung der Betriebskosten für das kommende Jahr auf. Wer noch kein Förderer ist, kann es jetzt werden und im Gegenzug einige erweiterte Funktionen erhalten: ☞ http://www.typografie.info/3/foerderer_werden.html/ Daneben habe ich auch weitere Optionen geschaffen, die Seite über eine Einmalzahlung oder ein Sponsoring zu unterstützen: ☞ http://www.typografie.info/3/store/category/1-community-unterstützung/ Der Fortschritt bei der Finanzierung ist auf den Forenstartseite ersichtlich.
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  10. Hans Schumacher

    Neues Duden-Design

    Frohes Fest – da könnte ich jetzt länger drüber schreiben (und geht dann schon mal gut los), weil ich an dem »Relaunch« des Duden im Jahre 2000 maßgeblich als Freelancer beteiligt war (siehe „Vorher“). Die Reinzeichnung der Logotype (meist angeschnittenes schwarzes Fähnchen, wurde dann aber auch alleinstehend als Logo eingesetzt), stammt von mir, basierte auf einer minimal modifizierten Frutiger Roman. Vorher gab es kein »Duden-Logo«, es gab zwar eine grafische Linie in der Einbandgestaltung, die auf einer durch Günter Gerhard Lange überarbeiteten Times basierte. Der Gedanke, den Markennamen Duden in eine grafisch konsistente Form zu bringen, sprich also eine Logotype zu gestalten, die als Element der Einbandgestaltung, wie auch alleinstehend Verwendung finden konnte, war damals neu. Dennoch gab es einige Konstanten, wie z.B. den „Regenbogen“ für die Kernbände, die beibehalten wurden – die Pixel kamen später dazu. Der Spektralverlauf ist eine Erbschaft von Willy Fleckhaus, der das spektakulär bei der edition suhrkamp in die Verlagsbranche eingeführt hat, was auch wunderbar funktioniert, wenn man viele Einzelbände zur Verfügung hat, bei zwölf Bänden wird die Sache ein bisschen schwierig. Nichtsdestotrotz haben wir viel Energie darauf verwendet, den Verlauf zu optimieren bzw. durfte ich diesen Part übernehmen – was dann dazu führte, das die vorher verwendeten Vollton-HKS-Töne einer etwas aufgehellten Farbreihe wichen, was auch der Wahrig in seinem Redesign damals übernommen hat, naja, im Prinzip wurde das ganze grafische Konzept für den Duden, daß wir entwickelt hatten, vom Wahrig abgekupfert. Die Frutiger kam nebst der Kepler im durch Iris Farnschläder parallel überarbeiteten Innenteil zum Einsatz, auf den sich die Umschlaggestaltung ganz klar bezieht (wir waren während der Arbeit nicht mit ihr im Kontakt, bekamen aber die eingesetzten Fonts durch den Verlag übermittelt und haben auch die Gestaltung gesehen, glaube ich). Farbigkeit Duden Band 1: der bekannteste Duden und eines der auflagenstärksten Bücher in Deutschland ist natürlich Ausgangspunkt eines jeden Redesigns – also das markante Gelb, wie Bertel schon bemerkte. Zusammen mit dem Schwarz und der roten Linie (diese ist also nicht völlig unnötig, Herr Enslin) in der Logotype addierte sich dies zum Dreiklang analog der bundesdeutschen Staatsflagge. Wir haben diesen ziemlich offensichtlichen Zusammenhang damals nicht ignoriert, es gab aber auch ganz andere Vorschläge innerhalb der Agentur. Unser Grundgedanke (Agentur: Bender + Büwendt, Berlin) beim Design, das sich zunächst mal auf die Aufgabe bezog, die Umschlaggestaltung der Kernbände 1–12 zu überarbeiten, ging in Richtung Verlagserscheinungsbild. Dies hat sich dann tatsächlich über die Jahre auch so etabliert, z.Zt. verwenden drei Verlage – Duden Verlag, Duden Schulbuch, Fischer Duden – die Logotype als zentrales Gestaltungselement, das grafische Konzept ist also aufgegangen. So, jetzt aber mal die bunten Teller vorbereiten …
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  12. Ich habe neulich bei Adobe eine Verbesserung der Fußnotenverwaltung angeregt (mehrspaltige Fußnoten sowie Fußnoten/Endnoten). Heute habe ich unter Bezug darauf eine Anfrage vom Developer-Team erhalten, ob ich bereit wäre, als Beta-Tester mitzumachen, bevor man da etwas auf die Öffentlichkeit loslässt. Ich habe zugesagt, vermute aber, dass ich dann zur Verschwiegenheit verpflichtet werde. Aber wenn jemand von Euch noch weitere Anregungen zur Fußnotenverwaltung in InDesign hat, könnte ich diese ja mit einbringen.
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  13. Im Feuilleton der gestrigen Ausgabe (14. März 2016) der Berliner Zeitung habe ich über den Umgang mit »Hurenkindern« (Fachbegriff für kurze Ausgangszeilen eines Absatzes am Anfang einer Textspalte; heute auch »Witwen« genannt) geschrieben. Die Langfassung des in der Zeitung stark gekürzt abgedruckten Textes findet sich hier: PDF. Und der Einfachheit halber hier der ganze Text: Die technischen Diener der Dichtkunst Zwei Schriftsteller hörte ich aus ihren Edelfedermäppchen plaudern. Der eine schätzte seinen berühmten Verlag für die Freundlichkeit der Angestellten, mit denen er sich unkompliziert duze. Die andere pries ihren ebenso namhaften Verlag dafür, wie geschmeidig die Lesereisen organisiert würden. Ich erkundigte mich mit meinem heimtückischen Charakter als mißtrauischer Typograf, ob diese bedeutenden Verlage von ihren erstklassigen Dichtern das Kürzen von Text aus technischen Gründen verlangten. Denn von dieser Unsitte hatte ich schon mehrmals gehört und wollte es kaum glauben. Gewiß, sagten die beiden. Und das mache man doch gern, wo es nun so nett zugehe im Verlag. Meistens werde der Text davon sogar besser. Da dachte ich bei mir: Nur meistens? Und in den anderen Fällen wird er schlechter? Und war er denn vor dem Imprimatur, der Druckreifeerklärung, noch nicht am besten? Und wer erledigt eigentlich die Meistensverbesserung, wenn der Autor mal unerreichbar im Swimmingpool seiner Datscha oder probehalber und erfahrungshungrig auf dem Sterbebett lungert? Und wer ändert die Texte in der posthumen Werkausgabe? Das alles wagte ich nicht zu fragen, weil ich die beiden Schriftsteller nicht kränken wollte. Aber offenbar haben sie darüber nicht nachgedacht. Was mich nun wurmt und fuchst, denn sie befördern mit ihrer scheinbaren Großzügigkeit das Faulenzertum der technischen Diener ihrer Kunst. Woher kommt das Verlangen nach Textkürzung? »Übersatz« wird die letzte Zeile eines Absatzes genannt, die nicht mehr auf die Seite paßt. Solch eine kurze letzte Zeile am Kopf der Folgeseite aber heißt im Fachjargon abfällig »Hurenkind« und ist verboten, weil unschön. Muß tatsächlich Text bearbeitet werden, um diese Hurenkinder zu vermeiden? Weil die großen Buchverlage in den letzten dreißig Jahren den Buchentwurf aus Sparsamkeit ausgelagert haben, gibt es in diesen Häusern inzwischen niemanden mehr, der die Kriterien für schöne Bücher bis ins Detail kennt und seinen Kollegen erklären kann. Kein »Künstlerischer Leiter«, der entschlossen erste Güte in der Buchproduktion durchsetzt. Viele Großverlage, eher Buchlegebatterien, überlassen es heute dem Zufall, ob die beauftragten Buchentwerfer ihr Handwerk verstehen. Oft wird die Ausführung der vielleicht guten Entwürfe nicht mehr von Fachleuten ästhetisch überwacht, sondern nur noch technisch von der Herstellungsabteilung. Entsprechend schlecht sind viele Bücher gesetzt. Ohne die früher übliche Kontrolle sind manche Schriftsetzer wohl faul und frech geworden. Denn faul und frech muß man es heißen, wenn der Schriftsetzer seine Arbeit nicht macht, weil er es nicht kann oder nicht mag und deshalb eine Textbearbeitung verlangt. Ahnungslos und desinteressiert, um das Genörgel auszudehnen, sind Verlagshersteller, die dieses verrückte Ansinnen der Setzerei an das Lektorat weiterreichen. Und als respektlos vor dem künstlerischen Werk erweist sich ein Lektor, der es wagt, den Autor um die Änderung eines fertigen Textes zu bitten, weil Schriftsetzer und Hersteller ihre Arbeit nicht machen. Was ein Schriftsteller von seinem eigenen Werk hält, wenn er es aus technischen Gründen für ein paar nette Worte zu ändern bereit ist, behalte ich für mich. Sind Dichter, die für einen faulen Setzer ihre Worte umarbeiten, Künstler? Es erscheinen auch Bücher, deren Autoren tot sind. Diese Texte dürfen von niemandem geändert werden. Das Problem von nicht recht passendem Text löst in diesen Fällen der Schriftsetzer, ohne daß er einen toten Dichter verbessert. So ist es immer gewesen. Aber wird es so bleiben, wenn der Schriftsetzer sich nun daran gewöhnen darf, daß der Verlag den Text für ihn ändern läßt? Bestimmt findet sich auch bei Goethe ein überflüssiges »letzthinniglich« oder läßt sich hier und da ein »gewiß« einfügen, um einen Absatz etwas zu verkürzen oder zu verlängern. In den feinen Vorzeiten haben Schriftsetzer sogar das Werk aller springlebendigen Autoren als unantastbar betrachtet und ohne Textänderung in eine gute Form gebracht. Sie haben heute, im digitalen Schriftsatz, sehr viel mehr Möglichkeiten, Text »einzubringen« (raumsparend setzen) oder »auszutreiben« (raumgreifender anordnen), um sie zu vermeiden: die »Hurenkinder«, die heute aus vermeintlich politischer Korrektheit nach englischer Fachsprache auch »Witwen« genannt werden – was nur haben bedauernswerte Witwen verbrochen, daß sie für satztechnische Mängel herhalten müssen? Zu Bleisatzzeiten verkürzte man eine Doppelseite um eine Zeile in der Höhe, das fällt kaum auf, oder mußte Wortabstände verengern oder erweitern, um den Zeilenfluß und Seitenumbruch zu ändern. Ganze Absätze wurden dafür neu gesetzt, von Hand aus dem Setzkasten oder an der Setzmaschine. Heute geht so etwas am Computer auf Knopfdruck. Man kann sogar, was niemand mit bloßem Auge bemerkte, Doppelseiten einen Millimeter verschmälern oder verbreitern. Die technischen Möglichkeiten sind in der alten und neuen Fachliteratur beschrieben. Nicht in der Wikipedia, wo Verlage heute ihr Unwissen über »Hurenkinder« aufzusammeln scheinen: »Sollten diese Satzprobleme nicht automatisiert lösbar sein, übernimmt es der Lektor oder Autor in der Korrektur, durch Trennung, Streichen oder Ergänzen in (sic) die Länge der entsprechenden Textabsätze so zu verändern, dass diese Satzfehler nicht mehr auftreten.« Man sollte in eine große Tageszeitung drucken, was Autoren von ihren Lektoren, Lektoren von Verlagsherstellern und Hersteller von Schriftsetzern verlangen können, damit nicht in die Dichtkunst eingegriffen werden muß, nur um faule und freche Setzer in ihren Hängematten zu schonen, die sie wegen der verlegerischen Kompetenzeinsparung neben den Automatisierungsgerätschaften aufgestellt haben.
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  14. Buchlayout

    Alternativen für Adobe-Programme

    Ich oute mich mal als begeisterter InDesign-Nutzer (noch CS6, so lange es geht). Ich habe immer mal wieder Alternativen geprüft, doch keins der Programme kommt in Qualität und Flexibilität an InDesign heran. Ich nutze das Programm seit Version 2 für Windows, hatte damals aber auch Pagemaker im Einsatz. InDesign ist einfach ein Traum, weil ich damit inzwischen (fast) alles machen kann. Stabil, flexibel, anpassbar. Die Vorlagen, die Masterseiten ... herrlich! Fachbücher, Belletristik, Biografien, Kinderbücher ... QuarkXPress ist nicht so flexibel beim Import aus Word, für mich ein ganz wichtiges Kriterium. Warm geworden bin ich mit dem Programm nie. Der VivaDesigner kann hier noch weniger und der Support war für meine Nachfragen überhaupt nicht existent. (Auch ein wichtiges Kriterium, warum ich die Software dann NICHT gekauft habe.) Quark dagegen HABE ich gekauft. Serif PagePro hatte mich ziemlich überrascht (Grundlinienraster, optischer Randausgleich, PDF-Import ...), das schien mir tlw. erwachsener zu sein als Quark und der Preis war ein Witz. Aber es wird ja nicht weiterentwickelt. Ich bin sehr gespannt auf den Affinity Publisher! Das könnte ein echter InDesign-Konkurrent werden. Word ist ein hervorragendes Satzprogramm für den Mengensatz (Fachbücher) und für lange Dokumente, wenn man das Programm beherrscht und die typografische Messlatte nicht ganz so hoch hängt. (Immerhin ist die OpenType-Unterstützung ab Version 2013 richtig gut.) Wichtig ist, dass man Word als Satzprogramm ganz anders einsetzen muss, als die breite Masse das tut, dass man ausschließlich mit Vorlagen und verlinkten Grafiken arbeitet, die richtigen Grundeinstellungen wählt und fleißig programmiert. Dann kann man beim richtigen Workflow im Verlag viel Zeit und Arbeit sparen. Vor allem im Bereich Wissenschaft ist Word weit verbreitet. (Es gibt genug Dinge, die ich voll sch... an Word finde, aber immerhin konnte es vor 20 Jahren schon Grafiken verknüpfen und super Tabellensatz machen, als man in Pagemaker für Tabellen noch eine Erweiterung benötigte! Und InDesign hat ja gerade erst gelernt, Absatzvorlagen für Kästen zu nutzen. Auch das konnte Word schon vor 20 Jahren!) Der Writer kann manches sogar besser als Word, selbst registerhaltiges Setzen ist von Hause aus vorgesehen. (In Word nur mit Trick 17.) Leider werden OpenType-Features nicht unterstützt. Auch die nächsten beiden Textverarbeitungen unterstützen diese Schriften nicht voll: Papyrus Autor tut so, als wäre es ein DTP-Programm, ich finde es als Satzprogramm jedoch unbrauchbar. Es ist ein super Texteditor mit vielen nützlichen Funktionen für Autoren und einer rudimentären RTF-Schnittstelle in die Microsoft-Welt, aber nix für Setzer (und auch nix für Sachbuchautoren). Dann schon lieber TextMaker. Immerhin ist der TextMaker das Programm, bei dem der DUDEN-Korrektor am besten läuft. (Der so tolle Korrektor ist sonst noch bei Papyrus Autor und Patchwork eingebaut.) Und damit finde ich bei vielen Kunden immer noch viele, viele Fehler und kann manchmal sogar sagen: Leute, nochmal zurück ins Korrektorat. AbiWord soll die zweite der mir bekannten Textverarbeitungen sein, die die speziellen Features von OT-Schriften nutzt wie Ligaturen oder Mediävalziffern. Steht auf meiner Probier-Todo-Liste. Wenn ich in InDesign ohne optischen Randausgleich arbeite, den viele Kunden merkwürdigerweise gar nicht wünschen, kann ich mit Word und InDesign, vorausgesetzt, ich nutze die gleiche hochwertige Schrift, ein praktisch identisches Satzbild erzeugen. (Und die Silbentrennungsfunktion ist in beiden Programmen gleich mies.) Insofern: Es gibt weit mehr als InDesign da draußen, aber ich kehre immer wieder begeistert und verliebt zu InDesign zurück.
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  15. Kathrinvdm

    Neues Duden-Design

    Der »Esoterik-Paragraph«: Nicht erwünscht sind Themen, die nicht zum Thema dieser Community passen und naturgemäß starke Reaktionen hervorrufen können. Dazu zählen z.B. aber nicht ausschließlich Themen wie Gesellschaft und Politik (wenn kein Bezug zu Designfragen besteht), Religion, Esoterik und Verschwörungstheorien. Im Zweifel werden entsprechende Diskussionen von den Moderatoren/Administratoren geschlossen oder verschoben. Quelle: Community-Richtlinien
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  16. Liebe Community, ich habe eine sehr schöne Schrift gemacht und möchte mit dieser einige Grußkarten drucken lassen. Es sollen Geburtstagskarten werden mit einem freundlichen Blumenfoto. Leider bin ich Anfänger und stelle fest, dass es für mich sehr schwer ist ein passendes Blumenfoto herauszufinden. Ich bin auf der Suche nach kostenlosen Blumenfotos, die ich kommerziell verwenden darf für ein solches Printprodukt. Könnt Ihr mir helfen, welches Blumenfoto für so ein Projekt passen könnte? Ich danke Euch für Eure Hilfe, Liebe Grüße bertel
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  17. Ralf Herrmann

    OpenType 1.8 – die Rückkehr der Multiple-Master-Schriften

    Auf der ATypI-Konferenz in Warschau wurde die neueste Version der OpenType-Spezifikationen bekanntgegeben. Die Aktualisierung bringt eine signifikante Erweiterung mit sich: »Variable Fonts«. Nach dem Motto »aller guten Dinge sind drei« ist dies nach den Alleingängen von Apple (TrueType GX) und Adobe (Multiple Master) in den 1990er-Jahren nun der dritte Anlauf für Schriften, die den Zugriff auf stufenlos wählbare, gestalterische Zwischenschritte aus einer Fontdatei heraus erlauben. Dieses Mal sind jedoch alle führenden Software-Anbieter direkt in die Entwicklung involviert: Microsoft, Apple, Google und Adobe haben sich gemeinsam auf die Details geeinigt und sie als Teil der OpenType-Spezifikationen festgeschrieben. Nun müssen die neuen Spezifikationen natürlich noch in die Anwendungsprogramme implementiert und entsprechende Schriften geschaffen werden. Abwärtskompatibel sind die Schriften nur bedingt. Bei TrueType-basierten Fonts kann immerhin auf einen Grundschnitt ohne jegliche Interpolation zurückgriffen werden. Bei den PostScript-basierten OpenType-Schriften hat sich Adobe dazu entschieden, die alten Zöpfe gänzlich abzuschneiden. Das neue Format CFF 2 (Compact File Format) ist nicht abwärtskompatibel und diese Fonts laufen also ausschließlich mit Anwendungen, die die neuen OpenType-Spezifikationen vollständig unterstützen. Ein typisches Anwendungsfeld der neuen OpenType-Fonts wird wohl das elektronische Publizieren sein. Die möglichen Designvariationen innerhalb der Fontdateien erlauben eine Echtzeitanpassung an die konkrete Darstellungsumgebung. So kann sich etwa die Breite der Schrift dynamisch mit der Spaltenbreite ändern. Großen Wert wurde auch auf die Dateigrößen (und damit Ladezeiten beim Abruf von Inhalten aus dem Internet) gelegt. Die Kombination verschiedener Schnitte in einem Font kann redundante Informationen vermeiden. Weitere Informationen: OpenType-Spezifikationen Artikel von John Hudson Adobe-/Typekit-Ankündigung
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  18. bertel

    Typografische Fundstücke

    Schon lange überfällig
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  19. TobiW

    Typografische Fundstücke

    Charmant korrigiert: Quelle: http://de.webfail.com/4113905b0a8
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  20. Ralf Herrmann

    Interview zur gebrochenen Schrift Unifraktur Maguntia

    Gerrit Ansmann hat in den letzten Jahren an der Unifraktur Maguntia gearbeitet – einer kostenlos verfügbaren gebrochenen Schrift mit umfangreichem Zeichenausbau und zahlreichen Smartfont-Merkmalen. In diesem Interview verrät er uns mehr über dieses Projekt. Was fasziniert dich als Physiker an Typografie und Schriftgestaltung? Welche Motivation steckte hinter dem Ausbau der Unifraktur Maguntia? Ich interessierte mich schon vor meinem Studium für Computergrafik, und dadurch, dass sie für wissenschaftliche Illustrationen nützlich wurde und Bézier-Kurven, Splines u. Ä. Gegenstand meiner Nebenfach-Vorlesungen in Numerik waren, verstärkte sich dies. Außerdem mag ich, im Vergleich zu anderen Künsten, die mathematische Natur der Schriftgestaltung. Aber mein Anlass, sich mit der Gestaltung von Frakturschriften zu beschäftigen, war ein ganz anderer: Als Physiker konnte ich mich naturgemäß für Rollenspiele begeistern, in meinem Fall Cthulhu. Dieses spielt hauptsächlich in den Zwanzigerjahren des vorherigen Jahrhunderts und ist sehr recherchelastig. Wer, wie ich, Abenteuer für dieses Spiel entwirft, muss daher häufig fiktive Zeitungsauschnitte u. Ä. erschaffen, die aus dieser Zeit stammen oder noch älter sind. Um den historischen Schriftsatz authentisch nachahmen zu können, arbeitete ich mich daher in die historischen Regeln des Fraktursatzes ein und lernte, das lange s und Ligaturen einzusetzen. In der Praxis hieß dies dummerweise häufig, dass ich irgendwelche Sonderzeichen per Hand einfügen musste, da die wenigsten Frakturschriften OpenType oder Unicode unterstützten. Die Maguntia war eine der wenigen Ausnahmen, basierte aber wie so viele Frakturschriften auf einer durchwachsenen Digitalisierung. Zum Beispiel hatte man in Wörtern wie Luftfahrt f- und t-Balken auf drei verschiedenen Höhen und J und I waren durch Skalieren ineinander überführbar. Da die Schrift frei war, fing ich daher irgendwann an, die schwerwiegendsten Probleme anzugehen, wobei mir neue Probleme auffielen, die ich wiederum behob, nur um irgendwann alles über den Haufen zu werfen und alle Buchstaben von Grundauf neu zu digitalisieren, und so weiter. Anfangs war mein Ansporn hierbei, eines Tages eine kleine Anleitung für historischen Fraktursatz zu schreiben, die dem Leser nicht abverlangt, irgendwelche sonstwo platzierten Sonderzeichen zu nutzen, sondern die Hauptarbeit OpenType u. Ä. zu überlassen. Bald gesellte sich allerdings eine andere Motivation hinzu, und zwar, dass die meisten Schöpfer von Frakturschriften eher auf Masse statt auf Klasse zu setzen schienen und ich mir wünschte, dass es zumindest eine Frakturschrift gibt, mit der man alles tun konnte, was man sinnvoll mit Fraktur anstellen können wollte. Auf welchen historischen Vorlagen basiert die Schrift? Und wie eng lehnt sich die Unifraktur Maguntia an diese an bzw. was wurde neu interpretiert oder neu hinzugefügt? Die Hauptvorlage ist Carl Albert Fahrenwaldts Mainzer Fraktur von 1901, aus welcher die meisten Buchstaben und Ligaturen des deutschen Alphabets stammen, mit Ausnahme von J, Ä, Ö und Ü, die damals im Fraktursatz erst langsam in Gebrauch gerieten. Die verbleibenden Zeichen der Vorlage übernahm ich nur teilweise, da viele meines Erachtens nicht gut zum Rest der Schrift passten, vor allem die Ziffern und einige Satzzeichen. Diese Zeichen waren eher im Antiqua-Stil gehalten, was aber aus mir unerfindlichen Gründen damals üblich war – weswegen ich auch später Antiqua-Ziffern als Alternative ergänzte. Alle anderen Glyphen habe ich neugestaltet, wobei ich sofern sinnvoll möglich die existierenden Glyphen als Grundlage verwendet habe und mich von der ursprünglichen Maguntia und anderen Schriften hab inspirieren lassen. Dies betrifft unter anderem die modernen Formen, die Ziffern, Akzente und diverse Sonderzeichen. Lesbarkeit vs. Tradition: Ist die Schrift eher für traditionellen Fraktursatz gedacht? Wie geht sie mit dessen heutigen Lesbarkeitsproblemen um? Zum einen dienen viele Glyphen ausschließlich der Reproduktion historischer Texte, was ja auch eines der Paradigmata meiner Arbeit war: Jeder Frakturtext soll mit der Maguntia abgebildet werden können. Zum anderen habe ich von zehn Buchstaben, die ungeübten Lesern besonders Probleme bereiten, moderne Varianten gestaltet, sowie ein rundes s ohne Schwung, das am Anfang oder im Innern eines Wortes genutzt werden kann, also dort, wo historisch ein langes s stand. Bei der Gestaltung dieser modernen Varianten habe ich aber den Gestaltungsprinzipien der ursprünglichen Schrift Priorität eingeräumt und deshalb habe ich beispielsweise kein modernes T implementiert (da ich keine zufriedenstellende Lösung fand) und das moderne N ist noch weit von einem Antiqua-N entfernt. Die modernen Varianten sind also ein – hoffentlich guter – Kompromiss zwischen Lesbarkeit und einheitlichen Formen. Beispielsatz, der die traditionellen und modernisierten Zeichenformen zeigt. Traditionalisten möchten die Satzregeln und Zeichenformen in ihrem letztgültigen Stand beibehalten sehen, während andere argumentieren würden, dass modernisierte Formen und Satzregeln die gebrochenen Schrift eher am Leben halten können. Wie stehst du zu diesem Thema? Ich denke nicht, dass man eine Schrift nutzen oder erschaffen sollte, nur um einen Stil am Leben zu erhalten. Stattdessen sollte man eine Schrift nutzen, wenn sie sich für eine Anwendung eignet, und eine Schrift erschaffen, wenn einem die Erschaffung selbst Freude bereitet oder man denkt, dass jemand diese Schrift nutzen möchte – in welchem Fall der Stil durch dieses Bedürfnis am Leben erhalten wird. Ansonsten denke ich, dass sowohl historischer als auch moderner Fraktursatz ihre Existenzberechtigung haben, zum Beispiel: Wenn die Schrift nur »traditionell« oder (vor allem außerhalb des deutschen Sprachraums) »deutsch« kommunizieren soll und Lesbarkeit entscheidend ist, bietet es sich an, Modernisierungen zu nutzen. Soll die Schrift hingegen »historisch« oder »sehr alt« kommunizieren und es ist zu erwarten, dass die Leserschaft den Text mit angemessenem Aufwand entziffert bekommt, bietet es sich an, das lange s, historische Buchstabenformen usw. zu nutzen. Nichtsdestotrotz habe ich kein Verständnis für unsinnig absurde Kombinationen oder gescheiterte Versuche historisch zu sein, die mit einer Minute Internet-Recherche vermieden werden können. Der wohl verbreiteste derartige Fehler ist die pauschale Ersetzung des runden s durch das lange. Ein anderes Beispiel ist das neue Warsteiner-Logo, dessen t am ehesten wie ein Fraktur-k aussieht, wenn überhaupt, aber weder wie ein Fraktur-t noch wie ein Antiqua-t. Gebrochene Schriften sind heute im deutschsprachigen Raum nur noch selten im Einsatz und wenn doch, nicht selten mit ausdrücklich gewünschter oder ungewollt entstehender Assoziationen zum Nationalsozialismus. Lässt sich die gebrochene Schrift überhaupt noch davon lösen und welche Einsätze stellst du dir für deine Schrift vor? Meiner Erfahrung nach hat die Fraktur in Deutschland durchaus ihre Nischen, in denen sie nicht automatisch mit den Nazis assoziiert wird, zum Beispiel in den Kontexten Tradition, Geschichte oder Festlichkeiten. Außerhalb des deutschen Sprachraums kann die Situation ähnlich sein, gerade wo irgendwann einmal Fraktur üblich war, z. B. habe ich eine beachtliche Menge Fraktur in Prag gesehen. Zumindest in Teilen des Rests der Welt wird Fraktur erst einmal mit Deutschland assoziiert (was leider häufig selbst für eine Nazi-Assoziation reicht), aber auch hier kommt es auf Kontext und Ort an. Außerhalb dieser Nischen besteht gibt es m. E. weder Chancen noch die Notwendigkeit, eine gewisse Nazi-Assoziation zu überwinden. Wer will schon z. B. seine politischen Standpunkte als »historisch« oder »alt« vermarkten? Ironischerweise und hoffentlich zum Missfallen der Nazis stellt die Maguntia eine große Zahl »internationaler« Sonderzeichen bereit, die es ermöglichen, Namen aus anderen Sprachen in Fraktur zu schreiben, zum Beispiel für einen deutschen Brauchtumsverein – ich hätte meine helle Freude daran, wenn die Maguntia genutzt würde, um etwa den Namen einer türkischstämmigen Karnevalsprinzessin zu schreiben. Außerdem dienen viele Glyphen und Features dazu, den historischen Schriftsatz anderer Sprachen zu reproduzieren, z. B. Lettisch, Tschechisch, Slowakisch und Sorbisch. So oder so habe ich keinen speziellen Einsatzzweck im Blick, sondern hoffe, dass die Maguntia es Anwendern ermöglicht, alles zu gestalten, was sie wollen, sei es die Speisekarte eines österreichischen Restaurants in Portugal, ein Faksimile eines historischen Texts, die polnische Ausgabe von Asterix und die Goten oder sogar eine Karikatur. Kannst du uns etwas mehr zu den interessantesten Smartfont-Merkmalen der Schrift verraten? Das wohl intelligenteste Feature ist die Lang-s-Heuristik, welche anhand der angrenzenden Zeichen festzustellen versucht, ob ein s im Fraktursatz lang oder rund sein sollte und das entsprechende Zeichen verwendet. Die Heuristik ist zwar nicht perfekt, aber der geneigte Anwender kann sie dennoch vorarbeiten lassen und gegebenenfalls mit einem Bindehemmer nachkorrigieren. Es gibt zwar Schriften mit besseren Lang-s-Automatismen, für die ein ganzes Wörterbuch implementiert wurde, aber leider sind diese nicht frei verwendbar und funktionieren auch nicht überall. Für das runde r, eine alte Nebenform des r, gibt es einen ähnlichen Automatismus. Außerdem haben wir Ligaturen gemäß der historischen Unterscheidung zwischen Zwangsligaturen und typografischen in zwei verschiedenen Features implementiert. Dies ermöglicht es den Sperrsatz, in dem nur eine dieser Ligaturen aufgelöst wurde, einfach zu implementieren. Schließlich gibt es vor allen für den modernen Fraktursatz ein Feature, das dem runden s den Schwung nimmt, wenn es nicht am Wortende steht, da er dort m. E. nicht passt. Die meisten anderen Features sind nicht wirklich intelligent, sondern einfache Ersetzungen, zum Beispiel die bereits erwähnten modernen Varianten, historische Varianten und vier verschiedene Arten von Ziffern: Fraktur- und Antiqua- sowie Tabellen- und Proportionalziffern. In welchen Anwendungen funktioniert die Schrift? Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein und wo liegen die Grenzen? Das Beste ist natürlich ein Programm mit voller OpenType-Unterstützung und Feature-Auswahl, mit dem man die Schrift einfach den eigenen Bedürfnissen anpassen können sollte. Für Nutzer OpenType-fähiger Programme, die keine Features auswählen können oder möchten, stellen wir vorkonfektionierte Varianten der Schrift zur Verfügung, die ausgewählten Feature-Kombinationen entsprechen und versuchen, den historischen Schriftsatz einer gewissen Zeit zu emulieren bzw. heutigen Lesern mit modernen Formen unter die Arme zu greifen. Sofern möglich, sind diese Features festverdrahtet, sodass sie auch ganz ohne OpenType funktionieren. Falls alle Stricke reißen, sind die Glyphen immer noch über das Private-Use-Area des Unicode ansteuerbar. Ein anderes Problem stellen leider kleine Auflösungen dar, bei denen es sich bemerkbar macht, dass die Hinting-Technik einfach nicht für Fraktur gemacht ist. Ich habe zwar hoffentlich einiges verbessert, indem ich Linienbreiten und -positionen angeglichen habe und viele Stämme per Hand markiert habe, aber für manuelles Hinting auf der Bitmap-Ebene fehlt mir dann doch die Muße.
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  21. Ihr könnt in dem Zug mal eure Falzmarken checken, die sind auf den beiden Druckbögen unterschiedlich, ich vermute ihr wollt den Flyer 100 100 97 falzen, nehmt einfach die Marken auf Druckbogen 2 wieder raus, den braucht ihr nicht, die Marken drucken ja schon auf Seite 1 mit, mehr braucht der Drucker nicht. Ich würde sie auch noch aus dem Beschnitt nehmen, setzt rundherum den Infobereich einfach auf z.B. 6 mm und fangt mit der Marke erst bei –3 mm an. Die x-Werte der Marken oben und unten sind auch, wenn zwar nur sehr gering, aber doch etwas unterschiedlich, eine Stärke von 0,25 pt würde ich vorziehen. Auf Druckbogen 2 müssten entsprechend die Spalten und Bilder noch richtig angepasst werden, die passen sonst nicht in die Falz, sondern hängen etwas über. Auf Druckbogen 1 vielleicht auch noch den Beschnitt unten aufziehen, bzw. beim Titelbild den Bildstand leicht so anpassen das ihr auf die gewünschten 3 mm Beschnitt kommt. Generell könnte man das mit 3 Seiten je Druckbogen mit unterschiedlicher Seitengröße lösen, 2 Seiten a 100x210, 1 Seite a 97x210, Vorteil, ihr müsst gar keine Marken setzen wenn ihr später Druckbögen ausgebt. Ich habe eine Beispieldatei als idml angehängt, ohne Inhalte, nur das Gerüst, das habe ich auf euer Dokument aufgebaut, die grundsätzlichen Einstellung wie Grundlinienraster usw. sind also gleich geblieben. Schauts euch mal an wenn ihr mögt. Das nur auf die Schnelle ein paar formelle Geschichten, ich habe jetzt nicht noch genauer geschaut. weine_druckbogen_neu.idml
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  22. Ralf Herrmann

    Schmuckbuchstabe oder Ornament?

    Ich hab beide Galvanos gerade in Anwendung gefunden: Bei den Gebrüdern Klingspor in der Probe der Kochschrift.
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  24. Marion Kümmel

    Rechtschreibung … (Wasser marsch)

    Die Kleinschreibung von marsch ist richtig. Und das Komma muss stehen, weil die Anführung durch so wiederaufgenommen ist. Möglich wäre auch: „Wasser marsch!“ heißt Melanies neues Spiel.
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  25. Kathrinvdm

    CutFont

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  26. Aufwändiger Shoot mit coolem Ergebnis. Bin (freudig) überrascht, das sowas nicht komplett am Computer generiert wird …
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  27. bertel

    Kniffliges Wort …

    Wir haben uns auf die Stockwerke aufgeteilt: Wir im Hochparterre, die Stimmung im Keller. Aber glücklicherweise unbeschadet und hoffentlich auch ungefährdet.
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  28. Jetzt mal ein Fundstück, das auf Bastian Sicks seite grad hinzugekommen ist, ich glaube, hier sollte ich es zeigen: Endlich eine Art, Blindtext zu würzen.
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  29. Was für ein höchst verderblicher Vergleich! Und wenn sie dann ganz hauchzart ›Nein‹ zu dir sagt, dann heißt es ›Nein‹. Ganz egal, ob das bei dir zu Hause oder in der Öffentlichkeit ist, egal was sie an hat oder nicht an hat und auch wieviel Wein du getrunken hast. So eine chauvinistische k#!%sch*#?§
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  30. Microboy

    Schriftmuster Tannenberg

    Ich streu mal ein paar weitere Frakturen ein ... einfach so.
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  31. Ab heute gibt’s bei SIAS die brandneue Popelka – die Vorspann-Schrift aus dem Kultfilm »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Das Design dieser halbfetten Unzialschrift stammt ursprünglich aus den Barrandov-Studios Prag. Die Schrift des Vorspannes wurde von Hand gezeichnet/geschrieben, das erkennt man bei genauerem Hinsehen an Unterschieden zwischen den Vorkommen eines Buchstabens. In der DEFA-Version des Filmes wurde diese Schrift dann nachempfunden, allerdings nicht ganz mit der gleichen kalligraphischen Sicherheit, die das tschechische Original (?) zeigt; ein Vergleich der beiden Filmversionen ist in dieser Hinsicht aufschlußreich. Also nun: eine frohe Weihnachtszeit allerseits – und viel Spaß beim Gestalten von Einladungen, Tischkärtchen und Geschenkanhängern etcª mit der neuen Aschenbrödel-Schrift! Übrigens, mein persönlicher Geheimtip: die tschechische Version ansehen!
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  32. Scherenschleifer und Kesselflicker waren gestern ... man muss ja mit der Zeit gehen, Kalibrieren ist die Zukunft im fahrenden Gewerbe.
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  33. Da wird jetzt was vermischt: Kalibrieren ist das Ausgleichen von Unterschieden hin zu einem benötigten Standard (Ausgleich von dem was der Monitor bei "255-rot" anzeigt zu dem was er gemäß sRGB, AdobeRGB, ... anzeigen sollte). Das geht mittels messen, nachjustieren soweit als möglich am Gerät (gute Geräte haben hier intern viel mehr Spielraum und sind direkt steuerbar), nochmal messen und nötigenfalls „fälschen“ der Farben, die an den Bildschirm geschickt werden. Das passiert dann auf System/Treiber-Ebene und ist das Kompensationprofil das xrite und co liefern. Wenn man dann davon ausgehen kann, dass der Bildschirm nichts mehr durch seine physikalischen Eigenschaften verfälscht, kann man andere Farbmodelle (z.b. cmyk) und Farbräume (z.b. fogra39, sRGB, ...) simulieren. Aber natürlich nur dann wirklich, wenn der Monitor das alles auch abdecken kann, was man simulieren möchte (da kommt dann das Versprechen ins Spiel, ein Bildschirm könne „cmyk“ ganz abdecken, was nicht ganz präzise ist weil cmyk kein Farbraum sondern nur ein Farbmodell ist, aber meist verstehen alle darunter einen Raum für Offset auf gestrichenem Papier). Dieses Simulieren läuft dann auf Anwendungs- bzw. Dokumentebene ab (also in Photoshop, Indesign, ..., aber nur wenn man dort die Proof-Vorschau aktiviert, sonst sind die Farbeinstellungen im Dokument nur ein Hinweis an den Drucker, wie denn die Daten zu interpretieren sind!). Da kann man sich dann ansehen, wie das cmyk-Dokument, das man vor sich hat, z.b. im fogra39-Raum aussieht. Wenn der Monitor selbst kalibriert ist, wenn er den Simulationsraum dann vollständig darstellen kann, wenn der Drucker sich vollständig an den gewählten Standard hält (Pigmente, Papier, Auftrag, Fixierung, Trocknung, ...) , wenn das Umgebungslicht genormt und tauglich (also kontinuierlich) ist ... dann, ja dann, habe ich am Bildschirm bei Aktivierung der Proof-Vorschau eine exakte Voransicht des Druckergebnisses. Ähnlich kann ich auch auf einem Wide-Gamut-Schirm, der auch noch AdobeRGB vollständig schafft, simulieren, wie mein RGB-Bild auf einem sRGB-kalibrierten Bildschirm aussieht. Hier ist nur oft das eigentliche Problem, dass es nicht wie beim Druck eine einzige Reproduktion gibt (die eine Druckmaschine) sondern tausende (das Internet). Diese tausenden Ausgaben sind in den seltensten Fällen kalibriert und die Programme (Browser) kümmern sich nicht immer ums Simulieren eines im Dokument mitgelieferten Ausgabeprofils (wenn denn eins mitgeliefert wird, was auch selten der Fall ist - Dateigrößen gehen vor). So entsteht dann der allgemeine Eindruck, dass die inzwischen weit verbreitetne Wide-Gamut-Schirme alles viel zu knallig darstellen ... Kein Wunder wenn man ihnen nicht mitteilt was z.B. mit "volles Rohr Rot darstellen!" (R-255) eigentlich gemeint ist und sie aus dem Vollen schöpfen, während man selbst beim Erstellen des Bildes den kleinsten gemeinsamen Nenner sRGB simuliert hat.
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  34. Norbert P

    Kniffliges Wort …

    Gingen einst ein Kochef und ein Kocher nach Cochem an der Buchstabensuppe ...
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  35. bertel

    Banner Nachtlauf

    Ist doch alles um viele Längen besser als das, was sonst so an "homemade" Werbung zu sehen ist. Mir gefällt’s.
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  36. Schnitzel

    Ich komm nicht drauf …

    Das ist hier: https://www.google.de/maps/place/97070+Würzburg/@49.7936975,9.9251533,15z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x47a2911792a34081:0x1c1db72c1ed03d30!8m2!3d49.7957583!4d9.9333595?hl=de
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  37. catfonts

    Bizarrer Fraktursatz

    Das lässt sich mit Kurrent noch toppen. Wahrscheinlich ist das der Grund für die Erfindung des i-Punktes und des Häkchens über dem u. Ohne den i-Punkt und das u-Häkchen säh das so aus: Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das im Diktat endet, wenn man jetzt an der richtigen Stelle die i-Punkte und u-Häkchen setzen soll...
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  38. CatharsisFonts

    Google Fonts

    Hallo Arne, wie Ralf schon sagt, nimmt Google Fonts nur OFL-Fonts auf. Du darfst (musst!) sie mitsamt allen Source Files auf GitHub veröffentlichen und darfst sie natürlich auch über andere Outlets vertreiben. Die Cormorant ist zB auch auf FontSquirrel zu finden. Lohnt sich das? Kommt drauf an, ob Du eine Offerte von Dave bekommst... an sich verdienst Du an einem Gratisfont nichts. ;o) Dieses Jahr hat Dave auf jeden Fall kein Budget für neue Schriften mehr, aber Du kannst es nächstes Jahr versuchen. Wenn es klappt, ist es wohl lohnenswert, wenn es auch durchaus möglich ist, dass Du langfristig auf MyFonts mehr Geld machen würdest. Ich fand das Stipendium für Cormorant aber sehr großzügig; es war dreimal soviel, wie ich in den letzten paar Jahren mit meinen anderen 7 Schriften auf MyFonts verdient habe. Natürlich kann es sich durchaus auf nicht-monetäre Art und Weise lohnen. Zum Beispiel wird Cormorant bereits jetzt Hunderttausende Male pro Woche als Webfont ausgeliefert — das finde ich schon ziemlich lohnenswert. :)
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  39. Pachulke

    Kniffliges Wort …

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  40. Andrea Preiss

    Typostreifzug durch die Stadt ...

    Und passenderweise gab es im Stedelijk noch eine super Ausstellung zum Wohnen in der „Amsterdamer Schule“. Architekturführung und Ausstellung kann ich jedem nur empfehlen!
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  41. Hallo Gnampf, ich würde gerne anregen, dass Ihr zunächst einmal generell über Euer Gestaltungsraster nachdenkt. Sagt Dir der Begriff etwas? Dabei geht es darum, ganz generell eine Einteilung der Seite zu treffen, bei der festgelegt wird, wie viele Spalten es geben soll/kann, wie die Seitenränder definiert sein sollen und an welchen Parametern sich die Gestaltung ausrichten soll. Das klingt komplizierter, als es ist. Einmal ausführliche Gedanken gemacht und das sauber und praktikabel definiert, erspart Euch ein Gestaltungsraster bei der späteren Arbeit jede Menge Kopfzerbrechen und erleichtert das Ringen um schön gestaltete Seiten sehr. Als Vorarbeit zum Gestlatungsraster empfehle ich, dass Ihr Euch mal Magazine, Broschüren und auch Zeitungen anschaut, um zunächst ganz generell ein Gespür dafür zu bekommen, was … a) … ein Magazin/eine Broschüre/eine Zeitung im gestalterischen Sinne ausmacht. Wie sind die Seite gegliedert, wie viel Weißraum wird dem Leser an den Rändern gegeben, der die Seiten ordnet und beruhigt, wie viele Spalten haben solche Publikationen? b) … Euch anspricht. Also: Wo lest Ihr gerne rein, welche Seiten sprechen Euch spontan an, wie übersichtlich sind die Seiten aufgebaut? c) … die Intention der Macher der Publikationen ist. Also: Geht es vordringlich darum, enorme Mengen an Information so platzsparend wie möglich an den Leser zu bringen (Pflichtlektüre)? Soll der Leser primär unterhalten werden? Sind die Seiten so gestaltet, dass man sie einfach querlesen kann, um den Sinn des Geschriebenen schnell entnehmen zu können? Laden die Seiten zum Verweilen ein, weil sie unterhaltsam, abwechslungsreich und mit vielen visuellen Ankern für das Auge gestaltet sind? Und dann, im Anschluss, diskutiert mal, wohin Ihr wollt. Wollt Ihr primär unterhalten? Oder große Informationsmengen auf möglichst wenig Papier transportieren? Oder wollt Ihr auf unterhaltsame Weise informieren? Ich würde mal vermuten, letzteres. So war das zumindest bei meiner Schülerzeitung. Und wenn dies Eure Ausrichtung sein soll, dann analysiert, mit welchen gestalterischen Stilmitteln andere Publikationen einen unterhaltsamen Informationstransfer hinbekommen und welche davon Ihr Euch für Eure Schülerzeitung vorstellen könntet. Wichtig ist auch, dass Ihr definiert, wie Eure Seiten gewichtet sein sollen, also wie viel Text in Relation zum Bild? Definiert die unterschiedlichen Arten von Seiten, die Ihr üblicherweise in der Anwendung habt. Doppelseite Bild mit Bildunterschrift, Doppelseite reiner Text, Doppelseite mit 80% Text und 20% Bild, Doppelseite mit 60% Text und 40% Bild,Doppelseite mit 50% Text und 50% Bild, usw. usf. Das Format der Schülerzeitung steht sicherlich fest, ich vermute, Ihr druckt auf A4? Dann ist das ein Parameter, von dem aus Ihr Eure Planung aufnehmen könnt. Definiert ein Gestaltungsraster, das Euch möglichst variable Möglichkeiten bietet, Text und Bild zu platzieren. Definiert feste Seitenränder, die Eurem Layout visuellen Halt geben und die Seitenkomposition ordnen (das heißt nicht, dass man diese gezielt auch mal für randabfallende Gestaltung brechen darf. Aber dazu bei Bedarf später gerne mehr). Dann nehmt Euch zunächst einmal eine einzige Schriftart in schwarzer Farbe, und definiert Schriftgrößen für die verschiedenen Schriftanwendungen wie Überschrift(en), Einleitungstext, Fließtext, herausgehobene Zitate, Rubriktitel, Seitenzahlen, kurze Inhaltsangaben am Seitenrand, Bildunterschriften, etc. Probiert aus, welche Schriftgröße, welcher Zeilenabstand gut funktionieren und hinterfragt, ob die von Euch gewählten Spaltenbreiten funktionieren. Wenn nicht – anpassen, ändern, ausprobieren. So lange, bis es für Euch passt. Simuliert Bildflächen im Layout dabei durch hellgraue Kästen, echte Bilder würden in diesem Stadium von der Komposition ablenken und wären daher eher kontraproduktiv. Wenn Ihr das Raster, die inhaltlichen Gewichtungen und die Schriftgrößen so weit festgelegt habt, dann baut Euch Musterseiten für die benötigten Anwendungen auf und schaut, ob das im Zusammenhang gut funktioniert und für Euch praktikabel ist. Und dann heißt es, in die Feinheiten zu gehen. Ausprobieren, verwerfen, Testseiten ausdrucken, Schriftarten vergleichen und ausprobieren (im Typoforum zeigen und diskutieren), Bildplatzierungen hinterfragen, Bildsprache definieren … Ja nachdem, wie tief man in das Thema einsteigen will, ist das eine sehr umfassende und zeitaufwändige Geschichte, aber sie macht riesig viel Spaß und man lernt eine Menge dabei. Ich muss dazu sagen, dass wir das damals bei unserer Schülerzeitung auch bei weitem nicht so komplex umgesetzt haben, meine Schilderungen der Steps resultieren eher aus meiner langjährigen Arbeit im Magazinbereich. Aber ich habe mir gedacht, vielleicht hilft es Dir trotzdem, wenn ich Dir meine Vorgehensweise mal in groben Zügen aufschreibe. Wenn Du Fragen dazu hast – einfach fragen!
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  42. Lieber Manuel, Dieter hat recht – es sind viel zu viele Gestaltungselemente auf Deinen Etiketten und die inkonsequente Anwendung von Größen, Farben, Formen und Schriften lässt Deinen Entwurf unruhig und recht unprofessionell wirken. Ich würde Dir deswegen gerne empfehlen, von der Devise »viel hilft viel« Abstand zu nehmen und – wenn Du magst – noch mal von vorne und ganz vom anderen Ende anzufangen. Bevor Du loslegst, ist essenziell, dass Du Dir erstmal Gedanken darüber machst, wen Du mit Deiner Gestaltung eigentlich ansprechen willst. Wird der Honig im eigenen Laden angeboten werden, über andere Läden vertrieben oder geht es erstmal nur darum, Deine Freunde damit zu beschenken? Die Gestaltung Deiner Etiketten muss für die Zielgruppe, die Du anpeilst, optimal funktionieren, das ist sogar wichtiger, als dass sie Dir selber gefällt. Der geschätzte Forumskollege Schnitzel würde sagen: »Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.« Also – beschreibe uns mal Deine Zielgruppe und die Umstände, unter denen Du Deinen Honig vertreiben möchtest. Außerdem wäre noch interessant zu wissen, was das Besondere an Deinem Honig ist. Woraus besteht er, woher kommt er, worin unterscheidet er sich von anderen Honigen? Was auch hilfreich und wichtig ist, ist die Mitbewerber-Recherche. Also: Wie sehen andere Honigverpackungen aus? Welche gefallen Dir gut? Welche weniger? Warum? Ud was das Layout angeht, da probiere doch für den Anfang mal Folgendes: 1) Mach Dir mal eine Liste mit den Inhalten, die zwingend auf dem Etikett erscheinen müssen und – wenn vorgeschrieben – mit den entsprechenden Größenvorgaben 2) Sortiere Deine Liste nach Priorität: Was ist die wichtigste Information/soll als erstes gelesen werden, was ist die zweitwichtigste Information, … usw. 3) Nimm Dir Deine Etikettdatei vor (erstmal nur die eine, mit der zweiten verfährst Du später entsprechend) und leere sie komplett aus, Schriften, Farben, Illustrationen – alles weg! Nur ein weißes Etikett mit zarter schwarzer Outline brauchen wir für den Anfang. 4) Nimm Dir eine einzige Schriftart (fang mal mit der Times New Roman an, später werden wir uns eingehender mit der Schriftwahl befassen) - und setze alle notwendigen Texte als separate Textkästen in einheitlichem Schriftschnitt, einheitlicher schwarzer Farbe und in einheitlicher Schriftgröße (fang mal mit 10 Punkt Schriftgröße an). 5) Priorisiere Deine Texte, schaffe eine Informationshierarchie, zunächst durch die Schriftgröße. Texte, die nicht so wichtig sind, machst Du für den Anfang mal zwei Punkt kleiner. Texte die wichtig sind, machst Du 2 Punkt größer als die Ausgangsgröße. Und so weiter. Auf diese Weise lässt sich die Informationhierarchie ganz gut entwickeln. Weitere Optionen zur Hervorhebung oder zur Marginalisierung von Inhalten sind Schriftstärke, Farbe und Schriftart, sowie grafische Zusatzelemente, aber dazu kommen wir später. 6) Überlege Dir, welcher Inhalt an welcher Stelle auf dem Etikett platziert werden soll – und dabei immer die Prioritäten der verschiedenen Inhalte im Hinterkopf behalten. Was muss dem potenziellen Käufer als allererstes ins Auge fallen? Was als zweites? Was muss auf dem Etikett stehen, ist aber nicht so wichtig? Was kann als»Kleingedrucktes« behandelt werden? Wenn Du so weit bist, dann zeig uns mal Dein Layout und dann verrate ich Dir morgen mit wachem Kopf wie es weitergeht.
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  43. Genau, und deswegen bringst Du die Tannenberg ins Spiel. Nicht sehr originell. Man kann sicher darüber diskutieren, ob die Schriftwahl explizit auf das Thema ausgerichtet werden sollte (Schrift als Statement), oder ob nicht primär eine optimale Erfassbarkeit des Inhaltes im Vordergrund stehen sollte (Schrift im Dienste des Lesers). Die oben genannten Vorschläge fallen für mich in die zweite Kategorie und haben damit durchaus ihre Berechtigung.
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  44. Martin Z. Schröder

    Schriftmuster Tannenberg

    Das Hakenkreuz, wie es in Deutschland heißt und hier so scheinheilig mit einem anderen Namen bedacht wird, ist ein Symbol der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus und des Völkermords. Und zwar nicht für eine »Gruppe« von Opfern, deren Kinder und ihre Privaterinnerungen, sondern für die Völker, die von den Deutschen überfallen wurden und offenbar bis auf einige unbelehrbare Schwadroneure auch für die Deutschen. Es ist auch ein Symbol der heutigen Nationalsozialisten und Rechtsextremen und deshalb glücklicherweise verboten. Dieses Herumpopeln an zivilisatorischen Tabus, wie es Catfonts und Arno Enslin hier unter dem Deckmantel der feinen Kunstsinnigkeit betreiben und ein blutbeflecktes Zeichen als unschuldiges Symbol irgendeiner Vorgeschichte darstellen, empfinde ich als eine widerliche, geradezu ekelhafte Provokation. Am Hakenkreuz ist überhaupt gar nichts zu deuteln. Es ist für uns und sicherlich noch für sehr lange Zeit ein Symbol des furchtbarsten Verbrechens.
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  45. bertel

    Typografische Fundstücke

    Kreatives Unterschneiden bei LA, Baujahr 1961:
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  46. Norbert P

    CutFont

    Wir fangen bei A und Kathrin an, und wenn wir einmal rundum durch sind, bekommt Kathrin wieder einen neuen Buchstaben (der gerade dran ist) ... und reicht dann wieder weiter. Was meint Ihr? (Dazu bräuchten wir sowas wie eine Teilnehmerliste ...)
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  47. In Berlin ereignete sich gestern und heute die Tagung »Transformationen des Buchdrucks« des Basisprojekts Matter of Typography der Humboldt-Universität in Kooperation mit der Buchdruckerei Offizin Haag-Drugulin und dem Verein für die Schwarze Kunst. Meinen Vortrag kann man hier nachlesen: PDF
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  48. RobertMichael

    Schriftmuster Tannenberg

    schaut mich sich italienische nazi-propaganda aus der zeit an, sieht man eindeutig einen einfluss der avant garde/moderne, jedoch würde niemand auf die idee kommen diese schriften zu verteufeln.
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  49. Warum wollen die jetzt zuerst das deutsche Volk abschieben? Irgendwas haben sie an ihrer eigenen Ideologie nicht ganz kapiert …
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  50. Kathrinvdm

    Typografisch gendern

    Ich fürchte, eine typografisch befriedigende Lösung gibt es für dieses Thema nicht. So sinnvoll und notwendig (und außer jeder Frage stehend) eine Gleichberechtigung aller Geschlechter ist: In Gestaltungsfragen – und in Fragen der inhaltlichen Erfassbarkeit des geschriebenen Wortes – gebiert sie leider ausschließlich Schrecknisse. Ich habe bisher jedenfalls keine Lösung gesehen, die das Problem innerhalb der deutschen Schriftsprache zufriedenstellend gelöst hätte.
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Zeitzone: Berlin/GMT+01:00