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Typografie.info

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    Verlag Hermann Schmidt Mainz

    Der Verlag Hermann Schmidt in Mainz ist ein deutscher Fachverlag für Typografie, Grafikdesign und Werbung. Der Verlag geht auf die 1945 gegründete Universitätsdruckerei H. Schmidt zurück. Der Jurist Hanns Krach gründete das Unternehmen am 1. April 1945 und veröffentlichte einige juristische Fachpublikationen. Hermann Schmidt trat 1952 in das Unternehmen ein und führte es von 1961 bis 1986 als alleiniger Inhaber. Bertram Schmidt-Friderichs trat am 1. Januar 1986 in die väterliche Druckerei ein und führt sie seit 1988. Er gab ab Ende der 1980er-Jahre Bücher zu Typografie, Grafikdesign und Kunst heraus. Seit dem 1. Januar 1999 ist der Verlag Hermann Schmidt Mainz ein eigenständiges Verlagsunternehmen. Seit 1992 unterstützt Karin Schmidt-Friderichs die Programmplanung und ist für Marketing und Vertrieb verantwortlich. Die Druckerei im Gewerbegebiet Mainz-Hechtsheim wurde Ende 2013 geschlossen und der Verlag bezog neue Geschäftsräume in der Gonsenheimer Straße in Mainz. http://www.typografie.de
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    Versal-Eszett (ẞ)

    Das Versal-Eszett bezeichnet die Großbuchstabenform des Buchstaben ß (Eszett). Die Erweiterung des deutschen Alphabets um diesen Buchstabens wird seit Ende des 19. Jahrhundert diskutiert. Bis 1941 waren in Deutschland die gebrochenen Schriften für deutsche Texte vorherrschend und in diesen Schriften gibt es nur in sehr seltenen Fällen Großschreibung von Wörtern. Das ß existierte deswegen lange Zeit nur als Kleinbuchstabe, da es für eine Großbuchstabenvariante schlicht keinen Bedarf gab. Seit dem Schriften-Erlass von 1941 und der damit verordneten Einführung der Antiquaschrift als Normalschrift in Deutschland ist die Großschreibweise von deutschen Wörtern aber wieder – wie überall wo lateinische Schrift benutzt wird – häufig anzutreffen. Sobald nun deutschsprachiger Text in Kapitälchen oder Versalien ausgezeichnet wird, fehlt die entsprechende Großbuchstabenvariante. Beispiele: Meißner → MEI?NER groß → GRO? Großschreibweise des ß Der Bedarf nach einem Großbuchstaben für »ß« wurde also schon sehr früh angemeldet, beispielhaft sei aus der neunten Auflage des Rechtschreibdudens aus dem Jahre 1925 zitiert:»Für ß wird in großer Schrift SZ angewandt, z.B. MASZE (Maße) – aber MASSE (Masse), STRASZE, PREUSZEN, MEISZNER, VOSZ. Die Verwendung zweier Buchstaben für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muss, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist.« Nach der Rechtschreibreform von 1996 ist bei Großschreibung SZ nicht mehr zulässig. Da es immer weniger benutzt wurde, ist es nun durch die zwei Einzelbuchstaben SS zu ersetzen. »Weiß« wird laut amtlicher deutscher Rechtschreibung in Deutschland und Österreich im Versalsatz als »WEISS« geschrieben. Die Verwechslungsgefahr, besonders bei Eigennamen hat sich dadurch noch vergrößert. Weiß → WEISS → Weiss oder Weiß? Aber auch die frühere Schreibung mit SZ hilft nur bedingt, da man auch bei dieser nicht weiß, ob die zwei Buchstaben S und Z nun für die Einzelbuchstaben s und z oder für ß stehen sollen. KNEISZ → Kneisz oder Kneiß? Der Eindeutigkeit halber ist man bei behördlichen Dokumenten dazu übergangen, »ß« auch bei der Großbuchstabenschreibung beizubehalten, also z.B. »GROßMANN« für »Großmann« zu schreiben. Dieser Mischsatz aus Groß- und Kleinbuchstaben wird seit den 1980er Jahren bei deutschen Reisepässen und Personalausweisen angewandt. Auch die Deutsche Post – wie auch die Finanzämter – empfehlen, beim Ausfüllen von Formularen in Großbuchstaben den Kleinbuchstaben ß beizubehalten. Seit der Rechtschreibreform von 1996 besteht zudem zusätzlich das Problem, dass die Unterscheidung von ß und ss nun eine lautliche Funktion bekommen hat. Kuss (kurzer Vokal) Gruß (langer Vokal) Im Versalsatz wird dieses Prinzip jedoch außer Kraft gesetzt, wenn das ß durch Doppel-S ersetzt wird. Gruß → GRUSS Mit einem großen Eszett kann sowohl das Problem der Eigennamen, als auch das Problem der Aussprache behoben. Meißner → MEIẞNER → Meißner Maße → MAẞE (jeweils eindeutig lang ausgesprochener Vokal, statt unklare Aussprache und Bedeutung bei MASSE) Dieser Duden von 1965 aus der früheren DDR bricht mit der allgemeinen Regel, ein scharfes S im Versalsatz durch Doppel-S zu ersetzen und stellt einen gelungenen Versuch eines Majuskel-ß dar. Verschiedene Schriftkünstler haben ihre Schriften seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Versal-Eszett ausgestattet. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts und der Unicode-Kodierung (siehe nächster Abschnitt) nimmt die Zahl (auch internationaler) Schriftveröffentlichungen mit Eszett weiter zu. Die Verkaufsplattform MyFonts bietet derzeit 262 Schriftfamilien mit großem Eszett an (Stand Februar 2013).Kodierungsbestrebungen Im Jahr 2004 beantragte der Typograf Andreas Stötzner beim Unicode Consortium die Aufnahme eines Latin Capital Letter Double S in den Unicode. Der Antrag wurde verworfen, da die Existenz dieses Buchstabens nicht ausreichend bewiesen war, sowie aus technischen Gründen. Im Jahr 2005 zeigte der Interessensverband Rat für deutsche Rechtschreibung e.V. auf Nachfrage Verständnis, eine Abhilfe für die notdürftige Ersetzung durch SS zu schaffen. Es bedürfe allerdings »einer Initiative aus der Schreibgemeinschaft (z.B. von Seiten der Typografen)«, und nicht der Iniative des Rates für deutsche Rechtschreibung. Ein zweiter Antrag auf eine Aufnahme des Versal-Eszetts als LATIN CAPITAL LETTER SHARP S ist am 27. April 2007 vom Komitee des zuständigen Deutsches Institut für Normung (DIN) gestellt worden. Deutschland wurde in der einwöchigen, turnusmäßigen Sitzung durch Mitglieder des DIN-NIA 29.01 (Codierte Zeichensätze) vertreten. Im Rahmen der 50. Sitzung der zuständigen Internationalen Organisation für Normung (ISO) bzw. der International Electrotechnical Commission (IEC)-Working-Group vom 23. bis 27. April 2007 ist beschlossen worden, das Versal-Eszett solle gemäß diesem Vorschlag im Unicode-Standard die Stelle U+1E9E erhalten. Am 4. April 2008 ist wie angekündigt mit dem Erscheinen des Unicode-Standards Version 5.1 das große Eszett aufgenommen worden und hat den Platz U+1E9E erhalten. Technisches Glyphe: ẞ Unicode: U+1E9E Unicode-Bezeichnung: LATIN CAPITAL LETTER SHARP S HTML (dezimal): &-#-7-8-3-8; Tastaturbelegung Mit der Tastaturbelegung T2 gemäß der deutschen Norm DIN 2137:2012-06 wird das Zeichen mit Alt Gr+h eingegeben. Eine Kopiervorlage findet sich zudem unter http://versaleszett.typografie.infoEine T2-Tastatur von Cherry mit großem EszettEinsatz Das große Eszett ist aktuell nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung, wird aber (dank der immer besseren technischen Verfügbarkeit) vermehrt eingesetzt. So verfügen etwa die Hausschriften der Bauhaus-Universität Weimar und die des RWE-Konzerns über ein großes Eszett und setzen dies auch regelmäßig ein. Selbst die Hausschriften des Bundestages (BundesSans und BundesSerif) verfügen über ein großes Eszett. Die DUDEN-Redaktion erklärt zu diesem Thema: »… eine wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.«Zugehörige Links ausführlicher Fachartikel zum großen Eszett als PDF Schriften mit Versal-Eszett bei MyFonts Flickr-Gruppe zum Versal-Eszett
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    Versal-Eszett in historischen Schriften

    Schriften mit Versal-Eszett, die vor dem Jahr 2000 entworfen wurden. Für aktuelle Entwürfe siehe MyFonts. Belwe-Antiqua von Georg Belwe (Schelter & Giesecke, Leipzig 1914) Ehmcke Ehmcke-Antiqua von Fritz Helmuth Ehmcke (ehem. Flinsch, Frankfurt am Main, 1909); auch unter dem Namen ITC Carlton* hier aber schlechte Umsetzung und ohne Versal-ß Ehmcke-Kursiv von Fritz Helmuth Ehmcke (ehem. Flinsch, Frankfurt am Main, 1910) Ehmcke-Rustika von Fritz Helmuth Ehmcke (D. Stempel AG, Frankfurt 1914) [*]Erbar-Grotesk (Ludwig & Mayer, Frankfurt a. M. 1910) Grimm-Antiqua von Richard Grimm-Sachsenberg (Jul. Klinkhardt 1911, Leipzig (1920 von H. Berthold übernommen) Journal-Antiqua von Hermann Zehnpfundt (E. Gursch, Berlin 1910) Kartenschrift Gnom (Schelter & Giesecke AG. Leipzig) Kleukens-Antiqua von F.W. Kleukens (Bauersche Gießerei, Frankfurt a. M. 1910) Kolibri von A.Ch. Augspurg (Schelter & Giesecke, Leipzig 1915) Koralle Koralle, Zarte (Schelter & Giesecke, Leipzig 1919) Koralle-Schrägschrift, Zarte (Schelter & Giesecke, Leipzig 1923) Koralle (Schelter & Giesecke, Leipzig 1915) Koralle, Fette (Schelter & Giesecke, Leipzig o.J. ) Koralle, Breite (Schelter & Giesecke, Leipzig 1913) Koralle, Breite Halbfette (Schelter & Giesecke, Leipzig 1914) Koralle-Schrägschrift, Breite Halbfette (Schelter & Giesecke, Leipzig 1914) Koralle, Breite Fette (Schelter & Giesecke, Leipzig 1920) Koralle-Schrägschrift, Breite Fette (Schelter & Giesecke, Leipzig 1920) Koralle, Ganz Breite (Schelter & Giesecke, Leipzig 1921) Koralle Versalien (Schelter & Giesecke, Leipzig 1919) Koralle-Schrägschrift-Versalien, Zarte (Schelter & Giesecke, Leipzig 1923) Koralle mager (Schelter & Giesecke, Leipzig 1919) Koralle kursiv mager (Schelter & Giesecke, Leipzig 1923) Schmale fette Koralle (Schelter & Giesecke, Leipzig vor 1931) [*]Parcival-Antiqua von Herbert Thannhaeuser (Schelter & Giesecke, Leipzig, 1932) [*]Roland-Grotesk (Schelter & Giesecke, Leipzig um 1914?) [*]Salzmann Antiqua (Schelter & Giesecke, Leipzig) Schelter Antiqua (Schelter & Giesecke, Leipzig) Schelter kursiv (Schelter & Giesecke, Leipzig 1906) Schneidler Schneidler-Latein von F.H. Ernst Schneidler (Schelter & Giesecke, Leipzig 1919) Schneidler-Kursiv von F.H. Ernst Schneidler (Schelter & Giesecke, Leipzig 1920) Shakespeare Shakespeare-Mediaeval von Georg Belwe (Schelter & Giesecke, Leipzig 1927) Shakespeare-Kursiv von Georg Belwe (Schelter & Giesecke, Leipzig 1928) Tauperle (Schelter & Giesecke, Leipzig 1912)
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    Versalhöhe

    Die Versalhöhe beschreibt die Höhe eines Großbuchstabens (z.B. des H) des jeweiligen Schriftschnittes.
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    Versalien

    Versalien ist der typografische Fachbegriff für Großbuchstaben. Der Begriff leitet sich ursprünglich von den Großbuchstaben ab, die am Anfang einer Verszeile (lat. versus = »Zeile«) standen. Der Singular lautet der Versal, wird aber in der Typografie praktisch nie gebraucht. Die Schreibweise in Versalien zählt neben kursiv, fett etc. zu den Auszeichnungsarten im Schriftsatz. Ein anderes, ebenfalls häufig gebrauchtes Wort für Großbuchstaben ist Majuskeln – im Gegensatz zu den Minuskeln, den Kleinbuchstaben.
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    Versalziffern

    Versalziffern entsprechen im Gegensatz zu den Mediävalziffern in ihrer Größe den Versalien der Schrift. Die Breite des Schriftkegels ist in der Regel der Breite der Ziffer angepasst. Man spricht daher von proportionalen Ziffern. Für den Einsatz in Tabellen sind gegebenenfalls spezielle Tabellensatzziffern verfügbar, bei denen die Dickte aller Ziffern exakt gleich ist. Sind die verschiedenen Ziffernarten auf verschiedene Schriftschnitte verteilt, erkennt man die Versalziffern an dem Zusatz »LF« (für Lining Figures).
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    VFB

    Die Dateiendung .vfb steht für Dateien des Fonteditors FontLab Studio.
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    Vorbreite

    Die Vorbreite ist der Abstand bzw. Raum vom Rand des Buchstabenkegels bis zur sichtbaren Buchstabenform. 
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    Vox-ATypI-Schriftklassifikation

    Die Klassifikation des französischen Schriftstellers und Typografen Maximilien Vox stammt aus den 1950er-Jahren und wurde später durch den typografischen Verband Association Typographique Internationale (ATypI) übernommen und weiter verbreitet. In Großbritannien hat die Klassifikation Normstatus (British Standards Classification of Typefaces: BS 2961:1967). Wie bei der DIN-Schriftklassifikationsnorm in Deutschland sind die hier gewählten Begriffe in der englisch und französisch sprechenden Fachwelt weit verbreitet. Die folgende Einteilung zeigt jeweils den englischen und (wo vorhanden) den französischen Begriff. Soweit vergleichbar, sind die in Deutschland gebräuchlichen Bezeichnungen angegeben. Classicals (Famille des caractères classiques) Humanist (Les humanes)→ venetianische Renaissance-Antiqua Garalde (Les garaldes)→ französische Renaissance-Antiqua Transitional (Les réales)→ Barock-Antiqua [*]Moderns (Famille des caractères modernes) Didone (Les didones)→ Klassizistische Antiqua Mechanistic (Les mécanes)→ Serifenbetonte Linearantiqua Lineal (Les linéales) → serifenlose Linearantiqua Grotesque→ Groteskformen im Stile des 19. Jahrhunderts Neo-grotesque→ Groteskformen im Stile des 20. Jahrhunders, z.B. Univers, Helvetica Geometric→ geometrische Groteskschriften, z.B. Futura Humanist​→ humanistische Groteskschriften, z.B. Gill Sans, Frutiger [*]Calligraphics (Famille des caractères d'inspiration calligraphique) Glyphic (Les incises)​→ gravierte/gemeißelte Schriften, z.B. Trajan Pro Script (Les scriptes)→ Handschriften Graphic (Les manuaires)→ schreibschriftartige Posterschriften, z.B. Banco Blackletter (Les fractures)→ gebrochene Schriften Gaelic​→ gälische Schriften
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