Wenn du mich fragst würde ich wirklich nochmal über den Namen brüten.
Ich sag jetzt bewusst provokant:
"Komm mal runter, du bist nicht der große Revolutionär des Designs. Erstens bist du's wirklich nicht - kannst es gar nicht sein -, und zweitens lässt sich Design nicht revolutionieren. Warum also der ganze Tamtam?"
Und jetzt zur Erklärung:
Für mich hat sich ja nach Jahren der Suche nach einem "guten Namen" herausgestellt, dass man als Ein-Mann-Show am glaubwürdigsten rüber kommt, wenn man Kunstnamen weglässt, und die Sache beim Namen nennt: Wer (du) macht was (Grafik, Mediengestaltung, Werbung, "Design")?
Revolutionen ausrufen, Designersüppchen kochen ... das nimmt einem doch eh keiner ab, und wenn dann nur die Leichtgläubigen oder die hippen Hyperaktiven. Ob das mittelfristig angenehme Kunden sind sei mal dahingestellt.
Dann doch lieber ganz klar und mit Understatement: "Max Muster - Grafikdesign". Einfache klare Aussage - also das, was du als Designer auch für deine Kunden schaffen solltest. (Klar, da ist das einfacher als für sich selbst, da hast du die Außensicht und kannst die wirren Gedanken des Kunden betrachten, sortieren, aufs wesentliche reduzieren, und musst dich nicht bei jedem Schritt mit dir selbst beschäftigen.)
Wenn schon "kreativer Name", dann besser weg von der abstrakten Tätigkeitsbezeichnung an sich, hin zu etwas das eindeutig Bezug zu dir, und nur dir, herstellt - zum Beispiel deine Wirkungsstätte. "Grafikbüro am Fischbach" lässt mehr Assoziationen und Bezugsmöglichkeiten für deinen potentiellen Kunden zu, wie Begriffe wie "Kreativexplosion".
Designrevolutionäre und -köche gibt es viele, die können überall sein und alles oder nichts machen, und keiner fühlt sich davon so richtig angesprochen. Wenn ich aber Grafik brauche, und weiß, da unten am Fischbach hat ein Grafiker sein Büro, dann weiß ich zumindest schon mal wo ich hin muss. Da er mich dann auch noch mit seinem Fantasienamen nicht gleich verschreckt oder fragend zurückgelassen hat (erinnern kann ich mich an den Namen auch noch, weil es kein Fantasie-Ding ist, sondern Bedeutung hat), hab ich auch das Gefühl, dass der seriös mein Anliegen behandeln kann. Denn wer will schon Revolutionen? Ich will Briefpapier ...
Wenn die Suppe also mal ausgelöffelt und die Revolution niedergeschlagen ist, gibt sich auch die Gestaltung nicht mehr so "abstrakt" und in alle Richtungen führend. Im Fall "Wirkungsstätte" lässt sich z.B. der Ort grafisch abstrahieren (Gebäudefront, Bachsteine, ...). Das kann grafisch immer noch sehr "nichtssagend" sein, aber zusammen mit dem Namen bekommt es Bedeutung, und ist nicht nur ein Ornament sondern ein Symbol.
Falls du dich auf deinen Namen beschränkt hast, reicht sogar schon ein Schriftzug - wenn es nicht erzwungen wirkt und du es dir zutraust z.B. mit einer dezenten Veränderung eines Zeichens, eine Ligatur, ein Monogramm, ...
Das ist es schon, mach's dir einfach, nicht kompliziert. Dein Name und dein Logo sind nur Erkennungszeichen, du kannst mit ihnen nicht die Welt erklären.