Die OpenType-Lüge. Wirklich besser als TrueType und PostScript?
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Man hört und liest es überall: Setzen Sie nicht auf die veralteten Font-Formate TrueType und Postscript Type1 – setzen Sie auf OpenType! Aber was unterscheidet das vermeintlich neue Format denn nun von den Vorgängern? Ist das neue Format wirklich so neu? Brauche ich das? Muss ich meine alten TrueType-Fonts konvertieren oder gar alles neu kaufen?
Zwei Geschmacksrichtungen
Zunächst muss gesagt werden, dass die Bezeichnung »OpenType« lediglich ein Sammelbegriff ist, der allein noch nicht besonders aussagekräftig ist. Denn ein OpenType-Font kann in zwei Arten vorliegen, die sich stark voneinander unterscheiden:
- OpenType PS: Diese Variante enthält die Kurvenbeschreibung des Fonts auf Basis der bekannten PostScript-Type1-Technologie. Diese Daten werden innerhalb eines OpenType-Fonts mit einem speziellen Algorithmus komprimiert zusammengefasst. Man spricht deshalb auch manchmal von OpenType CFF (Compact File Format). Fonts in diesem Format haben meist die Datei-Endung .otf.
- OpenType TT: Diese Variante enthält die Kurvenbeschreibung des Fonts auf Basis herkömmlichen TrueType-Technologie. Die Datei-Endung ist in der Regel ttf.
OpenType PS
OpenType PS löst die herkömmlichen PostScript-Type1-Fonts ab und bietet tatsächlich deutliche Verbesserungen. Das alte Format existierte für PC und Mac OS X in verschiedenen Varianten, benötigte mehrere Dateien pro Font und war nicht Unicode-fähig. Damit ist nun Schluss. OpenType-PS-Fonts sind den alten PostScript-Type1-Fonts deutlich überlegen und sollten wann immer möglich vorgezogen werden.
OpenType TT
Auf Seiten der TrueType-Technologie liegt der Fall jedoch anders. Klassische TrueType-Fonts, wie sie schon seit Anfang der 90er Jahre verbreitet sind, und OpenType-Fonts auf TrueType-Basis benutzen die gleiche interne Datenstruktur namens sfnt. Es handelt sich also nicht wirklich um unterschiedliche Formate.
Was unterscheidet die beiden Varianten nun also? Intern ist ein TrueType-Font als eine Sammlung von Tabellen angelegt. Diese enthalten die Outline, Schrift-Namen etc. Bei einem OpenType-TT-Font sind nun einige neue Tabellen möglich, die vorher nicht enthalten waren. Nämlich vor allem jene, die für die bekannten typografischen Features einen OpenType-Fonts verantwortlich sind. Dazu zählen etwa automatische Ligaturen, verschiedene Ziffernsets, Kapitälchen und so weiter. Allein das Vorhandensein einer dieser Eigenschaften macht einen Font zum OpenType-Font. Man kann also theoretisch einen klassischen TrueType-Font allein durch die Definierung einer einzigen Ligatur ins OpenType-Format verwandeln …
Fallstrick Font-Icons – Was ist wirklich drin?
Unter Windows können Fonts Icons mit TrueType- und OpenType-Logo tragen. Sehen wir hier also einen TrueType- und einen OpenType-Font? Das lässt sich leider nicht mit Gewissheit sagen. Denn ein OpenType-Logo weist lediglich auf einen digital signierten OpenType-Font hin. (Damit ist es für den Hersteller möglich zu überprüfen, ob ein Font noch im ursprünglich ausgeliefert Zustand ist, oder zwischenzeitlich verändert wurde.) Ein Font mit dem TrueType-Logo kann aber ebenso ein OpenType-Font mit erweiterten typografischen Funktionen sein. (Eine nicht gerade sehr glückliche Lösung von Microsoft!)Benutzer von Windows, die häufig mit Schriften arbeiten, sollten sich deshalb die kostenlose Erweiterung Font Properties Extension installieren. Damit ist es nicht nur möglich zu sehen, ob ein TrueType-basierter Font ein OpenType-Font ist, sondern es lassen sich die enhaltenen OpenType-Funktionen sogar einzeln auflisten.
Unter Mac OS X sieht es nicht viel besser aus. Hier werden TrueType und OpenType TT lediglich mit einem Icon mit Aufschrift TTF versehen. Ob erweiterte typografische Funktionen verfügbar sind, ist erstmal nicht ersichtlich. Hier helfen allerdings die gängigen Fontverwaltungsprogramme, wie etwa der Linotype FontExplorer, der zwischen TrueType und OpenType TT unterscheiden kann.
Fazit
OpenType-Fonts sind Schriften im PostScript-Type1-Format in Ausbaufähigkeit, Handhabung und Plattform-Kompatibilität eindeutig überlegen. Eine Unterscheidung zwischen TrueType und OpenType ist hingegen sinnlos, da es sich hier um das gleiche Format handelt. Ein klassischer TrueType-Font ist Unicode-basiert, auf PC und unter Mac OS X einsetzbar und kann über einen großen Zeichenumfang verfügen. Er ist also keineswegs veraltet und muss erst recht nicht ins OpenType-Format konvertiert werden. Ein Ansinnen, nach dem im TypoForum immer wieder gefragt wird.
Die Frage, ob man auf die PostScript-basierte oder auf die TrueType-basierte Variante setzen sollte, stellt sich übrigens meist nicht, da die Hersteller in der Regel jeweils nur eine Variante anbieten. Hat man die Wahl, gilt nach wie vor: Die PostScript-Versionen werden häufiger in der Druckvorstufe eingesetzt, während die TrueType-Versionen bei der Bildschirmdarstellung punkten. Man muss allerdings keine Angst haben, die falsche Variante zu wählen. Die Zeiten, in denen etwa TrueType-basierte Fonts bei der Belichtung von Drucksachen Probleme gemacht haben, sind lange vorbei. Aber das wäre ein Thema für einen neuen Artikel …
Zugehörige Links
- Artikel im TypoForum (http://www.typografie.info/typoforum/viewtopic.php?t=3845) diskutieren
- OpenType
- TrueType
- PostScript Type1
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