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The Next Big Thing: Fonteinbettung in Webseiten

aus Typografie.info TypoWiki, der freien Wissensdatenbank

Am 18. März 2008 verkündete Apple in einer Pressemitteilung eine kleine typografische Sensation – doch keiner hat es gemerkt, nicht mal die sonst so schnelle Weblog-Szene rührte sich. Besagte Sensation verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Wartungsupdate 3.1 des Webbrowsers Safari (http://www.apple.com/de/safari/) für Mac und PC. Denn diese Version erfüllt nun erstmals den jahrelang gehegten Traum vieler Webdesigner nach einer echten Schrifteinbettung in Webseiten.

Alle bisherigen Notlösungen, um andere als die Systemschriften auf eine Webseite zu zaubern, konnten sich wegen ihrer technischen Beschränkungen nie auf breiter Front durchsetzen. Und ob man überhaupt eine Schrifteinbettung für Webseiten benötigt, ist umstritten. Webdesigner fühlen sich in ihrer gestalterischen Freiheit beschnitten, aber Gegner einer solchen Technologie erwidern, dass ja lediglich Systemfonts die für das Lesen am Bildschirm so wichtige Bildschirmoptimierung enthalten.

Doch die Zeiten ändern sich. Mit der heute am PC und Mac üblichen Text-Darstellung über Subpixelrendering ist es heute auch ohne aufwändig programmierte Bildschirmoptimierung möglich, beliebige Fonts in guter Qualität darzustellen. Aber nicht nur die technischen Rahmenbedingungen ändern sich, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung – und damit auch der Anspruch an die typografischen Möglichkeiten. Das Internet beherbergt längt nicht mehr nur statische Informationswebseiten. Das Browserfenster wird zur Schaltzentrale des digitalen Lebens. Immer mehr klassische Anwendungsprogramme werden direkt im Browser ausgeführt und völlig neue Anwendungen entstehen, besonders im mobilen Bereich, etwa auf Geräten wie dem iPhone, wo das Prinzip des Browsers als Anwendungsoberfläche bereits Standard ist. So verwundert es nicht, dass gerade Apple nun hier einen Vorstoß wagt, und seinen Browser mit der Funktionalität der Schrifteinbettung ausstattet.

Dafür kommt übrigens kein spezielles Schriftformat zum Einsatz. Jeder TrueType- bzw. OpenType-Font (mit TrueType oder PostScript-Outlines) lässt sich einbinden. Dies erfolgt über die @font-face-Deklaration (http://www.w3.org/TR/css3-webfonts/), die bereits Ende der 90er Jahre im Standard CSS2 enthalten war und mit CSS3 nun eine zweite Chance erhält. Es ist daher zu erwarten, dass andere Browser früher oder später ebenfalls diese Funktionalität implementieren.

Doch einen Haken hat die Sache leider auch. Denn technisch gesehen, werden die Fonts gar nicht eingebettet, so wie man es etwa vom PDF-Format her kennt. Die Font-Dateien werden lediglich aus dem HTML-Quelltext heraus verlinkt, so wie eine Bilddatei. Die Fonts müssen also auf einem öffentlichen Webserver abgelegt werden, damit sie der Browser bei Bedarf nachladen kann. Doch gerade dies ist natürlich bei jeglichen kommerziellen Fonts nicht gestattet. Es liegt nun in der Hand der Schriftanbieter, ob sie für diese neue Technologie entsprechende Lösungen erarbeiten, oder ob sich die Webdesigner lediglich auf die oft mangelhaften Freeware-Fonts beschränken müssen.

Empfehlenswert sind derzeit zum Beispiel die Fonts (http://scripts.sil.org/cms/scripts/page.php?site_id=nrsi&item_id=OFL_fonts) auf Basis der OpenFont-Lizenz, da diese Lizenz jegliche Einbettungen und auch den Upload auf einen öffentlichen Webserver erlaubt. Bei FDI fonts.info (http://www.fonts.info/info/press/kostenlose-Fonts-zur-Einbettung-in-Webseiten-per-font-face.htm) ist einer der ersten Fonts überhaupt erhältlich, die speziell für die Einbindung per @font-face entwickelt wurden. Die Graublau Sans Web von Georg Seifert eignet sich mit ihrer geringen Laufweite hervorragend für den Display-Einsatz auf Webseiten und verfügt neben dem üblichen westeuropäischen Zeichensatz auch über eine griechische und kyrillische Belegung.


Demo-Seiten (nur mit Safari 3.1)

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