Warum Schriften Geld kosten
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Einleitung
Wer als Grafiker schon einmal versucht, hat seinem Kunden klar zu machen, was dieser für eine Schriftlizenz bezahlen müsse, kennt das Problem: »Was? Schriften kosten Geld?«, erwidert dieser dann in der Regel entrüstet. »Ich hab allein hunderte kostenlose Schriften auf meinem Computer! Und im Supermarkt habe ich neulich ein Paket mit 5000 Schriften für nur 9,99 EUR gesehen. Und überhaupt: Warum laden sie sich die Schriften denn nicht aus dem Internet? Da sind sie doch sowieso alle kostenlos…«
Da heißt es grundlegend Aufklärungsarbeit zu betreiben. Dieser Artikel beleuchtet deshalb etwas näher, wie sich Fonts unterscheiden, welchen Wert sie haben und welche unterschiedlichen Nutzungsbedingungen es gibt.
Font-Arten
Um zu verstehen, warum für manche Schriften Lizenzgebühren anfallen und für manche nicht, ist es ratsam, die Fonts erst einmal nach Herkunft und Nutzungsbedingungen zu klassifizieren. Man kann Fonts grob nach folgenden Kategorien unterscheiden:
- Freeware-Fonts
- Systemfonts
- Fonts als Software-Beigaben
- Lizenzschriften
Freeware-Fonts
Ja, es gibt sie tatsächlich! Die völlig kostenlosen Fonts. Sie werden meist von Typedesignern entworfen, die Spaß am Experimentieren mit Schrift haben, sich aber nicht um eine kommerzielle Verwertung ihrer Fonts kümmern möchten. So entstehen – in einem meist sehr kurzen Zeitraum von wenigen Tagen bis Wochen – Fonts, die eher experimentellen bzw. dekorativen Charakter haben. Da die Mehrzahl dieser Schriften meist aus dem englischsprachigen Raum stammen, sind selten deutsche Umlaute, geschweige denn alle Sonderzeichen in diesen Schriften enthalten. Für anspruchsvolle Gestaltungsaufgaben – wie zum Beispiel der Einsatz in einem Corporate-Design-Konzept – taugen diese Schriften somit selten.
Beispiele Freeware-Fonts-Anbieter:
Und noch ein Problem lauert in den meist großen, kostenlosen TrueType-Archiven: Allzu oft bieten die Webmaster dieser Archive aus Unwissenheit auch Schriften an, die eigentlich lizenzpflichtig sind. Sie sollten deshalb einen Blick in die »Font-Info« der Schrift werfen. Tauchen dort Markenzeichen, wie »Adobe«, »AGFA/Monotype«, »URW++«, »Linotype Library«, usw. auf, handelt es sich um eine kostenpflichtige Schrift. Aber auch wenn keine Copyright-Vermerke in der »Font-Info« auftauchen, heißt dies nicht automatisch, dass diese Schrift lizenzfrei ist. Leider werden die Copyright-Informationen auch vorsätzlich abgeändert oder gehen durch Konvertierungen verloren.
Systemfonts
Die bekannten Fonts »Arial«, »Times New Roman«, »Helvetica«, »Geneva«, usw. werden bereits mit dem Betriebssystem auf Ihrem Rechner vorinstalliert. Dennoch bestehen auch hier Beschränkungen bezüglich des Nutzungsrechtes. So ist es z.B. in den meisten Fällen nicht gestattet, diese Schriften ohne die Zustimmung der Anbieter (»Microsoft«, »Apple«,…) auf CD-ROM oder im Internet weiter zu verteilen. Die Nutzung der Fonts gestaltet sich aber sehr einfach, da Sie mit dem Kauf des Betriebssystem automatisch auch eine Nutzungslizenz für die Systemfonts erhalten haben.
Fonts als Software-Beigaben
Viele Computer-Besitzer wissen oft gar nicht, wie manche Schriften auf Ihren Rechner gelangt sind. Viele Software-Pakete (z.B. Grafik-oder Office-Software-Pakete) installieren meist automatisch bestimmte Fonts auf Ihrem System. So kommen Sie z.B. bei Adobe- oder Macromedia-Produkten nicht selten in den Genuss einiger sehr hochwertiger Schriftarten. Im Heimbereich sehr beliebten Softwarepaket CorelDRAW! sind gar ca. 1000 Fonts enthalten. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Systemfonts handelt es sich hierbei aber in den meisten Fällen um Lizenzschriftarten. D.h. es sind keine kostenlosen Schriftarten, sondern sie erwerben durch den Kauf der Software zusätzlich die Nutzungslizenz an den mitgelieferten Schriften. Somit unterliegen diese Fonts aber eben auch den Einschränkungen der Nutzungslizenz. So dürfen die Fonts nur auf einer bestimmten Anzahl von Rechnern installiert werden. Die Weitergabe, bzw. das »Verleihen« der Schriften an Freunde ist oft ebenso ein Lizenzverstoß, wie das Brennen der Schriften auf eine CD-ROM, um sie z.B. einer Druckerei zur Erstellung von Drucksachen zur Verfügung zu stellen.
Übrigens: Sollten sie ihr Software-Paket irgendwann einmal weiterverkaufen oder verschenken, erlischt auch die Nutzungslizenz für die mitgelieferten Schriften. Somit müssen diese auch von ihrem Rechner gelöscht werden.
Lizenzschriften
Abgesehen von obigen Sonderfällen bilden die »Lizenz-Schriften« immer noch den größten Teil der verfügbaren Fonts. Angefangen von Klassikern wie Bodoni und Garamond über Frutiger und Gill Sans bis hin zu den großen Schriftfamilien der letzten 15 Jahre (Meta, Thesis, Rotis, etc.) sind hochwertige Schriften sämtlicher Epochen als Lizenzschriften erhältlich.
Eine umfassende Übersicht der Anbieter finden Sie in unserem WebLinks-Verzeichnis.
Um eine der Schriften dieser Anbieter einzusetzen, müssen sie eine Lizenz erwerben. Der Preis dafür kann je nach Font zwischen 20 und 100 EUR liegen. Ganze Schriftfamilien können noch wesentlich teurer sein.
Der Wert einer Schrift
Um zu verstehen, warum Lizenz-Schriften Geld kosten, muss man sich nur verdeutlichen, wieviel Zeit, Arbeit und kreatives Potential in einer Schrift stecken.
Um eine hochwertige Schrift zu erstellen, muss man sich zunächst erst einmal eingehend mit der Geschichte und Entwicklung der Schrift beschäftigen. Man muss verstehen, wie sich die unterschiedlichsten Schreibwerkzeuge und gesellschaftliche Veränderungen auf die Formen auswirkten und wie und warum sich die einzelnen Buchstabenformen und -kombinationen entwickelt haben. Dieses Wissen ist unabdingbar, um Schriften nicht nur zu kopieren, sondern um sie »entwickeln« zu können.
Neben der Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung gilt es weiterhin zahllose optische und drucktechniche Besonderheiten zu kennen und zu berücksichtigen. »Wie muss die Größe einer runden Form im Vergleich zu einer rechteckigen gewählt werden?« »Wie verändern sich Balkenstärken in Kurven, Schrägen, usw.?« »Wie verhindert man, dass spitz zusammenlaufende Formen (z.B. beim ›w‹) im Druck zusammenlaufen?«
Und nicht zuletzt braucht ein Schriftdesigner ein ausgeprägtes und erfahrenes Auge und Gespür für das Zusammenspiel der Formen. Vergleicht man die Schriftgestaltung z.B. mit der Gestaltung eines einzelnen Unternehmens-Logos, ist die Schriftgestaltung eine hochkomplexe Aufgabe mit unzähligen Unbekannten und Parametern, die nur zu einem ansprechenden Ergebnis führt, wenn alle Teile perfekt aufeinander abgestimmt werden. Dies gelingt nur wenigen Desigern!
Was gehört zu einer Schriftentwicklung? Neben der geistig/kreativen Arbeit bei einem Schriftentwurf ist die Herstellung einer Schrift in erster Linie ein hoher zeitlicher Aufwand, der für Laien oft kaum nachvollziehbar ist. Die Entwicklung einer Schrift dauert nicht selten Monate – die Entwicklung ganzer Schriftfamilien sogar mehrere Jahre!
Auch wenn unser Alphabet aus nur 26 Buchstaben besteht gehören zu einem Font im Allgemeinen um die 220 Schriftzeichen, die alle manuell gestaltet werden müssen! Diese Anzahl multipliziert sich dann mit den weiteren Schriftschnitten (italic, small caps, condensed, compressed,…) und Schriftstärken (light, regular, bold, black,…). Bedenkt man, wie viel Stunden schon an einem einzigen Buchstaben gefeilt werden muss, lässt sich leicht abschätzen, wie lange die Entwicklung von hunderten Schriftzeichen dauert.
Weiterhin muss für jeden einzelnen Buchstaben der ihm zugeteilte Raum sorgfältig gewählt und definiert werden – die sogenannte »Metrik«. Schwierige Buchstabenkombinationen (z.B. ›A V‹) werden dann noch einmal extra ausgeglichen – das sogenannte »Kerning«. Auch diese Schritte nehmen nicht selten ebenso viel Zeit in Anspruch, wie die Gestaltung der Buchstaben selbst.
Wenn Schriften später auch vernünftig am Bildschirm angezeigt werden sollen, müssen diese weitere Informationen enthalten, wie dies in kleinen Schriftgraden geschehen soll. Dieses aufwendige – aber für eine gute Lesbarkeit am Bildschirm unabdingbare – Verfahren (das »Hinting«) ist ebenso ein Qualitätsmerkmal einer Schrift, wie die zuvor erwähnten Punkte »Metrik« und »Kerning«.
Bedenkt man nun all diese Faktoren, die zur Erstellung einer hochwertigen Schrift notwendig sind, ist ein Preis für Nutzungslizenz von z.B. 150 EUR für eine aufwändige Arbeit, die den Schriftdesigner Jahre an Arbeit gekostet hat, angemessen. Eine einzige Fotografie einer professionellen Bildagentur kostet Sie in der Regel ebenso viel – auch wenn die Erstellung nicht Jahre gedauert hat…
Rechtliches
Was sie mit Lizenzfonts dürfen und was nicht
- Der gebräuchlichste Weg des illegalen Schriftkopierens führt über das »Verleihen« der Fonts an Kollegen, befreundete Anwender, Kunden, Druckereien oder Belichtungsstudios. Da Schriften jedoch lizenzrechtlich wie Anwendungsprogramme behandelt werden, ist das Verleihen von Fonts nichts anderes als die Herstellung und der Vertrieb einer Raubkopie!
- Manche Anwender sind der irrigen Meinung, dass einmal erworbene Schriften kopiert und innerhalb des Unternehmens verteilt werden dürfen. Dies ist nur dann statthaft, wenn die Fonts für alle Rechner lizensiert sind. Hat ein Unternehmen mehr als 5 Arbeitsplätze eingerichtet, auf denen eine Schrift eingesetzt werden soll, fordern die meisten Schriftanbieter eine Multi-User-Lizenz.
- Die Benutzung von Software regeln Lizenzbedingungen. Schriftlizenzen sind Nutzungsverträge. Mit der Bezahlung des Nutzungsentgeltes wird ein nicht ausschließliches und nicht übertragbares Recht der Verwendung der Schriftensoftware gewährt. Sie kann dauerhaft auf eine definierte Anzahl von Festplatten oder einem anderen Speichermedium installiert werden.
- Eine Sicherungskopie der Schriftensoftware darf angefertigt werden. Mehrere Sicherheitskopien deuten auf eine nicht gestattete Vervielfältigung hin. Für Belichtungsstudios oder Digitaldrucker darf man solche Fonts kopieren, die der Ausgabe bestimmter Dateien dienen, zum Beispiel modifizierte Schriften. Allerdings müssen solche Dienstleister glaubhaft machen, dass sie eine Lizenz für die Originalschrift haben.
- Schriftensoftware darf in einem Dokument nur eingebettet werden, um es zu drucken oder anzuzeigen. An Dritte darf die Datei meist nicht weitergegeben werden. Dies gilt insbesondere für die Distribution via Internet oder auf CD-ROM. Hier gibt es oft die Möglichkeit, eine spezielle Nutzungslizenz zu erwerben.
- Unerlaubtes Kopieren von Software wird als Urheberrechtsverstoß strafrechtlich verfolgt. Das Strafmaß reicht von Geldbußen bis zu Freiheitsentzug. In jedem Fall erfolgt eine Beschlagnahmung der illegal kopierten Software – meist zusammen mit der Hardware, auf der sie benutzt wurde.
Kopierschutz
Fonts sind nicht kopiergeschützt, und das ist gut so. Früher war das mal anders: Zu Fotosatz-Zeiten waren Schriften untrennbar mit den Maschinen der Hersteller verknüpft. Die Monotype-Setzerei konnte nur mit Monotype-Garnituren setzen, Berthold nur mit Berthold. Die Benutzung von Schrift war eingeschränkt und einer Elite vorbehalten.
Als Adobe 1987 mit der geräteunabhängigen Grafiksprache »PostScript« die Druckvorstufe revolutionierte, versuchte man zunächst, einen Kopierschutz für Schriften zu etablieren. Auf Original-Postscript-Geräten sollten nur Original Postscript-Type1-Schriften laufen. Der Markt zwang die Hersteller glücklicherweise zur Aufgabe dieser Strategie. Seitdem genießen wir alle die Freiheit der Schrift. Tagtäglich erfreuen sich die Benutzer eines einfachen Umgangs mit Fonts. Kopierschutz oder Seriennummern sollen für alle Zukunft in der Schublade bleiben.
Schrifteinbettung
Bei der Arbeit mit Schriften ist es oft notwendig, die Daten eines Grafikjobs an Dritte weiterzugeben. Zum Beispiel um die Gestaltung mit einem Kunden abzustimmen oder fertige Daten für die Belichtung zu übermitteln. Lizenzrechtlich wird dies für Anwender dann zum Problem, wenn sie ihren Dokumenten einfach die Schriften beilegen. Die Lizenzbestimmungen fast aller Hersteller untersagen die Weitergabe von Schriften an Dritte. Als Lösung bietet sich an, Font in digitale Dokumente einzubetten.
Für das Einbetten von Schriften in der Druckvorstufe gibt es zwei Verfahren: das Erstellen einer PostScript-Datei, sowie dem Generieren eines Acrobat-PDF mit Schrifteinbettung. Bei der PostScript-Erstellung entsteht eine geschlossene druck- oder belichtbare Datei, die Bilder und Schriften enthalten kann. Immer beliebter und verbreiteter ist allerdings die Erzeugung einer kompakten PDF-Datei, die – im Gegensatz zur reinen PostScript-Datei – von jedem Anwender mit installiertem Acrobat Reader am Bildschirm betrachtet und ausgedruckt werden kann. In PDF-Dokumente können Schriften einfach eingebettet werden. Schrifthersteller und -entwerfer beurteilen die Acrobat-Einbettung allerdings kritisch, da befürchtet wird, dass die Fonts wieder aus den PDFs extrahiert werden könnten. Darüber hinaus sind TrueType-Schriften oft auch mit einem Embedding-Flag versehen, der entscheidet, ob eine Schrift eingebettet werden darf oder nicht.
Fazit: Fast alle Font-Anbieter gestatten die Schrifteinbettung zum Lesen bzw. zum Drucken, nicht aber Editieren. In letzterem Fall muss der Empfänger des Dokuments ebenfalls eine Lizenz der Schrift besitzen. Das Extrahieren von eingebetteten Fonts ist generell untersagt.
Quellenangabgen
Unter Verwendung von Auszügen aus der Broschur »ALLES WAS RECHT IST« (mit freundlicher Genehmigung der Fontshop AG, Berlin)


