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Leipziger Kegel


Ralf Herrmann

Die Zeit, in der die Letternproduktion mit einem tonnenschweren Material- und enormen Zeitaufwand verbunden war und Buchstaben in Form eines dreidimensionalen Körpers greifbar, messbar und nach Gewicht bestimmbar waren, fand mit den technischen Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts ihr Ende. Obwohl Formensprache und -logik auf Jahrhunderte tradierten Gesetzmäßigkeiten beruhen, ist die Schriftproduktion heute vom ursprünglichen Handwerk weit abgerückt: Gestaltung sowie Herstellung von Schrift erfolgen am Computer mittels Software.

Lediglich die Bezeichnung der Schriftverlage als Foundrys (also Gießereien) schafft eine Verbindung in die Bleisatzzeit. Relikte dieser Ära findet man heute nur noch in musealer Umgebung, speziellen Ausbildungsstätten oder kleinen Druckereien, die für Liebhaber des Vergangenen Drucksachen im Bleisatz realisieren.

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In ihrem Buch »Leipziger Kegel«, das als Abschlussarbeit in der Schriftklasse an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entstand, wirft Monique Dickmanns einen Blick zurück. Der erste Teil des Buches geht der Frage nach, wie sich die Schriftgießereien entwickelten. Ausgehend von Leipzig, welche lange Zeit als die Stadt des Buches weltweites Ansehen genoss, findet eine chronologische Aufarbeitung der Stadtgeschichte aus Sicht eines Industriezweiges statt, der als Kernstück der buchherstellenden Industrie hinter den weiterführenden Produktionszweigen oft im Hintergrund blieb.

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Dabei beginnt die Betrachtung mit der Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts und dessen Aufkommen in Leipzig durch die Frühdrucker, erstreckt sich über die Entstehung der ersten Gießereien, ihrer Emanzipation zu selbstständigen Unternehmen sowie deren Blütezeit und endet mit der Einstellung der Bleiletternproduktion im 20. Jahrhundert.

  • Beweglich. Austauschbar. Kombinierbar. – Die Geburtsstunde der Bleilettern
  • Leipzig im 15. Jahrhundert – Auf den Spuren früher Drucktypen
  • Leipzig im 16. Jahrhundert – Erste Schritte in die Selbstständigkeit
  • Leipzig im 17. Jahrhundert – Anton Janson und die eigenständige Schriftgießerei
  • Leipzig im 18. Jahrhundert – Normierung im Schriftguss
  • Leizpig im 19. Jahrhundert – Vom Blei zum digitalen Abbild
  • Ausblick – Schriftschaffen heute

Den zweiten Teil des Buches bilden Gespräche mit fünf Zeitzeugen, welche für die letzte kommerziell tätige Leipziger Schriftgießerei arbeiteten. Neben den Schriftkünstlern Hildegard Korger und Gert Wunderlich, deren Schriften beim VEB Typoart Dresden realisiert wurden, kommen ebenfalls ein Galvanoplastiker und Justierer, ein Stempelschneider sowie ein Schriftgießer zu Wort, berichten unter anderem von ihrem Arbeitsalltag und erinnern sich an den Moment der Schließung des Unternehmens.

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Das Buch erschien bislang lediglich in einer selbstproduzierten Kleinauflage von 50 Stück. Wer sich eines der wenigen Exemplare sichern möchte, wendet sich an http://fonts.zentrumwest.com

Das Buch ist reich bebildert und wartet mit interessanten fotografischen Fundstücken aus der Leipziger Schriftproduktion auf. Leider ist die Qualität der Abbildungen nicht immer optimal.

Gesetzt wurde das Buch übrigens aus der Schrift Mingo der Autorin sowie der Zentral ihres Geschäftspartners Peter Mohr.


Untertitel: Zur Entwicklung der Schriftgießereien in Leipzig

Autor(en): Monique Dickmanns

veröffentlicht: 2013

Verlag: Selbstverlag

Sprache: , deutsch,

  • Gefällt 4

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