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Typografie-Artikel

Neuigkeiten und Fachartikel zu Schrift und Typografie
Apple kündigte gerade die neuen MacBook Pros an und feiert dies wie immer bescheiden als Durchbruch und die neuen Funktionen als riesige Schritte vorwärts. In Sachen Rechtschreibung macht man jedoch einen klaren Schritt zurück. Apple verzichtet im deutschsprachigen Raum anscheinend ab sofort konsequent auf jegliche Koppelungsstriche.

Dabei verhielt sich Apple bislang bei der Lokalisierung doch recht löblich. Die Steuerungstasten am Mac bekamen wohlklingende deutsche Bezeichnungen wie Umschalttaste und Wahltaste. Und die spezifischen Benutzerordner des Betriebssystems heißen auf deutschen Rechnern Filme, Bilder und so weiter.
Doch von dieser Strategie scheint man sich zunehmend zu verabschieden. Im aktuellen »deutschen« Werbespot wird erklärt, dass man mit dem iPhone Four (nicht vier) ja viel länger facetimen kann. Und auch die Rechtschreibung wird nun offenbar aus Cupertino importiert, da die aktuelle Produktvorstellung der MacBook Pros keinen einzigen deutschen Koppelungsstrich mehr enthält.

Der Bindestrich hat es ja in der kommerziellen Produkt- und Werbewelt im deutschsprachigen Raum schon immer schwer. Die Corporate Language verbietet es oft, Markennamen in irgend einer Weise mit einem Bindestrich zu schreiben. Und auch auf Supermarktverpackungen findet man das nützliche Strichlein immer seltener. Da mutiert die SCHLAG SAHNE plötzlich zu einer Aufforderung, selbst wenn sie uns gar nichts getan hat. Und der Tetra Pak weist uns stur darauf hin, dass er VOLL MILCH ist, selbst wenn wir ihn schon ausgetrunken haben.
Zumindest in Fließtexten wird der Bindestrich dann aber meist doch korrekt verwendet. Apple macht damit aber jetzt Schluss, wie sämtliche Produktseiten zum neuen MacBook Pro beweisen:
Neueste Quad-Core Prozessoren
Thunderbolt Technologie
FaceTime HD Kamera
die 15" und 17" MacBook Pro Modelle
mit dedizierten AMD Radeon Grafikprozessoren
mit der neuen I/O Technologie
Turbo Boost Geschwindigkeiten
integrierter Intel HD Graphics 3000 Prozessor
HD Videotelefonate
bei 3D Spielen
MagSafe Netzanschluss
FireWire 800 Anschluss
Wi-Fi Technologie
Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Das Phänomen wird umgangssprachlich gern als Deppenleerzeichen bezeichnet. Der Bindestrich ist auch nicht versehentlich im Übersetzungsbüro verloren gegangen. Ein Blick auf die englische Seite zeigt, dass die im Englischen üblichen Bindestriche allesamt übernommen wurden. Nur die zum Durchkoppeln im Deutschen nötigen Striche wurden – wie der Name schon sagt – gestrichen.


Abbildung: Wir halten Mittagsschlaf. Bitte wecken Sie uns! Ein Deppenleerzeichen kann das Erfassen der gemeinten Botschaft beträchtlich stören. Quelle: Flominator bei Flickr

So geht es richtig!
Aber wie wird dieses Wirrwarr aus englischen Fachbegriffen, Abkürzungen und Eigennamen nun im Deutschen korrekt verwendet? Die Begriffe können zunächst einmal in ihrer ursprünglichen Schreibung im Deutschen verwendet und gebeugt werden.
das MacBook Pro
die MacBook Pros
Sobald die Fremdwörter und Eigennamen aber in deutschen Komposita verwendet werden, müssen sie sich auch deren Regeln unterwerfen. Und dies heißt im Deutschen: alles durchkoppeln!
die MacBook-Pro-Modelle – korrekt!
die MacBook Pro-Modelle – falsch!
die MacBook Pro Modelle – auch falsch!
Weitere Beispiele aus obiger Liste:
Neueste Quad-Core-Prozessoren
Thunderbolt-Technologie
FaceTime-HD-Kamera
die 15"- und 17"-MacBook-Pro-Modelle
Alternativen
Wer sich an der Flut von Bindestrichen stört, kann im Zweifel auf zwei Alternativen zurückgreifen. So ist es ebenfalls korrekt, den gesamten englischen Begriff mit nur einem Bindestrich zu koppeln, wenn der Begriff durch Anführungszeichen zu einem einzelnen Ausdruck zusammengefasst wird:
Intel-HD-Graphics-3000-Prozessor (Standardschreibweise)
„Intel HD Graphics 3000“-Prozessor (alternative Schreibweise)
Und nicht selten kann durch einfache Umstellungen des Satzes das Durchkoppeln gänzlich vermieden werden. Aus den MacBook-Pro-Modellen mit Intel-HD-Graphics-3000-Prozessor werden dann einfach die Modelle des MacBook Pros mit dem Prozessor Intel HD Graphics 3000.
 
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Die digitale Welt spricht heute immer mehr Unicode – den Weltzeichenstandard, der jedes Sinn tragende Zeichen aller Sprachen dieser Welt erfasst und ihnen einen einzigartigen, unverwechselbaren Kode zuweist. Doch vom indianischen Rauchzeichen bis zum Unicode war es ein langer Weg. Typografie.info erzählt diese spannende Geschichte. 
Grundlagen der Kodierung und Übertragung von Zeichen
»Sehen Sie, der Telegraf ist eine Art sehr, sehr langer Katze. Man zieht in New York an ihrem Schwanz, und sie miaut in Los Angeles.« Albert Einstein

Der Mensch kann Informationen in erster Linie durch den Klang der gesprochenen Sprache oder schriftbildlich wahrnehmen und verstehen. Wenn Klang oder Schrift aber nicht direkt übertragbar sind, muss eine dem Signalweg angemessene Kodierung benutzt werden. Klopf- und Rauchzeichen sind altbekannte Vertreter solch einer Kodierung. Damit die so verschlüsselte Information verstanden werden kann, müssen Sender und Empfänger sich auf einen einheitlichen Schlüssel zum Kodieren und Dekodieren einigen – eine leicht nachvollziehbare Tatsache, doch bis heute eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Arbeit mit Text am Rechner.
Bratpfannen und Ohrenschmerzen – Die Geburt der Telegrafie
Das erste funktionierende Signalsystem, das als direkter Vorläufer des Telegrafen bezeichnet werden kann, wird dem Franzosen Claude Chappe zugeschrieben. Er modifizierte Ende des 18. Jahrhunderts zwei Uhren so, dass deren Sekundenzeiger mit doppelter Geschwindigkeit über zehn Ziffern kreisten. Claude Chappe und sein Bruder René nahmen in einigen hundert Metern Entfernung Aufstellung. Die zuvor synchronisierten Uhren konnten nun zur Übertragung von Botschaften genutzt werden, indem Claude wartete, bis die zu übertragende Ziffer vom Sekundenzeiger überfahren wurde und zeitgleich auf eine Bratpfanne schlug. Boiinnng! René hörte den Ton und konnte an seiner Uhr die Ziffer ablesen. Ein nummeriertes Wörterbuch diente dabei als Kodebuch, um die übertragenen Ziffern wieder in Buchstaben, Wörter und Sätze zurückzuwandeln. Neben der Lärmbelästigung bestand allerdings das unumstößliche Problem, dass sich Sender und Empfänger immer in Hörweite zueinander befinden mussten. Je nach Windrichtung waren also kaum mehr als einige Hundert Meter Übertragungsweg möglich. 

Soweit das Auge reicht
Chappe erkannte, dass es wahrscheinlich sinnvoller wäre, statt eines hörbaren Signals ein sichtbares zu verwenden. An die Stelle der Pfannen traten also schwenkbare Holztafeln, die an einer Seite weiß, an der andern schwarz gestrichen waren. Während der Sekundenzeiger der Chappe-Uhren über eine bestimmte Ziffer strich, konnte diese durch Schwenken der Tafel übertragen werden. Nahm der Empfänger ein Teleskop zu Hilfe, waren schon beträchtliche Entfernungen möglich. Die Erfindung wurde Télégraphe (»Fernschreiber«) getauft. Chappe fand später eine Methode, ohne sychronisierte Uhren auszukommen. An einem Balken wurde ein drehbarer Querbalken angebracht, dessen Enden wiederum mit zwei Flügeln bestückt waren, die sich in 45-Grad-Schritten drehen ließen. So konnten über Seilzüge 98 mögliche Kombinationen eingestellt werden. Über Kodebücher konnte man 92 mal 92, also 8464 Wörter und Phrasen übermitteln. Wurden mehrere Türme in Sichtweite zueinander aufgestellt, in denen die Nachrichten der benachbarten Stationen weitergeleitet wurden, ließen sich beliebige Entfernungen überbrücken. Die französische Nationalversammlung erkannte das Potential der Erfindung, und im Mai 1794 nahm die erste Strecke des französischen Staatstelegrafen von Paris nach Lille ihren Dienst auf – vornehmlich zum Senden von militärischen Informationen. Der optische Telegraf wurde mit verschiedensten Patenten aus Balken oder Klappen auch in anderen Ländern schnell ein großer Erfolg. In den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts erstreckten sich bereits lange Reihen von Telegrafen-Türmen über einen großen Teil Westeuropas. Ein mechanisches Internet war geboren. 

Die Mönchskette
Der Betrieb der optischen Telegrafen war jedoch nicht nur teuer, sondern immer noch von Tageslicht und guten Sichtverhältnissen abhängig. Schon das Aufziehen von Nebel konnte die Nachrichtenübertragung vereiteln. Die Idee eines elektrischen Telegrafen spukte in den Köpfen vieler Erfinder und Tüftler herum, galt aber zur damaligen Zeit als utopisch. Denn vor Erfindung der Glühbirne durch Thomas Edison scheiterte man schon daran, wie überhaupt Strom in einer Leitung nachzuweisen ist, geschweige denn sichtbar gemacht werden kann. Ein besonders anschauliches Experiment zur Erkundung der Elektrizität veranstaltete der französische Wissenschaftler Abbé Jean-Antoine Nollet bereits im Jahr 1746. Er ließ in Paris etwa 200 Mönche eine Kette bilden, wobei jeder Mönch in beiden Händen einen 7,5 Meter langen Eisendraht hielt, der ihn mit seinem Nachbarn verband.
So ergab sich eine leitfähige Verbindung von über einer Meile. Nollet schickte nun ohne Vorwarnung Strom durch die »Mönchsleitung«, und der Elektroschock beutelte alle aufs Ärgste durch, wodurch die Eigenschaften des elektrischen Stroms anschaulich sichtbar wurden. Nollet machte damit die bedeutende Entdeckung, dass sich Strom offenbar über weite Entfernungen und ohne merklichen Zeitverlust übertragen lässt.
Lange Leitungen
1820 fand man in der Entdeckung des Elektromagnetismus eine schonendere Methode, elektrischen Strom sichtbar zu machen. Über einen Elektromagneten und den Ausschlag der rotierenden Nadel eines Galvanometers konnte der Stromfluss erstmals zuverlässig abgebildet werden. Mit solch einem Elektromagneten kam Samuel F. B. Morse der Legende nach im Jahr 1832 auf einer Heimreise mit dem Schiff von Europa nach Amerika in Berührung. Ein anderer Passagier, der einen Elektromagneten und allerlei andere elektrische Utensilien mit sich führte, erklärte, dass Strom eine Leitung beliebiger Länge ohne Zeitverzögerung passieren könne. Morse, seines Zeichens Maler von Beruf, war wie vom Blitz getroffen. »Wenn das Vorhandensein von Elektrizität in jedem beliebigen Teil des Stromkreises sichtbar gemacht werden kann«, sagte er angeblich, »sehe ich keinen Grund, warum Informationen nicht mittels Strom in jede Entfernung übertragen werden könnten, und zwar ohne Zeitverlust.« Noch während der Schiffsfahrt entwickelte Morse ein binäres System zur Kodierung der Nachrichten. Denn er erkannte schnell, dass über ein Stromsignal lediglich zwei Zustände (Strom fließt/Strom fließt nicht) übertragen werden konnten. Die mannigfaltigen Kodierungsformen der optischen Telegrafen waren also hier unbrauchbar. Morse entschied sich daher, kurze und lange Stromstöße zu verwenden, die wir noch heute in ihrer transkribierten Form als Punkte und Striche des nach ihm benannten Morse-Alphabets kennen.
Auch in England arbeitete man zeitgleich an elektrischen Telegrafen. Doch auf beiden Seiten des Atlantiks traten die gleichen Schwierigkeiten auf. Zum einen bereitete es größere Probleme als erwartet, den Strom tatsächlich über weite Entfernungen zu schicken, und zum anderen war es ebenso schwierig, Regierungen und Geschäftskunden von den Vorzügen des elektrischen Telegrafen gegenüber den bereits etablierten und funktionierenden optischen Telegrafen zu überzeugen. Die ersten Kunden waren zumeist Eisenbahngesellschaften, die elektrische Telegrafen-Leitungen neben ihre Gleisstrecken legten. Diese Leitungen verhalfen der Telegrafie erst dann zu viel öffentlichem Aufsehen, als sie immer wieder halfen, Diebe und Verbrecher zu fangen. Vor der Telegrafie konnten diese nämlich stets bequem und unbehelligt mit der Bahn flüchten, da die Nachricht über die Fahndung nie schneller sein konnte als die Bahn selbst. Doch nach einem simplen Telegramm, wie die telegrafischen Mitteilungen nun hießen, wurden die Flüchtigen nun schon von der Polizei am nächsten Bahnsteig erwartet.

Abbildung: Englischer 5-Nadel-Telegraph. Diese System konnte durch Auslenkung zweier Nadeln direkt den übertragenen Buchstaben anzeigen. (hier: V)
Die Welt wurde verkabelt
In der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt sich das Telegrafennetz fast explosionsartig auszubreiten – vor allem in den Vereinigten Staaten, die nun durch eine transkontinentale Telegrafenleitung von der Ost- bis zur Westküste verbunden waren. Die allgemeine Skepsis weicht einer breiten Begeisterung über die neuen Möglichkeiten, und die Telegrafie wird zu einem alltäglichen Bestandteil im Geschäftsbereich und im Privatleben. 1865 wird nach mehreren missglückten Versuchen selbst der Atlantik mit einer unter Wasser verlegten, telegrafischen Leitung überwunden.

Die Telegrafie wird rasch so erfolgreich, dass das Netzwerk unter der Last der Nachrichten zusammenzubrechen droht. Im Jahr 1875 beherbergte das zentrale Londoner Telegrafenamt bereits 450 telegrafische Instrumente auf drei Etagen, die durch 68 interne pneumatische Rohre miteinander verbunden waren, über die per Dampfbetrieb die Nachrichten weitergeleitet werden konnten.
Automatische Telegrafen
So schnell die Botschaft auch telegrafiert werden konnte, man benötigte zur Übertragung der Mitteilung immer noch Botenjungen, die von der nächstgelegenen Telegrafie-Zweigstelle die Nachricht zur Adresse des Empfängers brachten. Speziell für die immer schneller reagierende Börse und deren Händler bot es sich an, Preise automatisiert weitergeben zu können. 1867 wurde ein System entwickelt, bei dem Aktiennamen und deren aktuelle Preise in zwei Zeilen auf einen fortlaufenden Papierstreifen gedruckt werden konnten. Das Ausgabegerät bekam auf Grund seines Geräusches den noch heute bekannten Namen »Ticker« und wurde kurzzeitig zu einem Riesenerfolg. Doch nun machte man sich daran, nicht nur den Empfang zu automatisieren, sondern auch die Eingabe der Telegramme zu beschleunigen und zu vereinfachen – eine Arbeit, die bislang nur von erfahrenen Telegrafisten erledigt werden konnte. Der ABC-Telegraf von Charles Wheatstone hatte zwei Scheiben ähnlich eines Uhrziffernblattes, die mit den Buchstaben des Alphabets versehen waren. Eine Scheibe diente zum Ablesen eingehender Telegramme, die andere zum Senden. Durch Betätigung der Knöpfe neben den Buchstaben und Drehen einer Kurbel konnte das Telegramm ohne Kenntnis des Morse-Alphabets versandt werden. Das Läuten einer Glocke zeigte den Eingang eines neuen Telegrammes an.
Binärkodes
Das menschliche Gehirn ist der Lage, verschiedenste visuelle Repräsentationen eines Zeichens zuzuordnen. So bereitet es uns kaum Schwierigkeiten, alle diese doch sehr unterschiedlichen Varianten als den Buchstaben »A« zu identifizieren.

Rechner können auf Betriebssystem-Ebene lediglich zwei Zustände unterscheiden, welche meist als »Null« und »Eins« bezeichnet werden. Man nennt dieses System auch ein Bit (von »binary digit«), die beiden Zustände Bitwerte. Um mehr als nur zwei Zustände wiedergeben zu können, werden mehrere Bits gruppiert. So ermöglichen zwei Bit vier Zustände (00, 01, 10 und 11), drei Bit schon acht (000, 001, 010, 011, 100, 101, 110, 111). Allgemein ausgedrückt lassen sich mit n Bit 2 hoch n Zustände darstellen.
Solch ein Zweizustandssystem ist jedoch schon wesentlich älter als die moderne Rechnentechnik. Bereits 1605 erfand Sir Francis Bacon im Alter von 17 Jahren den Kode »omnia per omnia« – eine zweiwertige Zeichenkodierung, die es ermöglichte, beliebige Botschaften über Texte, Töne oder Lichtsignale in verschlüsselter Form zu übertragen. Der Schlüssel, den Bacon zum Kodieren und Dekodieren verwendete, sah folgendermaßen aus:
A: aaaaa
B: aaaab
C: aaaba
D: aaabb
E: aabaa
F: aabab
G: aabba
H: aabbb
und so weiter
Wie man sieht, konnte Bacon auf diese Weise alle Zeichen des Alphabets mit einer 5-stelligen Folge von nur zwei Zuständen (hier a und b) eindeutig kodieren. Diese Tabelle, also die Zuordnung von Zeichen zu einem bestimmten Kode, nennt man Zeichenkodierung. Solange Sender und Empfänger den gleichen Zeichenkode als Schlüssel verwenden, kann die Nachricht korrekt übermittelt werden. Bacons Kode diente allerdings zunächst ausschließlich der Verschlüsselung von Geheimbotschaften, indem zum Beispiel die Zustände nicht direkt durch eine Abfolge von a und b, sondern durch den Wechsel zwischen Groß- und Kleinschrift in einen Text integriert wurden. Zur Übertragung von Informationen über weite Strecken wurde der Kode noch nicht verwendet. Dies geschah wie schon seit Jahrhunderten zuvor ausschließlich per berittener Boten.
Da Texte im Computer stets in solchen zweiwertigen Folgen, den Binärzahlen, gespeichert und übertragen werden, dient eine Zeichenkodierung am Rechner der Zuordnung der Zeichen zu einer korrespondierenden Binärzahl.

Deshalb kann der Text nur bei Anwendung der richtigen Zeichenkodierung korrekt entschlüsselt werden. Eine andere Kodierung kann für die gleichen Binärkodes mit völlig anderen Zeichen hinterlegt sein.
Der Baudot-Kode

1874 entwickelte Jean Maurice Emile Baudot von der französischen Telegrafenverwaltung eine neue Form des Telegrafen, die die Kapazität der Leitung noch einmal drastisch erhöhte. Über synchronisierte Verteilerarme an beiden Enden der Leitung konnte nun die Last von 12 Leitungen erreicht werden. Baudot setzte allerdings nicht den üblichen Morse-Kode ein, sondern einen Binärkode aus fünf Zeichen – nach dem gleichen Prinzip, wie ihn Sir Francis Bacon bereits für seine Verschlüsselung benutzt hatte. Der einzige Unterschied bestand darin, dass Baudot nun für jedes Zeichen eine Sequenz von fünf Stromimpulsen benutzte, die jeweils entweder positiv oder negativ sein konnten. Am Empfängerende wurde die Nachricht automatisch als Schriftzeichen auf einem Papierstreifen ausgegeben. Mit einer solchen 5-Bit-Sequenz ließen sich im später standardisierten »International Telegraph Alphabet« 32 Zustände (2⁵) übertragen, also gerade genug Platz für das Alphabet. Der ab 1930 standardisierte Kode zur Telegrafie ITA2 enthielt auch erstmals Steuerzeichen, mit denen Anweisungen an das Empfangsgerät gesendet werden konnten, zum Beispiel zum Läuten einer Glocke. Zudem konnte man über die Steuerzeichen auch zusätzliche Zeichen-Bereiche aktivieren – ähnlich der Anwendung der Shift-Taste an heutigen Rechner-Tastaturen.

In den nächsten Teilen der Serie:
ASCII – die Basis aller Computerzeichensätze
8-Bit-Zeichenkodierungen – das Ringen um einen Standard
Unicode: der Weltzeichenkode
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Obwohl Microsoft einer der beiden Mitentwickler des OpenType-Formates ist, ließ man sich beim Einbau dieser Technologie in die eigenen Office-Programmen über zehn Jahre Zeit. Nun verfügen zumindest die aktuellen Versionen von Word 2010 (PC) und Word 2011 (Mac) über eine Auswahl von OpenType-Funktionen. Da diese jedoch standardmäßig deaktiviert sind und auch in der Bedienung so manche Tücken aufweisen, folgt hier unser ausführlicher Artikel zu OpenType in Microsoft Word.

 Die OpenType-Funktionen lassen sich über das Menü Format im Fenster Schriftart über den Karteireiter Erweitert erreichen. (siehe vergrößerbare Abbildung rechts) Verfügbar sind folgende Funktionen:
Ligaturen
Ziffern-Formate
Stil-Sets
Kontextbedingte Alternativen
Ein großes Manko ist die fehlende Kennzeichnung, welche dieser Funktionen im gerade aktiven Font überhaupt verfügbar sind. Hier hilft leider nur das manuelle Ausprobieren. Oder man schaut in einem anderen OpenType-fähigen Programm wie Adobe InDesign oder Illustrator nach. Oft hilft auch ein Blick in das Schriftmuster-PDF der jeweiligen Schrift, um sich über die verfügbaren Funktionen zu informieren.
Ligaturen
Die verschiedenen OpenType-Funktionen zu Ligaturen wurden in ein Auswahlfeld zusammengefasst und können also nicht separat angewählt werden. Das ist ebenso unglücklich, wie die teilweise etwas unbeholfenen Übersetzungen der OpenType-Funktionen. Zur Auswahl bei den Ligaturen stehen: 

Keine
nur Standard: Dahinter versteckt sich das LIGA-Feature, in welchem die Schriftgestalter in der Regel alle Ligaturen einbauen, die generell aktiv sein können. Dies sind insbesondere die meisten f-Ligaturen wie fi, fl, ffi und so weiter.
Standard und kontextbezogen: Hier kommt das Feature CLIG hinzu. Diese Ligaturen werden nur aktiv, wenn ihnen bestimmte Buchstaben vorausgehen oder nachfolgen.
Historisch und frei: Hier werden die beiden OpenType-Funktionen HLIG und DLIG kombiniert, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben und gegebenenfalls vom Anwender einzeln benutzt werden möchten. Historische Ligaturen sind zum Beispiel die Verbünde von langem s und t oder c und h. Hinter »frei« verbergen sich vor allem Schmuckligaturen wie eine st-Verbindung, die rein dekorative Zwecke erfüllt.
Alle: Dies aktiviert alle vorgenannten Optionen auf einmal. Eine weitere Einschränkung ist nicht möglich. So kann man zum Beispiel nicht Standard- und Schmuckligaturen auswählen ohne gleichzeitig auch historische Ligaturen zu bekommen.
Zahlenabstand
Hier kann zwischen proportional laufenden Ziffern und dicktengleichen Tabellensatzziffern gewählt werden.
Zahlenzeichen
Hinter dem etwas sperrigen Begriff Zahlenzeichen verbirgt sich die Auswahl zwischen Versalziffern und Minuskelziffern. Erstere benennt Word »Ohne Ober-/Unterlängen, letztere kurz »Mediäval«.

Stilsets
 

Dies Sets erfüllen verschiedenste Aufgaben innerhalb von OpenType-Fonts. In der Regel werden sie für Alternativformen benutzt. So kann zum Beispiel eine Schrift standardmäßig ein zweistöckiges g enthalten, aber durch Auswahl eines Stil-Sets lassen sich alle diese Buchstaben durch ein dreistöckiges g austauschen. Im Falle der Stilsets ist es besonders störend, keine Anzeige der verfügbares Sets zu haben. Es kann zumindest helfen, sich die erweiterten Typografie-Funktionen direkt ins Menüband zu legen (siehe Abbildung). Dann kann man für den markierten Text zumindest eine direkte Vorschau für alle 20 Stilsets sehen.
Leider lassen sich die Sets auch nicht in Kombination zuweisen, wie dies zum Beispiel in InDesign möglich und sicherlich in vielen Fällen vom Anwender auch gewünscht ist. Hier muss Microsoft noch dringend nacharbeiten.  
Kontextvarianten verwenden
Diese Funktion ermöglich über das OpenType-Feature CALT den Austausch von Zeichen je nachdem, mit welchen Zeichen sie im jeweiligen Wort zusammentreffen. Gerade verbundene Schreibschriften können nur über diese Funktion sauber funktionieren.

Besonderheiten
Damit die oben genannten Funktionen im Dokument gespeichert werden können, muss das DOCX-Format benutzt werden. Anderenfalls werden die erweiterten typografischen Funktionen entfernt. Aber auch bei einem Austausch im DOCX-Format ist nicht gewährleistet, dass zum Beispiel die Darstellung zwischen Word 2010 und Word 2011 identisch ist. Zumindest fällt hier die Darstellung aber zumindest auf die reguläre Anzeige ohne diese Funktionen zurück und es kommt nicht zu fehlenden Zeichen. Darüber hinaus sind die erweiterten typografischen Funktionen von Apple-Systemschriften ebenfalls nicht mit Windows austauschbar.
Wenn bestimmte OpenType-Fonts gar keine OpenType-Funktionen anzeigen, kann das daran liegen, dass TrueType-basierte Fonts in Word nur OpenType-Funktionen zeigen, wenn sie digital signiert sind. Dies ist aber bei längst nicht allen Fonts der Fall.
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Schriftnutzer sehen sich nicht selten urplötzlich vor schwer erklärbare Probleme gestellt: Schriftzeichen erscheinen durcheinander in einem Dokument; das Schriftmenü spielt verrückt oder zeigt bestimmte Fonts nicht an; Dokumente lassen sich nicht Drucken oder dabei werden Schriften ungewollt ersetzt etc.
Viele dieser Probleme lassen sich lösen, wenn man immer mal wieder den Zwischenspeicher (»Font Cache«) löscht und dadurch neu aufbauen lässt. In diesen Dateien werden Informationen über die installierten Schriften zwischengespeichert, damit nicht bei jedem Zugriff oder Programmstart alle Fonts einzeln geladen und verarbeitet werden müssen. Die Font-Cache-Dateien können bedenkenlos gelöscht werden. Dies gestaltet sich jedoch nicht immer einfach, da sowohl die Betriebssysteme, als auch die einzelnen Anwendungsprogramme eigene Dateien anlegen. Dieser Artikel bietet dazu eine Übersicht.
Windows
Unter Windows befindet sich der Font Cache in der Regel an dieser Position: C:\Windows\System32\FNTCACHE.DAT
Diese Datei kann gelöscht werden und nach einem Neustart wird der Font Cache neu erstellt.
Adobe-Font-Caches (Creative Suite, Acrobat etc.)
Das System muss nach Dateien mit folgendem Schema durchsucht werden: adobefnt*.lst
Das Sternchen steht dabei für einen beliebigen numerischen Wert. Achtung: Die ähnlich lautenden Dateien AdobeFnt.db und FntNames.db dürfen keinesfalls gelöscht werden.
Mac OS X 
Unter Mac OS X ist der Font Cache auf verschiedene Dateien verteilt und befindet sich in den unterschiedlichen Versionen (10.4/10.5/10.6) auch an unterschiedlichen Positionen. Die einfachste Möglichkeit, den Font Cache von Mac OS X zu löschen, ist das Starten im abgesicherten Modus:
Rechner starten
Auf den Startton warten
Umschalt-Taste drücken
Taste loslassen, wenn das Apple-Logo erscheint
Rechner hochfahren lassen und danach erneut starten
Office für Mac
 Im Order \Users\User_name\Library\Preferences\Microsoft
eine der folgenden Dateien löschen:
Office Font Cache (10)
Office Font Cache (11)
Office 2008/Office Font Cache (12)
Office 2011/Office Font Cache
Mac Adobe-Font-Caches (Creative Suite, Acrobat etc.)
Wie bei Windows gilt auch hier: Das System muss nach Dateien mit folgendem Schema durchsucht werden: adobefnt*.lst
Das Sternchen steht dabei für einen beliebigen numerischen Wert. Achtung: Die ähnlich lautenden Dateien AdobeFnt.db und FntNames.db dürfen keinesfalls gelöscht werden.
Quark PDF Engine
Der Zwischenspeicher der PDF-Bibliothek von Quark kann sehr leicht extrem groß werden und damit Stabilitätsprobleme verursachen. Man sollte daher regelmäßig folgende Dateien löschen:
ab QuarkXPress 7.1: /Users//Library/Preferences/Quark/QuarkXPress */jaws/
bis QuarkXPress 7: /Applications//jaws/ttfont/
Apple iWork (Pages, Numbers, Keynote) 
Folgende Datei kann bei Problemen mit iWork-Anwendungen gelöscht werden:
~/Library/Caches/com.apple.iwork.fonts
Drittanbieter-Tools zum Löschen der Font-Caches
Professionelle Fontmanager wie Extensis Suitcase Fusion 3 oder FontExplorer X Pro bieten von Hause aus die Möglichkeit, verschiedene Font Caches zu löschen. In der Regel zählen dazu zumindest der System-Font-Cache, sowie die jeweiligen Zwischenspeicherdateien von Adobe-, Microsoft- und Quark-Anwendungen.

Darüber hinaus existieren einige Programme, die speziell auf diese Aufgabe zugeschnitten sind und sicherlich einen Blick wert sind, wenn man die Font-Caches verschiedener Anwendungen regelmäßig bereinigen möchte:
Font Finagler (Unser Tipp!) http://homepage.mac.com/mdouma46/fontfinagler/ (Shareware, 10 Dollar)
Smasher http://www.insidersoftware.com/SM.php (49,95 Dollar)
FontDoctor http://www.fontgear.net/fontdoctor.html (69,99 Dollar)
Onyx http://www.titanium.free.fr/download.php (kostenlos)
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Computer-Tastaturen sind direkte Nachfahren der Schreibmaschine. Diesem Umstand verdanken wir zum Beispiel, dass man nur Zollzeichen statt korrekter Anführungszeichen auf der Tastatur findet. Ein ähnliches Ärgernis ist die Feststelltaste (auch Caps Lock oder Shift Lock genannt). Brauchte man auf alten Schreibmaschinen noch reichlich Kraft um den Mechanismus zu betätigen, so ist die Betätigung der Taste auf einer Computertastatur fast immer ein Versehen - mit uNERWÜNSCHTEN fOLGEN.
Dabei lässt sich das versehentliche Aktivieren der Feststelltaste auf einfache Weise unterbinden, indem man deren Funktion einfach abschaltet. Und so gehts: 
Mac OS X
Öffnen Sie in der Systemsteuerung die Einstellungen für »Tastatur und Maus«. Über den Button »Sondertasten« (im Reiter »Tastatur«) kann die Funktion der Feststelltaste einfach auf »Keine Aktion« gestellt werden.
Windows
Windows-Benutzer müssen einen Eintrag in der Registry ändern. Doch keine Angst! Ein kleines Skript von dieser Webseite erledigt diese Aktion und macht sie bei Bedarf auch wieder rückgängig.
X Org
Die Caps-Lock-Taste dient nach dem Aufruf von
setxkbmap -option ctrl:nocaps
als zusätzliche Strg-Taste. Komfortabel lässt sich dieses zum Beispiel unter KDE im Kontrollzentrum/Tastaturlayout/Xkb-Optionen mit »Feststell-Taste als zusätzliche Strg-Taste verwenden« einstellen.
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Wie bekommt man das »Hütchen« auf das S von Škoda? Wie gibt man ® und © ein? Oder sogar so etwas wie ☼ ☂ ♫ ♥ ▉ ░ ▚ ?
Hier eine Übersicht der verschiedenen Eingabemöglichkeiten von Sonderzeichen.
Tastaturkürzel
Die westeuropäischen Standardbelegungungen Mac Roman (MacOS) und Windows 1252 (Windows) lassen sich fast vollständig direkt über die Tastatur eingeben.
Die Standardzeichensätze von PC und Mac unterscheiden sich. Am Mac wird man vergeblich nach einem einfach Tastaturkürzel für das Malzeichen (×) suchen, unter Windows dagegen gibt es zum Beispiel die fi- und fl-Ligaturen nicht. Mit Einführung des standardisierten Unicode-Zeichensatzes (siehe unten) wurde dieses Problem jedoch beseitigt.
MacOS

Am Mac geht das über Tastenkombinationen mit den so genannten »Modifier-Keys« namens Wahltaste (⌥) und Umschalttaste (⇧).
Zum Beispiel kann über Wahl + Umschalt + L die fi-Ligatur (fl) eingegeben werden. Um die verschiedenen Belegungen sehen zu können, kann man sich das Programm »Tastaturübersicht« für einen einfachen Zugriff ins Tastaturmenü in der Apple-Menüleiste legen. (Systemeinstellungen->Landeseinstellungen->Tastaturmenü) 
Windows
In Windows heißt das entsprechende Programm »Bildschirmtastatur« und findet sich unter Programme->Zubehör->Eingabehilfen. Allerdings benötigt man es kaum, da auf der PC-Tastatur ja selbst die Drittbelegungen (Alt Gr) direkt mit aufgedruckt sind. Um unter Windows Sonderzeichen eingeben zu können, die nicht direkt auf der Tastatur aufgedruckt sind – etwa Anführungszeichen (»«) – benutzt man die so genannten Alt-Kodes. Man drückt eine Alt-Taste, hält diese fest, und drückt auf dem Nummernblock der Tastatur einen vierstelligen Kode. Danach lässt man die Alt-Taste los und das Zeichen erscheint. Alt + 0 1 3 8 erzeugt zum Beispiel unser Skoda-Š Eine Übersicht der möglichen Kodes findet sich zum Beispiel hier: http://coloryourprofyle.com/phade/alt.html
Linux
Linux unterstützt die sog. »Compose-Taste« oder auch »Multi_key«, durch deren Druck der Computer die nächsten beiden Tastendrücke zu einem Sonderzeichen zusammensetzt. So wird etwa aus der Tastenkombination Compose + http://www.hermit.org/Linux/ComposeKeys.html.
Integrierte Tools des Betriebssystems
Wer keinerlei Tastaturkürzel lernen will, kann auf Hilfsprogramme zurückgreifen. Windows, MacOS und oft auch Linux bringen diese schon von Hause aus mit. All diese Tools lassen funktionell kaum Wünsche offen, um auf alle Sonderzeichen aller installierten Schriften zugreifen zu können. Man kann die Zeichen nach bestimmten Kriterien ordnen und durchsuchen.
MacOS

Unter MacOS sollte das entsprechende Programm namens »Zeichenpalette« am besten auch wieder im Tastaturmenü aktiviert werden. (Systemeinstellungen->Landeseinstellungen->Tastaturmenü) Es lässt sich allerdings auch über das Tastaturkommando Befehl (⌘) + Wahl (⌥) + T aufrufen.
Windows

Unter Windows heißt das Programm »Zeichentabelle« und findet sich unter Programme->Zubehör->Systemprogramme. Wer es häufig benötigt legt sich besser eine Verknüpfung in die Schnellstartleiste.
Linux

Ab GNOME 2.4 ist »gucharmap« in vielen Linux-Distributionen zu finden. KDE-Nutzer können auf das ähnliche »kcharselect« zurückgreifen.
Dritthersteller-Tools

Die Tools Zeichenpalette und Zeichentabelle haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie lassen sich keineswegs intuitiv und schnell benutzen. Wer häufig mit Sonderzeichen zu tun hat, sollte vielleicht besser auf Tools wie das beliebte PopChar zurückgreifen.
Das Programm ist für PC und Mac verfügbar und macht die Eingabe von Sonderzeichen buchstäblich zum Kinderspiel. PopChar ist von jedem Programm aus über ein kleines P-Symbol links oben im Menü (Mac) bzw. rechts unten (Windows) mit einem einzigen Klick erreichbar. Ein weiterer Klick auf das gewünschte Zeichen und schon wird es in die aktuelle Anwendung eingefügt und PopChar verschwindet wieder. Einfacher geht es kaum!
Alternativen

PopChar ist das ideale Tool für die Eingabe von Sonderzeichen mit der Maus. Aber für »Schnelltipper« kann selbst der Griff zur Maus unnötige Zeit kosten. Eine Alternative sind hier Textbaustein-Tools. Diese Programme sind eigentlich dazu gedacht, die Eingabe von häufig benutzten Phrasen zu vereinfachen. Aus der Eingabe von »MFG« wird dann zum Beispiel automatisch »Mit freundlichen Grüßen! Ihr Max Mustermann«.
Dieses System lässt sich allerdings auch wunderbar zur Eingabe von Sonderzeichen »missbrauchen«. Denn welche Ersetzungen vorgenommen werden sollen, kann frei gewählt werden. Man kann sich ein semantisch leicht verständliches System ganz nach eigenen Vorlieben anlegen. Zum Beispiel könnten zwei Ersetzungen so aussehen:
#copy wird zu ©
#trade wird zu ™
Das Rautezeichen wurde hier übrigens vorangestellt, damit keine versehentlichen Ersetzungen erfolgen, wenn wirklich »copy« geschrieben werden soll. Auf den ersten Blick scheint diese Variante recht aufwändig einzurichten zu sein und auch die Eingabe von mehreren Zeichen auf einmal scheint umständlich. Der große Vorteil ist allerdings, dass man mit dieser Variante das Tippen des Textes nicht unterbrechen muss und dass der semantische Aufbau eine große Zahl merkbarer Kürzel ermöglicht.
Textbaustein-Programme
MacOS
ab Version 10.6 in der Systemsteuerung verfügbar
TextExpander: http://www.smileonmymac.com/textexpander/
Typinator: http://www.ergonis.com/products/typinator/
RapidoWrite: http://www.app4mac.com/action_freewares.lasso

Windows
Texter: http://lifehacker.com/software/texter/lifehacker-code-texter...
ac'tiveAid: http://www.heise.de/ct/activaid/ (Scripting-Toolsammlung für Windows, erlaubt u.a. Definition neuer Shortcuts für Sonderzeichen sowie Text-Ersetzung nach Eingabe - speziell die beiden Module UserHotkeys und HotStrings)
Allchars http://allchars.zwolnet.com

Unicode-Eingabe
Wie oben schon gezeigt wurde, sind die normalen Tastaturkürzel nur auf die einfache westeuropäische Standardbelegung ausgelegt. Auf den riesigen Zeichenvorrat der üblichen Systemfonts (Arial/Lucida Sans Unicode/Lucida Grande etc.) kann man damit nicht zugreifen. Allerdings haben alle so genannten »Sinn tragenden Zeichen« einen festen Kode – den Unicode – zugeordnet. Wer diesen kennt, kann praktisch jedes Zeichen einer Schrift direkt ansprechen. Und so geht’s:
MacOS
Legen Sie sich die Tastaturbelegung »Unicode Hex Eingabe« in das Tastaturmenü. (Systemeinstellungen->Landeseinstellungen->Tastaturmenü)
Wählen Sie diese Tastaturbelegung mit der Maus im Tastaturmenü aus.
Nun können Sie jeden beliebigen (hexadezimalen) Unicode eingeben, indem Sie die Wahltaste drücken und den vierstelligen Kode eingeben. Wahl + 1E9E erzeugt zum Beispiel den neuen Eszett-Großbuchstaben (sofern eine entsprechende Schrift installiert ist, die über das Zeichen verfügt).
Windows
In Programmen wie Microsoft Word: Geben Sie den hexadezimalen Kode ein und drücken sofort Alt + x bzw. Alt + c. Vor dem Kode darf allerdings keine Zahl oder einer der Buchstaben a bis f stehen, da diese sonst als Teil des Unicode betrachtet werden.
Linux
Linux unterstützt mit GTK+ in nahezu allen Distributionen und systemweit die direkte hexadezimale Eingabe von Unicode-Zeichen.
Drücken Sie die Tastenkombination Strg + Umschalt + U. Am Textcursor erscheint ein unterstrichenes U.
Geben Sie den hexadezimalen Unicodewert ein und drücken Sie die Eingabetaste. Das entsprechende Unicodesymbol erscheint.
Das Tastaturlayout ändern
Eine elegante Möglichkeit zur Eingabe von Sonderzeichen ist die Änderung eines vorhandenen bzw. Neuerstellung eines individuellen Tastaturlayouts. Beliebige Zeichen können mit einem neuen Tastaturlayout bestimmten Tastenkombinationen zugewiesen werden. Durch die Einbindung des neu erstellten Tastaturlayouts in das System funktioniert dieses systemweit – also in allen Programmen, die die entsprechenden (Unicode-)Zeichen darstellen können. Neu erstellte Tastaturlayouts lassen sich auch besonders einfach an andere Mitarbeiter zur Einbindung in das System verteilen.
Windows
Für Windows stellt der »Microsoft Keyboard Layout Creator« (Englisch) das nötige Werkzeug dar. Das Tool hat einen bestechenden Funktionsumfang und überzeugt als kostenlose Ergänzung zum Betriebssystem. Der Screenshot (rechts) eines Beispiel-Tastaturlayouts zeigt, welche Zeichen mit diesem Layout unter Nutzung von »AltGr+…« eingefügt werden können. Das Programm erstellt auf Wunsch ein einfach zu handhabendes Setup-Paket (mit ausführbarer Setup-Datei). Die Einbindung des neuen/geänderten Tastaturlayouts in das System geschieht über die Systemsteuerung (Regions- und Sprachoptionen->Sprachen->Details…).
Ein anderes, zwar kostenpflichtiges, aber noch umfangreicheres Tool ist der »Keyman« (Englisch), der auch tiefergehende Funktionen zum Thema Texteingabe beherrscht.
Linux
Unter Linux fehlt bislang eine überzeugende Oberfläche für die Änderung des Tastaturlayouts. Die Änderung des Tastaturlayouts muss daher direkt in die Systemdateien eingearbeitet werden, die dann allerdings ebenso einfach verteilt werden können. Eine sehr schöne Beschreibung am Beispiel eines Altgermanischen Tastaturlayouts findet sich unter dieser Adresse (Englisch).
  • 25.879 Aufrufe
Zum Ende des Jahres 2007 wehte eine Welle des Protestes durch die Mac-Gemeinde. Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass die neueste Apple-Tastatur auf den Aufdruck des Apfel-Logos auf der »Apfel-Taste« verzichtet. Aus Sicht von Apple stellt dies einen logischen Schritt dar, denn eine sogenannte »Apfel-Taste« gab es auf den Tastaturen aus Cupertino schon lange nicht mehr. Die korrekte Bezeichnung dieser Taste ist »Command« im Englischen bzw. »Befehl« im Deutschen.
»Apfel-Taste« ist aber nur eine der vielen Bezeichnungen, die Mac-Anwender für diese Taste verwenden. Besonders das zweite aufgedruckte Zeichen (⌘) lädt zu ausgefallenen Deutungen ein. Manche Nutzer benennen die Taste folglich Propeller, Blumenkohl, Autobahnkreuz, Kleeblatt oder gar Teppichklopfer. Seinen Ursprung hat dieses Zeichen übrigens in einem schwedischen Symbol für Sehenswürdigkeiten.
Auch der »Wahl-Taste« (⌥) erging es nicht besser. Hier sahen manche Anwender doch tatsächlich eine Badewanne oder eine Bratpfanne abgebildet und benennen die Taste entsprechend.
Sonderzeichentasten am Mac
deutsch: Befehl (⌘)
englisch: command
umgangssprachlich: Apfel, Propeller, Blumenkohl, Autobahnkreuz, Kleeblatt, Teppichklopfer
deutsch: Wahl (⌥)
englisch: option
umgangssprachlich: Badewanne, Bratpfanne, Weiche, Alt
deutsch: Umschalt (⇧)
englisch: shift
umgangssprachlich: Shift, groß, hoch
deutsch: Feststelltaste (⇪)
englisch: caps lock
umgangssprachlich: Dauergroß, Dauerhoch
deutsch: Steuerungstaste (ctrl)
englisch: control
deutsch: Leertaste ( )
englisch: space
deutsch: Tabulator (⇥)
tab
deutsch: Rückschritt (←)
englisch: delete
deutsch: Entfernen (⌦)
englisch: delete
deutsch: Zeilenschalter (↩)
return
deutsch: Eingabe (⌅)
enter
deutsch: Anfang (↖)
home
deutsch: Ende (↘)
end
deutsch: Seite auf (⇞)
page up
deutsch: Seite ab (⇟)
page down
Sonderzeichentasten unter Windows
Auch Windows-PC-Benutzer haben sich originelle Bezeichnungen für die Steuertasten einfallen lassen. Besonders die Abkürzung STRG, die nichts weiter als »Steuerung« bedeutet, stellt nach wie vor viele vor ein Rätsel. »Das muss Englisch sein, oder?« String, Strong und Strange hört man deshalb häufig als Benennung dieser Taste. Aber auch eine deutsche Variante wurde gefunden: Störung! 

Auch die Alt-Gr-Taste bleibt ein Mysterium. Die meisten vermeiden es einfach, die Abkürzung überhaupt aufzulösen und sprechen daher »Alt Grrrr!«. Mit rollendem R besonders schön. Jene, die die Abkürzung auflösen kamen auf diese Schöpfungen: »Alt Grau«, »Alt Groß«, »Alternate German«, »Alternate Group« oder gar »Altgriechisch«. Tatsächlich steht Alt Gr für »Alternate Graphic«. Die Taste wurde von IBM eingeführt, um die ursprünglich nur auf das Englische ausgelegten Tastaturen auch in lokalisierten Sprachversionen anbieten zu können.
  • 17.777 Aufrufe
Nach dem Erfolg des ersten TypoJournals konnten wir mit der zweiten Ausgabe die Latte noch einmal deutlich höher legen. Der Umfang des Magazins hat sich nahezu verdoppelt und die Liste der Autoren, die ihre Artikel exklusiv für das TypoJournal geschrieben haben, kann sich mehr denn je sehen lassen.
Die zweite Ausgabe steht ganz unter dem Motto »Wayfinding & Lesbarkeit«. Wir hinterleuchten zunächst das Mysterium Lesbarkeit. Wie lesen wir wirklich? Was hat es mit den so genannten Wortbildern auf sich? Sind Antiqua-Schriften wirklich besser lesbar als Groteskschriften? Und warum werden Schriften für unterschiedliche Schriftgrößen geschaffen? Außerdem untersuchen wir die Lesbarkeit von Leitsystemen im Spannungsfeld von Funktionalität und Ästhetik. Wie müssen Schriften für Beschilderungen gestaltet sein und wir können sich Besuchern in Messehallen oder ganze Städte gut zurechtfinden? Diese und viele weitere spannende Themen erwarten sie im zweiten TypoJournal. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Die Artikel der Ausgabe
Das Zwiebelschichtenmodell der Lesbarkeit (Ralf Herrmann)
Lesen für Fortgeschrittene (Erwin K. Bauer)
Legible London — die lesbare Stadt
Guerilla-Dienst für die Verkehrssicherheit
Ein typografischer Spaziergang durch Berlin (Helmut Ness)
Optische Größen in der Schriftentwicklung (Tim Ahrens)
Die Schriftarten auf europäischen Verkehrsschildern
Die Entwicklung der Wayfinding Sans
Lesbarkeit im Rollendruck: Die Zeitungsschrift Malabar (Dan Reynolds)
Das Leit- und Orientierungssystem der Messe Stuttgart (büro uebele)
Mythos Wortbilder – Wie lesen wir wirklich?
Über die zweisprachige Straßenbeschilderung in Irland
Kunstprojekt »Zugzielanzeiger«
Stimmen zum Magazin
»Ein großer Kompliment an das Typografie.info-Team — die Ausgabe 2 des Typojournals ist hervorragend und es hat echt Spaß gemacht, sie zu lesen! Insbesondere finde ich die Qualität der Beiträge, Bilder, Layouts bemerkenswert. Ihr habt einen richtig guten Job gemacht — hut ab!« Vitaly Friedman, Editor-in-chief, Smashing Magazine
»Sehr gut und sehr fundiert. Eine größere wissenschaftliche Grundierung kann unserer Branche nur gut tun«. Prof. Johannes Bergerhausen, FH Mainz
»Das Heft ist angekommen, und ich habe aufmerksam darin gelesen. Die meisten Aufsätze berühren mich stark. Das Niveau ist beachtlich!« T. Poschenrieder, Tausendschön Verlag
»Ich warte nach dem »Verschlingen« des TypoJournals 2 schon sehnsüchtig auf die kommende Ausgabe.« B. Göck, Typolution.de
»So eine hochwertige Aufmachung und schöne Anmutung, Papierqualität, Fotos, Typo … alles perfekt. Ich gratuliere Ihnen zu dieser hervorragenden Publikation!« AnzeigenSpezialist.de




  • 4.107 Aufrufe
Im 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus spielt die Typografie zunächst noch eine untergeordnete Rolle, auch wenn man etwa im Kurs »Schriftformlehre« bereits mit geometrisch konstruierten Schriften experimentiert. Die Stellung der Typografie in der Bauhaus-Lehre ändert sich erst 1923 mit der Berufung von Laszlo Moholy-Nagy als Nachfolger von Johannes Itten. Im Zuge der Bauhaus-Ausstellung 1923 wird eine »Reklamewerkstatt« unter der Leitung von Wassily Kandisky eingerichtet und es beginnt eine intensive Auseinandersetzung mit der Typografie, die später auch ein wichtiger Teil des Unterrichtsprogramms wird.
Moholy-Nagy proklamiert die »Neue Typografie«:
Die Typografie ist ein Instrument der Mitteilung. Sie muß eine klare Mitteilung in der eindringlichsten Form sein. (Bauhausbuch 1923)
Zu fordern ist zum Beispiel eine Einheitsschrift, ohne Minuskeln und Majuskeln; nur Einheitsbuchstaben – nicht der Größe, sondern der Form nach. Natürlich könnte man hier auch ideelle Forderungen stellen, die weit über eine Modernisierung unserer heutigen Schriftform hinausgehen. Unsere Schrift fußt – abgesehen von den wenigen fonetisch ableitbaren Zeichen – auf uralten Übereinkommen. Die Entstehung dieser Zeichen ist heute kaum zu ermitteln. Sie sind sehr oft formal-stilistische (oder praktische) Abwandlungen überlieferter nicht mehr deutbarer Formen. So wird man von einer wirklichen Neuorganisation der (Druck-)Schrift erst sprechen können, wenn sie auf objektiv naturwissenschaftlicher Grundlage durchgeführt sein wird. Vielleicht auf Grund von optofonetischen Versuchen, Klangfigurenergebnissen, seismographisch-projektorisch oder ähnlich. Die Annahme von Grundformen, wie Kreis, Quadrat, Dreieck, führt heute bei der Schriftumgestaltung gewiß zu interessanten formalen, sogar notwendig praktischen Ergebnissen; von einer heute noch utopisch erscheinenden Warte aus sind sie jedoch nicht als die richtige Erfassung des Problems zu werten. (Offset, Heft7, 1926)
Dessau
In neuen Gebäude in Dessau wird von Anfang an eine Setzerei und Druckerei eingerichtet. Die Reklamewerkstatt und Druckerei wird seit 1925 von Herbert Bayer geführt. Den theoretischen Teil betreut Joost Schmidt. Rot und Schwarz dominieren die Entwürfe, als Satzschrift kommt vor allem die Scheltersche Grotesk zum Einsatz (später auch gelegentlich die Futura). Daneben entstehen Konzepte für Schriftentwürfe, die aber nicht als Satzschriften gefertigt werden. Herbert Bayer etwa, führt den Gedanken der Einheitsschrift fort, die er »Weltschrift« nennt.


Leider verwirrt heute eine erdrückende Menge sogenannter Charakter- und Künstlerschriften, welche alle von dem Prinzip aus, Individualität und Originalität zu erreichen, geschaffen sind. Sie wirken in ihrer ornamental schmückenden Art archaisch, spielerisch und in ihrer Erscheinung zu kompliziert; um den heutigen und zukünftigen Anforderungen zu entsprechen, müßte ein formal objektives Resultat gezeitigt werden. (Bayer, Offset 10/1926)
Bayer fordert, dass alle Buchstaben aus den Grundformen von Kreis und Quadrat basieren und eine durchgehend gleiche Strichstärke besitzen. Es gibt kein großes und kleines Alfabet. Es ist nicht nötig, für einen Laut ein großes und ein kleines Zeichen zu haben. Die gleichzeitige Verwendung zweier im Charakter vollständig verschiedener Alfabete ist unlogisch und unharmonisch. (...) Schriften nationalen Charakters, wie Fraktur, gotische, russische usw., sind in bezug auf Punkt 1 (Internationale Verständigung) unmöglich, weil beschränkt. (Bayer, Offset 10/1926) Zum Jahresende 1925 hatte sich das Bauhaus entschlossen, die Kleinschreibung einzuführen und nur noch Drucksachen nach den existierenden DIN-Normen zu benutzen. Auf den Briefköpfen stand jetzt gedruckt: wir schreiben alles klein, denn wir sparen damit zeit. außerdem: warum 2 alfabete, wenn eins dasselbe erreicht? warum großschreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?



 
Auch Josef Albers arbeitet an Schriftkonzepten auf Basis geometrischer Grundformen. In seinen Versuchen einer »Kombinationsschrift« entsteht aus den drei Grundformen Quadrat, Viertelkreis und Kreis ein komplettes Alphabet. die anzahl der typen wird um mehr als 97% reduziert: der setzkasten des druckers für antiqua-(latein-) schrift hat 114 typen, die kombinationsschrift nur 3. (...) die abnützung der typen erfolgt nun gleichmäßig. es gibt keine ungenützten oder selten gebrauchten typen mehr (wie p, x, y), kein ausgehen der häufig gebrauchten buchstaben (e, a, n). (Sonderdruck aus Bauhaus 1/1931)
Bauhaus-Schrift-Adaptionen
Die »Hausschrift« des Bauhauses, die Scheltersche Grotesk ist als FF Bau über FontShop erhältlich. Die Scheltersche Grotesk erschien erstmals um 1880 bei der Leipziger Schriftgießerei Schelter & Giesecke
Eine Adaption der Universalschrift von Herbert Bayer ist von P22 erhältlich, eine andere von The Foundry.
Die P22 Albers basiert auf der Kombinationsschrift von Josef Albers. Gleiches gilt für die Architype Albers von The Foundry
Die Architype Bayer basiert auf Herbert Bayers bayer-Type (ursprünglich bei der H. Berthold AG, Berlin erschienen)

Hinweis
Schriften, wie ITC Bauhaus, Blippo, Pump etc. haben bis auf geometrische Grundprinzip keine direkte Verbindung zum Bauhaus.


Quellen:
Gerd Fleischmann: Bauhaus. Drucksachen, Typografie, Reklame; Oktagon Verlag, Stuttgart
Hrsg. Michael Sibenbrodt, Bauhaus Weimar, Entwürfe für die Zukunft, Hatje Cantz Verlag
Magdalena Droste, Bauhaus 1919-1933, Taschen
 
 
  • 56.329 Aufrufe
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts setzte man Deutsch vornehmlich in gebrochenen Schriften. Dabei verbot es sich auf Grund der ornamentalen und ausladenden Großbuchstabenformen generell, einzelne Wörter oder Sätze ausschließlich in Großbuchstaben zu setzen. Und da es auch kein einziges Wort gibt, das mit einem Eszett beginnt, bestand schlicht kein Bedarf für einen Eszett-Großbuchstaben. Die heute üblichen lateinischen Buchstaben werden allerdings sehr wohl in Großbuchstaben gesetzt, und deshalb klafft im deutschen Alphabet schon seit vielen Jahrzehnten eine Lücke. Schauen wir uns dies einmal etwas genauer an.
Warum benötigt man heute ein Großbuchstaben-Eszett?
Schreibung von Eigennamen


Sprachen, deren Zeichen auf dem lateinischen Alphabet beruhen, besitzen ein Klein- und Großbuchstabenalphabet. Es ist dabei ein universelles Prinzip, dass man einen Text wahlweise in gemischter Schreibweise oder in Großbuchstaben setzen kann, ohne den Inhalt anzutasten. Dies funktioniert überall, nur in Deutschland und Österreich nicht. Man kann zwar einen Namen wie »Meißner« im Großbuchstabensatz in »MEISSNER« auflösen, aber der umgekehrte Weg bleibt verwehrt, denn es ist dann nicht mehr ersichtlich, ob es sich bei Herrn »MEISSNER« nun um Herrn »Meißner« oder Herrn »Meissner« handelt. Und dies ist kein konstruierter Einzelfall. Gut 2 Millionen Deutsche tragen ein Eszett im Familien- oder Ortsnamen und schlagen sich tagtäglich mit diesem Problem herum, etwa wenn sie ein Formular in Großbuchstaben ausfüllen sollen. Schließt man durch Schaffung eines Großbuchstaben-Eszetts die Lücke im deutschen Alphabet, löst sich das Problem der Eigennamenschreibung auf.
Rechtschreibreform
Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde die Anzahl der deutschen Wörter mit Eszett verkleinert. Für die verbliebenen Anwendungen wurde die Funktion des Eszetts allerdings sogar noch gefestigt. Die Unterscheidung von Eszett und Doppel-S gibt nun im Geschriebenen eindeutig Auskunft über die Länge des Vokals vor dem S-Laut.
Der Fluss: kurz gesprochener Vokal
Der Fuß: lang gesprochener Vokal
Dieses einfache Prinzip wird leider im Schriftsatz mit Großbuchstaben ad adsurdum geführt, wenn das Eszett in Doppel-S aufgelöst wird. Plötzlich muss der FUSSBALL anders ausgesprochen werden als der Fußball und aus den Maßen werden MASSEN. Ein Großbuchstaben-Eszett kann diese Ungereimtheiten beseitigen.
Zu den typischen Gegenargumenten
Man kann doch keine neue Buchstaben erfinden!
Schriftzeichen sind – genau wie Wörter und Orthographie – lediglich Werkzeuge, die sich den jeweiligen Bedingungen der Zeit anpassen müssen. Dies war schon immer so. Auch das lateinische Alphabet war nicht von Anfang an komplett, sondern bestand lediglich aus 21 Buchstaben. G, J, U, W, Y wurden im Nachhinein hinzugefügt, da ein Bedarf danach bestand. Auch die deutschen Umlaute und die unzähligen Akzentzeichen der europäischen Sprachen wurden später zum Alphabet hinzugefügt.
Wozu ein Großbuchstabeneszett? Es gibt doch kein einziges Wort, das mit Eszett beginnt!
Das ist richtig. Aber die GROSSSCHREIBUNG einzelner Wörter oder ganzen (Ab-)Sätze ist gängige Praxis – ob in Textdokumenten, Formularen, auf Schilder, in Anzeigen und so weiter. Hier fehlt der entsprechende Buchstabe und alle gängigen Notlösungen führen zu Problemen in den Aussprache-Regeln beziehungsweise bei der Wiedergabe von Eigennamen.
Warum nimmt man nicht einfach das Kleinbuchstaben-Eszett auch bei Großbuchstaben?
Das ist im Prinzip genauso falsch, wie so etwas wie »GROSSBUCHSTaBE« zu schreiben. Einzelne Kleinbuchstaben können nicht zwischen Großbuchstaben eingefügt werden. Zwischen der Entstehung der Klein- und der Großbuchstaben liegen gut 1000 Jahre. Die beiden Alphabete folgenden unterschiedlichen Gestaltungsprinzipien. Deshalb muss ein Großbuchstaben-Eszett auch als Großbuchstabe gestaltet werden.

Ein Großbuchstaben-Eszett ist Unsinn, denn das Eszett ist eine Kleinbuchstaben-Ligatur
Leider hält sich hartnäckig die Meinung, dass ein »Buchstabe« und eine »Ligatur« verschiedene Dinge sein müssen. Die Bezeichnung Ligatur bedeutig lediglich, dass irgend etwas verbunden (»legiert«) wurde. Es gibt in der Tat Ligaturen (etwa fi und fl), die rein typografische Zwecke im Satz mit Kleinbuchstaben verfolgen und die man deshalb auch nicht als Großbuchstabe braucht. Andere Ligaturen erfüllen als vollwertige Buchstaben des Alphabets einen sprachliche Funktion, etwa unser W, das eine Ligatur aus zwei Vs ist. Oder Buchstaben wie æ und œ, deren legierte Bestandteile noch gut zu erkennen sind. Ob das Eszett überhaupt aus einer Ligatur entstanden ist, bleibt weiterhin stark umstritten. Es spielt aber für die Überlegungen zum Versaleszett keine Rolle, denn das Eszett ist heute in jedem Falle ein vollwertiger Buchstabe des Alphabets in Deutschland und Österreich – völlig unabhängig davon, ob es aus einer Ligatur entstanden ist oder nicht.
Einen Eszett-Großbuchstaben kann es nicht geben, da es ja das im Eszett enthaltene Lang-s nicht als Großbuchstabe gibt.
Schriftzeichen sind reine Konventionen. Sie stehen als abstraktes Zeichen für die bezeichnete Sache. Man kann einen Buchstaben deshalb schon per Definition nicht als falsch oder richtig bezeichnen. Sonst könnte man auch argumentieren, dass der Buchstabe A falsch ist, weil ja der Stierkopf, auf dem er beruht, verkehrt herum abgebildet wird. Es zählt allein, welches Aussehen und welche Funktion wir den Zeichen heute(!) zuschreiben.
Es ist auch nichts Neues, dass sich Großbuchstaben aus Kleinbuchstaben entwickeln. Zu unseren deutschen Umlauten (eine Verschmelzung aus ae, oe und ue) wurden auch Großbuchstaben geschaffen. Wer argumentiert, dass man wegen des Lang-s im Eszett daraus keinen Großbuchstaben machen könnte, der müsste auch die Umlaute wegen ihrer formalen Bildung mit einem Kleinbuchstaben-E ablehnen.
In einer globalisierten Welt macht das Eszett einfach keinen Sinn mehr. Es sollte gänzlich abgeschafft werden.
Die Kinderkrankheiten der weltweiten digitalen Kommunikation sind längst überwunden. Die Zukunft spricht Unicode, den weltweiten Zeichensatzstandard, der jedem Sinn tragenden Zeichen der Welt einen eindeutigen Kode zuweist. Da das Großbuchstaben-Eszett bereits im Unicode enthalten ist, sind diesbezüglich keinerlei Probleme zu erwarten und es gibt generell keinen Grund mehr, irgend ein Zeichen der Welt abzuschaffen, damit es in der internationalen Kommunikation besser funktioniert.
Das Eszett gehört abgeschafft. In der Schweiz geht es doch auch ohne.
Sagen Sie das mal den 1,6 Millionen Deutschen, die ein Eszett im Familiennamen tragen!
Das Eszett erfüllt in der Schriftsprache in Deutschland und Österreich eine distinkte sprachliche Funktion. Es gibt daher keinen plausiblen Grund, dieses etablierte System zugunsten eines Systems abzuschaffen, das mit deutlich mehr Zweideutigkeiten leben muss. Dass diese Reduktion funktioniert, heißt noch lange nicht, dass sie die bessere Alternative sein muss. SONSTKOENNTEMANAVCHWIEINDERANTIKESCHREIBEN.
  • 29.046 Aufrufe
Nach 8 Jahren Typografie.info-Webseite möchten wir mit dem TypoJournal nun ein neues Kapitel aufschlagen. Ein größtenteils monothematisches Print-Magazin, das sich dem jeweiligen Thema ausführlicher widmet, als es auch unserer Webseite möglich wäre. Den Anfang macht die Ausgabe unter dem Thema »Fundsachen«.
Typografie.info-Mitglieder gewähren einen Einblick in ihre liebsten Typo-Fundstücke; wir stellen das Buchstabenmuseum Berlin vor, sowie Schriften, die auf Fundstücken basieren.

Die Themen der ersten Ausgabe:
Titelthema: Die schönsten Typo-Fundsachen
Das Buchstabenmuseum Berlin
Überkewl – Umlaute in Übersee
Schriftvorstellung: Helsinki von Ludwig Übele
Die Schriften der Motor City
und vieles andere mehr …

Umfang: 56 Seiten, durchgehend farbig
Format: A4

Stimmen zum Magazin
»wunderbar komponierte Doppelseiten«, »Lesefutter und Augenschmaus«, Deutscher Drucker, Nr. 25
»Ralf Herrmann ist gut vernetzt, mit typografie.info, so dass er für die Erstausgabe die besten Typografie-Autoren im Land verpflichten konnte.«, Jürgen Siebert im Fontblog
»Ein gelungenes Experiment, welches die Erwartungen voll erfüllt.«, Ivo Gabrowitsch (fontwerk.com)





 
 
  • 2.810 Aufrufe
Jan Tschicholds »leicht und ſchnell konſtruierbare Schrift« aus dem Jahr 1930 in einer Digitalisierung von Sebastian Nagel.
August 2007 im Forum von Typografie.info: FlorianG zeigt die Titelseite von Christopher Burkes Buches »Jan Tschichold and New Typography«, und stellt eine kleine Quizfrage: »Welche Schrift wird auf dem Umschlag verwendet?«. Die Frage bleibt unbeantwortet.
Norbert Riedi aus Graubünden lässt das keine Ruhe, und bietet eine Bündner Nusstorte als Kopfgeld. Es stellt sich heraus, dass es sich um Tschicholds Entwurf einer »leicht und schnell konstruierbaren Schrift« handelt. Schmorkohl zeigt ein Bildchen, FlorianG bestätigt. Nusstorten gehen raus, mit dem Wermutstropfen, dass es die Schrift nicht digital gibt.
Sebastian Nagel fragt: »Soll ich mal machen?« und macht dann, anhand der kleinen Vorlage und ein paar wenigen Informationen, mit viel Interpretation und möglichst wenig Phantasie. Dafür wird ihm von Norbert Riedi eine Nusstorte versprochen und nach einer ersten Testversion auch prompt gebacken und geliefert. Ein Genuss!
Zusätzlich motiviert, entstehen weitere Strichstärken und Erweiterungen des Zeichensatzes. Tschicholds Entwurf soll nicht verfälscht, aber in einigen Details (Satzzeichen) praxistauglicher gemacht werden. Zusätzlich gibt es einen »Authentizitätsmodus« für Puristen.
Ein Name wird gesucht. »Tschichold« ist zu groß für die Schrift. »Nagel« wäre vereinnahmend. Der Entwurf stammt aus Jan Tschicholds Phase der »neuen Typografie«; sein Kampfname zu dieser Zeit: Iwan.
Nun noch die Neugestaltung einbringen ... Der Bündner Tortenbäcker Norbert Riedi schlägt »Nagelneu« vor – übersetzt ins Rätoromanische: »Reschniev«. Das passt zu »Iwan« und zur Schrift. Der Name ist gefunden: »Iwan Reschniev«.


Die Iwan Reschniev ist als Druckschrift und Webfont über FDI Type und MyFonts zu beziehen.
  • 3.091 Aufrufe
Ein Logotype ist zentrales Element eines Corporate Designs und der Unternehmenskommunikation. Die Gestaltung von Logotypes stellt dabei spezielle Anforderungen an eine Schrift. In der Regel werden schon bestehende Schriften als Basis für eine Logotype-Entwicklung genutzt. Display-Schriften bieten sich hier an, sind aber oft eher Zeitgeistschriften, die schnell altmodisch aussehen können. Textschriften wiederum fehlt meist ein prägnantes Erscheinungsbild, da sie auf den Satz in kleinen Punktgrößen ausgelegt sind. Logotypia Pro stellt dem Designer nun erstmals ausdrucksstarke Typen zur Verfügung, die mit gekehltem Stamm und leicht geneigter Schattenachse einen kräftigen, lebendigen Schriftduktus besitzen und damit perfekt auf die Gestaltung von Logotypes, Marken und Headlines abgestimmt sind.



Die Logotypia Pro ist als Druckschrift (CD oder Download) und Webfont über FDI Type zu beziehen.
  • 2.836 Aufrufe
Vier Schriften von Sebastian Nagel — gefunden auf einer Karte Amerikas des spanischen Kartographen Diego Gutiérrez und des niederländischen Kupferstechers Hieronymus Cock.

»Als ich im Jahr 2004 durch Zufall die Landkarte Amerikas von 1562, erstellt vom spanischen Kartographen Diego Guiterrez und dem niederländischen Kupferstecher Hieronymus Cock für mich entdeckte, hatte ich erst kurz zuvor meine Diplomarbeit über Schriftgestaltung und Schriftanalyse abgeschlossen. Während dieser Zeit hatte ich mich in einigen Schriftentwürfen versucht, war aber als »Einsteiger« schnell an konzeptionellen und formalen Fragestellungen überfordert. Die Kupferstich-Landkarte mit ihren detaillierten geographischen Bezeichnungen bot mir Gelegenheit, die darauf zu sehende Schrift zu erforschen und mit ihr zu experimentieren. Da ihre grundlegenden Züge schon festgelegt waren, war ich (zumindest vorerst) von der konzeptionellen Last befreit und konnte unbedarft vorgehen und lernen.
Bei meinem ersten Versuch, eine funktionierende, vielseitig einsetzbare Schrift zu entwickeln, stellte sich schnell heraus, dass ein bloßes »Abpausen« einzelner Buchstaben kein befriedigendes Ergebnis bringen würde: Was auf einer manuell gefertigten Landkarte mit handwerklichem Geschick ein einheitliches Schriftbild ergab, funktionierte als digitale Schrift nicht. Ohne den grundlegenden Charakter der Schrift aufzugeben, überarbeitete ich die Buchstaben so, dass sie auch beliebig kombiniert funktionieren.
2010 hat Tierra Nueva einen weiten Weg hinter sich. Sie ist auf ihrer Forschungsfahrt auf 4 Familienmitglieder (Regular, Bold, Italic und Script) mit gesamt fast 3.700 Zeichen für verschiedene Sprachen und Anwendungen gewachsen.
Somit soll sie, über 6 Jahre nach Beginn meiner Expedition, vom Stapel gelassen werden. Land in Sicht.«
— Sebastian Nagel, 2010



Die Tierra Nueva ist als Druckschrift und Webfont über FDI Type zu beziehen.
  • 3.777 Aufrufe
Fünf Jahre arbeitet Georg Seifert an dieser umfassend ausgebauten Schriftfamilie. Mit ihren 7 Strichstärken und über 1000 Glyphen pro Schnitt eignet sich die Schriftfamilie für alle nur erdenklichen typografischen Aufgaben — ob im Werksatz oder als Displayfont.
Den eher neutral gehaltenen aufrechten Schnitten im zeitlosen Design humanistischer Groteskschriften wurde eine charakterstarke Kursive zur Seite gestellt. Das Schriftbild der Kursiven leitet sich noch deutlicher von der Schreibschrift ab, als es bei den meisten heutigen Groteskschriften der Fall ist. Das bewegte Schriftbild der Kursiven hebt sich dadurch hervorragend von den aufrechten Schnitten ab und und behält sich dabei eine ausgezeichnete Lesbarkeit. Für den Einsatz in Schaugrößen sind 6 zusätzliche Display-Schnitte verfügbar. Mit abgerundendeten Ecken und verringerter Lautweite sind diese Schnitte perfekt auf den Einsatz in Überschriften und Wortmarken ausgelegt.

Der Zeichenumfang beinhaltet neben den üblichen westeuropäischen Belegungen unter anderem auch griechisch, kyrillisch, CE (Central European) und türkisch. Ebenso umfangreich gestaltet sich der Ziffernausbau: Mediäval- und Versalziffern (jeweils proportional und für den Tabellensatz), Kapitälchenziffern, Bruchziffern, Ziffern für Hoch- und Tiefstellung sowie Kreisziffern sind verfügbar.

Beispielanwendung der Graublau Sans Pro beim österreichischen Video-Training-Spezialisten Video2Brain.

Die Graublau Sans Pro ist in verschiedenen vorgefertigten Paketen auf CD und als Download verfügbar. Zudem lassen sich alle Schnitte über MyFonts als Webfonts mit Einmalzahlung beziehen.
  • 3.059 Aufrufe
Wie jeder Fachbereich kennt auch die Typografie unzählige Begriffe, die man getrost als Fachchinesisch bezeichnen kann. Für den Typo-Profi gehören etwa Wendungen wie Hurenkind, Schusterjunge und Zwiebelfisch zum Standardrepertoire und deren Bedeutung kann man praktisch im Schlaf aufsagen.
Doch wie sieht es eigentlich mit den allgegenwärtigen und scheinbar einfachen Begriffen wie Font, Schriftart und Zeichensatz aus? Hier wird umgangsprachlich schnell zu viel über einen Kamm geschert und manchem sind die bestehenden Unterschiede zwischen den Wendungen kaum bekannt. Dieser Artikel bringt deshalb die Unterschiede noch einmal auf den Punkt.
Wie übersetzt man eigentlich Font?
Einen nicht unwesentlichen Anteil am derzeitigen Begriffswirrwarr tragen die Hersteller der Betriebssysteme. Sowohl Apple als auch Microsoft sahen sich genötigt, Font ins Deutsche zu übersetzen. In der Systemsteuerung von Windows finden sich daher die Schriftarten und die Nutzer des Mac OS befüllten über Jahre den Ordner Zeichensätze. Sind also Schriftart und Zeichensatz Übersetzungen für Font? Um es vorweg zu nehmen: Nein! Aber der Reihe nach:
Schrift und Schriftart
Schrift (lat. scriptura, scriptum: »Geschriebenes«; Englisch writing) ist die Form des graphischen Ausdrucks von Sprache (Metzler Lexikon Sprache).
Eine Schriftart ist eine zusammengehörige Menge von Schriftzeichen, mit gemeinsamer Struktur und Gestaltbasis. Schriftart bezeichnet also das konkrete visuelle Abbild einer Schrift, beziehungsweise eines Schriftentwurfes, so wie er auf einem Beschreibstoff abgebildet ist. Das englische Wort für Schriftart ist demzufolge auch nicht font, sondern typeface (des Buchstabens Abbild).
Zeichensatz und Zeichenkodierung
Das Wort Zeichensatz (Englisch: character set) scheint so einfach, dass man verleitet ist, es einfach wörtlich zu nehmen. Doch Vorsicht! Es ist in Wahrheit nicht einfach ein beliebiger Satz von Zeichen, sondern eine abstrakte Sammlung grafischer Zeichen, die zu einem bestimmten System geordnet werden. Im Gegensatz zur Schriftart werden in einem Zeichensatz allerdings keine konkreten Abbilder (»Glyphen«) von Zeichen gesammelt, sondern lediglich dessen allgemeine Bedeutungsrepräsentation – etwa der Buchstabe A. Ein Zeichensatz kann also zum Beispiel aus den Buchstaben des deutschen Alphabets bestehen oder den Buchstaben des internationalen phonetischen Alphabets. Der derzeit umfassendste Zeichensatz ist der Unicode, in dem langfristig alle Zeichen aller bekannten Schriftkulturen gesammelt werden sollen.
Computer arbeiten intern bekanntlich lediglich mit Zahlen. Um einem Computer einen Zeichensatz beibringen zu können, benötigt dieser deshalb für jedes Zeichen einen eigenen Kode. Die Zuweisung von Zeichen zu Kode erfolgt in den so genannten Zeichenkodierungen (Englisch: character encodings). Ein Betriebssystem und die unterschiedlichen Programme können in der Regel gleichzeitig mit einer Vielzahl von Zeichenkodierungen umgehen und die als Zahlenkolonnen gespeicherten Texte jederzeit wieder in die korrekten Zeichen zurückwandeln. (Wenn das nicht gelingt, gibts den bekannten »Sonderzeichen-Salat« …)
Font
Und was ist nun also ein Font? Das Wort Font ist schon wesentlich älter als die Computertechnik. Es leitet sich wahrscheinlich vom französischen fonte (der Guss) ab. Im Bleisatz wurde so ein zusammengehöriger Satz Bleilettern einer Schriftgröße bezeichnet, wie er üblicherweise in einem Setzkasten abgelegt war. Im Englischen wurde das Wort als fount bzw. font weiterbenutzt. Im Gegensatz zur Schriftart bezeichnet Font also nicht das Abbild einer Schrift, sondern das Material, mit dem die Schriftart gedruckt werden konnte. Seit dem Einsatz der Rechentechnik werden Schriften nicht mehr in Blei, sondern in eine Datei »gegossen«. Dennoch ist diese Datei aber nach wie vor der Träger des Schriftbildes, nur dass er nun digital ist. Die Bezeichnung Font lag also nahe. Eine sinnvolle Übersetzung für Font wäre demnach etwa »digitaler Schriftträger«, oder kurz »digitale Schrift«.
Zusammengefasst
Eine Schriftart ist eine Sammlung von grafischen Zeichen mit zusammengehörigem Formprinzip. Die Umsetzung dieser Schriftart in eine druckbare Form, wie sie von Schriftanbietern lizenziert und vom Anwender eingesetzt wird, nennt man Font. (Linotype verkauft Fonts der Optima, die die von Hermann Zapf entwickelte Schriftart am Rechner nutzbar machen.) Ein Zeichensatz ist eine allgemeine Zusammenstellung von Zeichen nach einem bestimmten Ordnungsprinzip. Die Verwendung eines Zeichensatzes am Computer erfolgt über eine Zeichenkodierung. Beispiel: Um einen Text im Unicode zu kodieren, steht neben anderen etwa die Zeichenkodierung UTF-8 zur Verfügung.
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