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<p>Graublau Slab – Die Erweiterung zum Bestseller Graublau Sans</p>
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Überkewl, Umlaute in Übersee

Ralf Herrmann

Dem Europäer sind zwei Pünktchen über einem Vokal in der Regel wohl vertraut. Franzosen, Griechen und Niederländer kennen die Pünktchen als Diärese. Das klingt nach einer schlimmen Krankheit, bedeutet aber nur, dass aufeinanderfolgende Vokale getrennt ausgesprochen werden müssen, etwa in »Citroën«. Für jene, die die deutsche Sprache benutzen, kennzeichnen die Pünktchen eine Vokalveränderung und bilden heute jeweils einen eigenen Buchstaben, eine Art Wurmfortsatz des »normalen« Alphabets. Wieviele Buchstaben hat das Alphabet? 26! Moment, äh, plus ein paar Zerquetschte: ä, ö, ü und das leidgeplagte Eszett. Wer einen Umlaut im Namen trägt, hat selten Freude daran. Wieviele E-Mails die Jörgs und Dörtes nie erreichen werden, weil die Umlaute vorher nicht korrekt in ihre historischen Bestandteile aufgelöst wurden, mag man kaum erahnen. Denn die heute verwendeten Pünktchen basieren auf nichts anderem als einem »e« dass in gebrochenen Schriften vermehrt über statt hinter den Vokal geschrieben wurde. In der Kurrentschrift glich das »e« eher zwei schrägen Strichen, die sich immer weiter vereinfachten und heute mit dem aus Punkten bestehenden Zeichen der Diärese (Trema genannt) vereinheitlicht sind.


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Dass Umlaute im Gegensatz zu allen englischen Zeichen bis heute am Computer Ärger machen, liegt am berühmt-berüchtigten ASCII-Zeichensatz. Der American Standard Code for Information Interchange wurde in der uns heute bekannten Form 1967 veröffentlicht und eignete sich prima, Texte in englischer Sprache unabhängig von der verwendeten Hard- und Software zu kodieren. Die Europäer mit ihren unzähligen Häkchen, Strichen, Pünktchen und Hütchen auf und unter den Buchstaben blieben zunächst außen vor.
Es steht wohl in keinem direkten Zusammenhang, aber zwei Jahre nach der Veröffentlichung des ASCII-Standards veröffentlichte die deutsche Rockband »Amon Düül II« ihr erstes Album. Die »Krautrocker« verwendeten die Umlaute in ihrem Namen nicht ohne Grund, denn Düül ist die korrekte Schreibweise einer türkischen Sagenfigur. Doch plötzlich waren mit den «Heavy Metal Umlauts« (auch «Röck Döts« genannt) ein Trend geboren, der die Pünktchen völlig von ihrer sprachlichen Funktion befreite. Blue Öyster Cult und Motörhead nannten sich später Bands, die mit den Pünktchen nicht die Aussprache, sondern die Aussage ändern wollten. »I only put it in there to look mean«, soll der Grafiker des ersten Motörhead-Albums gesagt haben. Auch die Band Mötley Crüe hatte eigentlich lediglich eine Dekoration im Sinn, musste bei ihren Konzerten in Deutschland aber erfahren, dass ihre Pünktchen natürlich ernst genommen wurden, wenn die Menge »Möttleh Krü-e« brüllte.
Metallica haben sich die Haare abgeschnitten und der Heavy Metal ist tot. Doch die dekorativen Umlaute sind im Englischen präsenter denn je. Ein Streifzug durch einen Supermarkt oder die Straßen einer nordamerikanischen Stadt fördert Erstaunliches zu Tage (siehe nachfolgende Bilderserie). Die Pünktchen sollen nicht mehr »böse« sein, sondern eher exotisch oder – in vielen Fällen – ein Verweis aufs Deutsche.

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Eine Müslix-Packung mit Umlaut verwundert den Deutschen auch im Englisch-sprachigen Ausland noch nicht allzu sehr. Man sollte nur vermeiden, an der Kasse über die Aussprache der Frühstückscerialien zu diskutieren.

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Dieses kanadische Unternehmen suchte für sein Leckereien-Geschäft einen coolen Kunstnamen. Während Yogen so etwas wie Joghurt implizieren sollte, hat man in Fruz nach eigenen Angaben frozen, fruit und fresh vereint. Eine Extraportion Pünktchen kann natürlich nie schaden.


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Dieses europäische Restaurant in Toronto lädt zum Festivül. Die Umlaute als klarer Bezug zur deutschen Braukunst sind bewusst eingesetzt.


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Schwarzkopf hat Emigres guten alten Trendfont Template Gothic wieder ausgegraben. Um dem Ganzen noch eine buchstäbliche Krone aufzusetzen, wird der deutsche Haarkleber in den USA als göt2be angeboten.

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Dieses Unternehmen hat den Umlaut zum essenziellen Bestandteil der Corporate Communication gemacht. Der Firmenslogan lautet »Life from a different point of vü«, und auch sonst ist jedes Vorkommen von view durch ersetzt.

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Für deutsche Unternehmen bietet sich das Spiel mit der deutschen Sprache natürlich besonders an. Volkswagen warb in Kanada mit dem Slogan Fast as schnell und Mercedes-Benz bedient sich Kunstwörter wie Überkewl und Überblast: »The B-Class is the ultimate in überkewl«.

<p>Canapé – die gemütliche Schriftfamilie von Sebastian Nagel</p>
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