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  1. 21 Punkte
    Die Publikation Signa Nr. 9 – Das große Eszett – ist leider seit längerer Zeit vergriffen und die Voraussetzungen für eine gedruckte Neuauflage sind derzeit nicht gegeben. Doch durch die jüngste Entwicklung hat das Interesse an diesem Thema wieder zugenommen. Der Verlag Edition Wæchterpappel hat die Situation mit den Autoren dieser Ausgabe beraten und wir sind übereinstimmend zu der Schlußfolgerung gekommen, die Ausgabe Signa Nr. 9 nach nunmehr 11 Jahren auf elektronischem Wege frei zugänglich zu machen. Es wird damit die Hoffnung verbunden, die dargestellten Forschungsergebnisse und Diskussionsbeiträge mögen somit die Verbreitung finden, die dem Thema angemessen ist. Die vollständige Ausgabe ist nun als Pdf unter CC-Lizenz veröffentlicht und kann hier bezogen werden: https://www.pdf-archive.com/2017/07/13/signa-9-ausgabe-2017-cc/signa-9-ausgabe-2017-cc.pdf
  2. 17 Punkte
    Im Artikel Das Märchen von den deutschen Schriften haben wir uns bereits mit einigen Mythen der gebrochenen Schriften beschäftigt – etwa, inwieweit eine heutige Bezeichnung als »deutsche Schriften« noch sinnvoll ist und warum das lange s viel weniger mit den gebrochenen Schriften zu tun hat, als gemeinhin behauptet wird. Nun geht es mit einem weiteren typischen Argument weiter, das hier zunächst in zwei aktuellen Zitaten vorgestellt wird: »Wir Deutschen sollen mit der Antiqua die angeblich allgemein europäische Schrift verwenden, wobei böswillig übersehen wird, daß noch ganz andere Schriften in Europa heimisch sind: Russen, Bulgaren, Griechen, Iren denken mit gutem Recht gar nicht daran, ihre eigenen Schriften aufzugeben; […]« Bund für Deutsche Schrift und Sprache (BfdS) »Es fragt sich, warum das kleine Griechenland seine Schrift beibehalten hat, die deutschsprachigen Staaten aber nicht […].« Wolfgang Hendlmeier, München Der Grundtenor der obigen Zitate in ihrem Originalkontext ist: die gebrochene Druck- und Schreibschrift ist die eigentliche deutsche »Volksschrift«, so wie die griechische Schrift die Volksschrift der Griechen ist oder das Kyrillische die Volksschrift der Russen. Und während es scheinbar normal ist, dass Völker über Jahrhunderte an ihren Schriften festhalten, tanzen nur die deutschsprachigen Länder – andere werden schließlich nicht genannt – aus der Reihe und geben ihre Volksschrift ohne Not auf. »Rückschritt und kulturelle Verarmung« sind laut des Bundes für deutsche Schrift und Sprache die Folge. Was ist von dieser Argumentation zu halten, die sich zahlreich unter den Verfechtern der gebrochenen Schriften findet? Wie hält sie einer faktischen Überprüfung stand? Schauen wir uns dies einmal genauer an. 1. Stimmen die Fakten? Denken die besagten Völker tatsächlich nicht daran, ihre Schrift aufzugeben? Antwort: Nur bedingt. Beispiel: Irland. Die erwähnte irische Schrift kam im Verlauf des 20. Jahrhunderts genau wie hierzulande die gebrochenen Schriften außer Gebrauch und ist nicht mehr die verkehrsübliche Schriftform. Heute wird die irische Schrift vor allem für bewusst traditionelle Einzelanwendungen in Schaugrößen angewendet, etwa bei der Beschriftung von Bars und Restaurants. Der BfdS irrt sich also in seiner Argumentation. Die irische Schrift ist ganz im Gegenteil zur Behauptung sogar ein Beispiel dafür, dass die Ablösung regionaltypischer Schriftvarianten kein Einzelfall ist und sich auch nicht immer einem Diktator in die Schuhe schieben lässt. Keine Spur von traditioneller irischer Schrift in den irischen Printmedien Beispiel Russland: Auch dem russischen Volk wurde ihre Schrift freilich nicht in die Wiege legt. Die Entstehung der kyrillischen Schrift wird Ende des 9. bzw. Anfang des 10. Jahrhundert angesiedelt. Das Schriftsystem ist damit sogar eines der jüngsten überhaupt! Und man nimmt an, dass es seinen Ursprung am Hofe des bulgarischen Zaren hat – also fernab vom »russischen Volk«. Vorher war für slawische Sprachen zum Beispiel die glagolitische Schrift im Einsatz. Das Kyrillische leitet seine Buchstaben aus dem Griechischen ab und fügt für die fehlenden Laute glagolitische Zeichenvarianten ein. Um 1700 wurde das kyrillische Schriftsystem in Russland unter Peter dem Großen noch einmal reformiert und dabei im Zeichenumfang verkleinert und visuell an die lateinische Schrift angepasst. Ein gutes Beispiel für eine unveränderliche Schrift eines Volkes, zeichnet diese Historie sicher nicht. Der Weg zum modernen russischen Alphabet: Runde Glagoliza (links), historisches Kyrillisch, auch Kirchenslawisch genannt (mitte) und heutiges russisches Alphabet (rechts) 2. Ist die Auswahl der genannten Völker repräsentativ? Antwort: Nein. Es ist natürlich leicht, sich aus der Fülle der Systeme und Stile jene herauszupicken, die den eigenen Wünschen entsprechen, und die anderen einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Warum berichtet man nicht objektiv und erwähnt etwa die Aufgabe der arabischen Schrift und die Einführung des »Einheitliche türkischen Alphabets« ab den 1920er-Jahren in der Türkei und bei anderen Turkvölkern? Warum werden die Bulgaren ausdrücklich als Beispiel angeführt, die benachbarten Rumänen aber ausgelassen, die 1865 ihre bislang volkstümliche Schrift (Kyrillisch) zugunsten der lateinischen Schrift abschafften? Selbst in jüngster Vergangenheit werden Schriftsysteme gewechselt, etwa in den Ländern Zentralasien, die seit ihrer Loslösung von der Sowjetunion seit den 1990er-Jahren sukzessive auf lateinische Schrift umstellen. Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen. Überall auf der Welt wandelten sich Schriftstile und Schriftsysteme permanent und lösten einander ab. Atatürk wirbt erfolgreich dafür, dass ein ganzes Volk sein Schriftsystem aufgibt und auf lateinische Schrift umstellt (Abildung von 1928) 3. Können Griechisch, Kyrillisch etc. mit den gebrochenen, so genannten »deutschen Schriften« überhaupt auf eine Stufe gestellt werden? Antwort: nein. Denn zwischen beiden Gruppen besteht ein fundamentaler Unterschied, den man beim BfdS unterschlägt: Griechisch, Kyrillisch, Arabisch etc. sind Schriftsysteme. Gebrochene Schriften sind jedoch kein Schriftsystem, sondern ein Schriftstil im lateinischen Schriftsystem. Im Stammbaum des lateinischen Schriftsystems stehen gebrochene Schriften als Entwicklungsast gleichberechtigt neben römischen Majuskelschriften, Unzialschriften, Karolingischer Minuskel etc. Diese Stile sind grafische Varianten des gleichen zugrunde liegenden Systems. Und daher sind alle diese Stile in allen Sprachen, die mit lateinischen Buchstaben verschriftlicht werden, benutzbar und austauschbar – und dies ist der Unterschied zu Schriftsystemen. Ein deutsches Wort kann mit jedem beliebigen Schriftstil des lateinischen Schriftsystems wiedergegeben werden. Sei es nach aktuellen Regeln oder als historisierende Darstellung in Anlehnung an zeitspezifische Zeichensätze, Glyphenvarianten, Typografie und Orthografie. Doch man kann ein deutsches Wort nicht in griechischen oder kyrillischen Buchstaben darstellen, denn die deutsche Sprache ist seit hunderten Jahren fest mit dem lateinischen Schriftsystem verbunden. »Das Schriftsystem einer Sprache ist Teil ihres grammatikalischen Systems und weder nur ein zusätzliches Ausdruckssystem noch nur eine zusätzliche Systemkomponente« (Metzler Lexikon Sprache). Und ob es den Freunden der gebrochenen Schriften gefällt oder nicht: das Schriftsystem der deutschen Sprache ist das lateinische Schriftsystem. Und es ist auch eindeutig das typische Schriftsystem Europas. Von den 28 Ländern der europäischen Union ist lediglich in 2 Staaten (Bulgarien und Griechenland) ein anderes Schriftsystem das dominierende. Verbreitung des lateinischen Schriftsystems Die Unterscheidung zwischen Schriftsystem und -stil findet sich übrigens auch direkt im Zeichensatz Unicode wieder. Hier finden wir griechische, kyrillische und arabische Schrift, nicht jedoch irische Schriften oder so genannte »deutsche Schriften«. Manche Verfechter gebrochener Schriften mutmaßen hier sogar eine »bewusste Unterlassung«. Doch dies ist nicht der Fall. Gebrochene Schriften und deren traditionelle Satzweisen finden sich nicht im Unicode, da sie nur Glyphenvarianten und satztechnische Konventionen (z.B. bei der Anwendung von typografischen Ligaturen) darstellen. Die Buchstaben einer gebrochenen Schrift bilden jedoch keine eigenständigen sinntragenden Zeichen. Es gibt einen lateinischen Großbuchstaben A. Ob dessen grafische Repräsentation heute über eine Unzialschrift, eine Schwabacher oder eine klassizistische Antiqua erfolgt, ist im Sinne der Sprache und ihrer Kodierung völlig unerheblich. Der Unterschied ist rein visueller und damit lediglich »stilistischer« Natur. Der Versuch, gebrochene Schriften zur einzig deutschen Schrift erklären zu wollen, muss deshalb scheitern. Weder ist das verwendete Schriftsystem etwas speziell Deutsches – das lateinische Schriftsystem ist schließlich das am weitesten verbreitete Schriftsystem der Welt. Noch ist der generelle Schriftstil der gebrochenen Schriften eine deutsche Erfindung, denn er entwickelte sich schließlich in Nordfrankreich. Fraktur und Schwabacher sind stilistische Weiterentwicklungen, die im deutschsprachigen Raum anzusiedeln sind, aber sie kamen wie die gotischen Schriften in weiten Teilen des Nutzungsgebietes der lateinischen Schrift zum Einsatz. Auch das Einsatzgebiet der gebrochenen Schrift macht sie also kaum zu einer rein deutschen Angelegenheit. Gebrochene Schriften (einschließlich ſ/s-Unterschiedung etc.) sind Teil der lateinischen Schriftkultur und prinzipiell damals wie heute für alle Sprachen einsetzbar, die mit lateinischen Buchstaben verschriftlicht werden. Hier ein wahlloses niederländisches Beispiel. (Quelle: Boekwetenschap en Handschriftenkunde Amsterdam) Man könnte gleichsam englische, französische, dänische Texte etc. präsentieren. In diesen und vielen weiteren Sprachen waren die einzelnen Stile der gebrochenen Schriften im Einsatz. Es bleibt für die gebrochenen Schriften nur festzustellen, dass sie als Schriftstil im lateinischen Schriftsystem (in einer Phase der Zweischriftigkeit neben der Antiqua) im deutschsprachigen Raum einige Jahrhunderte üblich waren. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Schriftstile kommen und gehen. Denn der Schriftstil ist nur die »Kleidung der Texte«. Und der Reichtum der lateinischen Schriftkultur entsteht gerade daraus, dass wir im gesamten Nutzungsgebiet des lateinischen Schriftsystems sämtliche, in 2000 Jahren entstandene Schriftstile prinzipiell bis heute nutzen können, egal welcher Stil gerade am häufigsten angewendet wird. Die Ablösung eines Schriftstils ist kein zu beklagender Kulturverlust, sondern macht Raum für neue Entwicklungen. Dieser fortwährende und unaufhaltbare Wandel ist kein Gegner der Schriftkultur, sondern ein Mittel zu ihrer Entfaltung. Und will man die Ablösung der gebrochenen Schriften durch die Antiqua beklagen, müsste man schließlich genauso die Etablierung der gebrochenen Schriften beklagen, die gleichsam zuvor bestehende Schriftstile verdrängte. Denn warum soll im beständigen Wandel der Schriftstile nur einer der »wahre deutsche Schriftstil« sein. Warum dieser und nicht irgendein anderer, der diesem vorausging oder historisch folgte? Wenn ganze Schriftsysteme verschwinden, kann dies übrigens tatsächlich ein schwerer kultureller Verlust sein. Ein Beispiel ist die Maya-Schrift, die im Zuge der Christianisierung nicht nur verdrängt, sondern sogar samt nahezu aller in ihr geschriebenen Dokumente absichtlich ausgelöscht wurde, sodass die Schrift lange Zeit vollständig unlesbar war. Erst die unermüdliche Arbeit von Wissenschaftlern verschiedenster Nationen konnte anhand der verbliebenen Steininschriften und einer Handvoll geretteter Dokumente das Schriftsystem in einer über 150 Jahre dauernden Detektivarbeit wieder entschlüsseln und somit auch den Nachfahrern der Maya zurückgeben. Dresdner Codex – einer von den nur drei erhaltenen Maya-Codices Auch die Verfechter der gebrochenen Schriften kreieren gern ein ähnliches Schreckensbild für Texte in gebrochener Schrift, die vermeintlich unlesbar werden und dann für alle Zeit »verloren« sind, wenn man sie nicht pflegt und am liebsten sogar zurück in die Schulausbildung bringt. Doch Schriftstil und Schriftsystem können wie gesagt nicht auf eine Stufe gestellt werden. Den gebrochenen Schriften droht nicht das Schicksal der Maya-Schrift. Die gebrochenen Schriften sind kein eigenständiges Schriftsystem, das unlesbar wird, wenn man es nicht mehr täglich benutzt. Gebrochene Schriften sind einer von vielen Schriftstilen innerhalb des lateinischen Schriftsystems und als solcher werden sie immer lesbar bleiben, solange das lateinische Schriftsystem angewendet wird. Und gebrochene Schriften können dementsprechend auch heute noch in begrenztem Rahmen angewendet werden. Als Verkehrsschrift haben sie weltweit ausgedient. Ihr in Epochen wie Gotik und Barock entstandener Duktus hat sich stilistisch überlebt. Wir kleiden uns nicht mehr wie in Gotik oder Barock, wir bauen nicht mehr im Stile dieser Zeit und wir sprechen auch nicht mehr so wie damals. Kulturpflege heißt nicht Stillstand. Die gebrochenen Schriften haben sich in die deutsche und europäische Geschichte eingereiht – sie sind nun ein durchaus ehrenwerter Teil der historischen Stile des lateinischen Schriftsystems und können somit für bewusst tradionelle oder gar bewusst provokant-moderne Anwendungen eingesetzt werden – genau wie noch ältere Stile wie etwa die Unziale. Fazit: Die deutschsprachigen Staaten haben »ihre Schrift« also nicht – zum Beispiel im Gegensatz zu Griechenland – aufgegeben. Die deutschsprachigen Staaten hatten in den vergangenen Jahrhunderten schlicht keine dem griechischen Alphabet vergleichbare, eigenständige Schrift. Sie nutzten lediglich etwas länger als ihre europäischen Nachbarn einen Schriftstil des lateinischen Schriftsystems, der sich historisch überlebt hat und den im 21. Jahrhundert die große Mehrheit der Bevölkerung auch nicht mehr als Verkehrsschrift oder Zweitschrift zurückhaben möchte. Die eingangs genannten Zitate verdrehen diese Realität, indem sie den vieldeutigen Begriff »Schrift« verwenden und damit den fundamentalen Unterschied zwischen Schriftsystem und Schriftstil unterschlagen. Die genannten »Völker« sind zudem einseitig gewählt und man versucht damit auszublenden, dass sich Schriftstile und -systeme zu allen Zeiten wandelten und sich ablösten. Außerdem will man den genannten Stilen und Systemen einen immanenten Nationalcharakter zusprechen. Auch dies muss scheitern. Es funktioniert in der Tat beim griechischen Schriftsystem, aber die weiter verbreiteten Systeme (z.B. Lateinisch, Kyrillisch, Arabisch etc.) werden in so vielen Ländern eingesetzt, dass sie keinem einzelnen Volk oder Land zuzuschreiben sind. Und dies gilt ebenso für die einzelnen Schriftstile dieser Schriftsysteme, die innerhalb des Einsatzgebietes des ganzen Schriftsystems nutzbar sind. Wenn Goethes Mutter ihren Sohn bat, in der Schrift doch »deutsch« zu bleiben, spiegelt sich darin die Lesegewohnheit der Zeit wider. Gebrochene Schrift galt damals vielen als die »deutsche Schrift«, weil es schlicht der gewöhnliche, volkstümliche Schriftstil war, indem die Mehrheit deutscher Texte erschien. Heute, im 21. Jahrhundert, sind wir in der gleichen Situation – diesmal aber in Bezug auf die Antiqua. Welcher soll heute der deutsche Schriftstil sein, wenn nicht jener, in der jeder deutschsprachig aufwachsende Schüler schreiben lernt und in dem über 99 Prozent aller aktuellen deutschen Texte erscheinen? Wenn praktisch jede deutsche Zeitung, jedes deutsche Buch, jede deutsche Website in Antiqua gesetzt ist – dann ist dies hierzulande die gewöhnliche, volkstümliche, also deutsche Schrift.
  3. 12 Punkte
    Im Korrektorat des Mannheimer Dudenverlages (bis 2013) wurde mindestens seit 2002 der Zusatz »kompress« in Korrekturanweisungen und Korrekturen verwendet, wenn angewiesen oder angemerkt werden sollte, dass Zeichen ohne Abstand gesetzt werden sollten. Das war beim Halbgeviertstrich und bei Fügungen wie A4 oder G8, zwischen Gradzeichen und Kennbuchstaben usw. (besonders am Zeilenumbruch) zur Verdeutlichung notwendig. Es wurde auf dem Ausdruck mit dem Korrekturzeichen (kleiner Bogen oben und unten) angemerkt und ggf. mit dem Zusatz ((kompress)) in Doppelklammern versehen. Im fachsprachlichen Bereich ist die Verwendung von kompress für »ohne Abstand« also durchaus eingeführt und geläufig, auch wenn der Rechtschreib-Duden sie nicht aufführt.
  4. 12 Punkte
    Den Hinweis hab ich gerade in den Pressemeldungen meiner Heimat-Uni gesehen: Alle Jahrgänge der 1924 gegründeten Zeitschrift "Gebrauchsgraphik" sind nun online verfügbar: http://design.illustrierte-presse.de/ Auf der Partnerseite gibt's noch andere illustrierte Magazine der Zwischenkriegszeit zum Durchblättern: http://magazine.illustrierte-presse.de/
  5. 12 Punkte
    Der Artikel ist unsinnig. Die meisten Leute können eine Garamond nicht von einer Times unterscheiden. Selbstverständlich kann man mit einer Times eine gutaussehende Bewerbung setzen oder vernünftige Tabellen. Ich würde fast meinen, daß man mit einer gut gesetzten Times leichter »einen guten Eindruck« vermitteln kann als mit der spröden Helvetica. Und warum sollte sich ein Laie überhaupt eine Helvetica kaufen, wenn er die Unterschiede zur Arial sowieso nur findet, so sie ihm jemand unter der Lupe zeigt? Warum sollten Serifen in einem tabellarischen Lebenslauf »ein Unding« sein? Das würde ich wiederum für die kuriose Privatansicht eines Laien halten, für Meinungsrauschen. Marotten sind völlig legitim, nur mit Typografie hat diese nichts zu tun. Ich finde diese Art des leeren Daherredens über Schrift grausig. Niemand kann das nachvollziehen, wenn einer die Garamond für »besser« als die Times erklärt, ohne daß er selbst wahrscheinlich die beiden Schriften unterscheiden könnte, wenn ihre Namen nicht dranstehen. Auf diese Art und Weise verschafft man Typografen den Ruf von Spinnern und Nerds.
  6. 11 Punkte
    Soweit die Behauptung. Behauptungen wollen halt mindestens begründet, bestenfalls sogar bewiesen werden. Es ist eine Tugend, Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. Und es ist gerade ein Wesenszug eines Fachforums, entsprechende Diskussionen zu führen. Was denn sonst? Autor XY hat es so und so gesagt und damit verbietet sich jede Diskussion? Und wieder eine Behauptung, der ich doch entschieden widersprechen möchte. Natürlich kann da vieles schiefgehen. Erstens: Tschichold ist bekannt für seinen dogmatischen Stil – was im Sinne der Wahrheitsfindung mindestens problematisch ist. Zweitens: Tschichild ist bekannt dafür, in einigen Dingen komplett seine Meinung geändert zu haben. Welchen Tschichold sollen wir also lesen? Bei welchem Buch aus welchem Jahr kann vermeintlich nichts schiefgehen? Drittens: Tschichold ist schon einige Jahrzehnte tot. Er kann uns zu heutigen Satz- und Lesegewohnheiten – so sie von den früheren abweichen – rein gar nichts sagen.
  7. 11 Punkte
    Frohes Fest – da könnte ich jetzt länger drüber schreiben (und geht dann schon mal gut los), weil ich an dem »Relaunch« des Duden im Jahre 2000 maßgeblich als Freelancer beteiligt war (siehe „Vorher“). Die Reinzeichnung der Logotype (meist angeschnittenes schwarzes Fähnchen, wurde dann aber auch alleinstehend als Logo eingesetzt), stammt von mir, basierte auf einer minimal modifizierten Frutiger Roman. Vorher gab es kein »Duden-Logo«, es gab zwar eine grafische Linie in der Einbandgestaltung, die auf einer durch Günter Gerhard Lange überarbeiteten Times basierte. Der Gedanke, den Markennamen Duden in eine grafisch konsistente Form zu bringen, sprich also eine Logotype zu gestalten, die als Element der Einbandgestaltung, wie auch alleinstehend Verwendung finden konnte, war damals neu. Dennoch gab es einige Konstanten, wie z.B. den „Regenbogen“ für die Kernbände, die beibehalten wurden – die Pixel kamen später dazu. Der Spektralverlauf ist eine Erbschaft von Willy Fleckhaus, der das spektakulär bei der edition suhrkamp in die Verlagsbranche eingeführt hat, was auch wunderbar funktioniert, wenn man viele Einzelbände zur Verfügung hat, bei zwölf Bänden wird die Sache ein bisschen schwierig. Nichtsdestotrotz haben wir viel Energie darauf verwendet, den Verlauf zu optimieren bzw. durfte ich diesen Part übernehmen – was dann dazu führte, das die vorher verwendeten Vollton-HKS-Töne einer etwas aufgehellten Farbreihe wichen, was auch der Wahrig in seinem Redesign damals übernommen hat, naja, im Prinzip wurde das ganze grafische Konzept für den Duden, daß wir entwickelt hatten, vom Wahrig abgekupfert. Die Frutiger kam nebst der Kepler im durch Iris Farnschläder parallel überarbeiteten Innenteil zum Einsatz, auf den sich die Umschlaggestaltung ganz klar bezieht (wir waren während der Arbeit nicht mit ihr im Kontakt, bekamen aber die eingesetzten Fonts durch den Verlag übermittelt und haben auch die Gestaltung gesehen, glaube ich). Farbigkeit Duden Band 1: der bekannteste Duden und eines der auflagenstärksten Bücher in Deutschland ist natürlich Ausgangspunkt eines jeden Redesigns – also das markante Gelb, wie Bertel schon bemerkte. Zusammen mit dem Schwarz und der roten Linie (diese ist also nicht völlig unnötig, Herr Enslin) in der Logotype addierte sich dies zum Dreiklang analog der bundesdeutschen Staatsflagge. Wir haben diesen ziemlich offensichtlichen Zusammenhang damals nicht ignoriert, es gab aber auch ganz andere Vorschläge innerhalb der Agentur. Unser Grundgedanke (Agentur: Bender + Büwendt, Berlin) beim Design, das sich zunächst mal auf die Aufgabe bezog, die Umschlaggestaltung der Kernbände 1–12 zu überarbeiten, ging in Richtung Verlagserscheinungsbild. Dies hat sich dann tatsächlich über die Jahre auch so etabliert, z.Zt. verwenden drei Verlage – Duden Verlag, Duden Schulbuch, Fischer Duden – die Logotype als zentrales Gestaltungselement, das grafische Konzept ist also aufgegangen. So, jetzt aber mal die bunten Teller vorbereiten …
  8. 11 Punkte
    Die Kurzform: Nach vorreformierter Rechtschreibung war nur b richtig. Nach aktueller Rechtschreibung sind alle Varianten möglich, auch: d) Eine Marke zu kennen, heißt, sie zu erkennen. Die Langform: Eine Marke zu kennen (Subjekt) | heißt (Prädikat) | sie zu erkennen (Prädikativ, Gleichsetzungsnominativ). Sind Subjekt und Prädikativ einfache Infinitive (ohne zu), steht kein Komma: Von S. lernen heißt siegen lernen. Die Regeln für den Infinitiv mit zu entscheiden daher, ob/wo hier Kommas stehen müssen. a) Der erste erweiterte Infinitiv mit zu ist durch Komma abgetrennt. Nach aktueller Regelung ist dieses Komma optional, nach vorreformierter Rechtschreibung durfte hier kein Komma stehen, weil der erweiterte Infinitiv mit zu dem Satz als Subjekt vorangestellt ist. b) Dieses Komma vor dem erweiterten Infinitiv mit zu musste nach vorreformierter Rechtschreibung stehen, nach aktueller Regelung ist es optional. c) Beide erweiterten Infinitive mit zu können nach aktueller Rechtschreibung ohne Komma stehen. d) Beide erweiterten Infinitive können nach aktueller Rechtschreibung mit Komma stehen. Fazit: Ich würde zwischen b und c wählen. Variante b knüpft am engsten an die Tradition an, c ist die einfachste Variante.
  9. 10 Punkte
    Ich glaube Dir sofort, dass Du kreativ und ideenreich bist. Und ich stimme Dir auch zu, dass man mit diesen Eigenschaften mitunter auch in fachfremden Disziplinen gewisse Ergebnisse erzielen kann. Nur – ohne die Grundkenntnisse wird das nichts. Um bei Deinem Bild zu bleiben: Was kommt dabei heraus, wenn ich Pflanzen nur nach Farbe und Form auswähle und ohne Wissen um Bodenvoraussetzungen, Lichtverhältnissen, Wachstumsverhalten und um Verträglichkeiten und Unverträglichkeiten der jeweiligen Pflanzen zusammensetze? Wie lange geht das gut, wie nachhaltig wird der Erfolg sein? Kompositorisch mag das kurzfristig hinhauen, fachlich aber nicht. Und jeder Fachmensch, der sich das anschaut, wird es sehen können. Wenn Du gewillt bist, Dich gestalterisch mit Deinem Logo zu beschäftigen (und wenn es am Ende vielleicht auch nur darauf hinausläuft, dass Du einen Gestalter Deines Vertrauens ganz hervorragend briefen kannst), dann musst Du Dir zumindest ein bisschen Fachwissen erarbeiten. Du solltest Gänseblümchen und Hornveilchen auseinanderhalten können, sprich: Schriftarten und ihre visuellen Besonderheiten zumindest grundlegend einordnen können, um zu verstehen, warum Helvetica und Futura kein gemeinsames Beet bewohnen sollten. Und wenn Du Deine Pflänzchen gewählt hast, dann musst Du wissen, welchen Boden sie brauchen und in welchem Abstand voneinander sie gesetzt werden müssen, damit ein gedeihliches Erscheinungsbild daraus erwächst. Das ist ein wirklich tolles Thema, das eigene Logo, aber es ist nicht so simpel wie das Bepflanzen eines Balkonkastens. Das Logo ist eine Blüte der Corporate Identity – aber die Stängel, Blätter und Wurzeln gehören eben auch ganz essenziell dazu. Wenn ich Dir etwas empfehlen darf, dann wäre das, ein oder zwei grundlegende Bücher zum Thema Schrift anzuschaffen und Dich mal ein bisschen in das Thema einzulesen. Das ist auch gar nicht so trocken, sondern macht sogar Spaß. Und dann kannst Du im Anschluss mal schauen, warum die von Dir eingangs gemachten Vorgaben für die Schriftwahl und die dann von Dir genannten Schriften nicht wirklich zusammenpassen. Wenn Du Entwürfe hast, die Du hier zeigen magst, dann wirst Du auch sicherlich weitere hilfreiche Antworten bekommen. Am konkreten Beispiel lässt sich immer viel leichter Hilfe leisten als anhand von Vermutungen. Herzliche Grüße Vielleicht immer auf die gleiche Weise gefragt?
  10. 9 Punkte
    Guten Abend alle beisammen. Ich bin nun, nach Vollendung des Projekts, endlich mal dazu gekommen, euch das Resultat zu zeigen. Geblieben ist es bei der japanischen Bindung. Auf dem Cover ist eine Fresnel-Linse eingesetzt, die den Buchtitel verschwinden lässt, wenn man direkt frontal drauf schaut. Für den Text habe ich mir ein paar Spielereien ausgedacht, wie zB die Aufteilung der Schrift auf zwei Ebenen (Transparentpapier) oder, von@bertel inspiriert, Textstellen, die nur mit einem Rotfilter lesbar sind. Zusätzlich habe ich den Text inhaltsbasierend unterschiedlich leicht/schwer gesetzt. Wem die vier Bilder nicht genügen, der kann sich hier die komplette PDF mit allen Bildern anschauen: https://drive.google.com/file/d/1LC5Bu0-1TfB9zy4UmDL6qdgGnfKV3MeO/view?usp=sharing Danke euch allen für den Input. MfG, Finn
  11. 9 Punkte
    Vor einiger Zeit hatte ich im Forum gefragt, wie man mit Kindern möglichst einfach mit Lettern drucken kann. Die Diskussion wanderte damals sehr streitbar in eine völlig andere Richtung ab, deshalb erlaube ich mir heute die Ergebniss in einem neuen Thema vorzustellen. Altes Thema mit thematischer Entgleisung Meine Aufgabe: Kinder sollen das Prinzip "Drucken mit beweglichen Lettern" verstehen. Hintergrund war die Geschichte Luthers, der Bibelüberstzung und des Druckes durch Gutenberg. Das Problem: Ich konnte keine Holzlettern mehr auftreiben und somit keine machbar DIY-Druckerei basteln. Anregungen hatte ich aus dem Forum reichlich bekommen, vielen Dank dafür. Blei wollte ich die Kindern aber nicht anfassen lassen und die Schriften waren mir für Kinderhände zu klein. Die Lösung: Die Druckwerkstatt des Gutenberg-Museums in Mainz verleiht eine mobile Druckwerkstatt, die ganz genau das kann, was ich gesucht hatte. Kosten 100 Euro für ein Wochenende plus 50 Euro Kaution. Sehr nette Menschen geben dort eine Einführung. Es gab einen Setzkasten mit etwa 5 cm großen Holzbuchstaben und ich durfte mir 4 fertige Druckmotive aussuchen. Von Lappen, Reinigungsbenzin, Farbe, Spachtel bis zu den Farbrollen ist alles in einer Kiste dabei. Die Handpresse hat ein ordentliches Gewicht und lässt sich nur mit zwei Leuten ins Auto heben. Das Ergebnis: Den Kindern im Workshop (Gruppe mit 14 Kids) hat es sehr viel Spaß gemacht. Wir haben zunächst Fehldrucke zugelassen, damit das mit dem richtigen Setzen auch verstanden wird. Die Kids waren total begeistert von der Intensität der Farben auf dem Blech und der Rolle. Wir durften die Farben übereinander rollen (streng mit gelb beginnend) und konnten so kunterbunte Drucke erzeugen. Auch das Mischen der farben konnte so verstanden werden. Den Betreuern und mir hat das aber noch mehr Spaß gemacht und wir haben in der Mittagspause für alle 70 Kinder dieses Tages ein einfaches Plakat mit dem Tagesmotto produziert. Danke für Eure Anregungen. Ein Punkt war leider nicht zu finden im Setzkasten. Den habe ich dann nachgemalt. Aber: (ganz ehrlich) ich hatte TYPOGRAFIE.DE statt .INFO gesetzt, peinlich, dehalb zeige ich das Ergebnis nicht. Ein buntes Abbild vom Herrn Gensfleisch.
  12. 9 Punkte
  13. 9 Punkte
    Ich oute mich mal als begeisterter InDesign-Nutzer (noch CS6, so lange es geht). Ich habe immer mal wieder Alternativen geprüft, doch keins der Programme kommt in Qualität und Flexibilität an InDesign heran. Ich nutze das Programm seit Version 2 für Windows, hatte damals aber auch Pagemaker im Einsatz. InDesign ist einfach ein Traum, weil ich damit inzwischen (fast) alles machen kann. Stabil, flexibel, anpassbar. Die Vorlagen, die Masterseiten ... herrlich! Fachbücher, Belletristik, Biografien, Kinderbücher ... QuarkXPress ist nicht so flexibel beim Import aus Word, für mich ein ganz wichtiges Kriterium. Warm geworden bin ich mit dem Programm nie. Update: So können die letzten Versionen nur noch .docx-Dokumente importieren, nicht mehr .doc. Das Herauslösen und nachträgliche Verknüpfen von in die Worddatei eingebetteten Bildern ist mir auch nicht gelungen, das geht ja in InDesign ganz wunderbar. Oder ich hab's nicht gefunden? Und wenn ich mit Quark mal ein paar Wochen nichts gemacht habe, tut das Programm beim Neuaufruf jedes Mal so, als wäre es eine Testversion und will (im Administratormodus, sonst geht's nicht!) den Schlüssel haben. Nervt auch. Update vom April 2018: In QuarkXPress ist seit vielen Versionen schon der DiHyph-Silbentrennungsalgorithmus der Firma Dieckmann eingebaut, ab Version 2018 gilt das auch für die Sprache Englisch und außerdem gibt es dann sogar 5 Qualitätsstufen. Für mich als Buchsetzer ein absolutes Killerfeature. (Den musste ich für InDesign erst teuer als Plugin einkaufen, und das nur für eine Sprache.) Viele typografische Funktionen (z.B. der optische Randausgleich) gefallen mir außerdem besser als in InDesign. Der VivaDesigner kann hier noch weniger und der Support war für meine Nachfragen überhaupt nicht existent. (Auch ein wichtiges Kriterium, warum ich die Software dann NICHT gekauft habe.) Quark dagegen HABE ich gekauft. Serif PagePro hatte mich ziemlich überrascht (Grundlinienraster, optischer Randausgleich, PDF-Import ...), das schien mir tlw. erwachsener zu sein als Quark und der Preis war ein Witz. Aber es wird ja nicht weiterentwickelt. Ich bin sehr gespannt auf den Affinity Publisher! Das könnte ein echter InDesign-Konkurrent werden. Update: Teste gerade die letzte Version PagePro X9, die es derzeit zum unglaublichen Downloadpreis von knapp 23,- EUR gibt. Von der Stabilität und vom Handling her kann das Programm nicht (mehr) überzeugen. Die Unterstützung von OpenType-Features (Kerning) ist furchtbar buggy. Da soll X8 besser gewesen sein. Die PDF-Ausgabe (PDF X1-a mit CMYK - ISOcoated v2 300%) ist zwar absolut fehlerfrei (in Adobe getestet), aber bis dahin muss man es erst einmal schaffen! Der Word- und PDF-Import jedoch gefallen mir besser als in Quark. Ein Bugfix sollte wohl noch kommen, aber Serif setzt jetzt wohl derzeit mehr auf die Affinity-Produkte als auf "Legacy-Software". Word ist ein hervorragendes Satzprogramm für den Mengensatz (Fachbücher) und für lange Dokumente, wenn man das Programm beherrscht und die typografische Messlatte nicht ganz so hoch hängt. (Immerhin ist die OpenType-Unterstützung ab Version 2013 richtig gut.) Wichtig ist, dass man Word als Satzprogramm ganz anders einsetzen muss, als die breite Masse das tut, dass man ausschließlich mit Vorlagen und verlinkten Grafiken arbeitet, die richtigen Grundeinstellungen wählt und fleißig programmiert. Dann kann man beim richtigen Workflow im Verlag viel Zeit und Arbeit sparen. Vor allem im Bereich Wissenschaft ist Word weit verbreitet. (Es gibt genug Dinge, die ich voll sch... an Word finde, aber immerhin konnte es vor 20 Jahren schon Grafiken verknüpfen und super Tabellensatz machen, als man in Pagemaker für Tabellen noch eine Erweiterung benötigte! Und InDesign hat ja gerade erst gelernt, Absatzvorlagen für Kästen zu nutzen. Auch das konnte Word schon vor 20 Jahren!) Der Writer kann manches sogar besser als Word, selbst registerhaltiges Setzen ist von Hause aus vorgesehen. (In Word nur mit Trick 17.) Leider werden OpenType-Features nicht unterstützt. Update vom 7.2.2017: Writer aus LibreOffice ab 5.3 unterstützt ab sofort ausgewählte OpenType-Features! Auch die nächsten beiden Textverarbeitungen unterstützen diese Schriften nicht voll: Papyrus Autor tut so, als wäre es ein DTP-Programm, ich finde es als Satzprogramm jedoch unbrauchbar. Es ist ein super Texteditor mit vielen nützlichen Funktionen für Autoren und einer rudimentären RTF-Schnittstelle in die Microsoft-Welt, aber nix für Setzer (und auch nix für Sachbuchautoren). Dann schon lieber TextMaker. Immerhin ist der TextMaker das Programm, bei dem der DUDEN-Korrektor am besten läuft. (Der so tolle Korrektor ist sonst noch bei Papyrus Autor und Patchwork eingebaut.) Und damit finde ich bei vielen Kunden immer noch viele, viele Fehler und kann manchmal sogar sagen: Leute, nochmal zurück ins Korrektorat. Update vom Januar 2018: Papyrus Autor kennt inzwischen doch das docx.-Format. Außerdem besitzt es seit Version 8.5. (momentan aktuell: Version 9) einen PDF-RGB-zu-CMYK-Konverter, bei dem man sogar mit ICC-Profilen (FOGRA, ISO-coated usw.) arbeiten kann. Leider wird Text nicht zu K-Schwarz, sondern zu CMYK-Schwarz. AbiWord soll die zweite der mir bekannten Textverarbeitungen sein, die die speziellen Features von OT-Schriften nutzt wie Ligaturen oder Mediävalziffern. Steht auf meiner Probier-Todo-Liste. Update: Habe AbiWord probiert, interpretiert tatsächlich OT-Features. Das ist aber auch alles. Gespiegelte Seitenränder? Initialbuchstaben? Eine verständliche Formatvorlagen- bzw. Stilverwaltung? Fehlanzeige! Auch die Stabilität lässt bei meinen Tests sehr zu wünschen übrig. Fazit: nicht empfehlenswert, ist nicht mehr als eine rudimentäre Textverarbeitung. Wenn ich in InDesign ohne optischen Randausgleich arbeite, den viele Kunden merkwürdigerweise gar nicht wünschen, kann ich mit Word und InDesign, vorausgesetzt, ich nutze die gleiche hochwertige Schrift, ein praktisch identisches Satzbild erzeugen. (Und die Silbentrennungsfunktion ist in beiden Programmen gleich mies.) Insofern: Es gibt weit mehr als InDesign da draußen, aber ich kehre immer wieder begeistert und verliebt zu InDesign zurück.
  14. 9 Punkte
    Kann gar nicht wieder aufhören zu lachen:
  15. 9 Punkte
    die freundliche grafikerin des finnischen verlags hat innert einer halben stunde geantwortet. und hier der link zum schriftschöpfer.
  16. 9 Punkte
  17. 9 Punkte
    Hallo zusammen, da ich selbst Schriften für Grabsteine mache und die Beiträge dieses Themas daher sehr interessant fand, würde ich gerne das Arbeitsfeld eines Schrifthauers etwas näher darstellen, insbesondere um zu verdeutlichen, dass eben nicht alles (vor allem nicht zu 100% !) Maschinenarbeit ist. Um eine Schrift in den Stein zu arbeiten gibt es verschiedene Techniken: Zunächst das Hauen von Hand, mit Fäustel und Eisen oder mit Pressluftpistolen, was nach wie vor die verbreiteste, da günstigste, Methode ist. Erkennbar ist sie an dem Grat, der sich in der Mitte der Buchstaben befindet (Querschnitt ist V-förmig). Fräsen mittels Sandstrahler. Wird auch sehr häufig gemacht, ist allerdings nicht für alle Gesteinsarten geeignet, sobald ein Gestein porös oder nicht homogen ist muss wieder von Hand gehauen werden. Der Querschnitt einer Sandgestrahlten Schrift is U-förmig, ein Grat ist nicht erkennbar. Sandgestrahlte Schriften lassen sich übertief arbeiten, wodurch ein sehr interessanter Schattenwurf entstehen kann. Fräsen mittels Diamantfräsen. Hiermit können nahezu alle Gesteine bearbeitet werden. Der Nachteil hierbei ist allerdings, dass die Maschinen auf Grund sehr hoher Anschaffungskosten und hohem Verschleiß der Diamant-Köpfe für den einfachen Steinmeztbetrieb nicht rentabel sind. Beim Fräsen mittels Diamant sind außerdem die Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich des Schriftsatzes auch begrenzt, da feste Schablonen erstellt werden, Unterschneidungen lassen sich hierbei z.B. nur schwer einrichten. Wir haben in unserem Betrieb einen Sandstrahler, dieser kann aber eben nicht in jedem Fall eingesetzt werden. Muss z.B. eine Nachschrift erstellt werden, muss die Schrift nach wie vor von Hand gezeichnet werden (entsprechend dem vorhergehendem Schrifttypus). Und wird anschließend in der selben Technik in der die vorhergenhende Inschrift gearbeitet war, eingearbeitet. Für neue Inschriften, haben wir unsere eigenen Fonts mit Fontlab entwickelt, setzten diese mit Corel und plotten sie anschließend auf Folien. Diese Folien können dann als Schablone oder/und als Strahlfolie verwendet werden. Wir und etliche andere Steinmetzbetriebe, die ihren Schwerpunkt unter anderem auf gestaltete Grabmale gelegt haben, importieren eben nicht in China oder Indien gefertigte Steine. Vielmehr verwenden wir hier beheimatete Gesteine, und bearbeiten diese selbst. Selbst sogenannte Steine "von der Stange" werden von hier ansässigen Firmen geliefert. Desweiteren gibt es eine Vereinigung die ein Siegel (Signum) entwickelt hat, das zertifiziert, dass Steine aus Indien oder China nicht von Kindern gefertigt wurden und der entsprechende Arbeitsschutz gewährleistet wird. Es liegt hier also wie bei vielen Bereichen auch am Kunden, was für ihn wichtig ist, wofür er sich entscheidet. Hier ein kleiner Eindruck wie Schriftgestalung bei unseren Grabsteinen eingesetzt wird: http://vogel-bildhauer.de/html/grabmale.html
  18. 8 Punkte
    Habe 50 Euro gespendet, hier bekommt man echt super Hilfe!!!
  19. 8 Punkte
    Ursprünglich setzte man auch nach freistehenden Zeilen (in Inschriften, Anzeigen, Überschriften, Bildunterschriften, Anreden usw.) und nicht nur nach vollständigen Sätzen häufig einen Punkt. Selbst der Duden machte das bis zur 9. Auflage (1915) so. Vor der Rechtschreibreform war der Punkt (bzw. seine Weglassung) nach freistehenden Zeilen nicht geregelt, sondern folgte nur dem verbreiteten Usus.
  20. 8 Punkte
    Beim Kopieren und Einfügen von Texten über die Zwischenablage gibt es etwas vereinfacht gesagt zwei Varianten: Reintext und formatierter Text. Bei ersterem wird nur die reine Textinformation übernommen, also eine Folge von kodierten Textzeichen. Beim formatierten Text können dagegen auch Eigenschaften wie Schriftart, Schriftgröße, Farbe, Weblinks und sogar Bilder erhalten bleiben. Betriebssysteme und Software-Anwendungen gehen zunehmend dazu über, auf formatierten Text als Standard zu setzen. Die kann im Einzelfall auch vom Anwender gewünscht sein, aber oft ist es eher lästig. Wer etwa Zitate von Websites in ein lokales Textdokument einfügen will, dem geht es sicherlich meist um den Inhalt – Schriftarten, Schriftgrößen usw. der einzelnen Websites müssen nicht beibehalten werden. Und passiert dies es doch, ist es oft schwierig und zeitraubend, die Formierungen nachträglich wieder loszuwerden. Im schlimmsten Fall erhält man sogar weiße Schrift auf weißem Grund, weil die Website helle Schrift auf dunklem Hintergrund verwendete. Anwendungsprogramme mit einem Fokus auf Textverarbeitung bieten gegebenenfalls zusätzliche Menüfunktionen oder Tastaturkürzel an, um lediglich Reintext einzufügen. Die Kürzel können aber recht umständlich sein, etwa Befehltaste (⌘) + Wahltaste (⌥) + Umschaltaste (⇧) + V. Über eine wenig bekannte Funktion in der Systemsteuerung von Mac OS X lässt sich dies allerdings vereinfachen. Und so geht’s … 1. Öffnen Sie die Systemsteuerung und dort den Eintrag »Tastatur« 2. Öffnen Sie den Reiter »Kurzbefehle« und dort den Eintrag »App-Tastaturkurzbefehle« 3. Klicken Sie auf das Plus-Symbol 4. Unter Programm wähle Sie »Alle Programme« 5. Unter Menü geben Sie manuell »Einsetzen und Stil anpassen« ein. Dies muss exakt dem Menü-Eintrag entsprechen, den Sie in Anwendungen wie TextEdit je nach eingestellter Sprache sehen. 6. Klicken Sie in das Feld Tastaturkurzbefehl und tippen Sie auf ihrer Tastatur Befehl (⌘) + V ein und Bestätigen Sie den Eintrag mit »Hinzufügen«. Dadurch wurde die Standardbelegung von ⌘ + V überschrieben und formatierter Text wird für dieses Kürzel nun nicht mehr verwendet. 7. Falls Sie dennoch ab und zu formatierten Text benötigen, weisen sie das nun freigeworden Tastaturkürzel entsprechend neu zu: Klicken Sie wieder auf das Plus-Symbol, wählen Sie »Alle Programme« und diesmal den Text »Einsetzen«. Das Tastaturkürzel sollte nun ⌘ + ⌥ + ⇧+ V lauten. Diese Schritte drehen also die standardmäßige Funktion um. Einfügen als Reintext ist nun mit dem einfachen Kürzel ⌘ + V möglich und und formatierter Text bei Bedarf über ⌘ + ⌥ + ⇧+ V erreichbar. Dies funktioniert in allen gängigen Apple-Programmen wie TextEdit, Safari, Pages und so weiter. Sind die gleichen Befehle in Drittanbieter-Programmen anders benannt, lässt sich für diese Programme eine eigene Regel in gleicher Weise anlegen. Wählen Sie statt »Alle Programme« dann die spezifische Anwendung aus. Dies funktioniert aber nur in Programmen, die Apples Software-Bibliotheken zur Erstellung von Menüs verwenden. Die Creative-Cloud-Anwendungen gehören zum Beispiel nicht dazu. Hier müssen Tastaturbefehle bei Bedarf direkt in der Anwendung selbst geändert werden. Dennoch ist der oben genannte Trick sicherlich für viele Mac-Anwender in der täglichen Arbeit hilfreich.
  21. 8 Punkte
    Nichts desto trotz, eine solche Schrift ist machbar...
  22. 8 Punkte
  23. 8 Punkte
    @Erwin Krump Mit deinen Anmerkungen hast du völlig recht, und ich habe unrecht mit der Darstellung, der Satzspiegel spiele für den Durchschuß keine Rolle. Ich hatte dabei nur die Stellung der Kolumne im Sinn, aber es kommt ja auf die Proportionen an. Ein Buch mit schmalen Rändern und splendid durchschossenem Satz erzielt eine gänzlich andere Wirkung als ein Buch mit breiten Rändern und eng durchschossener Kolumne.
  24. 8 Punkte
  25. 8 Punkte
    Wir haben uns auf die Stockwerke aufgeteilt: Wir im Hochparterre, die Stimmung im Keller. Aber glücklicherweise unbeschadet und hoffentlich auch ungefährdet.
  26. 8 Punkte
    Hängt bei Freunden im Esszimmer - ein Kellerfund aus der Nachwendezeit. Die meisten Schilder dürften aus den 1920er- und 1930er-Jahren sein ...
  27. 8 Punkte
    Fertig: Danke noch mal für Eure Unterstützung! (Der Raum ist übrigens komplett nachgebaut und neu. )
  28. 8 Punkte
  29. 7 Punkte
    Vielen Dank, Peter! Deine Version mit der unteren Kurve vom S hat mir sehr gefallen. Ich habe mich letztendlich für diese Form entschieden:
  30. 7 Punkte
    Die Allise (Ethan Dunham, 2005) kommt ganz gut hin: bei MyFonts herunterladen
  31. 7 Punkte
    Die Bona Nova ist eine moderne Interpretation der Renaissance-Kursiv Bona des Grafikdesigners Andrzej Heidrich, der in Polen vor allem durch seine Briefmarken- und Banknoten-Gestaltungen bekannt ist. Die neue digitale Fassung wurde von Mateusz Machalski in Zusammenarbeit mit Heidrich entwickelt und die drei entstandenen Textschnitte sind kostenfrei verfügbar. Die ursprüngliche Bleisatz-Schrift aus dem Jahr 1971 Mateusz Machalski begann das Projekt im Jahr 2011, seinem zweiten Studienjahr an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Die Schrift war in der Handsatz-Abteilung der Akademie vorhanden und weckte Machalskis Interesse. Sein Professor organisierte kurzerhand ein Treffen mit dem ursprünglichen Designer, der sich von der Idee einer Neubearbeitung begeistern ließ. Machalski begann mit der Digitalisierung, aber das Projekte landete zunächst wieder in der Schublade. 2016 wurde das Projekt zusammen mit Leszek Bielski wieder aufgenommen. Es kam zu weiteren Treffen mit Andrzej Heidrich und der Plan zum Ausbau der Schrift in drei Schnitten (normal, kursiv und fett) wurde gefasst. Heidrich war eigentlich kein Schriftgestalter und die Bona sein einziger vollständiger Schriftentwurf. Als Gebrauchsgrafiker in der vordigitalen Zeit gehörte das Zeichnen von Buchstaben – zum Beispiel für Buchumschläge – aber zum Alltagsgeschäft. Mit der Auswahl an Fließtextschriften war er jedoch nicht zufrieden. »Wir arbeiteten immer mit 12 Punkt Times oder Garamond. Es war langweilig und jedes Buch sah innen gleich aus. Es gab großen Bedarf an neuen Schriften.« Original-Entwürfe und -Matrizen der Bona Heidrich arbeitete an der Bona als Nebenprojekt – aus reiner Freude an der Sache und ohne konkreten Auftrag oder Anwendungszweck. Schlussendlich wurde die Schrift sogar gegossen und ein vollständiger Satz landete in der Akademie, wo er immer wieder einmal zum Einsatz kam. Für die Digitalisierung lieferte Heidrich sämtliche Originalskizzen und auch die Original-Matritzen konnten für den Entwurf inspiziert werden. Natürlich gab es beim Ausbau des Entwurfes dennoch noch jede Menge Gestaltungsentscheidungen zu treffen. »Die Entwurfsarbeit gestaltete sich äußerst interessant. Ich habe Bilder und Detailfragen fortlaufend auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite veröffentlicht, die damit zu einer Bühne für typografische Diskussionen wurde« erklärt Machalski. Die Form des großen Eszett wurde online besonders heftig diskutiert. Nach der Digitalisierung der Kursiven entstanden zwei aufrechte Schnitte, zu denen es keinerlei Vorlagen gab. Aus Lettering-Arbeiten von Heidrich für Briefmarken und Banknoten konnten jedoch einige typische Charaktermerkmale abgeleitet werden. Der Ausbau der Textschnitte brachte es schließlich auf über 1000 einzeln gezeichneten Glyphen pro Schnitt. In der erweiterten lateinischen Belegung sind Kapitälchen, mehrere Ziffernsets, viele Ligaturen und Ornamente enthalten. Damit war die Arbeit jedoch noch nicht beendet. Die Familie wuchs weiter. Drei dekorative lichte Schnitte wurden ergänzt sowie drei Display-Schnitte mit besonders starkem Strichstärkenkontrast. Diese Schnitte sind allerdings nicht Teil des kostenlosen Angebots. Und Überlegungen zu einem weiteren Ausbau der Schnitte bzw. der Schriftsystemabdeckung gibt es bereits. Schriftmustergrafiken der Bona Nova Die kostenlosen Schnitte der Bona Nova Die kommerziellen Display-Schnitte der Bona Nova Alle Schnitte stehen momentan exklusiv über die Capitalics-Foundry-Website zur Verfügung und erfordern eine Registrierung. Eine Veröffentlichung über Google Fonts ist jedoch auch in Planung. Unter bonanova.wtf gibt es ausführliche Hintergrundinformationen zu dem Projekt in polnischer und englischer Sprache – darunter auch ein Interview mit dem Grafikdesigner Andrzej Heidrich. https://capitalics.wtf/en/font/bona-nova
  32. 7 Punkte
    Meine Favoriten in absteigender Reihenfolge: Mittelpunkt. Das ist einfach der naheliegendste Begriff. Ich vermute, dass normale Menschen, die diesen Punkt benennen sollten, diesen Begriff wählen würden. Das Argument der Mehrdeutigkeit überzeugt mich nicht. Kontext löst theoretische Verwirrungen fast immer automatisch auf, ohne dass uns das auffallen würde. Wir müssen in normaler Konversation nicht darüber nachdenken, ob Bank ein Geldinstitut oder ein Sitzmöbel beschreibt. Mittelpunkt selbst ist ja schon in der Alltagssprache doppelt besetzt, ohne dass das für Verwirrungen sorgen würde. Warum sollte noch eine Bedeutung, die in einem klar definierten Kontext eingesetzt wird (der mit den anderen Bedeutungen von Mittelpunkt kaum etwas zu tun hat) hier für Verwirrung sorgen? Mittenpunkt. Wäre mein Kompromissvorschlag, wenn Entscheider den Mittelpunkt einfach nicht akzeptieren wollen. Klingt aber irgendwie holpriger. Trennpunkt. Auch intuitiv. Ich bilde mir ein, diesen Begriff im Kontext von Wörterbüchern schon gehört oder gelesen zu haben. Nachteil: beschreibt halt nicht die Position innerhalb der Zeile. Mittepunkt. Da kräuseln sich meine Ohren und bestehen energisch auf einem Fugenkonsonanten. x-Höhen-Punkt. Zu technisch. Ohne Vorwissen versteht der Leser da nur Bahnhof. Mediopunkt. Was zum Teufel ist ein Medio? Welch dämliche Erfindung, um ein vermeintliches Problem zu umgehen! Hochpunkt. Geht m.E. gar nicht. Wer nicht Altphilologe ist, würde den Punkt sehr wahrscheinlich sehr viel höher vermuten als auf der x-Höhe.
  33. 7 Punkte
    Gefunden auf Ischia. Beste Grüße
  34. 7 Punkte
    Ab heute gibt’s bei SIAS die brandneue Popelka – die Vorspann-Schrift aus dem Kultfilm »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Das Design dieser halbfetten Unzialschrift stammt ursprünglich aus den Barrandov-Studios Prag. Die Schrift des Vorspannes wurde von Hand gezeichnet/geschrieben, das erkennt man bei genauerem Hinsehen an Unterschieden zwischen den Vorkommen eines Buchstabens. In der DEFA-Version des Filmes wurde diese Schrift dann nachempfunden, allerdings nicht ganz mit der gleichen kalligraphischen Sicherheit, die das tschechische Original (?) zeigt; ein Vergleich der beiden Filmversionen ist in dieser Hinsicht aufschlußreich. Also nun: eine frohe Weihnachtszeit allerseits – und viel Spaß beim Gestalten von Einladungen, Tischkärtchen und Geschenkanhängern etcª mit der neuen Aschenbrödel-Schrift! Übrigens, mein persönlicher Geheimtip: die tschechische Version ansehen!
  35. 7 Punkte
    Die abstrahierten Beispiele, die bertel weiter oben zeigt, finde ich sehr schön, besonders die Variante von St. Mang, die an ein Bleiglaskirchenfenster erinnert. Aber auch Gregors Visualisierung in handgezeichnetem Duktus hat ihren Charme. Für Dieters Projekt stellt sich daher zunächst einmal die grundlegende Frage, ob die Darstellung der Kirche den Charme des Handgezeichneten haben soll oder ob eine auf das Wesentliche reduzierte, visuell spannende grafische Anmutung das Richtige ist. Letzteres muss dabei nicht kalt und unpersönlich rüberkommen, sondern könnte durch Farbe gezielt um eine emotionale Wahrnehmungsebene erweitert werden, siehe bertels Beispiele. Da Kirchen heute weniger streng und autoritär wirken möchten, sondern oft sehr auf das freiwillige Mitwirken der Gemeindemitglieder angewiesen sind, ist ebenso oft der Wunsch da, den Menschen mit offenen Türen, menschlicher Wärme und einem Angebot der echten Teilhabe zu begegnen. Heutzutage werden die Kirchen sogar wesentlich besser geheizt als früher und die Schäflein verfügen in aller Regel über Sitzkissen auf den kargen Kirchenbänken, damit kein schmerzendes Hinterteil von der spirituellen Einkehr ablenkt. In diesem Sinne müsstest Du, Dieter, der Diakonin vielleicht noch mal ein paar gezielte Fragen stellen, um die genaue Zielsetzung zu ermitteln: Gibt es eine inhaltliche Definition dieser Gemeinde und ihrer Schwerpunkte/zukünftigen Schwerpunkte? Gibt es eventuell sogar ein Empfinden darüber, dass die Wahrnehmung der Kirche/Gemeinde von außen und innen differiert? Um die Neugestaltung eines Unternehmens, einer Kirche oder einer sonstigen Organisation anzugehen, muss zunächst klar sein, wie der theoretische Unterbau überhaupt aussieht. Wenn das inhaltliche Konzept nicht bekannt ist, dann wird die Gestaltung zur reinen Geschmacksfrage – und das geht in den meisten Fällen eher schief, als dass ein Volltreffer dabei herauskäme. Die wichtigen Fragen also wären zunächst einmal: Was für eine Kirchengemeinde haben wir hier vor uns – wie groß, welche inhaltliche Ausrichtung, wie viele Gemeindemitglieder, ländlich oder städtisch geprägt, etc. Also: die Definition von Sender und Empfänger, Anbietendem und Zielgruppe sozusagen. Und dann wäre es wichtig, sich die bisherige Gestaltung anzuschauen und festzuhalten, was daran gut ist und gefällt und wo Handlungsbedarf besteht – und diesen zu definieren. Im nächsten Schritt wäre dann klar zu formulieren, was gewünscht ist und die Inhalte/Attribute festzulegen, die das neue Erscheinungsbild im Gegensatz zum alten aufweisen soll. Und dann kann man sich daran machen, die neue Gestaltung anhand dieser Vorgaben zu entwickeln und zu messen. Man sieht ja durch die Diskussion hier im Forum, wie unterschiedlich mögliche Parameter von den verschiedenen Diskutanten bei der Betrachtung gewichtet werden. Damit das Ganze zielführend fortgesetzt werden kann, müssten wir einfach wissen, wie der »Kunde« das Ganze sieht. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir uns im Kreis drehen, wie hier zum Beispiel zu besichtigen. Liebe Ostergrüße Kathrin
  36. 7 Punkte
    Du brauchst kein schlechtes Gefühl haben, du zwingst ja niemanden dazu etwas beizutragen. Ich kann es nur vermuten, aber bisher geschieht hier doch alles weil es den Leuten entweder Spaß macht, sie daran interessiert sind oder einfach weil du ein sympathischer Typ bist.
  37. 7 Punkte
    Source of the Originals lautet der Slogan der heute zum Monotype gehörenden Marke Linotype voller Stolz. Helvetica, Frutiger, Optima, Palatino, Syntax, Sabon, Avenir – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Einige der meistbenutzten und einflussreichsten Schriftentwicklungen des 20. Jahrhunderts sind in der Linotype-Bibliothek versammelt. Doch die Geschichte des Markennamens Linotype reicht noch viel weiter zurück: zur Erfindung einer Setzmaschine, die weltweit Geschichte schrieb und sogar verfilmt wurde … Gutenbergs Schriftsatz mit beweglichen Lettern revolutionierte die Vervielfältigung des geschriebenen Wortes und machte es für die Massen zugänglich und bezahlbar. Das damit neu entstehende Handwerk des Schriftsetzens blieb über Jahrhunderte ein eben solches: reine Handarbeit. Innovationen fanden in anderen Bereichen der Drucksachenproduktion statt. Die ehemals hölzerne Presse wurde durch Eisen ersetzt und die dampfgetriebene Schnellpresse des aus Eisleben stammenden Druckers und Erfinders Friedrich Koenig sorgte Anfang des 19. Jahrhunderts für eine Verzehnfachung der Druckkapazität. Die Rotationspressen brachen schließlich alle Rekorde. Dem wachsenden Hunger der Bevölkerung nach immer mehr und immer aktuelleren Informationen stand nun also vor allem der Handsatz im Weg. Der Hamburger unpartheyische Correspondent musste Ende des 18. Jahrhunderts sechs- bis zehnmal parallel gesetzt werden, damit auf mehreren Pressen gleichzeitig die Auflage von 25.000 Stück erreicht werden konnte. So verlangte also insbesondere die Zeitungsproduktion nach einer Beschleunigung des Schriftsatzes. Ideen dazu gab es schon – etwa die Verwendung von Logotypen. Häufig benutzte Buchstabenkombinationen wurden dabei gleich zusammen auf einen Kegel gegossen, sodass der Setzer nun zwei Buchstaben auf einmal greifen konnte, wodurch sich die Satzgeschwindigkeit theoretisch fast verdoppeln lassen müsste. Doch die Setzkästen verfügten nun teilweise über bis zu 1.000 verschiedene Fächer und die Mühe, sich in dieser Fülle von Zeichen noch zurechtzufinden, machte die Hoffnung auf die zu erzielenden Geschwindigkeitsvorteile schnell wieder zunichte. Ein anderer Ansatz war der Typotheter des schwedischen Ingenieurs Albert Lagermann. Das Gerät erlaubte dem Setzer erstmals, beide Hände zu benutzen und die so schneller ergriffenen Lettern mussten lediglich in einen Trichter geworfen werden, wo sie ausgerichtet und ausgeschlossen wurden. Durchsetzen konnte sich aber auch diese Entwicklung nicht. Die einzige Lösung, die Satzarbeit signifikant zu beschleunigen, lag in der vollständigen Mechanisierung der Arbeit des Setzers. Unzählige Tüftler rangen im gesamten Verlauf des 19. Jahrhunderts um die besten Ideen, dies zu realisieren. Hunderte Patente wurden angemeldet und Prototypen mit großem finanziellen Aufwand entwickelt – stets mit dem Versprechen, nun sei es endlich geglückt. Die Erfinder versuchten in der Regel, den menschliches Handsatz direkt nachzuahmen und also die Buchstaben aus einem Fach freizugeben und durch ein maschinelles Gestänge zu führen und zu sammeln. Man sprach daher von Typensetzmaschinen. Als größter Feind erwies sich dabei die Letter selbst. Denn das weiche Blei in unterschiedlich breiten Kegeln zeigte sich in der Praxis wenig tauglich für eine derartige Verwendung. So kam es, dass selbst jene Maschinen, die es zu einer gewissen Serienreife gebracht hatten, in der Praxis von so vielen Personen bedient und gewartet werden mussten, dass die auf dem Papier versprochenen Geschwindigkeitssteigerungen nicht erreicht wurden und die teuren Maschinen den Handsatz nicht wie erhofft überflügeln konnten. Dazu bedurfte es erst eines Erfinders, der einen Schritt zurücktrat und das Problem aus einem neuen Winkel betrachtete … Ottmar Mergenthaler und die Linotype-Setzmaschine Als Sohn eines Schullehrers kam Ottmar Mergenthaler 1854 in Hachtel in Baden-Württemberg zu Welt. 1868 begann er eine Uhrmacherlehre und wanderte anschließend nach Amerika aus, wo sein Vetter in Washington eine Werkstatt führte, die Messinstrumente, elektrische Geräte und Uhren fertigte. In Washington blühte auch der Modellbau, da das dort angesiedelte Patentamt zu jeder Patentanmeldung auch ein Modell der Erfindung verlangte. So kam Mergenthaler mit allerlei interessanten Gerätschaften in Kontakt – unter anderem mit neuen Ansätzen für Setzmaschinen, die Mergenthaler jedoch nicht überzeugen konnten. So gründete er schließlich eine eigene Werkstatt und widmete seine freie Zeit nun ganz der Erfindung einer Setzmaschine, die alle anderen überragen sollte. Dabei war er darauf bedacht, die Fehler seiner Mitstreiter nicht zu wiederholen; er wollte das Problem auf eine neue Art und Weise lösen. Der Erfolg kam freilich nicht über Nacht – Mergenthaler näherte sich schrittweise einer Lösung. Seine erste Maschine arbeitete mit zeilenweise erzeugten Papiermatern, die von Einzelbuchstabenstempeln abgedrückt wurden. Seine zweite Maschine (siehe mittlere Abbildung) konnte zum ersten Mal Schriftzeilen direkt gießen. Statt der Stempel kamen nun bereits Einzelmatrizen zum Einsatz, von denen zeilenweise ein Abguss erzeugt wurde. Damit war der neue Weg zur Setzmaschine gefunden. Statt die Bleisatzbuchstaben selbst durch die Maschine zu führen, benutzte Mergenthaler nun Matrizen, in die das Buchstabenbild eingeprägt wurde. Diese ließen sich einfach zusammenführen, um von ihnen eine komplette Schriftzeile – »A Line of Type« – abzugießen. So entstand der Name Linotype. Doch die Maschine sollte nicht nur funktionieren – sie musste auch wirtschaftlich sein, also möglichst viele Arbeitsschritte (vom Satz bis zum Ausschluss der fertigen Zeile) ohne zusätzliche Arbeitskräfte erledigen. Auch der nötige Vorrat an teuren Matrizen konnte den Erfolg des Projekts gefährden. So tüftelte Mergenthaler weiter und fand in den frei umlaufenden Messingmatrizen eine Lösung, die die Erfindung perfekt und erfolgreich machen sollte. Die Matrizen wurde mit Zähnen ausgestattet, die wie eine Zeichenkodierung funktionierten. So konnte jede Matrize nach dem Abguss von der Maschine selbstständig zurück ins richtige Fach des Schriftmagazins transportiert werden – es mussten also nicht mehr Unmengen von Matrizen in der Maschine vorgehalten werden. Die erste Maschine dieser Art wurde 1886 bei der New York Tribune in Betrieb genommen und hörte auf den Namen Blower-Linotype (dritte Abbildung oben). Obwohl die Maschine schlagartig zum Erfolg wurde, optimierte Mergenthaler das Konzept weiter. Mit der 1890 vorgestellten Simplex-Linotype war dann schließlich das »Konzept Linotype« vollendet, wie es nun über Jahrzehnte den Markt bestimmen sollte. Die Linotype-Setzmaschinen breiteten sich über den gesamten Erdball aus. Mitte des 20. Jahrhunderts verzeichnete man einen Absatz von 70.000 amerikanischen Maschinen, 15.000 aus England und 13.000 aus Deutschland – zusammen also fast 100.000 Stück. Die Bleisatzmaschinen der Linotype wurden bis 1976 gefertigt. Ebenbürtig in Funktion und Erfolg war der Linotype lediglich die Monotype-Setzmaschine, die ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika entstand und im Gegensatz zur Linotype-Maschine keine Zeilen, sondern Einzelbuchstaben goss. Satz (siehe Foto unten) und Guss erfolgten bei der Monotype von Anfang an über getrennte Maschinen. Der Textsatz wurde dazu mithilfe von Lochstreifen kodiert und konnte so beliebig oft und an einem anderen Ort gegossen werden. Ab den 1950er-Jahren trat der Fotosatz auf den Plan und machte dem Maschinensatz mit Bleisatzlettern den Rang streitig. Während im Akzidenzsatz die diatype von Berthold Erfolge feierte, schuf das Linofilm-System für Fließtexte einen adäquaten Nachfolger der Linotype-Bleisatzmaschinen. Die Texteingabe erfolgte über eine elektronische Schreibmaschine auf Lochstreifen; ein separater Fotoautomat belichtete anschließend selbstständig. Es mussten lediglich Fotomaterial und Lochstreifen eingelegt werden. Lochbandgestützter Druck in den 1960er-Jahren ~ Rechts: »Linotype Europa« Linofilm. Links: Eingabe und Belichtung. Rechts: Montage im Composer Dann folgten die erfolgreichen Linotron-, Linotronic und CRTronic-Reihen und die physische Zeichenvorlage verschwand nun endgültig aus dem Druck. Im Licht- bzw. Lasersatz ab Ende der 1960er-Jahre wurden die Buchstabenbilder nur noch als ein digitales Raster gespeichert. Es war auch das letzte Aufbäumen der proprietären Satzsysteme. Das System Linotype 505 C mit integriertem Computer kostete in den 1970er-Jahren 500.000 DM. Ein einzelner Fotosatzschnitt für die Linofilm VIP schlug mit 1.600 DM zu Buche. Ende der 1980er-Jahre trat die Linotype AG selbstbewusst als »Weltmarktführer für Satztechnik« auf und erwirtschaftete mit fast 2.500 Beschäftigten einen Umsatz von 685 Millionen DM. Doch die Branche stand erneut vor einem Umbruch: dem Übergang zum Desktop Publishing mit Standard-PCs. Die teuren proprietären Komplettsysteme waren schlagartig nicht mehr gefragt. Die Linotype AG fusionierte mit Hell in Kiel zur Linotype-Hell AG, die ihrerseits kurze Zeit später von der Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen wurde. Der Schriftenbereich zog als Linotype GmbH nach Bad Homburg. Der bislang letzte Schritt in der langen Geschichte der Marke Linotype war die Übername der Linotype GmbH durch Monotype Imaging Inc. im Jahre 2006. Damit waren die über ein Jahrhundert konkurrierenden Unternehmen, die beide nach ihrer erfolgreichen Setzmaschine benannt sind, nun schließlich unter einem Dach vereint. Die Übernahme durch Monotype Imaging Inc. bezog sich jedoch nur auf den Bereich Schrifttechnologie. Die sonstigen Produkte im Bereich des Drucks verblieben bei der Heidelberger Druckmaschinen AG. Die Schriften Die Druckergebnisse einer Setzmaschine sind natürlich immer nur so gut wie die Schriften, die für diese Maschine erhältlich sind. Die führenden Setzmaschinen-Anbieter Linotype und Monotype prägten so zwar indirekt, aber doch maßgeblich die Typografie des 20. Jahrhunderts. In Bezug auf die in Deutschland gefertigten Linotype-Maschinen entstand bereits sehr früh eine enge Zusammenarbeit mit dem Schriftanbieter D. Stempel AG in Frankfurt am Main. Stempel erhielt im Jahr 1900 das Recht zur Fertigung der Linotype-Matrizen und die Produktion hielt bis in die 1980er-Jahre an. Mit Stempel kommen durch Eigenentwicklung sowie Beteiligungen und Übernahmen anderer Schriftanbieter (W. Drugulin, Haas’schen Schriftgiesserei, Gebr. Klingspor, Benjamin Krebs Nachfolger, Deberny & Peignot, C. E. Weber) viele namhafte Schriften des 20. Jahrhunderts auf die Linotype-Blei- und später -Fotosatzmaschinen. Baskerville und Stempel Garamond wurden ab den 1920er-Jahren zu klassischen Buchsatzschriften der Linotype-Maschine. Die Excelsior dagegen prägte ab den 1930er-Jahren das Bild des Zeitungsdrucks. Ab den 1950er-Jahren entstanden aus der äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit mit Hermann Zapf Klassiker wie Palatino, Melior, Virtuosa und Optima. Ab 1961 wurde die Neue Haas-Grotesk als Helvetica von Stempel vertrieben und avancierte zu einer der bekanntesten Grotesk-Schriften der Welt. Probeabzug mit Korrektur-Anmerkungen von Hermann Zapf Die letzten Linotype-Matrizen wurden bei Stempel 1983 produziert. Zwei Jahre später löste die Linotype AG (zu dieser Zeit Mehrheitseigner) die D. Stempel AG auf; die Schriftträgerproduktion wurde nach Eschborn verlagert. Linotype heute Der deutsche Standort der Marke Linotype änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder: Berlin (Mergenthaler Setzmaschinen-Fabrik GmbH), Frankfurt am Main (im Hause von D. Stempel) und Eschborn (Mergenthaler Linotype GmbH) waren dabei die wichtigsten Stationen. Heute findet man Linotype in Bad Homburg. Wer Ersatzteile für seine Linotype-Systeme sucht, sollte sich jedoch nicht an diese Stelle wenden, denn bei der Linotype GmbH dreht sich heute alles um Schrift und Software. Die Schriftbibliothek wurde fortlaufend ausgebaut und die Klassiker, die man früher oft unter Zeitdruck an die mehrfach wechselnden Satzsysteme angepasst hatte, wurden und werden noch einmal grundlegend für den Digitalsatz überarbeitet. So entstanden unter anderem die Frutiger Next, Sabon Next, Univers Next, Palatino Nova und Optima Nova. Außerdem wurden immer mehr lateinischen Schriften auch arabische Versionen zur Seite gestellt – bislang zum Beispiel Frutiger Arabic, Neue Helvetica Arabic und Univers Arabic. Ein Erfolg war auch die Entwicklung des Schriftverwaltungsprogramms Linotype FontExplorer, der – ursprünglich als kostenlose Version – schnell zum beliebtesten professionellen Fontmanager unter Mac OS X avancierte. eText-Schriften Die Flut neuer Geräte zur Darstellung von Text stellt die Schriftanbieter vor völlig neue Herausforderungen. Jedes Gerät, jedes Betriebssystem und im Zweifel sogar jede Anwendung kann die Schrift anders darstellen – bezogen sowohl auf die physische Technik der Bildpunkte als auch auf die softwareseitige Implementierung der Kantenglättung. Ein gemeinsamer Nenner für das Erreichen einer optimalen Leserlichkeit unter so unterschiedlichen Bedingungen liegt dabei vor allem in der Kontrolle des Kontrastes zwischen Buchstabenform und Hintergrund. Schon beim Wechsel vom Blei- zum Digitalsatz verloren viele Schriften an Strichstärke. Der physische Druck der Bleilettern erzeugte einen mehr oder weniger starken Quetschrand, der bei der Digitalisierung der Buchstabenvorlagen oft nicht berücksichtigt wurde. Bei der Darstellung auf mobilen Lesegeräten in kleinen Schriftgraden kann es zu einem ähnlichen Effekt kommen. Die optimale Lösung liegt in der Neuzeichnung der Buchstabenformen speziell für diese Ausgabegeräte. Diesen Weg verfolgt das Unternehmen Monotype mit einer neuen Schriftserie, die auf den Namen eText hört und bereits auf verschiedenen Lesegeräten wie dem Kindle von Amazon oder dem Nook von Barnes & Noble zum Einsatz kommt. Doch wie unterscheiden sich eText-Schriften nun genau von den herkömmlichen Druckschriften? Genau wie bei den Bleisatzschriften mit unterschiedlichen Entwürfen für unterschiedliche Größen sind die eText-Schriften speziell auf Lesegrade getrimmt und besitzen daher spürbar größere x-Höhen. Das lässt die Schrift auf einem elektronischen Lesegerät größer erscheinen und schafft bei der geringen Anzahl von Pixeln mehr Raum für die zur Buchstabenerkennung wichtigen Informationen zwischen Grundlinie und x-Höhe. Haarlinien fallen in den eText-Fonts zudem deutlich kräftiger aus, damit sie auf den Lesegeräten nicht zu grau erscheinen oder ganz wegbrechen. normale (Hintergrund) und eText-Baskerville (Vordergrund) im Vergleich Neben den Designmerkmalen verfügen die eText-Schriften aber auch über eine spezielle Bildschirmoptimierung, die Buchstabendetails an den Pixelgrenzen ausrichtet und so eine klarere und kontrastreichere Darstellung ermöglicht (Abbildung rechts, untere Zeile). Dies stellt für viele Leser noch einmal eine Optimierung gegenüber der vollautomatischen Subpixel-Kantenglättung dar, wie man sie etwa von Apple-Geräten kennt. Letztere gibt zwar Abstände und Buchstabenform so exakt wie möglich wieder, jedoch auf Kosten von Klarheit und Kontrast. normale (oben) und eText-Version der Palatino Mit der bloßen Digitalisierung des Schriftsatzes ist also das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht. Auch über 100 Jahre nach Erfindung der Linotype- und Monotype-Setzmaschinen wird weiter um die bestmögliche Textdarstellung gerungen. Die nun unter einem Dach vereinten Marken Linotype und Monotype leisten dazu mit ihrer Erfahrung im Bereich der gestalterischen und technischen Schriftentwicklung auch im digitalen Zeitalter ihren wertvollen Beitrag.
  38. 7 Punkte
    In Stichworten: Name und akademischer Grad ohne Unterschied wirken wie ein Begriff. Der Mann heißt Simon R. Becker Master of Ingeneering und ist von Beruf Ingenieur für ... Besser: Name so belassen (Kapitälchen mit Großbuchstaben sind überflüssig zierhaft, ich würde sie ohne Großbuchstaben verwenden), etwas weiter sperren und Wortabstände verringern. Den zweiten so verringern, daß er optisch dem ersten gleicht, d.h. den Punkt neutralisieren. Die zweite und dritte Zeile aus einer Schrift, und zwar in derselben Größe wie im Fuß. Die dritte Zeile ist deutlich zu lang und zu groß. Abgesehen von der unschönen stumpfen Pyramide stehen Format und Entwurf nicht miteinander in Beziehung. Die Karte ist für den Entwurf zu schmal und zu hoch oder eben die Schrift zu breit. Durch die genannten Änderungen wird das verbessert. Der untere Rand ist zu knapp, er sollte so groß sein wie die seitlichen. Fuß: Nach dem Plus Leerraum tilgen. Die (0) kann weg, das Divis nach 177 kann weg. Die Gruppierung sollte reduziert werden, statt 5 67 89 kann man setzen 567 89, unten dann 890 1234, oben die 1234 ohne Lücke. Die 177 muß zusammen. Ergebnis: stärkere Zeilenbildung, ruhigeres Bild, gute Lesbarkeit. Die Abstände für die Gruppierung reduzieren. Ich würde linksbündigen Satz bevorzugen, auch auf der rechten Seite. Rechtsbündiger Satz zeigt die Bemühung um eine Mittelachse, die nicht erreichbar ist, weil der linke Block kürzer ist als der rechte. Diese Achsverschiebung fällt durch die glatten Außenkanten nur noch mehr auf; das wirkt ungeschickt. Ausprobieren: den gesamten Fuß auf Mittelachse, keine Aufteilung in seitliche Spalten, sondern in auf Mitte gestellte Zeilen: Straße . PLZ Ort . Land Fon 123 . Mobil 123 . Mail www.usw..de Das spart die Rückseite. Doppelseitige Karten haben Nachteile: höhere Druckkosten, Rückseite kann übersehen werden. Sie haben keine Vorteile. Rückseite: nach www entsteht ein Loch. Der Punkt muß dort sowie vor DE gleiche optische Räume bekommen. Die Zeile kann verkleinert und etwas mehr (nicht viel) gesperrt werden. Format kann in der Höhe vielleicht etwas reduziert werden. Kreditkartengröße wäre 1 mm niedriger, aber 85 x 54 ist klobig. 85 x 50 wäre zu probieren, paßt sehr wahrscheinlich auch besser zum Entwurf. Viel Vergnügen!
  39. 7 Punkte
    Wer sagt das? Fundamental Dotless.zip Wie gesagt, mit MEINEN Schriften kann ich anstellen, was ich will, selbst wenn dies eigentlich Blödsinn ist...
  40. 7 Punkte
    Für alle die ... bzw. für den einen der scheinbar schon ungeduldig vom einen auf's andere Bein hüpft: So sieht es bis jetzt aus, bin aber noch nicht zufrieden und fertig, daher wird's heute nichts mehr (ja, die Bilder werden bei Klick "gross").
  41. 7 Punkte
    Das waren gesamt ca 1100 laufende Meter Boden- und ca 300 qm Wandbeklebung. Beides gedruckt direkt auf die entsprechenden Folien. Die Kreise dann noch mit Konturschnitt. Schwierig war für mich, die genauen Winkel der Kurven festzulegen, damit später auch alles an den richtigen Stellen geschnitten und geklebt wurde. Ich habe das Layout direkt auf dem Architekturplan angelegt und die Bänder dann mit Farbcodes belegt, damit nichts verloren geht und die Werbetechniker später nicht den Überblick verlieren. Anbei ein Screenshot eines Teiles des Layouts. Die schwarzen Linien zeigen immer, wo geschnitten werden musste. Nach der Layoutfreigabe habe ich dann die Bänder mit den zu schneidenden Linien rauskopiert, und in jeweils 50 cm lange und 1 cm hohe Streifen verteilt (Maßstab 1:100). Die Druckerei hat immer 5 m lange Bänder gedruckt. Dies sind in der RZ die roten Linien. Die schwarzen Linien zeigen an, wo geschnitten werden musste, damit die Bänder passend um die Kurven gehen oder an die Kreise andocken konnten.
  42. 7 Punkte
  43. 7 Punkte
  44. 6 Punkte
    Die Schaumkopfwerbung ist ja grandios getextet. So eine schmale Spalte ohne Worttrennungen und ohne Löcher und sprachlich ganz unauffällig fließend. Ich bewundere das sehr. So kurze Texte sind sehr schwierig – und dann noch diese Form zu erreichen! Ich bin hingerissen. Also auch als Texter.
  45. 6 Punkte
    Schlusserbeinsetzung
  46. 6 Punkte
  47. 6 Punkte
    Auf den ersten Blick hab’ ich hier doch glatt eine Doku über Kathrins „Lieblingsgetränk“ vermutet …
  48. 6 Punkte
    SkyFonts, Fontslice, Typekit, Fontyou … In den letzten Jahren versuchen sich vermehrt Anbieter darin, neue Lizenzierungsmöglichkeiten für Schriften auszuloten. Mit Fontstand wurde im Rahmen der TYPO Berlin ein weiterer Dienst gestartet. Doch was steckt dahinter? Typografie.info hat sich das neue Angebot einmal näher angeschaut. Das Prinzip von Fontstand ist schnell erklärt: Es handelt sich um einen Dienst, der derzeit nur Desktop-Fonts unterstützt. Diese können für eine Stunde kostenlos auf dem eigenen Rechner (in jeder beliebigen Anwendung) getestet werden. Danach mietet man den Font monatsweise für 10% des regulären Preises. Hält man die Miete aufrecht, ist der Font nach 12 Monaten abbezahlt und die Mietlizenz wird in eine herkömmliche Desktop-Lizenz umgewandelt. Der Dienst löst auf recht clevere Weise ein typisches Problem, das professionelle Schriftanwender nur zu gut kennen: wie kann man Fonts testen, ohne sie erst komplett bezahlen zu müssen oder sicher sein zu können, dass der Kunde dem Einsatz später überhaupt zustimmt. Die großen Anbieter wie Monotype und Adobe setzen diesem Problem Mietmodelle entgegen. Man kann komplette Bibliotheken für eine vergleichsweise kleinen Betrag mieten und die Fonts dann beliebig testen und nutzen. Der Haken ist jedoch, dass man sich bei diesen Modellen an den Anbieter bindet und dauerhaft den Mietpreis zahlen muss. Bei Fontstand ist dies nicht der Fall. Man kommt in den Genuss von Testversionen und günstigen Mietpreisen, aber behält sich alle Freiheiten einer Desktop-Lizenz, wenn die Fonts abbezahlt sind. Zu Beginn ist der Dienst lediglich für Mac OS X verfügbar. Eine Windows-Version ist jedoch in Planung. Wie bei anderen Webdiensten für Schriften benötigt Fontstand ein dauerhaft lokal laufendes Programm, das die Aktivierung der Schriften regelt. Im Gegensatz zu anderen Diensten wie Typekit oder Fontyou erfolgt die Verwaltung jedoch nicht über den Browser. Die Fontstand-Anwendung bringt den Shop direkt in der App mit. Hier können die Fonts nach Schriftstil, Schriftanbieter und Suchbegriffen durchforstet werden. Eigene Mustertexte oder Glyphentabellen gibt es aktuell leider nicht, aber die Fonts lassen sich ja mit einem Klick aktivieren und dann in beliebigen lokalen Anwendungen begutachten. Fazit: Fontstand überzeugt auf Anhieb. Es bietet klare Vorteile gegenüber klassischen Webshops für Schriften, ohne die Nachteile von Dauermietlösungen mit sich zu bringen. Interessant ist auch zu sehen, wer hinter Fontstand steckt und welche Foundries ihre Schriften über Fontstand anbieten. Entwickelt wurde das Konzept von Peter Biľak (Typotheque) und Andrej Krátky und die beteiligten Schriftanbieter bilden eine feine Auswahl von »Indie Labels«: Type Together, Storm Type, House Industries, Typofonderie, Commercial Type, Bold Monday und so weiter. So wirkt das Angebot wie eine Antwort der inhabergeführten Foundrys auf die Angebote der großen Anbieter wie Monotype und Adobe, die in ihren Angeboten vor allem auf Masse setzen. Fontstand setzt dem hochwertige Schriften zu fairen Konditionen entgegen. Ein Angebot, das für die betreffenden Foundries und die Schriftnutzer gleichermaßen von Vorteil sein wird. Weitere Infos und Download der App unter: https://fontstand.com
  49. 6 Punkte
    update! der freundliche magistratsbeamte hat die ersten schablonen am tisch. die bestehen jedoch nicht aus einzelnen lettern, sondern sind komplette straßennamen. offenbar jeweils mit zweiter schablone, die die stege der ersten schablone kompensiert. hier ein bild das er mir vorab geschickt hat. ich werde versuchen, alle gemeinen und versalien (vielleicht sogar ziffern) zusammenzubekommen. mal sehen, nächste woche gibt’s angeblich mehr informationen.
  50. 6 Punkte
    Ist jetzt nicht direkt ein typographisches Fundstück, aber bisher wurde das ja auch recht liberal gehandhabt: Die Metro bietet nur am 6. 7. eine Toshiba-Computertischplatte mit zusätzlicher Datenspeicherfunktion an. Wenn man noch zwölf bis zwanzig Euro drauflegt und sich bei Ikea zwei Lerberg- oder Oddvald-Tischböcke dazukauft, hat man einen trendigen Computertisch mit Zusatznutzen: Mit knapp einszwanzig mal achtzig nicht gerade ein großer Tisch, aber für manches Home-Office sicher eine schöne, schlichte Lösung. Man hätte sicher in dem Volumen noch ein bißchen mehr Technik als ein lumpiges Terabyte Speicher unterbringen können, andererseits kann man anderswo sechzig € und mehr auch locker für eine Tischplatte ganz ohne Technik-Schnickschnack hinlegen. Insofern paßt das schon. Ist übrigens auch blöd beworben: Dadurch, daß da versehentlich »Festplatte« statt »Tischplatte« steht, übersieht man glatt, wenn man nicht auf die Maße achtet, was man da fürs Geld alles geboten bekommt. Echt dumm auch, da passende Tischböcke nicht gleich selbst mit anzubieten.
Zeitzone: Berlin/GMT+01:00
Hooptie Script – Schriften aus der Motor City
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