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  1. Herkunft, Form und eigentliche Natur des Buchstebens ß sind eine der am kontroversesten diskutierten typographischen Fragen. Ligatur oder Buchstabe? Eine ſ-z oder ſ-s-Form? Das mit der Ligatur ist nicht völlig falsch, aber ß als Buchstabe eigenen Rechts anzusehen ist auf jeden Fall richtig, es entspricht der Rolle und Funktion des Zeichens in der deutschen Schriftsprache. So wie unser w als Buchstabe angesehen wird, obwohl seine Entstehung klar eine ligatorische war: u-u bzw. V-V. Hier kann selbstredend nicht die eigentliche Entstehungsgeschichte des ß annähernd erschöpfend behandelt werden. Aber ich möchte einige Gedanken aus der Sicht des erfahrenen Typographen und Schriftgestalters darlegen. Für die Diskussion des Hintergrundes in der mittelalterlichen Paläographie verweise ich auf die beiden dazu maßgeblichen Beiträge von Bollwage (GBJ 1999) und Brekle (GBJ 2001). Inhaltlich daran anschließend ist der Beitrag von U. Stötzner (Signa 2006), in dem auch auf die – ansonsten wenig beachtete – Verwendung ß-artiger Zeichen als Ideogramm (z.B. für Maße) eingegangen wird. Die Voten für ſ-z oder ſ-s prallen auch heute mitunter noch hart aufeinander, weil man es dermaleinst so oder so gelernt hat. Diese Frage schlägt bis in die Erörterungen zur Gestaltung des großen ẞ durch, aber das ist ein anderes Thema. Inzwischen hat sich weitgehend die Erkenntnis durchgestzt, das sowohl die ſ-z- als auch die ſ-s-Verbindung an der ›Wiege‹ des ß standen. Ein Insistieren auf ausschließlich einer der beiden Ursprünge kann also als überholt betrachtet werden. Die kurze Version der Erklärung ist: der ſ-z-Stamm geht auf die mittelalterlichen bzw. gebrochen Schriften zurück, während der ſ-s-Stamm von den ursprünglich italienischen Kursiven herrührt. Die ganze Geschichte ist aber bei genauerem Hinsehen noch komplizierter. Sie ist für uns heute so schwer zu entwirren, weil die frühesten Befunde (natürlich) sehr verschieden und uneinheitlich sind – und weil wir es bis in die Neuzeit mit Ähnlichkeiten zu tun haben, die zu Entlehnungen und Verwechslungen führen (müssen). Als man zu Zeiten der Grimms begann, deutsche Texte in Antiqua statt Fraktur zu setzen, begann der typographische Schlamassel, denn man hatte nun zwar eine schöne italienisch-französische ſ-s-Type in der Kursiven, die sich gut für das deutsche ß gebrauchen ließ, aber, oh weh, keine entsprechende Type in der Geradstehenden. Wirklich nicht? Bollwage hat dargelegt, daß lateinische Abkürzungszeichen, die auf dem langen ſ beruhen, mit angefügten Bögen oder Häkchen, als Vorbild für das mittelalterliche deutsche ß gedient haben. Für diese Ansicht sprechen u.a. eine Reihe entsprechender Drucktypen aus dem 15. Jahrhundert. In unserem ersten Beispiel (Druck von Mentelin, Straßburg 1477, freundlicherweise mitgeteilt von Thomas Landsgesell) weist die rechte Seite des ß eine von s und z (3förmig) eindeutig verschiedene Formung auf. Die Mentelinsche Drucktype ist eine Art Proto-Antiqua, deren Minuskeln noch die Herkunft von gotischen Schriften erkennen lassen. Es gibt aus der Wiegendruckzeit eine Reihe weiterer Beispiele dieser ß-Form, der man eine intendierte ſ-s oder ſ-z-Verwandschaft nicht sicher nachsagen kann. Es handelt sich hier nicht um ein ›ſ-s‹ oder ein ›ſ-z‹ sondern um etwas anderes. Daneben gab es weitverbreitet jenen Typ, bei dem dem langen ſ ein 3förmiger Teil angefügt ist, der der Form des Fraktur-z entspricht. Dieses Modell hat zu der Bezeichnung »Eszett« geführt und ist bis heute die Standardform des Buchstabens in Frakturschriften geblieben. Brekle bezeichnet diese Form apodiktisch als »echte Ligatur« im Gegensatz zu lateinischen Abkürzungszeichen, die genau jene 3erle-Form an das lange ſ angefügt haben und die Bollwage als Ursprung vorgeschlagen hatte. Hier aber liegt nun der Hase im Pfeffer. Denn in lateinischen Manuskripten wurde diese 3erle-z-Form als Abkürzungsmarke auch anderweitig verwendet, z.B. mit q. Können wir also wirklich mit Gewißheit sagen, ob dieses 3erle eine Entlehnung des Buchstabens z oder der lateinischen Abbreviatur ist, wo beide praktisch die gleiche Form haben? Brekle scheint sich da sicher zu sein, ich bin es nicht. Denn das über lange Zeit parallele Auftreten beider ß-Modelle (einhakig/Mentelin, zweihakig/3erle) zeigt eben nicht einen ausschließlichen oder zwingenden Bezug zum Buchstaben z. Die Variabilität in der Ausprägung des Buchstabens läßt aber die Deutung zu, daß man die Identität des rechten Teils womöglich gar nicht so bedeutsam fand. Der kleinste gemeinsame Nenner aller Vorkommen ist lediglich ›ein langes ſ mit etwas‹. Interessanterweise begegnet uns fast 200 Jahre später wieder ein ß, das weder als ſ-s noch als ſ-z-Form angesprochen werden kann. Das älteste bekannte aufrechte ß in einem deutschen Antiqua-Satz moderner Ausprägung findet sich in einer Boetius-Ausgabe, gedruckt von Abraham Lichtenthaler in Sulzbach (Pfalz) von 1667 (Quelle: U. Stötzner, Signa 2006). Der rechte Teil des ß ist ein schlank abwärts geschwungener Ponyschwanz, der – ungwöhnlich für unser Auge – nicht bis zur Grundlinie reicht! Warum das? Genau das ist die Frage. Ich behaupte daß der Schöpfer dieser Type mit Sicherheit keinen Bezug zum runden s (und auch nicht zum z) im Sinne hatte. Denn sonst wäre der rechte Teil deutlich breiter ausgefallen und er würde die Grundlinie berühren. Was genau war die Intention hinter dieser Form? Wir wissen es nicht. Es ist ›ein langes ſ mit etwas‹, nur soviel ist sicher. Diese Sulzbacher Form findet sich 1782 in einem lateinisch-ungarischen Wörterbuch wieder (Druck von Sárdi & Hochmeister, Hermannstadt). Hier ist die ß-Type leicht breiter als bei Lichtenthaler, aber eindeutig nach dem Sulzbacher Muster geformt. Man ziehe dabei auch in Betracht, daß es in aufrechten Antiquaschriften dieser Epoche eine Reihe weiterer, verschiedene ß-Formen für z.T. unterschiedliche Zwecke gab (nächste Abb.: aus Signa 9, 2006). Wir können also annehmen, daß für die Lichtenthalerschen und Hochmeisterschen Druckwerke bzw. für die Herstellung der entsprechenden Schriften eine bewußte Wahl der Form getroffen wurde. Und daß für diese Entscheidung ein wie auch immer gemeinter ſ-s- oder ſ-z-Bezug nicht beabsichtigt war oder zumindest nicht zwingend im Vordergrund stand. Es ist erstaunlich – und vielleicht tragisch –, daß es nun einen missing link gibt. Denn als Jacob Grimm um 1822 mit seiner deutschen Grammatik den Wechsel von Fraktur zu Antiqua vollzog (ref. U. Stötzner, Signa 2006), brach der schier unlösbare ſ-s-oder-z-Schlamassel über Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen herein und beschäftigt sie – bis heute. Damals suchte man (dem Anschein nach) vergeblich nach einer Lösung für das aufrechte Antiqua-ß, einer Lösung, die es eigentlich seit mindestens 1667 (Lichtenthaler) schon gab. Die aber offenbar aus dem Blick geraten war. Immerhin bürgerte sich im 19. Jh. die Variante mit der B-förmigen rechten Seite ein, sie hat sich bis heute bewährt. Ist sie nun ein ſ-s oder ein ſ-z? Kann ich nicht sagen. Es ist nicht eindeutig. Aber: sie ist ›ein langes ſ mit etwas‹. Mitte des 20. Jahrhunderts trat dann Tschichold auf den Plan, mit seiner längst entzauberten aber immer noch vielfach geglaubten Erklärung, der rechte Teil müsse nach dem s geformt sein. Ich gehöre zu den Opponenten dieser Ansicht, auch wenn viele bis heute Tschichold in diesem Punkt folgen. Warum ist das wichtig? Weil die Frage nach der richtigen – oder zumindest: einer guten – Form für das ß wichtig ist. Wird der rechte s-ähnliche Teil dabei schmal gehalten, ergibt sich eine passable Form, die der Lichtenthalerschen nicht unähnlich ist. Aber es gibt auch viele Schriften (s. vorige Abb.), in denen das kleine s im ß unverkennbar so gemeint ist – und diese Glyphen sind unausgewogen und für mich daher nicht richtig. Eine ſ-s-Ligatur ist in der Aufrechten etwas anderes als das ß. Ich gebe gerne zu, daß ich mich in diesem Punkt selbst vor einigen Jahren revidiert habe. Die Entdeckung des Lichthaler-Druckes war dabei sicher ein Schlüsselerlebnis. Natürlich wäre die Sulzbacher Form mit dem erhöhten unteren Abschluß so heute völlig unpassend. Aber sie gibt einen wichtigen Hinweis: die Frage ›ſ-s oder ſ-z‹ ist, was die Glyphe betrifft, nicht entscheidend. Folgende Beispiele von Andron-Glyphen mögen verdeutlichen, was ich meine. In sprachlicher Hinsicht wird das ß heute überwiegend als eigenständiges Zeichen angesehen, was es auch ist. Dies gilt m.E. aber auch für die graphische Interpretation: die Eigenständigkeit ist im Zweifelsfalle wichtiger als die Aspekte der Ligierung zweier Ursprungs-Glyphen. Zumal es neben dem Modell mit geschwungener rechter Seite ja auch noch andere gültige, mit 3- oder ʒ-förmiger Ausprägung gibt und in den klassischen Kursivschriften die ſ-s-Form sowohl historisch evident als auch typographisch schlüssig ist. Ähnlichkeiten, Unterschiede, Entlehnungen, Zufälligkeiten, Willkürlichkeiten und Ableitungen – das Leben ist kein Ponyhof und das Gesamtbild zur historischen Erklärung dieses Buchstabens wird nicht übersichtlicher, im Gegenteil. Damit müssen wir leben. Der Theoretiker kann sich jahrelang an solcher Problematik delektieren, aber der Praktiker braucht eine gängige Lösung. Und der Schlüssel dazu liegt m.E. in dem Ansatz, das ß als etwas eigenes zu betrachten. Zum Beispiel als ſ mit Ponyschwanz. Andreas Stötzner, 1. Juli 2017
    22 Punkte
  2. Die Publikation Signa Nr. 9 – Das große Eszett – ist leider seit längerer Zeit vergriffen und die Voraussetzungen für eine gedruckte Neuauflage sind derzeit nicht gegeben. Doch durch die jüngste Entwicklung hat das Interesse an diesem Thema wieder zugenommen. Der Verlag Edition Wæchterpappel hat die Situation mit den Autoren dieser Ausgabe beraten und wir sind übereinstimmend zu der Schlußfolgerung gekommen, die Ausgabe Signa Nr. 9 nach nunmehr 11 Jahren auf elektronischem Wege frei zugänglich zu machen. Es wird damit die Hoffnung verbunden, die dargestellten Forschungsergebnisse und Diskussionsbeiträge mögen somit die Verbreitung finden, die dem Thema angemessen ist. Die vollständige Ausgabe ist nun als Pdf unter CC-Lizenz veröffentlicht und kann hier bezogen werden: https://www.pdf-archive.com/2017/07/13/signa-9-ausgabe-2017-cc/signa-9-ausgabe-2017-cc.pdf
    20 Punkte
  3. Damit Ihr nicht meint ich kann nur Jugendstil: hier zwei Schriften, die ich Anfang des Jahres für langjährige Kunden, nämlich das Minalima-Studio in London, gemacht habe. Die Firma hat sämtliche grafischen Requisiten der Harry Potter und Fantastic Beasts Filme gestaltet. Dadurch sind meine Schriften in den Filmen beider Serien recht gut vertreten. Diese beiden Schriften, ML Sorcerer und ML Alchemist, waren speziell für Minalima's reich illustrierte Neuauflage des ersten Harry-Potter-Buches konzipiert, die erstere für die Titel, die zweite nur für die Kapitelinitialen. Vorsichtshalber hat Minalima aber gleich komplette Schriften bestellt. Als Vorlage wurden mir zwei Bilder zur Verfügung gestellt, die jeweils nur die Großbuchstaben in grober Form zeigten. Alles andere stammt also aus meiner Feder. Da beide exklusive Auftragsschriften waren, sind sie leider nicht erhältlich. Hier ein Kapitelvorsatz. Neben den beiden genannten Schriften kamen auch verschiedene andere Schriften aus meinem Angebot zum Einsatz. Die Kapitelnummer ist hier in WF Absalom aus dem New Victorian Printshop gesetzt. ML Alchemist als Kapitelinitiale: WF Abasalom und WF Sedgwick aus dem New Victorian Printshop: WF Trowbridge aus dem New Victorian Printshop und WF Bullion aus der Wild West Press, sowie weitere aus der Civil War Press: Hier WF Blaisdell (Initiale) Und WF Amilcar aus dem New Victorian Printshop: WF Klabasto aus dem New Victorian Printshop: WF Nelda aus dem American Poster Fonts of World War II set. Das Buch ist wunderschön und enthält neben unzähligen tollen Bildern auch verschiedene pop-ups und andere Überraschungen. Es macht gewiß ein tolles Geschenk. Es wurde in vielen Sprachen aufgelegt. Eine deutsche Version ist, soweit ich weiß, in Vorbereitung. Näheres erfahrt Ihr direkt bei Minalima.
    17 Punkte
  4. Mir fehlten bei den vorangegegangen Auflagen Zeit und Mut, diese seltene und empfindliche Schrift mit einer Feile anzufassen. Aber nun habe ich es gewagt. Vielleicht auch, weil ich beim digitalen Satz oft eingreife und dadurch empfindlicher geworden bin. Hier steht die Form auf der Schließplatte. Wenn man als Setzer und Drucker allein in der Werkstatt arbeitet, kann man sich den Arbeitsplatz aussuchen. Früher hätte der Setzer die Arbeit im Winkelhaken gemacht, weil der Drucker seinen Platz selbst brauchte. Das Unterschneiden ist gefährlich für das Schriftbild. Eine falsche Bewegung, und der Buchstabe ist hin. Bei einer seltenen Schrift wie der Wiener Grotesk, Erstguß 1912, wäre das bedauerlich. Das Feilen dauert seine Zeit. Bis die Form paßt, vergeht ein Stündchen. Und wenn man den Buchstaben am Ende doch kaputt macht, werden zwei Stunden daraus. Ich war aber sehr vorsichtig und hatte Glück dazu. Die beiden angefeilten Typen in der Druckform. Für Bleisatzkritiker: Das Blindmaterial links und rechts besteht aus Doppelcicero-Quadraten, weil die schneller greifbar waren als der Doppelmittel-Ausschluß. Hält auf kurzen Abschnitten genauso gut: Schließlich die Vorher-Nachher-Ansicht:
    17 Punkte
  5. So, jetzt habe ich endlich die Ruhe, die versprochenen Details zum Speisekartenseminar aufzuschreiben. Also: Ganz generell wurden die Dinge, die RoMi oben bereits schrieb, genau so auch im Seminar vorgetragen. Die Dame, die das Seminar hielt, stammt selber aus der Gastronomie, unterrichtet zudem seit ewigen Zeiten angehende Gastronomen und hat die entsprechende Erfahrung im Umgang mit Gastronomen und ihren Kunden. Das Seminar, welches ich auf Wunsch meines Gastronomie-Kunden mit ihm zusammen besuchte, hatte als Zielgruppe Gastronomen und in der Gastronomie tätige Menschen, also beispielsweise Köche, Bankettchefs, Restaurantbesitzer, etc. Das Ganze richtete sich also keineswegs an Gestalter, war aber ausgesprochen interessant, weil ich unter anderem einen Einblick in die Kalkulation und die organisatorische Struktur gastronomischer Betriebe bekam – und in die Denkweise, die normalerweise hinter der Gestaltung von Speisekarten steht und die unter Umständen höheren Umsätzen im Weg steht. Ganz grundsätzlicher Tenor der Seminarleiterin Franziska Schumacher war, dass man es dem Gast so komfortabel wie möglich machen, ihn nicht bevormunden und ihm im Gegenteil peinliche Situationen ersparen soll. Peinliche Situationen? Nun ja, viele Speisekarten verfolgen eine Einteilung, die für bestimmte Gäste nicht angenehm ist, weil es bei der Bestellung die Aufmerksamkeit der übrigen Gäste (oder auch des bedienenden Personals) auf gewisse Bedürfnisse oder Einschränkungen des bestellenden Gastes lenkt, was diesem unangenehm sein könnte. Zum Beispiel: Nicht jeder Vegetarier will seine fleischlose Ernährung thematisieren, nicht jeder Mensch über 65 möchte sich mit einem Seniorenteller outen und nicht jeder Allergiker möchte bei der Bestellung seine Verdauungsunverträglichkeiten in den Fokus exponieren. Gäste die keine großen Portionen schaffen, möchten auch nicht schief angesehen werden, wenn sie zwei kleine Vorspeisen statt eines (zu großen) Hauptgerichtes bestellen oder eine halbe Portion auf dem Teller liegen lassen müssen. Das Fazit: Vermeidung aller Bevormundungen in der Speisekarte und maximale Flexibilität bei den Bestellmöglichkeiten. Das heißt ganz konkret, dass die klassische Einteilung in Vorspeise/Hauptspeise/Vegetarisch/Kinder/Senioren wegfallen sollte zugunsten einer freieren Mischung der Gerichte, die jeweils in einer großen und einer kleinen Portion angeboten werden, damit jeder Gast ganz diskret die seinem Hunger entsprechende Menge des gewünschten Gerichtes bestellen kann. Die Beschreibung der Gerichte sollte, wie RoMi schon schrieb, ausführlich und appetitlich formuliert werden. Dabei gilt: Je hochwertiger die Zutaten und je geringer die Zahl unappetitlich klingender Zusatzstoffe, desto besser! Die Texte zu den Gerichten dürfen sehr gerne ausführlich ausfallen: Die Freude des Kochs an seinem Handwerk, die Güte der Zutaten und der Einfallsreichtum bei der Zubereitung darf gerne an den Gast weitergegeben werden. Franziska Schumacher plädiert außerdem für ein gewisses visuelles Chaos in der Speisekarte. Soll heißen, nicht nur die Gerichte werden abwechslungsreich gemischt, sondern auch die klassische Anordnung, bei der Texte und Preise starr in Spalten untereinander stehen, sollte unbedingt aufgebrochen werden. Je länger der Gast beim vergnüglichen (!) Studium der Karte verweilt, desto besser. Gerne dürfen dabei auch kleine Texte zwischen den Gerichten stehen, die besondere Zutaten oder auch die Herkunft der verwendeten Produkte hervorheben. Alles, was dem Gast ein gutes Gefühl in Bezug auf die gereichten Speisen verleiht, ist erlaubt. Die Texte zu den Gerichten selber dürfen frei auf der Seite angeordnet werden, es ist sicherlich nicht falsch, hier von einem erwünschten Magazincharakter zu sprechen. Wichtiger Punkt bei der Anordnung der Gerichte auf der Seite sind die bekannten Studien zur Leserichtung. Es gibt verschiedenen Studien (als Beispiele nennt Frau Schumacher die Arbeiten von Vögele, Pauli und Kroeber-Riel)), die untersucht haben, wie Leser eine Doppelseite erfassen. Zum Beispiel, dass der Blick zuerst in die rechte obere Ecke wandert und sich dann vereinfacht gesagt an den linken Rand bewegt um dann zurück in die rechte untere Ecke zu schweifen. Ganz grundsätzliche gesprochen bekommt, wenn man die Doppelseite von links oben nach rechts unten unterteilt, die rechte obere Hälfte deutlich mehr Aufmerksamkeit als die linke untere. Das sollte man sich bei der Speisekartengestaltung zunutze machen, indem man in den aufmerksamkeitsstarken Bereich all jene Gerichte stellen sollte, die man verstärkt anpreisen möchte, während die stabilen Selbstläufer in den zweiten Bereich gesetzt werden können. Unterstützt man bestimmte Gerichte außerdem mit einem (gut gemachten) Foto des Gerichtes oder einzelner Zutaten, so kann man die Aufmerksamkeit des Lesenden zusätzlich beeinflussen, genauso wie mit typografischen Akzenten, durch die einzelne Informationen stärker hervorgehoben werden als andere. Empfohlen wird außerdem, den Preis ohne Eurozeichen zu schreiben, ihn etwas kleiner zu setzen als den übrigen Fließtext und ihn ohne visuelle Hervorhebung direkt im Anschluss an den Beschreibungstext zu setzen. Interessant fand ich auch einige kalkulatorische Aspekte, die im Seminar erwähnt wurden. So ging es darum, dass alle Seminarteilnehmer aufgefordert wurden, eine Analyse ihrer Gerichte unter dem Aspekt Kosten für Zutaten und Zubereitung versus Erlös zu betreiben. Zusätzlich sollten sie eine Statistik anlegen zur Beliebtheit/dem Abverkauf der einzelnen Gerichte auf ihren Speisekarten. Mit den Ergebnissen aus diesen Betrachtungen sollten sie: a) Ladenhüter von der Karte streichen und b) Gerichte mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis für die prominente Platzierung auf der Karte vormerken. Damit das nicht falsch verstanden wird: Es geht dabei nicht darum, minderwertige Gerichte zu bewerben – solche sollte es selbstredend überhaupt nicht auf der Karte geben. Sondern es geht darum, dass eine gute Mischkalkulation entsteht, bei der der Gastronom Gerichte in den Fokus der Karte bringt, die ausgesprochen schmackhaft sind, dabei aber auch einen guten Erlös in die Kasse bringen, der den Fortbestand des gastronomischen Betriebs sichert. Eine frische Pasta mit hausgemachtem Pesto und Gemüsen der Saison bringt zum Beispiel einen höheren Ertrag als Wildbret mit Steinpilzrisotto – obwohl sie in Geschmack und Qualität absolut ebenbürtig sein können. Sympathisch fand ich, dass Frau Schumacher bei all den Geheimnissen, die sie im Seminar preisgab, doch sehr entschieden darauf hinwies, dass eine solche Kartengestaltung besser in Expertenhand gelegt werden solle. Sie empfahl, ein sehr dezidiertes Briefing zu erstellen (dies wurde im Seminar auch ganz praktisch geübt) und sich mit diesem dann an einen professionellen Gestalter zu wenden. Sie empfahl allerdings auch, dass man sich die Karte in einem Programm erstellen lassen möge, das der Gastronom im Anschluss selber bearbeiten kann – was dann zur Briefingvorgabe führen dürfte, bei der Gestaltung ein gängiges Textverarbeitungsprogramm zu verwenden, aber nun gut. Auch damit lässt sich umgehen. Das Seminar enthielt noch zahlreiche andere gute Tipps, die hier zu erwähnen zu weit führen würde – und ich will Frau Schumacher auch nicht das Geschäft verderben. In den Seminarunterlagen steht, dass die Texte diesem Buch entnommen sind: Der clevere Gastronom, erschienen beim Matthaes-Verlag. Wer sich dafür interessiert, kann dort sicherlich weitere erhellenden Informationen finden. Liebe Grüße, Kathrin PS: Sorry, dass dieser Beitrag erst so spät kommt, aber Ihr seht ja – es war ein bisschen mehr zu schreiben.
    15 Punkte
  6. In dem Beispiel »zu bequem zum Mülltrennen« ist tatsächlich nur die Zusammenschreibung möglich. Das Beispiel Auto fahren trifft es: Die Fügung aus Substantiv und Verb wird getrennt geschrieben, wenn sie verbal verwendet ist. Sie wird zusammengeschrieben, wenn sie substantiviert ist. Das zum (Präposition + Artikel) ist ein Zeichen für die Substantivierung und wird vom Infinitiv mit zu unterschieden. Wenn das Trennen betont werden soll, müsste man umformulieren: »zu bequem, den Müll zu trennen«, »zu bequem zum Trennen des Mülls«.
    13 Punkte
  7. Und schon hat sich das neue Mitglieder wieder gelöscht. Worauf ich nach Veröffentlichung der ersten Antwort schon wetten konnte. Leider hatten die Community-Regeln keinen entsprechenden Paragrafen, um da schnell eingreifen zu können. Ich hab das mal nachgeholt, da es sich ja gerade wieder häuft.
    13 Punkte
  8. Ich habe dies hier bei Allgemein rein gesetzt, weil ich mich hiermit an jeden wenden möchte. Da sich ja noch niemand herabgelassen hat, hier Grüße zum Jahreswechsel zu hinterlassen, eröffne ich das mal. Ich möchte mich nämlich für ein wunderbares Jahr, hier im Forum bedanken, für all diese stets hoch intelligenten Dummheiten, über die ich herzlich lachen konnte, über die Nachsichtigkeit bei so manchen Dämlichkeiten meinerseits. Dank für die kollegiale Hilfsbereitschaft, die hier jedem zu Teil wurde, egal ob jetzt komplizierte Profifragen, oder bei zum hundertsten mal gefragten Anfängerproblemen. Dank für all dieses Fachwissen und die stets erfrischende Streitkultur. Dank auch für Ideen und Anregungen, und für all die wertvolle Arbeitszeit, die viele hier täglich bereit sind, zu investieren, um teils völlig unbekannten ins rechte Gleis zu helfen. Ich wünsche also allen her, denen, die hier regelmäßig und hilfreich mit diskutieren, genau wie denen, die hier nur mitlesen oder nur selten vorbei schauen einen guten Start ins Jahr 2015. Danke Euch allen! Peter
    13 Punkte
  9. Seit gestern ist das Buch von Friedrich Bauer: Chronik der Schriftgießereien in Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern, Offenbach 1928, als PDF online. http://www.klingspor-museum.de/KlingsporKuenstler/ChronikSchriftgiessereien/ChronikderSchriftgiesserei.pdf Nachträge und Ergänzungen folgen in den nächsten Monaten. Die jetzige Datei enthält den Originaltext von Friedrich Bauer ergänzt von mir durch ein Literaturverzeichnis.
    13 Punkte
  10. Ab heute geht es dann los … 1198 Seiten warten darauf gescannt zu werden. Ab und zu werde ich hier eine Wasserstandsmeldung geben und auch mal die ein oder andere schöne Seite hier hochladen.
    12 Punkte
  11. Vielen Dank für die Detailkritik an den Vollkorn-Versalien! Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich beim Entwurf der Vollkorn vor allem den gemischten Satz im Blick. Gleichzeitig hatte ich offenbar die Möglichkeit von Versalsatz völlig vernachlässigt. Das würde zumindest alle diese Ungereimtheiten der Zeichenbreiten etwas erklären … Irgendwann einmal wird es eine Überarbeitung geben, die all diesen Hinweisen Rechnung tragen wird. Ganz bestimmt!
    12 Punkte
  12. Ich mach mich mal am Wochenende an die Arbeit. Gestern hatte ich ein wenig Kinderbetreuung: seit geraumer Zeit kommt immer mal wieder ein so 9-10 Jahre alter Junge bei uns in der Druckwerkstatt vorbei. Erfrischen sind seine, für heutige Verhältnisse ungewohnte, Neugier und sowas wie ein Wissensdurst. Er fragt Tanja und mir Löcher in den Bauch und hat für einen Jungen in dem Alter echt was auf dem Kasten, gestern zog er ein é aus dem Setzkasten und meinte „Ist das ein französisches E?“. Ich war echt baff! Auch sonst im Gespräch weiss er ein ums andere Mal positiv zu überraschen, ich habe mich mit ihm eine ganze Zeit über die Corona-Krise unterhalten und darüber kamen wir auch auf das Thema Behinderungen zu sprechen. Und auf einmal meinte er ganz unvermittelt: „Du hast auch eine Behinderung!“. Ich schaute ihn fragen an und musste mich bei der Antwort fast setzen: „Du hast eine Sehbehinderung, sonst hättest du keine Brille auf!“ … Sehbehinderung … aus dem Mund eines 9-10 Jährigen! Gestern kam er dann mit seiner überaus dankbaren Mutter zu mir, sie wollte sich mal anschauen, wo ihr Sohnemann manchmal über mehrere Stunden hin verschwindet. Nach einem netten Gespräch drückte sie mir 20€ in die Hand, welche sie auch nach heftigstem Protest nicht zurück nahm! „Ich habe noch 3 Kinder zuhause, sie glauben garnicht was da gerade los ist!" Ilias und ich haben dann also ein Poster mit Holzlettern gedruckt, mit ein wenig Hilfe war er sogar in der Lage die Poster selbst in der FAG zu drucken. Nächste Woche kommt er mit seinem größeren Bruder wieder. Als Hausaufgabe sollten sie sich überlegen, was sie dann drucken wollen. Ich bin gespannt!
    12 Punkte
  13. "Lieber Freund! Die herzlichsten(!) von der Burschenversammlung bei Lippel's sendet Ernst Müller, und Deine Sache ist besorgt und der Schneider wirs(!) Dir in nachster(!) Zeit zuschicken, und ich wünsche das(!) Du Dich zur Kirmse(!) bei uns einstellts(!)" Da hat wohl jemand nach einem feuchtfröhlichen Abend noch zum Bleistift gegriffen.
    12 Punkte
  14. Die lesen doch hier mit, oder?
    12 Punkte
  15. Der Artikel ist unsinnig. Die meisten Leute können eine Garamond nicht von einer Times unterscheiden. Selbstverständlich kann man mit einer Times eine gutaussehende Bewerbung setzen oder vernünftige Tabellen. Ich würde fast meinen, daß man mit einer gut gesetzten Times leichter »einen guten Eindruck« vermitteln kann als mit der spröden Helvetica. Und warum sollte sich ein Laie überhaupt eine Helvetica kaufen, wenn er die Unterschiede zur Arial sowieso nur findet, so sie ihm jemand unter der Lupe zeigt? Warum sollten Serifen in einem tabellarischen Lebenslauf »ein Unding« sein? Das würde ich wiederum für die kuriose Privatansicht eines Laien halten, für Meinungsrauschen. Marotten sind völlig legitim, nur mit Typografie hat diese nichts zu tun. Ich finde diese Art des leeren Daherredens über Schrift grausig. Niemand kann das nachvollziehen, wenn einer die Garamond für »besser« als die Times erklärt, ohne daß er selbst wahrscheinlich die beiden Schriften unterscheiden könnte, wenn ihre Namen nicht dranstehen. Auf diese Art und Weise verschafft man Typografen den Ruf von Spinnern und Nerds.
    12 Punkte
  16. Heute mal nichts mit Ornamenten oder Vignetten, dafür historisch umso interessanter: ein Scan des Büchleins „Jan Tschichold - Formenwandlungen der et-Zeichen“. https://drive.google.com/file/d/1nKn03mCErkj44cZNqbEZN7CfM7IED-u2/view?usp=sharing Das Auftrennen der Hauptprobe der D. Stempel AG verlief ohne Probleme. Gut, dass meine Buchbinderin mitdenkt und für die Seiten nun zwei Archivierungs- und Transportboxen baut. So kann ich später dann die gescannten Seiten ordentlich in eine Box ablegen und die noch zu scannenden liegen sicher in der anderen.
    11 Punkte
  17. Hallo Leute, Endlich habe ich das Ei gelegt! "Art Nouveau Printshop Volume 1" ist fertig. Herzlichen Dank an Euch alle, die hier meine Arbeit mit Rat und Tat unterstützt haben. Das Resultat könnt Ihr auf meiner Website beäugen. Für Forenmitglieder gibt's ein Sonderangebot: Bis zum Jahresende reduziert dieser Link alle Preise auf meiner Webseite um 20%. Jetzt auf zum nächsten Projekt! Viele Grüße, Oliver
    11 Punkte
  18. 4 […] von 10 Haushalten in München leben autofrei. 4 Haushalte von 10 […] leben in München autofrei. In einer Ellipse können Wörter eingespart werden, sie sollten auch formal identisch sein (der […] oder die Studierende). Es gibt aber Ausnahmen: der große […] und die kleinen Buchstaben; er bringt die Getränke mit, wir […] den Salat u. Ä. Die grammatische Form richtet sich nach dem ausformulierten (und nicht dem weggelassenen) Satzteil. Für das verkürzte Subjekt im Beispiel gibt es darum die beiden Varianten. Mehr findet man im Duden 9 (Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle, Berlin 2016) unter »Ellipse«, 3.2 »Einsparung des Kernnomens einer Nominalgruppe«.
    11 Punkte
  19. Solche stumpfen Beleidigungen verfangen leider doch immer ein wenig und hinterlassen einen faden Geschmack von Fassungslosigkeit und ziellos aufgestauten Ärger. Ich spreche vermutlich für die meisten hier, wenn ich mal ganz unpathetisch sage, dass Du mit dem Forum ein tolles Projekt ins Leben gerufen hast und über solchem Unsinn stehen kannst. Oder wie die Oma immer so schön gesagt hat: »Lass es an Dir abperlen, Junge. Wie Jauche an der Marmorstatue.«
    11 Punkte
  20. Der Vollständigkeit halber, damit alle möglichen Meinungen komplett sind: Ich würde nach einer kurzen nicht eingezogenen ersten Zeile den zweiten Absatz einziehen, wenn alle anderen Absätze im Buch eingezogen sind. Das Schema hat doch einen Sinn. Daß Ausnahmefälle zur Verschönerung einen Dienst leisten, kann ich nicht erkennen. Wären solche Ausnahmen nicht eher irritierend? Was ist an einem Einzug ungut oder einem stumpfen Absatz gut? Dialoge sehen in Bücher sehr oft so aus, das ist man als Leser ja gewöhnt. Nur Inkonsequenz wäre ungewöhnlich. »Hallo!« »Wer bist du denn?« Die Dame hatte sich überrascht umgedreht, weil sie nur des Hundes, nicht aber dessen offenbar der menschlichen Sprache mächtigen Begleiters gewahr geworden war. Und so geht der zweite Absatz noch eine Weile dahin, ohne daß er sich an seinem Anfang anders verhält als der auf ihn folgende, ganz gleich, ob der nun lang ist oder nur aus einer Interjektion besteht. »Oh!« Was sollte daran doof aussehen? Es sieht einfach aus wie jedes Kapitel, das auf diese Weise beginnt, also mit nicht eingezogener erster Zeile nach Blindzeilen.
    11 Punkte
  21. Soweit die Behauptung. Behauptungen wollen halt mindestens begründet, bestenfalls sogar bewiesen werden. Es ist eine Tugend, Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. Und es ist gerade ein Wesenszug eines Fachforums, entsprechende Diskussionen zu führen. Was denn sonst? Autor XY hat es so und so gesagt und damit verbietet sich jede Diskussion? Und wieder eine Behauptung, der ich doch entschieden widersprechen möchte. Natürlich kann da vieles schiefgehen. Erstens: Tschichold ist bekannt für seinen dogmatischen Stil – was im Sinne der Wahrheitsfindung mindestens problematisch ist. Zweitens: Tschichild ist bekannt dafür, in einigen Dingen komplett seine Meinung geändert zu haben. Welchen Tschichold sollen wir also lesen? Bei welchem Buch aus welchem Jahr kann vermeintlich nichts schiefgehen? Drittens: Tschichold ist schon einige Jahrzehnte tot. Er kann uns zu heutigen Satz- und Lesegewohnheiten – so sie von den früheren abweichen – rein gar nichts sagen.
    11 Punkte
  22. Im Feuilleton der gestrigen Ausgabe (14. März 2016) der Berliner Zeitung habe ich über den Umgang mit »Hurenkindern« (Fachbegriff für kurze Ausgangszeilen eines Absatzes am Anfang einer Textspalte; heute auch »Witwen« genannt) geschrieben. Die Langfassung des in der Zeitung stark gekürzt abgedruckten Textes findet sich hier: PDF. Und der Einfachheit halber hier der ganze Text: Die technischen Diener der Dichtkunst Zwei Schriftsteller hörte ich aus ihren Edelfedermäppchen plaudern. Der eine schätzte seinen berühmten Verlag für die Freundlichkeit der Angestellten, mit denen er sich unkompliziert duze. Die andere pries ihren ebenso namhaften Verlag dafür, wie geschmeidig die Lesereisen organisiert würden. Ich erkundigte mich mit meinem heimtückischen Charakter als mißtrauischer Typograf, ob diese bedeutenden Verlage von ihren erstklassigen Dichtern das Kürzen von Text aus technischen Gründen verlangten. Denn von dieser Unsitte hatte ich schon mehrmals gehört und wollte es kaum glauben. Gewiß, sagten die beiden. Und das mache man doch gern, wo es nun so nett zugehe im Verlag. Meistens werde der Text davon sogar besser. Da dachte ich bei mir: Nur meistens? Und in den anderen Fällen wird er schlechter? Und war er denn vor dem Imprimatur, der Druckreifeerklärung, noch nicht am besten? Und wer erledigt eigentlich die Meistensverbesserung, wenn der Autor mal unerreichbar im Swimmingpool seiner Datscha oder probehalber und erfahrungshungrig auf dem Sterbebett lungert? Und wer ändert die Texte in der posthumen Werkausgabe? Das alles wagte ich nicht zu fragen, weil ich die beiden Schriftsteller nicht kränken wollte. Aber offenbar haben sie darüber nicht nachgedacht. Was mich nun wurmt und fuchst, denn sie befördern mit ihrer scheinbaren Großzügigkeit das Faulenzertum der technischen Diener ihrer Kunst. Woher kommt das Verlangen nach Textkürzung? »Übersatz« wird die letzte Zeile eines Absatzes genannt, die nicht mehr auf die Seite paßt. Solch eine kurze letzte Zeile am Kopf der Folgeseite aber heißt im Fachjargon abfällig »Hurenkind« und ist verboten, weil unschön. Muß tatsächlich Text bearbeitet werden, um diese Hurenkinder zu vermeiden? Weil die großen Buchverlage in den letzten dreißig Jahren den Buchentwurf aus Sparsamkeit ausgelagert haben, gibt es in diesen Häusern inzwischen niemanden mehr, der die Kriterien für schöne Bücher bis ins Detail kennt und seinen Kollegen erklären kann. Kein »Künstlerischer Leiter«, der entschlossen erste Güte in der Buchproduktion durchsetzt. Viele Großverlage, eher Buchlegebatterien, überlassen es heute dem Zufall, ob die beauftragten Buchentwerfer ihr Handwerk verstehen. Oft wird die Ausführung der vielleicht guten Entwürfe nicht mehr von Fachleuten ästhetisch überwacht, sondern nur noch technisch von der Herstellungsabteilung. Entsprechend schlecht sind viele Bücher gesetzt. Ohne die früher übliche Kontrolle sind manche Schriftsetzer wohl faul und frech geworden. Denn faul und frech muß man es heißen, wenn der Schriftsetzer seine Arbeit nicht macht, weil er es nicht kann oder nicht mag und deshalb eine Textbearbeitung verlangt. Ahnungslos und desinteressiert, um das Genörgel auszudehnen, sind Verlagshersteller, die dieses verrückte Ansinnen der Setzerei an das Lektorat weiterreichen. Und als respektlos vor dem künstlerischen Werk erweist sich ein Lektor, der es wagt, den Autor um die Änderung eines fertigen Textes zu bitten, weil Schriftsetzer und Hersteller ihre Arbeit nicht machen. Was ein Schriftsteller von seinem eigenen Werk hält, wenn er es aus technischen Gründen für ein paar nette Worte zu ändern bereit ist, behalte ich für mich. Sind Dichter, die für einen faulen Setzer ihre Worte umarbeiten, Künstler? Es erscheinen auch Bücher, deren Autoren tot sind. Diese Texte dürfen von niemandem geändert werden. Das Problem von nicht recht passendem Text löst in diesen Fällen der Schriftsetzer, ohne daß er einen toten Dichter verbessert. So ist es immer gewesen. Aber wird es so bleiben, wenn der Schriftsetzer sich nun daran gewöhnen darf, daß der Verlag den Text für ihn ändern läßt? Bestimmt findet sich auch bei Goethe ein überflüssiges »letzthinniglich« oder läßt sich hier und da ein »gewiß« einfügen, um einen Absatz etwas zu verkürzen oder zu verlängern. In den feinen Vorzeiten haben Schriftsetzer sogar das Werk aller springlebendigen Autoren als unantastbar betrachtet und ohne Textänderung in eine gute Form gebracht. Sie haben heute, im digitalen Schriftsatz, sehr viel mehr Möglichkeiten, Text »einzubringen« (raumsparend setzen) oder »auszutreiben« (raumgreifender anordnen), um sie zu vermeiden: die »Hurenkinder«, die heute aus vermeintlich politischer Korrektheit nach englischer Fachsprache auch »Witwen« genannt werden – was nur haben bedauernswerte Witwen verbrochen, daß sie für satztechnische Mängel herhalten müssen? Zu Bleisatzzeiten verkürzte man eine Doppelseite um eine Zeile in der Höhe, das fällt kaum auf, oder mußte Wortabstände verengern oder erweitern, um den Zeilenfluß und Seitenumbruch zu ändern. Ganze Absätze wurden dafür neu gesetzt, von Hand aus dem Setzkasten oder an der Setzmaschine. Heute geht so etwas am Computer auf Knopfdruck. Man kann sogar, was niemand mit bloßem Auge bemerkte, Doppelseiten einen Millimeter verschmälern oder verbreitern. Die technischen Möglichkeiten sind in der alten und neuen Fachliteratur beschrieben. Nicht in der Wikipedia, wo Verlage heute ihr Unwissen über »Hurenkinder« aufzusammeln scheinen: »Sollten diese Satzprobleme nicht automatisiert lösbar sein, übernimmt es der Lektor oder Autor in der Korrektur, durch Trennung, Streichen oder Ergänzen in (sic) die Länge der entsprechenden Textabsätze so zu verändern, dass diese Satzfehler nicht mehr auftreten.« Man sollte in eine große Tageszeitung drucken, was Autoren von ihren Lektoren, Lektoren von Verlagsherstellern und Hersteller von Schriftsetzern verlangen können, damit nicht in die Dichtkunst eingegriffen werden muß, nur um faule und freche Setzer in ihren Hängematten zu schonen, die sie wegen der verlegerischen Kompetenzeinsparung neben den Automatisierungsgerätschaften aufgestellt haben.
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  23. Man kann schlecht winzige Spatien, also nichtdruckende Teilchen, vor die Zeilen legen, weil diese bei der Verarbeitung der Kolumne allzu leicht abfallen würden. Wie hier im Bild gezeigt (unten), werden größere nichtdruckende Quadraten und Spatien verwendet. Auf der linken Seite der Kolumne ist nur das »v« ein wenig (einen halben Punkt) aus der Satzkante herausgezogen. (Der Satz steht kopf, weil wir Schriftsetzer ihn von links nach rechts lesen. Aus »oben« wird »unten«.) Auf der rechten Seite sind es zwei Bindestriche, die aus der Satzkante herausgeschoben wurden. In der Vergrößerung fällt das sogar auf, obwohl es sich nur um eine Verschiebung von anderthalb Punkt handelt – das ist ein guter halber Millimeter. Auffallen soll der Randausgleich niemandem. Um zu beurteilen, ob der Randausgleich gelungen ist, muß man den gedruckten Text in Originalgröße anschauen und keine Makroaufnahmen vom Satz. Es handelt sich um die Garamond von Typoart im Grad Petit, also 8 Didot-Punkt. Die Versalien am Ende sind aus Nonpareille (6 Punkt) gesetzt. Deshalb steht hier noch ein Foto, das den ganzen Druckbogen mit den Händen des Druckers zeigt. Der Randausgleich ist gelungen, wenn an der Satzkante weder Dellen nach innen noch Spitzen nach außen auffallen. Bei der Grafik handelt es sich um einen Holzstich von Hans-Joachim Behrendt. Eine animierte Typografie gewissermaßen, das G als belebter Baum. (Dazu mehr im Blog aus meiner Werkstatt.)
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  24. 5 Tage Côte d’Azur sind nun zu Ende und ich sitze wieder an der kalten Nordsee ... Aber ich habe euch was mitgebracht: In der Kathedrale von Grasse Tourrette sur Loup Mouans Sartoux Hier ist jemand sehr aktiv mit der Schildermalerei. Alle gezeigten Bilder sind handgemalt und m. E. auch in einem Stil ... Comic-Sans-Schildermalerei ... herrlich Cap Ferrat Es gab noch so einen Brunnen, da war der Halbmond und das Kreuz noch eindeutiger herausgearbeitet. Leider war da aber mein Akku leer ... Cagnes sur Mer – letzter Café vorm Rückflug Der Schreiber hat wohl auch zu viel von dem Kaffee getrunken
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  25. Im Korrektorat des Mannheimer Dudenverlages (bis 2013) wurde mindestens seit 2002 der Zusatz »kompress« in Korrekturanweisungen und Korrekturen verwendet, wenn angewiesen oder angemerkt werden sollte, dass Zeichen ohne Abstand gesetzt werden sollten. Das war beim Halbgeviertstrich und bei Fügungen wie A4 oder G8, zwischen Gradzeichen und Kennbuchstaben usw. (besonders am Zeilenumbruch) zur Verdeutlichung notwendig. Es wurde auf dem Ausdruck mit dem Korrekturzeichen (kleiner Bogen oben und unten) angemerkt und ggf. mit dem Zusatz ((kompress)) in Doppelklammern versehen. Im fachsprachlichen Bereich ist die Verwendung von kompress für »ohne Abstand« also durchaus eingeführt und geläufig, auch wenn der Rechtschreib-Duden sie nicht aufführt.
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  26. Und hier geht es ja auch eher darum, dass wir uns zum einen mal bei Ralf bedanken für das, war er mit Typografie.info für uns alle geschaffen hat. Zum anderen ermöglichen wir mit unseren Spenden, dass die Seite auch zukünftig weiter betrieben werden kann. Wenn ich an all die Wünsche denke, die wir über die Jahre so an Ralf herangetragen haben … Das kostet alles Geld, welches er bisher (mit etwas Unterstützung der Förderer) alleine aufgebracht hat. Bestimmt auch mit ein paar kleinen Werbeeinnahmen, aber auch das macht er so dezent, dass die Werbung hier sogar als typografische Bereicherung empfunden wird. Das ist bemerkenswert! Ich pushe das Ganze mal ein bisschen! Alle, die heute (23.12.2016) noch für Typografie.info spenden*, bekommen von mir als Belohnung – wenn sie denn möchten – entweder eines meiner Cook&LookBooks der 3. Edition (Kochbüchlein im Format DIN A5; einige von Euch haben diese Ausgabe bereits) oder wahlweise einen 2017er Taschenkalender in DIN A5, den ich in diesem Jahr für die SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden gestaltet habe. Liebe Spender! Schickt mir nach erfolgter Spende einfach eine PN mit Eurer Adresse und teilt mir mit, ob Ihr Kalender oder Kochbüchlein haben möchtet und dann bekommt Ihr demnächst Post von mir. *So lange der Vorrat reicht, der Rechtsweg ist vollkommen ausgeschlossen und eine Barauszahlung der Belohnung auch. Isso.
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  27. Ich hab ’ne Weile gebraucht bis es gezündet hat.
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  28. Das merken wir schon. Wir merken aber auch, dass Catfonts sehr viele Beiträge verfasst, im Eilzugstempo Schriften erstellt, diese mitunter kostenlos zur Verfügung stellt, den meisten die bei ihren Schriften oder Reinzeichnungen nach Hilfe rufen Unterstützung anbietet usw. …
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  29. Sicher, nur ist das für das akute Problem irrelevant. Es ist einfach ein Unding, quasi-gesetzliche Normen nicht einfach und offen zugänglich zu machen. Mit einem transparenten Rechtsstaat einer freiheitlichen Gesellschaft ist das eigentlich unvereinbar.
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  30. Den Hinweis hab ich gerade in den Pressemeldungen meiner Heimat-Uni gesehen: Alle Jahrgänge der 1924 gegründeten Zeitschrift "Gebrauchsgraphik" sind nun online verfügbar: http://design.illustrierte-presse.de/ Auf der Partnerseite gibt's noch andere illustrierte Magazine der Zwischenkriegszeit zum Durchblättern: http://magazine.illustrierte-presse.de/
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  31. Die Kurzform: Nach vorreformierter Rechtschreibung war nur b richtig. Nach aktueller Rechtschreibung sind alle Varianten möglich, auch: d) Eine Marke zu kennen, heißt, sie zu erkennen. Die Langform: Eine Marke zu kennen (Subjekt) | heißt (Prädikat) | sie zu erkennen (Prädikativ, Gleichsetzungsnominativ). Sind Subjekt und Prädikativ einfache Infinitive (ohne zu), steht kein Komma: Von S. lernen heißt siegen lernen. Die Regeln für den Infinitiv mit zu entscheiden daher, ob/wo hier Kommas stehen müssen. a) Der erste erweiterte Infinitiv mit zu ist durch Komma abgetrennt. Nach aktueller Regelung ist dieses Komma optional, nach vorreformierter Rechtschreibung durfte hier kein Komma stehen, weil der erweiterte Infinitiv mit zu dem Satz als Subjekt vorangestellt ist. b) Dieses Komma vor dem erweiterten Infinitiv mit zu musste nach vorreformierter Rechtschreibung stehen, nach aktueller Regelung ist es optional. c) Beide erweiterten Infinitive mit zu können nach aktueller Rechtschreibung ohne Komma stehen. d) Beide erweiterten Infinitive können nach aktueller Rechtschreibung mit Komma stehen. Fazit: Ich würde zwischen b und c wählen. Variante b knüpft am engsten an die Tradition an, c ist die einfachste Variante.
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  32. Der macht grad in einer Nacht-und Nebel-Aktion eine andere Schriftart für eine österreichische Gebäudeanschrift... Die alte Anschrift von 1931: Die aktuelle Anschrift, die nicht mehr gefällt: So wird es wahrscheinlich in kürze aussehen: und das ist die Schrift: Zur kompletten Schrift fehlen mit außer F H und K noch die Versalbuchstaben, die Ziffern und die Satzzeichen außer , . ; : -
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  33. Für Euch getastet getestet: Der Hochentaster. Heute habe ich den Hochentaster mal aus seiner Kiste entlassen und zusammengebaut. Es stellt sich heraus: Ein Hochentaster ist ein Fitnessgerät, das gleichzeitig verschiedenste Muskelgruppen trainiert, von denen man gar nicht wußte, daß man sie hat, und nebenher auch Reaktionsvermögen und Motorik schult. An einer langen Teleskopstange ist ein schwerer Übungkopf befestigt, der mittels Schultergurt und Handgriffen über dem Kopf ausbalanciert werden muß. Fortgeschrittene Probanden können das Gerät nach einigen Einführungsübungen mit dem öffentlichen Elektrizitätsnetz verbinden, dies eröffnet die Möglichkeit, den Kopf des Übungsgerätes in Rotation zu versetzen. Dies geschieht mit Hilfe der beiden Taster, die am Griff befestigt sind, und denen der Hochentaster offensichtlich seinen Namen verdankt. Hochen übrigens ist die österreichische Bezeichnung für doppelt, eine Analogbildung zu Topfen für Quark. Eine Hochentaster ist also ein Doppeltaster. Betätigt man nun die beiden Taster des Tasters, zerspant das Gerät alles, was sich in die Nähe des Gerätekopfes wagt. Beispielsweise kann man damit innerhalb weniger Stunden ein Chain-Saw-Massacre an mehreren Linden anrichten, sofern man im Besitze etwelcher ist. Das Ausweichen vor herunterfallenden Ästen ist dabei willkommener Bestandteil des Trainingsprogramms. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen läßt sich ins Akrobatische steigern durch Zuziehung einer handelsüblichen Bauleiter. Nebeneffekt der Übungen: Es fällt wie der Licht durch die Fenster und man kann mit Händel fröhlich singen: »The people that walked in darkness, hath seen a great light«. postscriptum: Laut Bedienungsanleitung darf das Gerät übrigens »nicht für Baummaterialien [sic!] verwendet werden, die nicht aus Holz sind«. Ist ja auch klar. Wer die Blätter des Baumes sägen will, nimmt natürlich eine Laubsäge. Sagt ja schon der Name. Und außer Holz und Blättern gibt es ja nicht so furchtbar viele Baummaterialien, oder?
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  34. Ganz fertig bin ich nicht, aber die Social Media Werbetrommel rühre ich schon mal. Ich wünschte, ich hätte mehr von diesem totschicken Mimosenzierat. Bisher habe ich aber keine volle Probe aufstöbern können.
    10 Punkte
  35. Jetzt hat auch diese liebe Seele Ruhe. Nochmals meinen allerherzlichsten Dank an Norbert für seine ausgezeichnete Vorarbeit zu den fehlenden Initialen, und Dank sei auch Euch gesagt für Eure Unterstützung!
    10 Punkte
  36. Steine bemalen und beschreiben! Das ist unsere Familienbeschäftigung. Die Steine werden dann am Wegesrand liegen gelassen. Wir freuen uns im Stillen über die Finder. Für die Lachgesichter haben wir ein Buch von @Norbert P konsultiert!
    10 Punkte
  37. Es gibt nur einen, somit ist der nicht anonym. Der Nachweis einer vermeintlichen »lizenztechnischen Unbelastetheit« kann ausschließlich auf eine Art und Weise erbracht werden: die Existenz einer entsprechenden zugehörigen »freien« Lizenz des Herstellers (z.B. OFL), die weitreichende Nutzungsrechte einräumt oder jegliche Schutzrechte abtritt (z.B. Creative Commons Zero). Ich habe die Fonts vor Veröffentlichung des Artikels geprüft. In der Poppl Laudatio stehen Adobe und Berthold als Hersteller in den Meta-Daten drin. Es ist also vollkommen umzweifelhaft – wie schon von anderen vermutet – eine Raubkopie. Die Argumentation »kriegt man ja auf vielen Websites« ändert daran nichts. Ich kann Millionen rechtlich geschützter Filme, Fotos, Musikstücke usw. im Internet findet. »Frei zugänglich« ist nicht gleich »rechtlich unbedenklich«.
    10 Punkte
  38. 10 Punkte
  39. Sohnemann ist derzeit gerade in einer extremen Eisenbahnphase. Wir waren daher im Eisenbahnmuseum in Didcot (in der Nähe von Oxford), wo hauptsächlich Stücke der Great Western Railway ausgestellt sind. Da waren ganz schicke Sachen dabei und auch beiden GWR-Logos fand ich hübsch!
    10 Punkte
  40. Wenn Interesse besteht, würde ich einen GREP-Beispiele-Thread vorschlagen ... am besten lernt man das nämlich durchs Erstellen, Tüfteln Optimieren an konkreten Beispielen, und je mehr Problemstellungen, desto mehr Übung für alle (und gleichzeitig Hilfe für den Fragesteller). Es gibt dabei meist nicht nur eine Lösung für ein Problem (außer es ist sehr genau definiert), aber das ist ebenso interessant zum Lernen. Ich hab mich da das letzte Jahr über ziemlich reingekniet, sowohl bei automatischer GREP-Formatierung als auch bei GREP-Suchen/Ersetzungen. Mein Büro-Kollege und ich versuchen jede Woche 1-2 Arbeitserleichterungen bei unseren Kundenprojekten umzusetzen und zur Verfügung zu stellen. Bin sicher noch nicht Profi, kann aber inzwischen abschätzen was generell möglich ist und wo die Grenzen des theoretisch Machbaren oder auch Sinnvollen erreicht sind. Sehr einfaches Beispiel: Ein Kunde schickt uns monatlich eine Liste mit etwa 200 Musiker-Namen als Textwurst, aber in der (zum Glück) einheitlichen Form "Instrument, Nachname, Vorname [Vorname2 ...]". Wir brauchen das im Layout aber so: "Vorname(n) Nachname" (ohne das Instrument oder Komma). Wir kopieren erst mal den Text nach Indesign und machen dann eine Suche nach "beliebige Zeichen, danach Komma und Leerraum, beliebige Zeichen, danach Komma und Leerraum, danach wieder beliebige Zeichen, dann eine Absatzmarke" Oder in GREP geschrieben: .+,\s.+,\s.+\r . = Platzhalter für ein beliebiges Zeichen ( . steht für mehr oder weniger "alles" was getippt werden kann) .+ = ein beliebiges Zeichen, ein oder mehrmals wiederholt ,\s = ein Komma und danach irgend ein beliebiger Leerraum (s=space). Diese Suche fände auch Achtelgeviert-Leerräume etc., ich schreibe das nur lieber als " ", was nur einen normalen Leerraum findet aber hier ausreichen würde. \r = eine Absatzmarke Wenn man danach sucht, findet man jeweils genau eine komplette Zeile unserer Instrumente und Namen, d.h. die Suche klappt schon mal. Jetzt möchte man mit dem Suchergebnis was anstellen, nämlich einzelne Stücke daraus wieder einfügen, aber anders ... Dazu muss man die gewünschten Stücke in der Suche erst mal mit einer ()-Klammer markieren: .+,\s(.+),\s(.+)\r (markiert werden also die Plätze von Nachname und Vornamen, aber nicht das Instrument oder die Kommas Und kann die dann im Ersetzenfeld so wieder ansprechen: $2 $1\r $2 = platziere das zweite Stück des Fundes (die Vornamen) (Leerraum) = füge einen Leerraum ein $1 = platziere dann das erste Stück des Fundes (der Nachname) \r = eine neue Absatzmarke (der Rest des Fundstücks, also Instrument und die Kommas und alten Leerzeichen werden verworfen) Es wird also z.B. gefunden (eins nach dem anderen): Piccoloflöte, (van der Merwe), (Kathrin) Klavichord, (Bach), (Johann Sebastian) Und ersetzt durch: Kathrin van der Merwe Johann Sebastian Bach Mit dem Suchmuster ist das Umsortieren in einer Minute erledigt (es ginge auch mit einem Klick sofort, aber man will dann doch immer etwas mitkontrollieren was passiert, auch um Musterfehler abzufangen). Davor war das ein mühsamer, fehleranfälliger Copy-Paste-Lösch-Marathon.
    10 Punkte
  41. Für die Auszeichnung von Zitatwörtern können Kursivierung oder Anführungszeichen genutzt werden. Die Kursivierung ist üblich für die Kennzeichnung fremdsprachiger Wörter, die in Originalorthografie (meist dann auch mit Kleinschreibung von Substantiven) verwendet werden sollen. Sie ist auch üblich, wo über die Verwendung, Bedeutung, Schreibung der Wörter selbst (objektsprachlich) geschrieben wird. In deinem Text könnte ich mir Kursivierung vorstellen für die Selbstbezeichnungen, die in den Gruppen verwendet oder bevorzugt werden. Anführungszeichen können zusätzlich eine Distanzierung ausdrücken. Wenn man also schreibt, dass »Zigeuner« ein Begriff ist, der von bestimmten Gruppen geprägt wurde usw. Die Anführungszeichen sind mitunter auch eine Notlösung, wenn ein Begriff üblich ist, aus Gründen nicht für angemessen gehalten wird – ein besserer aber (noch) nicht zur Verfügung steht (z. B. Umbruchfehler, die als »Hurenkind« bezeichnet werden). Einfache Anführungszeichen stehen vorzugsweise in verschachtelten Zitaten (Zitate in Zitaten). In wissenschaftlichen Texten werden sie mitunter wie die Kursivierung eingesetzt; in sprachwissenschaftlichen Texten stehen Bedeutungsangaben oft in einfachen Anführungszeichen. Mit distanzierender Bedeutung kenne ich die einfache Anführung nicht. Da Auszeichnungen immer eine graphostilistische Entscheidung sind, würde ich mich nach den Gepflogenheiten im Fachgebiet/Fachbereich erkundigen. Und wenn es sich um grundlegende Begriffe für deine Arbeit handelt (ich weiß das genaue Thema gar nicht …) gibt es in der Einführung der Arbeit sicher Gelegenheit, die Verwendung der Begriffe und Auszeichnungen zu beschreiben.
    10 Punkte
  42. Der Grund für den Blocksatz, früher »Glatter Satz« genannt, ist die ästhetische Konvention einerseits, die aus den handgeschriebenen Büchern kommt (Gutenberg hat die Form des Buches nicht erfunden). Der glatte Satz ermöglicht eine symmetrische Doppelseite des Buches. Andererseits lenkt die typografische Form nicht vom Inhalt ab. Die Seiten im glatten Satz wirken ruhiger und lassen sich leichter lesen als ein absichtsvoll umbrochener Satz; die Toleranz des Lesers für die Silbentrennung ist deutlich größer als beim Flattersatz, für den sie nicht vorgesehen ist und wo man nach optischen Gesichtspunkten oder nach dem Sinn des Textes die Zeilen umbricht. Der Rauhsatz wird wie Blocksatz getrennt, nur die Wortzwischenräume werden nicht verändert. Der glatte Satz machte zu Bleisatzzeiten sehr viel mehr Arbeit als der Flattersatz, weil die Buchstabenabstände ausgetauscht oder ergänzt werden mußten, wenn man am Ende der Zeile angekommen war und dann erst entscheiden konnte, ob die Abstände zwischen den Wörtern verringert oder erweitert werden mußten und sich überlegen mußte, welche Folgen das für die nächste Zeile haben könnte. Dazu gibt es ein längeres Regelwerk, das ich anno 2008 in meinem Blog veröffentlicht habe: http://www.blog.druckerey.de/index.php?id=171 Heute ist der Blocksatz sehr viel schneller und einfacher herzustellen als der Flattersatz. Das ist schon so seit dem Maschinensatz mit bleiernen Zeilen. Der Text wird vom Setzer ins Layout eingelassen, ob nun an der Linotype oder Monotype (wo man ungünstige Trennungen beim Setzen vermeidet) oder am Computer. Es ist beim Computersatz die Aufgabe des Korrektors, ungünstige oder gar sinnentstellende Trennungen aufzufinden – ein klassisches Beispiel ist Druck-erzeugnis vs. Drucker-zeugnis – oder rechtschreiblich falsche Trennungen. Im Flattersatz dagegen muß der Setzer jede Zeile anschauen, um sowohl ungünstigen Zeilenfall in ästhetischer Hinsicht wie in sprachlicher, den Textzusammenhang betreffend, zu vermeiden. Flattersatz ist also ungleich aufwendiger als Blocksatz. Wenn hier das Gegenteil gesagt wird, dann möge vielleicht ergänzt werden, worin im Blocksatz, bei dem der Setzer sein Gehirn fast abschalten kann (es geht nur noch um Rechtschreibung und sinnentstellende Trennungen), die zeitaufwendige Arbeit bestehen sollte. In beiden Satzverfahren sind die »Hurenkinder« zu vermeiden, auch das ist im Blocksatz sehr viel schneller erledigt als es im Flattersatz nur annähernd möglich wäre. Der digitale Blocksatz verlangt freilich eine sorgfältige Einstellung, die Abstimmung von Laufweite (das war im Bleisatz kein Thema des Setzers), Wortzwischenräumen und Durchschuß und die Trennregeln. Das muß für jede Schrift, jedes Format, also jedes Werk erarbeitet werden. Das gilt allerdings für den Flattersatz ebenso. In dieser Hinsicht sind beide Satzarten in der Vorbereitung gleich aufwendig.
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  43. Frohes Fest – da könnte ich jetzt länger drüber schreiben (und geht dann schon mal gut los), weil ich an dem »Relaunch« des Duden im Jahre 2000 maßgeblich als Freelancer beteiligt war (siehe „Vorher“). Die Reinzeichnung der Logotype (meist angeschnittenes schwarzes Fähnchen, wurde dann aber auch alleinstehend als Logo eingesetzt), stammt von mir, basierte auf einer minimal modifizierten Frutiger Roman. Vorher gab es kein »Duden-Logo«, es gab zwar eine grafische Linie in der Einbandgestaltung, die auf einer durch Günter Gerhard Lange überarbeiteten Times basierte. Der Gedanke, den Markennamen Duden in eine grafisch konsistente Form zu bringen, sprich also eine Logotype zu gestalten, die als Element der Einbandgestaltung, wie auch alleinstehend Verwendung finden konnte, war damals neu. Dennoch gab es einige Konstanten, wie z.B. den „Regenbogen“ für die Kernbände, die beibehalten wurden – die Pixel kamen später dazu. Der Spektralverlauf ist eine Erbschaft von Willy Fleckhaus, der das spektakulär bei der edition suhrkamp in die Verlagsbranche eingeführt hat, was auch wunderbar funktioniert, wenn man viele Einzelbände zur Verfügung hat, bei zwölf Bänden wird die Sache ein bisschen schwierig. Nichtsdestotrotz haben wir viel Energie darauf verwendet, den Verlauf zu optimieren bzw. durfte ich diesen Part übernehmen – was dann dazu führte, das die vorher verwendeten Vollton-HKS-Töne einer etwas aufgehellten Farbreihe wichen, was auch der Wahrig in seinem Redesign damals übernommen hat, naja, im Prinzip wurde das ganze grafische Konzept für den Duden, daß wir entwickelt hatten, vom Wahrig abgekupfert. Die Frutiger kam nebst der Kepler im durch Iris Farnschläder parallel überarbeiteten Innenteil zum Einsatz, auf den sich die Umschlaggestaltung ganz klar bezieht (wir waren während der Arbeit nicht mit ihr im Kontakt, bekamen aber die eingesetzten Fonts durch den Verlag übermittelt und haben auch die Gestaltung gesehen, glaube ich). Farbigkeit Duden Band 1: der bekannteste Duden und eines der auflagenstärksten Bücher in Deutschland ist natürlich Ausgangspunkt eines jeden Redesigns – also das markante Gelb, wie Bertel schon bemerkte. Zusammen mit dem Schwarz und der roten Linie (diese ist also nicht völlig unnötig, Herr Enslin) in der Logotype addierte sich dies zum Dreiklang analog der bundesdeutschen Staatsflagge. Wir haben diesen ziemlich offensichtlichen Zusammenhang damals nicht ignoriert, es gab aber auch ganz andere Vorschläge innerhalb der Agentur. Unser Grundgedanke (Agentur: Bender + Büwendt, Berlin) beim Design, das sich zunächst mal auf die Aufgabe bezog, die Umschlaggestaltung der Kernbände 1–12 zu überarbeiten, ging in Richtung Verlagserscheinungsbild. Dies hat sich dann tatsächlich über die Jahre auch so etabliert, z.Zt. verwenden drei Verlage – Duden Verlag, Duden Schulbuch, Fischer Duden – die Logotype als zentrales Gestaltungselement, das grafische Konzept ist also aufgegangen. So, jetzt aber mal die bunten Teller vorbereiten …
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  44. Ich habe neulich bei Adobe eine Verbesserung der Fußnotenverwaltung angeregt (mehrspaltige Fußnoten sowie Fußnoten/Endnoten). Heute habe ich unter Bezug darauf eine Anfrage vom Developer-Team erhalten, ob ich bereit wäre, als Beta-Tester mitzumachen, bevor man da etwas auf die Öffentlichkeit loslässt. Ich habe zugesagt, vermute aber, dass ich dann zur Verschwiegenheit verpflichtet werde. Aber wenn jemand von Euch noch weitere Anregungen zur Fußnotenverwaltung in InDesign hat, könnte ich diese ja mit einbringen.
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  45. Liebe Katja, mit dieser Herausforderung bist Du ja schon beinahe in Stadtplan-Dimensionen angekommen, was die Falterei angeht (Damit werden zumindest die normalen Online-Drucker überfordert sein). Damit Du A2 auf A6 zusammenfalten kannst, benötigst Du auf alle Fälle ein nicht zu dickes, reißfestes Papier. Mir ist übrigens der Begriff DIN-Faltblatt neu – ich habe keine DIN-Vorgabe für das Falten von Drucksachen finden können – magst Du Deine diesbezüglichen Informationen mal hier verlinken? Das würde mich interessieren. Als Faustregel kann man auf alle Fälle sagen: Je häufiger Du einen Papierbogen in ein und dieselbe Richtung faltest, desto höher wird die Spannung im Papier. Ein Wechsel der Faltrichtung ermöglicht die Entspannung des Materials, so dass einem Aufspringen entgegengewirkt wird. Zu den Faltungen: Ich versuche mal, mich der Sache zu nähern und vertraue darauf, dass die versierten Kollegen aus Druck und Gestaltung mir bei groben Schnitzern fachkundig und charmant zur Hilfe eilen. Es gibt nämlich unterschiedliche Optionen, das Blatt zu falten. Du musst für Dich ausprobieren, welche Faltart für Deine Zwecke die richtige ist. Lege dafür zum Ausprobieren mal ein A2-Blatt quer vor Dich hin: Eine Möglichkeit* wäre, das Blatt zuerst horizontal auf die Hälfte zu falten, das Blatt dann wieder zu öffnen und nun die beiden langen Blattkanten zur so erhaltenen Mittelfalz hin auf die Hälfte zu falten, so dass sie sich in der Mitte treffen (dabei einen kleinen Spalt in der Mitte lassen, das hilft beim weiteren Zusammenfalten). Dann die beiden eingefalteten Hälften an der horizontalen Mittelfalz zusammenklappen, so dass Du einen langen, schmalen Streifen erhältst, der quer vor Dir liegt, die Öffnung sollte dabei nach unten zeigen. Den so erhaltenen Streifen faltest Du jetzt einmal vertikal in der Mitte, so dass sich die Länge des Streifens halbiert. Wieder öffnen, so dass der lange Streifen jetzt wieder quer vor Dir liegt. Jetzt hast Du drei Möglichkeiten: 1) Kreuzbruch-Wickelfalz: Heißt so, weil Du den Streifen quasi wickelst: Falte die rechte Blattkante vertikal zur Mittelfalz ein, dann klappst Du dieses »Päckchen« über die Mittelfalz auf die linke Seite rüber. Das nun links noch überstehende Stück des Faltblattes schlägst Du jetzt nach rechts über das Päckchen und erhältst damit ein auf A6 gefaltetes Faltblatt, dessen Titelseite Du wie ein Buch nach links aufschlagen kannst. Nachteil dieser Methode: Durch das mehrfache Wickeln erhält das Papier eine ziemliche Spannung in eine Richtung und tendiert dazu aufzuspringen. Sorgfältige Verarbeitung und das richtige Papier sind hier ausgesprochen wichtig. Es kann außerdem sinnvoll sein, einige Entlastungsschnitte in den Bogen zu machen, dazu solltest Du Dich aber mit der Druckerei Deines Vertrauens unterhalten und am besten auch Blindmuster anfertigen lassen. Vorteil dieser Methode: Es ist schon von der Form her sehr eindeutig, wo das Faltblatt seine Titelseite hat. Und wenn es sorgfältig gefaltet ist, hält das Faltblatt schön kompakt zusammen und entfaltet sich nicht von selber in der Tasche. 2) Kreuzbruch-Zickzack-Falz: Heißt so, weil Du den langen Streifen zu einer Zickzack-Form zusammenlegst: Dafür faltest Du den Streifen zuerst vertikal in der Mitte an der bereits bestehenden Falz, dann faltest Du beide Hälften nach außen auf die Hälfte, so dass die Blattkanten genau auf der Mittelfalz liegen. Nun ist der lange Streifen in Zickzackform auf A6 gefaltet. Nachteil dieser Methode: Von der Form her ist nicht eindeutig, wo dieses Faltblatt seine Titelseite hat, diese Zuordnung muss über die Gestaltung erfolgen. Außerdem springt auch diese Form leicht auf, sofern sie nicht ganz exakt verarbeitet wurde. Vorteil dieser Methode: Die Papierspannung ist nicht so hoch wie bei der Wickelfalz, weil die Blattspannung in unterschiedliche Richtungen führt. Außerdem gut: Diese Faltung eignet sich für eine von zwei Seiten beginnende Gestaltung, zum Beispiel für zwei Sprachen, da auf zwei Seiten mit dem Lesen begonnen werden kann. (Um diese Zweiseitigkeit noch zu unterstützen, könnte man beim Ausgangsstreifen eine der beiden Seiten statt nach vorne zur Mittelfalz nach hinten bis zur Mittelfalz falten.) 3) Kreuzbruch-Fensterfalz: Hier nimmst Du den oben beschriebenen Streifen und faltest beide Seiten vertikal zur Mittelfalz hin, so dass sich die Blattkanten in der Mitte treffen (dabei einen kleinen Spalt in der Mitte freilassen, das hilft beim weiteren Zusammenfalten). Dann klappst Du die beiden Seiten an der Mittelfalz zusammen, so dass die Falz nach links zeigt – fertig. Vorteil dieser Methode: Das Faltblatt bekommt quasi eine klassische Buchform (oder die eines zweiflügligen Fensters, daher der heutzutage etwas irreführende Name). Auch hier wäre eine von zwei Seiten beginnende Gestaltung möglich.** Denkbar ist das Faltblatt natürlich auch als Hochformat, dann müsste man sich eine anders geartete Faltung überlegen. Zur Anordnung der Seiten in Deiner Gestaltung: 1) Bau Dir am besten ein Weißmuster Deines favorisierten Faltblattes. 2) Überlege Dir, wie das Faltblatt am wahrscheinlichsten aufgefaltet werden wird und nummeriere die Seiten beim Auffalten chronologisch durch. Wichtig ist dabei, dass Du die Seitenzahlen immer groß und richtig herum (so, dass Du sie während des Auffaltens richtig herum lesen kannst) auf den Seiten notierst. 3) Nutze das vollständig aufgefaltete Blatt, um Dein Druckdokument analog dazu anzulegen. Markiere Dir dabei ganz genau, welche Seiten über Kopf angelegt werden müssen, zum Beispiel durch auf einer separaten Ebene farbig angelegte Rahmen, die Du bei der RZ wieder aus dem Dokument entfernst. Zu den Schriftgrößen: Das kommt ganz darauf an! Je rauer das Papier, auf dem Du druckst, desto größer sollte der Schriftgrad sein. (Auf rauem Papier wird die Schrift nicht so brillant gedruckt werden können wie auf glattem, gestrichenem Papier) Schwarze Schrift auf weißem Papier kann kleiner gesetzt werden als weiße Schrift auf farbigem Untergrund. (Weiße Schrift, die auf farbige Flächen gesetzt wird, wirkt im Druckergebnis kleiner und dünner, weil sie im Druck durch die umgebenden Farbflächen etwas zuläuft) Je geringer der Farbkontrast zwischen Schrift und Untergrund, desto größer sollte die Schrift, beziehungsweise der Zeilendurchschuss ausfallen. (Je geringer der Farb-, bzw. Helligkeitskontrast ausfällt, desto schwieriger wird es fürs menschliche Auge, den Text zu erfassen. Diesem Effekt solltest Du entgegenwirken, indem Du Schriftgröße und Zeilendurchschuss erhöhst und dem Leser die Erfassung Deiner Texte auf diese Weise wieder einfacher machst.) Unterschiedliche Schriften können bei gleicher Punktgröße eine differierenden Größenwirkung haben. Eine 7 Punkt Clan Pro wirkt so unter Umständen ein bis zwei Punkt größer als eine Jenson gleicher Punktgröße. Entscheidend für diesen Eindruck sind unter anderem die x-Höhe und die Proportionen von Ober- und Unterlängen der Schriften, aber auch die Größe der Punzen spielt eine Rolle. Als groben Richtwert für die Untergrenze bei den Schriftgrößen kannst Du 7 Punkt ansetzen – aber kontrolliere das dann für die von Dir gewählte Papierqualität und Schrift kritisch anhand der genannten Parameter. Auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du diese Dinge mit dem ausführenden Drucker vorab besprichst. Was eine angenehme Lesegröße angeht, so spielen die gleichen Erwägungen wie bei der kleinstmöglichen Schriftgröße eine Rolle; hier sind zwischen 8 Punkt (für die Clan zum Beispiel) bis zu 10 oder 11 Punkt für Schriften mit einem kleiner anmutenden Schriftbild denkbar. Entscheidend ist hier ganz besonders auch der richtige Zeilenabstand und eine gute Typografie, um den Text angenehm und lesefreundlich zu gestalten. So, das war es erstmal, es würde mich freuen, wenn es Dir weiterhilft. Herzliche Grüße, Kathrin * Es gibt drei unterschiedliche Möglichkeiten, diese ersten, längsseitigen Falzen zu falten – je nach Bedarf musst Du entscheiden, welche für Deine Zwecke die richtige ist. ** Es gibt auch noch die Option einer Kreuzbruch-Parallelmittelfalz, falls die oben genannten Optionen noch nicht die richtigen sind …
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  46. Neuigkeiten: Eben habe ich einen Anruf erhalten: Eine zumindest akustisch nette jüngere Dame erzählte mir am Telefon, das sie zu einer Filmproduktioinsfirma gehöre, und dass in der kommenden Woche Dreharbeiten zu einem Film in Linz beginnen werden. Es wird ein Kinofilm, der in den 1960er Jahren spielt, und die Grafikerin habe sich die Finger wund gesucht, um die authentische Schrift der Linzeer Straßenschilder fürs Filmset zu finden. Erst heute hat sie diesen Strang hier im Forum gefunden und hat mich gleich noch so spät angerufen und nach der Möglichkeit gefragt, wo man die Schrift bekommen könne. Irgendwie scheint es ja wieder einmal so einen unbewussten Antrieb gegeben zu haben... Ebenfalls überraschend: Mein bester Internet-Freund, ein älterer Herr mit dem ich schon viel über Fernwartung zusammen am Computer gemacht hatte, erzählte mir, dass seine Tochter weg zieht, denn sie hat einen Partner gefunden, mit dem sie eine Familie gründen will. Ich fragte ihm, wohin es den ginge, und er sagte mir: Sie zieht nach Linz... Als ich ihm darauf von der Schrift erzählte, sagte er mit, dass seine Tochter die gut gebrauchen könne, da sie damit gern ein T-Shirt gestalten möchte, wenn es dann schon nach Linz geht. Was es doch für Zufälle gibt! Irgendwie bekomme ich glatt Apetit auf ne Linzer Torte
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  47. Ich habe kürzlich zwei Ausgabe der Monatsschrift »Das Schönste« aus den Fünfzigerjahren auf einem Dachboden gefunden. Interessant! Mir scheint, die haben den Titelkopf jedes Mal neu gezeichnet. Und inhaltlich ist das Ganze oft amüsant, speziell die Anzeigen. Wobei: Wer »Frauengold« und die zugehörige Werbekampagne erfunden hat, der gehört heute noch disqualifiziert! Früher war eben doch nicht alles besser …
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Zeitzone: Berlin/GMT+02:00
<p>Tierra Nueva – vier Fonts, basierend auf einer Karte Amerikas</p>
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