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  1. 8 Punkte
  2. 8 Punkte
    Im Jahr 2004 suchte ich nach einem Umzug interessante Typografie-Poster zum Aufhängen in meiner neuen Wohnung – und fand zunächst lange nichts interessantes. Antiquarisch stieß ich schließlich zufällig auf Schriftmuster-Poster der Schriftgießerei D. Stempel AG, die vermutlich um 1940 erschienen waren. Sie zeigen die Schriftstile Antiqua, Fraktur und Gotisch, gesetzt in drei Schriften der D. Stempel AG: Trajanus, Neue Luthersche Fraktur und Gotenburg. Die Poster zieren seitdem mein Wohnzimmer und erst über die Jahre bemerkte ich, welchen Seltenheitswert sie eigentlich haben. Schriftmuster-Hefte und Bücher lassen sich leicht in Regalen verstauen, doch Schriftmuster-Poster aus der Bleisatzzeit haben deutlich seltener überdauert – zumal sie auch erst im Rückblick ihren Wert gewinnen und zu ihrer Zeit als bloße Werbemittel angesehen wurden. Die drei Stempel-Poster sind jetzt wieder als ein Stück typografischer Zeitgeschichte in einer kleinen Neuauflage über Typografie.info verfügbar. Für eine bestmögliche Qualität wurden die drei Poster sorgfältig digital nachgearbeitet. Das heißt, die Texte sind komplett digital nachgesetzt und auch die Bildteile wurden sorgsam digitalisiert. Das Posterset ist jetzt in einer kleinen Auflage exklusiv im Typografie.info-Shop erhältlich. Der Preis für alle 3 Poster im Format A2 beträgt nur 24,99 Euro (inkl. MwSt. und zzgl. Versand). ☞ zum Angebot Aktive Typografie.info-Förderer erhalten automatisch einen Preisnachlass bei der Bestellung.
  3. 6 Punkte
    bei MyFonts herunterladen Schlecht vektorisiert ja, Cooper Black nein ... TANGO!
  4. 5 Punkte
    https://sketchnote-love.com/sketchnotes-symbolbibliothek-vorlagen/
  5. 4 Punkte
    Kein typografisches sondern eher ein textliches Fundstück. »Die Gestaltung des Buches lag in den Händen von ...«
  6. 4 Punkte
    Bitte hier entlang www.instagram.com/wwwjulieparadisede und etwas zurückgehen oder den Hashtag #diamineinkventcalendar nutzen, da sind sie alle, 25 Türchen, denn der Kalender kam aus Großbritannien.
  7. 4 Punkte
    Ja. Typoart hat Zeilensetzmaschinen-Matrizen für Leipziger Antiqua hergestellt. Typoarts Reverse-Engineering der Linotype Matrizenherstellung war eine sehr wichtige Sache. Aus technischer Sicht womöglich das wichtigste überhaupt, was sie in den etwa 40 Jahren geleistet haben. Es dauerte 5 Jahre und war für den gesamten Ostblock megawichtig. DDR-Druckereien importierten Linotron 505 Maschinen schon recht früh (spätestens ab 1968). Es dauerte einige Jahren, bis Typoart überhaupt Fotosatz-Matrizen einiger Schriften herstellte. Sie haben einige Schriften besonders für diese Maschine angepasst; die erste war wahrscheinlich die Maxima, so 1971/72. Davor MÜSSTEN die Druckereien mit Westschriften auf dieser Maschine setzen. Linotype schickte stets mindestens eine Schriftscheibe mit, in der Regel Times und Univers. Albert Kapr schrieb über diese Schriften und diese Maschine in den 1970er Jahren ständig, eigentlich. Es war kein Geheimnis. Wenn du die Listen der schönsten Bücher der DDR aus den 1970er angeschaut gibt es beachtlich viel Times. Diese Times-Bücher wahren auf Linotron 505 Fotosatzmaschinen gesetzt. Sicherlich war das eine der Gründe, weshalb Typoart Timeless dann machte. Aber die Timeleas war erst ab 1982 oder 1983 erhältlich. Kapr Buch Schriftkunst ist mit Monotype Dante gesetzt. Seine 101 Sätze zur Buchgestaltung in der Palatino (Linotype-Version, glaube ich, wobei ich nur sagen kann, dass OAN 1957 die Palatino in Handsatz hatte). Aber er hat auch viel mit Times auf der Linotron 505 gearbeitet (bzw. spezifiziert, der Setzer war er da nicht).
  8. 4 Punkte
    In der 1953er Schriftprobe des VEB Offizin Haag Drugulin Leipzig – also bevor die Druckerei umbenannt war – ist die Sorbonne-Antiqua und Sorbonne-Kursiv als Maschinensatzschrift in mehreren Schriftgraden gezeigt. Eine Berthold-Probe aus den ’60er Jahren, die ich dabei habe, weist darauf hin, dass die Sorbonne für den Linotype-Satz gab (nur sagt es mir nicht, ob die Matrizen über die Linotype selbst bzw. Stempel oder über Intertype erhältlich war … zumindest ab dem spät-50er/früh-60er Jahren gab es eine Vereinbarung zwischen Stempel und Berthold, womit sie jeweils bestimmte Schriftentwürfe voneinander selber herstellen und verkaufen dürften, wie z.B. Linotype-Matzrizen von der AG usw.). VEB Haag-Drugulin bzw. Andersen Nexö hatte eine beachtliche Sammlung an Schriften, die noch aus der Vorkriegszeit übrig waren. Außerdem haben sie – zumindest in den 1950er und frühen 1960er Jahren, falls auch nicht später – neue Schriften aus dem Westen importiert. Die Fotosatz-Maschinen, die sie später aus dem Westen importierten, kamen auch mit nicht-Typoartschriften geliefert, also Linotypes Times und Univers, zum Beispiel. Der Hinweis auf Sorbonne in den MEW-Bänden habe ich aus Artikeln über die Gestaltung der späteren MEGA-Reihe. Meine Infos dazu kommen aus einem 1975er Artikel von Albert Kapr. Diese war ursprünglich im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel aber Kapr druckte den Text in seinem 1982er Buch Schrift- und Buchkunst: Aufsätze, Reden und künstlerischen Arbeiten nach (S. 171–178). Auch Hilfreich ist Claudia Reichels Artikel »Auswählen, Gliedern, Anordnen und logisch Lesbarmachen von Schrift: Zur Typographie der MEGA.« In MEGA-Studien. Nr. 1999 (Amsterdam: Internationale Marx-Engels-Stiftung, S. 34–52). Sie schreibt dort, dass die Marx/Engels-Texte der MEW-Bände in der Didot gesetzt sind, während der Apparat-Text in der Sorbonne war. Kapr wiederum merkte in seinem Artikel, dass die Druckerei diese nur in Maschienensatz hatte. Ich habe zwar keinen festen Beweis, auf dem ich zeigen kann, dass die Andersen Nexö auch Linotype-Maschinen hatte, aber ich habe mehreren Büchern, die ganz sicher mit Linotypesatz gesetzt sind und dort gedruckt waren. Typoart fertigte Zeilensetzmaschienenmatrizen von mehreren ihrer Schriften und Andersen Nexö war eine der größten Druckereien des Landes. Selbst wenn die Zeilensetzmaschinen nicht aus der Mergenthaler-Linotype-Fabrik aus der Vorkriegszeit stammten waren sie trotzdem »Linotypes«, denn Intertype-Maschinen und den Linotype-Klon aus Leningrad (die waren grün und in der DDR ganz oft im Einsatz) verwendete derselben Technik und sowohl die Matrizen von Linotype selbst als auch die Linotype-Klonen waren austauschbar (also funktionierte die Matrizen von Intertype, Simoncini oder Typoart in einer Linotypemaschiene genauso gut wie Matrizen von Linotype selbst).
  9. 3 Punkte
    Den mittleren Schrägstrich würde ich weglassen, weil er ja schon im 🇺‍🇸 Datum vorkommt. Weil in solchen Konstrukten immer schon zu viele Punkte und Striche vorkommen, versuche ich immer, das ohne zusätzliche Striche und Punkte zu lösen, also z.B. mit extra viel Platz zwischen den Sprachen, zweifarbig oder zweizeilig. Klar, geht nicht immer. Zu US-Datum und -Zeit an sich: • Der Wochentag kann auch zweibuchstabig abgekürzt werden; das ist sogar üblicher. • Danach kommt kein Punkt. Mo, Tu, We, Th, Fr, Sa, Su • 1/25 ist richtig. 01/25 (oder auch 12/01) ist hyperkorrekt und sollte eher vermieden werden. Sieht man aber trotzdem oft. • 10:00 a.m. vermeiden, lieber 10 a.m. • In Tabellen/tabellenartigen Listen kann es allerdings sinnvoll sein, sowohl 01/25 als auch 10:00 a.m. zu schreiben. • Statt a.m./p.m. werden die Punkte auch oft weggelassen, besonders, wenn der Kontext klar ist. Im Fließtext also eher weniger (wegen der Verwechslungsmöglichkeit mit I am a person, aber wenn Datum/Zeit so auf einer Zeile stehen, ist das gar kein Problem und gängige Praxis. Auch so lassen sich endlose Punktsalate vermeiden. • Kapitälchen machen sich auch gut. 10 am • Also, kürzestmöglich wäre das obige Beispiel Sa, 1/25, 10 am Schon viel machbarer, oder?
  10. 3 Punkte
    Zur Technik des Vermutens kann ich beitragen, daß Handsatz Überhänge haben kann, Maschinensatz nicht. Handsatz als Blocksatz hat nach Regeln ausgeschlossene Zeilen hinsichtlich des Verringerns und Erweiterns von Wortzwischenräumen mit dem Ziel des Ausgleichs von Fleisch – im Maschinensatz werden gleichmäßig Keile zwischen die Wörter gedrückt, wodurch die Wortzwischenräume optisch ungleichmäßig werden. In alten Zeitungen, in Büchern seltener, erkennt man unsauberen Maschinensatz an mitdruckenden Graten.
  11. 3 Punkte
    Ich sehe dort arabische Zahlen …
  12. 2 Punkte
  13. 2 Punkte
    In einem Füller- und Tintenforum (und bei Instagram) habe ich den ganzen Dezember lang Tintenkleckse gezeigt, die aus einem Adventskalender mit Tintengläschen stammen, also, ja: Tintenkleckse sind toll, selbst gedruckte oder digitale (in Fonts)!
  14. 2 Punkte
    Wobei es dafür nicht schwarz sein muss! Da wäre es vielleicht interessanter mit Reliefstruktur oder so. Damit Blinde einen Vorteil gegenüber Sehende hätten. Was aber auch wieder unsinnig ist vielleicht. Gibt es Spiele oder so, die explizit* von und für Blinde sind, bei denen wir (mehr oder weniger) Sehende keinen Schimmer haben, wie das funktionieren soll? * Ohne dass es irgendwie adaptiert oder angepasst wurde …
  15. 2 Punkte
    Ich habe manchmal den – natürlich völlig subjektiven – Eindruck, dass die Fächer in Bezug auf die cmyk-Näherungswerte auch nicht immer die Wahrheit sprechen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …
  16. 2 Punkte
    Vielen Dank, liebe Leute! Hat mir weitergeholfen.... ich werde jetzt allerdings doch die Monatsnamen (abgekürzt). Die Broschüre ist für eine amerikanischen Gemeinde hier in Deutschland, in der allerdings sehr viele deutschsprachige Menschen sind. Grüße aus Berlin Qnela
  17. 2 Punkte
    Die hatten sogar neuzeitlichste Fabrikationseinrichtungen!
  18. 2 Punkte
    Da der Umgang mit Schrift dort insgesamt ziemlich freestyle ist, könnten die beiden Buchstaben zwar aus einer Schrift stammen, aber ebensogut auch, wie Ralf breits vermutet, schnell mit ein paar Pfaden gezeichnet sein. À propos Pfade: Es müsste da doch bestimmt eine Datei mit Pfaden vom Logo geben, denn man findet beim Googeln auch ein Foto von einer hauswandgroßen bedruckten Plane.
  19. 2 Punkte
    Das kann man oft aus den verwendeten Schriften erschließen. Bei Schriften, die Stempel sowohl in Handsatz als auch als Linotype-Matrizen verkaufte (bzw das gleiche z.B. mit Bauer und Intertype oder Berthold und Linotype usw.) helfen Schriftproben. Diese könnten Schriftproben der jeweiligen Firmen sein, oder Schriftproben der jeweiligen Druckereien (z.B. ob die nur die Schrift im Maschinensatz hatten). Manchmal muss man vermuten. Zum Beispiel, Kaprs 1982er Buch Schrift- und Buchkunst: Aufsätze, Reden und künstlerischen Arbeiten, das ich oben erwähnte, wurde im Buchdruckverfahren gedruckt. Das sieht man eindeutig an den Buchseiten selbst. Die Schrift ist Kaprs Leipziger-Antiqua. Typoart stellte diese Schrift für den Bleisatz und Fotosatz her, aber sie stellten auch Matrizen der Schrift für Linotype-artige Zeilensetzmaschinen her. Das Buch ist lang und die meisten Seiten haben nur Text drauf. Es wäre theoretisch möglich, dass das Buch per Hand zu setzen. Aber wahrscheinlicher ist es, dass die den Text auf einer Linotype getippt haben. Außerdem sehen die Buchstaben alle wahnsinnig frisch aus. Klar, mit nagelneuen Bleisatz-Typen kann man auch setzen. Aber eine Zeilensetz- und Gießmaschine gießt ja jede Zeile neu.
  20. 2 Punkte
  21. 1 Punkt
  22. 1 Punkt
    Das hat mein Illuprofessor Erhard Göttlicher auch immer so ähnlich gesagt: „Einmal kann ein Fehler sein, dreimal ist Absicht“.
  23. 1 Punkt
    Lach! Frauen mögen Tintenkleckse.
  24. 1 Punkt
  25. 1 Punkt
  26. 1 Punkt
    Spannend. Ich hab das gerade mal mit 485C probiert, das müsste eigentlich nahezu 100M/100Y* ergeben. Liegt aber weit daneben ... Wenn ich mal Zeit habe, teste ich das mal richtig. *) Pantonefächer: 0-97-100-0, PS: 2-92-89-4 / RGB 220-41-30, QXP: 0-85,1-92,5-5,1
  27. 1 Punkt
    Sequel Sans Complete Family (48 Schnitte) für 50$. https://www.myfonts.com/pack/595521
  28. 1 Punkt
    Zeig doch mal Beispiele! So grundsätzlich ist immer schwer zu sagen, was passt. Bzw. habt ihr im Vorfeld keine Einführung zu Schriftklassifikation oder Schriftmischung gehabt? Das wäre ja eher Job deines Dozenten euch da aufzuklären ... Allerdings auch eure Arbeit zu begleiten und Tipps zu geben. Darüber hinaus kannst du hier natürlich gerne weitergehende Einschätzungen bekommen, wenn du mal zeigst, was dir gefällt oder was deiner Meinung nach passend wäre. Probiere aus, mach dir ein Bild und sammle Erfahrungen – dabei geht es in der Ausbildung, und nicht darum perfekte Entwürfe aus dem Hut zu zaubern. Das widerspricht sich m. E. Wenn es kalt wirken soll, würde ich kein warmes Papier nehmen, da kann die blaue Schrift gar nicht kalt wirken, weil das Papier immer durchkommt. Auch hier ausprobieren und Erfahrungen sammeln!
  29. 1 Punkt
    Ich würde versuchen, das zweizeilig zu lösen.
  30. 1 Punkt
    Abgesehen von der Rotis könnte der Rest komplett selbst gezeichnet sein.
  31. 1 Punkt
    In solchen Fällen geht es v.a. auch um Kontext. Quelle? Woher? Von Wann? etcª.
  32. 1 Punkt
    Danke für den Hinweis! Roland Reuß macht Spaß. Leider hat sich der Kameramann nicht dafür interessiert. Wenn er über den Inhalt an der Tafel spricht, kommt der Kameramensch nicht auf die Idee, das zu zeigen, sondern zeigt eisern den Mann. Tontechnik auch grausig. Roland Reuß lohnt sich trotzdem.
  33. 1 Punkt
    zu dem im vergangenen herbst hier angekündigten buchprojekt gab es in wien auch ein symposium. jetzt stehen die gesammelten vorträge bei youtube zum nochmaligen (oder für alle, die wie ich nicht kommen konnten, erstmaligen) anschauen.
  34. 1 Punkt
    Vielen Dank für Deine Antwort, @D2C! Ich beobachte mit Spannung, ob sich noch jemand mit weiteren Informationen findet. Das Wenige, was ich noch recherchieren konnte: Bei Luc Devroye und auch andernorts findet man die Angabe, dass Friedrich Pustet eine "Neue Kirchenschrift" aus der Bauerschen Gießerei exklusiv nutzte, die J. Chr. Bauer um 1890 (so Devroye, nach anderen 1850-1861) geschnitten hatte. Allerdings soll es sich dabei um eine Renaissance-Antiqua gehandelt haben. Kann das jemand bestätigen? Leider stehen mir keine Schriftmuster zur Verfügung. Ansonsten ist die gesuchte Schrift eine ausgesprochene Spezialschrift, die möglicherweise ausschließlich von Fr. Pustet genutzt wurde. Dafür spricht, dass die Schrift auf den Satz lateinischer liturgischer Texte zum Gebrauch bei schlechten Lichtverhältnissen optimiert ist (entspr. Sonderzeichen, die sehr klotzigen Akzente); außerdem war Pustet seinerzeit einer von nur drei Verlagen weltweit, die amtliche Texte der katholischen Kirche drucken durften (die anderen waren Desclée et Cie. in Tournai und die Typographia [Polyglotta] Vaticana in Rom). Andere hatten dafür also keine Verwendung. (Desclée, berühmt für den Druck von Quadratnotation, benutzte zuletzt m.W. eine Goudy, die Typographia Vaticana eine Romana, die dort "Elzeviriana" genannt wurde, und später eine Garamond.) Gut möglich also, dass dazu überhaupt nichts Schriftliches existiert. Ich habe nun aus der Not heraus begonnen, die Schrift selbst zu digitalisieren. Mein Erstlingswerk in dieser Richtung -- mal sehen, ob's was wird... PS: Einen Fehler in meinem ersten Post muss ich noch korrigieren: Die Auszeichnungsschrift ist natürlich überall die Weiß-Antiqua; die Genzsch-Antiqua verwendet Pustet zwar meist zusätzlich, aber nicht in diesem Beispiel.
  35. 1 Punkt
    Offizin Andersen Nexö war nicht unbedingt eine der größten Druckereien in der DDR, dafür aber eine der qualitativ besten. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob die wirklich neben ihrer grandiosen Monotypemaschinensetzerei noch eine Linoabteilung gehabt haben. Wozu hätten sie die gebraucht? Dass möglicherweise das eine oder andere woanders (auf der Lino) gesetzte Buch bei der OAN gedruckt worden sein könnte erscheint mir wahrscheinlicher - weil vernünftiger - als das Betreiben zweier technologisch höchst unterschiedlicher Maschinensetzereien in einem Betrieb. Zumal die OAN-Leute als Qualitätsdruckerei mit Spezialisierung auf den Buchsektor sicherlich nicht sehr an Linotypesatz interessiert waren und dauernd mit ihrer Monomatrizensammlung angegeben haben. Die LVZ-Druckerei hatte auf jeden Fall Lino, Interdruck höchstwahrscheinlich auch, die Leipziger Berufsschule, etliche andere Druckereien in Leipzig ... aber OAN? Es wird sich doch irgendjemand finden, der mal da gearbeitet hat und Auskunft geben kann? Was die Fotosatzschriften betrifft: ich kann nicht bestätigen, dass wir in Leipzig "Westschriften" setzen ließen. Die erwähnte Times war in unserem Schriftenkatalog nicht drin - dafür die DDR-Entwicklung namens "Timeless". Eben weil man keine Lizenzen für die Times bezahlen wollte. Wir hatten damals einen Aktenordner, in dem alle Schriften aufgelistet und dargestellt waren, die im Leipziger Fotosatzzentrum gesetzt werden konnten - ich hab den vielleicht sogar noch in irgendeiner Kiste im Keller. Nach meiner Erinnerung waren da keine oder kaum "Westschriften" im Angebot. Ich glaube übrigens auch, dass der komplette Fotosatz in Leipzig zentral bei Interdruck (oder sogar separat) angesiedelt war und die OAN gar keinen "eigenen" Fotosatz hatte. Ich weiß natürlich nicht, wie das alles in den 60ern organisiert und ausgestattet war - ich kenne das Prozedere nur aus den 80er Jahren aus eigener Anschauung. PS: Sicher, dass es die Leipziger Antiqua als Matrizen für die Linotype gab? Ich hab davon noch nie gehört oder gelesen und glaubte bisher immer, dass es diese Schrift nur für den Handsatz und später den Fotosatz gab. Es gab ja auch andere Schriften wie beispielsweise die Thannhaeuser-Antiqua nur im Komplettguß für den Handsatz ... zumindest nach meinem Kenntnisstand.
  36. 1 Punkt
    Hallo @Horst Worst, ich bin damit leider noch nicht weitergekommen. Fände es aber auch sehr interessant, diese Schrift zu erfahren – wenn also einer der Kollegen hier trumpfen kann: nur zu …
  37. 1 Punkt
    Marx-Engels-Werke Kein kniffeliges Wort in diesem Sinne, aber als ich die Überschrift las, dachte ich, die beiden waren doch keine Industriellen? Oder gibt es Industrieunternehmer gleichen Namens? Dass es um Bücher geht habe ich erst im Beitrag gerallt
  38. 1 Punkt
    Ich lese dort 672 156 438 Soweit ich weiß, gibt es für die arabischen Zahlen unzählige Schreibweisen, je nach Herkunft, Schreiber, Volksstamm, Sprache und so weiter. Mal so wie es in meinem link dargestellt ist, aber auch gespiegelt, wie die 3 auf deiner Box. Ralfs Vorschlag, das jemand Arabisch Sprechenden zu zeigen, kann aber sicher für Klarheit schaffen.
  39. 1 Punkt
    Jetzt hab ich mir schon extra 10 Stunden Zeit gelassen und auf Leo gewartet …
  40. 1 Punkt
    Eine Kundin kam heute mit einem Plakat, gesetzt in Verdana Pro Condensed. Ich war etwas überrascht, denn ich wusste bisher nicht das die Familie ausgebaut wurde und (zusammen mit anderen Fonts) für Windows-Besitzer kostenlos zum Download steht: https://www.microsoft.com/de-de/store/top-free/apps/pc?category=Personalization\Fonts
  41. 1 Punkt
    bei tabellen würde ich es noch einsehen, ansonsten liegt das meines erachtens an unserem bürokratischem staat. alle ämter schreiben immer nullen davor um — ja warum eigentlich? ... wahrscheinlich um die lücke auszufüllen die das programm oder das formular für zweistellige monate vorsieht. ich schreibe generell den monat aus, es seid denn ich muss platz schinden.
  42. 1 Punkt
    Das frage ich mich auch immer. Die Herren Forssman und de Jong schreiben hierzu in Detailtypografie: Außerdem: Den Grund lassen sie auch hier leider außen vor. Jedoch fügen Sie hinzu: Also ich lass die „0“ bis einschließlich dem „9.“ in jedem Fall weg (bis auf die Tabellen natürlich).
  43. 0 Punkte
    Ein Dozent/Professor im Studium sagte mal: Einmal ist es ein Fehler, passiert es dreimal ist es ein Muster ... Also, nicht so sparsam mit der Tomatensoße sein
  44. 0 Punkte
    Tomatensoßenflecken werde ich ab heute auch als modisches Feature ausgeben: It's not a Tomatensoßenfleck, it's a modisches Feature!
  45. 0 Punkte
    Anzeige für einen »Lettering«-Stift in einer Zeitschrift für Kalligrafie Rechts sieht man noch die Pinselspitze damit deutlich wird, dass der Schriftzug auch wirklich mit dem beworbenen Werkzeug gemalt wurde
  46. 0 Punkte
    Danke, aber es geht mir mehr um das Datum.... 1/25... oder 1-25.... oder wie auch immer 🙂
  47. 0 Punkte
    Mensch, bertel, das ist jetzt das dritte Mal diese Woche, dass du mich um 1 Minute geschlagen hast. Ich muss mir echt ein anderes Zeitfenster suchen, um Schriftarten zu identifizieren.
  48. 0 Punkte
    Hab ich meiner Freundin geschenkt ... war ihr aber zu einfach und hat es zurück geschickt 😂😂😂
  49. 0 Punkte
    Ganz frisch von Xavier Dupré und FontFont bei MyFonts herunterladen
  50. 0 Punkte
    In den vergangenen Jahrhunderten herrschte im deutschsprachigen Raum eine Zweischriftigkeit. Deutsche Texte konnten in lateinischer Schrift (fachsprachlich Antiqua genannt) oder in gebrochenen Schriften erscheinen. Für letztere Kategorie hört man allerdings auch immer wieder einen anderen Begriff: deutsche Schriften. Ein Bezeichnung, die es in sich hat und in diesem Artikel näher beleuchtet werden soll. Begriffe sind erst einmal nur Begriffe. Wesentlich ist die unter den Nutzern verabredete Bedeutung und nicht die Herkunft oder gegebenenfalls die Zusammensetzung aus bestimmten Wortteilen. Daher sind auch typografische Fachbegriffe wie Schusterjunge und Hurenkind völlig harmlos, solange der Nutzerkreis dabei nur die Beschreibung eines typografischen Satzfehlers in Gedanken vor sich sieht. In gleicher Weise könnte man theoretisch auch bedenkenlos von lateinischer Schrift und deutscher Schrift sprechen, wenn man dabei lediglich verschiedene Gestaltungsarten von Buchstaben meint. Doch jene, die von den deutschen Schriften sprechen, benutzen dieses Begriff leider meist nicht deskriptiv, sondern demonstrativ. Sie sprechen von deutschen statt von gebrochenen Schriften, weil sie damit suggerieren wollen, dass nur dieser Schriftstil das optimale visuelle Kleid der deutschen Sprache wäre. Die lateinischen Schriften dagegen hätten – wie der Name ja schon sagt – wenig mit der deutschen Sprache zu tun und dienen ihr somit nur mehr schlecht als recht. Diese heute noch anzutreffende Denkweise hat eine lange Tradition. Häufigkeit des Begriffs »Deutsche Schrift« in deutschen Texten (Quelle: Google Ngram Viewer) Seine größte Verbreitung fand der Begriff auf der Höhe des Antiqua-Fraktur-Streites Anfang des 20. Jahrhunderts und während der NS-Zeit. Indem man die gebrochenen Schriften zu deutschen erklärte, machte man die Schriftenfrage zu einer ideologischen statt einer sachlich-pragmatischen. Alles Deutsche wurde überhöht und die Schriftkunst war dabei keine Ausnahme. Die Antiqua wurde zum »welschen Gift« erklärt, die gebrochenen Schriften dagegen als Zeichen der überlegenen Schaffenskraft des deutschen Volkes gewertet. Ihre raue, kantige Form solle laut Aussage einiger gar direkt den deutschen Charakter als »blutsmäßige Auswirkung unseres Volkstums« abbilden. Die Speerspitze der Verfechter gebrochener Schriften wurde der 1918 gegründete Bund für deutsche Schrift. »Deutsches Volk – deutsche Schrift« – das Flugblatt spricht Bände. Nach dem Normalschrifterlass 1941 und dem damit einhergehende Ende der gebrochenen Schriften in der Schulausbildung hörte die Arbeit des Vereines jedoch nur kurzzeitig auf. Der Verein existiert heute wieder als »Bund für deutsche Schrift und Sprache« und der Kampf um das »kostbare Erbgut« deutschen Schriftschaffens (siehe Spiegel-Artikel) und gegen die »gefühlsarme Antiqua« geht unvermindert weiter. Auch das Vereinsheft »Deutsche Schrift« erscheint wieder regelmäßig – natürlich in gebrochenen Schriften und alter Rechtschreibung. Albert Kapr sagte über das Heft: »Obwohl ich viele interessante und sachliche Beiträge fand, wünschte ich mir doch eine ästhetisch besser fundierte und unpolitische Einstellung der Redaktion.« Denn die deutschtümelnde Ideologie wird leider weiter munter fortgesetzt. Auch die aktuellen Texte des Vereins bzw. der Vereinsmitglieder klingen nicht selten, als wären sie in den 1930er-Jahren verfasst worden. Dass es dabei um mehr als bloße Schriftstile geht, merkt man im Gespräch oder beim Lesen der Texte der Vereinsmitglieder schnell. Auffällig ist der ganz eigene Wortschatz – den man sich bezeichnenderweise mit jenen teilt, die am äußersten rechten Ende des politischen Spektrums agieren. Statt Internet heißt es demnach zum Beispiel »Weltnetz«. Und selbst etablierte Typografie-Fachbegriffe wie Antiqua, Ligatur, Serife und so weiter werden vermieden. Schließlich sind sie nicht »germanischen Ursprungs«. Doch es soll hier nicht um fragwürdige politische Einstellungen gehen, sondern um historische, typografische Fakten. Auch Hans Peter Willberg bemerkte, die heutigen Verfechter der gebrochenen Schriften »wählen oft den Angriff als Verteidigung. Polemik – mitunter mit unpräzisen Argumenten – ersetzt häufig nüchterne Analyse.« Diese unpräzisen Argumente haben sich seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum geändert. Beim Bund für deutsche Schrift und Sprache ist der Begriff »deutsche Schrift« allgegenwärtig Die gebrochenen Schriften und die deutsche Sprache Ein zentrales Argument der Verfechter gebrochener Schriften besteht darin, dass sich die generelle Gestalt und die Buchstaben selbst mit der deutschen Sprache oder gar für die deutsche Sprache entwickelt hätten, während die Antiqua »den Eigenarten und Bedürfnissen der deutschen Sprache nicht vollständig angepaßt werden« könne, so etwa Hanno Blohm, Vorsitzender des Bundes für deutsche Schrift und Sprache in einem Artikel aus dem Jahr 2012. Die gebrochenen Schriften bezeichnet er ausdrücklich als »für unsere Sprache geschaffene«. Eine Unwahrheit, die sicher kein versehentlicher Irrtum ist. Paul Renner entlarvte diese Argumentationsweise bereits 1930: »Man lasse sich dadurch nicht irre machen, daß viele (mit mehr Absicht als Recht) die Fraktur deutsche Schrift nennen und die Antiqua lateinische. Wie so manche Volkstracht das Überbleibsel einer Weltmode ist, so ist auch die Fraktur nicht eigentlich deutschen Ursprungs.« Die gebrochenen Schriften haben historisch nichts mit der deutschen Sprache zu tun. Ihr genereller Charakter, der sich insbesondere durch die Brechung von bislang rund ausgeführten Elementen und die schmale Schreibform auszeichnet, entstand nicht für die Darstellung deutscher Texte. Während der Gotik wurden Rundbögen zu Spitzbögen und die kirchlichen Bauten betonten die Vertikale. Die Schrift nahm diese Gestaltungsprinzipien als stilistisches Mittel ebenfalls auf. Es ging nicht um Leserlichkeit und auch nicht um die Darstellung bestimmter Sprachen. Die Architektur und Schrift der Gotik verbreiteten sich in der Folge in weiten Teilen Europas. Im deutschsprachigen Raum wurden die gotischen Schriften ebenfalls eingesetzt und weiterentwickelt. Es entstanden Schwabacher und Fraktur als weitere stilistische Ausprägungen. Sie beziehen sich historisch auf den französischen Entwicklungsstrang – im Gegensatz zu Antiqua-Schriften, die diesen Seitenarm der Entwicklung auslassen und sich stärker auf den italienischen Vorläufer beziehen. Doch warum sollen sich Schriften, die sich einmal auf eine französische und einmal auf einen italienische Entwicklungslinie beziehen, in der Folge in deutsche und nicht-deutsche Schriften einteilen lassen? Dies leuchtet nicht ein. Warum soll eine gebrochene Schrift von Rudolf Koch eine deutsche sein, eine Walbaum Antiqua oder Weiß Antiqua aber nicht. Sie wurden gleichsam von deutschen Schriftgestaltern ausdrücklich für deutsche Texte geschnitten. Antiqua und gebrochene Schrift sind gleichsam europäisches Kulturgut. Ihre Entwicklungslinien ziehen sich verschlungen, aufeinander aufbauend oder parallel und sich gegenseitig befruchtend durch ganz Europa. Sie kamen über mehrere hundert Jahre in unterschiedlichen Ländern zur Darstellung von unterschiedlichen Sprachen zum Einsatz. Die Zuordnung zur deutschen und lateinischen Sprache ist keine funktionale, sondern eher eine gewohnheitsmäßige oder eine bewusst ideologische. Mythos langes s (ſ) Das lange s ist der Liebling der Verfechter der gebrochenen Schriften und muss regelmäßig als vermeintlicher Beleg der Überlegenheit der gebrochenen Schriften für den Satz deutscher Texte herhalten. Auch hier wird wieder ein kausaler Zusammenhang impliziert. Das lange s wird zu einem Kind der gebrochenen Schriften gemacht, dessen bloße Existenz zeige, dass sich die gebrochenen Schriften in ihrer Entwicklung der deutschen Sprache angenähert hätten, während die Antiqua nur ein notdürftiger Ersatz wäre, der entsprechende Merkmale (wie eben das lange s) nicht besäße. Auch diese Argumentationsweise strotzt nur so von historischen Fehlern. Zunächst einmal ist das ſ nicht in den gebrochenen Schriften entstanden, sondern wurde bereits in der karolingischen Minuskel – also lange vor der Entwicklung der gebrochenen Schriften – benutzt. Text um 840 n. Chr. mit langem s in karolingischer Minuskel Die gemeinsame Anwendung von zwei s-Formen (langes und rundes s) findet sich dann in der Folge ab dem 12. Jahrhundert – sowohl in den karolingischen Schriften als auch in den gebrochenen gotischen Schriften. (vgl. Brekle, Beiträge zur Geschichte der Sprachwissenschaft, 7, 1996). Diese Schreibart verfestigt sich im 15. und 16. Jahrhundert weiter – und dies wohlgemerkt völlig unabhängig von der verwendeten Sprache. Dass sich das lange s zur besseren Darstellung und Lesbarkeit deutscher Texte mit den typischen langen, zusammengesetzten Worten entwickelt hätte, ist historisch nicht haltbar. Englisches Buch um 1700. Weder der Einsatz gebrochener Schriften, noch die Unterscheidung in zwei s-Formen ist eine rein deutsche Konvention Nur weil Länder außerhalb des deutschsprachigen Raumes die gebrochenen Schriften und das ſ eher aufgaben, werden die entsprechenden Schriften und ihre Buchstaben aber nicht automatisch zu deutschen. Betont sei an dieser Stelle auch noch einmal, dass während der Zeit der Zweischriftigkeit im deutschsprachigen Raum das ſ auch in Antiqua-Drucken weit verbreitet war. Erst im Zuge der Orthographischen Konferenzen kam das ſ um 1900 in der Antiqua außer Gebrauch und das ſ der gebrochenen Schriften blieb demnach noch 40 Jahre länger – bis zum Normalschrifterlass – in allgemeiner Anwendung. Gemessen an der gut tausend Jahre währenden Geschichte des Buchstabens, rechtfertigen diese 40 Jahre Unterschied aber wohl kaum, dass man behaupten kann, die gebrochenen Schriften hätten ein ſ, die Antiqua-Schriften jedoch nicht. Genau diesen Eindruck versuchen die Verfechter der gebrochenen Schriften aber stets zu vermitteln. Deutscher Antiqua-Druck um 1800 mit Unterscheidung von langem und rundem s Wer Texte nach veralteten Satzkonventionen mit langem s (oder auch ch-/ck-Ligaturen usw.) setzen möchte, kann dies in gebrochenen Schriften und Antiqua-Schriften gleichermaßen tun – er bewegt sich ja ohnehin abseits der heutigen orthografischen und typografischen Satzkonventionen. Die gebrochenen Schriften als überlegen zu bezeichnen, weil sie bestimmte Zeichen im Gegensatz zur Antiqua hätten, ist jedoch ein haltloses Argument. Dass die selbsternannten Bewahrer der Schriftgeschichte selbige verdrehen, nur um ihre eigene, deutschtümelnde Ideologie zu stützen, sollten wir nicht unkritisch hinnehmen. Denn wann immer Menschen beginnen, sich für ältere Schriftkonventionen zu interessieren, stehen schon die »Informationsanbieter« parat – mit Texten, die nicht sachlich informieren, sondern den Leser zu einer bestimmten Ansicht »bekehren« sollen. Die Texte sind im doppelten Sinne leichter zugänglich als sachliche, wissenschaftliche Quellen und es droht daher die Gefahr, dass die ideologisch geprägten Inhalte für bare Münze genommen und als sachliche historische Beschreibungen verstanden werden. Die gebrochenen Schriften sind ein Kulturgut – aber sie sind ein Kulturgut ganz Europas und keines speziellen »Volkes«. Ihre Gestalt war eine stilistische Entwicklung, die im Einklang mit der Epoche der Gotik entstand, sich über mehrere Jahrhunderte weiterentwickelte und wieder außer Gebrauch geriet. Es spricht nichts dagegen, gebrochene Schriften hier und da weiter anzuwenden und über ihre Geschichte zu informieren. Doch ist es wirklich sinnvoll, den polemischen Antiqua-Fraktur-Streit im 21. Jahrhundert fortzuführen, der mit unsachlichen Argumenten europäische Schriftentwicklungen zu »wahren deutschen« und »besser lesbaren und geeigneten« erklären will? Was war es für ein Schlag ins Gesicht der Freunde gebrochener Schriften, als die Nationalsozialisten 1941 mit dem vorgeschobenen Vorwurf eines jüdischen Zusammenhanges zur Schwabacher die gebrochenen Schriften abschafften. Doch wenn die Frakturfreunde alle gebrochenen Schriften zu deutschen und deutsche Antiqua-Entwürfe und deutschen Antiqua-Satz als »undeutsch« und mangelhaft bezeichnen, tun sie es den Nationalsozialisten gleich. Schriftpflege heißt sicher nicht, dass der Zweck alle Mittel heiligt und Polemik und Tatsachenverdrehung gerechtfertigt sind. Der Kampf um die gebrochenen Schriften als übliche Verkehrsschriften ist ohnehin verloren. Es bleibt für ihre Freunde also nichts anderes, als über sie zu informieren, um ihr Erbe am Leben zu erhalten. Umso sachlicher und undogmatischer dies erfolgt, umso mehr Freunde könnten die gebrochenen Schriften gewinnen. Den Begriff der deutschen Schrift sollte man dabei besser meiden. Er wurde durch seine Aufladung mit nationalsozialistischen Assoziationen der Möglichkeit einer neutralen Beschreibung beraubt. Die Bezeichnung gebrochene Schriften beschreibt das Wesen dieser Schriftgattung treffend und völlig unpolitisch. Wem es wirklich um Schriften geht, dem sollte an einer unpolitischen Beschreibung gelegen sein. Und wem es um Politik geht, der sollte dazu nicht die Schriftgestaltung instrumentalisieren.
Zeitzone: Berlin/GMT+01:00
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