Jump to content
Typografie.info

Beliebt


Beliebte Inhalte

Beliebteste Inhalte seit 20.02.2017 aus allen Bereichen

  1. 21 Punkte
    Die Publikation Signa Nr. 9 – Das große Eszett – ist leider seit längerer Zeit vergriffen und die Voraussetzungen für eine gedruckte Neuauflage sind derzeit nicht gegeben. Doch durch die jüngste Entwicklung hat das Interesse an diesem Thema wieder zugenommen. Der Verlag Edition Wæchterpappel hat die Situation mit den Autoren dieser Ausgabe beraten und wir sind übereinstimmend zu der Schlußfolgerung gekommen, die Ausgabe Signa Nr. 9 nach nunmehr 11 Jahren auf elektronischem Wege frei zugänglich zu machen. Es wird damit die Hoffnung verbunden, die dargestellten Forschungsergebnisse und Diskussionsbeiträge mögen somit die Verbreitung finden, die dem Thema angemessen ist. Die vollständige Ausgabe ist nun als Pdf unter CC-Lizenz veröffentlicht und kann hier bezogen werden: https://www.pdf-archive.com/2017/07/13/signa-9-ausgabe-2017-cc/signa-9-ausgabe-2017-cc.pdf
  2. 20 Punkte
    Herkunft, Form und eigentliche Natur des Buchstebens ß sind eine der am kontroversesten diskutierten typographischen Fragen. Ligatur oder Buchstabe? Eine ſ-z oder ſ-s-Form? Das mit der Ligatur ist nicht völlig falsch, aber ß als Buchstabe eigenen Rechts anzusehen ist auf jeden Fall richtig, es entspricht der Rolle und Funktion des Zeichens in der deutschen Schriftsprache. So wie unser w als Buchstabe angesehen wird, obwohl seine Entstehung klar eine ligatorische war: u-u bzw. V-V. Hier kann selbstredend nicht die eigentliche Entstehungsgeschichte des ß annähernd erschöpfend behandelt werden. Aber ich möchte einige Gedanken aus der Sicht des erfahrenen Typographen und Schriftgestalters darlegen. Für die Diskussion des Hintergrundes in der mittelalterlichen Paläographie verweise ich auf die beiden dazu maßgeblichen Beiträge von Bollwage (GBJ 1999) und Brekle (GBJ 2001). Inhaltlich daran anschließend ist der Beitrag von U. Stötzner (Signa 2006), in dem auch auf die – ansonsten wenig beachtete – Verwendung ß-artiger Zeichen als Ideogramm (z.B. für Maße) eingegangen wird. Die Voten für ſ-z oder ſ-s prallen auch heute mitunter noch hart aufeinander, weil man es dermaleinst so oder so gelernt hat. Diese Frage schlägt bis in die Erörterungen zur Gestaltung des großen ẞ durch, aber das ist ein anderes Thema. Inzwischen hat sich weitgehend die Erkenntnis durchgestzt, das sowohl die ſ-z- als auch die ſ-s-Verbindung an der ›Wiege‹ des ß standen. Ein Insistieren auf ausschließlich einer der beiden Ursprünge kann also als überholt betrachtet werden. Die kurze Version der Erklärung ist: der ſ-z-Stamm geht auf die mittelalterlichen bzw. gebrochen Schriften zurück, während der ſ-s-Stamm von den ursprünglich italienischen Kursiven herrührt. Die ganze Geschichte ist aber bei genauerem Hinsehen noch komplizierter. Sie ist für uns heute so schwer zu entwirren, weil die frühesten Befunde (natürlich) sehr verschieden und uneinheitlich sind – und weil wir es bis in die Neuzeit mit Ähnlichkeiten zu tun haben, die zu Entlehnungen und Verwechslungen führen (müssen). Als man zu Zeiten der Grimms begann, deutsche Texte in Antiqua statt Fraktur zu setzen, begann der typographische Schlamassel, denn man hatte nun zwar eine schöne italienisch-französische ſ-s-Type in der Kursiven, die sich gut für das deutsche ß gebrauchen ließ, aber, oh weh, keine entsprechende Type in der Geradstehenden. Wirklich nicht? Bollwage hat dargelegt, daß lateinische Abkürzungszeichen, die auf dem langen ſ beruhen, mit angefügten Bögen oder Häkchen, als Vorbild für das mittelalterliche deutsche ß gedient haben. Für diese Ansicht sprechen u.a. eine Reihe entsprechender Drucktypen aus dem 15. Jahrhundert. In unserem ersten Beispiel (Druck von Mentelin, Straßburg 1477, freundlicherweise mitgeteilt von Thomas Landsgesell) weist die rechte Seite des ß eine von s und z (3förmig) eindeutig verschiedene Formung auf. Die Mentelinsche Drucktype ist eine Art Proto-Antiqua, deren Minuskeln noch die Herkunft von gotischen Schriften erkennen lassen. Es gibt aus der Wiegendruckzeit eine Reihe weiterer Beispiele dieser ß-Form, der man eine intendierte ſ-s oder ſ-z-Verwandschaft nicht sicher nachsagen kann. Es handelt sich hier nicht um ein ›ſ-s‹ oder ein ›ſ-z‹ sondern um etwas anderes. Daneben gab es weitverbreitet jenen Typ, bei dem dem langen ſ ein 3förmiger Teil angefügt ist, der der Form des Fraktur-z entspricht. Dieses Modell hat zu der Bezeichnung »Eszett« geführt und ist bis heute die Standardform des Buchstabens in Frakturschriften geblieben. Brekle bezeichnet diese Form apodiktisch als »echte Ligatur« im Gegensatz zu lateinischen Abkürzungszeichen, die genau jene 3erle-Form an das lange ſ angefügt haben und die Bollwage als Ursprung vorgeschlagen hatte. Hier aber liegt nun der Hase im Pfeffer. Denn in lateinischen Manuskripten wurde diese 3erle-z-Form als Abkürzungsmarke auch anderweitig verwendet, z.B. mit q. Können wir also wirklich mit Gewißheit sagen, ob dieses 3erle eine Entlehnung des Buchstabens z oder der lateinischen Abbreviatur ist, wo beide praktisch die gleiche Form haben? Brekle scheint sich da sicher zu sein, ich bin es nicht. Denn das über lange Zeit parallele Auftreten beider ß-Modelle (einhakig/Mentelin, zweihakig/3erle) zeigt eben nicht einen ausschließlichen oder zwingenden Bezug zum Buchstaben z. Die Variabilität in der Ausprägung des Buchstabens läßt aber die Deutung zu, daß man die Identität des rechten Teils womöglich gar nicht so bedeutsam fand. Der kleinste gemeinsame Nenner aller Vorkommen ist lediglich ›ein langes ſ mit etwas‹. Interessanterweise begegnet uns fast 200 Jahre später wieder ein ß, das weder als ſ-s noch als ſ-z-Form angesprochen werden kann. Das älteste bekannte aufrechte ß in einem deutschen Antiqua-Satz moderner Ausprägung findet sich in einer Boetius-Ausgabe, gedruckt von Abraham Lichtenthaler in Sulzbach (Pfalz) von 1667 (Quelle: U. Stötzner, Signa 2006). Der rechte Teil des ß ist ein schlank abwärts geschwungener Ponyschwanz, der – ungwöhnlich für unser Auge – nicht bis zur Grundlinie reicht! Warum das? Genau das ist die Frage. Ich behaupte daß der Schöpfer dieser Type mit Sicherheit keinen Bezug zum runden s (und auch nicht zum z) im Sinne hatte. Denn sonst wäre der rechte Teil deutlich breiter ausgefallen und er würde die Grundlinie berühren. Was genau war die Intention hinter dieser Form? Wir wissen es nicht. Es ist ›ein langes ſ mit etwas‹, nur soviel ist sicher. Diese Sulzbacher Form findet sich 1782 in einem lateinisch-ungarischen Wörterbuch wieder (Druck von Sárdi & Hochmeister, Hermannstadt). Hier ist die ß-Type leicht breiter als bei Lichtenthaler, aber eindeutig nach dem Sulzbacher Muster geformt. Man ziehe dabei auch in Betracht, daß es in aufrechten Antiquaschriften dieser Epoche eine Reihe weiterer, verschiedene ß-Formen für z.T. unterschiedliche Zwecke gab (nächste Abb.: aus Signa 9, 2006). Wir können also annehmen, daß für die Lichtenthalerschen und Hochmeisterschen Druckwerke bzw. für die Herstellung der entsprechenden Schriften eine bewußte Wahl der Form getroffen wurde. Und daß für diese Entscheidung ein wie auch immer gemeinter ſ-s- oder ſ-z-Bezug nicht beabsichtigt war oder zumindest nicht zwingend im Vordergrund stand. Es ist erstaunlich – und vielleicht tragisch –, daß es nun einen missing link gibt. Denn als Jacob Grimm um 1822 mit seiner deutschen Grammatik den Wechsel von Fraktur zu Antiqua vollzog (ref. U. Stötzner, Signa 2006), brach der schier unlösbare ſ-s-oder-z-Schlamassel über Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen herein und beschäftigt sie – bis heute. Damals suchte man (dem Anschein nach) vergeblich nach einer Lösung für das aufrechte Antiqua-ß, einer Lösung, die es eigentlich seit mindestens 1667 (Lichtenthaler) schon gab. Die aber offenbar aus dem Blick geraten war. Immerhin bürgerte sich im 19. Jh. die Variante mit der B-förmigen rechten Seite ein, sie hat sich bis heute bewährt. Ist sie nun ein ſ-s oder ein ſ-z? Kann ich nicht sagen. Es ist nicht eindeutig. Aber: sie ist ›ein langes ſ mit etwas‹. Mitte des 20. Jahrhunderts trat dann Tschichold auf den Plan, mit seiner längst entzauberten aber immer noch vielfach geglaubten Erklärung, der rechte Teil müsse nach dem s geformt sein. Ich gehöre zu den Opponenten dieser Ansicht, auch wenn viele bis heute Tschichold in diesem Punkt folgen. Warum ist das wichtig? Weil die Frage nach der richtigen – oder zumindest: einer guten – Form für das ß wichtig ist. Wird der rechte s-ähnliche Teil dabei schmal gehalten, ergibt sich eine passable Form, die der Lichtenthalerschen nicht unähnlich ist. Aber es gibt auch viele Schriften (s. vorige Abb.), in denen das kleine s im ß unverkennbar so gemeint ist – und diese Glyphen sind unausgewogen und für mich daher nicht richtig. Eine ſ-s-Ligatur ist in der Aufrechten etwas anderes als das ß. Ich gebe gerne zu, daß ich mich in diesem Punkt selbst vor einigen Jahren revidiert habe. Die Entdeckung des Lichthaler-Druckes war dabei sicher ein Schlüsselerlebnis. Natürlich wäre die Sulzbacher Form mit dem erhöhten unteren Abschluß so heute völlig unpassend. Aber sie gibt einen wichtigen Hinweis: die Frage ›ſ-s oder ſ-z‹ ist, was die Glyphe betrifft, nicht entscheidend. Folgende Beispiele von Andron-Glyphen mögen verdeutlichen, was ich meine. In sprachlicher Hinsicht wird das ß heute überwiegend als eigenständiges Zeichen angesehen, was es auch ist. Dies gilt m.E. aber auch für die graphische Interpretation: die Eigenständigkeit ist im Zweifelsfalle wichtiger als die Aspekte der Ligierung zweier Ursprungs-Glyphen. Zumal es neben dem Modell mit geschwungener rechter Seite ja auch noch andere gültige, mit 3- oder ʒ-förmiger Ausprägung gibt und in den klassischen Kursivschriften die ſ-s-Form sowohl historisch evident als auch typographisch schlüssig ist. Ähnlichkeiten, Unterschiede, Entlehnungen, Zufälligkeiten, Willkürlichkeiten und Ableitungen – das Leben ist kein Ponyhof und das Gesamtbild zur historischen Erklärung dieses Buchstabens wird nicht übersichtlicher, im Gegenteil. Damit müssen wir leben. Der Theoretiker kann sich jahrelang an solcher Problematik delektieren, aber der Praktiker braucht eine gängige Lösung. Und der Schlüssel dazu liegt m.E. in dem Ansatz, das ß als etwas eigenes zu betrachten. Zum Beispiel als ſ mit Ponyschwanz. Andreas Stötzner, 1. Juli 2017
  3. 18 Punkte
    In über 15 Jahren Foren-Betrieb zeigen sich so einige typische Muster in Online-Diskussionen. Eines davon soll in diesem Artikel besprochen: Es geht um das Berufen auf die eigene Meinung. Insbesondere wenn Diskussionsteilnehmer sich in die Ecke gedrängt fühlen, betonen sie häufig, dass sie ja schließlich nur ihre Meinung sagen würden. Dies soll meist zweierlei suggerieren: … dass am bloßen Äußern der Meinung nichts verkehrt sein könne (»schließlich haben wir ja Meinungsfreiheit«). … dass man die gemachten Aussagen somit auch prinzipiell respektieren müsse. So gehört sich das bei Meinungen ja schließlich! Und wer rhetorisch besonders clever ist, der macht auch gleich einen Vorwurf daraus und spielt den Ball gekonnt in die andere Ecke zurück: »Sie lassen also keine abweichenden Meinungen zu, wie?« Aber was hat es damit nun eigentlich auf sich? Wann muss man andere Meinungen (bzw. Ansichten, Haltungen) respektieren und wann nicht? Können Meinungen falsch bzw. richtig sein? Schauen wir uns das einmal etwas genauer an. Dem Wesen nach sind Meinungen subjektiv. Dies definiert den Begriff. Bleiben wir beispielhaft in unserem Fachbereich und bei einem Streitthema der letzten Jahre: Meinungen zum großen Eszett könnten zum Beispiel so geäußert werden … Das große Eszett finde ich prima! Das große Eszett finde ich doof! Ich verstehe die Forderung des großen Eszett in funktionaler Hinsicht, aber die Gestaltungen des Zeichens überzeugen mich einfach nicht. Diese Beispiele sind reine, also »echte« Meinungsäußerungen und es sind diese Meinungen, die in der Tat zunächst ohne Wenn und Aber respektiert werden sollten. Doch warum eigentlich? Der Grund ist, dass es objektiv nichts zu prüfen gibt. Die Aussagen enthalten keine Tatsachenbehauptungen, die man bestätigen oder widerlegen könnte. Und sie enthalten auch keine Argumentationen, die man auf ihre Gültigkeit und Schlüssigkeit hin überprüfen könnte. Der Träger der Meinung spricht schlicht und einfach über sich selbst. Man kann sich dieser Meinung dann anschließen oder nicht, aber das war aus auch schon. Mehr ist kaum möglich. Aus gleichem Grund sind reine Meinungsäußerungen aber auch nicht besonders hilfreich. Das sprichwörtliche »Meinungen an den Kopf werfen« bringt nichts. »Ich bin dafür!« »Ich bin dagegen!« Und nun? In einer Debatte tauschen wir daher selten einfach nur die Meinungen aus. Wir müssen tiefer graben und prüfen, was dahinter steckt. Oder ganz formell ausgedrückt: Ist eine Meinung oder These eine mögliche oder im Idealfall gar die einzig mögliche Folgerung in einer Argumentation? Wenn ja, hat sie Überzeugungskraft und darauf kommt es an. Wir müssen also immer Argumentieren um zu überzeugen und in einer Debatte treten in der Regel unterschiedliche Argumentationen gegeneinander an – auf dass die Beteiligten und das Publikum sie im Detail überprüfen können. Wichtig dabei: Sobald die Argumentation beginnt, verlassen wir den schützenden Hafen der Subjektivität und treten auf das eher gnadenlose Parkett der Logik, wo unsere Aussagen einer objektiven Prüfung unterzogen und jederzeit zu Fall gebracht werden können. Argumente bestehen formell aus einer oder mehrerer Prämissen und einer Schlussfolgerung. Klassisches Beispiel: Prämisse 1: Alle Menschen sind sterblich. Prämisse 2: Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung: Sokrates ist sterblich. Eine Logik, die einfach, einleuchtend und unbestreitbar ist. Doch das menschliche Denken läuft leider nicht immer in diesen geordneten Bahnen der Logik. Wir können zum Beispiel gleichzeitig sich widersprechende Argumente im Kopf halten und beide als richtig ansehen. Wir formen unsere Meinungen voreilig, instinktiv, von charakterlichen Eigenschaften, Vorurteilen und Ideologien getrieben. Und nicht selten zäumen wir das Pferd von hinten auf, indem wir nicht mit dem rationalen Schluss enden, sondern vielmehr mit einem behaupteten Schluss beginnen und erst in der Folge Prämissen als Stützen des Schlusses suchen. Ein Prozess, der in der Psychologie und Philosophie als Rationalisieren bekannt ist. Und genau deshalb sind ordentliche Debatten so wichtig! Debatten zwingen die Teilnehmer, mit offenen Karten zu spielen. Gibt es Gründe oder werden nur Dinge behauptet? Kann die eigene Position schlüssig untermauert werden? Diese Fragen seien übrigens insbesondere an die Nutzer der Social-Media-Dienste gerichtet. Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie dort zu jedem aktuellen Thema oder Betrag massenhaft reine Meinungsäußerungen und Behauptungen abgesetzt werden, obwohl ihr Nutzen so gering ist. Dabei ist es doch nicht so schwer: Fügen Sie Ihrer kurzen Meinungsäußerung oder Behauptung zumindest noch ein », weil …« an und schon kann eine Argumentation daraus werden, die man tatsächlich bedenken und diskutieren kann. Im Zweifel heißt es einfach nachfragen! Ein großes Eszett ist doof? (Meinungsäußerung) In Ordnung, warum ist es doof? Braucht niemand? (Behauptung) Okay, warum braucht es niemand? Solange die Argumentationen ausbleiben, können solche Aussagen keine Überzeugungskraft haben und letztlich ignoriert werden. Gelingt es uns in Online-Debatten, den anderen Teilnehmern vollständige Argumente abzuringen, können und sollten wir zweierlei prüfen: Sind die Prämissen wahr? Ist das Argument gültig? Dies prüft, ob die Prämissen den Schluss stützen. Oder anderes gesagt: Wenn man die Prämissen für wahr hält, dann ist es deshalb vernünftig, auch den Schluss für wahr zu halten. Stützen die Prämissen den Schluss jedoch nicht, handelt es sich um einen Trug- bzw. Fehlschluss. Nur wenn beides gegebenen ist, sprechen wir von einem schlüssigen und somit überzeugendem Argument. Falsche Tatsachenbehauptungen als Prämissen sind zum Beispiel ein Fehler, den jeder sofort versteht. Ist auch nur eine Prämisse unwahr, ist die Argumentation gescheitert. (Der Schluss ist übrigens nicht automatisch falsch, aber das Argument stützt ihn nicht mehr erfolgreich.) Die Klärung der Prämissen nimmt nicht selten einen großen Teil der Debatte ein. Denn hier müssen sich alle Teilnehmer letztlich auf Bausteine einigen, die, später zusammengesetzt, womöglich die eigene Position widerlegen. In diesem Wissen werden die Prämissen oft gezielt und gegebenenfalls absichtlich irreführend mit Behauptungen gespickt, die dann zwangsläufig zum gewünschten Schluss führen sollen. Doch so einfach geht es natürlich nicht! Die Logik lässt sich nicht austricksen! Der Wahrheitsgehalt der einzelnen Behauptungen muss dann auf Nachfrage dennoch einzeln aufgezeigt werden und so entstehen nicht selten lange Argumentationskaskaden. Doch nur wenn der Wahrheitsgehalt der Prämissen letztlich überzeugend dargelegt oder gar bewiesen wird, kann auch die Argumentation erfolgreich sein. Neben dem Ringen um die Prämissen liegt auch in der Formung des Schlusses ein weites Feld für Probleme. Debatten wimmeln nicht selten von Fehlschlüssen. Ein Beispiel: Es gibt kein Wort, das mit einem ß beginnt. Also ist das große ß überflüssig. Man sollte ohnehin nicht so viel Versalsatz verwenden! Also ist das große ß überflüssig. Das ß ist ja eigentlich nur eine Kleinbuchstabenligatur! Also braucht man davon keinen Großbuchstaben! Argumente wie diese hört man immer wieder. Doch sie beinhalten objektiv eine Fehlschluss. Genauer gesagt der Fehlschluss Non sequitur: Selbst wenn die Prämissen wahr sind, folgt der Schluss nicht aus ihnen. »Es gibt kein Wort, das mit einem ß beginnt.« Korrekt, aber es gibt dennoch GROẞBUCHSTABENSATZ und somit Bedarf nach der Darstellung des ß in diesem Einsatz. Der Schluss (Versal-ß ist überflüssig) ergibt sich also nicht aus der Prämisse. »Man sollte ohnehin nicht so viel Versalsatz verwenden!« Möglicherweise! Aber auch in seltenem Versalsatz muss das ß irgendwie dargestellt werden. Der Schluss ergibt sich also nicht aus der Prämisse. Das ß ist ja eigentlich nur eine Kleinbuchstabenligatur! Historisch gesehen, wahrscheinlich! Aber die Forderung nach großen Eszett ergibt sich aus der Funktion des Zeichens, nicht seiner Herkunft. Der Schluss ergibt sich also nicht aus der Prämisse. Und dies war nur ein Beispiel eines typischen Logikfehlers. Die Liste ist lang: Strohmann-Argument, zirkuläres Argument, Verweis auf (falsche) Autoritäten oder Mehrheitsmeinungen, Korrelation als Kausalität annehmen und so weiter und so fort. Wessen Argumentationen solche Fehlschlüsse enthalten, kann nicht (logisch) überzeugen. Und Meinungen, die auf nicht schlüssigen Argumenten beruhen, müssen nun nach der Prüfung auch nicht mehr unbedingt respektiert werden, da der Versuch der Begründung (bislang) nicht erfolgreich war. Das Berufen auf die Meinung und die persönlichen Ansichten nützt nun nichts mehr. Und mehr noch: Auch der Träger der Meinung müsste ehrlicher- und vernünftigerweise seinen bisherigen Schluss aufgeben, wenn andere in der Argumentation unwahre Prämissen oder Fehlschlüssen aufzeigen können. Aber oft hören wir stattdessen eher das Fazit, dass in dieser Frage die Meinungen bzw. Ansichten dann wohl auseinandergehen. Eine clevere Ausrede! Entweder gewinnt man das Spiel oder erklärt es im Nachhinein für unentschieden oder gar unentscheidbar. So kann man es sich natürlich leicht machen. Es ist aber auch schlicht intellektuell unehrlich. Fazit: Meinungen sind immer dann zu respektieren, wenn tatsächlich nichts als rein subjektive Aussagen getätigt werden. Dies sind die typischen Sätze, die mit »ich finde …« beginnen oder beginnen könnten. Doch der Wert solcher Meinungsäußerungen ist gering. Wer beginnt, für seine Meinungen und Thesen zu argumentieren, muss damit leben, dass die Argumente geprüft und jegliche Fehler gnadenlos aufgezeigt werden. Wer gute Gründe (also schlüssige Argumente) hat, muss diese Prüfung nicht fürchten und kann seine Position einfach, logisch und sachlich darlegen: »Schaut her! A ist wahr. B ist wahr. Also folgt C. Korrekt?« Wer immer nur Dinge behauptet und Behauptungen auf Nachfrage nur mit weiteren Behauptungen oder Fehlschlüssen stützen will; wer sich in Polemik, Anekdoten und persönlichen Angriffen verliert, hat vermutlich keine guten Gründe und kann sich dann auch nicht mehr hinter dem Begriff Meinung verstecken. Es ist lohnend, sich in der Unterscheidung von subjektiven (»ich finde …«) und objektiven (»es ist«) Aussagen zu üben und sich mit den typischen logischen Fehlschlüssen vertraut zu machen. Nicht nur, um diese Probleme in Debatten bei anderen zu erkennen, sondern vor allem auch, um die eigenen Positionen von vornherein logisch und rational aufzubauen. Das macht kurzfristig deutlich mehr Arbeit. Dies kann aber vernachlässigt werden, wenn man dieser Arbeit die Mühe gegenüberstellt, die regelmäßig aufgebracht wird, um einmal angenommene, nicht schlüssige Positionen endlos zu verteidigen – nur, um sich nicht die Blöße geben zu müssen, Denkfehler gemacht zu haben.
  4. 14 Punkte
    Und schon hat sich das neue Mitglieder wieder gelöscht. Worauf ich nach Veröffentlichung der ersten Antwort schon wetten konnte. Leider hatten die Community-Regeln keinen entsprechenden Paragrafen, um da schnell eingreifen zu können. Ich hab das mal nachgeholt, da es sich ja gerade wieder häuft.
  5. 13 Punkte
    Wie der Rat für Rechtschreibung in seiner Pressemitteilung vom 29. Juni 2017 bekannt gab, wurden die 2016 vorgeschlagenen Anpassungen des Regelwerkes »von den zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens bestätigt und [sind] damit wirksam geworden.« Teil dieser Änderungen ist die Aufnahme des großen Eszett in die amtliche Rechtschreibung. Das aktualisierte Regelwerk (»Regeln 2017«) kann ab sofort auf der Website des Rechtschreibrates heruntergeladen werden. Hier die Änderungen zum Eszett im Überblick: Ab sofort existiert jeder Buchstaben als Kleinbuchstabe und Großbuchstabe. Die bisherige Ausnahme in Form des ß ohne passenden Großbuchstaben ist entfallen. Für die Wiedergabe des ß im Versalsatz ist neben SS ab sofort auch ẞ erlaubt. Die bisher übliche Schreibweise bleibt also erhalten. Das große Eszett kommt lediglich als Variante hinzu und kann mit allen Fonts verwendet werden, die bereits über eine Belegung auf Unicode-Position 1E9E verfügen.
  6. 12 Punkte
    Die lesen doch hier mit, oder?
  7. 11 Punkte
    Wenn Interesse besteht, würde ich einen GREP-Beispiele-Thread vorschlagen ... am besten lernt man das nämlich durchs Erstellen, Tüfteln Optimieren an konkreten Beispielen, und je mehr Problemstellungen, desto mehr Übung für alle (und gleichzeitig Hilfe für den Fragesteller). Es gibt dabei meist nicht nur eine Lösung für ein Problem (außer es ist sehr genau definiert), aber das ist ebenso interessant zum Lernen. Ich hab mich da das letzte Jahr über ziemlich reingekniet, sowohl bei automatischer GREP-Formatierung als auch bei GREP-Suchen/Ersetzungen. Mein Büro-Kollege und ich versuchen jede Woche 1-2 Arbeitserleichterungen bei unseren Kundenprojekten umzusetzen und zur Verfügung zu stellen. Bin sicher noch nicht Profi, kann aber inzwischen abschätzen was generell möglich ist und wo die Grenzen des theoretisch Machbaren oder auch Sinnvollen erreicht sind. Sehr einfaches Beispiel: Ein Kunde schickt uns monatlich eine Liste mit etwa 200 Musiker-Namen als Textwurst, aber in der (zum Glück) einheitlichen Form "Instrument, Nachname, Vorname [Vorname2 ...]". Wir brauchen das im Layout aber so: "Vorname(n) Nachname" (ohne das Instrument oder Komma). Wir kopieren erst mal den Text nach Indesign und machen dann eine Suche nach "beliebige Zeichen, danach Komma und Leerraum, beliebige Zeichen, danach Komma und Leerraum, danach wieder beliebige Zeichen, dann eine Absatzmarke" Oder in GREP geschrieben: .+,\s.+,\s.+\r . = Platzhalter für ein beliebiges Zeichen ( . steht für mehr oder weniger "alles" was getippt werden kann) .+ = ein beliebiges Zeichen, ein oder mehrmals wiederholt ,\s = ein Komma und danach irgend ein beliebiger Leerraum (s=space). Diese Suche fände auch Achtelgeviert-Leerräume etc., ich schreibe das nur lieber als " ", was nur einen normalen Leerraum findet aber hier ausreichen würde. \r = eine Absatzmarke Wenn man danach sucht, findet man jeweils genau eine komplette Zeile unserer Instrumente und Namen, d.h. die Suche klappt schon mal. Jetzt möchte man mit dem Suchergebnis was anstellen, nämlich einzelne Stücke daraus wieder einfügen, aber anders ... Dazu muss man die gewünschten Stücke in der Suche erst mal mit einer ()-Klammer markieren: .+,\s(.+),\s(.+)\r (markiert werden also die Plätze von Nachname und Vornamen, aber nicht das Instrument oder die Kommas Und kann die dann im Ersetzenfeld so wieder ansprechen: $2 $1\r $2 = platziere das zweite Stück des Fundes (die Vornamen) (Leerraum) = füge einen Leerraum ein $1 = platziere dann das erste Stück des Fundes (der Nachname) \r = eine neue Absatzmarke (der Rest des Fundstücks, also Instrument und die Kommas und alten Leerzeichen werden verworfen) Es wird also z.B. gefunden (eins nach dem anderen): Piccoloflöte, (van der Merwe), (Kathrin) Klavichord, (Bach), (Johann Sebastian) Und ersetzt durch: Kathrin van der Merwe Johann Sebastian Bach Mit dem Suchmuster ist das Umsortieren in einer Minute erledigt (es ginge auch mit einem Klick sofort, aber man will dann doch immer etwas mitkontrollieren was passiert, auch um Musterfehler abzufangen). Davor war das ein mühsamer, fehleranfälliger Copy-Paste-Lösch-Marathon.
  8. 11 Punkte
  9. 11 Punkte
    Man kann schlecht winzige Spatien, also nichtdruckende Teilchen, vor die Zeilen legen, weil diese bei der Verarbeitung der Kolumne allzu leicht abfallen würden. Wie hier im Bild gezeigt (unten), werden größere nichtdruckende Quadraten und Spatien verwendet. Auf der linken Seite der Kolumne ist nur das »v« ein wenig (einen halben Punkt) aus der Satzkante herausgezogen. (Der Satz steht kopf, weil wir Schriftsetzer ihn von links nach rechts lesen. Aus »oben« wird »unten«.) Auf der rechten Seite sind es zwei Bindestriche, die aus der Satzkante herausgeschoben wurden. In der Vergrößerung fällt das sogar auf, obwohl es sich nur um eine Verschiebung von anderthalb Punkt handelt – das ist ein guter halber Millimeter. Auffallen soll der Randausgleich niemandem. Um zu beurteilen, ob der Randausgleich gelungen ist, muß man den gedruckten Text in Originalgröße anschauen und keine Makroaufnahmen vom Satz. Es handelt sich um die Garamond von Typoart im Grad Petit, also 8 Didot-Punkt. Die Versalien am Ende sind aus Nonpareille (6 Punkt) gesetzt. Deshalb steht hier noch ein Foto, das den ganzen Druckbogen mit den Händen des Druckers zeigt. Der Randausgleich ist gelungen, wenn an der Satzkante weder Dellen nach innen noch Spitzen nach außen auffallen. Bei der Grafik handelt es sich um einen Holzstich von Hans-Joachim Behrendt. Eine animierte Typografie gewissermaßen, das G als belebter Baum. (Dazu mehr im Blog aus meiner Werkstatt.)
  10. 11 Punkte
  11. 10 Punkte

    Version 3.2.0

    266 Downloads

    Die Poppins ist eine geometrische Groteskfamilie, die das lateinische Schriftsystem und Devanagari unterstützt. Die Familie verfügt über neun Strichtstärken mit zugehörigen Kursivschnitten.
  12. 10 Punkte
    a) Hiermit beauftrage ich die Firma XY(,) die folgenden Unterlagen zu …: b) Hiermit beauftrage ich die Firma XY(,) folgende Unterlagen zu …: Einen Unterschied in der Bedeutung kann ich hier kaum ausmachen, mit bestimmtem Artikel (a) wird etwas nachdrücklicher betont, dass es ganz bestimmte Unterlagen sind, mit denen etwas passieren soll. In jedem Fall folgt ein erweiterter Infinitiv mit zu, der durch Komma abgetrennt werden kann, in vorreformierter Rechtschreibung abgetrennt werden musste. Verbindlich ist das Komma nach aktueller Rechtschreibung nur, wenn im Hauptsatz ein Korrelat (damit) steht, das auf den erweiterten Infinitiv verweist: c) Hiermit beauftrage ich die Firma XY damit, die folgenden Unterlagen zu …: d) Hiermit beauftrage ich die Firma XY damit, folgende Unterlagen zu …:
  13. 10 Punkte
    Gar keine. Emailnutzer erwarten, Emails in der Schriftart und -größe zu lesen, die sie in ihrem Emailprogramm konfiguriert haben – bzw., wenn sie nichts konfiguriert haben, in Standardschrift und -größe. Wenn Email-Absender versuchen, Schriftart und/oder -größe zu erzwingen, sieht das fast immer schlechter aus als in der nutzergewählten bzw. Standardeinstellung. In vielen Fällen sieht die Email einfach nur kaputt aus (oder kann schlimmstenfalls gar nicht gelesen werden), weil die Entwickler des Absenders das Anzeigegerät/-programm, dass ein Adressat verwendet, nicht getestet haben. Das wird in Zukunft eher noch schlimmer werden, da die Geräte immer heterogener werden. Denk nur mal an Smart Watches! Oder an Nutzer, die sich ihre Emails vorlesen lassen oder auf irgeneinem proprietären Gerät im Auto anzeigen lassen, das niemand kennt. Mit Plain-Text-Emails können hingegen alle Geräte umgehen. Kurz und gut: Schriftvorgaben haben in Emails nichts zu suchen. Siehe erstens.
  14. 10 Punkte
    Für die Auszeichnung von Zitatwörtern können Kursivierung oder Anführungszeichen genutzt werden. Die Kursivierung ist üblich für die Kennzeichnung fremdsprachiger Wörter, die in Originalorthografie (meist dann auch mit Kleinschreibung von Substantiven) verwendet werden sollen. Sie ist auch üblich, wo über die Verwendung, Bedeutung, Schreibung der Wörter selbst (objektsprachlich) geschrieben wird. In deinem Text könnte ich mir Kursivierung vorstellen für die Selbstbezeichnungen, die in den Gruppen verwendet oder bevorzugt werden. Anführungszeichen können zusätzlich eine Distanzierung ausdrücken. Wenn man also schreibt, dass »Zigeuner« ein Begriff ist, der von bestimmten Gruppen geprägt wurde usw. Die Anführungszeichen sind mitunter auch eine Notlösung, wenn ein Begriff üblich ist, aus Gründen nicht für angemessen gehalten wird – ein besserer aber (noch) nicht zur Verfügung steht (z. B. Umbruchfehler, die als »Hurenkind« bezeichnet werden). Einfache Anführungszeichen stehen vorzugsweise in verschachtelten Zitaten (Zitate in Zitaten). In wissenschaftlichen Texten werden sie mitunter wie die Kursivierung eingesetzt; in sprachwissenschaftlichen Texten stehen Bedeutungsangaben oft in einfachen Anführungszeichen. Mit distanzierender Bedeutung kenne ich die einfache Anführung nicht. Da Auszeichnungen immer eine graphostilistische Entscheidung sind, würde ich mich nach den Gepflogenheiten im Fachgebiet/Fachbereich erkundigen. Und wenn es sich um grundlegende Begriffe für deine Arbeit handelt (ich weiß das genaue Thema gar nicht …) gibt es in der Einführung der Arbeit sicher Gelegenheit, die Verwendung der Begriffe und Auszeichnungen zu beschreiben.
  15. 10 Punkte
    5 Tage Côte d’Azur sind nun zu Ende und ich sitze wieder an der kalten Nordsee ... Aber ich habe euch was mitgebracht: In der Kathedrale von Grasse Tourrette sur Loup Mouans Sartoux Hier ist jemand sehr aktiv mit der Schildermalerei. Alle gezeigten Bilder sind handgemalt und m. E. auch in einem Stil ... Comic-Sans-Schildermalerei ... herrlich Cap Ferrat Es gab noch so einen Brunnen, da war der Halbmond und das Kreuz noch eindeutiger herausgearbeitet. Leider war da aber mein Akku leer ... Cagnes sur Mer – letzter Café vorm Rückflug Der Schreiber hat wohl auch zu viel von dem Kaffee getrunken
  16. 10 Punkte
    Unser Forum zur Identifizierung von Schriften hat mittlerweile über 30.000 Beiträge. Eines fällt dabei immer wieder auf: Bei einem beträchtlichen Anteil der Anfragen wird nach dem Namen einer Schriftart gesucht, obwohl im konkreten Fall gar keine sogenannten Satzschriften (»Fonts«) zum Einsatz kamen. Dieser Artikel erklärt, warum dies so ist und auf welche typischen Anwendungsbereiche dies zutrifft. Heute sind wir es gewohnt, am Computer gesetzte Schrift nicht nur in klassischen »Drucksachen« zu verwenden, sondern sie auch in beliebiger Art und Weise reproduzieren zu können. Logos, Stempel, T-Shirts, Werbebanner, Leuchtbuchstaben und so weiter. Alles ist möglich – Dateivorlage genügt. Doch gemessen am Einsatz von Satzschriften seit Gutenbergs Erfindung im 15. Jahrhundert sind die aktuellen Möglichkeiten eine recht neue Entwicklung. Über 500 Jahre wurden Satzschriften (aus Blei oder Holz) vorrangig im Hochdruck-Verfahren verwendet. Die Schriften wurden in der konkreten Anwendungsgröße (z.B. 10 Punkt) gefertigt, die Informationen aus den Einzellettern gesetzt, und dann mit Farbe bestrichen, um letztere mittels Druck auf ein Trägermaterial wie Papier zu bringen. Auf diese Weise produzierte man Zeitungen, die Innenseiten von Büchern, Flugblätter, Briefbögen, Visitenkarten, Poster und ähnliche Drucksachen. Für viele andere Buchstabenanwendungen war diese Technik jedoch ungeeignet. So fertigte man zum Beispiel für eine einen Meter hohe Bahnhofsbeschriftungen natürlich keine einen Meter hohen Blei-oder Holzschriften an, um sie dann gegen ein Schild oder gar die Wand des Banhofsgebäudes zur pressen. Schauen wir uns in der folgenden Übersicht einige typische Anwendungen an, wo Buchstaben oft nicht mit Satzschriften entstanden sind. Schildermaler-Arbeiten Beschriftungen über Geschäften oder auf dem Schaufensterglas, politische Spruchbänder; Bahnhofsschilder; Werbetafeln und großformatige Anzeigen an Hauswänden – diese und weitere Anwendungen waren über lange Zeit die Arbeit des Schildermalers. Der Schildermaler war im Zeichnen von Schriften unterschiedlichster Stile geübt. Seine Mustervorlagen von Alphabeten waren eher Anregung. Mit den Blei- und Holzschriften in den Druckereien hatte der Schildermaler nichts am Hut. Seine Werkzeuge waren Stifte und Pinsel und jedes Schild war in der Regel ein Unikat – oft mit Buchstabenformen und -ausgestaltungen speziell für diese eine Anwendung. Schildermaler-Ausbildung In die Kategorie der Schildermaler-Arbeiten zählen aber nicht nur die typischen werbliche Arbeiten wie etwa bei Geschäften. Auch Straßenschilder, die Beschriftungen von Bussen und Zügen usw. können hier mit genannt werden. Gegebenenfalls kamen für sich ständig wiederholende Buchstaben in identischen Größen dann Schablonen oder technische Maßzeichnungen zum Einsatz. Diese waren dann aber meist nur zum internen Einsatz bestimmt und nicht mit Satzschriften identisch, die es in Blei oder Holz als Druckschriften gab. Auch bekamen die Buchstabenvorlagen oft keine Produktnamen, wie es bei frei verkäuflichen Satzschriften üblich war. Die Benennung einer Schrift ist daher nicht immer möglich und auf heute am Computer einsetzbare Fonts kann man also allenfalls hoffen, wenn die Schildermaler-Arbeiten so interessant waren, dass man sie später als Font nachempfunden hat. Die Anfertigung von Straßenbahnbeschilderungen in den 1940er-Jahren. Auch hier waren die Schildermaler noch beteiligt. ältere Logos (hier zum Beispiel Coca-Cola) sind praktisch immer gezeichnet, nicht aus Schriften gesetzt Logos und Zeitungsköpfe Die Namen von Unternehmen und Markenprodukten aus Schriften zu setzen – oder die Gestaltung zumindest darauf aufzubauen – ist heute gängige Praxis. Früher waren Logos in aller Regel Einzelentwürfe von Grafikern. Gleiches gilt für die wiederkehrenden Kopfbereiche auf der Titelseite von Zeitungen und Magazinen. Sie wurden nicht wieder und wieder aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt, sondern einmalig als geschlossenes Bild bzw. Wortmarke passend für die Größe der Drucksache angefertigt. Der heute allgemeinsprachliche Begriff Logo hat hier sogar seinen Ursprung. Der Einzelbuchstabe ist in der Druckerei eine Type. Wurden jedoch Silben oder ganze Wörter (griechisch: logos) als Type gefertigt, nannte man dies Logotypen. Markennamen waren ein typisches Anwendungsfeld dieser Logotypen und so nahm dieser Begriff (speziell in der Kurzform »Logo«) die allgemeinsprachliche Bedeutung von (jeglichen textlichen oder bildlichen) Markenzeichen an. Buch-Umschläge Während die Fließtexte auf den Innenseiten von Büchern seit Johannes Gutenberg praktisch immer mit Satzschriften entstehen, war dies für die meist aufwändiger gestalteten Buchumschläge nicht unbedingt der Fall. Diese wurden seit der Durchsetzung von Verlagsbuchumschlägen regelmäßig von Grafikern bzw. Illustratoren als eigenständiger Entwurf angefertigt. Die Buchstaben wurde passend zum Thema, dem Format und anderen Gestaltungselementen gezeichnet – nicht aus einem Font gesetzt. Bei Titelblättern und Zwischentiteln war dieser Aufwand seltener, ist aber ebenso zu finden. Produktbeschriftungen und technische Bauteile Das Ziffernblatt einer alten Uhr; Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen; die Beschriftung älterer Industrie- und Haushaltsgeräte (Röhrenradio, Staubsauger, Kaffeemaschine) und so weiter. Satzschriften eigneten sich kaum, diese Dinge herzustellen, denn man konnte die Bleilettern schwerlich auf Holzblenden, Gläser oder Bleche pressen, schon gar nicht bei gebogenen Oberflächen. Auch das Layout verbot es in der Regel, die physischen Kegel der Buchstaben entsprechend des gewünschten Ergebnisses anzuordnen. Selbst wenn die Buchstaben auf diesen Produkten also satzschriftartig aussehen und vielleicht sogar von Satzschriften der jeweiligen Zeit inspiriert waren – die Ausführung erfolgte in der Regel technisch bedingt nicht mit einer Satzschrift. Steinmetzarbeiten Wie der Schildermaler war auch der Steinmetz früher regelmäßig für die manuelle Anfertigung von Buchstabenformen zuständig. Die in Stein gemeißelte Inschriften auf Grabsteinen, an Wänden oder über Gebäudeeingängen waren zumindest bis zur Durchsetzung des Computers echte Handarbeit ohne vorgefertigte Fonts. Handschriftliches Die Beispiele aus obigen Kategorien fallen meist unter den Begriff Lettering. Daneben gibt es natürlich noch die schlicht und einfach handgeschrieben Wörter, Sätze und Texte. Umso länger der Text, umso deutlicher wird die Unterscheidung zwischen Font und Handschrift. Bei einem Logo oder einem kurzen Unternehmensslogan ist es aber gegebenenfalls nicht so einfach zu erkennen, ob diese handgeschrieben oder mit Fonts gesetzt wurden. Doch die Details verraten es meist. Für Fonts sprechen sich identisch wiederholende Buchstaben, Verbindungen auf der gleiche Höhe, Anschlüsse die ins Leere laufen usw. Unterscheiden sich identische Buchstaben jedoch in Schreibart und Größe stets, tanzt die Grundlinie oder spielen die Buchstaben in verschiedenen Zeilen miteinander, schwankt die Schriftgröße oder stellen sich alle Verbindungen wechselvoll und perfekt passend für das jeweilige Buchstabenpaar dar, handelt es sich womöglich um Handschrift und die Suche nach einer passenden Schrift wird ergebnislos bleiben. Aufwändige OpenType-Schrift mit unzähligen Alternativzeichen? Nein! Das Alter der Drucksache lässt nur Handschrift als Ursprung zu.
  17. 9 Punkte
    Vor einiger Zeit hatte ich im Forum gefragt, wie man mit Kindern möglichst einfach mit Lettern drucken kann. Die Diskussion wanderte damals sehr streitbar in eine völlig andere Richtung ab, deshalb erlaube ich mir heute die Ergebniss in einem neuen Thema vorzustellen. Altes Thema mit thematischer Entgleisung Meine Aufgabe: Kinder sollen das Prinzip "Drucken mit beweglichen Lettern" verstehen. Hintergrund war die Geschichte Luthers, der Bibelüberstzung und des Druckes durch Gutenberg. Das Problem: Ich konnte keine Holzlettern mehr auftreiben und somit keine machbar DIY-Druckerei basteln. Anregungen hatte ich aus dem Forum reichlich bekommen, vielen Dank dafür. Blei wollte ich die Kindern aber nicht anfassen lassen und die Schriften waren mir für Kinderhände zu klein. Die Lösung: Die Druckwerkstatt des Gutenberg-Museums in Mainz verleiht eine mobile Druckwerkstatt, die ganz genau das kann, was ich gesucht hatte. Kosten 100 Euro für ein Wochenende plus 50 Euro Kaution. Sehr nette Menschen geben dort eine Einführung. Es gab einen Setzkasten mit etwa 5 cm großen Holzbuchstaben und ich durfte mir 4 fertige Druckmotive aussuchen. Von Lappen, Reinigungsbenzin, Farbe, Spachtel bis zu den Farbrollen ist alles in einer Kiste dabei. Die Handpresse hat ein ordentliches Gewicht und lässt sich nur mit zwei Leuten ins Auto heben. Das Ergebnis: Den Kindern im Workshop (Gruppe mit 14 Kids) hat es sehr viel Spaß gemacht. Wir haben zunächst Fehldrucke zugelassen, damit das mit dem richtigen Setzen auch verstanden wird. Die Kids waren total begeistert von der Intensität der Farben auf dem Blech und der Rolle. Wir durften die Farben übereinander rollen (streng mit gelb beginnend) und konnten so kunterbunte Drucke erzeugen. Auch das Mischen der farben konnte so verstanden werden. Den Betreuern und mir hat das aber noch mehr Spaß gemacht und wir haben in der Mittagspause für alle 70 Kinder dieses Tages ein einfaches Plakat mit dem Tagesmotto produziert. Danke für Eure Anregungen. Ein Punkt war leider nicht zu finden im Setzkasten. Den habe ich dann nachgemalt. Aber: (ganz ehrlich) ich hatte TYPOGRAFIE.DE statt .INFO gesetzt, peinlich, dehalb zeige ich das Ergebnis nicht. Ein buntes Abbild vom Herrn Gensfleisch.
  18. 9 Punkte
  19. 9 Punkte
    Lieber Stefan, Ich habe den ganzen Strang (und auch den letzten) aufmerksam verfolgt. Zwar kann ich nicht mit Fachwissen und/oder bei Designfragen weiterhelfen, möchte dir aber dennoch ein Kompliment aussprechen. Ich finde es bewundernswert, wie offen und schnell du die Tipps und Ideen aus dem Forum umsetzt, um für einen ehrenamtlichen Job das Beste herauszuholen (ich nehme mal an, dass alles in der Freizeit abgefrühstückt werden muss). Ich kann annähernd nachvollziehen welch ein Aufwand die Organisation einer solchen Veranstaltung bedeutet, zumal mein Vater jahrelang in meinem Heimatort einen wöchentlichen Lauftreff und mehrere offene Volksläufe (5 und 10 km) organisierte. Bei diesen Laufveranstaltungen musste die ganze Familie mithelfen. Ich selbst bin kein Sportler sondern Musiker und mach die Plakate, Flyer etc. für meinen Musikverein ebenfalls nebenbei. Dem Forum gebührt großer Respekt und Lob dafür, dass hier Fachwissen bereitwillig und kostenlos bereitgestellt wird und mit vielen Tipps weitergeholfen wird. Mir jedenfalls hat das Forum schon einiges an Wissensvermehrung beschert. Weiter so! Gruß Stefan
  20. 9 Punkte
    Nur weil du das Fehlende nicht ergänzen kannst? Ich hab das mal für dich getan …
  21. 9 Punkte
    Da möchte ich gerne mal widersprechen. »Eine gute Form« ist doch nicht etwas, was man sich erst leisten sollte, wenn man Geld hat! Sondern sie ist etwas, was das Leben zu allen Zeiten bereichert, verschönert und dem, der sie erkennen kann und sich ihrer bedient, Sicherheit im Auftritt gibt. »Gute Form« ist in meinen Augen ein schützenswertes Kulturgut und sollte jedem Menschen immer und entsprechend seiner Möglichkeiten offen stehen. Wenn ein Student oder eine Studentin den Wunsch hat, eigenen Inhalten eine gute Form zu geben, dann ist das erfreulich und aller Unterstützung wert – und man sollte ihnen zur Ernüchterung ganz sicher nicht mit dem Winkelhaken vor die Stirn schlagen. Dieses Forum ist kein realitätsferner Elfenbeinturm, sondern explizit auch dafür da: den nicht professionellen Menschen, die an Typografie und guter Gestaltung interessiert sind, ein paar Tipps und Tricks an die Hand zu geben; praktische Hilfe zur Selbsthilfe. Und dafür braucht es gar nicht das ganz große Operationsbesteck, sondern bloß ein kleines Werkzeugkästchen, mit dessen Hilfe sich das Beste aus den momentanen Möglichkeiten machen lässt. Finde ich.
  22. 9 Punkte
    So … ich bin ja noch einen bericht schuldig. Also bei meinen (natürlich nicht sonderlich repräsentativen) Testdrucken auf einer digitalen Konica Minolta, konnte ich bei meinen Motiven keinen Unterschied sehen zwischen 1. alle Bildinformationen in der PDF, rest dem RIP überlassen, 2. beim Export auf 300ppi gerechnet und 3. vorher in PS auf 300ppi gerechnet. Auch der andrucket konnte keinen Unterschied sehen und war ein klein wenig in Erklärungsnot, hatte er doch vorher behauptet, man müsse auf jeden Fall vorher in PS rechnen. Er hat sich dann über die Motivabhängikeit rausgeredet. Damit hat er ja auch sicher nicht ganz unrecht, es gibt immer Motive, die kritisch sind und eine besondere Behandlung benötigen. Aber mein Fazit ist, generell erstmal alle bilder wie sie eben sind in ID zu platzieren dort nach bedarf zu skalieren und die Druckauflösung erst beim Export zu rechnen. Ich habe auch extreme skalierungen bis 10% getestet und auch da keinen Unterschied gesehen ... Viele Grüße und einen schönen Abend Tobi
  23. 9 Punkte
    Man sollte aber inzwischen auch anerkennen, daß Lösungswege dieser Art (mit Diakritika) über Jahrzehnte hinweg vorgeschlagen und diskutiert wurden. Das Ergebnis dieser Diskussionen war: solch eine Lösung wird sich nie durchsetzen können, weil sie für den Schreibnutzer Otto Normal zu befremdlich wirkt. Dieses praxispsychologische Argument ist – ob man möchte oder nicht – ein ›Totschlagargument‹. Freilich wäre eine Akzenbuchstabenlösung theoretisch praktikabel und elegant gewesen, Aber dieser Zug ist längstens abgefahren, eine rein akademische Argumentation bringt heute gar nichts mehr. Die Welt der Schrift besteht nicht nur aus dem Garten der feinen Typographie. Diesem Umstand war unbedingt Rechnung zu tragen, sonst wäre das Unternehmen fehlgeschlagen, dem ß im Versalsatz zu einem passablen Dasein zu verhelfen.
  24. 8 Punkte
    Von dieser speziellen Auseinandersetzung abgesehen, pragmatisch gedacht und nur mal so angenommen: Wenn eine Versaleszettform, die – aus historischem Fachblickwinkel betrachtet – als formal falsch gilt, aus heutiger Sicht aber von einer Mehrheit der Leser als die am ehesten leserliche empfunden wird – hätte sie dann nicht trotz des historischen Makels heutzutage eine echte und wichtige Daseinsberechtigung? Sollte man ihre Eignung dann nicht aus heutiger Sicht höher bewerten und sie der historischen Form vorziehen? Ich denke da mal wieder an »die Typografie im Dienste des Lesers.«
  25. 8 Punkte
    Typografie.info-Mitglied Norbert Pautner legt mit seinem Handlettering-Buch eine Beispielsammlung von Lettering-Alphabeten vor. Im Gegensatz zu anderen Büchern zum Thema (wie Lust auf Lettering oder Handbuch Handlettering) werden hier weniger die Grundlagen des Letterings vermittelt. Die diesbezügliche Einleitung nimmt nur vier Seiten in Anspruch. Den wesentlichen Inhalt des Buches bilden stattdessen die 33 Alphabetvorlagen. Pro Doppelseite wird rechts das Alphabet gezeigt und links werden Hintergründe zum Schriftstil erklärt und Tipps zur Konstruktion gegeben. Die vorgestellten Schriftstile sind: Unicase-Handschrift Schmale Grundschrift Enge Schreibschrift Einfache Federschrift Weite Federschrift Variantenreiche Pinselschrift Fette Pinselschrift Einfache Pinselschrift Schildermalerschrift Schmale Schildermalerschrift Elegante Pinselschrift Grobe Pinsel-Blockschrift Borstenpinsel-Versalien Leichte Blockschrift Schmale Sans Geometrische Sans light Geometrische Sans fett Schablonenschrift Einfache Antiqua-Versalien Blockschrift mit Serifen Sport-Blockschrift Sport-Blockschrift Sans Poppige Cartoon-Schrift Doodle-Schrift Plakat-Pinselschrift Art-Déco Sans Jugendstil-Versalien Viktorianische Zierbuchstaben Schilder-Schrift mit Mini-Serifen Western-Schrift Zirkus-Schrift Unzialschrift Gebrochene Schrift Eine Leseprobe kann von der Verlagswebsite geladen werden. Daten zum Buch: Autor: Norbert Pautner Titel: Handlettering. Die 33 schönsten Alphabete mit Rahmen, Ornamenten und Bordüren Untertitel: Das praktische Vorlagenbuch. Tipps zur Gestaltung von Karten, Anhängern und Tafeln Ausstattung: Paperback, Broschur, 80 Seiten, 21,5 x 28,0 cm. durchgehend illustriert ISBN: 978-3-8094-3803-8 € 7,99 [D] | € 7,99 [A] | CHF 11,50* (* empf. VK-Preis) Verlag: Bassermann Erscheinungstermin: 2. Oktober 2017
  26. 8 Punkte
  27. 8 Punkte
    Lange habe ich auch nach dieser Schrift gesucht, bis ich vor einigen Wochen das Label angeschrieben habe, von dem auch das Bild ist. Es handelt sich um die "Takoshi" von The-Designers-Foundry. https://www.thedesignersfoundry.com/products/takoshi Vielleicht hilft es Dir ja noch, auch wenn dieser Post hier schon langsam eingestaubt ist.
  28. 8 Punkte
    Nö. Du bringst hier leider ein paar Dinge etwas durcheinander … "maximaler Farbauftrag von 300 %" hat nichts mit der speziellen Druckerei zu tun, sondern mit dem Bedruckstoff (gestrichen? LWC? Naturpapier? …?) , der Druckfarbe (mit oder ohne Primärtrockner und Sekundärtrockner? Mangantrockner?) und der Maschine (Rolle? Bogen? …?). Je geringer der Farbauftrag, desto schneller trocknet die Farbe und desto schneller kann gedruckt und weiterverarbeitet werden. Ein wirtschaftlicher Faktor und nicht zwingend drucktechnisch bedingt. 300 % sind bei ungestrichenen Papieren üblich, gestrichene gehen auch bis 320 oder sogar 340, während Coldset (Rollenoffset Zeitungsdruck) sich sogar auf 240 % beschränkt, damit die Farbe wegschlagen kann. Ich bin aber auch schon mit mehreren Sonderfarben + CMYK auf über 420 % gekommen (gestrichenes Papier), das konnte inline mit Zwischentrockner etc. realisiert werden – in einigen Fällen sogar nass-in-nass mit Metallicfarbe, das war aber ein Stück Anstrengung für die Druckerei. "Farbtropfen" gibt es in einer Druckerei nicht, sondern nur bei einem Tintenstrahldrucker. In der Druckerei wird der Farbton aufgerastert, d.h. dass ein Ton heller als 100 % als Punkt dargestellt wird. Übrigens nicht nur wie in deinem Beispiel "Druckraster" durch die Punktgröße, sondern heute eher frequenzmoduliert durch den Abstand ähnlich großer Punkte. Bis hin zum FM2-Raster, das ein wenig versucht, das Silberkorn nachzubilden, um bei Fotografien bessere Ergebnisse zu erhalten. Ein 100-%-Fläche wird dagegen als Vollfläche gedruckt – es sei denn, dass die Profilierung schon bei beispielsweise 90 % aufhört, weil durchs Verlaufen auch so eine Vollfläche erreicht wird. Wiederum abhängig von Druckverfahren und Bedruckstoff.
  29. 8 Punkte
    Über 250 Läufer, über 4.500 € für die Spendenempfänger und ein wunderbarer Abend - Danke in die Runde für Eure Hilfe!!!
  30. 8 Punkte
  31. 8 Punkte
    Das sehe ich aber etwas anders. Demnach würde es bei dir auch keine Rolle spielen, wenn ein sehr knapper Satzspiegel, also mit wenig Rand, einen stark durchschossenen Satz aufweist und ein sehr großzügiger Satzspiegel, also mit viel Rand, mit wenig Durchschuss auskäme. Es geht nicht nur um die Zeilenbildung, sondern um die gesamte Gestaltung der Seite. Aber auch das ist zu kurz gegriffen, es geht um die Gestaltung des kompletten Buches. Speziell das Zusammenwirken von Zeilendurchschuss und Satzspiegel spielt eben da eine wichtige Rolle. Aber generell gilt in der Typografie und im Design die Zusammenwirkung aller gestalterischen Elemente in der Gesamtbetrachtung und nicht isoliert voneinander.
  32. 8 Punkte
  33. 8 Punkte
    Ich wüsste da ja eine Lösung. Quelle
  34. 8 Punkte
    Autumn in November. Free for personal use. http://www.ffonts.net/Autumn-in-November.font How to: – Suchbild runterladen – Kontrast erhöhen – ungefährer Anschluss Buchstaben suchen (cyan markiert) – Schriftzug in Einzelbuchstaben zerlegen – Speichern und whatfontis.com zum Fraß vorwerfen – Dort ist’s der Treffer Nr. 13 Hat insgesamt 2 Minuten gedauert.
  35. 7 Punkte
    Meine Favoriten in absteigender Reihenfolge: Mittelpunkt. Das ist einfach der naheliegendste Begriff. Ich vermute, dass normale Menschen, die diesen Punkt benennen sollten, diesen Begriff wählen würden. Das Argument der Mehrdeutigkeit überzeugt mich nicht. Kontext löst theoretische Verwirrungen fast immer automatisch auf, ohne dass uns das auffallen würde. Wir müssen in normaler Konversation nicht darüber nachdenken, ob Bank ein Geldinstitut oder ein Sitzmöbel beschreibt. Mittelpunkt selbst ist ja schon in der Alltagssprache doppelt besetzt, ohne dass das für Verwirrungen sorgen würde. Warum sollte noch eine Bedeutung, die in einem klar definierten Kontext eingesetzt wird (der mit den anderen Bedeutungen von Mittelpunkt kaum etwas zu tun hat) hier für Verwirrung sorgen? Mittenpunkt. Wäre mein Kompromissvorschlag, wenn Entscheider den Mittelpunkt einfach nicht akzeptieren wollen. Klingt aber irgendwie holpriger. Trennpunkt. Auch intuitiv. Ich bilde mir ein, diesen Begriff im Kontext von Wörterbüchern schon gehört oder gelesen zu haben. Nachteil: beschreibt halt nicht die Position innerhalb der Zeile. Mittepunkt. Da kräuseln sich meine Ohren und bestehen energisch auf einem Fugenkonsonanten. x-Höhen-Punkt. Zu technisch. Ohne Vorwissen versteht der Leser da nur Bahnhof. Mediopunkt. Was zum Teufel ist ein Medio? Welch dämliche Erfindung, um ein vermeintliches Problem zu umgehen! Hochpunkt. Geht m.E. gar nicht. Wer nicht Altphilologe ist, würde den Punkt sehr wahrscheinlich sehr viel höher vermuten als auf der x-Höhe.
  36. 7 Punkte
    Moin, in der c't Kreativ arbeiten gibt es Quark Xpress in der Version 2015 als Heftbeilage zum Download. Gedruckt kostet es 9,90€ und ist ab dem 9. 11. 2017 erhältlich. Wer es bis zum 18.11. bei Heise bestellt, bekommt das Heft kostenfrei zugeschickt. Auch digital ist es auf einem Haufen Plattformen erhältlich. https://www.heise.de/newsticker/meldung/c-t-Kreativ-arbeiten-mit-QuarkXPress-Vollversion-3882501.html Ciao Phoibos
  37. 7 Punkte
    Gefunden auf Ischia. Beste Grüße
  38. 7 Punkte
    Wenn die Nabelschnur sich beim ersten Versuch nicht durchschneiden läßt, oder wenn der Student im dreißigsten Semester immer noch nicht nicht bei Mutti ausziehen will – dann ich Kindernachtrennen angesagt!
  39. 7 Punkte
    Auch wenn der Wettbewerb schon beendet ist konnte ich es dennoch nicht lassen. So wie man es sieht kann man es als Eps speicher und wenn die Ansicht nicht ganz passt dreht man diese und speichert erneut in eps. Erstellt habe ich das in Sketchup. Nicht ganz so anscpruchsvoll wie Blender. Rein theoretisch könnte man das auch als Schrift speichern, z.b unter L wie Logo oder K wie Kirche als angepasste version für die Jahreszeiten könnte man ja die Bäume so gestalten ist quasi Herzform
  40. 7 Punkte
    Das ist leider der heutige Geist des Anspruchsdenkens. Dann gern von mir ein "Gefällt mir"!
  41. 7 Punkte
  42. 7 Punkte
    Die Läufer vorn und hinten der Schriftzug ...
  43. 7 Punkte
    So agieren Trolls nun einmal. Hart an der Grenze des (offenen) Regelbruchs, dabei regelmäßig wenigstens ein bisschen on topic, um den eigentlich angebrachten Rauswurf zu vermeiden. Aber im Kern geht es darum, zu stänkern und ehrliche Teilnehmer zu verunsichern. Also lass dich bloß nicht von deinem Kurs abbringen, @Heike & Stefan! Das passt alles schon, was du machst. Und dein Engagement für die Laufgruppe und die Gruppe an sich sind sowieso klasse. Wenn ich Bundesverdienstkreuze vergeben könnte, bekäme eure Gruppe sicher eins.
  44. 7 Punkte
    @Erwin Krump Mit deinen Anmerkungen hast du völlig recht, und ich habe unrecht mit der Darstellung, der Satzspiegel spiele für den Durchschuß keine Rolle. Ich hatte dabei nur die Stellung der Kolumne im Sinn, aber es kommt ja auf die Proportionen an. Ein Buch mit schmalen Rändern und splendid durchschossenem Satz erzielt eine gänzlich andere Wirkung als ein Buch mit breiten Rändern und eng durchschossener Kolumne.
  45. 7 Punkte
    Ich habe das Vergnügen, vier brandneue Schriften vorzustellen, die soeben bei Fontspring exklusiv erschienen sind. Die Popelka ist ja hier schon bekannt … über sie wurde bereits alles gesagt. Die Albermont ist ein weiterer Abkömmling der überaus erfolgreichen Abendschroth-Familie und bietet eine weitere Schriftoption für jede Art von romantisch-märchenhaft-düster angehauchten Publikationen. Ihre Frakturversalien sind teilweise etwas unorthodox, ebenso die Kombination mit Unzialminuskeln in einem insgesamt barocken Tonfall. Ebenfalls barock inspiriert ist die Whystor, wenngleich sie in eine ganz andere Richtung geht. Hier standen Anregungen von Inschriften aus dem 16. bis 18. Jahrhundert Pate, wovon insbesondere auch die alternativen Glyphenvarianten zeugen. Sie hat minimal ausgeprägte Serifen und einen mäßigen Fettfein-Kontrast. Einige eher spezielle Details (z.B. bei g, R) fügen sich in einen insgesamt ruhigen Duktus mit nobler Ausstrahlung ein. Die Bergamo ist eine reine Versalschrift für Auszeichnungen und Überschriften: eine modernistische Geometrische mit verhaltenen Art-Deco-Anklängen und einer leicht eckengerundeten Ausbildung. Von ihr sind neben der Regular auch drei weitere lichte Varianten verfügbar. ––> Andreas Stötzner bei Fontspring
  46. 7 Punkte
    Die abstrahierten Beispiele, die bertel weiter oben zeigt, finde ich sehr schön, besonders die Variante von St. Mang, die an ein Bleiglaskirchenfenster erinnert. Aber auch Gregors Visualisierung in handgezeichnetem Duktus hat ihren Charme. Für Dieters Projekt stellt sich daher zunächst einmal die grundlegende Frage, ob die Darstellung der Kirche den Charme des Handgezeichneten haben soll oder ob eine auf das Wesentliche reduzierte, visuell spannende grafische Anmutung das Richtige ist. Letzteres muss dabei nicht kalt und unpersönlich rüberkommen, sondern könnte durch Farbe gezielt um eine emotionale Wahrnehmungsebene erweitert werden, siehe bertels Beispiele. Da Kirchen heute weniger streng und autoritär wirken möchten, sondern oft sehr auf das freiwillige Mitwirken der Gemeindemitglieder angewiesen sind, ist ebenso oft der Wunsch da, den Menschen mit offenen Türen, menschlicher Wärme und einem Angebot der echten Teilhabe zu begegnen. Heutzutage werden die Kirchen sogar wesentlich besser geheizt als früher und die Schäflein verfügen in aller Regel über Sitzkissen auf den kargen Kirchenbänken, damit kein schmerzendes Hinterteil von der spirituellen Einkehr ablenkt. In diesem Sinne müsstest Du, Dieter, der Diakonin vielleicht noch mal ein paar gezielte Fragen stellen, um die genaue Zielsetzung zu ermitteln: Gibt es eine inhaltliche Definition dieser Gemeinde und ihrer Schwerpunkte/zukünftigen Schwerpunkte? Gibt es eventuell sogar ein Empfinden darüber, dass die Wahrnehmung der Kirche/Gemeinde von außen und innen differiert? Um die Neugestaltung eines Unternehmens, einer Kirche oder einer sonstigen Organisation anzugehen, muss zunächst klar sein, wie der theoretische Unterbau überhaupt aussieht. Wenn das inhaltliche Konzept nicht bekannt ist, dann wird die Gestaltung zur reinen Geschmacksfrage – und das geht in den meisten Fällen eher schief, als dass ein Volltreffer dabei herauskäme. Die wichtigen Fragen also wären zunächst einmal: Was für eine Kirchengemeinde haben wir hier vor uns – wie groß, welche inhaltliche Ausrichtung, wie viele Gemeindemitglieder, ländlich oder städtisch geprägt, etc. Also: die Definition von Sender und Empfänger, Anbietendem und Zielgruppe sozusagen. Und dann wäre es wichtig, sich die bisherige Gestaltung anzuschauen und festzuhalten, was daran gut ist und gefällt und wo Handlungsbedarf besteht – und diesen zu definieren. Im nächsten Schritt wäre dann klar zu formulieren, was gewünscht ist und die Inhalte/Attribute festzulegen, die das neue Erscheinungsbild im Gegensatz zum alten aufweisen soll. Und dann kann man sich daran machen, die neue Gestaltung anhand dieser Vorgaben zu entwickeln und zu messen. Man sieht ja durch die Diskussion hier im Forum, wie unterschiedlich mögliche Parameter von den verschiedenen Diskutanten bei der Betrachtung gewichtet werden. Damit das Ganze zielführend fortgesetzt werden kann, müssten wir einfach wissen, wie der »Kunde« das Ganze sieht. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir uns im Kreis drehen, wie hier zum Beispiel zu besichtigen. Liebe Ostergrüße Kathrin
  47. 7 Punkte
    Du brauchst kein schlechtes Gefühl haben, du zwingst ja niemanden dazu etwas beizutragen. Ich kann es nur vermuten, aber bisher geschieht hier doch alles weil es den Leuten entweder Spaß macht, sie daran interessiert sind oder einfach weil du ein sympathischer Typ bist.
  48. 7 Punkte
    für einzeilige Absätze habe ich diese Lösung heraus gefunden: geschafft habe ich das mit beiden Absatzlinien zu verwenden: Die "Linie Darüber" ist durchsichtig, aber hat das Attribut "Im Rahmen belassen". So kann mit "Versatz" den Text im Textrahmen herunter stossen. die "Linie darunter" ist dann die Effektive Linie. Das ganze funktioniert nur mit einzeiligen Absätzen!
  49. 7 Punkte
    Sobald ich über die tschechische oder polnische – von mir aus auch französische – Grenze komme, habe ich keine Ahnung wie irgendwelche Ortsnamen ausgesprochen werden. Könnte man dort nicht mehr Rücksicht auf mich nehmen …
  50. 7 Punkte
    Wer spricht denn von einer Ligatur? Das ß und das ẞ sind schon lange keine Ligaturen mehr, sondern eigenständige Zeichen. Ansonsten könnte man ja ohne Probleme auch im Deutschen Strasse schreiben. Wäre ß eine Ligatur, wäre es das gleiche wie ss. Genauso wie die fi-Ligatur das gleiche wie fi ist – nur eine andere grafische Darstellung eben. Das ist es aber nicht ...
Zeitzone: Berlin/GMT+01:00
×

Hinweis

Wie die meisten Websites, legt auch Typografie.info Cookies im Browser ab, um die Bedienung der Seite zu verbessern. Sie können die Cookie-Einstellungen des Browsers anpassen. Anderenfalls akzeptieren Sie bitte die Speicherung von Cookies.