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Topp-Thema: Eszett als Großbuchstabe


Gast

Empfohlene Beiträge

RobertMichael

Und jetzt noch eine Vorankündigung: Ende März wird in der Reihe SIGNA das neue Heft mit dem Thema "Das große Eszett" erscheinen; darin ausführliche Beiträge zu sprachlichen, schriftgeschichtlichen und gestalterischen Aspekten. Einige Ausgrabungen (Aktivitäten um das versale ß *vor* 1900) werden dabei für Überraschung sorgen.

noch nie was davon gehört, sieht aber interessant aus.

nachdem ich denen vor ca. 3 wochen eine mail über ihr formular

geschrieben habe, sie sollen mir diverse exemplare zuschicken ist noch

keine antwort gekommen, hat jemand eine ahnung wieso, bzw. schon

etwas erhalten?

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Ingo Preuß

Welche 'deren Website' meinst du? Die bei signographie.de funktioniert, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, da ich sie erstellt habe.

Ob die bei Wæchterpappel auch funktioniert, weiß ich nicht. Rufe am besten mal an und/oder schreibe denen nochmals. Wäre nicht so nett, wenn du deine Bestellung doppelt bekommen würdest.

Doch, es wurden bereits Exemplare versendet. Ich habe welche und Andreas Seidel ebenfalls. Diese SIGNA lohnt sich absolut. Ich habe noch niemals soviel Fundiertes, gut Recherchiertes und gebündeltes Material zum Thema auf einem Haufen gelesen - und glaub mir; ich habe sehr viel Material zum Thema.

Es lohnt sich also in jedem Falle...

[preusss]

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RobertMichael

die signographie.de seite meine ich, ich sagte aber nicht das sie

nicht funktioniert. ich habe alle bisherigen exemplare per formular

erstellt und keine rückmeldung erhalten – werde mich bei denen am

montag mal melden. thx.

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Sebastian Nagel

noch nie was davon gehört, sieht aber interessant aus.

nachdem ich denen vor ca. 3 wochen eine mail über ihr formular

geschrieben habe, sie sollen mir diverse exemplare zuschicken ist noch

keine antwort gekommen, hat jemand eine ahnung wieso, bzw. schon

etwas erhalten?

ich habe schon bestellt und erhalten.

Konkret habe ich an Frau Teiche an diese Adresse geschrieben:

teiche [at]hoefgen [dot] de

die auch auf der signographie.de-Seite zu finden ist.

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Tholan

Ich hatte auch über die Webseite Signographie bestellt und das ausgezeichnete Heft schon erhalten. Gewundert hat mich allerdings, dass ich eine Extra-Mail von Andreas Stötzner bekommen habe, wo explizit nochmal nach meiner Adresse gefragt wurde. Kann aber beides ohne Zusammenhang sein, da ich ihm für das Heft zuvor etwas geschickt hatte.

Viele Grüße

Thomas

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RobertMichael

wie das leben so spielt, soeben ist ein päckchen auf dem tisch

gelandet mit allen signa heftchen. super!

jetzt brauch ich nur noch zeit zum lesen.

:roll:

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Tholan

Zur Geschichte des ß, gehört ja auch dazu!

Ich habe soeben einen Antiquadruck des Parzival aus dem Jahr 1477 von Johann Mentelin, Straßburg entdeckt. Hier ist das ß in Form der Kürzungszeichen „sed“ oder „ser“ einhakig ausgeführt.

304_1_1.jpg

-----

304_2_1.jpg

Diß fliegende beiſpel

Iſt tummen leúten gar ſchnel

(Heute würde man wohl sagen: „Dieses fliegende Gleichnis ist für einfältige Menschen allzu flink”.

Das große und kleine Zett hat eine Unterschlinge.

Hier noch eine gotische Kursive aus dem Jahr 1423, der Urfehdeschwur (Urkunde Solothurn, Schweiz)

304_3_1.jpg

Ich Heini Eggo, Cuntzmans Egen sun von Rore, tun kunt und vergich öffenlich

mit diesem briefe, als mich die fürsichtigen wisen schultheisse und rete der stat Solottern

mine gnedigen herren von etwas gezigs wegen in gefengnisse hant gebabt, und mich dar

uß gnediglich ledig gelassen hatn, das ich da globt und gsworn han, globen

Wenn ihr noch früherer Fundstücke habt, wäre es toll, wenn ihr es melden könntet!

Gruß

Thomas

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  • 2 Wochen später...
Bleisetzer

Hier ist noch ein Versal-ß für Euch.

Das ist eine Koralle von Schelter & Giesecke aus dem Jahr 1915,

heute gedruckt.

Schönen Sonntag noch.

Georg

1012_dscn0008_2.jpg

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Maetsch
Obwohl das Thema nun bereits einige Monate alt ist, lässt es mich nicht mehr los. <<...>>

Durch Zufall kam ich letztens im Gespräch mit Prof. Müller auf den »falschen Duden« und die Geschichte mit dem großen ß. Sie hat wiederum durch den Dozenten im Fach »Kalligrafie«, Hans-Jürgen Willuhn, der in der ehemaligen DDR als Gebrauchsgrafiker tätig war und scheinbar gute Kontakte zu den Leipziger Typografen hat, die damaligen ß-Entwürfe gesehen und wird sie mir Ende der Woche mitbringen …

Ich hab bei H.-J. Willuhn vor einem Jahr ein Semster lang Print-Vorlesung gehabt. Da ich mich schon länger für Frakturschriften und die Herkunft von ß und @ interessierte, war dies besonders spannend für mich.

Interessanterweise kannte er die alten Duden-Ausgaben mit dem Versal-ß garnicht. Auch war ihm neu, daß es in Frakturschriften das Versal-J nicht gibt. Daher habe ich ihm mal meine alten Duden mitgebracht und wir haben uns nach der Vorlesung noch so lange unterhalten, bis der Hausmeister und rauswarf. Willuhn ist echt o.k.!

9. Auflage des Duden von 1919:

"Die Verwendung zweier Buchstaben für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muß, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe für das große ß geschaffen ist."

In der 11. Auflage des Duden von 1934 fehlt dieser Hinweis.

15. Auflage des Duden von 1959 (Nachdruck 1965):

"Das Schriftzeichen ß fehlt leider noch als Großbuchstabe. Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange. Es wird jetzt noch ersetzt durch SS oder, falls Mißverständnisse möglich sind, durch SZ."

Auf dem Buchdeckel und der Titelseite ist "DER GROßE DUDEN" mit Versal-ß gedruckt.

Der letzte Leipziger Duden von 1985 (18. Neubearbeitung) schreibt:

"Das Schriftzeichen ß fehlt als Großbuchstabe. Es wird ersetzt durch SS oder, falls Mißverständnisse möglich sind, durch SZ.

Personennamen können aus Gründen der Eindeutigkeit bei Versalschreibung in Personaldokumenten mit dem kleinen Buchstaben ß geschrieben werden."

Ich finde übrigens den Wikipedia-Artikel zum ß sehr gut gelungen. Bin gespannt, ob das heute bestellte Signa-Heft weitere Erkenntnisse liefert.

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  • 4 Monate später...
  • 6 Monate später...
  • 3 Wochen später...
Tholan

Hallo miteinander,

auf

http://www.signographie.de/cms/front_co ... 1&idart=97

habe ich folgende Nachricht gefunden:

Das ß wird erwachsen

Internationale Standardisierungsorganisation erkennt das versale scharfe S an

Pegau, 29. April 2007-- Das versale Eszett (scharfes S) wird aller Voraussicht nach als neuer Buchstabe in den internationalen Zeichensatz ISO 10646 bzw. Unicode aufgenommen. Ein entsprechender Beschluß wurde auf der Tagung des zuständigen ISO-Fachgremiums am 27. April 2007 in Frankfurt am Main verabschiedet. Der Kodierungsantrag zum Versal-scharf-S wurde vom Deutschen Institut für Normung (DIN) eingebracht. Deutschland wurde in der einwöchigen, turnusmäßigen Sitzung durch Mitglieder des DIN-NIA 29.01 (Codierte Zeichensätze) vertreten.

Die Bestätigung des Kodierungsbeschlusses und definitive Aufnahme des versalen Scharf-S wird in Jahresfrist erwartet. Damit würde das kleine »Eszett« nach einigen Jahrhunderten Sonderstatus endlich seine Großbuchstaben-Entsprechung und das deutsche Alphabet seinen vollwertigen 27. Buchstaben erhalten. Besonders bei Personen- oder Ortsnamen wäre damit die lange vermißte Möglichkeit eindeutiger Schreibung der S-Laute auch in Majuskelschreibweise gegeben.

Bestrebungen, das versale scharfe S auch offiziell einzuführen, gibt es seit 128 Jahren.

Andreas Stötzner (IAS/DIN)

Viele Grüße

Thomas

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Bleisetzer

Sehr erstaunlich und erfreulich, findet Ihr nicht?

Ich zumindest hatte nicht damit gerechnet und zu meiner Schande nicht einmal gewußt, daß überhaupt so großer Einfluß besteht, das durchzubringen. Respekt, Respekt.

Georg

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Ralf Herrmann

Danke für die Info, Thomas!

Hab gleich eine Meldung draus gemacht.

Ich bin ziemlich verblüfft. Obwohl ich noch nicht Müde geworden bin, die Sinn immer und immer wieder darzulegen, so hab ich doch eigentlich kaum mit schnellen Erfolgen gerechnet.

Dann können wir ja jetzt schon mal zum Sturm auf Microsoft und Apple blasen, damit wir dann in 15 Jahren das Zeichen auch auf der Tastatur haben! Die Eszett-Taste ist ja leider schon etwas überbelegt.

Ralf

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  • 8 Monate später...
Pachulke
Sehr erstaunlich und erfreulich, findet Ihr nicht?

Nein. Grob ahistorisch. Der Ligaturcharakter des ß wird noch undeutlicher als bisher. Es ist zu befürchten, daß Schriftgestalter für das Versal-ß nicht die Buchstabenverbindung SZ, sondern SS zugrundelegen — oder das kleine ß optisch »versalisieren«, wobei auch der Bezug zum ursprünglichen Ligaturverbund flötengeht.

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Ingo Preuß

Die offizielle Aufnahme ist im Lauf des Jahres geplant und wird hoffentlich auch erfolgen. Das ist nun nur noch eine Sache von Zeit.

[preusss]

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Ralf Herrmann
Sehr erstaunlich und erfreulich, findet Ihr nicht?

Nein. Grob ahistorisch. Der Ligaturcharakter des ß wird noch undeutlicher als bisher.

Ja. Warum auch nicht? Beim W hat sich auch die ursprünglich meist überkreuzte VV-Ligatur in Wohlgefallen aufgelöst. Es wurde zum Buchstaben und ob das irgendwann mal eine Ligatur war, spielt keine Rolle. Beim Eszett ist es nicht anders.

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Tholan
... Es ist zu befürchten, daß Schriftgestalter für das Versal-ß nicht die Buchstabenverbindung SZ, sondern SS zugrundelegen ...
In der Antiqua liegt ja auch das ss dem ß zugrunde. Zu der Zeit hatte sich das sz schon zum ss gewandelt.

In den gebrochenen Schriften, die ja wesentlich älter sind, liegt das sz zugrunde.

Gruß

Thomas

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Pachulke
In der Antiqua liegt ja auch das ss dem ß zugrunde. Zu der Zeit hatte sich das sz schon zum ss gewandelt.
Wie kommst Du darauf? Das Antiqua-ß kommt entweder von der Fraktur her oder hat sich parallel entwickelt zu einer Zeit, als auch Antiqua-Schriften beide s-Formen obligatorisch hatten. Mit dem ss hat es nichts zu tun.
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Ralf Herrmann
Das Antiqua-ß kommt entweder von der Fraktur her oder hat sich parallel entwickelt zu einer Zeit, als auch Antiqua-Schriften beide s-Formen obligatorisch hatten.

Weder noch. Wir haben das hier schon seit Jahren disktutiert. Das Forum ist voll mit diesem Thema. Außerdem empfehle ich dir dieses Heft deines Landsmannes Stötzner:

http://www.signographie.de/cms/front_co ... p?idart=43

Sowie: Herbert E. Brekle: Zur handschriftlichen und typographischen Geschichte der Buchstabenligatur ß ..., im Gutenberg-Jahrbuch 2001

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<p>Druckgrafisches Museum Pavillon-Presse in Weimar</p>
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