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Wayfinding Sans Symbols — ein cleverer Piktogramm-Font für Beschilderungen
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gutenberger

Endlich hat sie mal jemand digitalisiert,

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Martin Z. Schröder
vor 12 Stunden schrieb R::bert:

War der ursprüngliche Buchdruck auch nichts anderes als eine Imitation von Handschrift mit den damals verfügbaren Mitteln – eben nur mit dem (vielleicht sogar ehrenwerten) Ziel, Information kostengünstiger und schneller für mehr Menschen zugänglich zu machen?

Das würde ich nicht ganz so sehen. Die Form der Schrift wurde nicht neu erfunden, die Technik durchaus, und illuminiert wurden die gedruckten Bücher nach wie vor. Und die Wiegendrucker druckten beileibe nicht nur Bücher. Der Offsetdruck ist kein Imitat des Buchdrucks, die Xerografie ist kein Imitat des Offsetdrucks, das Auto imitiert keine Kutsche usw. Das Imitat ist eine Täuschung. Es gibt im Buchdruckverfahren auch das Vortäuschen: bestimmte, nicht alle Schreibschriften, wie die Englische, die schön gemacht ist, aber der echten Kalligrafie eines Meisters nicht gerecht werden kann. Auch die Schreibmaschinenschrift. Damit hat man früher Werbe»briefe« gedruckt. Das Vortäuschen persönlicher Post als Reklame gibt es bis heute, inzwischen sogar handschriftlich. Ich hab mich mal sehr geärgert über einen Lieferant werden wollenden Papierhersteller und -händler aus Süddeutschland, der Reklame handschriftlich adressierte. Echte Handschrift aus einem dieser nicht mehr ganz neuen Schreibstudios auf dem Kuvert, ohne Absender. Habe ich neugierig geöffnet und enttäuscht und wütend weggeworfen. Es ist das Täuschen, das mich stört. Natürlich machen wir ständig etwas nach. Wenn ich eine Zeile auf die Mitte eines Formats stelle, ist das keine ästhetische Neuheit. Aber ich täusche nicht vor, ich hätte die Mittelachse erfunden.

 

vor 11 Stunden schrieb bertel:

Doch, es geht um Verbesserungen hinsichtlich Geschwindigkeit, Platzbedarf, Personalaufwand etc.

Ja, wenn ein Haus aussehen soll wie aus Ziegelsteinen gebaut, aber man will das nicht bezahlen und hat es eilig, dann setzt man Klinkertapete vor die Betongußteile. Wenn eine Drucksache wie vom Blei gedruckt aussehen soll, man will das aber nicht bezahlen und hat es eilig, dann nimmt man einen imitierenden Font und druckt digital. Weder die Bauweise des Hauses noch die Satzweise der Drucksache werden von desinteressierten Unkundigen überhaupt zur Kenntnis genommen. Der Kundige wundert sich und denkt sich etwas. Der eine so, der andere so. Ich finde es scheußlich. Subjektiv natürlich, subjektiv stillos, täuschend und scheußlich. Das ist es, was mich traurig macht. Ich fahre durch diese Straßen Berlins mit den albernen Klinkertapeten und finde es furchtbar. Neue Architektur ist oft auch schwer verdaulich, aber sie ist echt und fordert mich heraus. Klinkertapete und Betonschlösser bebildern Einfallslosigkeit, Geiz und Nostalgie.

 

vor 9 Stunden schrieb R::bert:

Was war denn der Grund dafür, dass Du es dennoch getan hast? Zumindest wirst Du dann einen nicht ganz untriftigen gehabt haben, oder?

('tschuldigung, den Dialekt aus der Triftigkeit habe ich mal frech entfernt.) Ich habe ein paarmal imitiert, weil es von Kunden gewünscht wurde. Mehrmals übrigens für die von Oliver Weiß angesprochenen Requisiten. Wes Anderson hat für einen Film, in dem eine Visitenkarte bildfüllend gezeigt wird, mehr als ein Dutzend Visitenkarten von mir bekommen, mehrere digitale Schriften auf unterschiedlichen Papieren, leicht geprägt. Es sollte irgendwie »alt« aussehen, und man hat sich dann für eine Schrift entschieden, zu der ich nicht geraten hatte. Mir wurde aber als Zuschauer die Entscheidung klar: es sollte eben für jedermann von heute auf eine bestimmte Weise alt wirken. Für eine Dokumentation des ZDF habe ich in verschiedenen falschen Formaten englische Pfundnoten aus den 40er Jahren gedruckt (dabei trug ich Klamotten aus den 30er Jahren, schreckliche Schuhe), die Magnesiumklischees habe ich mit Farbe vergoldet, damit sie nach Kupfer aussehen. Es geht dabei um Bilder, nicht um die Wirklichkeit, selbst in Dokumentarfilmen. Also für die Requisitenherstellung ist alles erlaubt, finde ich.

 

vor 8 Stunden schrieb Kathrinvdm:

neige ich der Ansicht zu, dass eine gut gemachte Schriftdigitalisierung einer mit Gebrauchsspuren behafteten Bleivorlage ihre Berechtigung hat und zu ästhetisch durchaus überraschenden Ergebnissen führen kann. Und zwar im guten Sinne.

Mir geht es nicht um Kunst. Die darf sowieso alles. Mir geht es wohl eher um Qualität. Ein Produkt soll das sein, wonach es aussieht. Wenn es nach Handarbeit aussieht, soll es Handarbeit sein. Oder man betrachtet die Sache ganz anders. Man könnte ja auch sagen: Die Satzqualität einer Buchseite ist im Handsatz höher, weil die durch die unterschiedliche Abnutzung der Lettern entstehende Lebendigkeit dem Leser angenehm ist, das Auge weniger ermüdet als der glatte digitale Satz. Nur mal probeweise gedacht. Dann hätte ich aber doch lieber eine zeitgemäße Schrift in dieser Anmutung, wenn es darum geht. Wenn man zum Beispiel sagt: Serifenlose im Bleisatz und Buchdruck sind weniger steif, die Linien sind, unter der Lupe betrachtet, kaum einmal tatsächlich linear. Die Enden drucken kräftiger aus als die Mittelstücke. Dann machen wir mal die Futura für Digitaldruck so, wie sie im Buchdruck aussah. Und eine Schrift unserer Zeit auch dazu. Darüber nachzudenken, erscheint mir nicht uninteressant. Es scheint aber nicht darum zu gehen. Es scheint doch um die Vortäuschung einer Handarbeit zu gehen. Denn es werden vorwiegend unwichtige alte Schriften so digital angeboten. Oder?

 

vor 8 Stunden schrieb Hans Schumacher:

Wie es ja auch Faksimiles von Bildern und anderen Vorlagen gibt; da haben wir mit Chefinnen in bodenlangen Jeansröcken von Max Goldt und Martin (Z. Schröder) ein wunderbares Beispiel, was schon auf dem Titel darauf hinweist »Fotokopie (»Faksimile«) vierer typografischer Sammlerstücke« zu sein. Es dürfte im Offsetdruck gemacht sein, und basiert sicher auf im Bleisatz und im Handdruck gemachten Vorlagen.

Kein Beispiel. Es handelt sich um einen Fotoband, der vier aufgeschlagene Bücher dokumentiert. Es sind echte Fotos der Bücher als Objekte. Es ging darum, vergriffene und im Antiquariat sehr teuer gehandelte Bücher, deren Nachdruck in der originalen Fassung technisch nicht mehr möglich ist, einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Gescannt waren die Seiten unschön, deshalb haben wir sehr aufwendig und teuer fotografieren lassen. Das steht vorne drauf und wird in der Einleitung erklärt. Ein Faksimile ist kein Imitat, sondern eine durch die Masse billig gewordene Kopie. Wie ein 3-Euro-Plakat mit einem Dürer-Gemälde. Es wird nichts vorgetäuscht. Auf dem Einband allerdings durchaus. Der ist digital gesetzt aus Imitatholzschrift. Nun kann man sich aber auch leicht denken, daß ein kaschierter Pappband eines Buches mit Fotos nicht von Holzlettern gedruckt wurde. Es ist also einerseits eine Täuschung, andererseits eine für jedermann leicht durchschaubare Show. Vielleicht das, was Kathrin im Sinn hatte, ein Buchumschlag gehört eher zur Gebrauchsgrafik als zur Typografie.

Alles in allem: nicht uninteressant, ich danke für die Gedanken. Mein ungutes Gefühl ist etwas differenziert: Requisite im digitalen kaputten Bleisatz: okay. Alles andere: nein.

Noch ein anderer Gedanke: Als Bleisetzer und Buchdrucker (Schweizerdegen) kann ich euch sagen: Mir tut es um jede gebrochene Serife leid. Wir haben früher kaputte Buchstaben aus dem Satz genommen und ins Blei gegeben, wenn die Druckerei auf hohe Qualität achtete und Schriften immer wieder ergänzte. Das Imitat der kaputten Lettern imitiert die Werkstatt mit schlechtem Schriftenbestand, den halbblinden Setzer und den desinteressierten Drucker, der alles abquetscht, was ihm unter die Finger kommt. Ein guter Setzer und ein guter Drucker bemühten sich gemeinsam darum, daß es eben nicht so aussieht wie das, was man heute als angeknabberte Schrift bekommt. Wobei ich die kleine Schrift in Oliver Weiß' Muster doch reizvoll finde. Das ist hübsch gemacht. Ich bin da zwiegespalten.

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bertel
vor 34 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Also für die Requisitenherstellung ist alles erlaubt, finde ich.

Das finde ich wenig differenziert betrachtet. Requisiten können Hauptdarsteller einer einer Szene sein, auch wenn sie nur Dekoration sind, dann sollten sie aber auch hingebungsvoll, zeitgemäß und detailgerecht ausgeführt sein. Immer der Wertigkeit der Darstellung angepasst.

 

vor 34 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Klinkertapete und Betonschlösser bebildern Einfallslosigkeit, Geiz und Nostalgie.

Jenes Werk ist auch nur ein Stahlgerüst mit Spritzbeton und Leinwand … Einfallslosigkeit und Geiz kämen mir dabei aber nicht in den Sinn.

Linderhof-14.jpg

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=161302

 

Klinkertapete und nicht als solches erkennbares Betonschloss sind in meinen Augen auch Requisiten, für die zwar nicht alles, aber sehr vieles erlaubt ist.

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R::bert
vor 45 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

'tschuldigung, den Dialekt aus der Triftigkeit habe ich mal frech entfernt

Warum? War das kein dreibender Grund? :lol: Welchen Dialekt dippst Du denn?

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Ralf Herrmann
vor 52 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Das würde ich nicht ganz so sehen. Die Form der Schrift wurde nicht neu erfunden, die Technik durchaus, und illuminiert wurden die gedruckten Bücher nach wie vor.

Die Logik geht nicht auf, auch wenn du es wieder in viel Text versteckst. 

Zitat

Das Imitat ist eine Täuschung.

Die ersten Buchdruckseiten sollten ausdrücklich die geschriebene Seite imitieren. Die ersten Druckschriften wurden mit viel Aufwand so geschnitten, dass sie Handschrift vortäuschten. Es war, wie Oliver schon sagte, das ausdrückliche Ziel. Es ging um ein günstigeres/schnelles und damit gewinnversprechendes Imitat. Die Technik war Mittel zum Zweck. Ja, die Technik änderte sich. Aber so ist eben auch der Digitalsatz mit OpenType eine neue Technik (wie Buchdruck, Offset und alle anderen genannten Techniken, die zu ihrer Zeit neu waren.) 

 

Auf dein übliches (und schon oft diskutiertes) Beispiel der gesetzte Schreibschrift als Imitat habe ich schon gewartet. Genauso gern berichtest du ja aber auch, wie du mit schreibmaschinenartigen Computerschriften die frühere Darstellung von Textmanuskripten imitierst

 

Man dreht und wendet es sich, wie man es gerade braucht. Aber sei es drum. Die ersten Buchdrucklettern, die durch Gestaltung und Varianz eine Schreibschrift imitieren mit OpenType-Alternativzeichen zu vergleichen, die Buchdrucklettern imitieren, ist jedenfalls eine absolut treffende Analogie der Forenkollegen. Entweder muss man beide akzeptieren oder beide verdammen. Mit Rhetorik alleine kann man sich aus dieser Logik nicht befreien. 

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R::bert
vor einer Stunde schrieb Martin Z. Schröder:

Die Form der Schrift wurde nicht neu erfunden, die Technik durchaus

Das erinnert mich an ein – mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommenes – Video über eine Filzstift-Schrift-Nachahmung von Martin Wenzel. Schon allein die aufgewendete Zeit und sein Durchhaltevermögen* nötigt mir großen Respekt ab.

 

Die Form ist nichts Neues, die Technik der Opentype-Zeichenrotation (wie eben von @Ralf Herrmann angedeutet) war es damals schon:

 

 

*Auch eine Voraussetzung zum Anschauen des kompletten Videos

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