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Pygmalion

Kerning, Optisch vs. Metrisch

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Pygmalion

Würde mich interessieren, wie ihr das in der Regel so handhabt – gibt es ja einige "Für" und "Wider", gerade auch in Bezug auf die Schrift, Schriftgröße, Einsatzzweck etc. …

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Sebastian Nagel

Das ist etwas abhängig vom verwendeten Font:

Wenn gute Metrik im Font vorhanden --> Metrisch (heißt: die Font-Kerninginformationen werden von Indesign verwendet), da kann ich darauf vertrauen, dass der Gestalter/Techniker mitgedacht hat.

Wenn schlechte Metrik im Font --> Optisch (heißt: Indesign macht den Ausgleich mittels Analyse der Formen und Statistik), da ist das mathematische Ergebnis oft besser als das gelieferte.

Sonderfälle:

Wenn nur Tabellenziffern im Font vorhanden, die im Fließtext Löcher reißen --> Optisch kann hier schnell ein brauchbares Ergebnis für normalen Text liefern.

Wenn Titelsatz --> Vergleichen was Metrisch und was Optisch liefern, als Ausgangsbasis für manuelle Korrekturen.

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Pygmalion

Das deckt sich auch in etwa mit meinen Erfahrungen. Bei Titelsatz, Headline etc. muss ich sagen, dass ich meist mit IDs optischem Kerning sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Vielleicht teilt ja jemand diese Ansicht?

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suppe

…ich schliesse mich dem ebenfalls an. Obwohl mir metrisches Kerning sympathischer ist, da ich ungern die Software darüber entscheiden lasse. Je nach Schrifttyp eignet sich jedoch das optische Kerning meiner Erfahrung nach trotzdem manchmal besser bei bestimmten Buchstabenkombinationen mit Apostroph, z.B. im Französischen wie «l’Equipe…» usw.

Grüsse

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Albert-Jan Pool

Bei manche andere Kombinationen ist das Ergebnis von optisches Kerning schlechter. Monospaced Schriften und verbundene Schreibschriften werden u.U. mit optisches Kerning nicht besser aussehen. Im Gegenteil.

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Albert-Jan Pool

Das Problem ist, dass die Bezeichnungen optisch und metrisch irreführend sind. Als Designer ist man geneigt, zu denken dass optisch immer besser ist als metrisch. Das metrische Kerning wird vom Schriftdesigner definiert, der legt die Werte jedoch nach optische Kriterien fest. Das optische Kerning wird von einem InDesign-Algorithmus berechnet und definiert die Werte also rein rechnerisch. In beiden Fällen kann es also sein, dass der Designer oder der Algorithmus das eine oder andere übersehen oder nicht berücksichtigen. Ich kenne einige Schriftdesigner die das Kerning für ihre Schriften zuerst mit dem optischen Kerning von InDesign ausrechnen und das Ergebnis in die Schrift importieren. Anschließend korrigieren und ergänzen sie es dann in FontLab.

Vor Jahren habe ich einen Vortrag von Lucas de Groot gesehen worin er optisches Kerning mit metrisches Kerning verglichen hat. Das metrische war eindeutig besser. Die ersten PostScript Schriften hatten mangels Zeit, Geld, Rechnerleistung und Begrenzungen in den Anwendungsprogrammen sehr wenig Kerningpaare. Kombinationen wie L’ wurden damals so gut wie nie berücksichtigt. Auch die Zurichtung dieser Schriften war bei einigen Herstellern einfach nur hochgerechnet von den alten 18- oder 54-Einheiten pro Geviert der vorgehende Generationen der Satzmaschinen. PostScript Schriften haben 1000 Einheiten pro Geviert, das haben nicht alle Hersteller von Anfang an genutzt. OpenType Schriften haben minimal 1000 Einheiten pro Geviert. Wenn man die neueren OpenType Schriften mit den alten PostScript Versionen der gleichen Schriften vergleicht, dann wird man feststellen dass sich vieles zum Guten gewendet hat.

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Magnus

Hallo,

warum gibt es eigentlich die Option »optisch«?

Weil einige Schriftenhersteller ihren Job nicht machen! Grundsätzlich sollte es doch so sein, dass »metrisch« das optimale sein sollte – zumindest in Schriftgraden bis 36 pt.

Ein ganz schreckliches Beispiel ist die ITC Franklin Gothic von Linotype, ob PS oder OT, das Kerning ist unsäglich sch…

Mit metrischem Kerning unbrauchbar, mit optischem Kerning nur mit einer Portion Fatalismus verwendbar.

Solche Fälle sind leider nicht schwer zu finden. Liebe Schriftenhersteller – nicht alle ;-) macht bitte eure Hausaufgaben …

Ein Hauptkaufargument ist ja die angeblich tolle Qualität der Schriften – dann liefert sie doch bitte.

Gruß

Magnus

PS: Auch bei Schriften sind Updates möglich – damit meine ich nicht die Umetikettierung von PS auf OT.

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Sebastian Nagel

Dass manche Schriften schlechte Metrik haben - keine Frage ...

Als Schrifthersteller kann man aber auch nicht jeden Anwendungsfall für den Benutzer vorausahnen und präventiv vorsorgen. Ein einfaches Beispiel dafür ist die Metrik von Versalien:

Wenn ich einen Versal-Font rausgebe, kann ich die Metrik gleich so einstellen, dass es im Versalsatz gut aussieht. Wenn ich aber einen normalen Font mit Versal- und Minuskelalphabet habe, muss ich mich schon entscheiden, ob ich die Versalien mit einer Metrik versehe, die zu den Minuskeln passt, oder zum Versalsatz. Meist ist es ersteres was wichtiger ist, und für Versalsatz kann dann noch mit Kerning etwas eingegriffen werden, aber eine generelle Erhöhung der Laufweite im Font per Kerning für Versalkombinationen ... das ist zu aufwendig, spezifisch, fehleranfällig.

Letztlich müsste dann jeder Font sein eigenes Detailtypo-Programm sein und dem Anwender die ganze Arbeit abnehmen (aber was, wenn der andere Ansichten hat? Nicht jeder Parameter ist absolut allgemeingültig) ...

Für das einigermaßen automatisierte Abfangen bzw. Vorarbeiten bei Sonderfällen ist "optisch" dann recht nützlich.

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Pygmalion
Dass manche Schriften schlechte Metrik haben - keine Frage ... Wenn ich aber einen normalen Font mit Versal- und Minuskelalphabet habe, muss ich mich schon entscheiden, ob ich die Versalien mit einer Metrik versehe, die zu den Minuskeln passt, oder zum Versalsatz.

Guter Punkt, eigentlich klar, habe ich mir dennoch nie bewusst gemacht …

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nicschm

Hallo,

ich glaube ich habe jetzt ganz gut verstanden, worin der Unterschied zwischen der Wahl von metrischem und optischem Kerning besteht. Beim metrischen benutzt InDesign die in den Schriften für bestimmte Zeichenkombinationen festgelegten Abstände, beim optischen berechnet das Programm selbst die Abstände für alle Zeichenkombinationen. Soweit richtig?

 

Wie geht das Programm nun beim metrischen Kerning mit denjenigen Zeichenkombinationen um, für die im Font keine Kerning-Info vorhanden ist? Habe ich es richtig verstanden, dass dort überhaupt kein Kerning zur Anwendung kommt?

Mir scheint das nämlich der Fall zu sein, da es beim metrischen immer einzelne Stellen gibt, an denen das Kerning sichtbar schlecht ist (bspw. bei ›Wegweiser-Verlag‹ keine Unterschneidung zwischen ›-‹ und ›V‹ in der Minion Pro). Mit dem optischen Kerning sind die Abstände an diesen Stellen besser.

 

Daher frage ich mich nun, ob es nicht ein großer Nachteil des metrischen Kernings ist, dass zwar viele der Zeichenkombinationen durch die vom Schriftgestalter festgelegten Informationen (im Idealfall) sehr gutes Kerning haben, andere aber gar keines (wenn das zutrifft). Bei der Anwendung des metrischen Kernings auf einen längeren Text, wo man nur unter erheblichem Zeitaufwand diese Schwachstellen manuell korrigieren könnte, würde das doch insgesamt zu einem uneinheitlichen Kerning – und somit auch Schriftbild – führen, oder?

Wäre es da nicht besser, mit dem optischen Kerning zu arbeiten, bei dem vielleicht an manchen Stellen die vordefinierten Abstände des Schriftgestalters besser wären, bei dem aber dafür Kerning überall angewendet wird und daher das Schriftbild einheitlicher sein müsste? Hat damit jemand Erfahrungen?

Gibt es eventuell gar die Möglichkeit, metrisches Kerning einzustellen und gleichzeitig festzulegen, dass für alle nicht-definierten Zeichenkombinationen optisches Kerning zum Einsatz kommt?

 

Ich sitze gerade an einem wissenschaftlichen Buch, das hauptsächlich in der Minion Pro gesetzt ist. Bei dieser Schrift würde ich als relativer Laie von einem guten metrischen Kerning ausgehen, da die Schrift auch sonst gut ausgebaut ist. Weiß das jemand genauer?

Und was würdet ihr mir als Einstellung für den gesamten Text in der Minion empfehlen – metrisches oder optisches Kerning?

 

Vielen Dank schon mal für eure Hilfe!

 

Grüße,

 

Nicolai

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Ralf Herrmann

Gibt es eventuell gar die Möglichkeit, metrisches Kerning einzustellen und gleichzeitig festzulegen, dass für alle nicht-definierten Zeichenkombinationen optisches Kerning zum Einsatz kommt?

 

Diese Aussage impliziert aber, dass »kein Kerning« gegebenenfalls etwas schlechtes wäre, dass vom »optischen Kerning« dann korrigiert werden sollte. Das ist aber nicht der Fall. Die meisten Buchstabenpaare passen einfach in der Standardzurichtung des Schriftgestalters schon perfekt zusammen. Bei einem hochwertigen Font wird sehr viel Zeit auf diese Zurichtung verwandt. Der Designer versucht dabei, einem perfekten Rhythmus der Stammstriche und Zwischenräume zu erstellen, was der Leserlichkeit und dem Grauwert des Textblocks zuträglich ist. Mit optischem Kerning zerstört man diese Arbeit komplett. Es gibt dann diesen Rhythmus nicht mehr, sondern der Abstand jeden Paares wird völlig unabhängig voneinander allein anhand der Form der Buchstaben bestimmt. 

Also kurzum: nein, man sollte bei ordentlichen Schriften nicht mit optischem Kerning arbeiten. Vielmehr kommt man mit dem metrischen Kerning in 98% der Fälle gut hin und bei dem Rest arbeitet der Schriftanwender dann durch manuelles Kerning nach. 

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Liuscorne

Ganz praktische Dinge, die mir spontan einfallen, wenn es um die Verwendung der Minion Pro geht: Die Unterschneidung bei „deutschen“ und “englischen” Anführungszeichen ist für meinen Geschmack zu stark; gleiches gilt für die Abstände des Apostrophs. Und an manche Unterschneidungspaare kann kein Schriftgestalter denken, z.B. die Abkürzung »Vgl.« in wissenschaftlichen Texten. Hier lässt sich aber über GREP-Stile vieles automatisieren.

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ThierryM

Und an manche Unterschneidungspaare kann kein Schriftgestalter denken

 

dafür nutzen ja die meisten schriftgestalter inzwischen klassenbasiertes kerning, mit dem man optisch ähnliche buchstaben zusammenfassen kann. dadurch bleiben auch kombinationen wie ›Ŵŋ‹ nicht ungekernt, sofern notwendig, auch wenn sie nie jemand je verwendet.

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catfonts

Nun, ich habe eben mal ein par kommerzielle Fonts der größeren Schriftenanbieter in Fontlab geöffnet, in keinem Fall fanbd ich bei Guillemets zu den hierbei leicht problematischen Buchstaben wie T, V, W, Y irgendein Kerning, ebenso wienn diese in der hierbei oft noch problematischeren Form als Chevrons (also der Form mit den zum Buchstaben weidenden spitzen) vor und hinter diesen Großbuchstaben sitzen. Das scheint also im Zusammenhang mit Kerning ein eher vernachlässigter Bereich zu sein.

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Sebastian Nagel

Das oben erwähnte »Vgl.« sieht übrigens in der Minion Pro wirklich grausam aus, wie auch in der Adobe Garamond ...

Die Myriad Pro kanns gut, die Garamond Premier auch (d.h. sie haben metrisches Kerning hinterlegt).

 

(meine Canapé natürlich auch – Klassenkerning sei dank)

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