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Boston- oder Adana-Tiegel?


GraceMaria

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Hallo zusammen

 

Wir möchten gerne mit Letterpress beginnen und sind nun auf der Suche nach einem Tiegel für Kleinauflagen. Wir sind beide Neueinsteigende beim Letterpress. Nach intensiver Recherche im Internet sind wir auf den Boston-Tiegel (A5) und den Adana-Tiegel (8x5) gestossen. Welchen Tiegel würdet ihr uns empfehlen? Was sind die Unterschiede bzw. Vor- und Nachteile dieser Tiegel? 

 

Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen!

 

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Ehe man Deine Frage genauer beantworten kann, müßte die Fragestellung präzisiert werden. Adana ist ein Hersteller, Boston ein allgemeines Konstruktionsprinzip, für das Geräte verschiedener Hersteller unterschiedlicher Preis- Format- und Qualitätsbereiche in Frage kommen. Die Frage nach Adana oder Boston ist also etwa so schlüssig wie es eine Frage nach Ford oder Traktor wäre.

Unabhängig davon: Wenn ich das richtig sehe ist die Adana wohl eher im semiprofessionellen Bastlerbereich beheimatet. Informationen findest Du zum Beispiel in diesem oder diesem Strang.

 

Übrigens — wenn Ihr ordentlich Geld zur Verfügung habt: Ich habe hier noch eine A-4-Bostonpresse von Hohner aus den Siebziger Jahren stehen, die ich nicht unbedingt brauche, also wahrscheinlich eines der letzten Exemplare, die gebaut wurden. Zustand fast wie neu, auch noch mit sehr ordentlichen Walzen.

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Noch präziser wäre der Vergleich mit deiner Frage: PKW mit Frontantrieb oder ein Dacia?

 

Denn die bekanntesten Adanas sind eben Bosten-Tiegel, also eine Bauform der Duckpresse, mit fest stehendem, senkrechten Fundament und einem, um einen festen Drehpunkt auf diesen zu schwenkenden Tiegel der Aufzug und Bedruckstoff trägt, und dann eben so eingestellt werden muss, dass der Tiegel im Druckpunkt parallel zum Fundament steht.

 

Adana baut jetzt recht verschiedene Druckmaschinen, darunter auch Abzieh-Nudeln, aber das bekanteste Produkt ist eben die besonders leicht, einfach und preiswert gebauten Bosten-Tiegel, was natürlich auf Kosten der Hatbarkeit und Präzision geht.

 

Die Zentnerschweren und häufig aus kräftig überdimensionierten Grauguß-Teilen hergestellten alten Druckmaschinen sind ja praktisch nicht kaputt zu bekommen, drum sind von dem höchst präzisen und robusten original Heidelberg-Tiegel bis heute, also gut 45 Jahre nach Produktionsende noch gut 400 000 Maschinen im fast täglichen Einsaz, wobei viele als Stanzpresse gequält werden, und selbst höffnungslos vernachlässigte, gut 100 Jahre alte Boston-Tiegel, die zerlegt in irgend einem Keller vor sich hin rosteten, sind oft ohne all zu großen Aufwand wieder zum Laufen zu bringen - sofern man das Puzzle dann zusammen bekommt :-)

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Die Zentnerschweren und häufig aus kräftig überdimensionierten Grauguß-Teilen hergestellten alten Druckmaschinen sind ja praktisch nicht kaputt zu bekommen, drum sind von dem höchst präzisen und robusten original Heidelberg-Tiegel bis heute, also gut 45 Jahre nach Produktionsende noch gut 400 000 Maschinen im fast täglichen Einsaz,

Der OHT wiegt rund 1,5 Tonnen und ist eine elegante, kleine Maschine, überdimensioniert ist daran gar nichts. Es gibt keine überdimensionierten Druckmaschinen. Die Produktion des OHT wurde nicht vor rund 45, sondern vor rund 30 Jahren eingestellt, und wenn etwa 180.000 Stück von der meistgebauten Druckmaschine verkauft wurden, können heute kaum 400.000 im Einsatz sein, sofern sie nicht eine Funktion haben, die ich noch nicht kenne oder doch falsch informiert bin (dann wäre ich für Aufklärung dankbar).

Adana oder Boston, das ist eine Frage wie Trabbi oder Auto. Der eiserne Boston druckt besser, wenn es ein guter ist. Es gibt auch schlechte, schlecht eingestellte und untauglich konstruierte. Die Adana-Presse aus Alu läßt sich leicht transportieren. Also es kommt darauf an, was man machen will. Besser beraten werdet ihr vielleicht bei Briarpress oder in anderen Fachforen. Hier im Typoforum sind, wenn ich richtig zähle, nur drei Drucker zugange.

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Gast Schnitzel

Laut Wikipedia habt ihr wohl beide ein bisschen Recht  :party:
 

Allein der Marktführer in diesem Segment, Heidelberger Druckmaschinen, gibt im Jahr 2000 an, das etwa 400.000 seiner Tiegel weltweit noch laufen, obwohl schon 1985 die Produktion endete

 

Quelle

 

Wobei die Wiki-Quelle nicht mehr abrufbar ist ...

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Was da wohl mit Tiegel gemeint ist, weiß man nicht recht. Es gibt auch A3- und Stanztiegel. Ich hab jetzt einfach mal bei Heidelberg gefragt.

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Meine Meinung dürfte bekannt sein: Adanas sind Spielzeug. Kleine, halbwegs vernünftige (Hand-)Bostons sind zu 99% besser zum Drucken geeignet. Echte Profis drucken allerdings nach meinem Kenntnisstand und nicht ohne Grund extrem selten an solchen Maschinen, sondern fast alle am Heidelberger, Grafo oder an Gally-Tiegeln. Und wenn Hand-Boston, dann möglichst an möglichst großen und entsprechend schweren Maschinen - mit einer A5-Maschine hat man auch nicht so große Möglichkeiten. Ich hab an meinen Handbostons seit Jahren nicht mehr gedruckt, sondern hab sie nur noch zum Spielen für Workshops und Praktikanten. Aber manchem reicht das sicher.
Um Euch die richtigen Maschinen zu empfehlen, wäre es schon nötig zu wissen, mit welchen Ambitionen, Qualitätsanspruch, Vorkenntnissen, Engagement, Zeit-, Lern-, Platz- und Finanzaufwand ihr "mit Letterpress beginnen" wollt. Ich würde vor Maschinenkauf dringend ein Praktikum und den Besuch bei einem oder mehreren aktiven Buchdruckern empfehlen: das kann viel Zeit und Geld sparen. Richtig guter Buchdruck oder Letterpress ist nicht ganz so einfach und schnell und womöglich autodidaktisch mit zwei Tutorials im Internet zu lernen wie meinetwegen Siebdruck oder ähnliches ... auch wenns auf den ersten Blick so simpel erscheint. Konkretere Fragen gern auch PN.
Übrigens: der Vergleich mit der Frage Trabbi oder Auto hat viel Schönes.

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Vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen! 

Wir möchten so richtig mit Letterpress starten (Einführungskurse haben wir besucht). Uns hat die Begeisterung gepackt. Wir planen, präzise Schreibwaren (Karten, Visitenkarten, Buchumschläge) zu bedrucken und möchten einen dafür geeigneten Tiegel anschaffen. Gemäss euren Rückmeldungen kommt die Adana nicht in Frage. Der Heidelberger ist wohl für uns Neulinge zu komplex. Es müsste also etwas dazwischen sein. Was empfehlt ihr uns?

Noch eine andere Frage: Da wir bis anhin lediglich Einführungskurse (bei Autodidaktikern) besucht haben, sind wir noch auf der Suche nach einem Lehrmeister, der uns Tipps geben und uns einführen könnte (Nähe Schweiz oder Zeit für einen Workshop am Stück). Könnt ihr uns diesbezüglich weiterhelfen?

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Welche Auflagen habt Ihr denn so geplant? Davon hängt schon ab, ob eine Handpresse ausreicht oder ein Automat hermüßte. Und wollt Ihr das mehr so als Hobby betreiben oder davon leben? Wenn Ihr davon leben wolltet, würdet Ihr mit einem Handtiegel schnell an die physischen Grenzen Eurer Gelenke kommen. Andererseits könntet Ihr das Geld fürs Fitneß-Studio sparen.

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Die Schweiz ist ja so klein auch nicht - also, folgende können Euch weiterhelfen, entweder selber oder zumindest mit Namen und Adressen von Praktikern in der Nähe: Museum Papiermühle in Basel (die geben m.W. auch Kurse und beschäftigen auch Praktikanten), Officina Bodoni in Frauenfeld, Officina Parnassia in Vättis, Typorama Bischofszell (dito).

Wenn Ihr in Deutschlands Süden sowas machen wollt, es gibt in Bayern und vermutlich auch Baden-Württemberg einige Möglichkeiten ... da müsstet Ihr aber verraten, wo genau, ich liste jetzt nicht hier alle mir bekannten Kollegen auf.
Was den Tiegel betrifft: Ich würde zu einem Gally-Tiegel raten. Nun gibts ja Buchdruckmaschinen nicht mehr aus dem Katalog und auf dem Gebrauchtmarkt kann man nur kaufen, was gerade angeboten wird ...
Aber wenn ich heutzutage mit Letterpress anfangen würde und soetwas wie Ihr beschrieben habt drucken wollte, wäre ein gut funktionierender Gallytiegel das geeignetste Maschinchen. Oder halt doch ein Heidelberger bzw. Grafo: wenn man wirklich richtig professionell drucken will und dementsprechend bereit ist Zeit, Interesse und Geld reinzustecken - dann ist das Druckenlernen am Heidelberger gar nicht soooo komplex, wenn man beim Profi mal intensiv zwei bis vier Wochen mitmacht ... 

Zumal man dann, wenn mans beherrscht, wirklich recht effektiv arbeiten kann ...
Womit ich nicht gesagt hab, daß man in dieser Zeit "Drucker lernen kann", aber um die Funktionsweise eines Tiegels und seine Bedienung im Normalfall hinzubekommen, sollte diese Zeit als Einführung erstmal reichen.

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Etwas »dazwischen« wäre wohl eine kleine Andruckpresse, aber die wiegt schnell viel. So einen kleinen A5 Tiegel kann man nochmal unter den Arm klemmen und ein Stockwerk höher tragen, die Andruckpresse eher nicht.

 

Generell spricht (aus meiner Sicht zumindest) nichts gegen eine (einen) Adana zum Anfang. Die gibt es häufig und günstig und nicht jedes Model ist ein Wackelkandidat. Verkaufen kann man sie auch jeder Zeit wieder, wenn man merkt, das einem die Qualität doch nicht ausreicht. 

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Heute bekam ich Antwort von der Heidelberger Druckmaschinen AG:

»Vom Heidelberger Tiegel, T, A4, wurden bis Serienende über 141.000 Stück gebaut.«

Also kommt das vielleicht hin mit den 160- oder 185.000, wenn man die Tiegel mit zusätzlicher Heißfolienprägeeinrichtung dazuzählt.

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Hieß der Heidelberger Tiegel eigentlich immer so ... T A4? Oder hatten die ganz alten Modelle noch andere Namen? Ich würde gern wissen, ob diese 141000 die gesamte Produktion von 1914 (oder wann gings los?) bis ? (irgendwann in den 70ern?) darstellen oder nur ein Teil davon sind. Denn ein paar kleinere (und eine größere mit Einführung der Marken - 1924?) Änderungen gabs ja im Laufe der Jahre schon.

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1926 bis 1986 wurde der OHT am Fließband gebaut. 1914 kam er auf die Messe, aber die Serienproduktion begann dann deutlich nach dem Krieg. Ich hab die Frage einfach noch mal an die Druckmaschinenwerke und ihre »Social-Media-Abteilung« gegeben und werde die Antwort dann auch gern hier wiedergeben.

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  • 5 Monate später...
  • 1 Monat später...

Geschätzter Freund Pachulke, wie fühlt sich das an für Dich – sollen wir Dir zum Verkauf Glückwünsche oder eher unser Beileid aussprechen? Wenn ein Drucker sich von solch einem Werkzeug trennt, geschieht das vermutlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge …  :trost:

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  • 3 Jahre später...

Jetzt wäre interessant zu erfahren, wie es Grace Maria heute geht...

 

PS: Das war schon ambitioniert - das Erlernen des Druckerhandwerks bei einer Autoditaktierin im Rahmen einer Kurz-Vorführung...

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Wir haben ja nicht umsonst drei Jahre (Schriftsetzer) gelernt. Wobei man sagen muss, dass davon ein nicht unerheblicher Teil auf nicht gerade ausbildungsrelevante Arbeiten gefallen ist. Z.B.: Frühstück einkaufen, ablegen und Klischees von heissen Stegen entfernen und anschließend mit Lösungsmittel (ohne Abzugsanlage!) reinigen, Korrex Farbwerk säubern, Setzerei fegen . . .

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Am 29.1.2020 um 11:59 schrieb Peter Wolf:

Der Käufer hat schon wieder aufgegeben,

habe kürzlich einiges an Akzidenz Grotesk bei ihm gekauft.

Der Tiegel war schon weg.

 

Der Hohner Alfa 1 Tiegel und auch die Rautendelein befinden sich nunmehr in meinem Besitz.
Schön, dass auch die AG einen Weg nach Hessen gefunden hat.

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Am 17.4.2016 um 18:33 schrieb Pachulke:

Ja, es ist ambivalent. Habe das nur gemacht, damit meine Erben sich nicht mit dem schweren Teil abplagen müssen.

Ohja, schwer war/ist es … sauschwer! Den aus einem Keller über ne steile Treppe in einen Transporter zu bekommen, war schon eine Herausforderung!

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<p>Krimhilde – Fraktur trifft geometrische Grotesk</p>
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