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Schriftmuster Tannenberg


Microboy

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vor 1 Stunde schrieb pürsti:

Das postfaktische Zeitalter zieht ein ins forum.

Seit wie vielen Jahren geht diese dumme Stänkerei nun eigentlich schon? Wird das nicht langsam langweilig?

Der Begriff Beleg kann unter anderem ganz einfach für Zeugnis von etwas, Fundstück oder schlicht und einfach »Beispiel« stehen. Nichts anderes war gemeint. Dreh mir nicht die Worte im Mund rum, nur weil du mir wieder mal was reinwürgen willst. 

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vor 24 Minuten schrieb R::bert:

Macht Lust auf mehr. :-P

Ja, und hätte wohl einen eigenen Strang verdient. Weil die meisten Beispiele die hier diskutierten schlichten Gotischen nicht abbilden.

(Einen Strang vieleicht auch bei dem ein Hinweis auf mehr semantische Präzision nicht gleich zu Nervositäten führt.)

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vor 50 Minuten schrieb pürsti:

(Einen Strang vieleicht auch bei dem ein Hinweis auf mehr semantische Präzision nicht gleich zu Nervositäten führt.)

:tuschel: Mein Eindruck war gerade, dass diese Hinweise meist nur einer abbekommt, obwohl es dafür – gerade in diesem Strang – zahlreiche Anlässe gegeben hätte.:-?

Aber macht das mal lieber unter Euch aus. :-) 

 

 

vor 50 Minuten schrieb pürsti:

Ja, und hätte wohl einen eigenen Strang verdient. Weil die meisten Beispiele die hier diskutierten schlichten Gotischen nicht abbilden.

Stimmt! :-D

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Bleisatz und Buchdruck, noch frisch: Ganz Grobe Gotisch. Ernst Schneidler, Bauersche Gießerei, 1930.
Albert Kapr: »Sie ist nicht grob, sondern extrem schwarz.«
(Holzstich: Hans-Joachim Behrendt)15781121_1153867551386978_6043988473500815781639_1153863561387377_82426106272381

 

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Gast Arno Enslin

@ Martin Z. Schröder

 

Ist das schön! Insbesondere der Holzstich auf diesem Papier. Es gibt eine Heuschreckenart, die Heupferd heißt. Aber die Chimäre, die der Holzstich zeigt, ist eher eine Kreuzung aus Biene und Ziege. Ich stöbere gerade in deinem Shop nach Drucken, die nicht zweckgebunden (w. z. B. Grußkarten) sind, also über die Schönheit hinaus keine Funktion erfüllen sollen.

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Gast Schnitzel

Yeehaw, auf in die nächste Runde Metakommunikation :rockon:

 

Ich habe das schwarze™ Yeehaw echt nicht zu lesen vermocht und brauchte die Antiqua-Übersetzung im Post darunter :shock:

So in pastell ist das echt eine schöne Schrift :nicken:

Ich denke je breiter und fetter sie sind um so gemütlicher wirken sie und hinterlassen – zumindest bei mir – weniger den Eindruck eines Schaftstiefels. Vielleicht weil die schrägen dann den Reih-und-Glied-Rhythmus unterbrechen!?

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Die Ganz Grobe Gotisch (das ist ein recht scherzhafter Name, ohne jede nationale Orientierung) hat verzierte Versalien und ist in ihrer Art auf das Extreme ausgerichtet. Eine experimentelle Reklameschrift, die im übrigen kaum gerade Linien zeigt. Vielleicht steht es bei Kapr, ich habe irgendwo gelesen, daß einige Buchstaben wahrscheinlich in Schneidlers Unterricht entstanden und seine Schüler sie freihändig aus Papier schnitten. (Wie es auch Frutiger gemacht hat.) Das ist alles weit weg von den Schaftstiefelgrotesken.

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OK, war schon viel (schönes) dazwischen, trotzdem komm ich noch einmal auf Ralfs Foto zurück.

 

Ich glaube nämlich, dass wir da einfach viel zu viel in die Wahl der Schrift hinein interpretieren.

Denn ich glaube, dass sich da damals einfach keiner so wirklich dolle drum Gedanken gemacht hat, sondern das einfach ein Auftrag an einen Schildermaler war, dem man den Auftrag gab: Schreib mir das mal schön. Und da der gute Mann (vielleicht auch die gute Frau, aber das war damals noch eher unwahrscheinlich) sein Handwerk in der Zeit erlernt hatte, als man generell noch gebrochene Schriften bevorzugte, wird ihm diese dann einfach flüssiger aus der Hand gelaufen sein, und so wurde das Schild dann eben in einer Frakturschrift erstellt - ohne dass in der Wahl irgend ein politisches Statement steckte. Auch auf westlichen Drucksachen der Zeit findet sich ja noch reichlich Frakur, wie ich beispielsweise an einem Hamburger Museumskatalog aus dieser Zeit sah.

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Nachtrag:

 

Das wir heute viel zu sehr in die Verwendung der Schriftarten politische Statements, nach dem Schema "Fraktur = Rechts = Böse" hinein interpretieren, und das wohl vor noch gar nicht so langer Zeit ganz anders war, zeigen eigentlich die wichtigsten Drucksachen der Deutschen, die D-Mark-Scheine, welche (mit ausnahme der in den USA entworfenen, und ziemlich Dollarmäßig daher kommenden 1. Serie doch durchgehend  zumindest das Wort "Banknote" in einer gebrochenen Schrift verwendeten:

 

markig.jpg

 

Die DDR-Mark war allerdings Frakturfrei.

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Gast Arno Enslin
vor 2 Stunden schrieb catfonts:

Das wir heute viel zu sehr in die Verwendung der Schriftarten politische Statements, nach dem Schema "Fraktur = Rechts = Böse" hinein interpretieren

Ich nicht. Noch nie. Ich habe in der Grundschule gelernt, Fraktur zu lesen. Aber da ging es nur um die Schrift als Mittel, um Sprache zu fixieren. Mir geht es auch ziemlich auf die Nerven, dass gebrochene Schriften immer wieder mit Politik in Verbindung gebracht werden. Mir stehen in diesem Zusammenhang eher die Wegweiser im Kreiswehrersatzamt vor Augen, die in einer eiskalten Linearantiqua gesetzt waren. Diesen Anblick habe ich gedanklich viel stärker mit Faschismus, Militarismus und einem autoritären Staat verbunden, als den Anblick gebrochener Schriften.

 

Am Tor der Gymnasiums, das ich besucht habe, steht eine Statue von Arno Breker. Darüber gab es immer wieder Diskussionen. Und ich fand diese Diskussionen immer bescheuert. Die Statue ist zwar ein eine gewisse Kälte und Strenge ausstrahlendes, aber politisch neutrales Kunstwerk von guter Qualität. Ich würde sie auch dann stehen lassen, wenn sie Hitler persönlich gestaltet hätte. Unter der Voraussetzung, dass sie kein faschistisches Gedankengut transportiert. Aber bildende Kunst, die politisch sein will, ist tendentiell ohnehin schlecht. Meiner Meinung nach muss Kunst auch ohne Hintergrundwissen über ihren Schöpfer verständlich sein. Ich halte nichts von Kunstwerken, die ohne ein Manual nicht verstanden werden können, also nicht einmal über den Vergleich mit anderen Kunstwerken, die eigenen sinnlichen Erfahrungen u. s. w. Es sei denn, das Manual ist Teil des Kunstwerkes.

 

Wenn es nach mir ginge, würde auch die Swastika rehabilitiert werden. Denn meiner Ansicht nach ist dieses Zeichen viel zu elementar, um auf es verzichten können. Das Verbot, sie als Symbol für irgend eine politische Botschaft zu verwenden, sollte allerdings bestehen bleiben.

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Die Swastika ist ja zusammen mit dem Buddhismus ins chinesische Schriftsystem eingewandert und damit als Kanji gleich zweimal im CJK-Zeichensatz enthalten (einmal rechts-, einmal linksdrehend). Gelesen wird es dann übrigens wàn, homophon mit »zehntausend«/»Myriaden«.

Wenn ich in einer wissenschaftlichen Arbeit eines dieser Zeichen im Zusammenhang mit anderen verwende, wird sicherlich niemand davon ausgehen, dass das mit verfassungsfeindlicher Absicht geschah. Wohl auch nicht, wenn es in der Dekonstruktion eines Doppel-Mäanders in einer kunstgeschichtlichen Proseminarsarbeit auftaucht. Aber bis auf solche raren Ausnahmen gibt es keinen Grund, dieses vorbelastete Symbol zu verwenden.

Beschränkung ist ja nicht immer gleich Zensur: So würde z.B. hier im Forum niemand die dritte, neben rasch und Schar mögliche (sinnvolle) Kombination der Buchstaben A, C, H, R, S verwenden – auch wenn eine Diskussion eventuell mal unglaublich kontrovers bis persönlich geraten kann (und die fünf Buchstaben ansonsten häufig und unverzichtbar für unsere Sprache sind).

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Gast Arno Enslin

Solo würde ich die Swastika auch nicht verwenden. Das liegt aber eher daran, dass es mich viel mehr reizt, sie mäandern zu sehen. Nach dem einfachen Kreuz (+) als Symbol für einen Punkt bzw. Ort ist die Swastika vielleicht das elementarste Zeichen, das keine Fläche einschließt. Soweit ich weiß, ist die Swastika auch eines der ältesten bekannten Zeichen der Menschheit. Und ich habe für mich entschieden, mir das nicht rauben zu lassen.

 

Mir fällt dazu folgende Geschichte ein – zum Vergleich: Die Gattin eines mir bekannten Kunstmalers, beide stramme Kommunisten, konnte sich beim Gedanken an eine Pyramide nicht von der Vorstellung lösen, dass der Bau der ägyptischen Pyramiden tausende Sklaven die Gesundheit oder das Leben gekostet hat. Mal davon abgesehen, dass das historisch nicht korrekt ist, wie sich inzwischen herausgestellt hat – Pyramiden sind einfach schön. In Bezug auf ihre Ästhetik spielt es nicht die geringste Rolle, ob bzw. wie viele Menschen für den Bau von Pyramiden missbraucht worden sind. Ähnliches ließe sich über christliche mittelalterliche Bauwerke sagen. Oder über eine explodierende Wasserstoffbombe, deren destruktive Wirkung ganz unmittelbar mit ihrer Symmetrie, Abweichungen von der perfekten Symmetrie und ihrer Farbenprächtigkeit verbunden ist. Und es gibt auch viele Dinge, deren Schönheit sich erst in einem bestimmten Licht oder aus einer bestimmten Perspektive offenbart. Die Abbildung eines Gegenstandes ist eben nicht dasselbe wie der Gegenstand. Schon deshalb kann die Swastika nicht mal in Teilen dasselbe sein wie Kriegsverbrechen, Genozid u. s. w. Aber sie hat sich in die Erinnerung der Menschen eingebrannt, die Opfer dieser Verbrechen waren. Das ist aber die einzige Gruppe, in deren Gedächnis eine geradezu physische Verbindung zwischen Symbol und Verbrechen existieren dürfte. Wobei meines Wissens die leidvollen Erfahrungen der Opfer in einem hohen Maß an viele der Nachkommen der Opfer übertragen worden sind.

 

Aber man muss unterscheiden zwischen Kunst und Design. Design dient einer Aufgabe. Kunst dient nicht, muss aber nichtsdestotrotz unter ästhetischen Gesichtspunkten funktionieren. Ein Designer muss Rücksicht auf die Vorurteile, die Ignoranz oder die Kleingeistigkeit bestimmter Zielgruppen nehmen, u. z. schon deshalb, weil übermäßige Selbstverwirklichungsabsichten des Designers oft genug die Funktion des gestalteten Objekts stören. Bei Kunst ist es eher umgekehrt. Sie hat kein Ziel, sondern wartet darauf, dass sie gefunden wird.

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vor 16 Minuten schrieb Arno Enslin:

Kunst dient nicht

Wäre dem so, gäbe es keine Sixtinische Kapelle. Unter anderem. Selbst ohne Auftrag ist sie immer ein Statement, ein Zeitzeugnis. Ohne Kontext ist »Kunst« bestenfalls Kunsthandwerk oder, leider auch oft, Kitsch.

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vor 13 Minuten schrieb Arno Enslin:

Schon deshalb kann die Swastika nicht mal in Teilen dasselbe sein wie Kriegsverbrechen, Genozid u. s. w. Aber sie hat sich in die Erinnerung der Menschen eingebrannt, die Opfer dieser Verbrechen waren. Das ist aber die einzige Gruppe, in deren Gedächnis eine geradezu physische Verbindung zwischen Symbol und Verbrechen existieren dürfte. Wobei meines Wissens die leidvollen Erfahrungen der Opfer in einem hohen Maß an viele der Nachkommen der Opfer übertragen worden sind.

Das Hakenkreuz, wie es in Deutschland heißt und hier so scheinheilig mit einem anderen Namen bedacht wird, ist ein Symbol der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus und des Völkermords. Und zwar nicht für eine »Gruppe« von Opfern, deren Kinder und ihre Privaterinnerungen, sondern für die Völker, die von den Deutschen überfallen wurden und offenbar bis auf einige unbelehrbare Schwadroneure auch für die Deutschen. Es ist auch ein Symbol der heutigen Nationalsozialisten und Rechtsextremen und deshalb glücklicherweise verboten. Dieses Herumpopeln an zivilisatorischen Tabus, wie es Catfonts und Arno Enslin hier unter dem Deckmantel der feinen Kunstsinnigkeit betreiben und ein blutbeflecktes Zeichen als unschuldiges Symbol irgendeiner Vorgeschichte darstellen, empfinde ich als eine widerliche, geradezu ekelhafte Provokation. Am Hakenkreuz ist überhaupt gar nichts zu deuteln. Es ist für uns und sicherlich noch für sehr lange Zeit ein Symbol des furchtbarsten Verbrechens.

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Gast Arno Enslin
vor 2 Minuten schrieb Norbert P:

Wäre dem so, gäbe es keine Sixtinische Kapelle.

Oder sie ist keine Kunst, sondern Design oder Kunsthandwerk auf höchstem Niveau. Das wäre die andere Möglichkeit. Und das würde ihren kulturellen Wert nicht schmälern. Ich denke aber, dass sie Kunst ist. Und dass die Menschen ihr dienen, indem sie sie anschauen.

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vor 22 Minuten schrieb Martin Z. Schröder:

Es ist für uns und sicherlich noch für sehr lange Zeit ein Symbol des furchtbarsten Verbrechens.

Ich würde sogar vom Schlüsselbild einer Ikonografie der Unmenschlichkeit sprechen, denkt man an die Symbole, die viele neonazistische Gruppen als Hakenkreuzvariante verwendet haben – und die immer sehr nah an dieser Laufkreuz-im-Kreis-Form blieben, mal mit mehr, mal mit weniger »nordischem« Einschlag. 

 

Dennoch hat die Swastika auch heute noch einen Platz in der Gestaltung buddhistischen Kunsthandwerks. Ein manchmal schwer auszuhaltender Anblick.

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Gast Arno Enslin

@ Martin Z. Schröder

 

Ich lasse mir von niemandem diktieren, wie ich einen Gegenstand in Bezug auf seine Ästhetik zu bewerten habe oder wie ich ihn einzusetzen habe. Es gibt kein „für uns”. Du darfst in ihr sehen, was du willst. Ich sehe in ihr primär ein Zeichen, das leicht zu erfassenden ästhetischen Prinzipien folgt und mit dessen Hilfe sich sehr schöne Muster gestalten lassen.

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Wie du den »Gegenstand« einzusetzen hast, den du gern »rehabilitiert« sehen würdest, mußt du dir diesenfalls durchaus vorschreiben lassen – vom Strafgesetzbuch.

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Form (»Ästhetik«) ohne Kontext kann in einer realen Welt mit ihren vielfachen Bezügen – die beschrieben werden wollen – nicht existieren. Sonst hätte nichts mehr Bedeutung.

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