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Wayfinding Sans Symbols — ein cleverer Piktogramm-Font für Beschilderungen
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Ctwx

Wieso ist Linux Libertine so eine beliebte Times New Roman-Alternative?

Empfohlene Beiträge

Kathrinvdm

Weitere Informationen zur Linux Libertine (auch in Relation zur Times) gibt es im Übrigen im Font-Wiki dieses Forums, ich zitiere mal: 

Zitat

Die Schrift Linux Libertine ist Teil des Libertine-Open-Fonts-Projekts. Dieses konzentriert sich darauf, frei verfügbare, formal ansprechende und technisch ausgereifte Schriftarten zu entwickeln, die alternativ zu Times New Roman oder Arial verwendet werden können.

 

Die Linux Libertine ist eine Serifenschrift in der Tradition der Buchtypografie des 19. Jahrhunderts, deren vollständig neu entwickelten Formen jedoch den heutigen technischen und typografischen Anforderungen angepasst sind. Ihr Zeichenumfang umfasst mehr als 2000 Glyphen und unterstützt Latein, Griechisch, Kyrillisch und Hebräisch.

 

Merkmale:

- Umfangreicher Satz an Ligaturen (z. B. ff, fi, tt, ch, …)

- Sonderzeichen: Internationale Lautschrift IPA, Pfeile, Fleurons, römische Zahlen, Mediävalziffern, echte Kapitälchen

- zahlreiche OpenType-Features

- Versal-Eszett

- Verfügbare Schriftschnitte inklusive Kapitälchen und Sonderzeichen: normal, kursiv, fett, fett kursiv

Zitat

 

»Schriftzeichen und Fonts sind wesentliche Elemente unserer Kommunikation und gehören zum Fundament unserer Kultur. Doch auf der anderen Seite sind sie auch Software-Produkte und Konsumgüter, die gemeinhin urheberrechtlich geschützt sind und amerikanischen Großkonzernen gehören. Während man früher seine Briefe per Hand schrieb, kommuniziert man im 21. Jahrhundert digital und benötigt Fonts für die Darstellung dessen, was man mitteilen oder lesen möchte. Dabei unterliegen schon die grundlegendsten Fonts dem Copyright eines Dritten und nicht selten fehlt jede Unterstützung von Minderheitensprachen und wissenschaftlichen Sonderzeichen. Gegenstand unseres Projektes sind deshalb freie hochwertige und multilinguale Fonts unter OpenSource-Lizenz, die von der Allgemeinheit ergänzt und aktualisiert werden können.« 

 

Zitat Philipp H. Poll (Initiator des Libertine-Open-Fonts-Projekts)

 

 

 

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Ctwx
vor einer Stunde schrieb Martin Z. Schröder:

Gerade habe ich einen Link (Downloads rechts unten) bekommen zu zwei PDF mit Essays. Ist das die Word-Standardeinstellung? Das ist nicht gut gesetzt, also es ist gar nicht gesetzt. Aber eine Katastrophe kann man das auch nicht nennen. Ich verstehe Hochschuldozenten, die alle Texte ohne Design-Verrenkungen so lesen möchten, vielleicht nicht im Blocksatz. Aber schlimm ist das nicht. (Die Wortzwischenräume als Scheunentore sind ein bißchen schlimm beim Lesen, das kommt von dem dusseligen Blocksatz.) Das Improvisierte bekommt auch dem Inhalt, weil solche Arbeiten in der Regel weit davon entfernt sind (anders als die verlinkten), druckreif zu sein und ein guter Satz das fälschlich vorgaukeln würde. Daß es noch einen Unterschied in der Form gibt zwischen einer getippten Hausaufgabe und einem gesetzten Buch, finde ich richtig.

Hallo Martin,

 

das sind nicht die Standard-Word-Einstellungen. Aber hier sieht man ein gutes Beispiel für Fließtext den ich unangenehm finde zu lesen.

 

Was ich so erkennen kann, wurde hier das Format für die Überschriften geändert. Der Abstand nach einem Absatz wurde entfernt und bei manchen Absatzanfängen wurde einmal Tab genutzt. Auch der Zeilenabstand wurde m. E. nach erhöht.

 

Ich habe auch die Antworten die heute so kamen alle fleißig gelesen und bin für den interessanten Dialog dankbar. Da mein Studium so ein klein wenig etwas mit Medien zu tun hat, traue ich mir wohl zu, eine vernünftige Schrift für meine Ausarbeitung herauszusuchen. Am liebsten wäre mir Garamond Premiere Pro, aber bei 3-4 Schrifttypen wäre ich da schon bei 120 €, was sich hier einfach nicht lohnt. Daher habe ich neben der Standardschrift (Windows) Times New Roman noch verschiedenste Schriften ausprobiert und herumgezeigt. Interessanterweise sind Source Serif Pro in Regular und Light gleichbeliebt.

Jedoch wurmte mich Linux Libertine, weshalb ich hier nachfragte. Ich mein, Martin, deine Antwort echt beeindruckt. 

Ich bin nun wirklich kein Profi, daher war mir die Einschätzung zu der Schrift im Vergleich zu Times New Roman wichtig (und interessant.)

 

Besten Dank (an alle die soweit geantwortet haben!)

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Dieter Stockert
vor 4 Stunden schrieb Ctwx:

das sind nicht die Standard-Word-Einstellungen. Aber hier sieht man ein gutes Beispiel für […]

… für Fußnoten, wie sie Word automatisch setzt. Weil Word den Unterschied zwischen einer Fußnotenziffer im Text und einer Fußnotenziffer vor der Fußnote nicht kennt, werden beide verkleinert und hochgestellt, sodass die Ziffer vor der Fußnote im Ergebnis kaum mehr lesbar ist. Da kann nun allerdings die Schrift nichts dafür, sondern da muss der Anwender eben selbst Hand anlegen (das wäre doch mal ein Hinweis für Vorgaben der Hochschule!).

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tidus89

In manchen Vorgaben steht sogar explizit drin, dass die Ziffern in der Fußnotenzeile ebenfalls hochgestellt werden sollen.

 

Ein besonderes Schmankerl war für mich die Empfehlung eines Profs, ein Werk aus dem Jahr 1962 für die Formalia von Seminararbeiten zu lesen. Zitat: ›Manuskripte‹ sind heute in der Regel ›Typoskripte‹. Die Vorteile der Schreibmaschine liegen auf der Hand.

 

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Martin Z. Schröder

@Ctwx
Schön, wenn ich hilfreich sein konnte. Du hast ja vermerkt, daß du die Ligaturen angeknipst hast in deinen Test-Texten. Es gibt gerade einen neuen Beitrag über Ligaturen von Wolfgang Beinert in seinem Typolexikon. Wenn du mal Zeit hast für eine ausführliche Ligaturen-Meditation. Man kann da viel falsch machen (so wie hier im Forum: Schilfinsel = Schil-finsel), und zwar gerade in Word so viel, daß die Ligaturen ganz abgeschaltet werden sollten. Der reiche Fundus an Ligaturen erweist sich oft als Ballast, zumal – darauf weist Beinert dankenswerterweise ausdrücklich hin – wenn sie für einen bestimmten Schriftgrad gezeichnet sind, weil sie keine Änderung der Laufweite mitmachen können, so daß sie zu Lesehemnissen werden. Zu eng in kleinen Schriften, zu weit in großen Graden. Nur Schriften mit zusätzlichen Schnitten für verschiedene Größen können, wenn die Laufweite auch angepaßt wurde, Ligaturen gut aussehen lassen. Der Ligaturenrausch geht so weit, daß manche, auch hervorragende, Schriftgestalter aus Th eine Ligatur machen, als gehörte der Weißraum des T nicht zum Buchstaben, sondern müsse irgendwie aufgefüllt oder verengt werden. Das kommt davon, daß die meisten Schriften für kleine Grade, d.h. unter 12 Punkt, zu eng laufen (die Times läuft ja schon in 12pt viel zu eng) und Buchstaben wie T, V, W und Y zu stark unterschnitten werden, mit der Folge, daß diese Buchstaben undeutlich werden und andere, die nicht unterschnitten werden können wie A, K oder X, Lücken reißen, was dann wiederum zu einem überbordenden Vorrat an Kerning-Paaren, also eigens definierten Buchstabenkombinationen führen muß. Wenn du keine Zeit hast für gründliche Ligaturen-Befassung: einfach immer abschalten. Beinert hält sie im übrigen für überholt im Werksatz. Dem folge ich nicht oder nur ein Stück (es kommt auf die Schrift an), aber ich habe sie auch schon widerwillig entfernen müssen, wenn sie in der Weite nicht in den Satz paßten. Für mich war das ein Lernprozeß, der sich eine Weile hinzog, denn ich war aus dem Bleisatz gewohnt, daß die Ligaturen in der Weite passen und daß man sie verwendet, abgesehen von einzelnen wie dem unschönen ft in der Garamond. Ich bedaure, daß Ligaturen ein Sorgenkind geworden sind.

Das ist nun übrigens ein einzelner Aspekt für guten Satz, über den jemand wie Beinert so viel interessantes zu sagen hat. Dieses Handwerkswissen, diese technischen und ästhetischen Erwägungen werden nun hier mitunter dem Elfenbeinturm zugeschrieben. Als verdiente nicht jeder Text die größte Aufmerksamkeit, wenn er gesetzt wird. Und als sei Setzen etwas, das jeder könne oder als hätte es irgend etwas Antiliberales, wenn nicht jedem zugestanden würde, einen Text gut aussehen lassen zu können. Ich mag dieses Zitat – Imre Reiner (1900–1987), ein wilder Maler und Schriftgestalter, Illustrator und Typograf, sagt: »Es ist ein Irrtum, zu behaupten, daß mit typografischem Material Dinge produziert werden können, die jeder machen kann, und es wird außer acht gelassen, daß auch hier nicht die Technik allein, sondern hauptsächlich der Geist ausschlaggebend ist.« Weil Setzen eine anspruchsvolle Arbeit ist, in der vieles berücksichtigt wird und bei der man auch nach jahrelanger Erfahrung immer noch Fehler machen kann, wie ich von mir weiß, meine ich: Es genügt, wenn man sich als Laie ein bißchen Urteilsvermögen zulegt und die Arbeit von Typografen kritisch anschauen kann. Man muß nicht alles selbst vermögen. Es ist schon viel, wenn man versteht, was Typografie ist.

bearbeitet von Martin Z. Schröder
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Gast Arno Enslin
vor einer Stunde schrieb Martin Z. Schröder:

Und als sei Setzen etwas, das jeder könne

Das hat niemand behauptet. Es geht nur darum, Leute nicht schon bei ihren ersten Gehversuchen zu entmutigen, ihnen also zu verstehen zu geben, Typografie sei so kompliziert, dass es besser sei, gar nicht erst damit anzufangen – es sei denn im Rahmen einer Ausbildung. Ich traue auch nicht jedem zu, einen Text gut aussehen zu lassen. Aber eben auch nicht jedem Grafikdesigner.

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Kathrinvdm
Zitat

Dieses Handwerkswissen, diese technischen und ästhetischen Erwägungen werden nun hier mitunter dem Elfenbeintum zugeschrieben.

Nö. Mit Elfenbeinturm wollte ich nur auf bildhafte Weise ein reines Fachrefugium beschreiben, zu dem Unkundigen der Zutritt verwehrt wird. Und das ist dieses Forum eben nicht. 

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catfonts
Am 24.4.2017 um 21:40 schrieb Martin Z. Schröder:

Das kann man bei jedem Grafikdesigner in Auftrag geben und dabei ein so schönes Luxuserlebnis gewinnen wie bei der Anfertigung eines Anzugs beim Schneider.

Dazu passt doch jetzt dieser Strang:

 

http://www.typografie.info/3/topic/36373-belustigender-„professioneller“-textsatz-einer-design-agentur/

 

Hier wird ja genau dieses Luxuserlebnis versprochen...

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Martin Z. Schröder

Ein wesentlicheres Problem: die Lektürefähigkeit: wenn in einem Text die wesentlichen nicht von den Nebenaspekten unterschieden werden können.

 

Den Nebenaspekt zur Hauptsache (über den Schriftenvergleich ist hier nichts mehr zu erwarten):


Ein Grafikdesigner, der keine Werksatzseite herstellen kann, ist nur ein sogenannter. Gewiß gibt es davon viele. Mit meiner Stilkunde gebe ich dem Auftraggeber von Grafikdesignern das Wissen an die Hand, typografische Arbeit zu beurteilen und die richtigen Dienstleister zu finden. Daß gerade in kreativen Dienstleistungen ein großer Teil der Anbieter nicht reüssieren kann, ist doch nichts neues. Man kann als Typograf nur unbeschadet durch Städte gehen, wenn man den visuellen Horror auszublenden vermag. Das geht Modedesignern und Architekten oder Autodesignern genauso. Unsere Welt ist leider ziemlich häßlich, geformt im Windkanal, verstümmelt vom Controlling, neonübertüncht vom Marketing. Die Grundlagenkompetenzen von Schildermalern oder den Handwerkern der typografischen Berufe sind dahin. Das ist der Nachteil der Liberalisierung von Märkten, der Auflösung von Zünften, der Aufhebung von Privilegien; die Vorteile auf materiellen Gebieten sind aber sicherlich größer. Lieber Wohlstand als Geschmack, nicht?

Ich bekomme in meiner Werkstatt recht viele Druckvorlagen von Grafikdesignern. Ich schätze, daß weniger als der zehnte Teil davon ohne detailtypografische Korrekturen umgesetzt werden können. Schriftsatz wird kaum noch irgendwo unterrichtet, und die bedeutenden Bücher stehen als Hochstaplerschmuck im Regal. Ich habe oft in großen Zeitungen, auch im Radio über das niedrige Niveau des Schriftsatzes unserer Zeit veröffentlicht. Über Verlage ohne buchästhetische Kompetenz, über Setzereien ohne setzerische Grundkenntnisse. Wer schwarz auf weiß nichts zustande bringt, der läßt es in Folie oder blindprägen oder auf Baumwollpapier drucken oder stellt es negativ oder rühmt sich des Regelbruches mit Neonfarben, falls jemand bemerkt, daß er die Regeln gar nicht kennt. »Haptik« und »Effekt« sind die Typografie übertönende Werte. Tönende Erze und klingende Schellen geben den Ton vor.

 

Wenn man dies nun aber sagt, dann muß man nicht lange darauf warten, daß einem ein Hang zur »guten alten Zeit« vorgehalten wird, denn diese Kritik wird nur schwer ertragen. Grundsätzliche Kritik, die über die an einem Kringel in einem »Logo« hinausgeht und sich nicht nur auf drei Adjektive und sieben lallende Interjektionen beschränkt, ist schlecht angesehen, denn unsere Zeit ist die beste aller Zeiten und unsere Welt die beste aller Welten. Diderots Diener Jacques hat sich mit seinen Ansichten recht weit durchgesetzt. Deshalb finde ich es doch erfreulich, wenn meine Darstellung ironiefrei aufgenommen und kritisiert wird. Ich stimme damit vollkommen überein.

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Gast Arno Enslin
vor einer Stunde schrieb Martin Z. Schröder:

Ein Grafikdesigner, der keine Werksatzseite herstellen kann, ist nur ein sogenannter.

Mit anderen Worten: Man kann zwar zu jedem Grafikdesigner gehen und darf fest mit einem Luxuserlebnis rechnen, aber wenn letzteres ausbleiben sollte, dann war es halt kein Grafikdesigner. Logischerweise geht man dann beim nächsten Mal wieder zu irgend einem Grafikdesigner. Denn ein Grafikdesigner ist schließlich Grafikdesigner. Es sei denn, er ist in Wirklichkeit gar keiner.

 

Edit: Der Bauerntrick funktioniert übrigens nicht nur bei Grafikdesignern im Besonderen, sondern auch bei Menschen im Allgemeinen. Verhalten sich Menschen grausam, wird ihr Verhalten von anderen Menschen als unmenschlich bezeichnet. Das ist schon verdammt praktisch.

 

vor einer Stunde schrieb Martin Z. Schröder:

Deshalb finde ich es doch erfreulich, wenn meine Darstellung ironiefrei aufgenommen und kritisiert wird.

Wieso denn ironiefrei? Ganz und gar nicht.

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R::bert
vor 5 Stunden schrieb Martin Z. Schröder:

Ein Grafikdesigner, der keine Werksatzseite herstellen kann, ist nur ein sogenannter. Gewiß gibt es davon viele. Mit meiner Stilkunde gebe ich dem Auftraggeber von Grafikdesignern das Wissen an die Hand, typografische Arbeit zu beurteilen und die richtigen Dienstleister zu finden. Daß gerade in kreativen Dienstleistungen ein großer Teil der Anbieter nicht reüssieren kann, ist doch nichts neues. Man kann als Typograf nur unbeschadet durch Städte gehen, wenn man den visuellen Horror auszublenden vermag. Das geht Modedesignern und Architekten oder Autodesignern genauso. Unsere Welt ist leider ziemlich häßlich, geformt im Windkanal, verstümmelt vom Controlling, neonübertüncht vom Marketing. Die Grundlagenkompetenzen von Schildermalern oder den Handwerkern der typografischen Berufe sind dahin. Das ist der Nachteil der Liberalisierung von Märkten, der Auflösung von Zünften, der Aufhebung von Privilegien; die Vorteile auf materiellen Gebieten sind aber sicherlich größer. Lieber Wohlstand als Geschmack, nicht?

Ich bekomme in meiner Werkstatt recht viele Druckvorlagen von Grafikdesignern. Ich schätze, daß weniger als der zehnte Teil davon ohne detailtypografische Korrekturen umgesetzt werden können. Schriftsatz wird kaum noch irgendwo unterrichtet, und die bedeutenden Bücher stehen als Hochstaplerschmuck im Regal. Ich habe oft in großen Zeitungen, auch im Radio über das niedrige Niveau des Schriftsatzes unserer Zeit veröffentlicht. Über Verlage ohne buchästhetische Kompetenz, über Setzereien ohne setzerische Grundkenntnisse. Wer schwarz auf weiß nichts zustande bringt, der läßt es in Folie oder blindprägen oder auf Baumwollpapier drucken oder stellt es negativ oder rühmt sich des Regelbruches mit Neonfarben, falls jemand bemerkt, daß er die Regeln gar nicht kennt. »Haptik« und »Effekt« sind die Typografie übertönende Werte. Tönende Erze und klingende Schellen geben den Ton vor.

 

Wenn man dies nun aber sagt, dann muß man nicht lange darauf warten, daß einem ein Hang zur »guten alten Zeit« vorgehalten wird, denn diese Kritik wird nur schwer ertragen. 

Mein Eindruck ist ein anderer:

Kleinmachen anderer (potentieller Konkurrenz?) um selbst bemerkt zu werden – anders kann ich mir diese mantrahaft wiederholten, undifferenzierten und auf mich äußerst arrogant wirkenden Behauptungen beinahe nicht mehr erklären. Die liegen vielleicht auch in der Natur der Sache, wenn man ein Handwerk betreiben muss, das vom Aussterben bedroht ist. Postfaktische Aussagen, welche mindestens eine Branche verunglimpfen, entschuldigt das meiner Ansicht nach trotzdem nicht.

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Dieter Stockert

Aber durch seine »aussterbende« Tätigkeit hat er doch eine gewisse Art von Alleinstellung, sodass er es nicht nötig haben sollte, andere kleinzumachen. Das ändert freilich nichts daran, dass man den Eindruck hat – Achtung Hobbypsychologie! –, er habe es nötig, sich aufzuwerten.

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R::bert
vor 30 Minuten schrieb Dieter Stockert:

Aber durch seine »aussterbende« Tätigkeit hat er doch eine gewisse Art von Alleinstellung, sodass er es nicht nötig haben sollte, andere kleinzumachen.

:nicken:

Muss man aber  – Achtung Hobbypsychologie! – auch erstmal verinnerlichen.

;-) 

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Kathrinvdm

Mir kommt beim Lesen dieses Threads Erich Fromms »Haben oder Sein« in den Sinn. Wo er – ich sag’s mal frei in meinen Worten – zwei Menschentypen beschreibt:

 

Der eine Mensch betrachtet sein Dasein als Mosaik, an dem er sein ganzes Leben unentwegt arbeitet und es an sich verändernde Umstände anpasst. Wann immer er eine Facette findet, die besser ins Gesamtbild passt als eines der bereits vorhandenen Teilchen, tauscht er es aus zur Vervollkommnung des Gesamtbildes. Wählt ein Gegenüber einen alternativen Weg, erwägt er diesen auch für sich selbst und integriert Aspekte dessen in sein Leben und sein Werk, sofern diese in seinen Augen eine Verbesserung des eigenen Vorgehens/Standpunktes bedeuten. Eigene Fehlbarkeit wird für möglich gehalten. 

 

Der andere Mensch betrachtet sein Dasein eher als – ich interpretiere mal frei – Setzkasten. Jedes vorgeformte und genormte, akkurat beschriftete Teilchen hat sein vorbestimmtes exakt genormtes kleines Kästchen und wird feinsäuberlich dort hinein getan. Und jeder, der es wagt, an der vollkommenen Perfektion dieser Ordnung zu zweifeln oder eine Änderung vorschlägt, wird abgewehrt. Wählt ein Gegenüber einen alternativen Weg, dann wird dieser direkt als Angriff gewertet, denn er kann ja nur schlechter sein als der eigene und wird deswegen rundheraus abgelehnt und herabgewürdigt. Eigene Fehlbarkeit wird ausgeschlossen.

 

Das ist jetzt natürlich sehr überspitzt und schwarzweiß formuliert, aber was ich damit sagen möchte: Ein bisschen aufeinander zuzugehen und  Positionen anderer einfach mal für möglich zu halten (und Graustufen zwischen all dem Schwarzweiß auszuloten), hat noch keiner Diskussion geschadet. ;-)

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Gast Arno Enslin
vor 2 Stunden schrieb Dieter Stockert:

Aber durch seine »aussterbende« Tätigkeit hat er doch eine gewisse Art von Alleinstellung, sodass er es nicht nötig haben sollte, andere kleinzumachen.

Eben. Aber dass Martin froh über diese Alleinstellung ist, glaube ich nicht. Denn seine Tätigkeit ist ja nicht nur ein Job, sondern eine Berufung. Deswegen die strikte Unterscheidung zwischen Amateur und Profi. Wenn Berufsverwandte am Sterbebett stehen, stirbt es sich leichter.

 

Ich finde es sehr lobenswert, dass Martin den Tod seiner Tätigkeit noch etwas hinauszögert.

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