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Asiatische Entsprechung zur FF Din


Kava

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Kava

Guten Tag,

 

ich suche Schriftexperten für Chinesisch und Japanisch. Das Thema ist mit Sicherheit trocken uns außerordentlich komplex, aber vielleicht kennt sich ja jemand damit aus. Mein Kunde verwendet die FF DIN und nun gilt es für China und Japan eine Entsprechung zu finden.

 

 

Welche Zeichenform für China: Traditionell oder vereinfacht? Und warum?

Beinhaltet ein Font, der als Chinesisch ausgewiesen ist, beide Zeichenformen?

 

Welche Zeichenform für Japan: Hiragana, Katakana und Kanji oder alle 3? Und warum?

Beinhaltet ein Font, der als Japanisch ausgewiesen ist, alle 3 Zeichenformen?

 

Kann eine Schrift sowohl die Zeichensätze von Chinesisch, als auch Japanisch beinhalten? Das wäre enorm praktisch!

Gibt es Quellen, wo die Schriften gut sortiert und für kommerzielle Zwecke erworben werden können? Bisher scheint mit Linotype der vielversprechendste Anbieter zu sein.

 

Wenn ich diese Grundvorraussetzungen geklärt habe, beginnt die Suche nach einem Font, der zur FF-Din passt. Natürlich freue ich mich auch hier über gute Empfehlungen.

 

Vielen Dank für eure Untersützung,

 

Beste Grüße,

Basti

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Norbert P
vor 7 Stunden schrieb Kava:

Welche Zeichenform für China: Traditionell oder vereinfacht? Und warum?

Beinhaltet ein Font, der als Chinesisch ausgewiesen ist, beide Zeichenformen?

Vereinfacht für die Voksrepublik China, traditionell für Taiwan, Hongkong und Singapur. Aus meiner persönlichen Erfahrung rate ich zu zwei verschiedenen Fontvarianten (TC/SC), so kann z.B. von Lang- auf Kurzzeichen (und zurück) umgestellt werden, ohne über die "Dienste" (beim Mac) konvertieren zu müssen. Wenn's blöd läuft, kann nämlich unter Umständen nicht korrekt zurückkonvertiert werden, da es (wenige) Kurzzeichen gibt, denen mehrere Langzeichen zugeordnet werden können.

Zitat

 

Welche Zeichenform für Japan: Hiragana, Katakana und Kanji oder alle 3? Und warum?

Beinhaltet ein Font, der als Japanisch ausgewiesen ist, alle 3 Zeichenformen?

 

"Japanisch" beinhaltet alle drei. Denn Kanji und Kana (Hiragana, Katakana) erfüllen unterschiedliche Funktionen. Zu beachten ist, dass manche Kanji und chinesische Zeichen (obwohl eigentlich das gleiche Zeichen) unterschiedliche Zeichenformen besitzen. Man sollte also nicht versuchen, Kanji durch "Chinesisch" zu ersetzen.

 

Wichtig ist auch die Frage nach der Anzahl der Glyphen. Sollte es doch "ein Font für alles" sein, müsste er mindestens 30.000, besser noch ca. 50.000 Glyphen enthalten. Den DIN-Formen entsprechen die von bertel genannte Arial, die von Moritzk verlinkte Noto Sans CJK sowie auch andere als "Hei" bezeichnete Fonts.

 

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Sebastian Nagel

Wir haben die Noto Sans CJK (JP/SC/TC/KR) intensiv im Einsatz gepaart mit der DIN Pro.

  • formal nicht ganz weit weg (wenn auch nicht wirklich "DIN")
  • lizenztechnisch unproblematisch (viele Anwender, kein großes Verständnis)
  • 7 verfügbare Schriftgewichte, entsprechen annähernd denen der DIN Pro
  • moderne Fontdaten mit Unicode-Codierung, Opentype-Features und Postscript-Kurven, moderne Überlegungen bei der Konzeptionierung
  • getrennte Pakete für Koreanisch, Simplified-Chinese, Traditional-Chinese und japanisch (soweit ich das sehe, kann man auch die anderen Sprachen mit jedem der 4 Pakete setzen, aber wer bin ich das im letzten Detail beurteilen zu können ... sicher ist sicher ...)
  • für den Fall der Fälle auch Fonts für Indien, den arabischen Raum etc. etc. verfügbar, also dann nicht nochmal eine andere Schrift im Spiel
  • Webfonts verfügbar, also dann nicht nochmal eine andere Schrift im Spiel

 

... das sind viele praktische und wenige grafische Gründe, aber aus Erfahrung weiß ich, dass man da auch einen schönen Tod sterben kann wenn man mit einem technischen Dinosaurier agiert, der dafür der lateinischen Schrift 10% ähnlicher ist ... lieber nicht mehr.

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Norbert P
vor 10 Stunden schrieb Sebastian Nagel:

der lateinischen Schrift 10% ähnlicher ist

... zumal es das für die DIN ohnehin nicht gibt. Die CJK-Sans-Schriften ähneln sich alle sehr, denn es gibt eigentlich nur den einen Hei-Stil, der sich von Schrift zu Schrift nur minimal unterscheidet.  Ein weiteres Plus der Noto: Die vielen Gewichte von Thin bis Black.

 

Generell gibt es neben der Sans (Hei) noch die Stile Ming bzw. Song (Serif) und Kai (Pinselduktus).

 

Wer es so richtig besonders haben möchte, guckt mal bei Founder (GB-Standard) oder Hanyi (Lang- und Kurzzeichensätze) – aber da weiß ich nicht, wie groß der Zeichenumfang der Fonts im Einzelfall eigentlich ist.

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  • 2 Jahre später...
Gao

Man kann nicht denselben Zeichensatz für vereinfachte und traditionelle Schriftzeichen verwenden, selbst wenn der Zeichensatz sowohl vereinfachte als auch traditionelle Zeichen enthält, denn es gibt auch für Zeichen, die »theoretisch« in beiden Systemen identisch sind, zum Teil unterschiedliche Konventionen. Hier ein Beispiel (das Zeichen xuě 雪 »Schnee«):

grafik.png.1d35c1b0f408be9182e054df331270e7.png

Links der Windows-Zeichensatz KaiTi, rechts der Zeichensatz TW-Kai.

Obwohl es sich um ein Schriftzeichen handelt, das während der Schriftreformen in der Volksrepublik China nicht vereinfacht wurde, unterscheiden sich die Formen deutlich. Die linke Form wäre für Leser_innen in Taiwan inakzeptabel; die rechte Form wäre für Leser_innen auf dem chinesischen Festland inakzeptabel. »Ein Font für alles« ist deshalb nicht möglich.

Noto ist vielleicht keine schlechte Wahl. Auch hier sind die unterschiedlichen typografischen Konventionen umgesetzt:

grafik.png.08253c33fb5f71b0dddd6c17d4278a82.png

Links Noto Serif CJK SC (“simplified Chinese”) rechts Noto Serif CJK TC (“traditional Chinese”).

Es gibt auch erhebliche Unterschiede bei der Form und Position der Satzzeichen.

Auch zwischen Taiwan und Hongkong gibt es z.T. Unterschiede in den Zeichenformen, doch in diesen Fällen sind die Varianten in Unicode unterschiedlich kodiert und die Wahl des Zeichensatzes sollte keinen Unterschied produzieren. Hier als Beispiel die Schriftzeichen miàn »Mehl, Nudel« und »innen« (Zeichensätze: AR PL UKai CN/HK/TW):

grafik.png.301bb3cafec62554eca8b593ba456f66.png

Abgesehen von den orthografischen und typografischen Konventionen gibt es auch erhebliche sprachliche Unterschiede (v.a. im Wortschatz) zwischen den verschiedenen Regionen. Bei kürzeren Texten sind manchmal Kompromisse möglich, ich würde jedoch dringend von automatischen digitalen Konversionen abraten.

W3C hat ganz brauchbare Zusammenfassungen (auch auf Englisch) für den Satz von Chinesisch und von Japanisch veröffentlicht:

Einer der Autoren der Empfehlungen für Chinesisch, hat auch eine Kurzfassung veröffentlicht:

In der Ostasien-Version von InDesign lassen sich praktisch alle Einstellungen (Dokumentenraster, Trennungsoptionen etc.) für Chinesisch und Japanisch, die in den W3C-Dokumenten beschrieben sind, vornehmen. Hier ist eine kurze Beschreibung, wie man auch in InDesign auch mit deutsch- oder englischsprachigem User Interface zu diesen Optionen kommt, die sonst nicht verfügbar sind:

Und hier noch eine ganz brauchbare Einführung u.a. über die Schriftklassen für Chinesisch (und Japanisch), d.h. die Einteilung in Songti, Heiti und Kaiti:

Das kommt jetzt alles drei Jahre zu spät, aber vielleicht interessiert’s ja doch noch jemanden.

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Norbert P
vor 39 Minuten schrieb Gao:

Die linke Form wäre für Leser_innen in Taiwan inakzeptabel; die rechte Form wäre für Leser_innen auf dem chinesischen Festland inakzeptabel.

Sorry, aber das sind keine lokalen Varianten, sondern lediglich unterschiedliche Schreibungen (Stilvarianten), die man sowohl in der VR, in HK und in Taiwan (und übrigens auch in Japan) kennt und akzeptiert. Zur Illustration mal ein Bild aus einem Kalligrafielexikon, das beide Varianten im Satz auf ein und derselben Seite zeigt (nicht in den Abbildungen, dort finden sich ohnehin beide Varianten als Stilformen). Das Buch ist übrigens in der VR erschienen.

 

Am Rande: Wie sehr  Schreibungen schon immer abweichen konnten, zeigt übrigens auch ein Blick auf Varianten aus historischen Grab- und Gedenkinschriften.

 

Für eine weitergehende Auseinandersetzung mit stilistischen Zeichenformen empfehle ich die hübsche Youtube-Serie »趙孟頫 每日一字« von 陳國昭 (aus Taiwan, mittlerweile 420 Folgen). Dort geht Herr Chen auch immer mal wieder auf Varianten (z. B. umplatzierte Radikale) ein, denn Zhao Mengfu ist oft und gerne mal von der Standardschreibung abgewichen.

xue1.jpg.cf2a3b4b96638ea312135f89dbb7836f.jpgxue_bie.jpg.380b381c08e9a30d36f4225222deb3ab.jpg

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Gao
Am 19.2.2021 um 14:20 schrieb Norbert P:

Sorry, aber das sind keine lokalen Varianten, sondern lediglich unterschiedliche Schreibungen (Stilvarianten), die man sowohl in der VR, in HK und in Taiwan (und übrigens auch in Japan) kennt und akzeptiert. Zur Illustration mal ein Bild aus einem Kalligrafielexikon, das beide Varianten im Satz auf ein und derselben Seite zeigt (nicht in den Abbildungen, dort finden sich ohnehin beide Varianten als Stilformen). Das Buch ist übrigens in der VR erschienen.

Nein.

 

Das Kalligrafielexikon »aus der Volksrepublik« – leider ohne bibliografische Angaben – bezieht sich erstens auf Kalligrafie, nicht auf Druckschriften, und zweitens ist es in Langzeichen gesetzt. Aber das nur ganz nebenbei. Ich habe mich mit chinesischem Schriftsatz nicht nur aus persönlichem Interesse beschäftigt, sondern viele Jahre in China im Verlagswesen gearbeitet. Auch das nur nebenbei.

 

Weitere typische Beispiele für regionale Varianten:

grafik.png.05cf7b9b923aa8c8e429291a1f3cdb4f.png

 

Es handelte sich ursprünglich um kalligrafische Varianten, d.h. Varianten der Handschrift, doch im Schriftsatz haben sich unterschiedliche Standards herausgebildet, die auch kodifiziert wurden: Auf dem Festland als 《通用规范汉字表》 (letzte Revision 2013, auch on-line verfügbar), auf Taiwan als 「國字標準字體表」 (letzte Revision 1998) etc., und in Hongkong zuerst als 《常用字字形表》, die neueste Liste heißt 《香港小學學習字詞表》 (2007, auch on-line). Es gibt unzählige Debatten und Artikel zu den verschiedenen Standards, Revisionen und Divergenzen. Das Online-Wörterbuch zdic.net zeigt bei jedem Eintrag u.a. diese die regionalen Varianten.

 

Viele dieser Varianten sind eben nicht im gesamten chinesischen Sprachraum akzeptiert. Als im November 2018 Version 2.0000 der Schriftart Noto herauskam, bemerkten beispielsweise Kritiker_innen in Hongkong besonders lobend, dass es nun auch für Hongkong eine eigene Variante gab, bei der die lokalen Präferenzen berücksichtigt werden, die sich auch von jenen Taiwans unterscheiden, obwohl beide Gebiete nicht-vereinfachte Schriftzeichen verwenden. Siehe z.B.:

Tsang schreibt u.a.:

Zitat

Derzeit verwenden viele Mainstream-Fonts häufig Zeichenformen aus anderen Gebieten für ihre Designs, was Benutzern in Hongkong unangenehm aufstößt und manchmal zu Kontroversen über die Schreibweise von Zeichen oder sogar zu Fehlinformationen führt.(現時主流使用的字型很多時用了其也地區的寫法來設計字形,會令香港用家看得不順,更不時引起文字寫法的爭議甚至誤導。)

Die Schriftgestalter bei Adobe und Google wissen schon, was sie tun.

 

Das heißt nicht, dass man in Aufschriften, Werbematerial und nicht zuletzt eben Kalligrafien etc. manchmal regional »unpassende« Varianten sieht, doch die werden dann als besonderes kalligrafisches Stilmittel eingesetzt. Bei Brotschriften hat man diese Freiheit nicht.

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