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Erfindung/Erfinder der Farbwalze?


gutenberger

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Bin wahrscheinlich zu blöd und hab offenbar nicht die richtigen Bücher zur Hand, weshalb es mir nicht gelingen will, die Erfindung der Farbwalze zu datieren und jemandem zuzuordnen. Wer kann helfen? In allen Internetbeiträgen und durchsuchten Büchern finde ich nichts wirklich Konkretes. Sowohl Alois Senefelder (mit der Erfindung des Steindruckes) soll als auch Friedrich König muss (mit der Erfindung der Zylinderpresse inklusive Farbwerk) offenbar mit Farbwalzen gearbeitet haben. Das können ja noch keine Gummiwalzen gewesen sein, weil der Herr Goodyear erst ab 1844 mit Gummi produziert hat ... Vorher wurde seit Gutenberg mit diesen lederbezogenen Tampen bzw. Ballen eingefärbt.
Ich glaub nun aber nicht, dass Senefelder oder König quasi nebenbei auch noch die Walze erfunden haben. Mich interessiert deshalb: Ab wann gab es Walzen zum Einfärben der Druckform? Wer hat das erfunden - wenn man das überhaupt weiß? Und ab wann gab es dann Gummiwalzen im grafischen Gewerbe? Ich finde nix wirklich konkretes - außer dass Walzen spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts plötzlich da waren und Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts Gummiwalzen aufgekommen sein sollen. Danke für alle Hinweise! Gerne auch die Quellen nennen!

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vor 8 Minuten schrieb gutenberger:

…und Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts Gummiwalzen aufgekommen sein sollen…

Diese Aussage ist, so denker ich, viel zu spät, dednn schon die ersten Schreibmaschinen hatten Gummiwalzen.

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Tja, hab ich aber auf irgendeiner "schlauen" Webseite so gelesen. Mir gehts aber wirklich nur um Farbauftragswalzen. An der Schreibmaschine waren es ja praktisch "Gegendruckwalzen" für die Farbbänder. An alten Druckmaschinen und Vervielfältigungsmaschinen gab es auch schon Gegendruckwalzen (also quasi als Druckzylinder) aus hartgummiartigen Zeug oder mit einem gummiartigen Bezug - wahrscheinlich auch schon vor den 30er Jahren. Allerdings habe ja sogar ich noch Farbauftragswalzen aus Gelatine in der Praxis kennengelernt, die teilweise sogar noch trotz ihrer Nachteile in einigen kleineren Druckereien zumindest bis in die 60er oder sogar 70er Jahre benutzt wurden. Keine Ahnung warum. 
Aber wichtiger ist mir eigentlich die Frage, wann Walzen (vermutlich Lederbezug mit irgendeiner Füllung) überhaupt erstmalig zum Einfärben der Druckform benutzt worden sind. Muss ja eigentlich vor Senefelder oder zumindest Friedrich König gewesen sein. Also allerspätestens Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Aber vielleicht ja auch schon deutlich früher?
Wäre nach wie vor an jedem Hinweis interessiert. Wer weiß was?

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Zitat

Noch um 1820 hemmte die geringe Geschwindigkeit bei der Anfertigung der einzelnen Exemplare die rasche Verbreitung von Druckprodukten. Der Buchdrucker Friedrich König erfand zwischen 1807 und 1812 in England zusammen mit dem Mechaniker Andreas Friedrich Bauer mit dem neuen Bauprinzip »Rund gegen flach« die Schnellpresse und damit die erste Druckmaschine der Welt. Deren schnellere Arbeitsweise wurde zunächst für die Zeitungsherstellung eingesetzt, sodann wurden die Schnellpressen bald die Standardmaschinen vor allem für die Buchfertigung. Kraftantrieb und Mechanik für Einfärben, Anlegen etc. machten auch die Kleindruckmaschinen nach dem bewährten Bauprinzip »Flach gegen flach« schneller und von einem Mann bedienbar.

Glocker, Winfrid: Drucktechnik. München: Deutsches Museum, 2007

S. 104–105 [Hervorhebung von mir]

 

Zitat

Die Schnellpressen von Friedrich Gottlob Koenig (1774–1833) aus Eisleben brachten eine prinzipielle Veränderung der Konstruktion und eine grundlegende Neuerung im Druckverfahren. Koenig hatte bei Breitkopf in Leipzig den Setzer- und Druckerberuf erlernt und sich  schon bald mit der Konstruktion von Druckmaschinen beschäftigt. 1806 ging er nach England, weil er auf dem Kontinent keine Unterstützung für die Verwirklichung seiner Pläne finden konnte. Ein Vertrag mit dem Londoner Drucker und Verleger Thomas Bensley verschaffte ihm die nötigen Geldmittel für den Bau von Druckmaschinen. Kurz darauf lernte er Andreas Friedrich Bauer (1783–1860) kennen. Bauer, aus Stuttgart gebürtig, hatte eine Optiker- und Feinmechanikerlehre absolviert, danach Mathematik und Naturwissenschaften studiert und mit dem Magisterexamen abgeschlossen. Mit ihm gewann Koenig einen kongenialen Mitarbeiter und Freund, der als ausführender Kopf untrennbar mit der Erfindung und Weiterentwicklung der Schnellpresse verbunden ist.

Am 29. März 1810 erhielt Friedrich Koenig für seine Tiegeldruckpresse mit automatisiertem Farbauftrag das erste von vier Patenten »für eine Methode, mittels Maschine zu drucken«. Alle Produktionsabläufe waren in eine wiederkehrende Bewegung integriert, so daß en Betrieb der Presse durch Dampf möglich war. Walzen, die mit egalisiertem Ballenleder überzogen waren, trugen die Druckfarbe auf. Die Tätigkeit der Arbeiter reduzierte sich auf die Überwachung und darauf, die unbedruckten Papierbogen anzulegen und sie bedruckt wieder abzunehmen.

Janzig, Marion und Joachim Güntner: Das Buch vom Buch. 3., überarb. u. erw. Aufl. Hannover: Schlüter, 2007

S. 318

 

Danach hat Friedrich König die Farbwalzen erfunden. Sie waren noch nicht aus Gummi, sondern aus Ballenleder.

bearbeitet von Thomas Kunz
Seitenzahl beim zweiten Zitat angefügt
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Danke Oliver! Dieser Robert Harrild soll also der Erfinder sein, wenn ich Englische richtig verstanden habe. Ist nur zeitlich ziemlich knapp - die erste Maschine von F. König (noch ein Tiegel, aber schon mit Farbwerk und Walzen) wurde 1811 in London vorgestellt und die werden ja auch ein Weilchen dran gebaut haben. Aber der Herr Harrild hat erst 1810 oder gar "in den 10er Jahren" die Farbwalze erfunden ... ?
Mmmmh. Sehr dynamisch, dieses Silicon Valley im 1810er London ...

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Danke Thomas.  Aber irgendwie mogeln sich alle mir bekannten Druckhistoriker und auch dieser um die Walzen herum. Die Mechanik des Einfärbens an der Schnellpresse bzw. Königs Tiegel wird woanders schon so beschrieben, als hätte König ein "Farbwerk" - sprich den Farbkasten mit Duktor erfunden, durch dessen Spalt zum Farbmesser die Farbmenge bestimmt wird, die die Walzen erreicht. Das braucht dann aber auch einen Walzenstuhl mit Verreiber- und Auftragswalzen. Und klingt ziemlich danach, als wären Walzen schon vorher bekannt gewesen. Rätsel über Rätsel.

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PS. Wenn Friedrich König wirklich die Farbwalzen erfunden hat - warum wird das nirgendwo so gewürdigt wie seine Erfindung des Zylinderdruckprinzips? Von der Bedeutung her sind ja beide Erfindungen Meilensteine. Andererseits: wenn dieser Engländer der Erfinder war - wie konnte König dieses brandneue Prinzip so schnell kennen (das mag ja noch möglich gewesen sein, weil beide in London waren) und vor allem aber nutzen (Patentrecht?)?

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In der Wiki zu "Composition Rollers" wird gesagt, daß Harrild Erfinder der "composition" war, also dem Leim-Sirup Gemisch, mit dem die Walzen überzogen wurden, und das dies eine deutliche Verbesserung der schon vorher versuchten Walzen mit Ballenlederüberzug brachte. Wenn König Lederwalzen verwendete, dann stimmt die Sache zeitlich wieder, denn um die Walzen zu verbessern muß Harrild sie erst einmal gesehen haben. Und vermutlich wurden die fehlerbehafteten Lederwalzen schnell wieder vergessen, und sind deshalb nicht als Königs Errungenschaft überliefert.

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vor 1 Stunde schrieb gutenberger:

warum wird das nirgendwo so gewürdigt

Wir feiern Gutenberg auch nicht wegen seiner Erfindung des Handgießinstruments. :-?

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vor einer Stunde schrieb Thomas Kunz:

Wir feiern Gutenberg auch nicht wegen seiner Erfindung des Handgießinstruments. :-?

Doch. Wir sind schließlich keine ahnungslosen Grundschullehrer, die Gutenberg für die "Erfindung des Buchdrucks" feiern.

 

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Stimmt, für die Erfindung des Buchdruckes feiern wir (als nicht ahnungslose Grundschullehrer) natürlich den Chinesen Pi-Sheng oder den koreanischen Drucker des Sangdchòn jemun (siehe das zweite von mir zitierte Buch, S. 115).

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vor 3 Stunden schrieb Oliver Weiß:

In der Wiki zu "Composition Rollers" wird gesagt, daß Harrild Erfinder der "composition" war, also dem Leim-Sirup Gemisch, mit dem die Walzen überzogen wurden, und das dies eine deutliche Verbesserung der schon vorher versuchten Walzen mit Ballenlederüberzug brachte. Wenn König Lederwalzen verwendete, dann stimmt die Sache zeitlich wieder, denn um die Walzen zu verbessern muß Harrild sie erst einmal gesehen haben. Und vermutlich wurden die fehlerbehafteten Lederwalzen schnell wieder vergessen, und sind deshalb nicht als Königs Errungenschaft überliefert.

Das klingt schon einleuchtender. Mein Englisch ist eben sehr schlecht. Bei den Lederwalzen ist mir eh nicht klar, wie sie in einer Maschine funktionieren konnten. Denn sie müssten ja - zumindest nach meiner Vorstellung und dasselbe habe ich auch irgendwo gelesen - eine Naht über die gesamte Breite haben, die ihre "Rundum-Nutzung" stark einschränkt. Als Handwalze mag das halbwegs gehen ... 
Der zeitliche Ablauf ist trotzdem sehr knapp. Irgendwo muss es doch dazu Aufklärung geben ... eigentlich peinlich, dass es ausgerechnet in der Beschreibung der Geschichte des grafischen Gewerbes solche Löcher gibt, wo wir doch eigens für die Erhaltung und Verbreitung eben auch dieses Wissens erfunden worden sind.

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vor 1 Stunde schrieb Thomas Kunz:

Wir feiern Gutenberg auch nicht wegen seiner Erfindung des Handgießinstruments. :-?

Was mich schon wieder auf eine weitere Frage bringt: War er denn wirklich der erste? Die Asiaten, die ja auch schon mit gegossenen Metalllettern gearbeitet haben sollen, müssen doch so etwas auch gehabt haben ... Womit ich nicht behaupten will, dass Gutenberg das Ding nicht selber erfunden hat. Wird nur halt nix gewußt haben vom asiatischen Technologievorsprung ... gab ja auch noch nix zu lesen darüber.

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Gutenberger, gerne zitierte ich die Stelle, auf die ich oben verwiesen hatte, im Wortlaut:

Zitat

Wenn es jemanden gibt, der um der historischen Gerechtigkeit willen als Vorläufer Gutenbergs genannt werden dürfte, dann sind dies asiatische Drucker. Schon in der Zeit von 1040 bis 1048 arbeitete der Chinese Pi-Sheng (Bi Sheng) an einem System mit beweglichen Lettern. Einzelne chinesische Wortzeichen schnitt er in Lehm, brannte sie zu Ton und fixierte sie für den Druck mit Harz auf einer Eisenplatte. Die so entstandene Druckform konnte tatsächlich im Reiberverfahren abgedruckt werden, jedoch erzeugten die sich schnell abnutzenden Typen kein konturenscharfes Schriftbild. […] Denn in Korea haben sich findige Männer lange vor Gutenberg mit der Herstellung von einzelnen Lettern beschäftigt. Im Gegensatz zu den chinesischen Druckformen aus Ton arbeiteten die koreanischen Setzer mit solchen aus Metall. Im Jahre 1234 erschien in Korea ein Werk in 50 Bänden, Sangdchòn jemun (Richtschnur der Moral), das mit metallenen Lettern gedruckt worden ist. Ihre Herstellung beschreibt Sòng Hjòn (1439–1504) in seiner Darstellung Über das Gießen und Setzen der Schriftzeichen: Die Schriftzeichen wurden in Holz geschnitten und diese hölzernen Stempel in Ton eingedrückt. Nach dem Trocknen konnte man die Tonmatrize mit flüssigem Metall ausgießen.

Janzig, Marion und Joachim Güntner: Das Buch vom Buch. 3., überarb. u. erw. Aufl. Hannover: Schlüter, 2007

S. 115

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Klar. Ist mir bekannt - da gab es mal ne Ausstellung mit Katalog dazu und ich glaube Herr Kapr hat sich auch darüber geäußert. Vom Prinzip her nichts anderes ... könnte man auch als Handgießinstrument bezeichnen, wenn man wüsste wie das eigentliche Werkzeug genau ausgesehen hat. Aber nun lieber wieder zurück zur Frage der Walzen. Angesichts dessen, dass ja auch das Nudelholz schon einige tausend Jahre in China existiert, will mir nicht in den Kopf, dass man nach Gutenberg über 300 Jahre nicht auf die Walzen gekommen sein soll und sich mit diesen Tampen abgefunden hatte. Um dann plötzlich erst ganz knapp vor dem Zylinderprinzip unerwartet auf die Walzen zu kommen ... 
Mit (Hand-)Walzen wäre man doch auch an Kniehebelpressen schneller beim Einfärben gewesen als mit diesen Tampen - glaube ich.

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vor 13 Stunden schrieb gutenberger:

 Angesichts dessen, dass ja auch das Nudelholz schon einige tausend Jahre in China existiert, will mir nicht in den Kopf, dass man nach Gutenberg über 300 Jahre nicht auf die Walzen gekommen sein soll und sich mit diesen Tampen abgefunden hatte. 

Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Ich kann jetzt keine Quelle nennen, aber aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, nachdem ich selbst mehrere Jahre Handsatz praktiziert habe und mich mit Radierung und Lithografie während meines Kunststudiums zumindest eingehend befasst habe.

 

Was den Handsatz brtrifft, so hat man es zum Teil mit unterschiedlichen Materialhöhen innerhalb des Satzes zu tun. Z. b. abgequetschte Lettern, auch leicht verbogene Lettern, Holzschnitten, Klischees etc., die nicht exakt auf Schrifthöhe sind. Wenn ich mir Bücher z. B. des 16. o. 17. Jh. ansehe, dann ist ein Sammelsurium an verschieden abgenutzter Schriftoberflächen zu erkennen. D. h. die Schriften waren daher auch nicht exakt gleich hoch, um mit einer Walze und schon gar nicht mit einer Gummiwalze effizient eingefärbt zu werden.

 

Warum sollte dann mit Walzen eingefärbt werden? Ging mit den Tampons doch besser.

 

Der industrielle Druck funktionierte aber nur mit Farbwalzen. Bei kleinen Schriften mussten dann die allzu niedrigen Lettern ausgetauscht werden und bei Plakatschriften wurde bei der zu niedrigen Letter ein Papier untergelegt. Man behalf sich um die Walze zu ermöglichen.

 

Natürlich gab es Zurichtung, die regulierte aber nicht den Farbauftrag.

 

Für die Radierung, ob Ätzradierung, Kaltnadel oder Auquatinta etc. kamen und kommen Farbwalzen bis heute nicht in Frage, da die Farbe mit den Tampons in die Vertiefungen gequetscht und die Platte dann (ab-)ausgewischt wird.

 

Erst bei der Lithografie wird die Walze interssant, denn da lag bei den meisten Techniken alles exakt auf einer Ebene. Hier war zum Auftragen der Farbe auch bei den vorindustiellen Verfahren eine Walze nötig.

 

So wurden dann auch erst mit Erfindung der Lithografie und der Schnellpresse die Walzen zum Farbauftrag spruchreif und nötig.

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Am 4.8.2021 um 15:43 schrieb gutenberger:

Mein Englisch ist eben sehr schlecht.

Da empfehle ich Google Translate. Das kommt mir fast täglich zur Hand. Dort wo man den zu übersetzenden Text eingibt, kannst Du auch eine Internetadresse einfügen, dann erscheint gleich die ganze Seite in der gewünschten Sprache. Das ist zwar u. U. etwas holprig, den Sinn aber versteht man so ziemlich immer. 
 

wenn Du den Google Chrome browser benutzt, wird Dir automatisch eine Übersetzung angeboten. Für andere Browser wird es entsprechende plugins geben. 

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Vielen Dank! Sehr anregend!
Das leuchtet weitgehend ein. Allerdings erscheint es mir nach wie vor etwas unwahrscheinlich, dass König quasi beim Erfinden seiner Druckmaschinen nebenbei die Walze erfunden hat. Zumal die Gesamtkonstruktion der Maschine und des Farbwerkes mit Doktor, Farbkasten, Farbmesser und Walzenstuhl ja auch eine Erfinderleistung ist, die ihre Zeit gebraucht haben dürfte - selbst wenn die Walze an sich schon vorher "erfunden" gewesen sein sollte. Irgendwann wird's dann zeitlich sehr knapp, was der Friedrich König zwischen 1806 (Ankunft in London) und 1810 (patentieren seiner Druckmaschine) alles erfunden haben soll. 1811 (Vorführung der Maschine) bzw. 1810 (Patentschrift) ist natürlich der späteste Zeitpunkt, an dem die Walze ja auch bewiesenermaßen "da war". Und die Farbwalze hat sich niemand patentieren lassen?
Bei der Argumentation, dass innerhalb von Bleisatzformen (auf früheren Tiegelpressen) die Höhenunterschiede dermaßen gewaltig gewesen sein sollen, dass Walzen unpraktisch gewesen wären und solche Formen mit den Tampen besser einzufärben bzw. sogar nur mit Tampen einzufärben wären, hab ich allerdings gewisse Zweifel. Denn wenn das wirklich so gravierend gewesen wäre, hätten die Drucker sich ja dumm und dämlich zurichten müssen ... angesichts der doch meist erstaunlich guten Druckqualität auf zumeist erstaunlich schlecht bedruckbaren Papieren (dünn und hart) zumindest bei den Drucken aus dem frühen 16. Jahrhundert, die ich mal im Original durchblättern und anfassen durfte. Und die haben ja sogar noch auf hölzernen Pressen gedruckt. Ich glaube spätestens mit Beginn der eisernen Pressen sollte die Bleisatzform doch auch schon ziemlich exakt "auf Höhe" gewesen sein - zumindest exakt genug zum Einwalzen. Zumal: wenn die Druckform an einer Tiegelpresse eine so schlimme Berg- und Talbahn gewesen sei, die nicht einmal Einwalzen erlaubt - dann wäre die Erfindung des Zylinderdruckprinzips natürlich eine noch kühnere und eigentlich recht aussichtslose Erfindung gewesen. Denn die Zurichtung am Zylinder ist zweifellos deutlich komplizierter als am Tiegel und kann m.E. auch nicht so gewaltige Höhenunterschiede ausgleichen, wie man das bei einer Zurichtung an einem Tiegel vielleicht doch noch irgendwie hinbekommt. 
Man müsste wohl mal Königs Patentschrift einsehen - vielleicht steht da ja, wie er auf die Walzen gekommen ist. Oder er setzt sie als bekannt voraus - dann muss sie ja aber irgendjemand vor ihm erfunden haben.

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@Thomas Kunz hatte ja oben schon das Deutsche Museum ins Spiel gebracht. Ich hab da gerade mal nach Königs Maschine geguckt: https://digital.deutsches-museum.de/item/10648/

Vielleicht hatte er für seine »Suhler Presse« schon eine erste Walze erfunden? Eventuell können die dir in München ja noch mit Details weiterhelfen …

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Königs Patent von 1810 trug übrigens die Nummer 3321, falls das noch nicht erwähnt wurde. Unglücklicherweise lässt sich so ein altes, verfallenes Patent nicht mehr bei uk.gov auffinden. Aber eventuell kannst du ja eine dieser Publikationen irgendwo im Netz auftreiben:

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Die Patentschrift für eine Zylinderdruckmaschine von Nicholson von 1790 findet sich hier. Die hat er aber wohl nie gebaut, König sollte sie gekannt haben. Die Farbe wurde dabei aber wohl mittels einer Farbbürste auf einen Stahlzylinder aufgetragen, so zumindest habe ich die Patentbeschreibung beim Überfliegen verstanden (hab nur quergelesen). Ganz am Ende finden sich übrigens noch ein paar »technische« Zeichnungen.

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Um die Abbildung etwas besser zu verstehen, hier ein Zitat aus der Patentschrift:

Zitat

B is a box, containing a colouring-roller, with its distributing-rollers C C; it is supported by the arm N.

Demnach wäre B das Farbwerk, das neben der eigentlichen Farbwalze die Verteilerrollen (C) enthält.

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Norbert's Link zeigt, daß an der Technik wohl schon jahrelang von mehreren Erfindern getüftelt wurde.

 

Historisch gesehen entstehen ja die allermeisten Erfindungen nicht in einem Vakuum, und kurz vor der Patentierung. Oftmals ist das ein über Jahre oder Jahrzehnte dauernder Wettstreit gegenseitig auf sich aufbauender, schrittweiser Verbesserungen, bis jemand am Ende eine wirklich funktionstüchtige Lösung zu dem allgemein bekannten Problem vorstellt.

 

Edison selbst sagte "Das Erfinden ist 10% Eingebung und 90% Schweiß". Man weiß ja gern, daß er die Glühbirne erfunden hat. Verschiedene Erfinder (darunter ein Deutscher) versuchten aber schon seit Jahren, das lang bekannte Prinzip nutzbar zu machen. Edison's Methode beruhte in einer systematischen Prüfung aller Fehler seiner Vorgänger, die er schrittweise beseitigte. So gelang es ihm, eine brauchbare Glühbirne zu schaffen. Er erhielt das Patent (das übrigens auf "Verbesserung elektrischer Lampen" lautet), und wird deshalb heute als Einziger gewürdigt. Dieses Problem der Urheberschaftsfindung wird man wohl überall antreffen. Wer wird in fünfzig oder hundert Jahren als Erfinder des elektrischen Autos bekannt sein?

 

In anderen Fällen wird eine brauchbare Erfindung durch besondere Umstände übersehen – wer nennt schon Konrad Zuse als Erfinder des programmierbaren Computers? 

 

Ich nehme daher an, daß eine funktionierende Farbwalze schon geraume Zeit vor König die Druckwelt beschäftigte (so etwas wäre ja wohl auch im Handdruck sehr nützlich gewesen), und daß es verschiedene Versuche und Vorläufer gab, auf denen König, wie auch andere, aufbauten, und letztlich, daß Königs Errungenschaft vielleicht darin besteht, diese und andere Vorläufertechnologien zu verbessern und in einer funktionierenden Maschine zu vereinen. 

 

 

 

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Vielen Dank! Sehr interessante Anregungen. Ich glaub ja auch, dass es vor Friedrich König schon Walzen in irgendeiner Form gegeben haben könnte/sollte/müsste. Aber wie bei so vielen Erfindungen ... da hat Oliver natürlich Recht. Schade - es wäre schön gewesen, den Erfinder der Farbwalze rauszukriegen. Ich bin nur zufällig für ein satirisches Projekt auf diese Frage gekommen. Manchmal wundert man sich dann doch, was die Menschheit aus ihrer eigenen Geschichte (und gar nicht soooo lange her) nicht mehr weiß. 

 

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