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wirre Bogensignatur

Empfohlene Beiträge

Thomas Kunz

Bogensignatur.PNG

(Adam, Paul: Der Bucheinband.

Seine Technik und seine Geschichte.

Leipzig: Seemann, 1890. S. 12.)

 

In früherer Arbeitsweise wurden die erste und dritte Seite eines Druckbogens mit einer Bogensignatur versehen, damit der Buchbinder auf einen Blick sehen konnte, ob der Bogen richtig gefalzt wurde und in welcher Reihenfolge er die Bögen zusammenbinden soll. Auf der ersten Seite wurde üblicherweise Autor und Titel in Kurzform und die Nummer der Lage angegeben (= Prime); auf der dritten Seite wurde dann die Lagennummer zusätzlich mit einem Stern angegeben (= Sekunde oder falsche Signatur).

 

Hier ein Beispiel für eine Prime:

default.jpg

Und ein Beispiel für die dazugehörige Sekunde:

default.jpg

(beide Beispiele aus: Richter, Raoul (Hg.):
Eine Untersuchung über den

menschlichen Verstand.

Leipzig: Meiner, 1911. S. 81 u. 83.)

 

—  —  —

 

Mir liegen zwei kleine Bücher aus den 1920er Jahren vor. Sie kommen beide aus dem gleichen Verlag und wurden beide von der selben Druckerei gedruckt. Die broschierten Bücher haben einen Pappumschlag und weder Vorsatzpapier noch Schmutztitel. Der Aufbau ist bei beiden folgender:

 

  • U1 (Außentitel)
  • U2 (unbedruckt)
  • Titelblatt (unpaginiert)
  • Druckereivermerk (unpaginiert)
  • Buchinhalt
  • U3 (unbedruckt)
  • U4 (unbedruckt)

 

Buch A

Die Gesamtseitenzahl des einen Buches beläuft sich auf 80 Seiten. Die ersten fünf Seiten (Titel, Impressum, Inhaltsverzeichnis, Vakat und erste Inhaltsseite) sind unpaginiert. Danach ist beginnend mit 6 paginiert. Die Bogensignaturen befinden sich auf folgenden Seiten:

 

  • Seite 3 (unpaginiert): 1* (Sekunde des 1. Bogens)
  • Seite 17: 2 (Prime des 2. Bogens)
  • Seite 19: 2* (Sekunde des 2. Bogens)
  • Seite 33: 3 (Prime des 3. Bogens)
  • Seite 35: 3* (Sekunde des 3. Bogens)
  • Seite 49: 4 (Prime des 4. Bogens)
  • Seite 51: 4* (Sekunde des 4. Bogens)
  • Seite 65: 5 (Prime des 5. Bogens)
  • Seite 67: 5* (Sekunde des 5. Bogens)

 

Die erste Prime wurde ausgelassen. Sie hätte sonst auf den Titel gedruckt werden müssen. Der Abstand zwischen den Signaturen beträgt jeweils 16 Seiten. Ein Bogen ergibt also 16 Seiten.

 

Bei diesem Buch sind die Bogensignaturen logisch verteilt und auch die Seiten sind wie üblich paginiert (also die Seiten der Titelei sind unpaginiert, werden aber mitgezählt).

 

Buch B

Die Gesamtseitenzahl des zweiten Buches beläuft sich auf 44 Seiten. Die ersten zwei Seiten (Titel und Impressum) sind unpaginiert. Danach ist beginnend mit 1 paginiert. Die Bogensignaturen befinden sich auf folgenden Seiten:

 

  • Seite 1:  1 (Prime des 1. Bogens)
  • Seite 3: 1* (Sekunde des 1. Bogens)
  • Seite 17: 2 (Prime des 2. Bogens)
  • Seite 19: 2* (Sekunde des 2. Bogens)
  • Seite 21: 2** (Prime des 3. Bogens)
  • Seite 23: 2*** (Sekunde des 3. Bogens)
  • Seite 41: 3 (Prime des 4. Bogens)

 

Danach besteht die erste Lage, wenn man Titel und Impressum nicht berücksichtigt, aus 16 Seiten; andernfalls umfasst sie 18 Seiten. Die zweite Lage besteht aus nur vier Seiten. Die dritte Lage – bezeichnet mit 2* – umfasst zwanzig Seiten. Danach kommt die vierte Lage – bezeichnet mit 3 –, die lediglich aus zwei Seiten besteht.

 

Bei diesem Buch blicke ich, was die Bogensignaturen angeht, gar nicht durch: Ich hatte regelmäßige Abstände mit einer Teilbarkeit durch vier (ein Bogen = vier, acht oder 16 Seiten) erwartet. Auch ist mir nicht klar, auf welchen Bogen die Titelei gedruckt wurde: etwa auf den dritten Bogen?

 

Ich kann mir auch keinen Grund denken, warum die Bögen nicht von 1 bis 4, sondern 1, 2, 2* und 3 durchgezählt wurden.

 

Hat jemand einen Erklärung, warum die Bogensignaturen so unregelmäßig verteilt und so seltsam benannt sind?

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Norbert P

Schau doch mal in den Rücken, ob du da die Bogenfalzung entschlüsseln kannst – und ob das 1. Blatt (S. 1/2) angeklebt wurde.

  • Gefällt 1
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Thomas Kunz

Die beiden Bänchen hab ich antiquarisch erworben. Es sind ausgeschiedene Bibliotheksbände. Die Bibliothek hat die Bücher seinerzeit wohl beschneiden und lumbecken lassen. Ich kann also weder den Rücken begutachten, noch die ursprüngliche Bindung anschauen.

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