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Tintentanz


Schnitzel

»TINTENTANZ ist kalligrafischer Ausdruckstanz, ist Jazz für die Hand, die schreibt.«* Erstmalig wird hier das Konzept der Schriftkurse von Hans-Jürgen Willuhn , das Generationen von Studierenden der FH Potsdam begeisterte, in Buchform vorgestellt. Es geht dabei nicht um das exakte Nachahmen von historischen Alphabeten, wie man es aus vielen anderen Büchern zum Thema Kalligrafie kennt; vielmehr wollen die Autoren Mut machen mit der eigenen Handschrift zu spielen und auch das Unperfekte zuzulassen.

Nach einer Einführung durch ein Gespräch mit der Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs werden die Werkzeuge vorgestellt und Tipps zum Arbeiten gegeben. 500 farbige Abbildungen zeigen Ergebnisse der Kursteilnehmer, die die Bandbreite dieser Herangehensweise darstellen.

Außerdem geben die Autoren buchbinderische Anleitungen zur Präsentation der Arbeiten.

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Der Titel, die Aufmachung und das einführende Gespräch versprechen einiges, was von diesem Buch zu erwarten ist. Man merkt gleich, dass man sich nach diesem Konzept ausprobieren und ausleben kann. Klecksen ist erlaubt und fast sogar gewünscht. Das macht Mut, gerade wenn man in sich selber nicht das Talent zum exakten, schönen Kalligrafieren vermutet.

Dennoch, oder gerade deswegen, frage ich mich für wen dieses Buch gedacht ist. Interessierte Kalligrafie-Anfänger haben diese Schwellenangst bereits überwunden und wollen sich an das exakte Schreiben wagen, ambitionierten, erfahrenen Schreibern sind die gezeigten Studentenarbeiten eventuell teilweise zu simpel. Einerseits werden Werkzeuge vorgestellt, die jeder geübte Kalligraf bereits kennen sollte, andererseits wird ein gewisses bewusstes Verständnis für Formen und Ästhetik vorausgesetzt. Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass es sich in erster Linie an Willuhn-Alumni richtet, die damit ein Erinnerungsstück an die Kurse an der FH Potsdam haben.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die sehr kurzen Anleitungen zu den Schriftübungen – statt dessen findet man seitenweisen mehr oder weniger ähnliche Arbeitbeispiele. Bei einem Großteil der Anleitungen geht es um das Binden und rechnergestützte Bearbeiten und Ergänzen der Ergebnisse. Das habe ich, zumindest in dem Umfang, nicht von diesem Buch erwartet.

Über das Konzept wird viel geschrieben, aber eine griffige Erklärung, wie dieses genau aussieht sucht man vergeblich.

Trotz dieser m. E. deutlichen Schwächen ist der Band auf Grund der aufwendigen (vom Hermann-Schmidt-Verlag gewohnten) Ausstattung und der vereinzelten inspirierenden Beispiele für interessierte Schreiber dennoch durchaus empfehlenswert und sollte in keiner kalligrafischen Bibliothek fehlen – auch wenn er bei genauer Betrachtung mehr Erwartungen weckt als er erfüllt.

Für Anfänger, die in die Kalligrafie einsteigen wollen ist das Buch nichts, da doch ganz wesentliche Basics fehlen. Aber das wird ja auch deutlich gesagt: »Wenn Sie Kalligrafie im Sinne von Schönschrift lernen wollen und klassische ›Ballett-Etüden‹ für die Feder suchen, dann legen Sie dieses Buch am besten schnell aus der Hand«*


Untertitel: Die Ausdruckskraft der eigenen Handschrift entdecken. Ein Kalligrafiekonzept

Autor(en): Hans-Jürgen Willuhn, Pauline Altmann

veröffentlicht: 2012

Verlag: Verlag Hermann Schmidt Mainz

Sprache: deutsch

ISBN: 978-3-87439-835-0



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