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  • Neue Typografie-Artikel

    Neuigkeiten und Fachwissen aus der Welt der Schrift und Typografie
    Apple erlaubt nun die Installation eigener Schriften unter iOS und iPad OS
    Apple ist bekannt für ein eher geschlossenes Ökosystem und Fonts bilden dabei keine Ausnahme. Bislang gab es keinen offiziellen Weg, auf mobilen Geräten von Apple, Schriften auf Betriebssystem-Ebene zu installieren. Mit dem kürzlich veröffentlichten iOS 13 und dem neuen iPad OS hat sich dies jedoch geändert. Insbesondere die Produktkategorie der Tablett-Computer mausert sich ja immer mehr zum Ersatz für klassische Desktop-Computer. Gestaltungsarbeiten ohne Zugriff auf beliebige Fonts schränkten die Möglichkeiten aber bisher stark ein. 

    Wie zu erwarten öffnet Apple sein System auch beim Thema Fontinstallation nur soweit nötig. Man kann auch jetzt keineswegs einfach mit einem mobilen Browser beliebige Fonts aus dem Internet laden und auf dem iPhone oder iPad installieren. Stattdessen verlangt Apple die Installation über Apps und damit den Weg über den App Store. Schriftanbieter müssen also entsprechende Apps entwickeln oder die Funktionalität in bestehende Apps integrieren. Bereits im Juni 2019 kündigte Apple an, dass Anbieten wie Adobe und Monotype bereits an entsprechenden Lösungen arbeiten. 

    Einer der ersten Schriftanbieter, der eine entsprechende App herausgebracht hat, ist Font Diner. Momentan gibt es darin ein Paket aus kostenlosen Schriften des Anbieters zur privaten Nutzung. Kommerzielle Schriften sollen jedoch folgen. Diese werden in dieser und vergleichbarer Apps dann sicherlich zumeist über In-App-Käufe abgewickelt. Wie man auf dem Bildschirmfoto sehen kann, verlangt die Installation beliebiger neuer Systemfonts stets eine Zustimmung durch den Nutzer. Auch überprüft Apple die Fonts, um Sicherheit und Funktionalität zu gewährleisten. 

    Nach der Installation durch die App stehen die Fonts systemweit zur Verfügung. Eine komplette Übersicht aller installierten Fonts ist in den Systemsteuerung des Betriebssystems verfügbar. Hier gibt es eine alphabetische Liste aller durch Apps installierten Schriften mit Schriftmusterdarstellung und Informationen zur Dateigröße und zum Copyright. Auch kann eine Deinstallation von hier aus erzwungen werden, ohne erst die App zu starten, die den Font ursprünglich installiert hat. Die Deinstallation einer Fontinstallations-App löscht übrigens auch alle mit ihr installierten Schriften wieder automatisch vom System. 

    Erwähnenswert ist auch, dass die Fonts nur in Fontmenüs von Apps auftauchen, die die Verwendung von eigenen, systemweit nutzbaren Fonts ausdrücklich aktiviert haben. In Zukunft dürfte dies sicherlich bei den meisten Apps der Fall sein, aber bei vielen Apps muss man gegenwärtig wohl auf die nächste größere Aktualisierung warten, bevor die installierten Fonts tatsächlich im Fontmenü auftauchen. Aktuell ist die Zahl der Apps mit Unterstützung der neuen Funktion noch verschwindend gering. Wer die neuen Möglichkeiten einmal ausprobieren möchte, kann es mit Pages versuchen.  

    Pavillon Gotisch: Eine Schriftdigitalisierung aus dem Druckkunstmuseum Pavillon-Presse
    Das Druckkunstmuseum Pavillon-Presse beherbergt derzeit circa 1000 Hochdruckschriften. Darunter befinden sich auch einige vergessene Bleisatzschriften, die niemals im Foto- oder Digitalsatz umgesetzt wurden. Einer der Schätze des Archivs ist eine gotische Schrift der Leipziger Gießerei Julius Klinkhardt aus dem Jahr 1916. 


    Diese Schrift wurde nun für das Museum digitalisiert. Dies erfolgte jedoch nicht wie heute meist üblich, von Schriftmusterdrucken der Schriftgießerei. Bleisatzdrucke sind nie eine perfekte Wiedergabe des Buchstabenbildes auf Buchdrucklettern. Der physische Druck erzeugt immer eine gewisse Quetschung, die das Buchstabenbild etwas verfälscht. Dieser Effekt ist in der Regel umso größer, je kleiner der Schriftgrad ist. Heutige Schriftgestalter stehen hier immer vor der Wahl, ob sie das tatsächliche Druckbild digitalisieren oder die Originalformen der Glyphen hinter den Drucken gewissermaßen erraten wollen. Außerdem geben Drucke keinen direkten Aufschluss über die Größe der jeweiligen Schriftkegel. So muss insbesondere die Vor- und Nachbreite der Lettern ebenfalls in der Regel erraten werden. Bei der hier vorliegenden Digitalisierung waren jedoch die Bleisatzlettern vorhanden. So konnten die Schriftformen im Original studiert werden. Zur Digitalisierung diente zudem ein speziell im Museum für diesen Zweck gefertigter Druck alle Lettern. Indem alle Lettern mit druckenden Messinglinien umschlossen wurden, konnte die Größe der Kegel genau für die Digitalisierung übernommen werden.  

    So entstand die nach dem Museum benannte »Pavillon Gotisch A«. Die Schrift enthält die originalgetreuen Buchstabenbilder der Bleisatzschrift, einschließlich der interessanten Schwungbuchstaben und Ligaturen. Über die OpenType-Funktion »bedingte Ligaturen« lässt sich auf einfache Weise klassischer deutscher Fraktursatz erzeugen. Außerdem wurde der Zeichensatz auf die westeuropäische Standardbelegung ausgebaut. 



    Da die Buchstabenformen vieler gebrochenen deutschen Schriften nicht mehr ohne weiteres für jeden lesbar sind, gibt es eine abgewandelte Version B, bei der die Buchstabenbilder etwas mehr in Richtung Antiqua umgesetzt sind. 


    Die Pavillon Gotisch steht nicht zur direkten Lizenzierung zur Verfügung. Stattdessen erhalten Mitglieder des Vereines Pavillon-Presse Weimar e.V. sowie Förderer von Typografie.info die Schrift gratis mit ihrer gültigen Mitgliedschaft. 
    Schriftmuster-PDF ansehen Pavillon Gotisch im Download Archiv von Typografie.info Infos zur Mitgliedschaft im Pavillon-Presse Weimar e.V. Pavillon Gotisch bei FDI Type
    Buchprojekt »Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung« sucht Unterstützer
    »Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung« ist ein aktuelles Kompendium mit zahlreichen Beiträgen aus Praxis und Theorie zur didaktischen Gestaltung. 24 Autoren mit disziplinübergreifenden Ansätzen aus der Lesbarkeitsforschung teilen in diesem Kompendium ihr Wissen: Lesen als Vorgang wird aus Sicht von Typografen beschrieben; barrierefreie Typografie für Leseanfänger sowie der aktuelle Forschungsstand zur »Leichten Sprache« werden ebenso behandelt wie die Gestaltung komplexer wissenschaftlicher Editionen; wegweisende Projekte, in denen Typografie intensiv und hochkarätig eingesetzt ist oder vermittelt wird, werden vorgestellt; Tipps für die Gestaltung bzw. Auswahl von leserlichen Schriften werden gegeben; und selbst typografische Grundlagen kommen nicht zu kurz. »Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung« erläutert, was genau zu einer guten Lesbarkeit führt. Es lotet aus, wo und wie Typografie wirken kann und wie sie beschaffen sein muss, damit sie wirkt.
    Seit mehreren Jahren wird ehrenamtlich an diesem Projekt gearbeitet. Es fanden zahllose Treffen und Tagungen mit den verschiedensten Fachleuten zu diesem Thema statt. Nun sind die Beteiligten so weit, dass die aktuellen Ergebnisse aus Theorie und Praxis in diesem Kompendium veröffentlicht werden können.
    Für die Herstellungskosten sollen 6000,– Euro über die Plattform Startnext eingesammelt werden. Wer das Projekt mit mindestens 46,– Euro unterstützt, erhält das Buch voraussichtlich noch in diesem Jahr. 
    https://www.startnext.com/lesbar
    Überarbeitete DIN 16507-2 zu Schriften und Schriftgrößen kann kommentiert werden
    Wie groß ist eine Schrift? Warum ist der »einfache Zeilenabstand« größer als die Schriftgröße? Werden die Unterlängen die Versalakzente der nächsten Zeile berühren oder nicht? Welche Schriftgröße muss ich eingeben, um die Leserlichkeit einer Schrift bei einem gegebenen Betrachtungsabstand gewährleisten zu können?
    Dies sind Fragen, mit denen Schriftanwender sich zunehmend befassen. Unsere Gesellschaft altert und dementsprechend wächst die Anzahl der Menschen mit einer verringerten Sehschärfe. Der Bedarf an leserlich gestalteten Texten hat zugenommen und wird in den nächsten Jahrzehnten weiter wachsen. Die 2013 aktualisierte DIN 1450 Schriften – Leserlichkeit hilft u.A. Kommunikationsdesignern, Mediengestaltern, Werbetechnikern, Textverarbeitenden und deren Auftraggebern dabei, stets eine gut leserliche Schrift in einer optimalen Schriftgröße festlegen zu können. Die DIN 16507-2 Schriften – Schrift­größen dient der Ermittlung, Bestimmung, Festlegung und Angabe von Schriftgrößen und Zeilenabständen.
    Hierzu beschreibt sie die wichtigsten Maße einer Schrift in Bezug auf die Schriftgröße. Darüber hinaus macht sie Vorgaben für deren Bezug zur Schriftgröße. Die bisherige Ausgabe der DIN 16507-2 wurde 1999 veröffentlicht und eine Aktualisierung war dringend erforderlich. Des Weiteren war eine Angleichung an die bereits aktualisierten Ausgaben der DIN 1450/1451 notwendig. Der Ausschuss »Schriften« im DIN – Deutsches Institut für Normung, hat die Norm entsprechend überarbeitet.
    Die aktualisierte DIN 16507-2 definiert jetzt auch die für die Leserlichkeit relevan­ten Größenangaben und gibt mithilfe einer Tabelle Aufschluss darüber, wie sämt­liche Größenangaben ineinander umgerechnet werden können. Faustregeln erleich­­tern die Berechnung einer Schriftgröße in Punkt bei einer zu gewährleistenden Mittellänge oder Ziffernhöhe in mm. Darüber hinaus werden zusätzliche Anforderungen an Typometer gestellt. Sie sollen nun auch die Vermessung der Mittellängen und Ziffernhöhen in Printmedien und an Bildschirmen erleichtern und deren Bezug zur Schriftgröße vermitteln. Die Überprüfung ob erforderliche Mindestmaße eingehalten wurden, sollte hierdurch vereinfacht werden.

    Der Entwurf der aktualisierten DIN 16507-2 Schriften – Schrift­größen– Teil 2: Textverarbeitung, Mediengestaltung und verwandte Techniken kann ab sofort über das Norm-Entwurfs-Portal kommentiert werden, die Einspruchsfrist endet am 23. Oktober 2019. 
    Wieder verfügbar: Großes Eszett als Holzbuchstabe
    Unser Holz-Versal-Eszett erscheint in einer zweiten Serie. Statt wie beim letzten Mal aus verleimten Holzstücken, ist die neue Auflage aus 18 Millimeter starkem Birken-Multiplex-Holz gefertigt. Das Material ist zwar etwas teurer als bei der ersten Auflage, bietet jedoch nun ein noch hochwertigeres Bild mit durchgängiger Holzfläche über die gesamte Schauseite.  Die Buchstaben sind knapp 16 Zentimeter hoch. Das Design entstand keiner bestimmten Schrift, sondern wurde eigens für diese Anwendung entworfen. 

    Käufer haben dieses Mal die Qual der Wahl. Die verfügbaren Holzbuchstaben sind Einzelstücke mit manueller Veredelungen in verschiedenen Techniken und Tönungen. Die Holzbuchstaben sind exklusiv in unserem Typografie-Shop verfügbar. 

    Zum Typografie.info-Shop
     
    Buchvorstellung: Othmar Motter, Meister der Extrabold
    Tektura, Ombra, Corpus und Femina: Diese Schriften sind weltweit bekannt, doch ihr Gestalter, der Vorarlberger Grafikdesigner Othmar Motter, ist nur wenigen ein Begriff. Die vorliegende Monografie bringt Licht in Leben und Werk des 2010 verstorbenen Grafikdesigners. Der Autor – Elias Riedmann – stammt selbst aus Vorarlberg und absolvierte 2016 sein Grafikdesignstudium an der Universität für angewandte Kunst in Wien. 



    Die circa 350, durchgehend farbigen Seiten beginnen mit einem biografischen Überblick auf circa 20 Seiten. Den Rest des Buches nimmt dann eine umfangreiche Werkschau ein, die sich in die Bereiche »Schrift« und »Logo« gliedert. Das Buch schöpft dabei aus den circa 20 Schriften und um die 700 Signets, die Motter über die Jahre geschaffen hat. Die Werke werden nicht nur in ihrer endgültigen Version gezeigt, sondern oft auch in interessantem Skizzenmaterial aus dem Archiv Motters, das von seiner Familie weiter gepflegt wird.



    Käufer des Buches können sich über einen beigelegten Code auch 5 digitalisierte Fonts von Othmar Motter herunterladen. Der Zeichenumfang beschränkt sich jedoch leider auf die 26 Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern, Punkt und Bindestrich. 

    Daten zum Buch:
    Titel: Othmar Motter, Meister der Extrabold Untertitel: Ein Streifzug durch das Archiv der Vorarlberger Grafik Autor: Elias Riedmann veröffentlicht: 2019 Verlag: Triest Verlag Sprache: deutsch Seiten: 352 ISBN: 9783038630333 bei Amazon aufrufen (Partnerlink)
    Walz für Handsatz und Buchdruck 2020
    Der Verein für die Schwarze Kunst organisiert seit 2018 eine Walz. Das Ziel ist es, das handwerkliche Können und die traditionellen Berufe des Schriftsetzers und  Buchdruckers zu bewahren, zu fördern und die Wissensvermittlung an nachfolgende Generationen zu unterstützen. Für 2020 vergibt der Verein zehn »Wanderungen« für je zwei Monate in wechselnden Werkstätten. Davon sind fünf als »Walz-Stipendien« für Stipendiaten unter 30 Jahren reserviert, die der Verein mit jeweils 1000 Euro unterstützt.
    Die Werkstätten, die sich an der Aktion beteiligen sind für 2020 auf 17 angestiegen: Lettertypen, Typorama, Steintor-Presse, Hans Dubronner, Manufaktur Willi Beck, Grafikwerkstatt Dresden, Edition Schwarzdruck, Museum der Arbeit Hamburg, Museum für Druckkunst Leipzig, Slowtype, Druckerei Hügelschäffer, Druckladen des Gutenberg-Museums Mainz, Druckwerkstatt Karl Kretschmer, Rehlensche Handpresse, The Fork and Broom Press, Spielkartenfabrik Stralsund, Pavillon-Presse Weimar.

    Die Bewerbungsfrist für 2020 endet am 10. Oktober 2019. Die Bewerbung ist formlos, soll aber mindestens folgende Punkte enthalten: 
    Name, Alter, Beruf/Ausbildung Wie haben Sie von der Ausschreibung erfahren? Motivation und Vorkenntnisse. Eigenes Vorhaben. Bevorzugter Zeitraum und zeitliche Einschränkungen. Empfehlungsschreiben einer Werkstatt/Fachperson. Die Walz muss nicht durchgängig zwei Monate absolviert werden, aber in max. 6 Monaten abgeschlossen sein. Insgesamt sind 40 Arbeitstage zu mindestens fünf Stunden nachzuweisen. Mindestens sind drei Werkstätten zu besuchen. 
    Weitere Details sind über den Verein für Schwarze Kunst bzw. die Manufaktur Willi Beck für Bleisatz und Buchdruck zu erfragen. Letztere nimmt auch die Bewerbungen entgegen. 
    Willi Beck
    Oskar-von-Miller-Str. 5a
    85221 Dachau willi @ beckundbeckdesign.de Telefon: 0 81 31.60 20

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