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  • Neue Typografie-Artikel

    Neuigkeiten und Fachwissen aus der Welt der Schrift und Typografie
    Monotype stellt 41 neue Schriftfamilien für Typekit- und Creative-Cloud-Abonnenten zur Verfügung
    Monotype stellt über 600 weitere Einzelfonts in das Programm von Adobes Typekit-Dienst ein. Damit sind diese Schriften für Abonnenten von Typekit bzw. der Creative Cloud ohne Mehrkosten auch lokal als Desktopfonts nutzbar. Das neu eingestellte Schriftpaket enthält Schriften der Marken Monotype, Linotype ITC und FontFont. 

    Konkret verfügbar sind nun folgende Monotype-Schriften: Calibri, Century Gothic, Demos Next, DIN 1451 Pro, FF Amman Sans, FF Attribute Mono/Text, FF Casus, FF Nexus Mix/Sans/Serif/Typewriter, FF Nort, FF Scala, FF Scala Sans, FF Seria, FF Seria Sans, FF Unit, FF Unit Rounded/Slab, Gill Sans Nova, ITC American Typewriter, ITC Avant Garde Gothic, ITC Benguiat, ITC Flora, ITC Franklin Gothic, ITC Galliard, ITC Giovanni, ITC Slimbach, Joanna Nova, Joanna Sans Nova, Linotype Didot, Masqualero, Monotype Grotesque, Monotype Modern Display, Neo Sans, Neue Haas Grotesk, Neue Haas Unica, Neue Kabel, Plantin, PMN Caecilia, PMN Caecilia Sans, Praxis Next, Quire Sans, Rockwell, Rockwell Nova, Rosella, Sabon, Trade Gothic Next, Unitext, Vectora. 

    Übrigens können Nutzer von InDesign und Illustrator demnächst die Typekit-Schriften in der Designanwendung durchforsten und live in der Anwendung testen, ohne die Schriften vorher über Typekit aktivieren zu müssen. 
    Mac-Tipp: Textinhalte standardmäßig ohne Formatierungen einfügen
    Beim Kopieren und Einfügen von Texten über die Zwischenablage gibt es etwas vereinfacht gesagt zwei Varianten: Reintext und formatierter Text. Bei ersterem wird nur die reine Textinformation übernommen, also eine Folge von kodierten Textzeichen. Beim formatierten Text können dagegen auch Eigenschaften wie Schriftart, Schriftgröße, Farbe, Weblinks und sogar Bilder erhalten bleiben. Betriebssysteme und Software-Anwendungen gehen zunehmend dazu über, auf formatierten Text als Standard zu setzen. Die kann im Einzelfall auch vom Anwender gewünscht sein, aber oft ist es eher lästig. Wer etwa Zitate von Websites in ein lokales Textdokument einfügen will, dem geht es sicherlich meist um den Inhalt – Schriftarten, Schriftgrößen usw. der einzelnen Websites müssen nicht beibehalten werden. Und passiert dies es doch, ist es oft schwierig und zeitraubend, die Formierungen nachträglich wieder loszuwerden. Im schlimmsten Fall erhält man sogar weiße Schrift auf weißem Grund, weil die Website helle Schrift auf dunklem Hintergrund verwendete.
    Anwendungsprogramme mit einem Fokus auf Textverarbeitung bieten gegebenenfalls zusätzliche Menüfunktionen oder Tastaturkürzel an, um lediglich Reintext einzufügen. Die Kürzel können aber recht umständlich sein, etwa Befehltaste (⌘) + Wahltaste (⌥) + Umschaltaste (⇧) +  V. 
    Über eine wenig bekannte Funktion in der Systemsteuerung von Mac OS X lässt sich dies allerdings vereinfachen. Und so geht’s …
     
    1. Öffnen Sie die Systemsteuerung und dort den Eintrag »Tastatur«

    2. Öffnen Sie den Reiter »Kurzbefehle« und dort den Eintrag »App-Tastaturkurzbefehle«

    3. Klicken Sie auf das Plus-Symbol
    4. Unter Programm wähle Sie »Alle Programme«
    5. Unter Menü geben Sie manuell »Einsetzen und Stil anpassen« ein. Dies muss exakt dem Menü-Eintrag entsprechen, den Sie in Anwendungen wie TextEdit je nach eingestellter Sprache sehen. 

    6. Klicken Sie in das Feld Tastaturkurzbefehl und tippen Sie auf ihrer Tastatur Befehl (⌘) + V ein und Bestätigen Sie den Eintrag mit »Hinzufügen«. Dadurch wurde die Standardbelegung von ⌘ + V überschrieben und formatierter Text wird für dieses Kürzel nun nicht mehr verwendet.
    7. Falls Sie dennoch ab und zu formatierten Text benötigen, weisen sie das nun freigeworden Tastaturkürzel entsprechend neu zu: Klicken Sie wieder auf das Plus-Symbol, wählen Sie »Alle Programme« und diesmal den Text »Einsetzen«. Das Tastaturkürzel sollte nun ⌘ + ⌥ + ⇧+ V lauten. 

    Diese Schritte drehen also die standardmäßige Funktion um. Einfügen als Reintext  ist nun mit dem einfachen Kürzel ⌘ + V möglich und und formatierter Text bei Bedarf über ⌘ + ⌥ + ⇧+ V erreichbar. Dies funktioniert in allen gängigen Apple-Programmen wie TextEdit,  Safari, Pages und so weiter. 
    Sind die gleichen Befehle in Drittanbieter-Programmen anders benannt, lässt sich für diese Programme eine eigene Regel in gleicher Weise anlegen. Wählen Sie statt »Alle Programme« dann die spezifische Anwendung aus. Dies funktioniert aber nur in Programmen, die Apples Software-Bibliotheken zur Erstellung von Menüs verwenden. Die Creative-Cloud-Anwendungen gehören zum Beispiel nicht dazu. Hier müssen Tastaturbefehle bei Bedarf direkt in der Anwendung selbst geändert werden. Dennoch ist der oben genannte Trick sicherlich für viele Mac-Anwender in der täglichen Arbeit hilfreich. 
    Futura trifft Fraktur: FDI Type veröffentlicht Krimhilde
    2015 habe ich mit der Elfen-Fraktur bereits eine durch ihren Schnurzug-Charakter recht außergewöhnliche gebrochene Schrift veröffentlicht. Mit der Krimhilde folgt nun ein weiterer Vertreter aus diesem Bereich. Die Elfen-Fraktur erschien ursprünglich im Jahre 1919, dem Gründungsjahr des Bauhauses. Die in Weimar gegründete Kunstschule hatte maßgeblichen Einfluss auf das Grafikdesign in den 1920er-Jahren. Die Bauhaus-Gestalter experimentierten mit der Reduktion der Buchstaben auf einfachste geometrische Formen und einige propagierten gar die Aufgabe des gemischten Satzes zugunsten eines einzigen Alphabets. Die experimentellen Schrift-Entwürfe der Bauhaus-Gestalter fanden zu ihrer Zeit jedoch kaum breite Anwendung. Aber Schriftgestalter außerhalb des Bauhauses nahmen die Ideen auf und führten sie zu einem Erfolg. So entstand die bis heute äußerst populäre Kategorie der geometrischen Groteskschriften mit Vertretern wie Erbar-Grotesk (von Jakob Erbar erschienen bei Ludwig & Mayer), der Kabel (von Rudolf Koch erschienen bei Gebr. Klingspor) und natürlich der allseits bekannten Futura (von Paul Renner erschienen bei der Bauerschen Gießerei). 

    Gebrochene Schriften waren zu dieser Zeit im deutschsprachigen Raum noch immer als Verkehrsschrift im Einsatz. Doch die Modernisierung der Schrift fand in den 1920er-Jahren fast ausschließlich in und mit der Antiqua statt. Jan Tschichold postuliert es in seiner Elementaren Typografie so: 
    ❝ Elementare Schriftform ist die Groteskschrift aller Variationen: mager—halbfett—fett—schmal bis breit. Schriften, die bestimmten Stilarten angehören oder beschränkt-nationalen Charakter tragen (Gotisch, Fraktur, Kirchenslavisch) sind nicht elementar gestaltet und beschränken zum Teil die internationale Verständigungsmöglichkeit.❞
    Erst Anfang der 1930er-Jahren setzt sich die »Modernisierung durch Reduzierung« dann auch für gebrochene Schriften durch. Doch die zu dieser Zeit übliche, eher kalligrafische Fraktur eignet sich dafür nur bedingt. Die Schriftgestalter gingen deshalb zu den Ursprüngen der gebrochenen Schriften zurück: den gotischen Schriften, die damals noch reich verziert, dunkel, eng und eher schwer lesbar erschienen. Mit einer offeneren Gestaltung und dem Verzicht auf jegliche Dekoration gelingt das moderne Erscheinungsbild. Die schlichten Gotisch bzw. Schaftstiefelgrotesk-Schriften erscheinen ab 1933 in rascher Folge bei verschiedenen deutschen Schriftgießereien. 

    Die moderne gebrochene Schrift der 1930er. Links: die Element von Max Bittrof. Rechts: Hindenburg-Lettering von Georg Wagner
     
    Der Rückgriff auf die Wurzeln der gebrochene Schrift hatte aber noch einen anderen Vorteil: Indem man die Entwürfe auf die frühen gebrochenen Schriften aufbaute, rückte man Antiqua und gebrochene Schrift in Stil und Lesbarkeit wieder näher zusammen. Auch dies verstärkte den modernen Eindruck und erfüllte die Forderungen nach einfacher und zweckmäßiger Gestaltung.  
    Und dies bringt uns nun zurück zur Krimhilde.  Ihr Gestalter Albert Auspurg versuchte ebenfalls einen Kompromiss aus moderner Antiqua und gebrochener Schrift. Aber er schlug dabei einen gänzlich anderen Weg ein als die Gestalter der Schaftstiefelgrotesk-Schriften. Anstelle von gotischen Buchstabenskeletten besitzt die 1933 erschienene Krimhilde Kleinbuchstaben mit den Proportionen der geometrischen Grotesk. So entsteht in der Gesamtwirkung ein Schriftbild wie bei einer Antiqua. In den Details zeigen sich dann jedoch auch typische Elemente von Frakturschriften, etwa die durchgängig und deutlich abgewinkelten An- und Abstrichen der Kleinbuchstaben. Die Großbuchstaben folgen Frakturskeletten, jedoch mit einer möglichst einfachen Form und einem für gebrochene Schriften ungewöhnlichen Schnurzugstil. 


    Originalmuster der Krimhilde von der Schriftgießerei Ludwig & Mayer
     
    Interessant sind sicherlich auch die ursprünglichen Vermarktungstexte der Schriftgießerei. Eindeutig benannte Verweise auf das Bauhaus und die Neue Typografie werden vermieden, jedoch gleichen sich die Beschreibungen der Ziele doch auf verblüffende Weise: 
    »Die deutsche Schrift unserer Zeit … muß den Willen zur Sachlichkeit ausdrücken und unter Betonung des Wesentlichen den einzelnen Buchstaben in seiner knappesten Form bringen. […] Wir haben deshalb bei der Schaffung unserer neuen deutschen Druckschrift darauf verzichtet, den Zug und Druck der Schreibfeder wiederzugeben. Wir haben den Grundgedanken der Groteskschrift, die gleiche Strickstärke, auch zur Grundlage dieser neuen deutschen Schrift gemacht und damit erreicht, daß eine Frakturschrift entstand, die in hervorragendem Maße sachlich und zweckentsprechend und damit im besten Sinne des Wortes neuzeitlich genannt werden muß.«
     
    Die Krimhilde erschien in einer gewöhnlichen und einer halbfetten Garnitur. Zu einer breiten Anwendung der Schrift kam es jedoch nicht und der gestalterische Hybrid-Ansatz fand in dieser Form im Bereich der Satzschriften auch kaum Nachahmer. Nach dem zweiten Weltkrieg geriet die Krimhilde mangels Nachfrage nach den modernen gebrochenen Schriften der 1930er schnell in Vergessenheit und die Schriftgießerei Ludwig & Mayer bewarb sie auch nicht mehr in ihren Schriftmusterkatalogen. 


    Krimhilde von FDI Type, veröffentlicht  2018
     
    Auch wenn die Schrift keinen durchschlagenden Erfolg hatte, hat sich doch ihren ganz eigenen Reiz und Anwendungen in Schaugrößen sind auch heute noch denkbar. Mit der Krimhilde-Version von FDI Type ist dies nun möglich. Wie bei der Elfen-Fraktur habe ich nicht einfach die Umrisslinien der Krimhilde digitalisiert, sondern vielmehr den ursprünglichen Gestaltungsprozess wiederholt. Beide Schnitte wurden zunächst als Skelettzeichnung nachempfunden und dann sorgfältig nachbearbeitet. Denn auch wenn die Schrift einen Schnurzug-Charakater besitzt, sind die Striche wie bei den geometrischen Groteskschriften der 1920er-Jahre keineswegs mathematisch genau und gleichmäßig ausgeführt. 
    Version A der Krimhilde von FDI Type lehnt sich an die Originalentwürfe an und der Zeichensatz wurde auf eine vollständige westeuropäische Belegung ausgebaut. Natürlich sind auch ein langes s und Fraktursatz-Ligaturen (ch/ck/ſch/tt/tz) als OpenType-Stilsatz enthalten. Mit der Version B gibt es eine zusätzliche Fassung, die noch stärker an die Antiqua-Lesegewohnheiten angepasst wurde. 


    Version A und B der Krimhilde von FDI Type
     
    Zusätzlich zu den Grundschnitten gibt es optionale Display-Schnitte, die sich für einen mehrfarbigen Einsatz miteinander kombinieren lassen: Schatten, Schatten-Füllung und Umrisslinie.  



    Krimhilde bei Fontspring Krimhilde bei der FDI Type Foundry ein kostenloser Schnitt steht exklusiv für Typografie.info-Förderer zur Verfügung
    Bona Nova – Wiedergeburt einer polnischen Bleisatz-Schrift
    Die Bona Nova ist eine moderne Interpretation der Renaissance-Kursiv Bona des Grafikdesigners Andrzej Heidrich, der in Polen vor allem durch seine Briefmarken- und Banknoten-Gestaltungen bekannt ist. Die neue digitale Fassung wurde von Mateusz Machalski in Zusammenarbeit mit Heidrich entwickelt und die drei entstandenen Textschnitte sind kostenfrei verfügbar. 


    Die ursprüngliche Bleisatz-Schrift aus dem Jahr 1971
     
    Mateusz Machalski begann das Projekt im Jahr 2011, seinem zweiten Studienjahr an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Die Schrift war in der Handsatz-Abteilung der Akademie vorhanden und weckte Machalskis Interesse. Sein Professor organisierte kurzerhand ein Treffen mit dem ursprünglichen Designer, der sich von der Idee einer Neubearbeitung begeistern ließ. Machalski begann mit der Digitalisierung, aber das Projekte landete zunächst wieder in der Schublade. 

    2016 wurde das Projekt zusammen mit Leszek Bielski wieder aufgenommen. Es kam zu weiteren Treffen mit Andrzej Heidrich und der Plan zum Ausbau der Schrift in drei Schnitten (normal, kursiv und fett) wurde gefasst. Heidrich war eigentlich kein Schriftgestalter und die Bona sein einziger vollständiger Schriftentwurf. Als Gebrauchsgrafiker in der vordigitalen Zeit gehörte das Zeichnen von Buchstaben – zum Beispiel für Buchumschläge – aber zum Alltagsgeschäft. Mit der Auswahl an Fließtextschriften war er jedoch nicht zufrieden. 
    »Wir arbeiteten immer mit 12 Punkt Times oder Garamond. Es war langweilig und jedes Buch sah innen gleich aus. Es gab großen Bedarf an neuen Schriften.« 


    Original-Entwürfe und -Matrizen der Bona
     
    Heidrich arbeitete an der Bona als Nebenprojekt – aus reiner Freude an der Sache und ohne konkreten Auftrag oder Anwendungszweck. Schlussendlich wurde die Schrift sogar gegossen und ein vollständiger Satz landete in der Akademie, wo er immer wieder einmal zum Einsatz kam. 
    Für die Digitalisierung lieferte Heidrich sämtliche Originalskizzen und auch die Original-Matritzen konnten für den Entwurf inspiziert werden. Natürlich gab es beim Ausbau des Entwurfes dennoch noch jede Menge Gestaltungsentscheidungen zu treffen. 
    »Die Entwurfsarbeit gestaltete sich äußerst interessant. Ich habe Bilder und Detailfragen fortlaufend auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite veröffentlicht, die damit zu einer Bühne für typografische Diskussionen wurde« erklärt Machalski. 

    Die Form des großen Eszett wurde online besonders heftig diskutiert. 
     
    Nach der Digitalisierung der Kursiven entstanden zwei aufrechte Schnitte, zu denen es keinerlei Vorlagen gab. Aus Lettering-Arbeiten von Heidrich für Briefmarken und Banknoten konnten jedoch einige typische Charaktermerkmale abgeleitet werden. 
    Der Ausbau der Textschnitte brachte es schließlich auf über 1000 einzeln gezeichneten Glyphen pro Schnitt. In der erweiterten lateinischen Belegung sind Kapitälchen, mehrere Ziffernsets, viele Ligaturen und Ornamente enthalten. 

    Damit war die Arbeit jedoch noch nicht beendet. Die Familie wuchs weiter. Drei dekorative lichte Schnitte wurden ergänzt sowie drei Display-Schnitte mit besonders starkem Strichstärkenkontrast. Diese Schnitte sind allerdings nicht Teil des kostenlosen Angebots. Und Überlegungen zu einem weiteren Ausbau der Schnitte bzw. der Schriftsystemabdeckung gibt es bereits. 



    Schriftmustergrafiken der Bona Nova
     

    Die kostenlosen Schnitte der Bona Nova
     

    Die kommerziellen Display-Schnitte der Bona Nova
     
    Alle Schnitte stehen momentan exklusiv über die Capitalics-Foundry-Website zur Verfügung und erfordern eine Registrierung. Eine Veröffentlichung über Google Fonts ist jedoch auch in Planung. Unter bonanova.wtf gibt es ausführliche Hintergrundinformationen zu dem Projekt in polnischer und englischer Sprache – darunter auch ein Interview mit dem Grafikdesigner Andrzej Heidrich. 
    https://capitalics.wtf/en/font/bona-nova
    Future Fonts – Schriften schon vor der Fertigstellung erwerben
    Future Fonts ist eine neue Plattform, auf der Schriftgestalter ihre Schriften noch während des Entstehungsprozesses an Interessenten lizenzieren können. So wird die Entwicklung und der Ausbau der Schriften nicht nur finanziell unterstützt, sondern kann sogar durch die Rückmeldungen der Nutzer beeinflusst werden. 
    Hinter dem Projekt stehen die US-amerikanischen Studios von Scribble Tone aus Portland und Oh no Type aus San Francisco.  

    Motiviert werden die Schriftkäufer zusätzlich dadurch, dass ein früher Einstieg günstigere Preise verspricht. Umso weiter die Schriftentwicklung fortschreitet, umso mehr nähert sich der Lizenzpreis dem endgültigen Preis an. Wer früher zuschlägt, bekommt die Schriften günstiger und muss für die späteren Aktualisierungen dann nichts mehr bezahlen. Eine Garantie für einen weiteren Ausbau gibt es freilich nicht. Es bleibt also abzuwarten, ob sich das Konzept in der Praxis bewährt. Es ist aber nicht schwer sich vorzustellen, dass die öffentliche Ankündigung, die Rückmeldungen und zahlende Kunden so manchen Schubladenentwurf davor bewahren können, für immer ein solcher zu bleiben. 


    Die zum Start bereits verfügbaren Entwürfe können sich auf jeden Fall bereits sehen lassen. Mehr unter: 
    https://www.futurefonts.xyz
    TCCC Unity – Coca-Cola bekommt eine eigene Hausschrift
    Für besonders große Unternehmen machen exklusive Hausschriften doppelt Sinn. Einerseits verschafft man sich damit einen eigenständigen visuell-typografischen Auftritt. Andererseits spart man sich meist sogar Geld und Umstände, da die komplexen Schriftlizenzen für alle Büros, Subunternehmer usw. wegfallen.  Mit einer meist einmaligen Zahlung erhält man sein Sorglos-Schriftpaket. 
    Und so ist jetzt auch die Coca-Cola Company aus Atlanta diesen Weg gegangen und ersetzt die bislang verwendete Gotham durch eine Exklusivschrift namens TCCC Unity. Die Abkürzung TCCC steht dabei für The Coca-Cola Company.



    Die von Brody Associates entwickelte Schriftfamilie bewegt sich allerdings nicht besonders weit weg von der Gotham und dies führte sofort zu Kritik in der Branche. Denn als Basis der Schriftentwicklung wird sie nicht erwähnt. Stattdessen erklärt eine eigens zur Vorstellung der Schrift entwickelte App, dass sich das Design aus visuellen Erbe des Unternehmens selbst ergeben hätte. Betrachtet man sich jedoch das Design der Schrift, wirkt dies äußert fraglich. Die TCCC Unity passt sich exakt in den seit Jahren anhaltenden Trend der geometrischen Groteskschriften ein. Dies sorgt natürlich weder für einen besonders eigenständigen Auftritt, noch lassen sich so typische Gestaltungsprinzipien aus dem konkreten Auftrag und der Geschichte des Unternehmens erklären. Eine Schrift dieser Art könnte für jedes andere Unternehmen auch gestaltet worden sein. Und so muten die Detailerklärungen zum Schriftentwurf schon regelrecht peinlich an. So wird etwa behauptet, dass das oben abgeschrägte t – ein historisch bedingtes Merkmal tausender Schriften – an den Bindestrich des Coca-Cola-Logos erinnert oder dass das Q wie ein Glas mit Strohhalm aussähe. 




    Ob die Schrift von einem neuen visuellen Auftritt begleitet wird oder lediglich die Gotham ersetzt, bleibt abzuwarten. Noch zeigt etwa die Website von Coca-Cola die Gotham. 
    Buchvorstellung: Buchstaben im Kopf
    Antonia Cornelius studierte Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg. Als Abschlussarbeit ihres Bachelor-of-Arts-Studiums entstand 2015 im Bereich Typedesign bei Prof. Jovica Veljović das Buch »Schrift lesbar gestalten. Ein Leitfaden für Textschriften«. 2017 erschien dieses Werk in einer überarbeiteten Fassung mit dem Titel »Buchstaben im Kopf – Was Kreative über das Lesen wissen sollten, um Leselust zu gestalten« beim Verlag Hermann Schmidt. 



    Die 180 Seiten, die durchgehend in drei Sonderfarben gedruckt sind, gliedern sich in vier Kapitel. Die ersten 30 Seiten liefern typografisches Grundlagenwissen. Es folgen circa 50 Seiten zum Thema Lesen. Wie wir sehen, lesen, Buchstaben und Wörter erkennen und so weiter. Hier wird sich auf die internationale Lesbarkeitsforschung der letzten Jahre bezogen und die Ergebnisse werden anschaulich dargestellt und zusammengefasst. Es folgen weitere 50 Seiten zum Thema Entwerfen von Schrift. Wie setzen sich Schriftfamilien zusammen? Wie gestaltet man sie und wie optimiert man die Leserlichkeit und Lesbarkeit? Den Abschluss bildet das Kapitel »Anwenden«. Hier wird in einem Überblick auf einige Kriterien und Parameter der Mikro- und Makrotypografie eingegangen. 


    An der technischen und gestalterischen Ausstattung des »Schmidt-Buches« gibt es wie so oft nichts auszusetzen. Und der lockere anschauliche Schreibstil gefällt genauso wie die Tatsache, dass das Buch inhaltlich auf der Höhe der Zeit ist. OpenType, Variable Fonts, InDesign-Kerning, Textarten nach der neuen DIN 1450 – das Buch passt perfekt in die heute digitale Typografie. Die leicht verständliche Zusammenfassung der Lesbarkeitsforschung dürfte in dieser Form und in deutscher Sprache bislang einmalig sein und fand sich in den letzen Jahren nur in englischsprachigen Büchern wie etwa Sofie Beiers Reading Letters. 
    Beim ersten Lesen wunderte ich mich allerdings stellenweise, an wen genau sich die Autorin richtet. Dies klärte sich für mich erst im Anhang auf. Die Autorin arbeitet an einer eigenen Schrift: der Legilux und das Buch dokumentiert somit die eigene Lesbarkeitsforschung aus Sicht des Typedesigners, wie es der Originaltitel der Universitätsabschlussarbeit auch noch aufzeigt. Wenn sich der Schmidt-Titel jetzt an alle »Kreative« widmet, ist das vielleicht etwas zu weit aufgemacht. So manches Detail im Buch – insbesondere im Kapitel »Entwerfen« – richtet sich klar nur an Schriftgestalter. Direkt empfehlen würde ich das Buch daher eher für Leser in der gleichen Situation wie die Autorin, also angehende Schriftgestalter, die sich einen Überblick über die entsprechenden Grundlagen verschaffen wollen. Andere typografische Einsteiger, die sich für reine Schriftanwendung interessieren, können aber in den anderen Kapiteln freilich auch nützliche Informationen finden. 


    Titel: Buchstaben im Kopf Untertitel: Was Kreative über das Lesen wissen sollten, um Leselust zu gestalten Autor: Antonia M. Cornelius veröffentlicht: 2017 Verlag: Verlag Hermann Schmidt Sprache: deutsch Seiten: 180 ISBN: 9783874398954 bei Amazon aufrufen (Partnerlink)

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