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  • Neue Typografie-Artikel

    Neuigkeiten und Fachwissen aus der Welt der Typografie
    Monotype übernimmt Hoefler&Co.
    Monotype setzt seine Strategie »Wachstum durch Aufkaufen« fort. In einer Pressemitteilung wurde die Übernahme des in New York ansässigen Schriftanbieters Hoefler&Co. angekündigt. 
    Jonathan Hoefler gründete das Unternehmen bereits 1989. Er war einer der Pioniere der digitalen Schriftgestaltung und erreichte bereits in den 1990er-Jahren eine große Bekanntheit. Insbesondere US-amerikanische Magazine waren in den 1990er-Jahren von Hoefler-Schriften geprägt.   

    Am Ende der 1990er-Jahre entstand eine Zusammenarbeit mit Tobias Frere-Jones und das Schriften-Label trat nun als Hoefler & Frere-Jones auf. Doch die Zusammenarbeit endete 2014 mit einem spektakulären Bruch, als Frere-Jones Jonathan Hoefler verklagte. Anschließend lautete die Bezeichnung des Labels Hoefler&Co.

    Jonathan Hoefler (links) und Tobias Frere-Jones (rechts). Bildschirmfoto aus dem Dokumentarfilm Font Men
     
    Auch wenn Website und die Angebote nach der Übernahme durch Monotype zunächst wie gewohnt weiterlaufen werden, ist es letztlich doch ein kompletter Abverkauf. Jonathan Hoefler und CEO Carleen Borsella haben bereits angekündigt, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.  
    Videokurs: OpenType in InDesign von A bis Z
    Schrift ist ein zentrales Element von fast allen Gestaltungsarbeiten im Bereich des Grafikdesigns. Mit dem OpenType-Fontformat lässt sich die Qualität typografischer Gestaltungen signifikant verbessern. Dennoch schöpfen viele Nutzer von Adobe InDesign die Möglichkeiten dieses Fontformates nicht aus, da OpenType-Funktionen nicht automatisch angewendet werden und gezielt und an der richtigen Stelle aktiviert werden müssen. Und dies wiederum setzt hinreichendes typografisches Vorwissen über die vielen möglichen OpenType-Funktionen und deren Implementierung in InDesign voraus. Dieser halbstündige Online-Videokurs für Typografie.info-Förderer wird dazu alle Fragen beantworten. Alternativ zur Ansicht hier, kann man sich auch bei Udemy für den Kurs einschreiben. 
    Laufweite und Kerning: Unterschiede und Anwendung
    Die Begriffe Laufweite und Unterschneidung bzw. Kerning beziehen sich gleichsam auf Abstände zwischen Buchstaben. Doch was genau ist der Unterschied und nach welchen Prinzipien wählt man die idealen Einstellungen für Laufweite und Kerning? Dieser Artikel für Typografie-Einsteiger erklärt die Zusammenhänge und Arbeitsweisen im Detail. 

    Das Buchstabenbild in digitalen Fonts sitzt wie früher im Bleisatz auf einem sogenannten Schriftkegel – auch wenn dieser nun virtuell und in der Regel unsichtbar ist. Dies ist wichtig zu wissen, denn es sind letztlich die Maße des Kegels, die Größe und Positionierung der Buchstabenformen kontrollieren. Zur Sichtbarmachung der Schriftkegel genügt übrigens die Markierung eines Buchstabens. Die vom Anwendungsprogramm dabei gezeigte Hinterlegung entspricht dem Schriftkegel. 
    Im Bleisatz war es noch die Regel, dass der Schriftkegel das gesamte Buchstabenbild umschloss. Der Buchstabe hat dann entsprechend Fleisch links und rechts des Buchstabenbildes. Man spricht hier bezogen auf die Leserichtung auch von Vorbreite und Nachbreite. Bei digitalen Schriften können Elemente wie diakritische Zeichen und ausladende Schwünge jedoch auch beliebig aus dem virtuellen Schriftkegel herausragen (siehe folgende Abbildung). Die Vor- bzw. Nachbreite nehmen dann negative Werte an. 

    Der Begriff Laufweite als einstellbarer Parameter des Schriftsatzes beschreibt die generelle Änderung der Abstände zwischen Buchstabenkegeln und wird in der Regel auf ganze Absätze angewendet. Eine gezielte und deutliche Erhöhung der Laufweite – auch Sperren genannt – war früher für gebrochene Schriften und beim Schreibmaschinensatz im Einsatz, ist aber heute kaum noch in Verwendung. 
    Ist die Laufweite »Null« schließen alle Schriftkegel direkt aneinander an. Bei positiven Werten für die Laufweite, wird jeder Buchstabe um den Wert der Laufweite vergrößert. Bei negativen Werten wird die Buchstabenbreite gleichmäßig reduziert. 

    Die Laufweitenänderungen wirken sich dabei nicht auf beide Seiten der gewählten Buchstaben aus, sondern immer nur auf die hintere Seite bezogen auf die Leserichtung. Bei lateinischer Schrift wird also nur die rechte Seite beeinflusst.

    Starke Laufweitenänderungen können als bewusster stilistischer Effekt gewählt werden, insbesondere bei Schaugrößenanwendungen. Daneben lassen sich mit der Laufweite jedoch auch Wahrnehmungseffekte ausgleichen. Umso kleiner die relative Schriftgröße, umso größer sollte die Laufweite sein. Denn umso schlechter wir die Buchstaben auflösen können, umso mehr laufen sie visuell ineinander. Eine erhöhte Laufweite kann dem entgegenwirken. Bei größeren relativen Schriftgraden zeigt sich dagegen der umgekehrte Effekt. Die Buchstaben sind so klar erkennbar, dass eine Standardlaufweite zu weit wirken kann und sich womöglich eine Verringerung der Laufweite anbietet. 

    Laufweite und Schriftgrad stehen in einem indirekten Verhältnis. Umso größer die Schrift, umso geringer sollte die Laufweite sein. Umso kleiner die Schrift, umso größer sollte die Laufweite sein. 

    Versalsatz profitiert in der Regel auch von erhöhter Laufweite
     
    Anwendungen wie die von Adobe geben Änderungen von Laufweite und Kerning übrigens als ein Tausendstel des Gevierts an – also relativ zur Schriftgröße. Bei einer Schriftgröße von 12 Punkt und einer Laufweite von 1000 würde also jeder Buchstabe um exakt 12 Punkt in der Breite vergrößert werden. 
    Unterschneidung bzw. Kerning
    Änderungen von Buchstabenabständen, die sich auf konkrete Buchstabenpaare beziehen, werden Unterschneidung genannt. Neben diesem Begriff ist auch hierzulande der englische Begriff Kerning verbreitet. Anpassungen der Abstände zwischen Buchstabenpaaren können im Font hinterlegt sein oder durch den Schriftanwender gesetzt oder überschrieben werden. 

    Die Begriffe Unterschneidung und Kerning gehen auf die Buchdruckzeit zurück, als die Lettern zur Verringerung der Buchstabenabstände physisch beschnitten werden mussten. Bei digitalen Schriften können heute natürlich beliebige positive und negative Werte für Unterschneidung bzw. Kerning gesetzt werden. Die Unterschneidung kann sogar so groß sein, dass die Buchstabenbreite selbst überschritten wird. 
    Zweck des Kernings ist der Ausgleich der Weißräume zwischen den Buchstaben. Ungleiche Abstände würden beim Lesen ablenken und die Unterscheidung zwischen Buchstabenabstand und Wortabstand erschweren. Gutes Kerning verbessert also die Lesbarkeit und Lesefreundlichkeit des Textes. 
    Schriftgestalter versehen alle Buchstaben bereits mit einer zum jeweiligen Buchstabenform passenden Vor- und Nachbreite. Dadurch lassen sich die meisten Buchstaben mit beliebigen anderen Buchstaben kombinieren und es entsteht im Zusammenspiel von Vor- und Nachbreiten aufeinanderfolgender Buchstaben automatisch der passende Abstand und Weißraum. Doch für einige Buchstabenkombinationen ist dennoch eine spezielle Behandlung der Buchstabenabstände erforderlich, die sich nicht allein durch Vor- und Nachbreiten kontrollieren lässt – das Kerning!

    Wovon hängt das Kerning ab?
    Kerning hängt vom Schriftsystem, dem Schriftstil und der Schriftart ab. Bei verbundenen Schreibschriften verbieten sich Eingriffe in Laufweite und Unterschneidung zum Beispiel, da die durchgehende Verbindung sonst unterbrochen wird. Gebrochene Schriften benötigen in der Regel ebenfalls kein Kerning, da sie im Gegensatz zu Antiqua-Schriften nicht über diagonalen Linien und ähnliche Elemente verfügen, die große Weißräume innerhalb der Buchstabenformen erzeugen. Doch die hierzulande am meisten verwendeten Antiqua- und Groteskschriften benötigen in aller Regel Kerningpaare. 
    Ob Schriftanwender hier eingreifen müsst, hängt jedoch auch von der Schriftgröße ab. Während das in den Schriften enthaltene Kerning stets aktiviert sein sollte, ist eine manuelle Nacharbeit in Leseschriftgraden in der Regel nicht notwendig oder sinnvoll. Umso größer die Schrift jedoch dargestellt wird, umso mehr fallen Kerningprobleme ins Auge. Bei Überschriften kann der Schriftanwender daher gegebenenfalls nacharbeiten und bei einzelnen Schriftzügen wie zum Beispiel Logos ist manuelles Kerning meist unabdingbar. 
    Übrigens steht das Kerning auch mit der Laufweite in Verbindung. Umso enger die Buchstabenformen stehen, umso deutlicher fallen Unterschiede der Weißräume und Buchstabenabstände auf. Umso größer die Laufweite ist, umso geringer der Bedarf nach Kerning. 
    Wie man den Weißraum zwischen Buchstaben beurteilt
    Beim Kerning werden die Weißräume ausgeglichen, die sich direkt zwischen benachbarten Buchstaben aufspannen. Daher müssen Schriftanwender lernen, die Größe dieser Weißräume entsprechend visuell einschätzen zu können. Dies erfordert etwas Übung und ist wegen der Komplexität der Zeichenformen auch nicht völlig objektiv. Nicht selten sind auch Kompromisse nötig, da verschiedene Ziele miteinander kollidieren können – etwa der Ausgleich der Weißräume mit der Erhaltung der Leserlichkeit der einzelnen Buchstaben durch hinreichende Separation von den umgebenen Buchstaben. 
    Als einfach Grundregeln kann man jedoch festhalten:
    Treffen zwei Stämme an der Buchstabengrenze aufeinander, ist der größte Buchstabenabstand erforderlich. Trifft ein Stamm auf eine Rundung, kann der Abstand verkleinert werden, da sich der Weißraum nun auch auf den Bereich über und unter der Rundung erstreckt.  Und treffen zwei Rundungen aufeinander, ist der ideale Buchstabenabstand besonders gering. 

    Gleichmäßiger Weißraum durch unterschiedliche Buchstabenabstände
     
    Besondere Beachtung benötigen Buchstaben der lateinischen Schrift, die Diagonalen enthalten (A, V, W, Y, K, X, y, v, w) bzw. ein eher kopf- oder fußlastiges Buchstabenskelett besitzen (zum Beispiel T, L, F, P, r). Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese Zeichen nicht nur in Kombination mit anderen Buchstaben manuelles Kerning erfordern können. Auch in Kombination mit Satzzeichen oder Wortabständen kann Kerning erforderlich sein. 


    Schließen die Buchstaben links und rechts der Buchstabengrenzen mit klar begrenzten Stämmen oder Rundungen ab, lässt sich die Größe des zwischen den Buchstaben entstehenden Weißraums relativ einfach einschätzen. Schwieriger wird es, wenn die Weißräume in die Buchstabenformen selbst fließen, wie man bei folgender Abbildung sehen kann: 

    Die Abstände im Wort »from« lassen sich recht gut einschätzen, doch die Flächen, die zwischen den Buchstaben E + a und e + s in »Eames« gebildet werden, sind um ein vielfaches größer als die restlichen Weißräume. Wir können dies weder ignorieren, noch die Buchstaben so ineinander schieben, dass diese großen Fläche auf das Maß der restlichen Weißräume reduziert werden. Die Lösung liegt vielmehr darin, diesen Weißraum entsprechend gewichtet einzuschätzen. Umso weiter der Weißraum in die Buchstaben ragt, umso mehr können wir ihn ignorieren, was in der Darstellung als Verlauf visualisiert ist. 
    Der Kerning-Prozess
    Um das Kerning für ein Wort zu setzen, kann man letzteres einfach von dessen Anfang zum Ende in Buchstaben-Dreiergruppen durchschreiten. So betrachtet man also stets zwei Weißräume im Vergleich und kann die Größe des linken Weißraumes als Muster auf den rechten übertragen. 

    Dabei können sich jedoch auch Folgefehler einschleichen und die generelle Laufweite kann sich unnötigerweise ändern. Eine alternative Methode besteht daher darin, sich von den Extremen her anzunähern. Man betrachtet also das gesamte Wort bzw. die gesamte Wortgruppe und sucht nach den Weißräumen, die als besonders groß oder besonders klein herausstechen. Diese werden dann an die durchschnittliche Größe der Weißräume angepasst. Im Anschluss beginnt der Prozess von vorn. Welche Weißräume stechen nun noch hervor? Man wiederholt den Prozess, bis der gesamte Text ausgeglichen ist. 
    Kompromisse und Ausnahmen
    Der Kerning-Prozess ist immer ein gestalterisches Abwägen, keine exakte Wissenschaft. So muss zum Beispiel oft entschieden werden, ob sich Buchstabenformen berühren dürfen oder nicht.  Dazu zwei Beispiele:

    Das hier gezeigte Wort (erste Zeile) benötigt zwingend Kerning, da es sonst ungewollt optisch in die Teile P–AR–TY zerfällt. Doch auch nach der Optimierung der Abstände (zweite Zeile) sind die Räume nicht vollkommen ausgeglichen. Der Weißraum zwischen T und Y ist deutlich größer als die anderen Weißräume. Eine Vergrößerung aller anderen Weißräume auf diese Größe ist denkbar, aber womöglich gestalterisch nicht gewollt. Eine Berührung von T und Y bietet sich in dieser Schrift mit Serifen jedoch auch nicht an. Die abweichenden Weißräume sind also akzeptabel, solange das Kerning das optische Auseinanderfallen des Wortes erfolgreich verhindert.
    In anderen Fällen nimmt man die Berührung aber womöglich lieber in Kauf, wie in folgendem Beispiel zu sehen ist:

    Die Buchstaben w und y reißen eine so große Lücke (zweite Zeile), dass die Überlagerung der Buchstaben (erste Zeile) womöglich das kleinere Übel darstellt. Denn die Leserlichkeit der Buchstaben bleibt dennoch gewährleistet. Dies hängt jedoch von den konkreten Buchstaben ab. Nicht akzeptabel wäre diese Maßnahme zum Beispiel für die Buchstabenkombination r und n, die dann zu einem m werden würde. 
    Schaut man sich professionelle Schriften an, zeigen sich interessante Abweichungen von den bisher besprochenen Grundprinzipien. So werden zum Beispiel Buchstabenabstände zwischen Großbuchstaben und anderen Zeichen zwar angepasst, jedoch nicht so stark wie man es womöglich erwarten würde. 

    Die Abstände zwischen W + e und Y und dem Punkt könnten noch deutlich geringer sein. Der Schriftgestalter hat dies jedoch nicht so im Font hinterlegt (zweite Zeile). Dafür gibt es zwei mögliche Gründe: Erstens können Großbuchstaben grundsätzlich etwas mehr Fleisch besitzen, da sie nicht nur in gemischter Schreibweise, sondern auch im Versalsatz benutzt werden können, wo sich größere Buchstabenabstände anbieten. Zweitens ist der größere Abstand näher an der Leseerfahrung, die durch Jahrhunderte des Buchdrucks geprägt wurde. Eine zu starke Unterschneidung bei digitalen Schriften kann daher womöglich ungewohnt und falsch wirken, insbesondere bei einer eher traditionellen Leseschrift. 
    Zusammenfassung
    Laufweite und Kerning sind gleichsam Parameter des Schriftsatzes, die die Abstände zwischen Buchstaben durch Änderung der Buchstabenbreiten beeinflussen. Standardmäßig reiht ein Textsatzprogramm Schriftkegel neben Schriftkegel. Der Startpunkt für zum Beispiel den zweiten Buchstaben eines Wortes entspricht also exakt der Breite des Schriftkegels des ersten Buchstabens. Laufweite und Kerning können diese Breite jedoch modifizieren und damit auch den Startpunkt folgender Buchstaben verschieben. Laufweitenänderungen werden in der Regel auf ganze Wörter, Wortgruppen oder Absätze angewendet. Kerning-Anpassungen dienen dagegen der Anpassung der Abstände und Weißräume zwischen einzelnen Buchstabenpaaren. Sind beide Parameter gesetzt, addieren sich die Einstellungen entsprechend. Hat also zum Beispiel ein Buchstabe eine Breite von 500 Einheiten eines Gevierts und die Laufweite ist auf 200 gesetzt, würde der linke Startpunkt des nachfolgenden Buchstabens bei 700 Einheiten liegen. Ist jedoch für diese Buchstaben ein Kerning-Paar mit dem Wert –50 gesetzt, würde sich die Breite des ersten Buchstaben nun auf 650 Einheiten ändern. 
    Codename Tsunami: I Love Typography startet als Schrifthändler durch
    Schrifthersteller gibt es viele und es werden immer mehr. Doch die größten Verkaufskanäle wurden nach und nach von einem einzigen Anbieter übernommen – Monotype. Dem kann man nur entgegentreten, wenn man ebenfalls groß denkt. Ein neuer Shop möchte Monotype nun Paroli bieten. Dazu wurde der beliebte Typografie-Blog »I Love Typography« in den letzten Monaten unter dem Codename »Tsunami« in einen Webshop umgewandelt. Neben John Boardley, dem Gründer des Blogs, stehen auch Nadine Chahine und Julia Hiles hinter dem neuen Projekt.  

    Der Shop startet zunächst mit circa 600 Schriftfamilien von 40 Schriftanbietern. Die meisten Schriften lassen sich auch anderweitig beziehen, aber auch exklusive Schriften soll es auf I Love Typography geben. Und eine ganze Reihe von Schriften werden erstmals mit dem Start des I-Love-Typography-Shops verfügbar. 
    Erfahrene Schriftanwender können sich übrigens über die CEDARS+ genannte Funktion Schriften nach unzähligen Charaktereigenschaften anzeigen lassen. 
    ☞ https://fonts.ilovetypography.com
    Für Einsteiger: Sonderzeichen an Apple-Geräten eingeben
    Die Tastaturbelegung von Computern basiert auch heute noch auf dem beschränkten Layout von Schreibmaschinen und Telegrafie-Geräten, die nie für den Satz typografisch ansprechender Texte gedacht waren. So sind zum Beispiel Apostroph und Anführungszeichnen nach wie vor nicht in der aufgedruckten Belegung einer Computertastatur zu finden. Wer Texte typografisch korrekt und ansprechend setzen will, muss also andere Wege finden, als lediglich Tasten direkt oder unter Zuhilfenahme der Umschalttaste zu drücken. Dieser Artikel gibt Ein- und Umsteigern einen Überblick über alle entsprechenden Möglichkeiten an Apple-Geräten. Der Begriff »Sonderzeichen« im Titel ist dabei bewusst weit gefasst und meint alle Zeichen, die nicht direkt auf einer Tastatur sichtbar sind. 
    1.) Tastaturkürzel der zusätzlichen Tastaturbelegungsebenen lernen
    Frühe Computersysteme waren oft auf den ASCII-Standard mit nur 128 Zeichen (7 Bit) beschränkt. Heute können wir mit Unicode in einem Dokument auf über 100.000 Zeichen gleichzeitig zugreifen. Zwischen diesen beiden Systemen liegt die Phase der 8-Bit-Zeichensätze, die in den 1980er-Jahren dominant war, als Computer erstmals weltweit Büros sowie Wohn- und Kinderzimmer eroberten. Dies ist heute insofern noch relevant, da diese 8-Bit-Zeichenkodierungen bis heute direkt über die Tastatur ansprechbar sind. Unter Windows gibt es dazu die vierstelligen »ALT-Codes«. Unter Mac OS wurden alle Zeichen auf vier Tastaturebenen verteilt:
    direkter Tastenanschlag einer alphanumerischen Taste Umschalttaste (⇧) + alphanumerische Taste Wahltaste (⎇) + alphanumerische Taste Umschalttaste (⇧) + Wahltaste (⎇) + alphanumerische Taste Die Belegung ist abhängig von der eingestellten Sprache und lässt sich über das Hilfsprogramm »Tastaturübersicht« anzeigen. Man kann sich letzteres zum leichteren Zugriff in die Menüleiste legen:
    Systemsteuerung öffnen »Tastatur« wählen Reiter »Eingabequellen« öffnen Einen Haken bei »Eingabequellen in der Menüleiste anzeigen« setzen Ruft man die Tastaturübersicht dann über das Menu auf, zeigt sich folgendes Fenster:

    Beim Betätigen der Umschalttaste, Wahltaste oder beider Tasten zusammen wird die Belegung der zusätzlichen Tastaturebenen angezeigt. Insbesondere die Kürzel für Interpunktionszeichen sollten professionelle Schriftanwender auswendig können und über die Tastaturübersicht lassen sie sich leicht lernen. Das Programm lässt sich übrigens auch minimieren, so dass es als kleines schwebendes Fenster ständig leicht erreichbar bleibt. 



     Bei den orange markierten Tasten handelt es sich um sogenannte Tottasten, die diakritische Zeichen (zum Beispiel Akzente) mit Grundbuchstaben kombinieren, sofern das entsprechende Zeichen in der Zeichenbelegung vorhanden ist. Die Eingabe beginnt hierbei mit der Tottaste und im Anschluss wartet das System auf das Eintippen eines passenden Grundbuchstabens. 

    2.) Sonderzeichen durch »Drücken und Halten« ansprechen
    Als Alternative zu Tastaturkürzeln können Sonderzeichen unter Mac OS, iOS und iPad OS auch durch eine Drücken-und-Halten-Funktion angesprochen werden. Damit lassen sich insbesondere Buchstaben mit diakritische Zeichen ansprechen. Drückt man beispielsweise die Taste »a« bei einer westeuropäischen Zeichenbelegung werden die Optionen ä, à, á, â, æ, ã, å und ā angezeigt. Die Auswahl erfolgt durch das Tippen der Zahl unter dem gewünschten Buchstaben. 

    Zu beachten ist, dass der Zeichenumfang bei dieser Methode auch nicht größer ist, als bei oben erklärten Tastaturkürzeln. Eine westeuropäische Belegung zeigt entsprechend zum Beispiel französische und skandinavische Akzentbuchstaben, nicht aber osteuropäische. 
    Außerdem ist die Umsetzung unter Mac OS und iOS/iPad OS unterschiedlich. Unter Mac OS lassen sich nur Buchstaben ansprechen. In den mobilen Betriebssystemen von Apple können auch Interpunktionszeichen, Währungszeichen usw. angesprochen werden. Dies ist hier auch nötig, da die virtuelle Tastatur über noch weniger »Tasten« verfügt. 
    Leider muss man bei einigen Zeichen wirklich sehr genau hinschauen, da bei Apples aktuellem Systemfont etwa die Unterscheidbarkeit von zum Beispiel Anführungszeichen nicht sonderlich ausgeprägt ist. 

    Über ‘Drücken und Halten’ lassen sich unter iOS Währungszeichen, Anführungszeichen, Apostroph usw. ansprechen
    3.) Die Zeichenübersicht benutzen
    Mac OS kommt von Hause aus mit einer hervorragenden, systemweit nutzbaren Zeichenpalette. Sie ist jederzeit über das Tastaturkürzel Control + Befehl (⌘) + Leertaste aufrufbar. Wurden (wie unter Punkt 1 erklärt) die Eingabequellen in der Menüleiste aktiviert, ist die Zeichenübersicht alternativ auch über die Menüleiste ansprechbar. 
    Die Zeichenübersicht kann in einer einfachen und einer erweiterten Ansicht benutzt werden. Die Umschaltung erfolgt durch einen Klick auf das Icon in der rechten oberen Ecke. 

    In der erweiterten Ansicht kann man die gelisteten Kategorien nach eigenem Bedarf selbst konfigurieren und damit letztlich auf den gesamten Unicode-Bestand kodierter Zeichen zugreifen. Über das Suchfeld kann auch nach Zeichen gesucht werden. So können mit Stichwörtern Emoji gefunden werden und auch die Eingabe von Unicode-Werten ist möglich. Das große Eszett ist so zum Beispiel über die Suche nach »1E9E« aufzufinden. 
    Hat man ein Zeichen ausgewählt, wird in der rechten Seitenleiste angezeigt, welche installierten Fonts dieses Zeichen unterstützen und wie das Zeichen in diesen Fonts aussieht. Gerade bei selten unterstützten Zeichen eine enorm hilfreiche Funktion!
    Hat man das gewünschte Zeichen gefunden und in der aktiven Anwendung ein Textfeld offen, reicht ein Doppelklick, um das Zeichen in die aktuelle Anwendung einzufügen. Alternativ kann das Zeichen auch direkt aus der Zeichenübersicht herausgezogen werden. 

    In den mobilen Betriebssystemen von Apple ist die Zeichenübersicht zwar ebenfalls enthalten, allerdings auf Emoji beschränkt. 
    4.) Textersetzung für Sonderzeichen benutzen
    Apple hat seine Betriebssyteme mit einer Textersetzungsfunktion ausgestattet, die eigentlich vornehmlich für Phrasen gedacht ist. So kann zum Beispiel die Eingabe von »MFG« automatisch in »mit freundlichen Grüßen« umgewandelt werden. Doch die Funktion eignet sich auch hervorragend, um regelmäßig benutzte Sonderzeichen durch bloßes Tippen und damit schnell und auf einfache Weise anzusprechen. 
    Auch synchronisiert Apple die Textersetzungen automatisch über einen iCloud-Account. So stehen einem Mac-Nutzer die unter Mac OS konfigurierten Ersetzungen auch automatisch auf dem eigenen iPhone oder iPad zur Verfügung. 
    Hier werden die Textersetzungen unter Mac OS konfiguriert:
    Systemeinstellungen öffnen »Tastatur« wählen Zum Reiter »Text« wechseln Unter iOS erfolgt die Konfiguration unter: 
    Einstellungen → Allgemein → Tastatur → Textersetzung

    Wie in obigem Beispiel zu sehen, empfiehlt es sich, einen eigenen Präfix zu wählen, den man den eigenen Codes voranstellt. Damit kann man sicherstellen, dass die Ersetzungen nicht ungewollt erfolgen. 
     
    Eine detaillierte Vorstellung der Funktion gibt es auch in diesem YouTube-Video. 
     
    Buchvorstellung: Schrifttypen, Verstehen Kombinieren
    Im Schweizer Birkhäuser Verlag ist ein umfangreiches Buch zum Thema Schriftmischung erschienen. Der Autor Philipp Stamm ist gelernter Schriftsetzer und Professor für Schriftgestaltung, Typografie, Corporate Design an der Fachhochschule Nordwestschweiz. 
    Aus dem Klappentext: »Dieses Handbuch zeigt, dass sich für das Mischen von Schriften Kriterien bestimmen lassen. Es vermittelt durch das detaillierte Betrachten der Schriftgestalt und eine erneuerte Schriftklassifikation ein vertieftes Verständnis für die Vielfalt an Schriftformen und erarbeitet durch die systematische Analyse von Analogie und Kontrast die dringend benötigten Erkenntnisse zum Kombinieren von Schriften. Ein unverzichtbares Standardwerk für Typografen und Grafikdesigner.« 
     


     
    Bevor das 360-seitige Buch die Kriterien der Schriftmischung tatsächlich angeht, stehen ganze fünf Kapital Einführung mit Grundlagen und Begriffserklärungen.
    »Historische Betrachtungen« mit einem Abriss zum Schrifteinsatz mit besonderem Hinblick auf Schriftmischungen »Grundformen | Maßsyteme« mit Begriffserklärungen wie Geviert, Laufweite, Schriftgröße usw.  Satzschriftklassifikationen einschließlich eines eigenen Systems und »Schriftkonzepte«, d.h. Erklärungen zu Schriftfamilien bzw. digitalen Ausprägungen wie Variable Fonts  
    Die restlichen drei Kapital gehen dann die Schriftmischung direkt und ausführlich an. In Kapital sechs werden auf knapp 50 Seiten die möglichen Kriterien der Schriftgestaltung bis ins kleinste Detail hin ausgelotet. Dies ist in dieser Ausprägung wohl einzigartig. Strichstärke, Kontrast, Schriftlage, Duktus, Kehlung, Effekte, Füllungen, Farbe und so weiter. Vierzehn Gestaltmerkmale (zuzüglich Untergruppen) werden hier behandelt. 


    In Kapitel sieben folgt dann eine konkrete und praxisnahe Anleitung zur Anwendung der vorgenannten Kriterien bei der Schriftwahl. Den Abschluss des Buches bilden über 100 Seiten mit Schriftmischungs-Beispielen. 
     



     
    Fazit: Nach Jahren des Rezensieren von Typografie-Büchern freue mich über jedes Buch, das tatsächliche eine eigene Nische besetzt und nicht nur die fachüblichen Lehre neu verpackt. Das vorliegende geht mit dem Thema Schriftmischung ein eigenes Thema an und tut dies auch auf eine ungemein detailreiche Weise. Das Werk gibt sich dabei in jeder Hinsicht als schnörkelloses, echtes Fachbuch. Text und Gestaltung versuchen gar nicht erst, Laien und Quereinsteiger mit bunten Bildern und möglichst einfachen Texten abzuholen. Das Buch eignet sich für Fachleute und jene, die es werden wollen. 
    Daten zum Buch:
     Schrifttypen, Verstehen Kombinieren. Schriftmischung als Reiz der Typografie Autor: Philipp Stamm veröffentlicht: 2020 Verlag: Birkhäuser Sprache: deutsch Seiten: 360 ISBN: 9783035611137 Preis: 49,95 € Art: Hardcover bei Amazon aufrufen (Partnerlink)
    Jetzt auf Kickstarter: Deutschmeister Revival & Color Font Project
    Nach der erfolgreichen Kampagne zur Digitalisierung der Wiking-Schrift im letzten Jahr, folgt nun ein noch ambitionierteres Projekt. Dieses Mal geht es um die Deutschmeister-Schriftfamilie.

    Ursprünglich 1927 in einem einzelnen fetten Schnitt erschienen, kamen in den 1930er-Jahren drei weiter gotische Schnitte (mager, halbfett, schmalhalbfett) hinzu. Über eine Kickstarter-Kampagne soll nun der Entwurf von 1927 und der schmalfette Schnitt von 1934 bestmöglich digitalisiert und ausgebaut werden. Bei erfolgreicher Kickstarter-Finanzierung bis 22. März 2021 können die hochwertigen Digitalisierungen dabei gänzlich kostenfrei unter der Open Font License angeboten werden. 

     
    Die beiden Schnitte werden von den Original-Lettern der Schriftgießerei in Blei bzw. Holz digitalisiert. Der Zeichenumfang wird mindestens auf eine komplette westeuropäische Belegung erweitert. Und wie bei früheren Digitalisierungen von gebrochenen Schriften durch FDI Type würde es auch für die »FDI Deutschmeister« alternative Glyphen für alle Buchstaben geben, deren Skelett zu stark von den Antiqua-Lesekonventionen abweicht. Anwender der Schriften haben dann die Wahl, ob sie die Schrift mit den originalgetreuen historischen Formen und mit klassischen Fraktursatzregeln (einschließlich langem s und Fraktursatz-Ligaturen) setzen oder bestmöglich lesbar für ein größeres oder gar internationales Publikum. 


    Entstehen sollen also letztlich vier Schnitte im OpenType-Format, die alle unter der liberalen OFL-Lizenz für jegliche Zwecke kostenlos einsetzbar wären. 
     Deutschmeister Fraktur A – das Design von 1927  Deutschmeister Fraktur B  – das Design von 1927 in einer modernisierten Version  Deutschmeister Gotisch A  – das Design des schmalfetten Schnitts von 1934  Deutschmeister Gotisch B  – das Design des schmalfetten Schnitts von 1934 in einer modernisierten Version
     
    Doch das Projekt beinhaltet sogar noch mehr als die vier gerade genannten Schnitte. In den letzten Jahren hat die Entwicklung von farbigen Fonts wieder an Fahrt aufgenommen. Neben Entwicklungen von Apple und Microsoft, die insbesondere zur Darstellung von Emoji genutzt werden, gibt es mit OpenType-SVG mittlerweile auch eine standardisierte und herstellerübergreifend nutzbare Lösung, die in immer mehr Anwendungen unterstützt wird – im Designbereich zum Beispiel in den entsprechenden Anwendungen von Adobe, in QuarkXPress, Sketch und Affinity Designer. OpenType-SVG-Schriften können dabei sowohl Vektor- und Bitmap-Darstellungen enthalten. 

    Diese neue Technik soll auch für das hier besprochene Projekt Anwendung finden. Die Blei- und Holzlettern der oben gezeigten Schriften sollen als fotografische Repräsentation in zwei OpenType-Fonts nutzbar gemacht werden, sodass man am Computer mit ihnen arbeiten kann, als hätte man Zugriff auf die Originallettern. Mehrfach vorhandene Buchstaben werden dabei auch mehrfach digitalisiert, sodass die entstehende digitale Darstellung ganz nah an einem echten Buchdruck-Layout ist. 

    Die Kampagne zum Digitalisierungsprojekt der Deutschmeister-Schriften läuft noch bis zum 22. März 2021 auf Kickstarter. Nur wenn die gesamte Finanzierungssumme erreicht wird, werden die Förderer entsprechend belastet und das Projekt umgesetzt. 
    Projekt bei Kickstarter aufrufen
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