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Zur Typographie im Reprint von Aichers "typographie&amp

Hervorgehobene Antworten

Hallo mit´nander, ich brauch Beistand:

Hab gestern freudig in der FH einen 2005-Reprint des bekannten Typowerkes entdeckt, abgeschleppt und reingestöbert, nun bis ich - gelinde gesagt - zutiefst irritiert:

Die Typo im Fließtest ist rotis semi sans, optisch halbfett, ohne Versalien; ihr werdet das ja wissen (habt´s wohl alle im Regal), ist eh alles andere als lesefreundlich in seiner leicht gesperrt wirkenden Anmutung.

Nun entdecke ich, auf verschiedenen Seiten unterschiedlich ausgeprägt, jedoch auch richtig rauhe Buchstaben, sieht aus wie 300dpi-Laser von 1995. Auf manchen Seiten geht das soweit, als wär die Schrift leicht weichgezeichnet und die (Graustufen-)Ränder dann von einem Laser aufgerastert. Richtig leseunfreundlich.

Meine Frage:

Der 2005er Reprint ist "eine fortomechanische Originalreproduktion der 2. Auflage 1989". War dort der Druck auch schon so rauh?? Ne, oder? Ist das also bei der Reproduktion so entstanden? Wenn ja: geht denn sowas nicht besser? Ich mein, da redet Aicher 250 Seiten lang von optimaler Lesbarkeit und ich muss mich Seite um Seite abkämpfen mit a. halbfetten rotis-Minuskeln und b. technisch unzureichender Wiedergabe.

Bin gespannt, wär natürlich toll, wenn jemand beide Ausgaben schon verglichen hätte.

grüssle, Steff

Ich habe die Neuauflage nur im Buchladen durchgeblättert – mein flüchtiger Eindruck war auch: Ja, die Erstausgabe war prägnanter und schärfer gedruckt. Nachgeprüft habe ichs aber auch nicht – mir macht die Schrift ohnehin Kopfschmerzen.

Vielleicht erzeugt das Rotis-Bashing von HPW ja tatsächlich eine Art von Placebo-Effekt… Im Ernst: Bei längeren Texten habe ich sehr Mühe mit der Schrift.

Mir liegt es fern, diese Type zu verteidigen, aber daß das Geschimpfe inzwischen zum guten Typografen-Ton gehört, nervt dann doch „ein wenig“.

Fühle Dich bitte nicht angesprochen, Deine Theorie klingt auch recht einleuchtend. Ich denke da eher an Leute, die die Rotis gerade erst von der Arial zu unterscheiden gelernt haben, aber schon wie die Großen schimpfen.

Nur so schnell angedacht: Wenn Schriftgestalter eine Schrift nicht nur als Kommunikationsmedium, sondern als Teil eines größeren ästhetischen – oder gar lebensphilosophischen – Projekts sehen, wie das bei der Rotis der Fall ist, besteht die Gefahr, dass die theoretischen Konzeptionen der Praxistauglichkeit davonlaufen. Mit anderen Worten: Die Beschreibung Aichers leuchtet mir größtenteils ein, in der Praxis hält die Schrift jedoch längst nicht das, was sie theoriegemäß sollte.

Ähnlich ging es mir bei einigen Schriften – besser: Schrift-Einsätzen – der ‹Schweizer Schule› (Emil Ruder u. a.). Auch dort ist Schrift nur Teil eines größeren ästhetischen Projekts, funktioniert aber bei längeren Texten nicht so gut, wie es die Theorie behauptet.

Bei Frutiger hingegen ‹stimmt› meist Theorie und Praxis überein – trotz seiner je länger, je anthroposophisch-esoterischeren Kontextualisierungen…

  • Ersteller

Hallo,

sorry, dass ich mich nicht mehr gerührt habe: ich hab bei Aufräumarbeiten zum Jahresende die (spamverseuchte) Mailadresse entsorgt, unter der mir hier immer vermeldet wurde, dass ein Post eingetroffen ist (also von hier kam nie Spam, damit das klar ist :) )

Nun, mein Ansinnen wars auch gar nicht, wieder eine Rotis-Diskussion zu entfachen. Ich persönlich find sie genial für Headlines und problematisch in Lesetexten, aber das tut nichts zur Sache. Was mich erstaunt, ist einfach die unbefriedigende technische Reproduktion dieses Buches. Und ich hätt gern abgeschätzt, worauf das zurückzuführen ist: bereits auf die Erstausgabe, die ich nie in der Hand hatte oder erst auf die Repro. In einem (so teuren) Buch mit 1A-Papier vom (wunderbaren) Schmidt-Verlag hätt ich das nicht erwartet, ich wär bei Kauf arg enttäuscht: bei solchen Büchern zahl ich persönlich nicht nur für Sachinformation, sondern auch für einen typographischen Augenschmaus. Wie lang war ich an der "Lesetypographie" von HPW gesessen: nicht, dass ich in den nächsten 5 Jahren ein Buch zu setzen gedenke, aber es ist nicht nur informativ, sondern auch schön und schult das Auge.

Dank euch für eure Antworten,

grüssle, Steff

Was mich erstaunt, ist einfach die unbefriedigende technische Reproduktion dieses Buches. Und ich hätt gern abgeschätzt, worauf das zurückzuführen ist: bereits auf die Erstausgabe, die ich nie in der Hand hatte oder erst auf die Repro.

Die Originalauflage aus unserer Bibliothek ist technisch einwandfrei.

In einem (so teuren) Buch mit 1A-Papier vom (wunderbaren) Schmidt-Verlag hätt ich das nicht erwartet, ich wär bei Kauf arg enttäuscht: bei solchen Büchern zahl ich persönlich nicht nur für Sachinformation, sondern auch für einen typographischen Augenschmaus.

Ich habe den Reprint leider noch nicht gesehen, denke mir aber wenn es besser ginge hätte der Verlag das gemacht (so wie ich Schmidt kenne).

Schade ist es trotzdem, ich werde mir das Buch wohl in der Buchhandlung erst ansehen müssen bevor ich es kaufe.

  • Ersteller

einfach nur nochmal als Veranschaulichung:

das ist ein 6oodpi-Scan aus dem neu gesetzten Impressum:

aicher_neusatz.jpg

Das dagegen ist (mit identischen Scan- und Speicherparametern) aus dem reproduzierten Teil:

aicher_repro.jpg

Das wirkt mit bloßem Auge nicht sooo dramatisch, aber eben schlecht gedruckt.

Reprint wurde schon oft kritisiert und abgewatscht. Es ist eigentlich was für die Tonne und dem Schmidt-Verlag unwürdig. Ich denke, da immer wieder nach diesem Klassiker gefragt wurde, hat man sich zum Reprint entschlossen; vielleicht wollten die Aicher-Erben auch einfach nur das schnelle Geld machen. Man hätte aber besser daran getan, das gesamte Buch völlig neu zu setzen; Polen ist nicht so weit wie China - wenn es nur am Geld liegen sollte - und fast genauso billig :?

Seinerzeit war das Aicherbuch ein Klassiker und hat sehr viel Staub aufgewirbelt. Okay, man sollte es nicht kritiklos und ungefragt übernehmen; wohl aber kennen, denn Aicher hat durchaus etwas zu sagen! Und auch ich kann mir vorstellen, daß der Absolut-Ästhet Otl Aicher sich im Grabe herumdrehen würde, wüßte er um dieses Reprint. Es gehört eigentlich verboten, denn es erweist Aicher einen Bärendienst...

[preusss]

Es ist eigentlich was für die Tonne und dem Schmidt-Verlag unwürdig.

Und auch ich kann mir vorstellen, daß der Absolut-Ästhet Otl Aicher sich im Grabe herumdrehen würde, wüßte er um dieses Reprint. Es gehört eigentlich verboten, denn es erweist Aicher einen Bärendienst...

[preusss]

Ich denke dass diese Diskussion bei Schmidt sicher geführt wurde. Man müsste die Argumente und Schlüsse aus dieser Diskussion kennen, vielleicht wäre es dann nachvollziehbarer, warum man sich schlussendlich dafür entschieden hat.

Man müsste die Argumente und Schlüsse aus dieser Diskussion kennen, vielleicht wäre es dann nachvollziehbarer, warum man sich schlussendlich dafür entschieden hat.

Naja.

Wenn schon so ein Scheiß bei rauskommt, man sich dessen bewußt ist und es Gründe dafür gibt, sollte man die Rechtfertigung besser gleich ins Vorwort schreiben.

Und wenn es tatsächlich so sehr nachgefragt wird/wurde, dann hätte sich ein Nachsetzen sicher auch gelohnt. Wirklich sehr schade, da fährt man ja besser, wenn man sich die Originalausgabe bei eBay oder im Antiquariat kauft …

::]… da fährt man ja besser, wenn man sich die Originalausgabe bei eBay oder im Antiquariat kauft …
Erst einmal das Original finden! Ist gar nicht so leicht!
  • 1 Monat später...

Hallo liebe Forenmitglieder,

für einen Kunden benötige ich die Schriftart Rotis Semi Sans (65 bold) :( .

Ich bin in der Stempelerstellung tätig. Es handelt sich um einen Ministempel (zwei Zeilen), der den Kauf der Schriftart für mich nicht rechtfertigt.

Nun meine Frage: Gibt es eine vergleichbare kostenlose Schriftart?

Oder gibt es die Schriftart doch als Freeware, da schon sehr alt?

Vielen Dank in voraus an die Profis :D

für einen Kunden benötige ich die Schriftart Rotis Semi Sans (65 bold)

Was hat das jetzt mit Aichers Buch zu tun?

Wenn der Kunde dermaßen genaue Vorstellungen von der einzig richtigen Schriftart hat, warum sollte ihm das dann keine 22 Euro wert sein?

Oder ihr macht 50/50, er zahlt 11, du legst 11 dazu und hast nachher die Schrift, vielleicht brauchst du sie ja nochmal.

Ratlos, Georg

Danke erst einmal. Vielleicht ist eine ähnliche Schriftart dem Kunden genehm. Er zahlt auf keinen Fall 22,00 Euro für eine (oftmals kritisierte) Schriftart. Der Stempel wird von dem Kunden weitergegeben, nutzt ihn nicht selbst (etwas kompliziert :evil: )

Sicherlich hat meine Anfrage nichts mit Aichers Buch zu tun. Ich wollte nur nicht extra einen neuen Threat eröffnen und dachte: Nette Leute hier, stell mal eine Frage...

ThanX

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