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Ligaturen und Abkürzungen in der Renaissance

Hervorgehobene Antworten

Weil wirs doch eben von kryptischen Abkürzungen und wunderschönen Ligaturen in Renaissance-Büchern hatten: Ich durfte heute (leider nur ca. 5 Minuten lang) in einem medizinischen Werk von 1543 blättern. Ah. Mir ging das Herz auf. Anbei ein paar feine Bilder.

Wieso wirkt ein solcher 465 Jahre alter Druck wohl für uns heute immer noch so – schön, so »richtig« in Bezug auf die Proportionen, die Winkel, den Rhythmus? Sind wir der Renaissance noch immer so nahe, dem Mittelalter so fern?

(Noch ein paar Fotos davon gibts auf meinem Blog, Ende schamlose Eigenwerbung.)

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Das verrückteste daran ist ja: Wenn hier jemand eine solche Schrift wie obige Kursive als Projekt vorstellen würde, gäbe es Kritikpunkte zuhauf. Die unterschiedliche Neigung einiger Gemeiner (i, b, l usw.), das »übertriebene« A, die unterschiedliche Gewichtung des ? in ?i und ?t — da würde sicherlich der eine oder andere College den dringenden Rat geben, das ganze noch einmal gründlich zu überarbeiten.

Und trotzdem »funktioniert« es in der Gesamtheit so ausnehmend beeindruckend. Liegt das nun nur an der historischen Distanz?

In meinen Augen spielt die »Umgebung« mit. Diese Bücher sind ja in unserem heutigen Sinne viel weniger »perfekt«. Oft ist das Papier recht grob mit vielen Einschlüssen, der Druck nicht eben der sauberste, die Einbandtechnik macht es nicht möglich das Buch »richtig« aufzuschlagen, geschweige denn daß sich jemand um die Laufrichtung des Papiers gekümmert hätte (falls es überhaupt eine gab).

Ich habe den Verdacht, daß im Zusammenspiel dieser »lebendigen Faktoren« eine Menge Charme verborgen ist.

Ich würde auch sagen dass da oft die "Wärme" der Ungenauigkeit mitschwingt. Kombiniert mit der versuchten Exaktheit ergibt das ein sauberes Bild, das aber nicht überzeichnet wirkt.

Der heutige Offset-Druck ist einfach nix... :x

Dann kommt eventuell noch dazu, dass auch hier minimal verschiedene Breiten für das gleiche Zeichen verwendet wurden, wie es auch Gutenberg gemacht hat. So lässt sich natürlich wunderschöner Blocksatz erreichen. Digital geht das fast nicht, bzw. auch nur mit mühsamer Handarbeit (und einer Schrift die es so momentan wohl nicht gibt - MultipleMaster auf Anwendungsebene mal ausgenommen?).

… geschweige denn daß sich jemand um die Laufrichtung des Papiers gekümmert hätte (falls es überhaupt eine gab).

Nein, eine Laufrichtung gibt es erst seit der Papiermaschine.

@ BuchStabe und Sebastian Nagel:

Martin Z. Schröder umschreibt eure doch ähnlichen Unperfektions-Beobachtungen (hkmmm!) in seinem Druckery Blog (Eintrag vom 15. August 2008) auch recht schön (ungefähr ab Artikelmitte) …

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