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Regeln zu kursiven Ausnahmen

Hervorgehobene Antworten

Mir ist aufgefallen, dass in der Schriftgestaltung offenbar unterschiedlich damit umgegangen wird, ob nun wirklich alle Zeichen eines Kursivschnittes die Schräglage mitmachen, oder ob bestimmte Kandidaten aufrecht bleiben. Oft werden Zeichen aus dem mathematischen Kontext aufrecht behalten, manchmal aber nur "|" und seine Kollegen. Ich habe den Eindruck, dass tendenziell ältere Schriften die mathematischen Zeichen aufrecht in der Kursiven stehen haben. Ich könnte mir jetzt vorstellen, dass das vom Bleisatz herrührt.

Oder hat das Gründe, die auch im modernen Schrifteinsatz relevant sind?

Weiß da jemand etwas drüber?

Nur interessehalber: Gibt es überhaupt kursivierte mathematische Zeichen in einem Font? In welchem?

Das kann zwei Gründe haben:

1. Der Schriftgestalter hat für den jeweils angedachten Einsatzzweck seiner Schrift bewusst entschieden, was besser aufrecht bleibt, und was geneigt wird. Ob und wie man Dinge wie Punkte, Pluszeichen, Asteriske, etc. kursivieren soll oder nicht, darüber könnte man natürlich trefflich streiten – jedenfalls gibt es keine festen Regeln dazu ...

2. Schriftentwicklung und -produktion war mal aufwendig (ist es immer noch) und teuer – jedes Zeichen, das man von der Aufrechten in die Kursive 1:1 übernehmen konnte, war eine Ersparnis, und das hat durchaus auch zu Kompromissen geführt, mit denen man leben konnte, auch wenn's nicht optimal war. Speziell aus alten Schriften also einen puren, gestalterischen Masterplan ableiten zu wollen, scheitert oft, da die Rahmenbedingungen (Auftraggeber, Auftragszweck, Materialverfügbarkeit, Konventionen, Know-How, ...) einfach nie einheitlich waren und die Schriftform demnach immer auch davon stark beeinflusst sein konnte.

  • Ersteller

@bertel: Zum Beispiel die "Meta", die "Thesis" oder die "Rotis".

@Sebsatian: Dankeschön!

Es bleibt also dem Typedesigner heute eher eine Geschmacksfrage, ob einem aufrechte Zeichen in der Kursiven ins Schriftbild passen, die vielleicht bei häufigem Einsatz von Formeln und mathematischen Zusammenhängen auch klarer daherkommen können, oder ob man mehr Wert auf den einheitlichen Fluss legt.

Mathematische Zeichen gab es ursprünglich nur gerade. In Formeln haben Gerade und Kursive bestimmte Bedeutungen (gerade z.B. Konstanten-Buchstaben, kursiv Variablen-Buchstaben). Darum gibt es auch keine vollständig kursiven Formeln, denn dann könnte man die Buchstaben ja nicht mehr unterscheiden.

Heute werden, zum Beispiel in der Werbung, ja aber auch gerne mathematische Zeichen in gewöhnlichen Texten benutzt: Firma Hinz + Kunz, Suppe + Würzi = Geschmack!

Eigentlich braucht man kursive Formelzeichen nur für solche ungewöhnlichen Anwendungen. Manche Anbieter halten’s wohl für Unsinn, und lassen sie weg, andere bieten sie an.

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