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Stenografie in Unicode


Mach

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Kürzlich habe ich entdeckt, dass bei Unicode unter Proposed New Characters: Pipeline Table die Duployé-Stenografie für eine Aufnahme in Unicode akzeptiert worden ist! Es ist das erste Stenografie-System, das in Unicode augenommen wird. Die Duployé-Stenografie ist ein geometrisches System, ähnlich wie die Pitman-Stenografie, verwendet aber im Unterschied zu dieser normale Zeichen für die Vokale. Eine genaue Beschreibung des Systems gibt es als PDF unter Proposal to include Duployan script and Shorthand Format Controls in UCS.

Die deutschsprachigen Stenografiesysteme (hauptsächlich die deutsche Einheitskurzschrift in Deutschland und Stolze-Schrey in der Schweiz, ferner Gabelsberger) funktionieren nach einem ganz anderen Prinzip. Ich vermute, ihrer Aufnahme in Unicode stünde nichts im Weg – wenn sich nur jemand die Mühe machen würde, ein Gesuch zu schreiben... :)

Es scheint auch einen Computerfont für das Duployé-System zu geben, allerdings ist er nirgens erhältlich. :( Es wäre interessant, zu sehen, wie die Stenografie-Darstellung gelöst worden ist. Stenografiesysteme gehören wohl zu den allerkomplexesten Schriften, wenn es darum geht, Computerfonts zu erstellen.

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Stenografiesysteme gehören wohl zu den allerkomplexesten Schriften, wenn es darum geht, Computerfonts zu erstellen.

Allerdings, und zwar wegen der Verbindungen der Buchstaben, jedenfalls bei Schreibschrift-Systemen wie der DEK (mit geometrischen Systemen kenne ich mich nicht aus). Es gibt nicht nur weite und enge Verbindungen, die Zeichen werden auch in verschiedenen Höhen (Stufen) geschrieben (siehe bspw. „Beter“ und „Butter“ in dieser Abbildung). Die vielen Zeichen müßten also auch noch in zig Varianten vorliegen, damit die Verbindungen bei allen Zeichen passen. Und wie soll man die Stufen umsetzen? Die Stufen sind im Grunde unbeschränkt, sodaß Lage-Varianten in der Schrift eigentlich nicht ausreichen.

Ehrlich gesagt befremdet mich ziemlich, was alles in Unicode aufgenommen wird. Für solche Spezialfälle wären in meinen Augen Sondercodierungen sinnvoller.

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Die Stufen sind im Grunde unbeschränkt, sodaß Lage-Varianten in der Schrift eigentlich nicht ausreichen.

Das stimmt. Man müsste sich vermutlich aus praktischen Gründen auf vielleicht je fünf Stufen beschränken – jedenfalls in AAT, wo ich mich am besten auskenne, und wohl auch in Graphite. In OpenType wäre vielleicht über Ankerpünkte eine Definition von relativen Stufen möglich, so dass die Stufenzahl unbeschränkt wäre.

In den geometrischen Systemen gibt es eine sehr vergleichbare Komplexität, auch wenn es dort kein Faulmannsches Stufenkonzept gibt wie in den meisten deutschsprachigen Stenografiesystemen. Wie es im Unicode-Vorschlag für das Duployé-System theoretisch gelöst ist, habe ich nicht eingehend studiert.

Ehrlich gesagt befremdet mich ziemlich, was alles in Unicode aufgenommen wird. Für solche Spezialfälle wären in meinen Augen Sondercodierungen sinnvoller.

Warum denn? Die Idee von Unicode ist doch, dass alle Texte, auch die historischen, eindeutig kodiert werden können.

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Warum? Die DEK und ihre Vorgänger sind nunmal keine herkömmlichen Buchstabensysteme. Bedeutung haben nicht nur die Zeichen, sondern auch, wie sie stehen und wie sie verbunden werden. Wie soll man das vernünftig codieren? Da stößt das Buchstabenkonzept von Unicode an seine Grenzen.

Natürlich könnte man das durch irgendwelche Kniffe mit OpenType oä. hinkriegen, indem man Funktionen zweckentfremdet, aber das wären bloß schmutzige Tricks. Es geht, aber es geht nicht gut. Es ist ungeheuere Arbeit, fehleranfällig, und schlecht zu warten. So eine Sonderanwendung braucht einfach besondere Werkzeuge, d. h. ein eigenes Dateiformat/eigenes Codierungssystem.

Man kann natürlich ein Taschenmesser um eine Grasklinge erweitern. Besser ist aber, den Rasenmäher zu erfinden.

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Was Unicode angeht, so sind auch die Vokale in den Faulmann-Systemen bloss Charaktere. Die Darstellung ist eine Software-Frage. Mit OpenType dürfte es tatsächlich schwierig werden. Graphite ist wohl besser geeignet, oder AAT.

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  • 3 Jahre später...

Die Stufen sind im Grunde unbeschränkt, sodaß Lage-Varianten in der Schrift eigentlich nicht ausreichen.

Da soweit ich weiß in der Eilschrift aus mindestens zweistufig hoch- oder tiefgestellten Buchstaben bei großen Zeichen oder Stufenerhöhung in die Grundstufe hinuntergewechselt werden kann (weil das eindeutig ist, also nicht mit einem normalen Stufenwechsel verwechselt werden kann), würden 5 Stufen für eine vollständige Kodierung reichen (wobei 5 Steno-Stufen eigentlich 9 Halbstufen entsprechen).

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Mal abgesehen davon, ob man das technisch umsetzten kann, frage ich mich: warum?

Steno ist eine Kurzschrift um handschriftlich schnell Informationen zu notieren. Es macht doch irgendwie wenig Sinn – außer für Steno-Lehrbücher – das am Computer nachmachen zu wollen, zumal man die Zeichen ja im Leben nie so schnell eingeben, wie schreiben könnte. Und wenn man sie schnell eingeben könnte, wäre es ja sinnvoller, dass die Software das gleich in normale Schrift umsetzt, dann spart man sich den Schritt des anschließenden „Übersetzens“ …

 

Es ist ja auch nicht so, dass die Stenozeichen eine Bedeutung tragen würden, die sich nicht mit anderen Zeichen – nämlich normaler Schrift – darstellen ließe. Das unterscheidet Steno von den ganzen Uralt-Keil-was-weiß-ich-was-Schriften, die sinnvollerweise im Unicode vertreten sind. Was Stehe betrifft bin ich ganz bei Joshua und wundere mich, warum das im Unicode gelandet ist …

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Ich habe so ein wenig das gefühl, das die Umsetzung von Steno irgendwie der Arabischen Schrioft nucht unähnlich ist, ist das Arabische Schriftsystem ja eigentlich sehr an Handschrift orientiert und daher eigentlich seh Variantenreich. Zudemn wird in - gerade religiösen - Texten auch sehr viel Wert auf eine optimale Typografie wert gelegt, sodass zum einen die Zeilen ohne Worttrennungen und breite Leerräume vollständig gefüllt sind, wie auch logische Textblöcke, also so was wie Kapitel eben auch den Satzspiegel der Seite vollständig ausnutzen.

 

Handschriftlich ist das dann ohne Probleme möglich, mit den normalen Computerfonts hingegen ist da der Umsetzung ein recht begrenztes Spektrum geboten. Zudem sind Arabische Druckschriften in die Zeile gezwungen, währen Handschriften oft durch Schrägstellen der Worte häufig stark ineinander verschaachtelt sind.

 

Möglich also, dass in diesem Zusdammenhang dies hier auch nicht so uninteressant ist:

 

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  • 6 Jahre später...
Am 7.8.2014 um 01:12 schrieb TobiW:

Steno ist eine Kurzschrift um handschriftlich schnell Informationen zu notieren. Es macht doch irgendwie wenig Sinn – außer für Steno-Lehrbücher – das am Computer nachmachen zu wollen

Und genau darum geht es. Durch die computergestützte Generierung ausreichender Menge stenografischen Textes die Lesefähigkeit zu verbessern. Nur durch viel Lesen kommt man vom Buchstabieren weg, hin zum Erkennen ganzer Wortbilder und damit zum "flüssigen" Lesen. Was sich am Ende positiv auf die eigene stenografische Schreibleistung auswirkt, einem ganz praktischen Nutzen. Von der Ästhetik der Schrift mal ganz abgesehen. 🙂

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