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Schriften für Museumszeitschrift

Hervorgehobene Antworten

Liebe Kenner und Könner – Ich habe den schönen Auftrag, eine Zeitschrift für den Zusammenschluss mehrerer Museen zu gestalten. Umfang 96 Seiten, verschiedenste Rubriken und Texthierarchien, Erscheinung jährlich einmal mit jeweils anderem Schwerpunktthema. Titelschrift auf dem Umschlag ist die Univers 65. Ich bin zwar ein erfahrener Layouter, "musste" aber schon lange nicht mehr für eine Zeitschrift die grundlegende Auswahl der Schriften treffen. Daher wäre ich sehr froh um Rat. Es geht darum, eine passende Kombination von Schriften auszuwählen. Da die Univers auf dem Umschlag sehr präsent ist, könnte ich mir vorstellen, sie auch innen als Titelschrift und überhaupt als Serifenlose zu verwenden. Ich bin jetzt aber auf der Suche nach dazu passenden Serifenschriften. Der Wunsch der Auftraggeber ist eine moderne Ausstrahlung, die aber trotzdem eine "gewisse Wärme und Sinnlichkeit ausstrahlen soll" (Originaltext Auftragsbeschrieb).

Von der Hierarchie her wird es Titel, Untertitel, Autorennachweis, Zusammenfassungen, Bibliografie/Fussnoten/Legenden und Kurzzusammenfassungen in drei Fremdsprachen geben.

Ratschläge sind sehr willkommen. Herzlichen Dank und liebe Grüsse

Thomas Küng

vier schriftarten, von denen ich finde, dass sie den von dir genannten kriterien entsprechen:

die farnham ist eine meiner meinung nach gelungene digitale umsetzung einer vorlage aus dem 18. jahrhundert: einerseits dunkel und warm, andererseits knusprig und modern. zwei nachteile: beschränkter zeichensatz (keine ›echten‹ hochgestellten ziffern usw.) und eher hoher preis (80$ pro schnitt mit zugehörigem kapitälchenfont).

nummer zwei ist die newzald, die es bei village gibt. sie schöpft aus teilweise denselben quellen wie die farnham, hat aber, wie ich finde, einen eigenen, weniger spitzen stil. zeichensatz und opentype-unterstützung sind hier auf dem stand, den du vermutlich brauchst. mit 30 euro pro schnitt (inklusive kapitälchen) ist der preis günstig.

auch die warnock wirkt in textgrößen auf mich sehr anheimelnd. sie hat jedoch auch scharfe, originelle details. außerdem kriegst du hier einen großen lateinischen zeichensatz, (monotonisches) griechisch und kyrillisch sowie allerlei opentype-nettigkeiten dazu. und im vergleich zur farnham ist die warnock ein echtes schnäppchen (je nach paket zwischen 10 und 30 euro pro schnitt).

nummer vier erwähne ich mit vorbehalt, da ich sie noch nicht auf papier gesehen habe: die vesper von mota italic, die ein bisschen in dieselbe richtung wie die warnock geht. kleine besonderheit: neben normalen kapitälchen gibt es auch kapitälchen exakt auf x-höhe (petite caps) und viele andere nette features. je nachdem, ob du mit dem basic-zeichensatz auskommst oder die pro-version brauchst, liegen die preise zwischen knapp 40 und über 50 euro pro schnitt.

lässt du uns wissen, wofür du dich entschieden hast?

bye

thierry

Hallo Thomas,

das ist ja wirklich ein Traumauftrag, gratuliere! :-)

Die Univers ist natürlich schon mal eine sehr eindeutige Ausgangsvoraussetzung (an der auch sicherlich nicht zu rütteln ist, oder?). Vom Charakter her wirkt die Univers auf mich immer etwas aus der Mode gekommen, sehr solide und ernsthaft natürlich, aber auch etwas uncharmant im Erscheinungsbild. Es wäre schön, wenn man diesen Eindruck durch eine modernere, freundlichere Serifenschrift brechen könnte – schließlich geht es um etwas so Sinnliches wie Kunst.

Wäre ich an Deiner Stelle, dann würde ich vielleicht mit diesen hier mal beginnen zu experimentieren:

Klassische Anmutung und dabei modern und hochwertig:

Klassische Anmutung mit viel Eigensinn:

Eine junge Schrift, die einen spannenden Kontrast zur Univers bilden könnte:

3906 CONFIG

Bearbeitet ( von Kathrinvdm)

Um welche Art Museen geht es denn? Kunst? Technik? Naturkunde? … ? Wäre ja nicht ganz unwichtig ;-)

  • Ersteller

Es ist ein Zusammenschluss mehrerer verschiedenster Museen (Kunst/Technik/Natur/Völkerkunde/Geschichte...), die zusammen eine gemeinsame Informations-, Edukations- und Hintergrundsplattform in Form dieser Zeitschrift herausgeben.

Übrigens: Obwohl die Univers 65 den "Front-Seiten-Kopf" bildet, ist sie in meinen Augen für den Innenteil als Serifenlose nicht "unantastbar" gesetzt. Wenn jemand eine schöne Kombination mit anderen Schriften im Kopf hat, schaue ich mir das gerne an.

Gruss und Dank an alle

Thomas Küng

Wenn es etwas "zeitgenössischer" und auch nicht zu oft gesehen sein darf, vielleicht sowas wie die Malabar?

Die wäre unverbraucht, handwerklich gut gemacht und gut ausgebaut für Differenzierungen, Sprachen, Auszeichnungen, ...

Ist zwar nicht die klassische "Passt zur Univers"-Schrift (das wäre eher was wie Utopia, oder eine schöne Caslon-Digitalisierung), aber je nach Kombination könnte das schon klappen, und hätte mehr Wärme und Sinnlichkeit als die üblichen Verdächtigen aus der Kategorie Barock/Klassizismus/Statik.

"Eine gewisse Wärme und Sinnlichkeit ausstrahlen" ist halt so ein Ding bei der Univers ... die ist schon gut, aber die beiden Begriffe würde ich jetzt nicht als erstes nennen (Wärme vielleicht dann irgendwo in den ersten 15 Begriffen). Insofern musst du vermutlich etwas weg von einer Schrift, die sich harmonisch an die Univers anschmiegt.

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