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Regular -> Kursiv und Glyphenvarianten a/g ...

Hervorgehobene Antworten

Moin

Mal gleich freiwillig in ein neues Thema verlagern, weil's mit Skolar versus Marat nicht mehr direkt was zu tun hat ... ;-)

das 3er g mag ich in der kursiven nicht,

Wo wir gerade dabei sind ...

Wann die einfachen Formen von a und g verwendet werden und wann die "mehrstöckigen", da habe ich irgendwie noch kein System entdecken können. Manchmal beide einfach, mal beide komplex, mal das eine, mal das andere.

"Gefühlt aufgefallen" (ohne statistische Erhebung oder jetzt in Sammlungen nachgeschlagen zu haben) ist mir nur, dass meistens bei der Kursiven zur einfacheren Form übergegangen wird (und dass das f und ſ Unterlängen bekommen und sich paar andere kleine Details an den Serifen ändern). Ist das "Standard" bis auf diese Ausnahme hier, sofern ein Kursivfont extra designt wird (und nicht einfach schief gedrückt wird)? Wenn ja: Warum? (Dito bei der Frage der Unterlänge bei f und ſ.)

Ich verstehe die Frage nicht ganz ... wenn es darum geht, warum die Kursivformen anders aussehen wie die aufrechten Formen:

Die Kursive ist formal näher an der Handschrift dran. Bzw. eigentlich richtiger: entwicklungsgeschichtlich hat sich die Aufrechte nach der Entwicklung des Buchdrucks weiter von der – in den Anfängen der neuen Technik möglichst zu imitierenden – Handschrift entfernt, während die Kursive eben nah dran geblieben ist. (Dass die Kursive eine Auszeichnungsform der Normalen wurde, bzw. die beiden immer "im Paar" daherkommen, ist ohnehin relativ "neumodisch" – früher waren das einfach unterschiedliche Schriften, die eine eben handschriftlich, die andere eher skulptural geprägt.

Das bedeutet speziell für a, e, f, g, l (aber auch v, w, y), dass sich in einer Kursiven handschriftlich einfacher zu schreibende Formen finden, während in der Aufrechten vermutlich besser unterscheidbare Formen Einzug gefunden haben (da die Zeichen ohnehin nicht mehr geschrieben, sondern geschnitten wurden, war der Schreibduktus nicht mehr essentiell relevant).

Und dann gibt's natürlich noch "Rückführungen" in die Aufrechte: Eine etwas kleinere Schriftgruppe wird als "informal" bezeichnet und für "persönlich wirkenden Schriftverkehr" verwendet. Die Schriften sind oft aufrecht, haben aber eben "kursive" a- und g-Formen.

Und seit mit Opentype dem Schriftgestalter die Entscheidung für die eine oder andere Form abgenommen, und dafür dem Setzer aufgehalst werden kann, finden sich in der einen oder anderen Schrift auch einfach beide Formen, und man kann per Feature wählen.

Das stimmt so nicht ganz.

Die Antiqua entstand (mit dem doppelstöckigen a und geschleiften g) vor dem Buchdruck, sie wurde also so schon mit der Hand geschrieben. Es war allerdings eine förmliche Schrift, die man für sorgfältig geschriebene Texte benutzte, beispielsweise für Bücher.

Als flüchtige Schrift für unwichtigere Zwecke (Aufzeichnungen, Briefe usw.) benutzte man damals die gotische Kursive. Diese Schrift ist eng mit der Fraktur verwandt und hat wie diese die einfachen Formen von a und g.

Die Humanisten schufen eine neue flüchtige Schrift, indem sie die gotische Kursive an die Formen der Antiqua anpaßten. So entstand die Antiqua-Kursive, die deshalb im Unterschied zur (aufrechten) Antiqua Eigenschaften der gotischen Kursive wie beispielsweise die Formen von a und g sowie die Unterlänge beim f besitzt.

Manche Antiqua-Kursiven sind weniger, andere stärker an die Antiqua angeglichen und haben beispielsweise die Antiqua-Form des g mit Schleife.

Im Typojournal Nr. 3 habe ich in meinem Aufsatz auch etwas zur Geschichte der Kursive geschrieben.

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