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Schriftart und ob U oder V?

Hervorgehobene Antworten

Hallo! Kann mir jemand sagen, ob der markierte Buchstabe ein versales U oder V ist? Die Frage hängt von der Kenntnis der Schriftart ab, daher auch die Frage, was das für eine Schriftart ist.

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Es dürfte ein »U« sein (Multas alias steht da, »viele andere«). Ein Unterschied zwischen V und U wurde ja ursprünglich nicht gemacht.

Die Schrift sieht mir nach einer handgeschriebenen Rotunda aus.

  • Ersteller

@Axel Jagau Grundsätzlich müßte zu jener Zeit jedes versale lat. u/v als “V” erscheinen. Ob man deshalb auch keine Letter “U” im Letterkasten hatte, weiß ich nicht, könnte sein. Wenn ich nun aber verschiedene Rotunda-Gylphen vergleiche, dann sieht das dennoch nach einem “U” aus, weil es unten nicht spitz zuläuft. Wie auch immer, ich denke ich muß es als “V” transkribieren.

Das sollte ein V sein: die Ecke unten links ist die V-Spitze, und ein U wäre an der linken Seite nach außen gewölbt.

  • Ersteller

@Joshua K. Bedanke mich bei dir, werde das so übernehmen. Gruß!

  • Ersteller

Wenn ich noch eine Frage zu dieser Schriftart stellen darf. Ich bin ja schon viel gewohnt, was seltsame Schreibgewohnheiten betrifft, aber was bitte ist das hier für ein Phänomen? Ich sehe zwei unterschiedliche Arten des Colons; neben dem Gewöhnlichen eines mit größerem vertikalen Abstand zw. den Punkten. Gibt es für dieses Zeichen einen Namen oder weiterführende Informationen welchem Zweck es dient?

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Das sieht aus, als wären es »Spieße«: Blindmaterialstücke, die sich nach oben gearbeitet haben und nun mitdrucken. Zumindest ist das exakt das Erscheinungsbild. Auch die mittige Fehlstelle ist für einen Spieß typisch. Was mich irritiert: Kann ein Drucker derart schlampen, daß es in einer einzigen Form derart viele Spieße gibt? Und entstehen Spieße nicht überhaupt hauptsächlich bei automatischen Druckmaschinen, die sehr viel Last und Bewegung auf die Druckform bringen? Die Musterseite scheint ja eher aus der Zeit der Handpressen zu stammen.

… mitdrucken. …

Ist das denn überhaupt gedruckt?

Eine Zwischenfrage: In dem Text ist auch ein Punkt "oben", in dem Beispiel unten ist ein Mittenpunkt, ein Punkt "oben" und ein Dreifachpunkt. Welche Bedeutung haben die denn?

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33o5vo6.jpg

Quelle zum unteren Bild

Die Punkte im unteren Text sind Abbreviaturen. Drei Punkte für ein -us oder -um, nach einem q jedoch als Kürzung für que, der eine Punkt als Kürzung für dic: [sin]gulis locis et actibus antedictis quemcumque regem alium, quacumque eciam singulari dignitatis pre[rogativa]. (Das ist aus der Goldenen Bulle.)

Im obigen Text von Laptop dürften die Punkte mit größerem Abstand wahrscheinlich tatsächlich die von Pachulke genannten „Spieße“ sein. Was dann zeigt, daß es sich doch um einen Druck handelt. (Ich hatte zuerst geglaubt, es wäre eine Handschrift.) Die anderen Doppelpunkte sind dann entweder Satzzeichen oder ebenfalls Abbreviaturen, dazu müßte man sich den Text nochmal genauer ankucken.

Vielleicht kann ja College Schröder hier noch mal einen Blick darauf werfen; sein Urteil als Schweizerdegen würde mich da schon noch interessieren. Kann man, außer im Suffe, mit einer Handpresse so viele Spieße produzieren ohne es zu merken?

  • Ersteller
Ich denke schon. Vielleicht kann Laptop ja mal mitteilen, wo dieser Text herkommt.
Quelle ist dieser Scan. Es handelt sich um die erste datierte Ausgabe von Vespuccis Mundus Novus, 1504 zu Augsburg bei Johann Otmar gedruckt.
Kann man, außer im Suffe, mit einer Handpresse so viele Spieße produzieren ohne es zu merken?

Warum sollen die Drucker ganz früher weniger gesoffen haben als früher? Heute tun sie das natürlich nicht mehr, sind ja halt auch keine richtigen Drucker mehr - mit Farbe auf der Haut, Öl im Haar, Schweiß am Körper und Schnaps am Hals ...

Und ganz früher war ja wesentlich weniger Freizeit als früher, da mussten die Drucker ja geradezu in der Arbeitszeit saufen.

Spieße haben ja bekanntlich verschiedene (weitgehend unbekannte) Ursachen, warum soll so etwas nicht auch mal an einer Handpresse passiert sein ... falsch geschlossen beispielsweise und zu sehr mit dem Farbballen gerubbelt ... ich könnte mir schon vorstellen, dass das möglich ist. Dafür sprechen zumindest zwei grundlegende wahrhaftige Erkenntnisse:

1. Was schiefgehen kann beim Drucken geht auch (meist, manchmal oder zumindest irgendwannmal) schief.

2. Ein Spieß kommt selten allein.

Da ich nicht an Kniehebelpressen drucke, kann ich dazu nix genaueres sagen ...

Am Tiegel (also auch beim Druck Fläche gegen Fläche) bekommt man es schon gelegentlich mit Spießen zu tun.

  • Ersteller

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mitreden kann, aber für die Spieße spricht m. E., daß der Text insgesamt 7 Seiten umfaßt, mit vielleicht 70 Colons, davon sind 15 anormal, und alle diese 15 erscheinen akkumuliert auf nur einer Seite. Dagegen spricht, daß auch diese anormalen Colons durchaus einheitlich und gleichförmig erscheinen, wie eine besondere Letter, und, daß auch auf dieser Problemseite zwischendurch “normale” Colons erscheinen. Ich kann es nicht entscheiden.

Auf Wunsch von bertel hier von mir eine kurze Zusammenfassung der Abbreviaturen in diesem Druckwerk. Das hat nichts mit dem Problem zu tun, das hier diskutiert wird, ist aber evtl. eine interessante Information am Rande.

Abbreviaturen in Vespuccis Novus Mundus, 1504.pdf

Danke für die Mühe :bow:

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