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Bleisatzschrift aus Privatdruck 1938 Heidelberg -- knifflig

Hervorgehobene Antworten

Hallo!

Ich möchte die Schriftart aus einem 1938 als Privatdruck in Heidelberg erschienenen Gedichtband identifizieren und komme nicht mehr weiter … Ich habe leider auch keinerlei Hinweise auf den Drucker, o. Ä.

Ich habe bereits auf gut Glück die gängigen digitalen ›Identifont-Websiten‹ abgeklappert – ohne annähernden Erfolg.

Ich habe auch alle 441 Seiten von Hans Reichardts »Internationalem Verzeichnis der Bleisatzschriften« abgesucht, aber nur ähnliche Schriftarten, nicht genau die im Buch verwendete gefunden. Leider sind bei Reichardt aber eben bei weitem nicht alle Schriften mit Schriftproben versehen, sondern die meisten nur namentlich aufgelistet, sodass auch diese Suche eher vom Glück abhing.

Ich poste weiter unten nach den original Schriftproben aus dem Buch auch Beispiele von den ähnlichen Schriftarten, die ich gefunden habe.

Kann mir jemand Tipps geben, wo ich noch suchen könnte? Oder erkennt jemand gar die Schrift? Das wäre echt der Hammer – abgesehen davon, dass ich die Schriftart einfach klasse finde, möchte ich als Uni-Projekt auch das Buch nachgestalten (ich glaube, dass das einzige Exemplar davon in meiner UB liegt und ich finde, das Buch sollte gewissermaßen ›weiterleben‹).

Falls ihr die Font nicht erkennt, wär ich auch für Vorschläge ähnlicher Fonts sehr dankbar :)


Hier die Ergebnisse meiner bisherigen Untersuchung:

Besonders auffällig finde ich:

  • das Versal-A mit der linksakzentuierten Serife auf der Spitze [siehe Abb. 1, 2, 3]
  • die sehr bauchigen Versal-P und -R [1, 3]
  • das Versal-Q, das keine Unterlänge besitzt [4]
  • das Minuskel-g mit der fast schon auf dem ›g-Kopf‹ abgehenden Serife (als sei diese ein Haar) [4, 5]
  • die rautenförmigen i- und Umlaut-Pünktchen [4, 5]
  • die Versalien von Ä, Ö und Ü, deren Buchstaben ›schrumpfen‹ um die Umlaut-Pünktchen bündig mit der Oberlänge der restlichen Versalien zu halten [2, 3]

Soweit mal das Auffälligste – bestimmt findet ihr noch mehr…

Und hier nun also die Schriftproben aus dem Buch:

1

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2

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3

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4

6218 CONFIG

5

6219 CONFIG

Toll, gell?

Im Vergleich hier nun, was ich an ähnlichen Fonts bereits gefunden hab (mit Kommentar):

›Erbar Mediaeval‹ (von Jakob Erbar, Ausschnitt aus dem »Internationalen Verzeichnis der Bleisatzschriften«)

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große Ähnlichkeit beim A, ansonsten aber doch recht verschieden

›Haiduk Antiqua‹ (von August Haiduk, Ausschnitt aus dem »Internationalen Verzeichnis der Bleisatzschriften«)

6221 CONFIG

vor allem das P, das R und das W kommen der gesuchten Schriftart sehr nahe, auch das g, das A und das Q sind ähnlich – das K passt leider gar nicht …

›Holländische Mediaeval‹ (von Sjoerd de Roos, Ausschnitt aus dem »Internationalen Verzeichnis der Bleisatzschriften«)

6222 CONFIG

die gibt es sogar digital (gefunden bei font.com):

6223 CONFIG

auch einige Ähnlichkeiten, aber wie schon die ›Erbar‹ auch mit vielen Unterschieden; ich bin allerdings auf mehrere Fonts von de Roos gestoßen, die in diesem Stil gestaltet waren, so dass es sich bei der gesuchten Schriftart vielleicht um eine seiner Fonts handeln könnte?

›Lo-Schrift mager‹ (von Louis Oppenheim, Ausschnitt aus dem »Internationalen Verzeichnis der Bleisatzschriften«)

6224 CONFIG

auch diese gibt es mittlerweile digital (als ›Lo-Type light‹ von LT):

6225 CONFIG

6226 CONFIG

Der abgebildete digitale light-Schnitt kommt der gesuchten Font in manchen Punkten recht nahe (vor allem das g), hat aber auch seine ganz eigene Charakteristik (vgl. bsw. das t).


Soweit bin ich bis jetzt gekommen — habt ihr eine Idee wie ich weiter machen könnte? Bin noch ziemlich neu in der ganzen Materie … Auch über Vorschläge für ähnliche Schriftarten würde ich mich sehr freuen!

Schon mal vielen Dank für Eure Hilfe!

Gruß,

Nicolai

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Das müßte die Alt-Mediäval von Max Hertwig sein. Erschienen bei der H. Berthold AG 1914.

Sie war auch für die Typograph-Setzmaschine erhältlich.

Keine digitale Version verfügbar.

  • Ersteller

Wow – das ging ja echt schnell!

Vielen herzlichen Dank! Das ist sie! :)

Hier wird es auch ganz deutlich – super!

Die Schrift ist echt wunderschön – schade, dass es Sie nicht digital gibt …

Heißt das jetzt, dass sie quasi ›ausgestorben‹ ist?

Im Prinzip ja. Zumindest so lange, bis eines schönen Tages ein Schriftgestalter sich ihrer annimmt und ihr ein zweites, digitales Leben schenkt. :-)

  • Ersteller

Die ›Bellini‹ sieht doch schon mal ganz gut aus.

Ich schau mir sie mal näher an. Danke!

Falls jemand die Alte Mediäval digitalisieren möchte und einen Abzug braucht ... könnte ich liefern, ich hab sie in Blei in 20 oder 24p ...

Bei Bedarf PN.

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