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Kalkulation Buchgestaltung

Hervorgehobene Antworten

Hallo zusammen,

 

meine interne Forumsrecherche hat keine Erkenntnisse ergeben, deshalb möchte ich meine Frage nun hier posten.

 

Ich habe aufgrund meiner ersten, privaten Buchgestaltung nun erfreulicherweise eine geschäftliche Anfrage zu einer vergüteten Buchumsetzung erhalten und bin unsicher, wie ich dies kalkulieren kann. Mir wurde ein Formatwunsch kommuniziert, dazu die Summe aller Anschläge. Hierbei lasst sich die Summe der Zeichen nicht standardmäßig auf Seitenzahlen runterrechnen, da ein weißraumlastiges Gestaltungskonzept benötigt wird, um dem hochwertigen Inhalt gerecht zu werden.

 

Es handelt sich um eine rein typografische Gestaltung ohne Bilder, Tabellen, Illus etc. Ich habe lediglich die üblichen Standards zu bedienen (Titel, Prolog, Inhaltsverzeichnis, Kapitelgestaltung, Dank, Impressum und co).

 

Die Qualität des Manuskripts erfordert die Entwicklung eines individuellen Gestaltungskonzepts, das den wertigen Inhalt durch viel Weißraum würdig wirken lassen kann. Schlicht und edel. Pur und lediglich in schwarzweiß.

 

Über Anregungen, wie ich mich einer entsprechenden Kalkulation meines Aufwands nähern kann, wäre ich sehr dankbar. Ich habe bereits viel recherchiert, fand bislang nur Circa-Angaben über den Satz einzelner Seiten im Verlagsgeschäft. Dies beinhaltet natürlich nicht die konzeptionelle Arbeit. Wie kann ich den Aufwand der konzeptionellen Arbeit einschätzen? Und berechne ich anschließend den Satz pauschal pro Seite, plus abschließender Druckdatenerstellung?

 

Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen verständlich machen und wäre dankbar über jeden Tipp, jede Idee, jeden Hinweis.

 

Vielen herzlichen Dank!

 

Tja, das kann man eigentlich nur mit Erfahrungswerten einigermaßen schätzen. Du weißt am besten wie du arbeitest.

 

Ich überlege mir immer, wie lange ich evtl. an dem Grundkonzept sitze, dazu muss man wissen, wieviele Elemente/Textebenen vorkommen. Dann überlege ich, wie kompliziert und aufwendig es wird dieses Konzept auf die einzelnen Seiten zu übertragen. Das wird dann mit der Seitenanzahl multipliziert, zusammengerechnet, mal Stundensatz und schon hat man eine Summe.

 

Beispielrechnung:

 

Konzept: ca. 10 Std.

Einzelseite: 0,5 Std.

ganzes Buch: 100 Seiten x 0,5 = 50

Zusammen: 60 Std. 

 

Umso genauer das Konzept ist, desto schneller bist du natürlich nachher bei den Einzelseiten. Je nachdem, braucht man vielleicht auch nur wenige Minuten pro Seite (gerade wenn’s ›nur‹ Text ist).  

 

Ganz grundsätzlich würde ich auch nur einen Kostenvoranschlag abgeben, dann hast du nachher keine Probleme davon abzuweichen. Ein Angebot ist meistens verbindlich und wenn du dich in die falsche Richtung verschätzt hast, bleibst auf dem Mehraufwand sitzen.

Ich behalte mir bei einem KVA für die Rechnung einen Spielraum von 30%* nach oben oder unten vor und mache den Auftraggeber in aller Regel auch vorher darauf aufmerksam. Wenn es an mir liegt, dass ich mich derartig vertan habe, habe ich eben Pech gehabt und rechne das nächste Mal besser, wenn die Verzögerung vom Kunden verschuldet ist, weil er sich auf einem Mal etwas ganz anderes vorstellt, gebe ich das natürlich an ihn weiter. Bis jetzt bin ich damit gut gefahren.

 

*) Im Gegensatz die Elbphilharmonie: 300%

Manchmal macht es auch Sinn, noch Korrekturgänge, Handling/Organisation und Druckvorbereitung/-Übergabe mit ein zu kalkulieren. Außerdem sollte klar sein, wer die Verantwortung für das Lektorat übernimmt. Umschlaggestaltung/Einband sind auch nicht zu unterschätzen.

... Umschlaggestaltung/Einband sind auch nicht zu unterschätzen.

 

Das kalkuliere ich genauso wie die Titelei, Inhaltsverzeichnis und Impressum als einzelne Gestaltung und packe ich in der Regel mit in den seitenunabhängigen Konzeptionsaufwand. Dieser enthält natürlich auch die konzeptionellen Korrekturgänge und Organisation (Besprechungen etc.).

Das ist natürlich alles ein Fass ohne Boden und kann deswegen nur ein grober Überschlag sein. Umso mehr Erfahrung man hat um so besser kann man das Einschätzen. Festlegen würde ich mich trotzdem nicht.

Um nachher angemessen eine Rechnung schreiben zu können lasse ich immer einen Timer (timeEdition) mitlaufen. Da erschreckt man sich auch manchmal, wie sich hier und da mal zehn Minuten für Korrekturen summieren ...

  • Ersteller

Vielen herzlichen Dank Euch allen!

 

Ihr habt mir gute und wertvolle Hinweise gegeben - die Erklärung der einzelnen Schritte und ihrer richtigen Reihenfolge sowie die genaue Differenzierung einzelner Posten (Entwicklung, Umsetzung und Abwicklung) und Tipps zum Thema "Vorsicht: Falle" sind sehr hilfreich für mich, vielen Dank!

 

Mit Euren strukturierteren Ansätze wage ich mich an die Kalkulation! Nun muß ich "nur noch" alle unbekannten Größen (me, myself and I sind auch mit dabei :schonklar: ) bedenken ... gulp.

 

Vielen lieben Dank nochmals!

 

(Hach, ein Königreich für eine Kristallkugel, die gleichzeitig ausdrucken kann ...)

Ich mach’ mal weiter: vielleicht auch interessant für Dich könnte Literatur zum Thema sein. Einen ganz allgemeinen Einstieg ins Thema Kalkulation bietet zum Beispiel die Gründerfiebel von C. Büning (http://www.buero-buening.de/werkstoff/blog/?page_id=46).

Außerdem gibt es inzwischen auch Programme und Apps, die zumindest eine gewisse Orientierung bieten.

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