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Zu große Ähnlichkeit zu bestehender Schrift

Hervorgehobene Antworten

Hi Leute,

 

ich bin leicht am verzweifeln...

 

Im Juli habe ich meinen allerersten Freefont veröffentlicht und experimentiere seitdem in Illustrator mit einer Handschrift (genauer: eine coole Retro-Pinselschrift soll es werden). Über dem Projekt schwebte von Beginn an das große Vorbild "Reklame Script" von Hannes von Döhren. Mein Entwurf hat sich seit Juli diverse Male verändert und ist dabei Reklame Script leider immer ähnlicher geworden. Mit der letzten Fassung war ich heute nun plötzlich wieder mal unzufrieden und habe die Glyphen miteinander verbunden – mit dem Ergebnis, dass mein Entwurf jetzt fast eine 1:1-Kopie ist. Es ist, als hätte ich die letzten 5 Monate in eine Sackgasse hinein gearbeitet...

 

Hat jemand einen Tipp, wie ich meinen Entwurf verbessern kann, ohne einer bestehenden Schrift wie Reklame Script zu nahe zu kommen?

 

Ich wäre wirklich für Hilfe dankbar!!

 

LG Marc

 

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Ich glaube du wirst kein zufriedenstellendes Ergebnis erhalten, wenn du deiner Schrift jetzt eine Detailanpassung aufzwängst.

Deine Schrift ist schräger gestellt, vielleicht kannst du an diesem Punkt weiter arbeiten und z.B. das n anpassen (wohl leider in Richtung der Reklame),

dafür hat dein Minuskel-p mehr Schwung und dein z gefällt mir auch besser, weil es die Grundlinie nicht anknabbert.

Dein i-Punkt könntest du durch einen Strich ersetzen, das kann die Wirkung auch schnell beinflussen.

Vielleicht könntest du deine Endstriche auch nicht mehr überlappen lassen, das könnte auch noch eine Option sein.

Du könntest auch die Weite verändern und zum Beispiel noch etwas breiter werden (das würde sie bei mehr Schräglage ohnehin vertagen).

 

Und warum lässt Du den Entwurf ohne Verbindungen nicht einfach drin und legst ihn als Opentype-Alternative an? Dann kann der Anwender selber entscheiden, was gerade besser passt. Außerdem hätte die Schrift gegenüber ihrem Vorbild dann einen deutlichen Mehrwert.

 

Des Weiteren könntest Du an den Ellipsen feilen – einem klareren Formenprinzip folgen. Zum Beispiel wie beim P auch beim a, d, p, q, … noch oben offener werden.

 

Ich würde mir an Deiner Stelle auch noch eine andere Schreibschrift* als Inspirationsquelle hinzu zu ziehen, um mich nicht zu sehr an der Reklame fest zu beißen. So toll ist sie ja nun auch wieder nicht.  ;-)

 

 

*Supernova und Bello kommen in der Wiki-Bewertung mit voller Sternzahl zum Beispiel gut weg. Weitere dieser Art: http://www.typografie.info/3/page/Schriften/listen.html/_/schildermaler-schriften-r10

Ich bin versucht zu sagen die Variante ohne Verbindungen ist die stärkere der beiden, und die, die weiter weg ist vom Vorbild ... das halte ich durchaus für verfolgenswert.

Die Variante mit Verbindungen braucht natürlich noch viel Feintuning in den Formen, Verbindungen, Abständen und Wiederholungsvermeidung, und würde bestimmt am Ende besser aussehen als jetzt, aber da mühst du dich eben in eine Richtung der Ähnlichkeit, nicht weg davon.

Eventuell könntest du auch bei der ersten Variante bleiben, und ihr stilistische Varianten für Doppelbuchstaben, und Sonderformen für Wortanfänge und Enden mitgeben.  In deinem Beispiel sähen dann die beiden "a" und "z" schon nicht mehr exakt gleich aus, was eine Handschriftlichkeit mit sich bringt, die auch ohne Verbindungen auskommt.

Ich bin versucht zu sagen die Variante ohne Verbindungen ist die stärkere der beiden, und die, die weiter weg ist vom Vorbild ... das halte ich durchaus für verfolgenswert.

Die Variante mit Verbindungen braucht natürlich noch viel Feintuning in den Formen, Verbindungen, Abständen und Wiederholungsvermeidung, und würde bestimmt am Ende besser aussehen als jetzt, aber da mühst du dich eben in eine Richtung der Ähnlichkeit, nicht weg davon.

Sehe ich auch so.

 

Eventuell könntest du auch bei der ersten Variante bleiben, und ihr stilistische Varianten für Doppelbuchstaben, und Sonderformen für Wortanfänge und Enden mitgeben.  In deinem Beispiel sähen dann die beiden "a" und "z" schon nicht mehr exakt gleich aus, was eine Handschriftlichkeit mit sich bringt, die auch ohne Verbindungen auskommt.

 

Beispiele dafür: FF Duper, Romp, St Florence

Auch weitere Pseudo-Handschriftlichkeit lässt sich einbauen, z.B. sich aus dem Schreibfluss einfach ergebende Verbindungen wie "ft" oder "tz", Sonderformen für Zwie- und Umlaute, für ch, sch und ck, oder auch Sonderformen vor oder nach bestimmten anderen Buchstaben, um gewisse Kollisionen elegant zu umgehen (z.B. f vor allen Zeichen mit Oberlänge). Das bringt einfach etwas mehr Detailvariation rein und macht die Schrift handschriftlich, auch wenn die Buchstaben sich nicht verbinden.

 

Bedenke nur, erst mal das Grundalphabet soweit zu bringen dass es dir passt – in Form und Metrik, und erst dann die Varianten davon abzuwandeln und diese dann eins nach dem anderen sauber ins Grundalphabet zu integrieren, sonst halst du dir schnell mehr Arbeit auf als nötig.

  • Ersteller

Danke für die vielen, konstruktiven Antworten! Leider bin ich (noch) nur mit Type Tool 3 ausgestattet, womit Opentype-Funktionalitäten und ausgefallene Ligaturen meines Wissens nach nicht möglich sind... außerdem bin ich noch nicht sehr erfahren – das ist erst meine 2te Schrift und mit 2 Schnitten für mich schon ein sehr großes Projekt. Ich werds wohl wie im letzten Post von Sebastian machen und erstmal mein Grundalphabet komplettieren... dann sieht man weiter.

 

Übrigens: Ist die Software "Glyphs" eigentlich wirklich so gut? Fontlab Studio ist mir nämlich zu teuer ;)

Ich persönlich mag eigentlich auch eher deine unverbundene Schrift. Sie hat zwar einen deutlichen Pinsel-Charakter, ist aber auch beim schnellen vorbei blicken lesbarer, als die Reklame Script, also eigentlich so schon eine ideale Preisschilder-Schrift. Daher würde ich mir, gerade da du sie als Freefont anbieten möchtest, nicht allzu ausgefeilte OpenType-Ansätze suchen, denn gerade Nutzer von Freefonts haben entweder kaum Software, welche diese Funktionen unterstützt, oder wissen nichts von der Anwendung.

 

Und auch gerade die erste Schrift eignet sich durch ihren anderen Charakter eben prima als Alternative und Ergänzung zur Reklame.

 

Ich selbst habe übrigens oft solche Schriftnutzer, die mit OpenType-Funktionen hoffnungslos überfordert sind. Möchte ich hier z.B. Schwung-Abschlussformen, oder spezielle Formen für problematische Paarungen anbieten, greife ich zu einem gänzlich anderen Trick: Die Sonderformen kommen dann einfach in einen „kursiven“ oder „fetten“ Font mit gleichem Familiennamen. Damit ist es dann auch mit nicht OpenType-fähigen Programmen möglich, Anlternastivformen zu aktivieren.

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