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Wie: Schrift mit Sonderzeichen für Linux UND Windows entwicklen?

Hervorgehobene Antworten

Hallo Wissende,

 

ich habe eine Anfrage erhalten für die Gestaltung einer Schrift in einem techn. Dokumentationsbetrieb, die Folgendes können soll:

 

- basiert auf der Corporate-Schrift des Auftraggebers (Courier 10 Pitch WGL4)

- soll Klein- und Großbuchstaben enthalten, Belegung wie bei einer „normalen“ Schrift

- soll zusätzlich spezielle firmeneigene Buchstabenzeichen IN dieser Schrift enthalten und zwar so, dass diese z. B. durch Druck auf ALT+Buchstabe klein geschrieben werden und mit ALT+UMSCH+Buchstabe groß geschrieben werden

=> ein paralleler Buchstabensatz

- Soll auf Linux nutzbar sein unter LibreOffice und GIMP, am PC nutzbar unter Word und Photoshop

 

Ich bin grad etwas ratlos, wie ich a) diese Buchstaben in der Glyphentabelle so einordne, dass sie bei dem gewünschten Tastendruck erscheinen und b) in welchem Format (.ttf/.otf) und Schnittaufbau ich die Schrift(en) zur Verfügung stelle am Ende.

 

Sie soll einfach nutzbar sein, die Anwender sollen also nicht ständig Schriften umschalten müssen beim Erstellen der Anleitungen/Texte/Grafiken.

 

Wer weiß Rat und kann mir einen Tipp geben?

 

Danke Euch

Alberich

So auf die Schnelle sehe ich nur zwei Möglichkeiten:

  • Die Spezialzeichen werden auf Tasten/Zeichen gelegt, die auf der Tastatur vorhanden sind, aber deren normale Zeichen nicht benötigt werden. Also z.B. so, dass die Eingabe von   #   SPEZIALZEICHEN1 ergibt, die Eingabe von   §   SPEZIALZEICHEN2 usw. usf. Dann würde im Fonteditor SPEZIALZEICHEN1 logischerweise als # kodiert usw. usf.
  • Lassen sich auf denen von euch verwendeten Tastaturen nicht genug Zeichen finden, die so »missbraucht« werden können (z.B. weil ihr #, § etc. in ihrer jeweiligen normalen Erscheinung braucht), bleiben wohl nur Lösungen, in denen spezielle Tastaturtreiber (separat für Windows und Linux) oder verschiedene Makrolösungen (mindestens für L/O; für Gimp und neuere Word- und Photoshop-Versionen könnte man Opentype-Ligaturen nutzen) auf jedem Computer installiert werden müssten.

Hintergrund: ALT+Buchstabe und ­⇧+ALT+Buchstabe sind keinen Zeichencodes in Fonts zugeordnet; sie dienen stattdessen dazu, software- und betriebssystemabhängig Programmfunktionen aufzurufen.

Egal, wie du die in der Glyphentabelle unterbrigst, die werden NIE so einfach über sonst unbelegte 3. und 4, Tastenbelegung über AltGr und Umschalt+AltGr erreichbar sein. Denn das ist keine Frage der Schriftart, sondern eine Frage des Tastaturtreibers für das jeweilige Betriebssystem. Linux ist da schon etwas feiner ausgestattet, denn hier sind schon weit mehr Tasten als bei Windows dreifach und sogar vierfach belegt

 

Hier die Linux-Belegung:

deutsch-tastaturbelegung-linux-mint-cinn

 

Bei Windows muss man auf der Betriebssystem-Ebene durch einen angepassten Tastaturtreiber erst mal nachrichten, Hierzu bietet Microsoft den

Microsoft Keyboard Layout Creator 1.4

http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=22339

 

Wenn du dann für die Windows-Rechner dann die Linux-Tastaturbelegung nachbaust, könntest du deine Sonderzeichern auf die entsprechenden Unicode-Plätze legen, welche die Linux-Tastaturbelegung schon mal bietet.

Ein konkreter Ansatz für meine zweite Variante oben:

  1. Ordne bei der Fonterstellung den Spezialzeichen Unicodenummern aus dem »Private Use Area«-Bereich zu. (Der ist genau dafür da.)
  2. Nutze die Autoligaturfunktion (ebenfalls im Fonteditor), um automatische Ersetzungen durchführen zu lassen. Am bsten so, dass die einzutippenden Sequencen möglichst intuitiv sind, aber nicht mit Zeichenfolgen kollidieren, die man jemals normal benutzen würde. Da du angedeutet hast, dass es eine Beziehung zwischen den Spezialzeichen und Buchstaben gibt, sowas wie   !!a  , dass dann bei der Eingabe automatisch durch »euer a« ersetzt würde;   !!A   für »euer großes A«,   !!b   für »euer b« usw. usf.
  3. Die Ersetzung sollte dann in aktuellen Word-, Photoshop- und GIMP-Versionen automatisch funktionieren, weil diese Programme Autoligaturen von Hause aus unterstützen.
  4. Für LibreOffice müsstest du die programmeigene Zeichenersetzung nutzen und eben auf jedem benutzten PC in den L/O-Optionen ablegen, dass   !!a   durch »euer A« ersetzt wird usw. LibreOffice kann (noch) keine Autoligaturen.

LibreOffice unterstützt schon Ligaturen, nur eben leider nicht über OpenType, sondern über SIL Graphite, das dann nachträglich leider über ein nicht gerade Nutzerfreundliches Tool in die Schrift hinen kompiliert werden muss. Ein Beispiel für so eine Schrift ist die hier als Fraktur verwendete UnifrakturMaguntia, die neben OpenbType-Funktionen für dier Ligatursetzung auch SIL Graphite und Apples System enthält.

Und abgesehen von den bereits genannten technischen Dingen sind natürlich auch die Lizenzen zu beachten. Wir bekommen auch ständig Anfragen nach Erweiterungen/Umarbeitungen/Hausschriften im Stile von XY. Ich lehne das immer ab und verweise auf die Originallizenzgeber. Sofern die Schrift nicht von Grund auf neu und eigenständig gezeichnet wird, hat der Original-Lizenzgeber das Sagen über sein Werk und Dritte können nicht einfach neue Hausschriften daraus machen. 

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