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Schriftart für ein Computermagazin

Hervorgehobene Antworten

Hallo,

 

ich hatte mal Rückmeldung an die c't gegeben, dass Times New Roman nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit sei (oder so ähnlich). Dort sagte man mir, dass man bei einer grafischen Runderneuerung auch das überdenken würde. Ich würde mal gerne wissen, welche Schriftarten sich für Computermagazine eignen würden. Denn bisher finde ich habe ich wenige bis keine Magazine gesehen, die eine wirklich passende Schriftart verwenden.

 

Meine eigenen Gedanken:

· Bloß keine warm-historische humanistische Antiqua, die steht der kühl-modernen Technikwelt diametral entgegen

· Eher ein wenig grobere Züge, also keine Bodoni, heh, eher deutliche Serifen bis hin zu Slab.

· Ein wenig futuristisch in der Anmutung.

· Optimalerweise designt in letzter Zeit (die Computer-Erfindungen sind ja auch nagelneu und nicht 50+ Jahre alt).

 

Wir könnten ja mal das tolle MyFonts-Feature benutzen und bei den Schriftvorschlägen ein paar Computerbegriffe gleich mit darstellen.

Als Headline-Schriftart (da kann ich bei der c’t keine Times finden) oder für den Mengentext? Beim Mengentext interessiert mich überwiegend eine gute Lesbarkeit, egal, um welches Thema es in der Publikation geht.

· Bloß keine warm-historische humanistische Antiqua, die steht der kühl-modernen Technikwelt diametral entgegen

 

Und weil fast alle Technikmagazine so vergleichsweise kurzsichtig gestaltet sind, kann man sich mit einer humanistischen Antiqua bestens von der Konkurrenz absetzen und sogar noch den Leser mit optimaler Leserlichkeit erfreuen. 

 

· Optimalerweise designt in letzter Zeit (die Computer-Erfindungen sind ja auch nagelneu und nicht 50+ Jahre alt).

 

 

 

Die Computerära wurde vor ca. über 70 Jahren eingeläutet und der erste Mac hat auch schon drei Jahrzehnte am Buckel …

  • Ersteller

Ich meinte den Fließtext. Die Überschriften sind glaube ich immer noch in der Myriad gesetzt.

 

Was die Antiquas angeht, habe ich mir überlegt, wie der Duktus der Schrift mit den Inhalten der Computerzeitschrift übereinstimmen könnte. Da wäre dann eine humanistische Antiqua nicht die beste Wahl. Das Computerzeitalter ist schon 50+ Jahre alt, aber es geht ja gerade um die technischen Neuerungen. Es ist natürlich debattierbar, wie stark man den Charakter einer Schrift beim Lesen wirklich wahrnimmt (gerade als Durchschnittsleser), aber wenn man es perfekt machen will, so würde auch der Stil passen. Und ich wüsste nicht, warum eine gute Slab Serif schlechter lesbar sein sollte als eine Antiqua.

 

Edit: Manche Antiquas sind natürlich moderner und neutraler (wie die Minion) als andere, die noch deutlicher in ihre Vergangenheit weisen. Jedenfalls war es vorgestern eine schmerzliche Erfahrung (zumindest während des ersten Lesens), als ich ein Buch mit Berichten von Stasi-Häftlingen in der Aldus gesetzt las.

ich habe die leseprobe der damaligen PC-Professionell noch hier und habe sie euch mal bei we-transfer hochgeladen:

https://www.wetransfer.com/downloads/7bb80bb011b4ebfd6043dc5f98eac22b20140807122257/a3c75579624b9d0b019260f1baa4195b20140807122257/ccc355

das design ist 7 jahre alt und wirkt eigentlich noch recht frisch. es ist sicherlich nicht alles optimal aber die zeitschrift hebt sich doch stark vom ihren mitbewerbern ab. anscheind war das re-design nochmal ein letzter versuch, denn 6 monate später wurde die zeitschrift eingestellt.

 

Conrad geht mit der FF Zine eigentlich auch einen ganz guten weg. die website ist da zwar schon wieder einen schritt zurückgegangen, jedoch heben sich die anzeigen, der katalog und die ladengestaltung klar von den mitbewerbern ab.

https://www.fontfont.com/fonts/zine-sans-display/in-use

 

Was die Antiquas angeht, habe ich mir überlegt, wie der Duktus der Schrift mit den Inhalten der Computerzeitschrift übereinstimmen könnte. Da wäre dann eine humanistische Antiqua nicht die beste Wahl. Das Computerzeitalter ist schon 50+ Jahre alt, aber es geht ja gerade um die technischen Neuerungen. Es ist natürlich debattierbar, wie stark man den Charakter einer Schrift beim Lesen wirklich wahrnimmt (gerade als Durchschnittsleser), aber wenn man es perfekt machen will, so würde auch der Stil passen. Und ich wüsste nicht, warum eine gute Slab Serif schlechter lesbar sein sollte als eine Antiqua.

 

Edit: Manche Antiquas sind natürlich moderner und neutraler (wie die Minion) als andere, die noch deutlicher in ihre Vergangenheit weisen. Jedenfalls war es vorgestern eine schmerzliche Erfahrung (zumindest während des ersten Lesens), als ich ein Buch mit Berichten von Stasi-Häftlingen in der Aldus gesetzt las.

 

Naja, warum sollte so ein Buch nicht in der Aldus gesetzt werden? Letztendlich - das ist meine Meinung - entscheidet nur die Erfahrung und das Urteilsvermögen des Typografen über eine gute Gestaltung. Ich meine, hätte ich ein Buch über Klassische Philologie zu setzen, würde ich wahrscheinlich auch mit einer klassizistischen (oder klassizistisch angehauchten) Antiqua liebäugeln. Aber die thematische Übereinstimmung ist nicht allein ausschlaggebend. Ich musste mich neulich sehr wundern, als ich bei Robert Bringhurst (The Elements of Typographic Style, ansonsten ein geniales Buch, danke für die Empfehlung, Sebastian!) Zeilen wie diese las:

 

 

If, for example, you are setting a text by a woman, you might prefer a face, or several faces, designed by a woman.

 

Man fragt sich dabei, inwieweit sich Schriften von Frauen überhaupt von denen von Männern unterscheiden lassen, selbst vom Experten.

Aber soweit kann es führen, wenn man die stilistische Übereinstimmung von Inhalt und Schrift - für meinen Geschmack - zu weit führt.

 

Das Beispiel der PC Professionell bezeugt eindrucksvoll, dass auch eine eher warme Antiqua einer Zeitschrift eine unverwechselbare und nicht unpassende Note verleihen kann. Schriften sind ja nicht eindimensional, sondern haben viele Facetten, die man herauskitzeln muss.

Sie sind eben interpretierbar wie jedes andere Kulturgut auch.

  • Ersteller

Beispielsweise finde ich die Melior ziemlich passend. In der ist auch das Buch »Kuckucksei« von Clifford Stoll gesetzt - Stoll war Computerwissenschaftler in Kalifornien in den äh. 1980ern? und spürte einen Hacker aus Deutschland auf (den aus dem Film »23« übrigens).

 

 

eine unverwechselbare [...] Note

Naja, die Minion ist mittlerweile so verbreitet, dass sie jetzt nicht unbedingt mehr ein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Da fand ich schon eher die Absage an Klimbim entscheidender (schlussendlich macht es natürlich die Gesamtheit).

 

@Andere: Ich wollte nicht so kategorisch wirken, sondern wollte nur klar meine persönliche Perspektive darstellen.

Stimmt, die Melior kann ich mir grade auch richtig gut dafür vorstellen!

Aber speziell für die Anwendung in einer Computerzeitschrift gibt es, denke ich, unzählige schöne Mengensatzschriften, die ganz gut passen. Da hat man die Qual der Wahl.

  • Ersteller

Gerard Ungers Swift, was sonst?

 

Exzellent! Hätte ich eigentlich selber drauf kommen können!

Ob sie Tabellenziffern besitzt, kann ich nicht sehen, aber dafür wäre dann ohnehin eine Sans besser geeignet (also Frutiger/Myriad).

 

Nur auf die Schnelle: die Swift Neue hat zumindest die vier üblichen Ziffernsätze tabular, proportional, tabular oldstyle, proportional oldstyle. Nur zur Info!  :nicken:

  • Ersteller

Nur auf die Schnelle: die Swift Neue hat zumindest die vier üblichen Ziffernsätze tabular, proportional, tabular oldstyle, proportional oldstyle. Nur zur Info!  :nicken:

 

Wäre es möglich, das hier zu zeigen, mit dem MyFonts-Tool oder sonstwie?

  • Ersteller

[...] das hier zu zeigen [...]

Screenshots von den freundlicherweise von Thierry verlinkten Seiten machen und hier einstellen. Aber wozu? Um das Ganze dann als Link zu diesem Strang an die c't zu schicken?

  • Ersteller

Muss ja nicht.

 

Edit: ich hab's eben mal ausprobiert, die Ziffern sind offenbar nicht in verschiedenen Schnitten drin, sondern an anderen Stellen des Zeichensatzes? Sonst hätte ich eben vier Vergleichsreihen machen können. Ich war nur neugierig, wie die ganzen Ziffernsätze aussehen. Aber macht euch keinen Kopf drum.

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