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Welche Groteskschrift (50er Jahre) ist das?

Hervorgehobene Antworten

[attachment=13299:Grotesk002.jpg][attachment=13300:Grotesk001.jpg][attachment=13302:Elvis ohne Serifen001.jpg]

Alleine am Versal S und den Punkten auf "i" und den Umlauten erkennt man den Unterschied zwischen Futura und Erbar auf den ersten Blick. Aber im Grunde genommen am gesamten Erscheinungsbild der beiden Schriften.

  • Ersteller

Ich möchte die Frage präzisieren: Es geht um die Song-Titel auf den Labels! Leider ist es nicht die Erbar. Das M ist breiter geschnitten. file://localhost/Users/rudigerbloemeke/Desktop/ElvisSchrift002.jpg

Hier ein größeres Beispiel:

 

117194281.jpg

Den Begriff »Grotesk« sollte man aus der Fachsprache verbannen, weil er so wenig sagt und ständig so ethymologisch unsinnig erklärt wird (von wegen »Absonderlichkeit«). Das hat sich schon Tschichold vergeblich gewünscht.

 

Du aber meinst keine Grotesk, sondern so etwas:

https://www.myfonts.com/search/tag%3A%22stressed+sans%22/fonts/

Wie die Gattung auf Deutsch heißt, weiß ich nicht. Und die gezeigte Schrift ist so ausgequetscht und unscharf, daß ich da nichts sehe.

Es geht um die Song-Titel auf den Labels! Leider ist es nicht die Erbar. 

 

Mit der Erbar meinte ich die kleine Schrift auf der Hülle.

 

Die kleine Schrift auf der Schallplatte ist nicht die Erbar, sondern wahrscheinlich die Futura, wie die Kollegen ausführten 

 

So kamen die Meinungsverschiedenheiten heraus.

 

Bei diesen Schriftmischungen auf Platte und Hülle ist es wirklich nötig zu präzisieren, was gemeint ist.

 

Der Titel auf der Schallplatte ist einer "Antiqua-Variante mit Strichstärkenkontrast ohne Serifen" zuzuordnen. Aber keine Grotesk.

Der Titel auf der Schallplatte ist einer "Antiqua-Variante mit Strichstärkenkontrast ohne Serifen" zuzuordnen. Aber keine Grotesk.

 

Ich würde sogar sagen, daß das eine Antiqua ist, deren Seifen nur durch den Negativdruck zugelaufen sind.

Ich würde sogar sagen, daß das eine Antiqua ist, deren Seifen nur durch den Negativdruck zugelaufen sind.

Entschuldigung, aber das mit Sicherheit nicht. Zuvor wären die Serifen der kleineren Serifenschriften zugelaufen.

Pachulkes Theorie ist nicht von der Hand zu weisen.

 

Bei „DON‘T BE CRUEL“ könnte es sich um die „Semper-Antiqua“ handeln und die hat zumindest angedeutete Serifen.

(Semper-Antiqua, Genzsch & Heyse, Erstguss im Jahr 1940)

Diese Schrift dürfte nicht digitalisiert sein.

 

Anbei ein Muster aus einer schlechten Vorlage des Schriftmusters zusammengefügt.

 

[attachment=13319:Semper Antiqua.jpg]

Sieht sehr, sehr ähnlich aus. Die helle auf dunkle ist wahrscheinlich abgenudelt und die Farbe gequetscht. Dadurch werden die Linien teilweise dicker (B) und die Stummelserifen verschwinden.

 

Beim ersten Bild in »Thema« hat das T noch etwas mehr Serifen.

Entschuldigung, aber das mit Sicherheit nicht. Zuvor wären die Serifen der kleineren Serifenschriften zugelaufen.

 

Möglich. Vielleicht sind die kleineren Grade aber auch aus einer fetteren, robusteren Schrift gesetzt.

 

Zumal die Plattenlabel nicht negativ gedruckt waren, sondern auf dunkel farbiges Papier zumeist mit Silber die gedruckt wurde.

 

Dann aber vermutlich im Siebdruck, oder? Jedenfalls ist der Druck matschig, was für ein technisch bedingtes Verschwinden der Serifen spricht. Es gibt noch ein weiteres Antiqua-Indiz: Die Buchstabenformen und -proportionen (besonders R, M, a, e, m) sind deutlich charakteristisch für das, was als Römische Antiqua in verschiedenen Varianten in der ersten Hälfte des 20. Jh. sehr in Mode war und noch bis ca. in die Siebziger in Gebrauch, bevor es dem Zeitgeschmack fast gar nicht mehr entsprach. Die hatte ohnehin sehr sparsame Serifen.

Nachtrag: Ich habe mir gerade mal ein paar Plattenlabel unter dem Fadenzähler angesehen, und dieser Blur-Effekt, dem die feinen Linien zum Opfer fallen, scheint für die schwarz-silber-Kombination geradezu typisch zu sein, was auch immer da wieherum gedruckt wurde.

Diese Schrift dürfte nicht digitalisiert sein.

 

attachicon.gifSemper Antiqua.jpg

 

 

Erinnert mich ein bißchen an die Epigraph (grad im Angebot und bin versucht, sie zu erwerben): https://www.myfonts.com/fonts/pesic/epigraph/

http://apicdn.myfonts.net/v1/fontsample?idtype=familyid&width=700&size=70&id=134825&text=DON%27T%20BE%20CRUEL

  • Ersteller

Herzlichen Dank für die Beiträge. Es sieht so aus, als würden sie die Schrift mehr und mehr einkreisen. Gedruckt wurde damals übrigens mit Aluminium- (Silber) oder Bronzepulver (Gold), nachdem zuvor eine Grundierung auf dem schwarzen Labelpapier aufgebracht wurde. Überflüssiges Pulver wurde mit feinsten Bürsten entfernt.

Ich habe da auch mal meine Platten durchgeschaut, und die für meine Existenz wohl wichtigste aus dem Jahr 1954 scheint auch mit dieser Schrift bedruckt zu sein:

 

[attachment=13323:Plattenlabel.JPG]

 

Was die Technik angeht, denke ich hier weniger an Siebdruck als an Zink- oder Kupferklischees mit denen im Hochdruck mit Silber- oder gelegentlich auch Goldfarbe auf zumächst vollflächig eingefärbtem Papier gedruckt wurde, die bedruckten Platten-Etiketten wurden dann rund ausgestanzt, in die Platten-Pressform eingelegt, darauf  vorgeheizte PVC-Presskuchen und das 2. Etikett, woraus dann die Schallplatte durch schließen der Presse geformt wird.

 

Schön zu sehen, wie das geht:

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=2V76CgEuj1c

  • Ersteller

Les Paul und Mary Ford wurden von derselben Firma vertrieben wie Montovani und Elvis Presley, daher gleichen sich die Schriften. Es gab in der 50er Jahren zwei Druckereien, die für die Teldec-Fabrik in Nortorf arbeiteten. 

Ich möchte hier noch einmal auf die halbfette Semper Antiqua hinweisen. 

 

Sie hat den selben Duktus und ist identisch mit der Schrift auf der Platte. Siehe auch die Beistriche, ebenso die Schräge der Federhaltung.

 

 

 

[attachment=13336:Semper Antiqua halbfett.jpg]

 

 

Man sollte bedenken, dass zu dieser Zeit die Texte im Bleisatz gesetzt wurden und davon ein Barytabzug oftmals auf einer Handpresse angefertigt wurden.

 

Dann wurde der Abzug in der Reprokamera aufgenommen bzw. vom Barytabzug ein Kontakt angefertigt und anschließend montiert.

 

Nun wurde mitunter nochmals von der Montage ein Negativ angefertigt um die Schnittränder der einzelnen Textteile abzudecken.

 

Erst dann konnte man davon einen Positivfilm zur Plattenkopie fertigstellen.

 

Es gab aber auch andere und nicht weniger umständlichere Herstellungsproesse.

 

Dann kam noch der Druck, der gab der Schrift den Rest.

 

Dass hier nicht die Schriftqualität und Exaktheit des Schriftbildes herauskam, wie wir es heute gewohnt sind, braucht nicht extra erwähnt werden.

  • Ersteller

Das Schriftbild der Semper Antiqua hat mich voll überzeugt, daß ich mit Ihrer Hilfe die Lösung gefunden habe. Selbst Setzer, die in den 50er Jahren für die Teldec-Druckereien gearbeitet haben, konnten sie nach all den Jahren nicht mehr identifizieren, haben mir aber jetzt bestätigt, daß sie die Schrift verwendet haben. Ich bin sehr dankbar, daß ich endlich des Rätsels Lösung habe. 

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