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Times New Roman - Die Jogginghose unter den Fonts?

Hervorgehobene Antworten

Hä? Ich würde sowieso eine Serifenlose verwenden. Ich schicke ja kein Buch. Ich verwende bei Bewerbungsschreiben und Lebenslauf Myriad Pro. (Serifen im tabellarischen Lebenslauf halte ich für ein Unding und Bewerbungsschreiben und Lebenslauf mit unterschiedlichen Schriften für den Haupttext ist mir zu uneinheitlich.)

Der Artikel ist unsinnig. Die meisten Leute können eine Garamond nicht von einer Times unterscheiden. Selbstverständlich kann man mit einer Times eine gutaussehende Bewerbung setzen oder vernünftige Tabellen. Ich würde fast meinen, daß man mit einer gut gesetzten Times leichter »einen guten Eindruck« vermitteln kann als mit der spröden Helvetica. Und warum sollte sich ein Laie überhaupt eine Helvetica kaufen, wenn er die Unterschiede zur Arial sowieso nur findet, so sie ihm jemand unter der Lupe zeigt?

 

Warum sollten Serifen in einem tabellarischen Lebenslauf »ein Unding« sein? Das würde ich wiederum für die kuriose Privatansicht eines Laien halten, für Meinungsrauschen. Marotten sind völlig legitim, nur mit Typografie hat diese nichts zu tun.

 

Ich finde diese Art des leeren Daherredens über Schrift grausig. Niemand kann das nachvollziehen, wenn einer die Garamond für »besser« als die Times erklärt, ohne daß er selbst wahrscheinlich die beiden Schriften unterscheiden könnte, wenn ihre Namen nicht dranstehen. Auf diese Art und Weise verschafft man Typografen den Ruf von Spinnern und Nerds.

Und letztlich, wer weiß, vielleicht ist ja eine Bewerbung in Comic Sans in bestimmten Fällen sogar der direkte Weg zur Anstellung?

 

Ja, es stimmt, Comic Sans ist die meist gehasste Schrift - aber bei wem? Bei den Profi-Gestaltern!

 

Weil sie eben auch die innigst geliebteste Schrift im Amateurbereich ist. Sonst würde sie ja nicht bis heute derart übergenutzt. Und da diese ungelehrten Do-it-your-self-Gestalter eben letztlich teil ihret Zielgruppe sind kommen die mit Comic Sans und möglichst kunterbunt gemischten Cliparts bei ihre Zielgruppe vielleicht sogar besser an, als kämen wir mit einem nach allen Regeln der Kunst durchgestylten Plakat.

 

Wer sich also als Mitarbeiter(in) einer KiTa bewirbt, ist mit Comic Sans sicherlich nicht schlecht beraten, muss aber damit rechnen, hinterher sämtliche Hinweisschilder, Plakate für Feiern usw. gestalten zu müssen.

Ich komme öfter an einer Kita vorbei, die den Namen »Drachenhöhle« trägt. Natürlich soll das kindzentriert rüberkommen. Ich glaube mich zu erinnern, daß das in irgendeiner blauen Blasenschrift angemalt ist. Eine Beschriftung in Helvetica würde mich ins Grübeln bringen, ob der Name ein Hinweis auf ein bestimmtes Kinderbild und die Art der Behütung dieser Ungetüme sein soll. In Tannenberg geschrieben, würde ich die Angestellten einer außergewöhnlichen Durchsetzungsfähigkeit verdächtigen. Wenn ich eine Kita besäße (und taub wäre), welche Schrift würde ich ihr wohl geben?

 

Ob ein erwachsener Mensch gut beraten ist, sein Interesse für Kleinkinder durch den Anschein eigener schriftbildlicher Niedlichkeit darzustellen, zeigt sich letztlich am ästhetischen Anspruch (oder der Teilinfantilisierung) der Anstaltsleitung.

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