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Schrift mit chinesischen Schriftzeichen in gleichem Charakter

Hervorgehobene Antworten

Hallo,

ich muss momentan ein Corporate Design entwickeln welches im Deutschen und Chinesischen Raum auftritt.

Daher stellt sich mir die Frage ob es Schriften gibt welche lateinische und chinesische Schriftzeichen unterstützt. Und auch nicht nur vom technischen Standpunkt sondern auch das der Charakter der Schriftzeichen den Buchstaben entspricht.

 

Da momentan noch nicht feststeht welchen Chrakter die Schrift haben soll erstmal die allgemeine Frage ob jemand eventuell solche eine Schrift kennt?

 

Viele Grüße

Ich wage zu bezeifeln, dass man, schon wegen der gänzlich anderen Logik der Schrift überhaupt von einem gleichen Charakter sprechen kann, stammt ja auch die Form der Schriftzeichen aus der Nutzung anderer Schreibwerkzeuge, und somit dürfte auch das Empfinden des Schriftcharakters ein anderes sein.

 

Generell  kann man hier höchstens von Schriftarten mit einem ähnlichen Strichstärken-Kontrast ausgehen, also entweder wie eine lateinische Grotesk mit sehr wenig bis keinem Strichstärkenkontast geschriben = überall gleich breite Linien, die dann eventuell rechtwinklig abgeschnitten oder in Rundungen endend sind, oder, wie z.B. Antiqua-Schriften einen, vom ursprünglich verwendeten Schreibgerät abhängigen Strichstärken-Kontrast besitzen, wobei die lateinischen dann eher den Charakter von der Schreibfeder her besitzen, während die chinesischen Schriftzeichen eher den Charakter einer Pinselschrift besitzen.

 

In den allermeisten Fällen werden oft die chinesischen Schriftzeichen von einem gänzlich anderen, zumeist dann auch chinesischen Gestalter stammen, und schon daher nie exakt im Stil zu europäischen Schriftsystemen passen.

Ich habe neulich für ein Projekt eine Garamond mit der Kaiti SC kombiniert, die funktionieren ganz gut zusammen. Ansonsten hatten wir nebenan neulich schon ein Thema mit Bezug zu CJK, in dem ich Fachchinesisch Typografie von Susanne Zippel empfohlen habe. Das solltest du dir vielleicht besorgen, wenn du ein derart internationales CD machen willst …

  • Ersteller

Hallo,

 

danke für eure Antworten. Das dies nicht so wirklich funktionieren wird habe ich mir fast schon gedacht.

Auf der anderen Seite bin ich ja nicht der erste der vor diesem Problem steht :).

Mir ist natürlich klar das ich nicht einfach ein europäisches CD ins Asiatische, vornehmlich Chinesisch, transferieren kann ohne die kulturtypischen Eigenheiten zu berücksichtigen.

Aber der Grundtenor sollte schon gleich bleiben, in diesem Fall ist sogar der asiatische Bereich wichtiger als der europäische.

 

Der Tip mit der Garamond ist schonmal super. Hier passt der Charakter wirklich ganz gut zusammen. Die Kaiti sieht ja auch wie teilweise ein Garamond Klon aus.

 

Auch Danke für den Buchtip. Werd ich mir bestimmt zulegen wen ich etwas Geld übrig habe. Ist ja leider nicht ganz günstig.

@stötzer: Ich denke mal das du die sungnewroman meinst. Auch hier ein Danke von mir.

Ich hatte das Buch aus unserer Bib, deswegen ist mir der Preis bisher nicht aufgefallen, aber der Scheint mir schon angemessen. Das Buch ist umfangreich und auch schön verarbeitet. Außerdem ist in der Marginalspalte eine Art (kommentiertes) Schriftmusterbuch integriert, das wäre für dich derzeit besonders Interessant.

 

Notfalls musst du auch mal eure Bibliothek(en) abklappert und ggf. fernleinen ;-)

Hallo,

 

bei den Entwicklungen in der Formgeschichte der chinesischen Schrift spielt der Pinsel in etwa die Rolle die bei uns der Breitfeder inne hat. Die Strichführung der Kai-Schriften ist viel individueller und expressiver als die der Renaissance-Antiqua. Demnach ist der Einsatzbereich von Kai auch anders gelagert als beispielsweise das einer Garamond bei uns. Darüber hinaus spielt der Holzschnitt eine bedeutende Rolle. Diese widerspiegelt sich im Song-Stil welche wg. der abrupten Übergänge von dick zu dünn eher zur klassizistischen Antiqua passt. Inzwischen gibt es aber auch eine Menge chinesische Linear- und Display-Schriften: 

https://www.fontshop.com/search?utf8=✓&q=chinese

Die lateinische Zeichen dieser Schriften sind oft mit Vorsicht zu genießen, weil sie unseren ästhetischen und technischen Ansprüchen nicht immer genügen. Manchmal ist da einfach eine Art von vergurkte Adobe Serif oder Adobe Sans drin. 

Was zur Zeit noch ‘fehlt’ sind chinesische Schriften die zur modernere Renaissance-Antiqua wie die Swift passen. Das müsste  entweder eine gestraffte Kai sein oder eine Song mit weichere Übergänge von dick nach dünn, also ohne lange Haarlinien. So wie ich es bisher verstanden habe, geht so was wie eine ‘gestraffte Kai’ den Chinesen aber ‘gegen den Strich’, weil eine Kai traditionell den persönlichen Ausdruck des Schreibers widerspiegeln soll.

 

Es gibt inzwischen einige Schriften wobei lateinische und chinesische Schriftzeichen aufeinander angepasst sind.
 
URW – Nimbus Global
Von URW gibt es die Nimbus Sans Global (Helvetica)
und die Nimbus Roman Global (Times).
 
Adobe – Source / Google – Noto
Auch Adobe und Google haben zusammen sogenannte Global Fonts gemacht. Bei Adobe heißt die Schrift Source Sans https://typekit.com/search/fonts?query=Source+Sans+Global.
Die sogenannte CJK-Zeichensätze (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) sind in die Source Han Sans drin. Die Source Serie enthält (noch) kein CJK.
Bei Google heißt die Schrift Noto https://www.google.com/get/noto/#/ Die Source / Noto gibt es allerdings nur als Grotesk.

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