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Unbekannter alter Boston-Tiegel


tlotze

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Hallo,

 

während ich noch (mit freundlicher Hilfe aus dem Forum) an der Fehlersuche bei meiner Adana-Presse bin, habe ich begonnen, mich einem anderen Schätzchen zu widmen, das vor kurzem bei mir eingezogen ist und seither noch mangels Zeit und Platzes verschnürt in der Ecke stand: einem großen, alten, schweren A4-Boston-Tiegel.

 

Ein Typenschild oder weitere Informationen fehlen leider, aber es erinnert mich ein wenig an dieses hier: http://www.blog.druckerey.de/?id=316 Nur daß mein Exemplar zusammengesetzt ist, vollständig und auch nicht rostig.

 

Nachdem ich jetzt erstmals seit dem Transport den Handhebel angebaut und die Mechanik bewegt habe, bin ich reichlich verwundert: Eine Bewegung des Hebels von ganz oben nach ganz unten bringt den Aufzug aus einer etwa mittleren Stellung einmal hoch an die Druckform und danach in die untere Position, wobei erst bei der Abwärtsbewegung die Walzen über die Druckform laufen. Das bedeutet, für einen Druck, bei dessen Rücklauf die Form für den nächsten Druck eingefärbt wird, muß man den Hebel nicht nach unten drücken, sondern nach oben ziehen.

 

So etwas habe ich noch nie gesehen und kann mir auch selbst unter der Annahme, daß die Maschine nach einer Wartung oder Restauration falsch zusammengebaut wurde, nicht vorstellen, wie es anders gemeint sein könnte. Daher möchte ich zunächst einmal fragen, ob dieses Bedienprinzip bei Boston-Tiegeln bekannt ist. Für Einzelheiten wird bestimmt gleich der Wunsch nach Fotos aufkommen, aber dafür muß ich das durchweg schwarze Gerät erst mal in den nächsten Tagen aus seiner Ecke herauswuchten.

 

Herzlichen Dank und beste Grüße zur Nacht,

Thomas

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Ich verstehe die Beschreibung nicht. Wenn der Hebelzug den Tiegel an das Fundament bringt und zurück, dann wäre das der normale Lauf. Die Walzen laufen beim Zuklappen nach oben, beim Aufklappen zurück nach unten und färben beide Male die Form ein. Fotos oder gar ein Video würden helfen, das Problem zu verstehen. Vielleicht ist der Hebel in der falschen Position angebracht?

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Ich verstehe die Beschreibung nicht. Wenn der Hebelzug den Tiegel an das Fundament bringt und zurück, dann wäre das der normale Lauf. Die Walzen laufen beim Zuklappen nach oben, beim Aufklappen zurück nach unten und färben beide Male die Form ein.

Ja, im Prinzip passiert das auch, nur daß die Hebelbewegung dabei von unten nach oben stattfindet (und eine weitere Bewegung des Hebels nach noch weiter oben den Aufzug wieder ein Stückweit nach unten bringt, und dann wird ein Anschlag erreicht, während die Walzen noch oberhalb der Form stehen).

Bisher habe ich jedoch nur Tiegel gesehen, bei denen für den von Dir beschriebenen Vorgang der Hebel von oben nach unten gedrückt werden muß. Daher frage ich mich, ob das eine Wissenslücke bei mir oder ein Fehler am Tiegel oder der Bedienung ist.

Fotos oder gar ein Video würden helfen, das Problem zu verstehen. Vielleicht ist der Hebel in der falschen Position angebracht?

Wie gesagt, das dachte ich mir schon und will es auch gern machen, aber in der dunklen Ecke, wo der Tiegel derzeit steht, wird das nichts. Ich sehe zu, schnell Bildmaterial zu liefern.

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Treibt der Hebel irgendwie über eine Pleuelstange ein Rad an, dass dann über ein Zahnradgetriebe die eigentliche Mechanik der Presse antreibt, und eben dieses Zahnradgetriebe ist möglicherweise in einer falschen Positon zusammengesteckt worden?

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Nein, Zahnräder und Pleuelstangen sind da nicht verbaut. Dafür aber ein Kniehebel, und da mir die Sache keine Ruhe gelassen hat, habe ich das Gerät heute morgen ans Licht gezerrt und ein Foto von hinten gemacht. Auf dem Bild ist die Presse offen, der Bedienhebel unten (kaum zu sehen, weil er in dieser Perspektive von der Presse fast verdeckt wird), und der Kniehebel steht nach außen.

 

Ich habe ja inzwischen den Verdacht, daß der tatsächlich falsch herum eingebaut ist und eigentlich nach innen gehört. Zuerst hatte ich den Gedanken verworfen, weil der Anschlag an dem oberen Schenkel des Kniehebels gerade so gut paßt, wenn die Walzen am unteren Ende der Form angekommen sind. Inzwischen habe ich noch mal die Innenflächen des Maschinenkörpers abgetastet und alles nachgemessen, und ich habe den Eindruck, daß es auf der im Bild hinteren Innenkante auf passender Höhe tatsächlich eine Anschlagstelle geben könnte.

 

Übrigens: Sollte das Knie nach innen gehören, würde das wohl auch vermeiden, daß es über die volle Streckung hinweg bewegt werden kann. Da letzteres im Moment möglich ist, kommt diese schwer verständliche Bewegung des Aufzugs zustande, der bei einer vollen Bewegung des Bedienhebels sich erst schließt und dann wieder öffnet.

 

Aber der Aus- und Einbau dieses Teils scheint keine Kleinigkeit zu sein, daher bleibt meine Frage weiterhin, ob es vielleicht doch sein kann, daß diese Bedienhebelbewegung nach oben zum Schließen der Presse ernstgemeint ist.

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Ja, das Kniehebelgelenkt sieht falsch herum eingeklappt aus. Es bewegt sich von oben innen nach unten außen, wenn der Hebel nach unten gedrückt wird. Die Lederriemen sind übrigens ein Schwachpunkt. Man kann die Höhe der Laufschienen nur unter den Riemen einstellen, und diese müssen möglichst glatt und fest sein. Aber vielleicht geht das gut. Ich hab meine alten Tiegel abgegeben und es nie versucht.

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Treibt der Hebel irgendwie über eine Pleuelstange ein Rad an, dass dann über ein Zahnradgetriebe die eigentliche Mechanik der Presse antreibt, und eben dieses Zahnradgetriebe ist möglicherweise in einer falschen Positon zusammengesteckt worden?

Hast Du schon mal einen Bostontiegel mit "Zahnradgetriebe" gesehen? Ich habe schwere Zweifel, daß es sowas überhaupt gibt.

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war ja auch nur ne Vermutung, dass der Hebel auf ein Schwungrad arbeitet, und die normale Einstellung eben ist, dass ein herunterziehen des hebels eben in der position arbeitet, wo die größte Kraft gebraucht wird - ohne das Teil wirklich zu sehen, sondern einfach Maschinenbauer-Fantasie.  Ich habe zumindest solche Schwungrad-Teile gesehen, die über ein Fußpedal betrieben werden, und da war das heruntertreten auch mit dem schließen der Presse syncron.

 

Auch hatte ich mal ein Video von einer arg vernachlässigten Druckerpresse (war auch n Tiegel) gesehen, der das Teil von einem Schrottplatz gerettet hatte, da waren zumindest einige Zahnräder.

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Bostonpressen mit Fußbetrieb haben ein Schwungrad und auch Zahnradgetriebe. Die Boston-Tiegel mit Handhebel nicht. Die Hebelwirkung für das Drucken erfolgt von oben nach unten, also der Tiegel ist tatsächlich falsch montiert. Ein großer Akt muß das nicht sein. Wahrscheinlich ist nur das Gelenk zu öffnen, der Tiegel einmal herauszuzuziehen, das Gelenk in die andere Richtung zu klappen und wieder zu schließen. Man wird es wohl bei dem schweren A4-Gerät besser zu zweit machen. Vorsicht, Gußeisen, das darf nicht hart fallen, es kann brechen.

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Ich denke nicht, daß es mit dem Einklappen des Gelenks getan ist; wie gesagt, über die Streckung hinaus und ein Stückchen nach innen geht es ja jetzt schon. Aber dann stößt der Anschlagzapfen (rot eingekreist) unten gegen das Gehäuse, und die Presse ist nur halb offen, mit den Walzen gerade oberhalb der Form.

 

Vielmehr glaube ich, daß beide Schenkel des Kniehebels mit geschlossenem Gelenk komplett ausgebaut, zusammen um 180° um die Vertikale gedreht, dann der Anschlagzapfen ins Innere der Maschine gefädelt und dabei das Gelenk nach innen eingeknickt, und dann die Lager wieder zusammengesetzt werden müssen. Den Tiegel würde ich dabei in der geschlossenen Position festzurren, das Schwierige werden vermutlich die paßgenauen Lager. Vielleicht geht's ja mit einem Abzieher.

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So etwas sehe ich auf dem Foto nicht, ich bin ja kein Monteur. Da müßte ich auch tüfteln. Die Freude ist aber groß, wenn es dann stimmt.

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Kein Problem, Deine Bestätigung, daß die Maschine falsch zusammengesetzt ist, war mir schon viel wert. Und ansonsten kann ich berichten, daß zumindest das untere Ende des Kniehebels gerade äußerst leicht herauskam. Am oberen Ende hab ich es tatsächlich mit einem paßgenauen Lager zu tun, aber wozu hat man WD-40 – das arbeitet jetzt erst mal für mich, während ich schreibe.

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Es gibt einen Erfolg zu vermelden: Heute abend habe ich es tatsächlich geschafft, den Kniehebel umzudrehen. Schmieren, hin und her drehen, wieder schmieren, ziehen... ein großer Spaß. Aber es stimmt schon, zu zweit handhabt sich so ein Ungetüm einfacher. Tatsächlich sieht die Bewegung des Bedienhebels und des Tiegels im Verhältnis zueinander jetzt aus, wie sie soll. Danke noch mal an alle helfenden Kommentatoren!

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Echt klasse! Wenn Wolgast und Jena nicht so arg weit auseinander liegen würden, wär ich sicher zu gern "um die Ecke" gekommen :-)

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  • 4 Monate später...

Da ich gerade wieder über diese alte Diskussion stolpere:

Die Lederriemen sind übrigens ein Schwachpunkt. Man kann die Höhe der Laufschienen nur unter den Riemen einstellen, und diese müssen möglichst glatt und fest sein. Aber vielleicht geht das gut.

In der Tat geht das sehr gut. Ich habe inzwischen die Riemen erneuert (schon die Ersatzteilbeschaffung ist da vergleichsweise bequem, festes glattes Chromo-Leder gibt's beim Geschirrsattler binnen 10 Minuten für fast kein Geld) und mit der Presse ganz unterschiedliche Sachen gedruckt, ohne Qualitätsprobleme aufgrund der Lederriemen festzustellen. Die Höhenverstellung durchs Unterfüttern empfinde ich sogar als Vorteil, weil das so sehr einfach möglich ist, wenn man z.B. mal Klischees mit einer abweichenden Dicke hat. Das einzige, was ein bißchen wacklig  wirkt, ist eine kleine seitliche Bewegung der Riemen, aber die hat anscheinend keine praktischen Nachteile.

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