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Historisches Dokument von 1794. Gedruckt?


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Liebe Typografiefreunde,

 

anbei ein Dokument (PDF im Anhang) aus dem Jahr 1794. Frage mich, ob das Schriftstück gedruckt oder gezeichnet ist. Schreibmaschinen gab es noch nicht. Einen Druck möchte ich ausschließen, weil dieses Schriftstück ja eher ein Einzelstück ist. In dem geht es um die Beurteilung von Invalidenhäusern/Heimen und deren Bewohner (Anzahl), also mit zeitnah erfassten Daten.

 

Jetzt fehlt mir das historische Wissen, um abzuschätzen ob damals auch Einzelstücke mit Handsatz (ok, mehr gabs ja nicht) gedruckt worden sind. Nachdem es in den 1970er Jahren in der Bundesrepublik einen Geldfälscher gab, der DEM 1.000 Scheine in einer Woche mit Tusche händisch kopiert hat, will ich nicht ausschließen, dass dieses Schriftstück ebenfalls mit Hand geschrieben worden ist. 

 

Aber was weiß ich schon, sind ja nur Mutmaßungen. Darum wären fundierte Antworten hilfreich, keine zusätzlichen „Spekulationen“. ;)

 

Beste Grüße

 

Joachim

 

Amtliches Dokument aus 1794.pdf

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Gast bertel

1794 war ich noch sehr jung und ich war damals beim Druck nicht dabei, daher kann ich das nur mutmaßen: Ja, das ist gedruckt. Sieht mir aus wie ein Vordruck, der dann händisch ergänzt / ausgefüllt wurde. Auch, weil sonst das falsche Datum "2792" hätte geändert werden können.

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Auch die abweichende Schrift bei Transport (S. 3 oben) spricht für gesetzt und nicht handgeschrieben.

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Ich kann nichts über die Verbreitung von Drucken von Einzelstücken sagen, aber so etwas per Hand zu produzieren bedarf außergewöhnlicher Fähigkeiten und ist selbst dann ein immenses Unterfangen. Drucken ist deutlich einfacher.

Da diese Abrechnung vermutlich für mehrere Stellen von Interesse war, gehe ich nicht davon aus, dass es ein Einzelstück ist. Außerdem würde kaum jemand in einem derartigen Einzelstück herumkritzeln, insbesondere, wenn es von Hand gefertigt wurde.

Argumente hierfür:

  • Das Schriftbild und die Buchstabenformen sind viel zu regelmäßig für eine Handschrift.
  • Die verwendeten Buchstabenformen entsprechen typischen Druckschriften der Zeit. Die Handschriften sahen deutlich anders aus.
  • Die verwendeten Buchstabenformen enthalten Verzierungen und andere Elemente, die in dieser Form schwer per Hand zu produzieren sind, z. B. die Serifen der Antiqua-Buchstaben, das Umlaut-e, die ſi-Ligatur, die allermeisten Schnörkel.
  • In der Überschrift und im Initial sind typische Druck-Artefakte zu erkennen (die weißen Flecken) zu erkennen, die bei Handschrift nicht auftreten.

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Das ist im Bleihandsatz hergestellt, der Schriftsetzer sieht es an etlichen satztechnisch-typografischen Merkmalen, allerdings nicht an der Druckqualität, denn die ist hier gar nicht zu erkennen. Es ist kein Formular, sondern ein Bericht mit vermutlich Bleistiftunterstreichungen, es gibt keine handschriftlichen Ergänzungen außer diesen. Alle Zeichen sind mit Lettern und typografischen Material gesetzt.

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PS: Als Fälschung mit bestimmten Absichten kann es natürlich ein Einzelstück sein. Einzelstücke wie Urkunden habe ich als Lehrling und auch später als angestellter Setzer öfter gesetzt und wurden gedruckt; es wird heute auch noch gelegentlich danach gefragt, so etwas wird auch heute noch produziert. Ob das gezeigte Dokument handzeichnerisch gefertig wurde, also mit dem Aufwand wie eine Kunstfälschung, sieht man unter der Lupe am Farbauftrag. Setzen und drucken ginge auch mit Handsatz und Buchdruck schneller als von Hand zeichnen. Schreiben kann so kein Mensch.

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Gast bertel

… es gibt keine handschriftlichen Ergänzungen außer diesen. Alle Zeichen sind mit Lettern und typografischen Material gesetzt.

Auch die höchst unterschiedlichen "Doppelstriche"? (wie heißen die denn wirklich?)

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Auch die höchst unterschiedlichen "Doppelstriche"? (wie heißen die denn wirklich?)

Ja, auch die Unterführungen (hier hat man dafür das Divis verwendet). Unterschiedlich abgenutzt, vielleicht auch verzwiebelfischt. Man hat so was damals nicht so genau genommen. Aber die exakt gleichen Längen und Schrägen sprechen in meinen Augen für Bleisatz. Auch die Anordnung, die gleichen Höhen. Auf einem guten Foto würde man es natürlich genauer sehen.

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